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Maßnahmen am Theodor-Heuß-Ring bisher ohne messbares Ergebnis #thrkiel

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Der Luftfilter am Tag der ersten Aufstellung im Februar 2019

Seit dem 3. April arbeitet der erste Luftfilter Tag und Nacht. Dennoch sind seitdem die Messergebnisse der offiziellen Messstation eher angestiegen als gesunken. Es ist sogar möglich, dass dies durch eben die Aufstellung bewirkt wurde (durch Veränderung bei den Luftströmungen). Nur eins ist sicher: es gibt bisher keinen auch nur annähern deutlich messbaren Effekt bei den offiziell gemessenen Stickoxiden. Natürlich kann man da noch länger warten und längere Datenreihen erhalten – aber wenn ein Luftfilter nicht von Anfang deutlich sichtbar die Kurven verändert in die richtige Richtung, ist der Effekt eben auch vernachlässigbar und die ganze Aktion genau das, was jeder denkende Mensch vorhersehen konnte: Bei den Luftmassen die hier bewegt werden, KANN es gar KEINEN möglichen Effekt geben. Ich bin selbst zu wenig Fachmann, um das hier zahlenmäßig vorzurechnen, aber es war mir und vielen anderen von vorne herein klar, dass diese relativ kleinen Geräte niemals in der Lage sein werden eine Stadt zu reinigen. Auch nicht an nur einer Stelle. Das hat auch in anderen Städten und mit anderen Maßnahmen nicht funktioniert (Mooswände in Stuttgart). Und auch nicht mit dem Superasphalt aus Titandioxid (von dem Kiel dennoch mehr bekommen soll).

Unter dem Strich lässt sich als Zwischenbilanz ziehen, dass Kiel bisher ausschließlich auf vollkommen unwirksame Maßnahme gesetzt hat und dabei wertvolle Zeit verstreichen hat lassen.

Seit dem 8. April gilt zusätzlich ein Tempolimit von 50 statt 70. Ich vermute auch dabei, dass der Effekt zu gering sein wird, weil eben der Unterschied ebenfalls viel zu gering ist.

Hier versagen gemeinsam: Die Verwaltung, die Selbstverwaltung (Ratsversammlung) und der Oberbürgermeister. Alle Maßnahmen waren bisher nicht viel mehr als PR-Stunts. Man hat mit viel Tamtam Maßnahmen angekündigt um Handlungsbereitschaft zu simulieren. Man hat so getan – und dazu an vorderster Front der OB – als wenn man hier mit zwar ungewöhnlichen aber dennoch möglicherweise hilfreichen Maßnahmen etwas bewirken könnte. Das ist eine „So als ob“-Politik, die Kiel an vorderste Stelle der Satiresendungen gebracht hat. Das war der einzig messbare Effekt!

Eine Politik also, die nicht mehr Dinge verändern will, sondern nur noch versucht den Eindruck zu erwecken, dass sie dies vor hat. „Fake Politics“ sozusagen, ganz im Trend der Zeit. So wie der Trump eine Mauer bauen will an der Grenze zu Mexiko und meint damit das Einwanderungsproblem zu lösen. Genau in dieser Logik also die Maßnahmen der Stadt. Da gibt es dann viele bunte Folien und viele warmen Worte und ehrliche Gesichter, die in die Kameras gehalten werden. Und kein Journalist traut sich so richtig auszusprechen, dass der Kaiser eigentlich nackt ist. Lieber berichtet man pflichtbewusst über den arg bemühten OB und wie die Stadt mit allen nur erdenklichen Waffen gegen die Bedrohung kämpft. Es sind Märchen, die man uns auftischt. Und es ist blamabel, dass niemand der gut bezahlten Journalisten mal Tacheles redet. Es ist Hofberichterstattung. Und hier bewirkt die Politik eben auch, dass der Journalismus mit beschmutzt wird und zum Komplizen wird. Die Story der Startup-Firma Purevento, die vielleicht eines der größten Probleme mit einem einfachen Kasten löst. Und wir Bürger*innen die mit bangen, ob die Technik wirklich hilft. Dann mit dem doppelten Vorteil: 1.) saubere Luft und 2.) Viele Arbeitsplätze, denn aus Schleswig-Holstein käme die Technik die dann weltweit vermarktet werden könnte. Wer mag dem schon im Weg stehen?

Wären da nicht viele andere unsinnige Geschäftsideen der Vergangenheit, die ihre Ideen der breiten Öffentlichkeit und damit auch den Investoren und potentiellen Kunden angedient haben. Das Muster ist dabei immer das Gleiche: Es werden Versprechungen gemacht – die Wirkung selbst kann dabei nicht einfach vorgeführt werden. Man braucht ja erst ein mal Geld. Je weniger reif ein Produkt ist und in gewisser Weise also auch je teurer die Entwicklung ist, desto besser. Desto länger kann eine Firma an Lösungen ungestört arbeiten. Am besten, es gibt auch möglichst wenige Zwischenstufen, bei denen man eine Wirksamkeit oder einen Erfolg messen kann. Bei dem Luftsauger von Purevento müsste man meinen, dass wenn er wirklich wirken sollte, müsste die Firma ihn lediglich auf ihren eigenen Firmenhof stellen und einschalten. Wenn dann auf dem Hof die Stickoxide abnehmen (nicht nur direkt am Luftausgang!), dann funktioniert es. Ansonsten nicht. Ein Test also, den man in wenigen Minuten hätte erledigen können. wollte aber keiner. Warum? Die CDU will den Druck auf den OB aufrecht erhalten. Der OB will weiter zeit gewinnen wegen der Klage der DUH, die SPD will ihren OB stützen, die GRÜNEN wollen ihren Kooperationspartner schützen und Purevento will die Illusion länger aufrecht erhalten, dass ihre Lösung funktioniert! Alle gewinnen also je länger hier rumgemauschelt wird. Und für die Medien bleibt es spannend. Ein Stück mit mehreren Akten. Im Krimi erfahren wir ja auch meist nicht am Anfang alles über den Mörder. Man verkauft schließlich Geschichten. Wo kämen wir denn da hin, wenn die KN die Wahrheit schonungslos berichten würde? Schließlich muss man doch Anzeigen verkaufen und die Geschichte klingt doch viel zu schön!

Wäre ja alles nur lustig, wenn es sich hier nicht eigentlich um Körperverletzung handeln würde. Allen Beteiligten sind die Gesundheit der Betroffenen egal. Der OB kehrt seinen Bürger*innen eigentlich den Rücken zu und ist eben gerade NICHT aktiv. Er ist lediglich bemüht, Aktivität zu simulieren. Nicht zuletzt geht es dieses Jahr um seine Wiederwahl. Das er dabei in wesentlichen Themenfelder ein Totalausfall ist, darf nicht heraus kommen. Er hat immerhin Glück, dass es keine echte Opposition gibt. Die GRÜNEN spielen lieber mit und machen sich mit schuldig, als dem OB in den Rücken zu fallen. Sie hoffen darauf, dass ihnen das nicht bei irgendeiner der kommenden Wahlen auf den Fuß fällt. SPD und OB, so denken sie, sind ihnen dann immerhin etwas für ihre Nibelungentreue schuldig. Machtkalkül eben. Kommt uns bloß nicht mit Wahrheit!

Written by tlow

9. April 2019 at 05:23

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