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Gesellschaftliches aus Kiel und Schleswig-Holstein

Das eigene Auto #Verkehrswende

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Mich fasziniert seid vielen Jahren das Thema Verkehr. Und dabei insbesondere die Rolle des Autos als Transportmittel. Mit kaum etwas wird so irrational umgegangen wie mit dem Auto. Die Rolle, die das Auto bei uns spielt ist kaum fassbar.

Normaler weise ist es vollkommen kostenfrei sein Auto auf der Straße zu parken. Und nicht nur eins, sondern im Grunde genommen beliebig viele und auch was die Größe angeht, macht es keinen Unterschied.

Im Vergleich dazu: Will ein Laden ein Werbeschild auf die Straße stellen, kostet es 50 € (+ Verwaltungsgebühr). Stellt er dagegen ein Auto mit Werbebotschaften auf, ist es kostenlos. D.h. mehr Platzverbrauch und mehr Werbefläche ist billiger, als eine kleine Lösung. Und das nur, weil es um die heilige Kuh in Deutschland geht: Das Auto.

Ich will hier aber mal die Kosten für die Besitzer behandeln. Als Beispiel nehme ich aber einen neuen Einsteigergolf: „Golf Trendline“. Bei Gebrauchten, die auch verbreitet sind ist ja das Problem, dass die Abgastechnik älter ist. In mancher Hinsicht ist da auch der Unterhalt teurer.  Also behandle ich primär Neuwagen, gehe aber später noch auf Aspekte von Problemen älterer Fahrzeuge ein

Die Kosten

Anschaffungskosten

Am Anfang stehen schon mal Anschaffungskosten. In dem Beispielfall sind das als Listenpreis für den Einsteigergolf 18.075 €. Mal zum Vergleich: eine Bahncard 100 kostet 4.270 €. Damit kann man ein Jahr lang beliebig oft im Nah- und Fernverkehr der Bahn reisen. Man würde also zum Preis von einem Golf 4 Jahre lang Bahn fahren können. Der ÖPNV wäre damit in Kiel nicht eingeschlossen. Aber genau so wenig sind beim Kaufpreis eines Golfs weitere Kosten eingeschlossen.

Der ADAC geht bei den Kostenberechnungen davon aus, dass ein Auto fünf Jahre gefahren wird und dabei 75.000 Kilometer gefahren werden (15.000 im Jahr). Der ADAC geht davon aus, dass der Wertverlust der größte Kostenposten ist. Ich lasse den in meiner Betrachtung aber eher weg, da ich es eher so sehe, dass der Kaufpreis ja bereits bedeutet, dass das ganze Geld weg für das Auto drauf geht und weg ist. Der Werteverlust stellt ja lediglich das Pendant für einen Wiederverkaufswert dar und für den Wertverlust muss man monatlich nichts aufwenden. Auch wenn man das sicher nicht außer acht lassen sollte, spielt es sicher auch in der Betrachtung der Autofahrer*innen im Alltag keine so große Rolle.

Ansonsten setzt der ADAC noch an:

  1. Betriebskosten (Kraftstoff und ähnliches, Reinigung)
  2. Fixkosten (Haftpficht 8und Kaskoversicherung, KfZ-Steuer, TÜV, Parkgebühren)
  3. Werkstattkosten (Reifen, Ölwechsel,…)

Für einen Golf wären das monatlich:

  1. Betriebskosten: rd. 130 €
  2. Fixkosten:  rd. 110 €
  3. Werkstattkosten: rd. 70 €

Wären wir also bei rund 310 € / Monat. Wobei man natürlich davon ausgehen kann, dass nicht jeder Monat so aussieht und viele Kosten am Ende der fünf Jahre erst entstehen. Aber auch: Je früher man sein Auto verkauft, desto geringer sicher der Wertverlust. Wenn wir die Anschaffungskosten auf die fünf Jahre verteilen, so kommen wir auf 3.615 e pro Jahr oder auch 300 € pro Monat (davon könnte man dann einen Verkaufspreis oder Restwert abziehen).

Aber bleiben wir nur mal bei den rd. 300  € Kosten pro Monat für so ein Durchschnittsauto. Und lassen wir mal die Betriebskosten weg, da die ja etwas mit der Nutzung zutun haben. Also sind es 180  € / Monat für Fix- und Werkstattkosten. Das sind bereits 2160 € jedes Jahr. In fünf Jahren 10.800 €.

Im Vergleich dazu mal das Kieler StattAuto (Carsharing): Die Einlage von 500 € können wir weglassen, da wir die wieder bekommen. Als Kosten haben wir 8€ im Monat. Das sind also 96 € im Jahr und 480 € in fünf Jahren.

Und nun noch mal zu den Betriebskosten im Vergleich: Bei 15.000 Kilometer pro Jahr kämen wir auf 1.250 Kilometer pro Monat.  Für einen direkten Vergleich wechsle ich mal die Modelle. Denn StattAuto hat keinen Golf, aber z.B. „Opel Adam“ (siehe „Unsere Autos„, Kategorie Mini) Und gehen wir von einem Durchschnittsverbrauch von 5 Litern/100 km aus.

  • Eigenes Auto: 1250 km / 100 * 5  = 62,5 L * 1,33 = rd. 83 €
  • StattAuto: Kilometer: 1250* 0,23 €/km 287,50 € plus Zeit: 41 km pro Tag – ca. 2 Std.* 30 = 60 Std. * 2 € = 120 € – zusammen 307,50 €

Also kombinieren:

  • Eigenes Auto: Monatliche Kosten: 300 € plus Betriebskosten: 83 € = 383 €
  • StattAuto: Monatliche Kosten: 8 € plus Betriebskosten: 307,50 = 315,50 €

Hierbei muss man allerdings bedenken, dass man bei StattAuto auch für die reine Stehzeit zahlt: D.h. bei einem Arbeitsweg von 8-17 Uhr würde es am Tag 9 Stunden stehen, die auch bezahlt werden müssen. Für Arbeitswege empfiehlt sich daher fast immer eine Alternative zum StattAuto, z.B. zwei Buskarten a 2,60 = 5,20 € oder auch Fahrrad.

Was ich beim Carsharing so schätze: Wenn man gar nicht fährt, sind die Kosten SEHR überschaubar mit 8 € / Monat. Und wenn man fährt, zahlt man für die tatsächliche Nutzung. Von Autofahrer*innen kenne ich mittlerweile so viel Geschichten, dass plötzlich Reparatur-Kosten von 300,500,800 1000 oder mehr Euro auf einen Schlag fällig sind. Und dann stellt sich die Frage: Zahlt man das Geld und kann darauf hoffen, dass das Auto bald wieder fahrtüchtig ist (oft halten Reparaturen aber auch nicht ewig) . Oder verzichtet man erst ein mal für ein paar Wochen auf sein Auto. In dem Fall hat man zwar alle Fixkosten, kann aber gar nicht fahren und muss zusätzlich für eine Alternative zahlen.

Hat dagegen ein StattAuto einen Schaden kann man unmittelbar mit einem anderen weiterfahren. Bei Selbstverschulden kommen dann zwar Kosten auf einen zu, verhindern aber nicht, dass man erst ein mal weiterfahren kann. Nicht zuletzt klaut einem das Auto auch einiges an Zeit für die Pflege (TÜV, Reparaturen, Tanken,…), wo man z.B. seine Zeit an langweiligen Tankstellen verbringen muss. Oder die Zeit für die Parkplatzsuche zuhause. Denn StattAutos haben einen fixen Standort und somit einen gesicherten Parkplatz.

Und  es gibt keinen Wertverlust und keine Notwendigkeit tausende von Euros auf den Tisch zu legen für den Erwerb eines Fahrzeugs.

Man könnte auch vier Jahre vergleichen:

  • Eigenes Auto: 18.000 € plus weitere Kosten 14.400 = 32.400
  • StattAuto 384 € für die Zeit + Bahncard 100: 17.080 € = 17.464 € + 14.760 € = Betriebskosten = 32.224 € . Bei den Betriebskosten dabei nicht berücksichtigt, dass durch die Bahncard 100 viele Strecken schon mit drin wären. Möglich wäre auch eine Kombination mit einem Monatsticket der KVG mit 594 € pro Jahr.

Je weniger man Auto fährt, desto günstiger wird Carsharing im Vergleich zum Eigenen Auto.

Darüber hinaus kann es auch viel Sinn machen mehr Geld in Fahrräder und entsprechende Kleidung zu investieren, da ja eine Strecke mit dem Fahrrad umsonst ist (aber auch hier fallen Reparaturkosten an).

Vielleicht gibt es hier und da auch einen kleinen Fehler in der Berechnung. Dann bitte ich um Hinweise. Mir gings drum sowas mal beispielhaft und nicht zu abstrakt durchzurechnen.

Generell ist meine Erfahrung, dass viele den Komfort eines Autos über- und dessen wahre Kosten unterschätzen. Und auch, dass beim StattAuto die konkreten Zahlen abschrecken, obwohl es für viele durchaus günstiger wäre als ein eigenes Auto.

Written by tlow

15. April 2018 um 09:41

Veröffentlicht in Allgemein, Verkehr

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2 Antworten

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  1. Diese Diskussion, kann man aber auch nur in einer Stadt führen.
    Wenn ich mir Kiel ansehe und seine Schieneninfrastruktur, sehe ich, das man zu Kaiserszeiten stehen geblieben ist. Die Kieler CDU argumentiert mit Luftblasen gegen ein Schienen ÖPNV jeglicher Art. Zb: Nördlich des Hbfs könne man keine Schienen verlegen.
    Die CDU Kiel und die CDU SH, bleiben eine Antwort schuldig, wie der reine Bus ÖPNV attraktiver werden soll. Zb: Die jeweils rechte Fahrbahn in der Holtenauer Straße, wird zur reinen Busspur. Dort müsste das Ordnungsamt dafür sorgen, das die Busspur frei bliebe.
    Zurück, zu den Bahnsschienen,
    Ich hatte zuletzt Arbeitszeiten von Nachmittags bis offenes Ende. Der Arbeitsort war bei Rendsburg. In der Anfangszeit, hatte ich noch kein eiegenes Auto und hab in innenstadtnaher Lage gewohnt.
    Ein Kollege musste mich ab 23 Uhr immer nach Rendsburg zum Hbf fahren. Vielfach, hatte der Zug nach Kiel verpspätung, so das, als ich in Kiel ankam, der Bus ÖPNV, sein Nachtprogramm begann. Folglich, kam ich häufig zu spät und musste vom Hbf zum „Blücher“ laufen, nach einer 7 Stunden Schicht, dazu noch in Arbeitsklamotten. Heißt: Mit verspätung war ich insgesamt gute 1 einhalb Stunden unterwegs.
    Heute, könnte man bei Schülldorf einsteigene und das Ganze mit dem Fahrrad erledigen.
    Wesentlich attraktiver wäre, wenn das Schienennetz von Kiel aus nach Eckernförde, Rendsburg und Plön 2 gleisig ausgebaut wärer. Deswegen ist die neue Levensauer Hochbrücke mit nur 1 Schienenstrang geradezu lächerlich! Wie soll so, der Umschwung auf Bahn, Bus und Fahrrad gelingen?
    Während die Bundessstraße B 76, seit dem 2. Weltkrieg, mehrfach umgelegt wurde bis sie heute ihren aktuellen Zustand hat.
    Während die Bahnstrecke Kiel-Eckernförde noch aus Kaiserszeiten stammt und immer noch 1 gleisig ist.
    Auch ohne ein Schienen ÖPNV wie einer Straßenbahn, RegioTrem oder Stadtbahn, hätte das Land SH und die Stadt Kiel, wie seine Nachbarn, noch mehr in das Schienennetz investieren müssen!
    Früher, als ich noch bei meinen Eltern in Gettorf wohnte, gab es nur einen 1 Stunden Takt. Seit vielen Jahren, gibt es einen 30 min Takt. Und das, wird als großer Fortschritt gefeiert.
    Zwischen Kiel und Rendsburg, bekommt man nicht einmal einen 30 min Takt hin. Wie will man mit diesem Zustand, des bestehenden Schienennetzes, eine RegioTram (Stadtregionalbahn) oder eine Stadtbahn realisieren? Das aktuelle Schienenetz, wie der Hbf Kiel selbst, verträgt nicht noch mehr Züge!
    Während die Bundesstraße B 76 als bestes Beispiel, nicht mehr nur 2 Fahrspuren hat, um Kiel, sondern zumeist 4 Fahrspuren besitzt.
    Auch die Busanbindung, der reaktivierten Bahnhaltestellen, wie in Melsdorf, ist ein Graus!
    Ich wünschte mir ähnliche Bahnhaltepunkte, wie sie in Perth, Westaustralien, entstanden sind.
    Vielleicht, sollte man auch ein Bestrafungs.- und Belohnungssystem einführen.
    Menschen, die ein großes Fahrzeug besitzen, damit meine ich Kombis und SUVs, die sie eigentlich nicht bräuchten, zahlen mehr und diejenigen, abgesehen von Familien, werden begünstigt.
    Ich kenne aber auch ein anderes Beispiel.
    Eine Mutter mit ihren Kindern, muss mit dem Bus fahren, innerhalb Kiels, während der Mann mit dem PKW zur Arbeit fährt. Ob der Mann, das Auto wegen der Arbeit benötigt, sei dahingestellt.
    Man könnte auch jeweils 1 Fahrspur der B 76, für Fahrzeuge reservieren, die mindestens mit 2 Menschen belegt sind. Denn meistens, sind die Fahhrzeuge mit nur 1 Person belegt.
    Firmen in und am Rand von Kiel, könnten belohnt werden, wenn sie ihren Mitarbeitern Fahrräder zur verfügung stellen oder die Firmen werden beim Kauf von KVG Tickets unterstützt oder belohnt. Zb in Form des Aufbaus von Solaranlagen, auf dem Dach des Firmengebäudes.
    Ich möchte aber auch keine Zustände haben, wie in vielen Städten Chinas oder Asiens, wo es Massen an Fahrradfahrern gibt. Und Tiefgaragen, müssen ebenso so sein, wie ein funktionierender ÖPNV.
    Mehr noch. Das sogenannte Hufeisen-projekt, sollte vollendet werden mit einem Straßentunnel, in der Mitte der Kieler Förde.
    Vom Holstein Knoten, ginge es in südöstlicher Richtung, rüber nach Neumühlen-Dietrichsdorf. Nördlich, zwischen Güterschiene und Neumühlen-Dietrichsdorf, ginge es am genannten Stadtteil vorbei zur Bundesstraße B 502! Somit, müsste man nich mehr komplett um die Förde herum fahren. Wenn man von Schönberg nach Strande will und mit der Innenstadt Kiels, nichts zu tun hat.
    Man könnte den Straßentunnel so groß bauen, das man dort ein weiteren Tunnel, für den Schienen ÖPNV hat.
    Dann könne eine Schienenverbindung, vom ehemals geplanten SRB Kiel Verknüpfungspunkt Suchsdorf, bis nach Neumühlen-Dietrichsdorf fahren.
    Natürlich, kostet das alles Geld, aber das Geld ist vorhanden. Siehe Straßenausbau in SH oder in ganz Deutschland.
    Selbst die neue, geplante U-Bahnlinie in Hamburg, kostet mehr, als jeglicher, geplanter Schienen ÖPNV in Kiel. Und es muss etwas passieren im Bereich Schienen ÖPNV in und um Kiel.
    Wie unsere Landeshauptstadt, Umwelthauptstadt werden konnte mit diesen Dieselflotte der KVG und mit diesem Verkehrskonzept, erschließt sich mir nicht.

    Und noch eines. Wegen dem Bienensterben…..
    Mittlerweiel, fälllt auch mir auf, das es in der Stadt, viele, viele Rasenflächen existieren. Könnte man diese nicht mit Blumen übersähen? Der Pflegeaufwand, wäre nicht viel mehr oder weniger, als eine Rasenfläche.
    Zb am Autobahnende/ Schützenwall, Westring. Gegenüber Ikea an den Häuserblocks.
    Für die Rasenfläche, wird mit Sicherheit ein Sitzrasenmäher benötigt um die Fläche zeitnah zu mähen.
    Diese Fläche mit Blumen bestückt, würde vielleicht mehr Sinn ergebenn und diese Ecke würde nicht so ergraut daherkommen. 😉

    AHG

    26. April 2018 at 10:15

    • Danke für den ausführlichen Kommentar. Oh ja das Abenprogramm der KVG. Das Züge zu spät kommen kommt ja oft vor. Und wenn Dir dann 5 Busse gleichzeitig vor der Nase wegfahren und man dann wieder 1-2 Std. warten muss dann kriegt man nen Koller. Ich denke der Fahrplan sollte man von echten Experten optimiert werden nach modernsten Gesichtspunkten. Also Reichweite erhöhen und mit mathematischen Formeln. Ich glaube in Kiel machen die das bisher eher selber und nicht von weltweit anerkannten Experten. Vlt. kann San Francisco da Impulse geben als Partnerstadt? Strassentunnel unter der Förde ist glaube ich keine gute Idee- Für OPNV Ok-

      tlow

      26. April 2018 at 21:46


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