KielKontrovers

Ein Projekt vom 1Todo Institute

Archive for April 2019

Fotos von Strassenparty Demo #THRKiel

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Written by Thilo

27. April 2019 at 16:29

Demo gegen Theodor #THRKiel

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Tag der 1. Aufstellung des Luftreinigers

Aus allen Rohren wird geschossen unisono vom ADAC bis SSW. Die heutige Demo wurde vielfach kritisiert und angegriffen. Diese Angriffe offenbaren dabei einiges: Keiner die sich jetzt hervortun hat sich bisher bei Vorschlägen zur Vermeidung von der Klimakatastrophe und den damit verbundenen Kohlendioxid oder bei der Vermeidung der Stickoxide (nicht nur) am Theodor-Heuß-Ring bisher hervorgetan.

Die Kritik zeigt das Missverhältnis vieler Politiker*innen zur Verhältnismäßigkeit: 20 Jahre die Lungen von Anwohner*innen verpesten: „Kein Handlungsbedarf!“ – 1/2 Stunde Demonstration am THR: „Unverhältnismäßig und gegen den Menschen gerichtet!“

Es zeigt, warum nichts passiert ist. Für sie ist die Verpestung der Umwelt und Lungen bereits eingepreist und normal. Probleme sehen sie erst dann, wenn der Verkehr behindert wird. Man könnte es auch so betrachten: Genau diese Einstellung der Politiker*innen hat die Veranstalter*innen provoziert diese Demonstration zu veranstalten! Die Demo ist sozusagen alternativlos, da über demokratische Wege keine Einstellungsänderung in der Politik erreichbar war. Und schon wieder weisen sie jegliche Verantwortung von sich. Und um das klar zu machen: Verantwortung und Möglichkeit zu Handeln bestand schon lange bevor die Deutsche Umwelthilfe angefangen hat, Klage gegen Bundesländer und Städte einzureichen, um diese zum Handeln zu zwingen.

Und der ADAC? Was hat der ADAC jemals für den Klimaschutz getan. Abseits vom Einsatz für ihre Mitglieder, damit diese ihre Fahrzeuge in der Dieselkrise weiter fahren können? Wo sind denn ihre effektiven Konzepte?

Die Demo wird den Anwohner*innen nur einen Eindruck vermitteln, wie es sein könnte. Wie ruhig. Und wir werden beim Messgerät eine flachere Kurve sehen auf den offiziellen Messwerten. Die Autofreie Stadt ist DIE Alternative zu den Taschenspielertricks der letzten Wochen. Bisher hat die Stadt Kiel nichts dazu beigetragen Lösungen zu erarbeiten, die wirklich etwas bewirken.

Ich sehe große Parallelen zu Fridays for Future. Auch hier eine Bewegung, weil die Politik nicht handelt. So wie auch früher schon bei der Anti-Atom-Bewegung oder gegen die Aufstellung von Mittelstreckenraketen und und und… Nur das es hier um unseren Alltag geht.

Und je weniger gehandelt wird, desto höher der Druck auf der Straße. Man hätte das Thema Klima und Luftschadstoffe längst abhaken können!


Written by Thilo

26. April 2019 at 07:50

Pressemitteilung: Bündnisdemonstration „Straßenparty statt Rush Hour“ auf dem Theodor-Heuss-Ring #THRKiel

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Ein Bündnis aus VCD, Wagengruppe Schlagloch, TKKG, linksjugend[’solid] und lokalen Fahrrad-, Anti-Atom- und Anti-Kreuzfahrt-Initiativen demonstriert für eine schnelle Verkehrswende und eine autofreie Zukunft in Kiel und anderswo. Die Auftaktkundgebung findet am Freitag, den 26.4.2019 um 14 Uhr am Platz der Matrosen statt, anschließend geht es zum Barkauer Kreuz, über den Theodor-Heuss-Ring und am Waldwiesenkreisel wieder zurück zum Platz der Matrosen, wo die Abschlusskundgebung stattfinden wird. Am Freitag, den 26.4.2019, gilt Kiel Autofrei und Vorfahrt für Fußgänger*innen und Fahrradfahrer*innen! „Ulf Kämpfer würde uns gerne als isolierte Splittergruppe darstellen, aber die Demonstration wird von einem breiten Bündnis aus 20 Kieler Gruppen veranstaltet. Die winzigen Veränderungen der letzten Jahre reichen nicht aus, um den Klimawandel zu stoppen. Wir müssen das Problem des Autoverkehrs an der Wurzel anpacken.“, so Julia Schröder von TKKG. Die Veranstalter*innen kritisieren, dass die Verkehrswende in Kiel und in großen Teilen Deutschlands nur schleppend vorangeht. Dabei hat sich Kiel zum Ziel gesetzt, bis zum Jahr 2050 klimaneutral zu werden. Doch die Realität sieht anders aus: „Wer Straßen sät, der erntet Verkehr. Sonntagsreden der Kieler Stadtpolitik über eine klimafreundliche Verkehrswende sind solange nicht glaubwürdig, wie immer noch neue Schnellstraßen wie Südspange oder Ostring II in der Planung sind“, so Niklas Hielscher von bielenbergkoppel.de. Nach wie vor hat in Städten Automobilität Vorrang, während Fahrradfahrer*innen und Fußgänger*innen mit schlecht ausgebauten Fahrradwegen und Gehwegen Vorlieb nehmen müssen. Auch in Kiel sind große Flächen in der Innenstadt für Autoparkplätze reserviert. Von dem insgesamt 855km langen Kieler Verkehrsnetz sind nur etwa 12km Fahrradstraßen. Bei vielen vorhandenen Fahrradwegen handelt es sich um einen schmalen Streifen am Rand der Fahrbahn oder holprige Fahrradwege neben den Gehwegen. Die Veranstalter*innen sehen dabei nicht allein die Stadt Kiel in der Pflicht: „Wir brauchen dringend einen Ausbau des ÖPNV, vor allem im ländlichen Umland von Kiel. Hier muss das Land Schleswig-Holstein und allen voran Verkehrsminister Buchholz dringend handeln und darf Projekte wie die Reaktivierung von Hein-Schönberg nicht weiter schlecht reden“, so Frederik Meißner vom Verkehrsclub Deutschland (VCD). Philipp Walter vom ADFC Kiel ergänzt: „Die Fahrradinfrastruktur muss nicht nur in Kiel, sondern im gesamtem Umland ausgebaut werden, um den Verkehrskollaps zu verhindern. Die Staus auf dem Theodor-Heuss-Ring und im gesamten Kieler Stadtgebiet lassen sich nur verhindern, wenn das Fahrrad konsequent mitgedacht und dadurch als Alternative attraktiv wird.“ Der motorisierte Straßenverkehr erzeugt in Deutschland mehr als 17% der CO2-Emissionen, ist regelmäßig für die Überschreitung von Stickoxidgrenzwerten verantwortlich und sorgt für gesundheitsschädlichen Feinstaub sowie für schwerwiegende Unfälle im alltäglichen Verkehr. „Wenn wir den Klimawandel nur ansatzweise stoppen wollen und Szenarien wie in den Metropolen Asiens vermeiden wollen, müssen wir uns vom individuellen Autoverkehr verabschieden, Fahrradwege massiv ausbauen, den ÖPNV ohne individuelle Bezahlung (kostenlos, ticketfrei) gestalten und allgemein Mobilität überdenken“, so Ben Hansen von der TurboKlimaKampfGruppe. „Von der starken Luftverschmutzung sind häufig gerade die Menschen betroffen, die selbst kein Auto besitzen. Denn an viel befahrenen und entsprechend lärmbelasteten Straßen wohnen oft einkommensschwächere Menschen, die sich selbst kein Auto leisten können. Diese Menschen haben auch gar keinen Nutzen von der massiven Autoinfrastruktur, welche vor allem in Kiel das Stadtbild dominiert und dadurch andere Aspekte des Stadtbilds unterdrückt“, ergänzt Malte Klein von der linksjugend[’solid] Kiel. „Auch global sind nur 10% der Menschen verantwortlich für 80% der Passagierkilometer“, so Hanna Poddig, die Anmelderin der Demonstration. „Klimagerechtigkeit und globale Gerechtigkeit bedeuten, dass wir in den nächsten Jahren den Sektor Mobilität grundlegend umgestalten müssen. Dass dabei der individuelle Autoverkehr aus Städten verbannt wird, sollte eigentlich eine Selbstverständlichkeit sein. Und Städte wie Kiel würden dadurch belebt und lebenswerter!“ Wir fordern für Kiel und Umgebung einen umfangreichen Ausbau des ÖPNV, die Umwandlung zweispuriger Straßen zu Straßen mit einer Spur nur für den Fahrradverkehr, ein konsequentes Tempolimit von 30 km/h innerorts und den Rückbau von Straßen zu verkehrsberuhigten Bereichen und Flaniermeilen. Beteiligte Gruppen:

  • ADFC Regionalgruppe Kiel
  • AStA der CAU
  • BioGaarden
  • BUND Kreisgruppe Kiel
  • BUND Campus Kiel
  • Bielenbergkoppel.de
  • Ende Gelände Kiel
  • Extinction Rebellion Kiel
  • Fahr-Rad-Gaarden
  • Fukushima Mahnwache Schönberg
  • Grüne Jugend Kiel
  • Hochschulgruppe Klimagerechtigkeit
  • IL Kiel
  • Initiative gegen Kreuzfahrt
  • Kieler Initiative gegen Atomanlagen
  • Linksjugend [ˋsolid] Kiel
  • TurboKlimaKampfGruppe (TKKG)
  • VCD Ortsgruppe Kiel
  • Veloroute Kiel-Ost
  • Wagengruppe Schlagloch

Weitere Informationen: Aufruf des Verkehrswende-Bündnisses: https://tkkg.noblogs.org/post/2019/04/04/aufruf-autofrei-demo-strassenparty-statt-rushhour/ Route und Ablaufplan der Demonstration am Freitag: https://tkkg.noblogs.org/post/2019/04/18/route-zur-autofrei-demo/

Written by Thilo

25. April 2019 at 08:09

Demo für ein Autofreies Kiel #autofrei #THRKiel

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Für Autofahrer*innen ist es das selbstverständlichste der Welt: Man kann überall uneingeschränkt hinfahren und auch parken. Die maximale Einschränkung sind Einbahnstraßen und weniger als eine Hand voll Fußgängerzonen in einer Großstadt wie Kiel. Die Norm ist die Vorfahrt für den Autoverkehr. Es gibt einige Themen, die uns schon seit Jahrzehnten begleiten:

Früher ging es mal um den Sauren Regen. auch damals wurden Maßnahmen wie Tempolimits diskutiert. Oder Verkehrslärm in Städten, der Flächenverbrauch des Autoverkehrs. Und dann in den letzten 20-30 Jahren immer mehr das Thema des Klimaschutzes und CO² in der Atmosphäre sowie Feinstaub und Stickoxide.

Klar: Die Welt ist bisher nicht untergegangen. Nicht zuletzt aber, weil die Politik dann doch hier und da reagiert hat:

30er-Zonen in Städten, Katalysatorpflicht in Autos, Umweltzonen in Städten. So ist dann irgendwann unter der CDU auch das erste Bundesumweltministerium in Deutschland entstanden. Nicht weil Herr Kohl so ein Ökofreund war, sondern weil es ordentlichen Druck von der Straße gab und er damit den Grünen etwas Wind aus den Segeln nehmen wollte. Es ist immer wieder so, dass die Politik lieber dann handelt, wenn es gar nicht anders geht.

Und bis heute wird nicht richtig zur Kenntnis genommen, dass das Auto Ursache für die meisten Umweltprobleme ist. Der Flächenverbrauch ist enorm, es lärmt und pustet Schadstoffe und Kohlendioxid in die Luft.

Für den Freitag, den 26.4. ist eine Demo in Kiel angesetzt, die sich um 14 Uhr am Bahnhofsvorplatz sammelt und dann irgendwann über den Theodor-Heuss-Ring zieht. Eine der am meisten belasteten Straßen in Deutschland. Viele Organisationen (wie auch ADFC,BUND, VCD, AStA) haben einen Aufruf von TKKG mit unterzeichnet für ein Autofreies Kiel!

Kritik gab es an dieser Route – man könne ja auch woanders demonstrieren, wo man vielleicht mehr Fußgänger*innen behindert und weniger Autofahrer*innen. Da muss man schon mal fragen, welchen Sinn das machen würde? Das ist die gleiche Logik der Stadt, die eine Vollsperrung des Radverkehrs auf dem Theodor-Heuss-Ring für unproblematisch hält, aber gleichzeitig das Wegnehmen einer Autospur für die Luftfilter als unverhältnismäßig ablehnte. Gleichzeitig liest man jetzt, dass eben eine ganze Spur über Monate wegen Reparaturen weg fällt. Daraus lernen wir: Ist es FÜR das Auto ist alles machbar, ist es gegen RAD und FUSSGÄNGER*INNEN ist auch alles denkbar. Aber ist es GEGEN AUTOS, so ist das inakzeptabel und unverhältnismäßig.

Weil eben aus Sicht von Politik und Verwaltung immer noch Verkehr mit Autoverkehr gleichgesetzt wird. ÖPNV ist für die drei „A“s: Arme, Alte, Arbeitslose und Fahrräder für Hippies oder Kampfradler. Und zu Fuß geht man ja nur zum nächsten Parkplatz. Einkaufen ohne Auto? Geht nicht!

Es ist zwar nicht so, dass man gar nichts für andere Verkehrsträger tun würde, aber das wird dennoch mehr unter „nice to have“ abgehakt – sprich: Wenn wir dann am Ende noch Geld über haben, gibts auch mal ne Veloroute für die Ökospinner. Und dann klopfen wir uns als Stadt aber auch gleich mächtig auf die Schultern. Sucht man in Kiel nach „Veloroute“ so findet man eigentlich nur die „Veloroute 10“ – Kiels ganzer Stolz, Kiels Feigenblatt für eine verfehlte Verkehrspolitik: Die Fahrradfahrer*innen sollen mal nicht meckern: Wer von hasse nach Projensdorf will hat ja immerhin EINE Fahrradstrecke. Mehr kann man schließlich nicht verlangen, oder? Fahrradstraße am Vinetaplatz? Moment mal, dass ist keine ausgewiesene Veloroute, was haben Räder da zu suchen?

Verkehrspolitik ist eher für Besserverdienende, die aus Kiel wegziehen nach Schönberg , um dort in einem neu gebauten Einfamilienhaus zu wohnen, weit weg von den Abgasen und der Hektik der Großstadt. es gibt ja den Theodor-Heuss-Ring und da kommt man auch ganz fix in die Wik oder nach Holtenau. Ach da wohnen noch Menschen? Ja die Häuser können wir ja abreißen und sie können auch aufs Land ziehen! Schließlich ist die Stadt ja nicht für Menschen gemacht, sondern für den Verkehr, also fürs Auto?

Aber wir haben 2019 und wir sollten uns nicht mehr runter handeln lassen auf ein paar neu asphaltierte Radwege. Uns steht eine Klimakatastrophe bevor. jedes Jahr werden unzählige Menschen durch das Auto getötet. Lärm und Abgase machen uns krank. Und wenn wir in der Logik des Ausbaus der Autoinfrastruktur bleiben, so nimmt uns das Auto in der Stadt vor allem immer mehr Lebensraum weg. Es kann nur zwei Wege geben: Mehr Autos oder weniger Autos. Ich bin der festen Überzeugung, dass wir sofort in die Richtung: Weniger Platz fürs Auto und mehr für die Menschen gehen müssen. Das heißt dann aber: Mehr Tempolimits, weniger Parkplätze, weniger Autostraßen, schmalere Autostraßen, breitere Gehwege (acht Meter ist eine gute Breite!) und Radwege- Jede Straße sollte mit Rädern befahrbar sein und nicht nur eine Hand voll gut ausgebauter Velorouten (die heute viel zu oft als Argument gegen einen fahrradfreundlichen Ausbau einer Straße ins Feld geführt werden).

Forschungsergebnisse zeigen, dass die Verdrängung des Autos zu einer Belebung von Straßen führt. Aus Autoraum wird Lebensraum. Aber leider hat sich das bundesweit und auch in Kiel in den letzten Jahren zu wenig bewegt. Und der Impuls wird nicht von den Autofahrer*innen kommen! Manche sagen: Erst mal muss der ÖPNV ausgebaut werden! Das sind aber die Gleichen, die seit Jahrzehnten den Ausbau einer Stadtregionalbahn oder Stadtbahn behindert haben. Oder gar eine grundsätzliche Optimierung des Busverkehrs. Die KVG wickelt heute den Verkehr vom Prinzip noch genau so ab, wie vor 40 Jahren. Nur das die Fahrgastzahlen gestiegen sind, aber der ÖPNV-Anteil dennoch nicht ausreichend. Eine Fokussierung auf kürzere Fahrzeiten von A nach B ist z.B. bei den Zielen nicht erkennbar. Man verliert sich im Kleinklein und hält an ein paar Prinzipien fest, die man nicht mehr hinterfragt. Von modernen Nahverkehr ist man in Kiel daher genau so weit weg wie von modernem Radverkehr.

Mit Harmonie ist das Ganze nicht lösbar. Zwar will fast jede Partei die Verkehrswende. Aber offenbar meist ohne, dass sich etwas ändert. wie das gehen soll sagt keiner. Man will niemandem weh tun. Man will auch keine großen Einschnitte. Fehlen nur noch die Drive-In-Wahlkabinen.

So bleibt Kiel Verkehrspolitik uninspiriert und unambitioniert. Ja, natürlich geht es noch schlechter in anderen Städten. Aber was soll das für ein Argument sein? Wir müssen uns doch Ziele setzen, an denen wir uns orientieren und auch mal ein dickes Brett bohren. Selbst wenn es nicht immer gelingt etwas zu bewegen. Und daher finde ich diese Demo gut – und denke auch, dass sie keine Ausnahme bleiben darf, sondern das wir so etwas häufiger brauchen als Aufschrei gegen eine menschenverachtende Verkehrspolitik!

Die Reaktionen zeigen, wie tabuisiert die Diskussion über Verkehr ist. Und für wie unangreifbar viele die Rolle des Autos halten. Aber wer den Wandel will darf keine Tabus akzeptiere und muss auf jeden Fall die Rolle des Autos an jeder Stelle hinterfragen. Nur so kommen wir weiter. Und am THR ist das Stickoxid-Problem immer noch nicht gelöst: Im Gegenteil: Die Kieler Politik sorgt dafür, dass Abgase nun auch an weiteren Stellen die Grenzwerte überschreiten könnten. Und zwar dort, wo noch mehr Menschen sich im freien bewegen, wie z.B. am Ziegelteich/Holstenstraße.

KielKontrovers unterstützt diese Demo und ruft auch dazu auf daran teilzunehmen!

Written by Thilo

25. April 2019 at 07:15

Gastbeitrag: Kieler Mieter beginnen zu rebellieren #Vonovia

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Vonovia Veranstaltung Mettenhof

Nachdem eine Mieterveranstaltung in Gaarden in der Räucherei so erfolgreich war, wurde eine ähnliche Veranstaltung in Mettenhof geplant, einem weiteren Schwerpunkt von Vonovia. Auch dieser Treff war mit knapp 80 Leuten gut besucht.

Interessant war, daß eine ganze Reihe Gaardener, die schon bei der Veranstaltung in der Räucherei waren, auch hier dabei waren. Sie wollen also mehr als die Lösung eines individuellen Problems. Sie wollen eine Vernetzung, sie hoffen auf mehr Erfolg in einem gemeinsamen Vorgehen.

Zuerst gab es die Faktensammlung im Schnelldurchlauf. Hintergründe über den Konzern Vonovia, desen Jahresgewinn gerade die Milliardenmarke geknackt hat. Dann Infos über die Situation in Kiel und speziell in Mettenhof. Es wurde auch von einem Block in Projensdorf berichtet, wo sich die Mieter eigenständig organisiert hatten, ohne daß irgendwelche Anschubhilfen von den bekannten Mieterinitiativen gegeben hätte. Als nächstes kamen die MieterInnen zu Wort. Es war fast wie Kabarett. Die Anekdoten von der Wohnsituation bei Vonovia und den Kommunikationsversuchen mit dem Spekulanten, erschienen wie erfunden. Unfähigkeit des von Vonovia gestellten Hausmeisterservices und Dreistigkeiten des Konzerns. Es wurde gejohlt und man stellte fest, daß sich die Geschichten noch steigern ließen. Es fand sich stets jemand, der noch krasseres erlebt hat.

Es war nicht unwichtig, daß sich bundesweit etwas in dem Bereich bewegt. Es wurden diverse Orte genannt, in denen die Mieter begonnen haben, sich zu organisieren. Und es war wieder Besuch aus Bremen da. Eine Aktivistin berichtete von den Aktivitäten zum Thema bei Solidarisch in Gröpelingen. Es sind nicht nur gemeinsame Aktionen, wie das gemeinsame Duracharbeiten der Nebenkostenaberechnungen, der kollektive Widerspruch und das Faxen aller Widersprüche über eine Faxnummer, der Plan, gemeinsam mit Medien und Forderungen zum Vonovia Büro zu gehen. [Diese Aktion hat gerade stattgefunden und wurde in diesem kleinen TV Beitrag dokumentiert: https://www.butenunbinnen.de/videos/demo-vonovia-100.html]
Der Redebeitrag der Bremerin bekam einen spontanen Applaus.

Am 27.4. soll in Mettenhof eine Mieterdemonstration stattfinden. Ich weiß nicht, ob in dem Stadtteil jemals demonstriert worden ist.

Der Redebeitrag der Bremerin bekam einen spontanen Applaus.

Am 27.4. soll in Mettenhof eine Mieterdemonstration stattfinden. Ich weiß nicht, ob in dem Stadtteil jemals demonstriert worden ist.

Weitere Mieteraktivitäten in Kiel

In Gaarden haben sich die Mieteraktivitäten bereits verfestigt, man trifft sich einmal im Monat in der Galerie Onspace (Iltisstrasse 10/Ecke Medusastr.), das nächste Mal am 7.5. und neuerdings gibt es einen wöchentlichen Beratungstermin (jeden Mittwoch zwischen 16:00 und18:00 Uhr in der Iltistraße 34, Libertärer Laden). Es ist keine Rechtsberatung, aber ein Austausch mit in solchen Dingen kundigen Mietern. Es gab eine ganze Reihe weiterer Flyeraktionen. Von Tür zu Tür der Vonoviagebäude. Und es gab weitere Straßenaktionen. Sich zeigen mit Transparenten und Flugblättern und offen zum Gespräch auf der Straße. Es ist enorm, auf welch fruchtbaren Boden das fällt. Vonovia ist verhaßt. Vonovia in ein Problem im Alltag vieler. Ein aktiver Mieter wollte den Mieterprotest in weitere Stadtteile tragen. Wir trafen uns zu fünft mit einem Karton voller Flyer, einen Kleistereimer und einigen selbstgemachten Mini-Plakaten. Es ging nach Schilksee, wo sich auch Vonovia im großen Stil eingekauft hat. Auf der Straße gab es viele Diskussionen mit Mietern, die von ihren Erfahrungen mit dem Wohnungsspekulanten erzählten, z.B. von einem Hochhaus, in dem 3 Monate der Fahrstuhl nicht funktionierte. Es gibt dort auch bereits erste Ansätze gemeinsamer Gegenwehr. Weiter gings in Friedrichsort. Dort hat sich der Konzern auch einen Großteil der Wohnungen gegriffen, oftmals ehemalige Werkswohnungen. In diesem Stadtteil ist wildes Plakatieren eher selten und so waren unsere Aktionen mit dem Kleistereimer von besonderer Wirkung. In unzählige Briefkästen ging eine Einladung zum nächsten Mietertreffen in Kiel Gaarden.

Bei dem Treffen in Gaarden war dann auch richtig was los. Fast jeder zweite kam aus Friedrichsort. Die Stimmung war gut. Man hat die Faxen dicke von dem, was man sich als Mieter*in inzwischen bieten lassen soll. Die falschen Nebenkostenabrechnungen, horrende Kosten für Hausmeisterarbeiten, die niemals geleistet worden sind und Ansprechpartner in Bochum, die keinerlei Ahnung von der Situation vor Ort haben, sind nicht länger hinnehmbar. Man diskutiert nun eine Infoveranstaltung in Friedrichsort und hofft eine eigene Struktur aktiver Mieter im Stadtteil aufbauen zu wollen.

Der sozialdemokratische Bürgermeister Ulf Kämpfer kündigte viele wohlklingenden Pläne für den sozial abgehängten Stadtteil Gaarden an. „Gaarden Hoch 10“ mag irgendwie lustig klingen, doch stecken handfeste Wirtschaftsinteressen dahinter. Man will eine wenig bauen und aufhübschen, aber am Ende will man Geld verdienen und will dafür eine zahlungskräftigeres Klientel. Man wird die ärmeren Bewohner verdrängen, rausschmeißen. Die können in die Pampa ziehen, wenn die Betuchteren diesen schönen Stadtteil für sich entdecken. Daß die explodierenden Mieten nach Renovierungen für einfache Leute immer weniger erschwinglich sind, interessiert bei einem Gaarden Hoch 10 Konzept scheinbar nicht. Das sehen die Mieter jedoch anders. Bei dem Stadtteilfest Kulturrotation am 11. Mai wollen sie ihre Stimme erheben und klarstellen, daß an den Plänen der Stadt vieles nicht im Sinne der Bewohner des Stadtteils ist.

Doch zuerst stehen die Vorbereitungen zur Demo in Mettenhof an. Am 27.4. um 14°° geht’s vom Famila Parkplatz los.

Gastbeitrag von Karsten Weber

Written by Thilo

18. April 2019 at 07:38

Veröffentlicht in Gastbeitrag, Stadtentwicklung, Wohnen

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