KielKontrovers

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Archive for Februar 9th, 2020

#Geomantie ist keine Wissenschaft!

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Da das Thema Geomantie in Kiel hier und wieder mal aufploppte auch zu dem Thema mal ein kleiner Überblick.

Wie definiert sich „Geomantie„?

Man sollte es nicht mit Geographie oder Geologie verwechseln.Mit der Einleitung in der Wikipedia zum modernen Geomantie-Begriff ist eigentlich fast schon alles gesagt:

Die heutige europäische Geomantie ist eine unwissenschaftliche esoterische Lehre, die sich selbst als „ganzheitliche“ Erfahrungswissenschaft versteht und versucht, die Identität eines Lebensraums, eines Orts oder einer Landschaft zu erfassen und diese durch Gestaltung, Kunst oder Raum- und Landschaftsplanung zu berücksichtigen und ihr individuellen Ausdruck zu verleihen.

Die heutige Geomantie in Deutschland erfuhr sicher auch durch den Nationalsozialismus ihren Auftrieb. Die Nazis planten Straßen und Gebäude auch oft nach geomantischen Regeln. Zu den „Werkzeugen“ der sog. Geomanten gehören u.a. Wünschelrouten und Pendel. Ihre Kategorisierung als „Erfahrungswissenschaft“ gilt auch für Methoden wie die Homöopathie. Sie entziehen sich damit einer wissenschaftlichen Betrachtungsweise.

Bedenklich an diesen Grenzwissenschaften ist, dass dabei die Vernunft gerne abgeschaltet wird. Und es gibt diese Grauzone, wo vieles möglich ist. Siehe auch meinen Artikel zu 5G. Und wenn man schon mit Verschwörungstheorien anfängt, dann landet man auch schnell bei 911- oder bei Holocaust-Leugnern usw. Mit entsprechender Anbindung an rechte politische Netzwerke.

Es geht nicht um den kleinen privaten Aberglauben, den jeder so ausleben kann, wie er/sie will. Und man kann sicher auch Erfahrungen im Leben machen, die seltsam sind oder Zufälle erleben, die unglaublich sind. Problematisch wird es, wenn daraus formale Lehren werden und Leute damit ihr Geld verdienen. Wenn falsche Heilsversprechen gegeben werden und Wahrheit und kritisches Denken ihren Wert verlieren.

Auf diesem Mist wachsen dann auch politische Ideologien. Dann kann man auch gleich noch andere politische Botschaften mit verkaufen. Gefährlich in Zeiten von Fake News. Uns fehlt derzeit eher der kritische Geist und die Vernunft und nicht pseudowissenschaftliche Methoden!

Written by tlow

9. Februar 2020 at 21:50

Veröffentlicht in Verschwörungstheorien

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#5G Panik

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Da das Thema 5G (als neuer Mobilfunkstandard der 5. Generation) gerade in verschiedenen gesellschaftlichen Bereichen immer wieder hochkocht und es offenbar viele Menschen Angst macht, möchte ich mich ein mal mit dem Thema näher befassen. Ich beziehe mich bei der Darstellung der 5G-Gegner explizit auf die Argumente des Vereins diagnose:funk (mit Sitz in Stuttgart). Da dieser von vielen Gegnern als Referenzquelle genannt wird. Z.B. diese Seite.

Fangen wir also damit an die Behauptungen zu überprüfen:

  1. Es gäbe mehr Gefahren für die Gesundheit
  2. Sämtliche Gebäude sollen „durchgestrahlt“ werden
  3. Zur Beseitigung von Funklöchern solle es tausende neuer „Mobilfunktürme“ in ganz Deutschland geben.

Dabei ist klar, dass sicher viele 5G-Gegner*innen auch keine Fans von WLAN und anderen „Stahlungsquellen“ sind. Aber wir fokussieren uns hier auf 5G und der Behauptung, dass diese Technologie zu einer Verschlimmerung der Strahlenbelastung führen würde. Außerdem konzentriere ich mich auf die Situation in Deutschland und eher auf die Sendemasten und nicht die Auswirkungen durch Endgeräte bei den Nutzer*innen.

Welche Eigenschaften haben die Vorgänger 4G/LTE?

  • Datenübertragungsraten von bis zu 100 Mbit/s
  • Frequenzbereiche zwischen 700 MHz und 2,6 GHz

Im Vergleich dazu 5G:

  • Frequenzbereich FR1 600 MHz und 6 GHz
  • Frequenzbereich FR2 > 24 GHz (bis 40 GHz, ggf. erweiterbar bis 80 GHz)

Wie sieht die Wissenschaft bisher Mobilfunk (ohne 5G)?

Mobilfunk gibt es schon länger. Aber wie sieht es bisher mit dem wissenschaftlichen Konsens aus? Galt die bisherige Mobilfunkstrahlung als gefährlich?

Dazu können wir für Deutschland nur den Stand von 2011 der Strahlenschutzkommission heranziehen:

  • Biologische Auswirkungen des Mobilfunks – Aussagen/Einschätzungen:
    • Krebs: „Insgesamt ergibt sich eine unzureichende Evidenz für eine potenzielle Kanzerogenität von Mobilfunkexpositionen (SSK 2011)“ – Forschungsbedarf wird aber bejaht
    • Blut-Hirn-Schranke (BHS): „Insgesamt gibt es keine ausreichende Evidenz für eine Beeinflussung der BHS durch Mobilfunkexpositionen im Bereich der Grenzwerte. Es ergibt sich daher zu dieser Frage kein weiterer Forschungsbedarf.
    • Schlaf: „Mit Hilfe verschiedener methodischer Ansätze konnte eine Beeinflussung von Hör-oder Sehvermögen, insbesondere die Auslösung von Tinnitus, durch Mobilfunkfelder weitgehend ausgeschlossen werden
    • Ähnliches gilt für die meisten anderen Punkte.

Zusammenfassend kann man sagen, dass nach dem derzeitigen Kenntnisstand der bisherigen wissenschaftliche Konsens zwar eine schädliche Wirkung ausschließt, aber als zu geringfügig erachtet. Wir können uns immer nur auf aktuelle Forschungsergebnisse beziehen. Einzelne Studien werfen dabei vielleicht neue Fragen auf, reichen aber nicht aus um eine allgemeinere Aussage zu treffen.

Was ist also dran an der schlimmeren Belastung durch 5G ?

  • Gibt es mehr Sendemasten?
    • Ja, aber diese sind kleiner und haben meist eine geringere Sendeleistung. Zudem senden sie nur dort hin, wo auch tatsächlich genutzt wird (Beamforming). Im Vergleich dazu verteilte 4G eher nach dem Gießkannenprinzip
  • Sind die höheren Frequenzen gefährlicher?
    • Dafür gibt es bisher keine Indizien. Auch WLAN sendet seit Jahren schon zwischen 2,4 und 5,725 GHz. Auch dazu belegt der aktuelle Forschungsstand keine negative Wirkung. Zu den noch höheren Frequenzen gibt es ebenfalls nichts Handfestes.

Man kann das jetzt natürlich mit dem Vergleich eines halb vollen oder halb-leeren Glases betrachten: Das Fehlen eindeutiger Ergebnisse kann man einerseits so betrachten, dass wir zu wenig wissen, um die Technik einzuführen. Oder man betrachtet es so, dass die bisherigen Forschungen keine bedenklichen Ergebnisse lieferten und der Einsatz aus heutiger Sicht eben unbedenklich ist.

Fazit

Ich schätze den Sachstand so ein, dass 5G eher ein optimiertes Netz ist, dass eben mit weniger Sendeleistung auskommt und eben gerade nicht mehr überall hin strahlt, sondern nur da wo es wirklich genutzt wird. Man sollte auf alle Fälle an einigen kritischen Stellen weiter forschen, aber ich glaube selbst wenn die neuen Frequenzen bedenklicher sind, wird jeder Einzelne eher weniger Strahlung abbekommen als vorher. Insofern finde ich die aktuelle Panikmache rund um 5G ziemlichen Unsinn. Man hat offenbar einfach Angst vor einer höheren Zahl. Das damit aber die Sendeleistung und Belastung abnimmt liest man schon gar nicht mehr. Denn das eigentliche Problem ist die Angst und nicht die Wirkung!

Written by tlow

9. Februar 2020 at 17:08

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