KielKontrovers

Gesellschaftliches aus Kiel und Schleswig-Holstein

Archive for Juli 2019

Das Land & das Auto #verkehrswende #mobilitätswende #Dorf #Land

leave a comment »

In letzter Zeit gab es einige Artikel zum Thema: Ohne Auto ginge es nicht auf dem Lande, z.B. am 31.1. Auf DLF Kultur von Don Dahlmann Vergesst die ländlichen Regionen nicht! Und „Das Auto muss weg“ funktioniert auf dem Land nicht von Jana Kugoth.

Aus meiner Sicht machen beide Autor*innen dabei einen großen Fehler: Sie sehen das Auto als gegebene Größe. Und sie betrachten nur seine Vorteile. Ihr Schluß: In der Stadt kann man auf das Auto verzichten, auf dem Lande nicht.

Aber genau so wie mehr Straßen eben zu mehr Verkehr führen, so führen insbesondere die Autos dazu, dass längere Distanzen kostengünstig mit zurückgelegt werden konnten.

Das Auto war für das Land, für die Dörfer weniger ein Segen, sondern der Hauptgrund für das Sterben der Dorfläden, für das Wegfallen von Arbeitsplätzen. Auf dem Land wohnen und 50km weiter weg arbeiten und einkaufen ist schon länger kein Problem mehr.

WDR: Landflucht: Das Ende des Dorfladens?

Sicher gab und gibt es auch Profiteure des Verkehrs. Nicht nur durch Tankstellen und Autobedarf. So mancher nutzte Läden im Dorf bei der Durchfahrt zum Einkaufen. Was dann oft folgte war der Streit darum: Wollen wir eine Ortsumgehung oder nicht. Was des einen Leid war, war des anderen Freude.

Generell kann man sagen, dass das Auto die ländliche Struktur massiv verändert hat. Bundesstraßen und Autobahnen zerschnitten Landschaften und trennten Dörfer und Menschen. Aber Menschen waren nicht mehr so abgehängt wie früher. Viele Menschen, die auf dem Lande leben kennen das Auto als Selbstverständlichkeit: Natürlich macht man einen Führerschein, so bald das möglich ist. Und das eigene Auto bedeutet Freiheit, von den Eltern und der Enge des Dorflebens. Und ohen Auto wird es schwer weiterbildende Schulen zu besuchen oder den Job zu erreichen.

Aber alles, was das Auto ermöglicht, zerstört es auch gleichzeitig. Die Gesetze sind insofern generell die gleichen wie in der Stadt: Läden in Straßen fürchten, dass das Aussperren des Verkehrs oder auch nur ein Fahrradstreifen oder das Wegfallen von Parkplätzen ihre Kund*innen vertreiben würde. Erfahrungen zeigen aber, dass bei Änderungen in Städten die Läden oft 60% mehr Umsatz machen als vorher. Weil eben Fahrradfahrer*innen eher anhalten und was kaufen, als Autos, die erst einen Parkplatz suchen müssen.

Es ist sicher nicht einfach, auf das Auto zu verzichten auf dem Land. Aber wer die Dörfer kennt, durch jeden Tag eine große Straße tausende PKWs schleust, der weiß auch, wie sehr es die Dörfer zerschneidet und die Atmosphäre so prägt, dass da oftmals auch niemand gerne anhält und draußen im Café gemütlich etwas konsumiert. Die meisten fahren nur durch. Vielleich hält man mal kurz an um rauszuspringen um dann umgehend die Flucht zu ergreifen. Viele Läden werden sich an diesen Straßen auch nicht ansiedeln. Und auch die Dorfbevölkerung wird eher die Straßen aufsuchen, die etwas ruhiger sind.

Hier muss der Staat in Vorleistung treten und Angebote machen, die den Verzicht auf das Auto ermöglichen. Am besten wäre es, wenn ein Dorf mehrheitlich beschließt, die Autos zu verbannen oder zu reduzieren. Aber eins muss klar sein: Man darf nicht erwarten, dass man auf dem Dorf genau so mobil ist, wie in der Stadt. Und diese Illusion hat das Auto den Leuten verkauft. Wer ein städtisches Leben führen will, muss in der Stadt leben. Und wer im Dorf lebt, darf ein dörflicheres Leben genießen. Wer mehrmals täglich weite Strecken zurücklegen muss oder will, der sollte näher an großen Siedlungen wohnen. Dörfer sollten auf jeden Fall einen langsameren Takt haben. Nicht so langsam wie heute, wenn man ohne Auto ist. Denn viel Dörfer haben nicht einmal eine Bushaltestelle, oder der Bus fährt nur 1-2 mal am Tag. Das ist nicht hinnehmbar. Aber dafür gibt es auch Lösungen wie Rufbusse usw.

Ich plädiere dafür, dass man auf dem Land genau so wie in der Stadt in einzelnen Dörfern oder Regionen einen bewussten Prozess einleitet. Nicht gegen die Bevölkerung, sondern mit deren Unterstützung. Die Landkreise könnten Dörfern Unterstützung anbieten, wenn sie bestimmte Bedingungen erfüllen. D.h. gewisse Mobilität gewährleisten und finanzielle und organisatorische Hilfe bei einer Umgestaltung.

Aber es braucht auch den Mut zu sagen, dass diese Entwicklung nicht für jedes Geschäft oder Einwohner*in wünschenswert sein wird. Aber wie schon oben bei den Umghehungsstraßen thematisiert: Keine Änderung und keine Lösung wird immer jedem Gefallen. Aber dafür haben wir ja die Demokratie, wo man miteinander diskutieren kann und dann auch mal mehrheitlich die (hoffentlich richtigen) Entscheidungen treffen kann.

Ich denke es führt kein Weg daran vorbei, auch auf dem Lande dem Auto seine Rolle streitig zu machen. Und ich denke sogar, dass der Onlinehandel hier eher hilft als im Weg zu stehen. Schon heute können viele Menschen Einkäufe erledigen, ohne selber ein Auto zu besitzen. Das generelle Problem der Paketdienste und deren Expansion muss dabei auch angegangen werden. In der Stadt überschlagen sie sich teilweise neben- und hintereinander im Zweitereihe-Parken. Aber das Nicht-Antreffen des Empfängers wird ein zunehmendes Problem. In Dörfern wäre es z.B. möglich, dass in Dorfzentren das Annehmen von Paketen als Dienstleistung angeboten wird. Das jeder Pakethändler seine eigenen Accesspoints betreibt sehe ich dabei nicht als zukunftsweisend.

Die Dörfer müssen langsam ihre Strukturen verändern und verbessern.

Was nicht geht und was viele Autor*innen leider tun ist zu sagen: „Auf dem Lande zu leben bedeutet einfach, dass man längere Strecken zurücklegen muss und die Gesellschaft muss das ermöglichen, Wenns nicht anders geht dann eben mit dem Auto“

Nein, das geht heute nicht mehr in Zeiten des Klimanotstands. Es reichen eben nicht die Elektromobilität, oder neues Sharing-Angebote. Wir müssen verändern, WIE wir uns bewegen, wie woft, wie lang und wohin. Nur dann kann es sowohl eine Mobilitäts als auch Klimaschutzwende geben.

Das alles geht nicht von heute auf Morgen. Aber es führt kein Weg daran vorbei. Und das Auto muss sowohl in der Stadt als auch auf dem Land zurückgedrängt werden. Mit sehr unterschiedlichen Voraussetzungen. Auch und nicht zuletzt, weil es nicht sein kann, dass Menschen wegen der guten Luft aufs Land ziehen, nur um dann täglich in die Stadt zu pendeln und dort die Straßen mit Stickoxid und Feinstaub zu belasten. Und damit die Luft anderer Menschen. Und auch damit insgesamt die Belastung zu erhöhen, nur für sich selbst eine nette Lösung zu haben.

Written by tlow

31. Juli 2019 at 08:28

Wie sauber ist die #KVG wirklich? #DUH #NOx #LRP

with one comment

Der Oberbürgermeister sprang der KVG bei: Angeblich hätte die DUH die KVG angegriffen.

Die Kieler Nachrichten zitiert so:

Wütend widerspricht die Kieler Verkehrsgesellschaft (KVG) der Behauptung der Deutschen Umwelthilfe (DUH), Kiel habe „besonders schmutzige ÖPNV-Busse“.

KVG widerspricht der Umwelthilfe

Nur: Das Wort „schmutzig“ wird von der Umwelthilfe mit keinem Wort in Bezug zur KVG genannt und auch nicht zu Bussen.

Richtig ist, dass die DUH folgendes schreibt:

6. Nachrüstung aller im ÖPNV verkehrenden Busse auf Euro VI Standard
Um die Stickoxidemissionen der Busflotte deutlich zu reduzieren, sind keine kurzfristig nicht umsetzbaren Neuanaschaffungen von E-Bussen ausreichend. Es gilt vielmehr, alle im ÖPNV und in den Regionalverkehren operierenden Busse (Verkehrsverbund, DB-Regio, beauftragte Busse von Privatunternehmen, die z.B. für den Schülertransport genutzt werden) noch im Jahr 2019 mit einer Hardware-Nachrüstung auf den Abgasstand von Euro VI zu bringen. Der überwiegende Teil der in Kiel im ÖPNV eingesetzten Busse betrifft Euro III bis Euro V/EEV Fahrzeuge mit teilweise extremen NOx-Emissionen im realen Busfahrbetrieb (bis zu 16.000 mg NOx/km)… Eine Nachrüstung aller Bestandsbusse auf den Euro VI Abgasstandard ist dank der Fördermittel des Bundes ohne Finanzierungsvorbehalt im Jahr 2019 möglich.

Die KVG verkündete im März 2019:

Die KVG Kieler Verkehrsgesellschaft kann dank einer Förderung des Bundes, 37 ihrer Dieselbusse von der Abgasnorm Euro-V auf Euro-VI umrüsten. … Mit diesem Schritt erfüllt die Flotte der KVG zu 75 Prozent der Fahrzeuganzahl die Abgasnorm gemäß Euro-VI.

Die DUH fordert hier also noch 2019 die restlichen 25% umzustellen.

Zumindest ergibt sich das aus der Eigendarstellung der KVG. Die DUH schreibt damit fälschlicher weise, dass die Mehrzahl der Kieler Busse Euro III-V sind. Aber an der Forderung 100% auf Euro VI umzustellen ist dennoch nichts verwerfliches. Entweder stimmt die Eigendarstellung der KVG nicht, oder die DUH hat was überlesen.

Hier geht es um einen Punkt von 10. Und es bis nicht der Wichtigste. Ohnehin fahren kaum Busse der KVG über den Theodor-Heuß-Ring.

Written by tlow

17. Juli 2019 at 15:41

Veröffentlicht in Umwelt, Verkehr

Tagged with , , , , ,

#Pressemitteilung #DUH hält Diesel-Fahrverbote in Kiel noch in 2019 für alternativlos

leave a comment »

Pressemitteilung der Deutschen Umwelthilfe vom 15.07.2019

Landesregierung und Oberbürgermeister machen sich lächerlich mit vorgeschlagenen NO2-Staubsaugern und einem Spurwechsel für Diesel-Pkw direkt an der amtlichen Messstation – Trotz Rekordbelastung von 60 µg NO2/m3 Luft ist der Kieler Luftreinhalteplan einer der schlechtesten im Bundesgebiet – DUH vermisst Hardware-Nachrüstungen für Busse und Kommunalfahrzeuge, Nachrüstung von Handwerker- und Lieferfahrzeugen – Selbst Ausbau des ÖPNV und Verbesserung der Fahrradinfrastruktur nur marginal berücksichtigt – Verringerung der NO2-Grenzwerteinhaltung soll ausgerechnet durch Großbaustelle und Umleitungen gewährleistet werden, ohne die Auswirkung zehntausender Fahrzeuge auf den Ausweichstrecken zu betrachten – Bürger haben im gesamten Stadtgebiet von Kiel ein Recht auf „Saubere Luft“ – DUH ist zuversichtlich, dass dieser Schildbürgerstreich für Kiel keinen Bestand vor Gericht haben wird und sieht zonales Diesel-Fahrverbot einschließlich der Abgasstufe Euro 5 zur schnellstmöglichen Einhaltung des NO2-Grenzwerts als unverzichtbar an © elcovalana – Fotolia

Stellungnahme als PDF

Written by tlow

15. Juli 2019 at 14:06

%d Bloggern gefällt das: