KielKontrovers

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Archive for Februar 2020

#COVID19 Ist Kiel und Schleswig-Holstein auf eine Krise vorbereitet? Nope

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So tritt die Stadt Kiel via Twitter dem aktuellen Virusfall entgegen:

Gerwin Stöcken, Gesundheitsdezernent der Stadt Kiel kommentiert zum Stand in Kiel in einer Pressemitteilung vom 26. Februar:

„Die Landeshauptstadt Kiel ist vorbereitet auf eine mögliche weitere Ausbreitung des Coronavirus. Bisher gibt es in Kiel weder einen Verdachtsfall noch einen bestätigten COVID-19-Fall. Unabhängig davon ist die Einhaltung üblicher Hygienemaßnahmen äußerst sinnvoll, denn sie helfen, die weitere Verbreitung von Krankheiten zu reduzieren.“

Gerwin Stöcken, Quelle

Die Handlungsempfehlungen sind: Allgemeine Hygienemaßnahmen und im Verdachtsfall den eigenen Hausarzt anrufen.

Im schlimmsten Fall einer explosionsartigen Ausbreitung. Wie gut ist Deutschland vorbereitet? Es gibt in sieben Großstädten Sonderisolierstationen mit zusammen 60 Betten in ganz Deutschland!

Das mit der allgemeinen Hygiene ist zweischneidig. Gerade rund um das Thema „Hände Waschen“. Es ist sicher sinnvoll, Hände regelmäßig zu waschen, aber wie es aussieht wird das Coronavirus eher durch Töpfcheninfektion (Husten/Niesen) übertragen, ob sie auch durch direkten Kontakt (Schmierinfektion) übertragen werden, ist bisher nicht belegt.

Chinesische Forscher schließen aufgrund von quantitativen Analysen von RT-PCR-Untersuchungen des Nasenrachenraums, dass das Virus wie Influenza auch durch Aerosole übertragbar ist

Quelle: Wikipedia

Die Übertragungszeit liegt im Schnitt bei 5 Tagen, kann aber vielleicht auch bis zu 24 Tage dauern. Das bedeutet natürlich, dass Menschen relativ lange symptomfrei durch die Gegend laufen und mit anderen interagieren. Es ist dadurch schwer nachzuvollziehen wer mit wem über so einen langen Zeitraum Kontakt hatte.

In Kiel wurden in den letzten Jahren immer wieder Stationen am UKSH und dem Städtischen Krankenhaus geschlossen, weil es nicht ausreichend Personal für den Betrieb gab. Erst im Januar gab es von ver.di organisiert zu dem Thema einen Streik.

Also ganz unabhängig von irgendwelchen Epidemien oder Pandemien ist unser Gesundheitssystem seit Jahrzehnten in einer tiefen Krise. Auch Notaufnahmen sind überlastet. Bisher schon mit teilweise auch harmlosen Fällen. Lange Wartezeiten vorprogrammiert. Das würde natürlich in einem Krisenfall nicht besser. Wir müssen davon ausgehen, dass wir in einem Notfall nicht sofort die adäquate Behandlung bekommen können, die nötig wäre. Und das alleine aufgrund des Personalmangels. Sollte dann noch Personal zum Verdachtsfall werden und teilweise wochenlang nicht arbeiten können, würde sich die Krise noch weiter verstärken.

Intensivstation auf der USNS Comfort

Gerade bei COVID-19 soll es bei schweren Verläufen immer wieder zu schwerer Atemnot kommen und zur Notwendigkeit invasiver Beatmung. Wenn es da eine gute Versorgung gibt, sind die Überlebenschancen gut. Aber wie es aussieht fehlte diese dann eben meist bei den vielen Toten in China. Dieser Flaschenhals existiert in Deutschland und somit auch in Kiel genau so.

In der Berichterstattung wird immer über das Ansteckungsrisiko gesprochen, über Hygiene- und Vorsichtsmaßnahmen und viel zu wenig darüber, welche Vorbereitungen für einen Krisenfall nötig wären. Stattdessen wird versichert, dass man gut vorbereitet wäre. Es ist zwar verständlich, dass Menschen sich über ihr persönliches Risiko sorgen. Wichtiger wäre aber zu überlegen was passiert, wenn wirklich viele Menschen gleichzeitig betroffen wären.

Die Antwort ist wohl auch eher: Lasst uns hoffen, dass dieser Fall nicht eintritt, denn die Politik hat seit Jahrzehnten die Medizin kaputt gespart. Es gibt keine Maßnahmen, die hier schnell Abhilfe schaffen würden. Daher müsste man im Vorfeld schon schnell bereit sein drastische Maßnahmen umzusetzen. Denn wenn das Kind erst mal in den Brunnen gefallen ist, wären viele Kieler*innen nicht zu retten. Diese Wahrheit muss man auch mal aussprechen. Die bisherige Propaganda verleitet die Leute eher dazu irrational zu reagieren oder in Panik zu verfallen.

Klar kann auch jeder Einzelne etwas tun durch Verhaltensänderung. Aber die Möglichkeiten sind auch begrenzt. Und solange in Kiel kein konkreter Fall auftritt, sollte man auch nicht überreagieren. In 99% der Fälle lassen Symptome auf eine normale Erkältung zurückführen. In dem Fall von höherem Fieber ist auch bei einer Grippe Vorsicht geboten und es könnte sich auch um eine Infektion mit COVID-19 handeln. Wie ja schon oben beschrieben, bewegen sich in Deutschland seit zwei Wochen vermutlich viele, die Überträger sind und bei denen sich noch keine Symptome zeigen. Ich denke hierbei ist der allgemeine epidemiologische Aspekt wichtiger als Ratschläge für die Bevölkerung.

Was wird passieren?

Das wiederum wäre Kaffeesatzleserei. Man kann denke ich sicher davon ausgehen, dass es mehrere Fälle in Schleswig-Holstein geben wird. Als Groß- und Landeshauptstadt wird sicher auch Kiel bald seinen ersten Fall haben. Ab dem Zeitpunkt kann man nur hoffen, dass er früh erkannt und aufgefangen wird. Das ist dann auch wen wenig Pech oder Glück. So wie in NRW, wo es ausgerechnet eine Kindergärtner*innen-Ehepaar traf.

Fazit: Ist Kiel gut vorbereitet?

Leider Nein.

Written by tlow

29. Februar 2020 at 10:20

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PM: Erster bestätigter #COVID2019 -Erkrankter in Schleswig-Holstein im Kreis Segeberg #CoronaVirusDE

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Quelle:Pressemitteilung Ministerium für Soziales, Gesundheit, Jugend, Familie und Senioren des Landes Schleswig-Holstein

Photo by Anna Shvets on Pexels.com

Kreis Segeberg/ Kiel. Im Kreis Segeberg ist der erste Fall einer COVID-19-Infektion bestätigt worden. Es handelt sich gleichzeitig um den ersten Nachweis des Virus in Schleswig-Holstein. Er ist Mitarbeiter der Kinderabteilung des Universitätsklinikums Hamburg-Eppendorf (UKE). Der Henstedt-Ulzburger war in Italien im Trentino im Urlaub und kam am Sonntag, 23. Februar, zurück. Die Region Trentino ist nach Definition des Robert-Koch-Instituts aktuell kein Covid-19-Risikogebiet. Er nahm am Montag nach seiner Rückkehr seine Arbeit im UKE wieder auf. Als er am Dienstag erste Krankheitssymptome bemerkte, brach er seinen Dienst sofort ab. Am späten Donnerstagabend bestätigte sich dann der Verdacht einer Infektion. Der Infektionsschutz des Kreises Segeberg hat daraufhin in enger Abstimmung mit der Hamburger Behörde und dem Gesundheitsministerium Schleswig-Holstein sofort die notwendigen Maßnahmen eingeleitet.

Der Patient befindet sich zurzeit in einem stabilen Zustand in häuslicher Isolierung. Auch seine Ehefrau ist häuslich isoliert, aktuell aber noch symptomlos. Eine diagnostische Abklärung ist veranlasst. Die Personen, die mit dem Ehepaar engen Kontakt hatten, werden derzeit durch Hamburger Gesundheitsbehörde (Arbeitsort) und die Kreisgesundheitsbehörde (Wohnort) ermittelt, informiert und gegebenenfalls auf den Erreger getestet. Alle Kinder und ihre Eltern, die engen Kontakt mit dem betroffenen UKE-Mitarbeiter hatten, gehen 14 Tage im UKE in Quarantäne oder – soweit es ihr Gesundheitszustand und die häusliche Situation zulassen – bei sich zu Hause. Klinik-Mitarbeiter*innen, die einen engen Kontakt mit ihrem Kollegen hatten, sind ebenfalls in häuslicher Isolation. Auch sie werden getestet. Auf der betroffenen Station finden keine Neuaufnahmen statt.

Wie in diesem Fall geht der Infektionsschutz nach dem gleichen Schema vor: Im Falle eines Nachweises des Virus COVID-19wird gegenüber der infizierten Person eine Quarantäne im häuslichen Umfeld oder im Krankenhaus – je nach Gesundheitszustand und abhängig davon, ob es die häusliche Situation zulässt – angeordnet. Umgehend werden daraufhin die engen Kontaktpersonen ermittelt, benachrichtigt und ebenfalls getestet. Grundsätzlich stehen auch die engen (ansteckungsverdächtigen) Kontaktpersonen unter Quarantäne, unabhängig davon, wie der erste Test ausfällt, da die Inkubationszeit (ca. 14 Tage) abgewartet werden muss.

Im aktuellen Fall ermittelt der Infektionsschutz derzeit 50 Kontaktpersonen aus dem Umfeld des Erkrankten und seiner Ehefrau. Wer glaubt, eine davon sein zu können, kann sich beim Kreis Segeberg unter der Rufnummer 04551 951-9833 melden (am heutigen Freitag noch bis 18 Uhr, am Wochenende jeweils von 10 bis 16 Uhr). Hier wird dann das weitere Vorgehen abgestimmt.

„Der Kreis Segeberg ist gut vorbereitet auf diesen und weitere Fälle“, sagt Landrat Jan Peter Schröder. Und von weiteren Fällen sei nach derzeitigen Erkenntnissen über das Virus auszugehen. Jeder könne aber durch angemessene Hygienemaßnahmen dazu beitragen, eine weitere Ausbreitung zu verhindern. Dazu gehören

Die in Henstedt-Ulzburg anstehende Bürgermeisterwahl am kommenden Sonntag ist laut Landrat Schröder in keiner Weise beeinträchtigt. Laut Aussage der Gemeinde Henstedt-Ulzburg werden an den Wahllokalen entsprechende Hygienevorkehrungen getroffen.

Das Ministerium ist seit Beginn des Geschehens in China auf Landesebene koordinierend tätig und Bindeglied zwischen Bundesgesundheitsministerium, Robert-Koch-Institut und Kreis-Gesundheitsämtern sowie zwischen Beteiligten im Land. Im Gesundheitsministerium wurde dazu ein interner Führungsstab gebildet, die die landesweite Koordination verantwortet. Sollte es im weiteren Verlauf erforderlich sein, kann auch das Lagenzentrum des Innenministeriums hinzugezogen werden.
Ob eine Diagnostik sinnvoll ist, sollte im Zweifelsfall telefonisch mit dem Hausarzt/der Hausärztin geklärt werden, der sich mit dem für Infektionsschutz zuständigen örtlich Gesundheitsamt abstimmt. Zusätzlich wird ab Freitagnachmittag der Kreis Segeberg eine Hotline schalten. Diese ist am heutigen Freitag noch bis 18 Uhr zu erreichen, am morgigen Sonnabend sowie am Sonntag jeweils von 10 bis 16 Uhr. Die Nummer: 04551 951-9833.
Personen mit Atemwegserkrankungen, die zuvor in einem Risikogebiet waren oder Kontakt mit einem bestätigten Fall hatten, können sich auch an die Telefonnummer 116 117 der Kassenärztlichen Vereinigung Schleswig-Holstein (KVSH) wenden (auch außerhalb der Sprechzeiten). Zudem sollten diese Personen unnötige Kontakte vermeiden und nach Möglichkeit zu Hause bleiben. Die Risikogebiete finden Sie unter www.rki.de/DE/Content/InfAZ/N/Neuartiges_Coronavirus/Risikogebiete.html
Kreis und Ministerium erinnern daran, dass die Informationen für die Fachöffentlichkeit regelmäßig auf den Internetseiten des Robert-Koch-Instituts aktualisiert werden. Beispielsweise finden dort Ärztinnen und Ärzte die Informationen zum Verfahren der diagnostischen Abklärung bei Verdachtsfällen: www.rki.de/ncov

Bürger*innen finden Informationen, auch zu Hygienetipps, bei der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung unter www.infektionsschutz.de/coronavirus-2019-ncov.html
sowie auf der Seite des Gesundheitsministeriums Schleswig-Holstein unter https://schleswig-holstein.de/coronavirus

Written by tlow

28. Februar 2020 at 19:51

Veröffentlicht in Gesundheit

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Faktencheck #Stickstoffdioxid-Grenzwerte einhalten mit besseren Bahnverbindungen? #THRing

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Werbung der Ratsfraktion der SPD in Kiel

Auf Facebook trifft die Kieler SPD die folgende Aussage:

„Am Theodor-Heuss-Ring muss gebaut werden, wodurch die Stelle zum Nadelsöhr wird. Ab dem 15. April wird es eng werden. Also umsteigen auf Bus und Bahn?! Auf Anregung der Landeshauptstadt Kiel fahren etwa täglich vier zusätzliche Züge aus Preetz nach Kiel, sodass in der Rush-Hour ein 20-Minuten Takt gewährleistet ist. Und wenn die zusätzlichen Züge angenommen werden, fahren sie hoffentlich auch nach Abschluss der Bauarbeiten.“, so Max Dregelies. (F)

Quelle: Facebook

Dazu: Aus gutem Grund taucht diese Maßnahme im gemeinsamen Luftreinhalteplan von Stadt und Land nicht auf. Bei meiner Kritik dieser Argumentation unterscheiden ich aber zwischen (1) der Argumentationskette, die behauptet den Theodor-Heuss-Ring mit einfachem Bahnregionalverkehr entlasten zu können und (2) ob die Maßnahme als Solches zu begrüßen ist. Auf Twitter ging es zum Thema schon heiß her. Hier meine Kritik auf den Tweet von Max Dregelies als Thread:

(1) Kritik an der Behauptung, dass Bahnverkehr den Theodor-Heuss-Ring entlastet und damit effektiv die Werte für Stickstoffdioxid senkt.

Diese Behauptung basiert zunächst ein mal vor allem auf der Annahme, dass man vor allem Pendler*innenströme aus dem Süden zum Umstieg bewegen kann. Dazu brauchen wir also erst einmal eine Zahl dazu, wie hoch der Anteil des Berufsverkehrs in Kiel ist. Dazu gibt es einen Mobilitätssteckbrief für Kiel von 2018. Allerdings wird hier zwischen Frauen und Männern getrennt. Ich nehmen jetzt mal die Werte für Männer, weil dort der Anteil des Berufsverkehrs höher ist (also zum Vorteil der Befürworter*innen der Maßnahme):

Die Bahn lohnt sich für Viele alleine aus dem Grund nicht, dass die Strecke für Viele viel zu kurz ist. Es geht hier primär um alle, die von Preetz nach Kiel fahren. Auf dem Theodor-Heuss-Ring(THR) wiederum geht es um eine Summe von rund 100.000 Fahrzeugen pro Tag. Jetzt geht es also genau um die Frage, wie viele der Pendler*innen bei einer Ausdehnung eines Taktes zwischen Preetz und Kiel bereit sind umzusteigen und wie viele Fahrzeuge dies betreffen würde.

Dabei muss man wiederum berücksichtigen, dass sich aus den Verkehrsströmen auf dem THR ergibt, dass nur der geringste Teil der Autos überhaupt Pendler*innen sind. Bisher nutzen rund 3000 Pendler*innen die Bahn von Preetz nach Kiel. Der Modal Split des ÖV lag laut Masterplan Mobilität 2015 bei 8%, 40% beim Auto. Demnach könnten es grundsätzlich rund 15.000 Pendler*innen sein, die von Preetz täglich nach Kiel reinfahren. Bzw. sind es wohl genauer etwas über 16.000 (siehe nteraktive Grafik KN-Artikel). Nicht alle davon fahren über den Theodor-Heuss-Ring. Ein Teil fahren auch auf das Ostufer oder direkt in die Innenstadt. Ich kalkuliere jetzt mal mit 50% die tatsächlich dann den Theodor-Heuss-Ring nutzen (und passe die Zahl gerne an, wenn es andere gibt!). Das wären 8.000, also in beide Richtungen dann 16.000 und damit rund 16% des Verkehrs.

Von dem Verkehr müssen wir nun noch die abziehen, für die die Bahn keine Alternative wäre. Dazu muss man bedenken, dass z.B. entlang des Westrings der Busverkehr mit er 81 relativ unattraktiv ist, weil man lange fährt und die Busse heute schon sehr voll sind. Konzentrieren wir uns also auf die Haltestellen.

Das sind in Kiel-Hassee CITTI-Park, Kronshagen und Suchsdorf. Hassee ist ein recht großer Stadtteil. Wobei auch flächenmäßig ist man oft noch lange nicht am Ziel, wenn man bei CITTI aussteigt. Wieviele Pendler*innen würden also tatsächlich diese drei Bahnhöfe nutzen? Vielleicht maximal 1/4?

Dann noch die Sache mit dem Umsteigen: Das es ein verbessertes Angebot bei der Bahn gibt, heißt noch lange nicht, dass auch Menschen umsteigen. Die Baustelle und Einschränkungen beginnen im April 2020 und enden wohl noch in diesem Jahr. Für den Zeitraum wird schon mal keiner sein Auto abschaffen, allenfalls stehen lassen. Vorsichtig geschätzt würde ich von ca. 5 % Umsteiger*innen ausgehen.

Jetzt müssen wir zunächst die Zahl derjenigen ermitteln, die umsteigen könnten: Von den 8.000 Fahrzeugen 1/4 wären 2000 Fahrzeuge. Davon dann 5% wären 100 Fahrzeuge. Für beide Richtungen 200. Damit kämen wir auf einen Effekt von rund 0,2% weniger Fahrzeuge auf dem Theodor-Heuss-Ring in Kiel pro Tag. Es gibt effektivere Maßnahmen!

Wie gesagt, bei jeder Änderung einer Variable könnte das Ergebnis anders sein.

Fazit

Die Maßnahme mehr Takt bei der Bahn von Preetz nach Kiel zu machen haben wir einen kurzfristigen Effekt von vielleicht 0,2% weniger Fharzeugen pro Tag oder 0,0838 µg/h. Im Ergebnis also vermutlich kein messbares Ergebnis. Die Aussage der SPD, dass die Bahn helfen kann die Stickstoffdioxid-Grenzwerte am Theodor-Heuss-Ring einzuhalten ist also grob irreführend! Zudem muss man davon ausgehen, dass wenn der Zeitvorteil durch die Sperrung des THR entfällt auch viel vom Umsteigeverkehr wieder zurückfällt. Insbesondere bei denen, die ihr Auto nicht abgeschafft haben.

(2) Heißt das, die Maßnahme ist überflüssig?

Nein! Man muss das Ganze natürlich im Zusammenhang betrachten. Nahverkehr ist ein vernetztes System. Der Umstieg vom Auto/MIV zur Bahn/SPNV muss ein langfristiges Ziel sein und hat für einzelne Straßen oder wenige Monate überhaupt keine Bedeutung. Dies gilt insbesondere wenn es keine Verbesserung des Busangebotes der Stadt gibt. Und danach sieht es momentan nicht aus.

Um nicht missverstanden zu werden: Für die Klimawende ist der Ausbau und die Taktverdichtung absolut sinnvoll, ebenso wie eine Stadtbahn oder die Reaktivierung, Neubau und Renovierung von Strecken oder das Schließen von Lücken im Netz. Aber man muss ehrlich sein und darf nicht so argumentieren, als wenn die Bahn innerstädtische Probleme lösen könnte. Es geht eigentlich darum auch Pendler dauerhaft zum Umstieg zu bewegen. Und das geht nur dann, wenn sie bereit sind ganz auf ihr Auto zu verzichten. Ein Testballon von wenigen Monaten bringt da gar nichts. Auch geht es dann natürlich auch um mehr: Kommt man z.B. auch weiter nach Schönberg von Preetz? In der Verkehrspolitik wird leider oft sehr oberflächlich argumentiert und nicht nachgerechnet. Dabei sollten gerade Politik und Verwaltung genau dies tun. Und die Journalisten sollten es nachprüfen. Das Beispiel zeigt aber auch, dass mit 73% der restliche Verkehr viel bedeutender ist, als der Berufsverkehr. Der ist nur relativ auffällig weil es sich dann gerne staut. Die Masse an Stickoxiden hängt damit aber nicht zusammen. Beim Freizeitverkehr ist z.B. auch eine Vermeidung von Fahrten gut möglich, die dann ersatzlos wegfallen. Will die Stadt wirklich 40% weniger Autoverkehr muss man so weit denken.

Written by tlow

28. Februar 2020 at 19:37

BUND: Meeresmüll gefährdet Tiere im Wasser und an Land

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Pressemitteilung BUND Schleswig-Holstein:

Ein Geisternetz am Falckensteiner Strand macht auf ein grundlegendes, weit größeres Problem aufmerksam

Kiel: Ein verlorengegangenes Fischernetz, dessen Zugehörigkeit nicht festgestellt werden kann – ein so genanntes Geisternetz – hat am Falckensteiner Strand bei Kiel viele Tiere mit seinen Nylonsträngen in tödliche Gefahr gebracht. Fischernetze, die sich z.B. losreißen oder schlechtesten Falles absichtlich im Meer entsorgt werden, sorgen immer wieder für den qualvollen Tod von Lebewesen im Meer durch Ertrinken oder Strangulieren. Aber auch Vögel können sich in den Wirren der Netze verfangen und verenden. Ein Problem, das nicht nur durch Geisternetze, sondern insgesamt durch Plastikmüll in unseren Meeren auftritt.

Wenn sich Tiere in Netzen oder Verpackungsmaterial verheddern, können sie sich meist selbst nicht mehr befreien. Für Viele ein sicheres Todesurteil.„, so Stefanie Sudhaus, Meeresschutzexpertin beim BUND Schleswig-Holstein. „Darüber hinaus halten viele Tiere Müll für Futter und verschlucken ihn. Dann verhungern sie bei, mit Plastik, gefülltem Magen. Hier appellieren wir an jede und jeden Einzelnen, mit darauf zu achten, dass Abfall fachgerecht entsorgt und auf nachhaltige Lösungen bei Verpackungen zurückgegriffen wird. So wird das Leiden von Meerestieren und Vögeln von vornherein verhindert.

Bei Funden von in Müll und Netzen gefangenen Tieren bittet der BUND Schleswig-Holstein darum, umgehend die Feuerwehr zu kontaktieren. Diese können dabei helfen, die eingeschnürten Tiere zu befreien. Zudem kann so das Netz entsorgt werden, bevor weitere Lebewesen in Gefahr gebracht werden. Müll sollte nach dem Strandbesuch immer so entsorgt werden, dass er auch bei stärkerem Wind nicht wieder in die Umgebung oder das Wasser geweht werden kann. Am besten ist es natürlich, Plastikprodukte zu vermeiden und auf Mehrweg-Alternativen zurückzugreifen.

BUND Landesverband Schleswig-Holstein e. V.
Lorentzendamm 16, 24103 Kiel
Tel.: 0431 660 60-10
Fax: 0431 660 60-33
E-Mail: info@bund-sh.de 
www.bund-sh.de

Written by tlow

24. Februar 2020 at 18:13

… und warum #Schnellbusse keine so tolle Idee sind

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Ein weiterer Vorschlag in Verbindung mit der schon von mir angesprochenen P&R Idee war ein Antrag in der Kieler Ratsversammlung zur Förderung eines Schnellbusses mit eigener Spur:

Die Verwaltung wird aufgefordert zu prüfen, auf welchen Hauptein- und Hauptausfallstraßen kurzfristig eine eigene Busspur für Schnellbusse eingerichtet werden kann.

Dazu muss man einerseits wissen, dass in Kiel viele Busspuren abgeschafft wurden, weil diese doch häufig zugeparkt oder blockiert waren. Z.B. in der Holtenauer Straße.

Zum einen hatte man diese bereits nach Abschaffung der Straßenbahn eingeführt und dann wieder abgeschafft. Zum anderen gibt es diese auch bereits als „S-Linien“.

Das Problem bei Schnellbussen ist, dass eine Abwägung getroffen wird zu lasten eines breiteren Angebots einseitig zur Geschwindigkeit. Dabei gilt meist auch das Auto als Maßstab. Allerdings fehlt diesen Bussen im Vergleich zu einem schienengebunden System Kapazität und auch Geschwindigkeit. Und es geht immer auch einher mit einer Absenkung der Qualität für andere Fahrgäste. Nämlich für diejenigen, an deren Bushaltestelle der Bus in Zukunft vorbei fährt. Das bedeutet: Weniger Menschen fahren mit diesem Bus.

Das Auto taugt nicht wirklich als Maßstab. Solange man außerdem dem Auto immer wieder Vorteile verschafft, durch günstigen Parkraum oder dem Ausbau von Straßen, wird es immer schneller sein als Massentransport. Einfach deshalb, weil diese Form des Transportes immer auf viele Interessen Rücksicht nehmen muss. Nahverkehr stellt immer einen Kompromiss dar. Man kann durchaus auch in einem Gesamtkonzept auch Schnellbusse vorsehen, aber die fehlende Annahme des Nahverkehrs durch Autofahrer*innen ist nicht dadurch lösbar, dass man auf wenigen Verbindungen ein paar Minuten schneller am Ziel ist.

Leider ist die Kompetenz der Ratsversammlung diesbezüglich sehr gering. Und das Problem ist, dass sie das weder wissen noch demgemäß handeln. Bei Bussen hat gefühlt jede/r eine bessere Idee, wie man alles ganz einfach lösen kann. In Kiel gibt es daher bis heute kein gutes und leistungsfähiges Buskonzept. Es müsste dringend ein mal neu durchgerechnet und optimiert werden mit externem Sachverstand. Und damit meine ich explizit NICHT Kommunalpolitiker*innen, die das meinen nebenbei lösen zu können.

Written by tlow

23. Februar 2020 at 22:47

Veröffentlicht in Rathaus, Verkehr

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Warum #ParkAndRide keine Lösung ist

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Manche meinen die Lösung der städtischen Verkehrsprobleme wäre, dass die Autofahrer*innen zum Stadtrand fahren, um dort auf riesigen Parkplätzen als P&R (Park & Ride) abstellen, um dann mit Zug und Bus in die Stadt reinzufahren. Was stimmt an dieser Idee nicht?

Es gibt dann mehrere Probleme:

  1. Man muss erst große Flächen schaffen, auf denen ausreichend Platz geschaffen wird. Der Verkehr zur Stadt über Bundesstraßen oder Autobahnen würde nicht geringer. Woher die Flächen nehmen? Und was sagen die Umlandgemeinden: Wollen die den Städten die Flächen bereitstellen? Nur für das Auto? Wohl kaum! Außerdem müssen die Leute sich trotzdem mit dem Auto auf den Weg machen. Infrastrukturen auf dem Lande entstehen dadurch nicht.
  2. Investitionen in Parkplätze schafft keine neuen Verbindungen. Es bedeutet stattdessen Geld in Autoinfrastruktur zu investieren.

Für manche erscheint zwar P&R als die Lösung aller Probleme. Dann können die Leute mit ihrem Auto bis zum Stadtrand fahren und es abstellen. Aber es ist eben nicht gut durchdacht, wie oben schon ausgeführt.

Gerade diese Woche wurde wieder so ein Antrag in die Ratsversammung eingebracht als Drucksache 77/2020:

Die Verwaltung wird gebeten, gemeinsam mit den Nachbargemeinden Flächen am Stadtrand zu suchen, die für Park & Ride-Parkplätze in Frage kommen. Dabei sollen insbesondere Flächen an den Haupteinfallstraßen, über die besonders viele Pendler*innen nach Kiel fahren, ausgewählt werden.

Naiver kann man es fast nicht mehr angehen. Und ausgerechnet dieser lächerliche Antrag wurde interfraktionell unterstützt? Es zeigt mal wieder wie wenig die Ratsversammlung ernsthaft an der Verkehrswende arbeitet. Kiels Ziel 40% weniger Autoverkehr bis 2035? Ja was wird denn dafür unternommen? Gar nichts!

Dieses Beispiel ist aber auch auf jede Stadt anwendbar. Es wird Zeit diese Denke zu überwinden, dass es nur darum gehen müsse das Parken zu erleichtern. Die Bequemlichkeit des Autos kommt hauptsächlich dadurch, dass die Illusion entsteht, dass man überall hin kommt. Es muss dann eben auch unmöglich werden zu parken. Das Schaffen von MEHR Parkmöglichkeiten wird niemand davon abhalten in der Stadt nach doch einem näheren Parkplatz abzuhalten! Das ist eine sehr gefährliche Illusion! Es führt nur dazu das Gelder in die falsche Richtung investiert werden und verhindert die eigentliche Verkehrswende!

Written by tlow

22. Februar 2020 at 22:57

Veröffentlicht in Verkehr

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Der kleine und der große #Rassismus #IchBinKeinVirus

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Wie entsteht eigentlich Rassismus und warum muss man sich damit weltweit herumschlagen? Dieser Text ist nicht wissenschaftlich, sondern nur auf meinem persönlichen Mist gewachsen. Insofern kann es gut sein, dass ich Begriffe zu unscharf verwende. In Deutschland ist das meist verbreite Verständnis, dass es eigentlich nur ein Problem von Nazis und „echten“ Rassisten ist. Aber das greift zu kurz:

  1. Jeder Nazi war mal klein und vermutlich war er/sie nicht einfach nur ein „kleiner Nazi“, sondern wahrscheinlich ein ganz normales Kind. Also genau so wenig wie Menschen mit einer bestimmten Herkunft bestimmte Eigenschaften haben, genau so wenig wird man als Rassist geboren, sondern man wird erst zum Rassisten
  2. Es gibt einen riesigen Graubereich. Die meisten Menschen sind keine „waschechten“ Nazis, sondern einfach nur Kinder ihrer Kultur, bzw. irgend wann u.a. Eltern oder Lehrer*innen unserer Kultur. Damit werden dann Rassismen weiter gereicht. So wie Krankheiten. Z.B. wie man Begriffe verwendet, oder mit welcher Haltung man Menschen begegnet.
  3. Nicht alles was falsch ist, ist Rassismus. Es gibt auch Sexismus, Klassismus, Versklavung, Menschenhandel, Machtmissbrauch, Kapitalismus. Und das sind alles Dinge, die auf verschiedenen Ebenen sich durchaus auch mit Rassismus vermischen. Die Muster sind ähnlich. Unter dem Strich nutzt irgend jemand seine Position aus, um jemand anderen abzuwerten, zu beleidigen, auszunutzen,…. im Wesentlichen: Hierarchie und keine Begegnung auf Augenhöhe!

Wir erleben ja gerade besonders viel Rassismus gegenüber Mnschen aus Asien in Deutschland, nur weil ein Virus zufällig seinen Ursprung in China hatte. S.a. „Ich bin Kein Virus“ Und diesen Leserinbrief . Wobei wichtig ist zu erkennen, dass nicht etwa der Virus die Ursache für Rassismus ist. Er dient lediglich dazu sich rassistisch zu verhalten. Rassismus braucht keine rationale Begründung, Rassismus ist IMMER irrational. Auch wenn es immer wieder Bemühungen gibt, die Wissenschaft heranzuziehen, um eine Bestätigung für rassistische Überzeugungen zu bekommen. In Deutschland z.B. durch Leute wie Thilo Sarrazin.

Auf der anderen Seite würde ich behaupten, dass es für die meisten nahezu unmöglich ist, sich so zu verhalten oder zu sprechen, ohne das Vorurteile einen Effekt haben. Mit Sicherheit auch mein Text hier. Es geht aber gar nicht darum perfekt zu sein. Es geht eher darum sich über diese Dinge bewusst zu werden. Und die schlimmsten Verfehlungen zu vermeiden.

Am schwierigsten erkennbar sind m.E. Sachen, die etwas mit Verhalten und Raum zu tun haben. Viel schwieriger als einfach bestimmte Worte und Labels zu vermeiden. Mein Fahrlehrer sagte mir früher, wenn ich unsicher bin, soll ich einfach noch langsamer fahren, das würde niemandem schaden. Das ist z.B. auch eine gute Maßnahme: Einfach mal langsamer Reden und weniger vorpreschen, sondern mal sich selber beim Sprechen beobachten. Was sagt man, wie redet man? Und einfach mal irgend etwas aus- oder weglassen, wenn man sich unsicher ist, wie man es ausdrückt.

Ähnlich mit Verhalten und Bewegen: Wie raumgreifend verhält man sich, wie selbstverständlich nimmt man Raum ein und besetzt Raum? Für manche mag das paranoid klingen. Aber mein Vorschlag wäre, das halt nur ab und zu mal zu tun, das sich selber zu beobachten, sich selber zuzuhören und öfter mal aus anderen Blickwinkeln. Wie lustig finden es Deine Freunde aus anderen Ländern, wenn Du fremde Akzente nachmachst? Und: Willst Du Deine Freunde verletzen? Nein? Dann vielleicht mal einen Gang runterschalten? Es gelingt Dir nicht immer? Darum gehts auch nicht. Es ist ein Lernprozess, den man selber steuern kann. Und für jeden ist es anders.

Manchmal ist es ja auch einfach nur wichtig, Du selbst zu sein und nicht ständig nachzudenken. Auf jeden Fall! Aber wenn Du dann der einzige bist, der Spaß hat auf Kosten anderer, kann das ja nicht auch das Ziel sein?

Ich denke nicht-rassistisch zu sein erfordert genau so zu lernen wie Sprachen lernen oder andere Fähigkeiten einen Lernprozess erfordern. Diese Sichtweise macht es vielleicht auch einfacher auch mit sich selbst tolerant umzugehen. Das Wichtigste ist die richtige Einstellung zu bekommen. Ab dem Zeitpunkt ergibt sich Vieles von selbst. Und es geht auch darum manches zu „Verlernen“ oder falsche Lehren, die man eingetrichtert bekommt hat zu vergessen.

Letztlich ist damit das Ziel, selbst ein freierer Mensch zu werden, der nicht einfach gelernte Rassismen unbewusst repliziert, sondern mehr und mehr ohne diese klar kommt. Das Traurige ist allerdings, dass es wahrscheinlich eher Generationen braucht, sich davon zu lösen. D.h. im eigenen Leben wird man es wohl kaum schaffen alle diese negativen Einflüsse loszuwerden. Aber Eltern und Lehrer*innen z.B. könnten es schaffen, viel weniger davon weiter zu geben! Sie haben auch eine besondere Verantwortung.

Das klingt jetzt vielleicht zu pessimistisch. Aber ich will ja gerade sagen: Es lohnt sich damit anzufangen. Und der erste Schritt ist einfach mal davon auszugehen, dass man da einiges zu Lernen und Aufzuräumen hat. Also nicht mit dem Suchen anfangen, sondern einfach mal davon ausgehen: Man hat auch seine Rassismen und erst dann mal sich beobachten und sich zuhören. Mal nachdenken, wie das gesehen und verstanden werden kann.

Ich finde das ganze eigentlich so wichtig, dass dieses Thema in der Schule ein eigenes Fach verdienen würde. Oder was weiß ich: Kurse am der Volkshochschule, whatever. Viel wichtiger als Sprachkurse oder anderes.

Was denkt ihr? Liest sich das zu kryptisch?

Written by tlow

15. Februar 2020 at 23:41

Veröffentlicht in Gleichstellung, Grundrechte

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