KielKontrovers

Gesellschaftliches aus Kiel und Schleswig-Holstein

Vorfahrt für Räder? #velorouten #premiumrouten

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Anlass für diesen Beitrag ist ein Artikel in der KN zum Ärger um die Veloroute 10.

Man fragt sich: Wenn man eine Veloroute in Kiel plant bzw. in diesem Fall eine Fahrradstraße, wie kann man da entweder:

  • zwar Fußverkehr zulassen, aber dann keinen Platz dafür lassen?
  • Oder wenn ausschließlich Radfahrer dort fahren sollen vergessen mit Schildern klar zu machen, dass Fußgänger nicht dort laufen dürfen

Radfahrer*innen werden ja das ganze Jahr stark kontrolliert, dass sie ja nicht zu Unrecht Fußgängerwege wie z.B. in Parks benutzen. Insofern versprach dieser Teil der Veloroute 10 den Radlern durchaus auch ein mal fahren zu können, ohne auch auf den Fußverkehr achten zu müssen. Genau genommen macht diese Baumaßnahme nur dann Sinn, wenn es hier ein mal anders gelaufen wäre.

Aber was jetzt deutlich wird, wirft auch ein Licht auf die Tatsache, wie man in Kiel Fahrradpolitik betreibt und auch auf die Sinnhaftigkeit expliziter Velorouten.

Der Sinn von Velorouten soll sein, dem Radverkehr das navigieren durch eine Stadt zu erleichtern. Ich denke allerdings, dass diese Idee leider einen grundsätzlichen Fehler im Ansatz hat: Wie Radler*innen unterwegs sind, kann durchaus sehr verschieden sein. Es geht nicht immer darum möglichst schnell und barrierefrei durch die Stadt zu rauschen. Im Gegenteil: Einer der Vorteile von Fahrrädern ist gerade, dass Zwischenhalte problemlos möglich sind. Und es ist auch ein Vorteil, wenn man mit seinem Rad flexibel ist und überall fahren kann.

Die Veloroute beinhaltet hingegen den Gedanken, das Fahrrad idealer weise vom üblichen Verkehr abzutrennen. Somit das Fahrrad als Hindernis zu entfernen und gleichzeitig der Radlerin Hindernisse aus dem Weg zu räumen (Kreuzungsfrei usw.). Es gibt hier auch die Abwegung, dass Velorouten auch bedeuten, dass es bestimmte Straßen gibt, die für den Radverkehr geeignet sind, mehr als andere. Insofern wird dann auch ein Ausbau von Velorouten betrieben. Ein Euro für eine Veloroute bedeutet immer auch ein Euro weniger für die fahrradfreundliche Umgestaltung anderer Straßen.

Insofern möchte ich dafür plädieren das Konzept der Velorouten stark zu überdenken. Denn ich denke es ist den Radlerinnen viel mehr geholfen, wenn sie überall fahren können, als lediglich auf Velorouten. Und wie wir bei der viel (auch von Umweltverbänden) gehypten Veloroute 10 sehen wird oftmals das Ziel einer vollständigen und für Radfahrer besten Route oft gar nicht erreicht.

Auch in anderen Städten wie London geht der Ausbau entsprechender Fahrradhighways nicht voran. Und wo dann der Fortschritt fehlt,

Written by tlow

26. Dezember 2018 um 14:03

Veröffentlicht in Rathaus, Verkehr

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7 Antworten

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  1. Wir brauchen Premiumvelorouten! Bereits heute fahren täglich mehr als 1.200 Räder auf der Strecke – und sie ist nichtmal offiziell frei!
    Auch das Fahrradforum (und damit VCD, ADFC, Nabu, BUND, Fahrradfreunde Russee u.a.) hat sich für Premiumrouten ausgesprochen. Es stimmt auch nicht, dass ein Euro in die Veloroute ein Euro weniger ins restliche Fahrradnetz sind. Es gibt diverse Zuschüsse von Bund und Land, rund 30 % werden nicht von der Stadt finanziert – das Geld wäre ohne die Veloroute nicht für den Radverkehr in Kiel ausgegeben worden, Premiumvelorouten sind eine gute Möglichkeit das Radnetz zu ergänzen – auf dem Ostufer gibt es einen Verein, der dafür kämpft, dass auch auf dem Ostufer eine solche Veloroute entsteht. Daneben wird in der Stadt an vielen Stellen etwas für den Radverkehr getan (ja, auch mE noch zu wenig), etwa werden 600.000 € für den Schützenwallradweg investiert (weitere Beispiele: http://maxdregelies.eu/schritt-fuer-schritt-fuer-bessere-luft). Radpremiumrouten und „normaler“ Radverkehr schließen sich nicht aus. Wir müssen dafür kämpfen, dass insgesamt mehr Geld fürs Rad ausgegeben wird!

    Ja, es ist ein Fehler, dass an einigen Stellen (!) kein Fußweg besteht (am nördlichen Teil gibt es übrigens Fußgängerwege). Schuld daran ist, dass an einigen Stellen einfach kein Platz ist (etwa zwischen Hasseldieksdammer Weg und Kronshagener Weg) oder sich Anwohner*innen gewehrt haben (etwa zwischen Kronshagener Weg und Eckernförderstraße). Jetzt müssen Wege gefunden werden (im doppelten Sinne). Daher diskutieren die Ortsbeiräte, das Fahrradforum und die Verwaltung, welche Maßnahmen man treffen kann. Vielleicht kann man an einigen Stellen noch nachbessern.

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    Dregelies

    28. Dezember 2018 at 21:32

    • In meinen Augen dienen solche Premiumrouten eher als Feigenblatt für eine verkorkste Verkehrspolitik. Man hätte die Strecke dort vielleicht besser für die Stadtbahn aufheben sollen. Und an der Strecke selbst gibt es nichts von Bedeutung. Man kann nicht einfach das Autobahn-Prinzip auf das Fahrrad übertragen!

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      tlow

      30. Dezember 2018 at 10:10

      • Die Premiumroute ist ein Bestandtteil eines größeren Konzepts (Green City Plan – https://www.kiel.de/de/umwelt_verkehr/verkehrswege/verkehrsentwicklung/180822_Endbericht_Green_City_Plan_Kiel_mit_Anlagen_TitelKielLayout.pdf): Fahrradwege, Mobilitätsstationen, E-Busse/Hybrid-Busse, günstigere Tickets, Stadtbahn, Hybdrid-Fähren, bessere Ampelschaltung für den Radverkehr etc. pp. Meines Erachtens hat man leider lange Zeit zu wenig gemacht, aber jetzt gibt es eine große Anzahl von Projekten – von denen viele jetzt schon umgesetzt werden.

        Die Strecke war in keiner Planung für die Stadtbahn angedacht. Auch vor dem Bau der Veloroute gab es keine ernsthaften Überlegungen in diese Richtung.

        Auch dass es nichts von Bedeutung an der Strecke gibt, teile ich nicht. Angefangen von Citti, Plaza, Denns und Ikea im Süden, über den Kilia Sportplatz (Baltic Hurricanes), die Friedrich-Junge-Schule (wird bereits von vielen Schülerinnen und Schülern genannt), das Gewerbegebiet an der TraumGbmbH, Loppo Cafe etc. Bis zur Universität.

        An Wochentagen fahren bereits jetzt mehr als 1.600 Menschen über die Strecke – im Herbst/Winter auf einer Strecke, die noch nicht fertig und noch nicht offiziell freigegeben ist. Das ist doch ein Erfolg :-). Ich halte es für richtig, wenn Premiumrouten ein Bestandteil der Kieler Verkehrspolitik sind – weitere sind ja bereits geplant und werden ab 2019 umgesetzt.

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        Dregelies

        30. Dezember 2018 at 13:14

        • Ich habe denb Green City Plan gelesen. Aber leider ist das meiste heisse Luft oder es ist nicht nachvollziehbar, wie das Projekt Luftschadstoffe reduzieren soll. Dagegen fehlen Maßnahmen wie Tempobegrenzung. Aber soweit ich verstanden habe geht ist beim GCP auch eher um „förderfähige“ Projekte, Über ihre Wirksamkeit sagt das nichts aus. Zu den Zahlen: 1200 oder 1600? Ich bezweifle das etwas…

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          tlow

          31. Dezember 2018 at 08:03

          • Naja, Hybrid und Elektrobusse stoßen ca. 94 % weniger Stickoxid aus und sparen rund 10.000 l Diesel pro Bus und Jahr, d.h. rund 25 % weniger CO2 (jetzt wurden 19 Busse angeschafft, also 190.000 l Diesel werden im Jahr gespart). Durch das BluePort-Konzept erhofft man sich 100 Tonnen Stickoxid weniger pro Jahr – und da nur Ökostrom genutzt wird, wird auch der CO2-Ausstoß reduziert. Bessere Fahrradwege führen zu weniger Autoverkehr, da die Leute mehr Fahrrad fahren. Eine besser Taktung des Busverkehrs ebenfalls. Carsharing wird ausgebaut und es hat sich gezeigt, dass die Leute weniger Auto fahren, wenn sie auf Caresharing umsteigen. Hybridfahrzeuge bei der Verwaltung sparen Diesel, d.h. Weniger Stickoxid und weniger CO2. Hybridfähren sind sauberer und sparen so CO2, Leih-Lastenräder animieren dazu den PKW stehen zu lassen etc. Ich finde das sind schon sehr konkrete und gute Maßnahmen. Ergänzt wird der Green City Plan vom Masterplan 100 % Klimaschutz (https://www.kiel.de/de/umwelt_verkehr/klimaschutz/mobilitaet.php).

            Tempobegrenzungen sind ein schwieriges Thema. Als Ortsbeirat haben wir sie häufig gefordert, nur ist es nichts, was die kommunale Selbstverwaltung entscheiden kann. Die Verwaltung legt dies nach Maßgabe der StVO (Straßenverkehrsverordnung) fest. Leider gibt es da wenig Handlungsspielraum, sodass an vielen Stellen, an denen wir Tempo 30 wollten, dies nicht umgesetzt werden durfte. Dabei gibt es durchaus Stellen an denen die Verwaltung Tempo 30 einrichten wollte, aber an Straßen des „übergeordneten Verkehr“ darf sie das nur in Ausnahmefällen. Darum haben wir leider auch in der Rathausstraße kein Tempo 30 – obwohl sich das alle wünschen. Daher muss die StVO geändert werden – dafür will sich der Bundestagsabgeordnete Mathias Stein einsetzen. Am Meimersdorfer Weg hatte die Stadtverwaltung eine Fahrradstraße eingerichtet, woraufhin die Fachaufsicht (Landesbehörde) die Entscheidung der Stadt aufgehoben hat, da sie nicht mit der StVO im Einklang stand – die StVO ist noch zu autofreundlich …

            Zu den Zahlen: Es wird regelmäßig gezählt, 1.200 ist der Durchschnittswert einer Woche, da am Wochenende die Zahlen bei unter 800 liegen, ist es kein Widerspruch, dass einige Wochentage schon mehr als 1.600 Fahrten haben. Da ich jeden Tag die Veloroute nutze, kann ich versichern, dass da einiges los ist. Leider kann ich keine Bilder hier einfügen, gerne leite ich Dir aber die Ergebnisse weiter.

            Welche Vorschläge hast Du denn für eine Verkehrswende? Was soll gemacht werden? Ich nehme gerne alles mit zur Diskussion!

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            Dregelies

            31. Dezember 2018 at 17:17

          • Erst Mal guten Rutsch! Ich werde mich weiter via VCD und dieses Blog einbringen. Heute aber keine Zeit. Feiern. 😎

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            tlow

            31. Dezember 2018 at 17:44

        • Zu konkreten Vorschlägen: Das dickste Nadelöhr ist der Bahnhofsvorplatz/Platz der Kieler Matrosen bzw.Raiffeisenstraße. Da haben wir ja seit vielen Jahren so eine Art „Shared Space“. Funktioniert auch nicht. Ist der Versuch den Radverkehr auszubremsen – und das an Kiels wichtigster Ost-West-Verbindung. Vorm Vapiano gibt es weisse Längsstreifen, wo man einfach ausrutschen kann und ohne sichtbare Funktion. Gleiches Material wie an manchen Bushaltestellen. Ich bin da selbst mal mit Schrittgeschwindigkeit weggerutscht bei Nässe. Und zur Kieler Woche wird die Verbindung komplett und ersatzlos ohne Ausweichrouten gestrichen. Das geht so nicht. Das sind quasi weitreichende Fahrverbote für Radler. Autofahrer haben zur Kieler Woche mehr Möglichkeiten. Und an der Diskussion zum THR sieht man was passiert, wenn man Autofahrern nur Ausweichrouten empfiehlt und zwar auch nur besonders schmutzigen Dieseln. Im Gegensatz dazu sagt Kiel sehr oft: Durchfahrt verboten, alternativlos für alle Radler! Es braucht das eine Gleichbehandlung und eine ordentliche und gut verstehbare Lösung für die Raiffeisenstraße.

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          tlow

          1. Januar 2019 at 11:01


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