KielKontrovers

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Archive for Mai 2020

Erstmals seit Wochen steigende Fallzahlen in Deutschland #COVID19de

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Seit Wochen sanken die Fallzahlen in Deutschland. In den meisten Medien wurde das nicht hervorgehoben, weil man sich auf die Gesamtfallzahlen bezog, die niemals sinken können. Dafür verpasst man die heutige Richtungsänderung: Denn gestern stiegen die Aktiven Fälle nach Angaben der Johns Hopkins University (JHP) zum ersten mal seit dem 7. April wieder an!

Gestern stiegen die Aktiven Fälle von 10.562 (am 27. Mai) auf 10.682 (am 28. Mai). Die Steigerung folgt Wochen bei denen verschiedene Ausbrüche aufgrund mangelhafter Vorschriften in Unterkünften oder für Gottesdienste zu neuen Ausbruchsherden führten. Und es folgt nur wenige Wochen auf eine weitgehende Maskenpflicht für Läden und ÖPNV.

Vielleicht lässt sich der gestrige Tag noch als Meldeverzögerung abtun. Denn einen Tag vorher gab es besonders wenige neue Fälle. Es wäre aber spätestens jetzt nötig, in verschiedenen Bereichen die Notbremse zu ziehen und statt immer mehr Lockerungen zu beschließen, lieber mehr Auflagen zu erteilen, wie zB Maskenpflicht an Schulen und in Kirchen.

Erst nehmen es die Deutschen zu locker, dann kann es gar nicht streng genug sein und kurze Zeit später lässt man wieder jede Vorsicht fahren. Die Gefahr ist heute genau so groß wie damals im März. Das ist hinlänglich bekannt. Es gibt zwar keinen Grund zur Panik oder übertriebenen Reaktionen, aber es gibt genug Grund, vorsichtig zu sein!

Written by tlow

29. Mai 2020 at 16:56

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Weiter Vergleich von Staaten. Wie gut ist Deutschland? #COVID19de

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In den Medien in Deutschland wird immer darauf abgehoben wie gut es in Deutschland mit COVID19 gelaufen ist. Ich will nun einen zweiten internationalen Vergleich wagen, nach meinem ersten, der sich mehr um den Vergleich der Methoden drehte. Als Basis nehme ich die größten Flächen-/Großstaaten (also Staaten mit mehr als 15 Mio Einwohner:innen). Ich beziehe mich dabei auf die Liste aus dem Wikipedia-Artikel, aber nehme dieses mal lediglich vier Staaten pro Kontinent. Am Ende vergleiche ich die Länder zur Hälfte nach Infektionsdichte pro Mio und Toten pro Mio. Und als Quelle nehme ich das Worldometer.

Diese Länder also:

  • Afrika: Algerien, Demokratische Republik Kongo, Sudan, Libyen
  • Amerika: Kanada, Vereinigte Staaten, Brasilien, Argentinien
  • Asien: Russland, Volksrepublik China, Australien, Indien
  • Europa: Frankreich, Spanien, Schweden, Deutschland

Bei der Betrachtung lasse ich die Testkapazitäten außer acht oder auch politische Einflüsse. Sicher repräsentieren die Zahlen nicht die ganze Wahrheit. Aber ich denke die Zahlen geben schon einen repräsentativen Querschnitt aus verschiedenen Kontinenten. Es sind die einzigen Zahlen, die wir haben.

Dieses mal vergleiche ich auch keine Maßnahmen. Das Schweden als einer der größten Staaten Europas bei der Wikipedia reingerutscht ist sicher ein Versehen de Wikipedia, aber in diesem Fall ist es eh ganz interessant wegen der aktuellen Debatte um deren COVID19-Debatte.

Ausgangspunkt war meine Beobachtung, dass wir in Deutschland in der Debatte immer behaupten, Deutschland hätte sehr gut abgeschnitten, aber oberflächliche Vergleiche zeigen oft ein anderes Bild gegenwärtig (am 27. Mai). Dieser Artikel als Snapshot ist mein Versuch, das noch mal neutral zu verifizieren. Wenn man auf bessere Länder verweist, gibt es meist irgend ein ABER (die testen weniger, das Virus war da später,…). Das mag ja auch alles sein. Aber zunächst gehts mir einfach um die offiziellen Zahlen und welches Bild sich daraus ergibt aus einer nicht-rassististischen oder eurozentristischen Brille:

Ich bewerte jetzt so. Und habe dazu versucht sinnvolle Größengruppe der Zahlen zusammenzufassen, um Punkte verteilen zu können:

Fälle:

  • Unter 200 Fälle/1M = 10 Punkte
  • Unter 2000 Fälle/1M = 5 Punkte
  • Unter 5000/Fälle/1M = 1 Punkt
  • > 5000 Fälle/1M = 0 Punkte

Tote:

  • Unter 10 Tote/1M 10 Punkte
  • Unter 100 Tote/1M = 5 Punkte
  • Unter 200 Tote/1M = 1 Punkt
  • >200 Tote/1M = 0 Punkte

Afrika

AlgerienKongoSudanLibyen
Fälle/1M (Punkte)199 (10)88 (10)91 (10)11 (10)
Tote/1M (Punkte)14 (5)3 (10)4 (10)0,4 (10)
Ergebnis 15202020

Amerika

KanadaUSABrasilienArgentinien
Fälle/1M (Punkte)2298 (1)5215 (0)1857 (5)293 (5)
Tote/1M (Punkte)176 (1)304 (0)115 (1)11 (5)
Ergebnis20610

Asien

RusslandChinaAustralienIndien
Fälle/1M (Punkte)2843 (1)1663 (5)280 (5)110 (10)
Tote/1M (Punkte)26 (5)90 (5)4 (10)3 (10)
Ergebnis6101520

Europa

FrankreichSpanienSchwedenDeutschland
Fälle/1M (Punkte)2800 (1)6060 (0)3412 (1)2164 (1)
Tote/1M (Punkte)437 (0)580 (0)409 (0)101 (1)
Ergebnis1012

Daraus bilden wir mal ein paar Gruppen:

  1. Länder mit allen 20 Punkten:
    1. Kongo
    2. Sudan
    3. Libyen
    4. Indien
  2. Länder mit 15 Punkten:
    1. Algerien
    2. Australien
  3. Länder mit 6 Punkten:
    1. Brasilien
    2. Russland
  4. Länder mit 1-2 Punkten:
    1. Kanada
    2. Frankreich
    3. Schweden
    4. Deutschland
  5. Länder mit Null Punkten:
    1. USA
    2. Spanien

Das bestätigt meinen Eindruck. Auch wenn man einige Länder skeptisch betrachteten würde, was die Zahlenqualität angeht: Deutschland gehört auf jeden Fall nicht zu den Top 10 der Flächenländer auf der Welt, sondern ist bestenfalls unteres Mittelfeld global betrachtet. Aber es lief hier besser als in Ländern wie in den USA oder Spanien.

Es hat in Deutschland inzwischen schon absurde Züge, wie man das eigene Land verteidigt und auch die Wirksamkeit der Maßnahmen. Hier noch mal meine drei Thesen zu Deutschland:

  1. Deutschland hat zu spät und zu zögerlich auf die Epidemie reagiert. Man hat zB erst Ende April angefangen Flugzeugpassagiere zu kontrollieren.
  2. Deutschland hat zu einem relativ späten Zeitpunkt einen Lockdown beschlossen und dabei zu viele harte Maßnahmen ergriffen, die auch gesundheitlich erhebliche Nebenwirkungen gehabt haben und haben werden.
  3. In Summe: Es traf Deutschland unvorbereitet und man hat mit einigen Maßnahmen das schlimmste verhindert. Aber das war alles voraussehbar. Die Bundesregierung hatte entsprechende Szenarien vorliegen und hat es an entsprechender Vorbereitung vermissen lassen. Später sind v.a. die Ministerpräsidenten über das Ziel hinausgeschossen und haben gleichzeitig Lücken gelassen, wie zB. keine Masken- oder Registrierungspflicht während des Gottesdienstes.

Man kann solche Listen beliebig erweitern und auch beliebig viele Länder ausklammern aus welchen Gründen auch immer. Ich wage es aber zu behaupten, dass man bei realistischer Betrachtung niemals dazu kommen wird, dass es in Deutschland gut gelaufen ist oder gar vorbildlich. Ihr könnt ja auch eigenen Listen erstellen. Die Daten liegen ja offen.

Written by tlow

27. Mai 2020 at 09:40

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#CoronaKiel #Lockerungen Warum steigen die Zahlen nicht?

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So locker war Deutschland schon seit Jahren nicht mehr. Es wird Fußball gespielt mit intensiven Zweikämpfen: Aber Vorsicht: Nach dem Tor nicht freuen oder gar die Kamerad:innen umarmen – man könnte sich ja anstecken. Und im Bus bitte 1,50 Abstand. Aber auf dem Feld: Gib Alles!

Und hatte man und am 20. März noch erklärt, dass es keine Alternative zum Lockdown gibt, vor allem bei Gastronomie und Einzelhandel, denn: 15.000 Infizierte waren einfach zu viel, da MUSS man einen Lockdown machen, sonst gerät es vollkommen außer Kontrolle, so gilt jetzt: Die Maßnahmen waren ein voller Erfolg, wir haben ja NUR NOCH 15.000 Infizierte. Also vollkommen andere Zahlen und damit wäre so was wie ein Lockdown nicht mehr vermittelbar. Wir müssen ALLES lockern, let’s Party!?

Wer darauf verweist wird nun zB ermahnt, dass wer kritisiert, dass bereits ab dem 20. März die Zahl der Neuinfizierten sank vergessen würde, das es doch vorher schon Maßnahmen wie Schulschließungen und das Verbot von Großveranstaltungen gab. Und das sich das Verhalten ja auch geändert hätte.

Aber genau das waren ja vor dem 20. März die Argumente von gemäßigten Komentator:innen wie mir: Viele Maßnahmen bis zum 15. März waren richtig, aber der totale Lockdown war unverhältnismäßig. Und an vielen neuralgischen Punkten wie Flughäfen oder Heimen/Unterbringungen wurden zu wenig Regeln durchgesetzt. Und das genau zeigt sich jetzt noch deutlicher:

Das Ausbruchsgeschehen in Pflegeheimen oder in der Landwirtschaft oder der Fleischindustrie oder in Asylbewerber:innenheimen ist nach wie vor nicht unter Kontrolle, weil man Hygienestandards dort viel zu lax handhabt und es im Interesse von Bewohner- oder Arbeiter:innen zu wenig auf gute Arbeits- und Unterbringungsbedingungen achtet.

Aber nun zu der Frage aus dem Titel, die sich seitens der Logik automatisch stellt: Müssten die Zahlen der Neuinfizierten nicht schon länger steigen, wenn der Lockdown dringend nötig war? Mit dem Lockdown meine ich also: Kontaktsperren, Ladenschließungen, Gastroschließungen. Ich meine damit NICHT Schulschließungen oder das Verbot von Großveranstaltungen. Letztere Punkte waren absolut richtig, v.a. die Großveranstaltungen scheinen das Ausbruchsgeschehen extrem beschleunigt zu haben. Ich war gespannt darauf, wie die Politik auf der Sackgasse wieder herauskommt, weil sie sagte man werde das ganze als dynamisches Geschehen beobachten und reagieren, wenn die Zahlen sich verändern.

Was hat sich denn bisher verändert? Die Zahl der Neuinfizierten ging seit dem 20. März stetig zurück. Es konnte kein Einbruch beobachtet werden, der die Wirksamkeit des Lockdowns ( ab 23.3.) bewirkt hätte. Auch der MNS (Munds-Nasen Schutz) war unauffällig in den Kurven. Seitdem gab es nicht weniger Ansteckungen. Die Lockerungen für Geschäfte ab dem 6. Mai sollte sich ab dem 20. Mai niederschlagen. Hier wird man weiter beobachten müssen, was passiert. Ich halte es eigentlich für unausweichlich, dass die Infektionszahlen zumindest lokal wieder ein mal ansteigen. Wir haben jetzt den MNS für Einzelhandel und ÖPNV. Sicher wird der auch die eine oder andere Infektion verhindert haben, viel mehr aber vielleicht psychologisch eine Wirkung haben.

Und heute die Wiedereröffnung der Gastronomien mit Auflagen. Deren Ergebnis dann ab ca. 1. Juni.

Ein Argument besagt, dass es ohne Maßnahmen einfach immer weiter angestiegen wäre und dass ja niemand es besser wusste. Weder die Gefahr am Anfang, dass es überhaupt in Deutschland Thema sein würde. Und dann natürlich, wie es mit den Infektionen weiter gegangen wäre ohne Maßnahmen. Stimmt alles irgend wie. Aber die Diskussion, was denn geholfen hat und was nicht ist essentiell, ja vielleicht das Wichtigste überhaupt. Denn anderweitig bliebe uns jedes mal bei jeder neuen Pandemie oder zweiten Welle sämtliche Maßnahmen zu wiederholen, mit allen Kollateralschäden wie Massenarbeitslosigkeit, Insolvenzen, verschobene Therapien. Wir können nicht wollen immer wieder bei Null anzufangen. Daher ist die Diskussion was wann passiert ist und was uns geholfen hat und was nutzlos war ganz essentiell. Auch der Vergleich mit anderen Ländern kann da helfen.

Ich hatte diesbezüglich ja schon einen Artikel mit dem RKI als Fokus. Was passiert ist, ist glaube ich, dass man sehr wohl über die Gefahren von Pandemien bescheid wusste und sogar Szenarien erarbeitete. Aber man hat nicht wirklich daran geglaubt, dass es uns treffen könnte, auch wenn viele Expert:innen seit Jahrzehnten davor warnten. Und man hat dannin der Frühphase gepokert, dass es weniger Schaden anrichten würde, wenn man gar keine Veranstaltungen absagen würde. Man hätte dann alle Einnahmen und Steuern. Die Leute würden nicht in Panik verfallen oder sauer sein, weil der Karneval ausfiel. Ich habe ausgerechnet, dass wenn wir ähnlich gehandelt hätten wie Taiwan, dass wir dann lediglich rund 70 Tote hätten und nicht 8.000 mit steigender Tendedenz.

Es ist der Politik also beides vorzuwerfen: Sie hat sowohl zu spät und zu lax gehandelt, als auch später zu streng und ungerichtet. Es war vor allem die Politik, die in Panik verfiel. Am Anfang war man noch über den Gedanken empört, Großveranstaltungen wie die Kieler Woche abzusagen:

Auf die Antwort vom Ordnungsamtschef gab es viele Likes aus der Politik. Diese Bürger:innen wieder mal, wissen immer alles besser….

Wenig später wurden in Kiel dann Umzüge verboten, weil man da ja nebeneinander steht:

Wir mussten ja alle schnell lernen und uns umstellen. Zuvor hatte ich auch bereits festgestellt, dass Kiel, anders als propagiert, nicht gut vorbereitet schien. Keine Institution in Deutschland war gut vorbereitet. Ich denke das einzige, was als gute Vorbereitung durchgehen kann, ist das Deutschland anscheinend wenige neoliberale Krankenhausreformen bekommen hat, als es durch die eigene Brille erschien: Ja, die Zustände in Krankenhäuser sind und waren vor Corona unhaltbar. Aber nicht so unhaltbar oder schlimm wie in Italien, Frankreich oder UK! Weil sich zum Glück Gesundheitspolitiker wie Lauterbach nicht durchsetzen konnten mit ihren Plänen von Klinikschließungen. Was uns weniger Tote trotz extrem hoher Infektionszahlen (auf Worldometer Platz 8 von 215, oder umgedreht Platz 208, hinter uns kommen nur noch sieben weitere Staaten!) beschert hat, war eine gewisse Resilienz gegen Reformen, waren linke Spinner in ganz Deutschland, die die Logik der Politik und der Neoliberalen nicht mitmachen wollten. Ein breit aufgestelltes Gesundheitssystem, das jederzeit einsatzbereit ist, rettet in der Pandemie tausende Leben. Aber billiger und effektiver wäre es natürlich gewesen schneller zu reagieren.

Ergo:

  • schnelle und wirksame Maßnahmen auch zulasten einzelner Veranstaltungen und Orte, sowie
  • gut finanziertes Gesundheitssystem, dass bei Pandemien schnell reagieren kann mit höheren Kapazitäten

tragen sowohl dazu bei , dass A) die Zahl der Infizierten extrem gering bleibt und B) Die Zahl der Toten sich enorm verkleinert.

Deutschland war bei B) vergleichweise ganz gut und bei A) eine der schlechtesten Nationen der Welt.

Und im Gegensatz zum Mainstream bewies m.E. gerade Herr Söder da kein gutes Händchen, ebenso wenig wie Herr Spahn. Bayern ist ich nur das Bundesland mit den meisten Infizierten, sondern durch seine schleppende Politik am Anfang auch hauptverantwortlich für die Ausbreitung von Corona in ganz Deutschland. Später hat Söder das mit gespielter Entschlossenheit versucht auszugleichen und es bisher vergessen gemacht, dass er der Hauptschuldige in Deutschland ist mit den schlechtesten Zahlen.

Es bedarf einer weitreichenden Aufklärung und Debatte, wie sich die Pandemie so in Deutschland ausbreiten konnte. Das ist viel wichtiger, als was in China passierte. Das sollen die Chines:innen selber klären oder von mir aus die WHO. Vor der eigenen Tür kehren. Warum haben unsere Expert:innen so versagt? Warum gab es so viele Tote? Was ist aber auch gut gelaufen und was schlecht? Nur durch Fehleranalyse lernt man. Einer offenen und ehrlichen Debatte. Bisher ist die noch nicht in Sicht. Aber immerhin titelte die Tagesschau neulich schon über „Die verlorenen Wochen„.

Written by tlow

18. Mai 2020 at 10:18

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#Meeresspiegel 2100 noch höher als erwartet? #Mobilitätswende #IHK

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Letztes Jahr hat die Landesregierung Schleswig-Holstein entschieden auf den drohenden Meeresspiegelanstieg zu reagieren. Leider nur was den Küstenschutz angeht, aber immerhin.

Und wie sieht es in der KielRegion aus? Es gibt Ansätze zB aus 2015 diese Präsentation: Klimaanpassung im Rahmenplan Kieler Förde (PDF):

Wie nachhaltig wird hier gearbeitet? Am Ende des Dokumentes findet man folgende Hinweise zu weiterführenden Dokumenten:

Gehen wird aber auf eine der Seiten (getestet am 13. Mai 2020) www.kieler-foerde.eu, so kommen wir auf die Standard-Plesk-Seite:

Also schauen wir in die Vergangenheit mit der Wayback Machine:

  • Vom 5. August bis zum 17. August finden wir lediglich einen Redirect (302) mit dem Hinweis darauf, dass die Seite überarbeitet wird.
  • Am 20. April gab es noch Inhalte.

Man findet allerdings auch einen Hinweis auf www.klimabuendnis-kieler-bucht.de. Es stimmt nicht gerade optimistisch, wenn man sieht, wie die Gemeinden bei so einem wichtigen Thema Daten vorhalten. Da wird eine Domain erworben, Daten hochgeladen und nach ein paar Jahren interessiert es keinen mehr.

Beim Klimabündnis Kieler Bucht liegt der Fokus auch eher auf den Erhalt des Tourismus und Marketingkonzepten.

Was den Meeresspiegel angeht braucht es aber eine konsequente Klimapolitik mit Auswirkungen auf geplante Infrastrukturprojekte, insbesondere was den Straßenbau angeht.

Vor einiger Zeit habe in einem Update bereits über die Erhöhung der Prognosen berichtet.

Nun ist bei einer Befragung sämtlicher Experten zum Thema Meeresspiegel herausgekommen, dass Einschätzungen bei derzeit einem Meter bis 2100 liegen.

Dazu ein Interview mit dem Klimaforscher und Mit-Initiator Stefan Rahmstorf auf Deutschlandfunk vom 8. Mai.

Also. Die Bedrohung steigt. Wir wissen bisher wenig über Dynamiken, die durch die Eisschmelze auftauchen könnten. Und nach wie vor gilt, dass wir spätestens vorgestern hätten handeln müssen.

Bei vielen Akteur:innen ist die Erkenntnis aber noch nicht angekommen. Die IHK veröffentlichte erst gestern, am 13. Mai ihre „Leitlinien“. Ich habe dazu einen Thread auf Twitter veröffentlicht:

Was bisher auf allen Ebenen fehlt ist eben die Erkenntnis, dass wir eine fundamental andere Verkehrspolitik machen müssen. Es bewegt sich sehr langsam etwas. Aber wenn zB in Kiel auf der einen Seite Sprinter in jeder Straße nahezu unkontrolliert und ohne Regeln parken können wie sie wollen und solange Parklets als „Sondernutzung“ unter Vorbehalt stehen, hat sich nichts wirklich geändert. Natürlich ist ein Parklet eine Bereicherung der Verkehrssicherheit. Um so mehr, je klarer es abgegrenzt es ist. Parkende Autos stellen dagegen ein andauerndes Ärgernis und Gefährdung dar. Selbst die legal abgestellten Autos erschweren zB die Sichtbarkeit von Kindern, die die Straße überqueren wollen. Und es wird ja überall kreuz und quer und wild geparkt, auch an Kreuzungen. Da achtet fast niemand darauf und abgeschleppt wird.

Stattdessen wird medial und politisch oft der „Parkdruck“ als Argument benutzt, dass es für den wachsenden Autosbestand natürlich noch mehr Fläche gibt, dem man anderen Nutzungszwecken entziehen sollte. Das ist vor allem eine der Punkte, der in der Debatte oft unter den Tisch fällt: In Städten kann man nicht einfach Flächen aus dem Hut zaubern: Mehr Platz für Parken bedeutet IMMER, dass eine andere Flächennutzung geringer wird. Und was soll es dann sein? Weniger Grün? Weniger Fläche fürs Wohnen? Weniger Freizeitfläche? Weniger Fläche für Gastronomie? Weniger Fläche für Läden?

Moderne Städtebaupolitik und eine „Smart City“ bedeutet eben nicht einfach ein neues Parkleitsystem, sondern primär den vorhandenen Platz intelligent zu verteilen. Prioritäten setzen, ggf. auch mal eine höhere Investition für eine Fläche investieren, die aber dann ALLEN zur Verfügung steht. Aber dort wo ein Auto steht, kann man nicht spielen oder darauf spazieren gehen, oder ausruhen.

Die Stadt muss planen, wie sie Fläche in ein paar Jahrzehnten neu vertelt haben will. Und sie muss dann heute anfangen entsprechenden Platz zu schaffen. Und ich empfinde es als unwürdig, dass engagierte Bürger:innen zu oft von der Verwaltung ausgebremst werden, die mit einer veränderten Straßenraumgestaltung neue Lebensqualität und damit auch mehr Verkehrssicherheit erreichen wollen, aber im Gegenzug überall unhaltbare Straßenzustände herrschen, wie Autos, die zu 90% den Gehweg parken, damit die Autos schön viel Platz haben. Derzeit ist leider immer noch die Pedestrians vielerorts nur eine Randerscheinung und viele Fußwege nur Zuwegungen zu parkenden Autos.

Zugeparkter Fußweg in der Ascheberger Straße

Viele Zustände sind unhaltbar und dennoch heute immer noch zu normal und toleriert. In der Ascheberger Straße gehen Pedestrians zB dann einfach nur auf der Fahrbahn, die EIGENTLICH der Ort für die Autos und Fahrräder sein sollte. Eben weil man ihnen ihren angestammten Platz weggenommen hat. Die Story der Autolobby ist dann aber: Der Parkdruck ist dort zu hoch, man möchte am liebsten noch mehr Platz. Sollen wir dort dann zB die Vorgärten opfern?

Es braucht neue Vorgaben seitens Land und Stadt, die auch auf den Tischen im Ordnungs- oder Tiefbauamt liegen und es denen ermöglicht rechtssicher mehr Platz für Alternativen zum Auto zu schaffen. Die bisherigen Maßgaben führen eher zu weniger als zu mehr Sicherheit.

Written by tlow

14. Mai 2020 at 09:15

Und täglich grüßt die #Reproduktionszahl

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Ich bin ja kein Wissenschaftsjournalist, aber es ist schon verblüffend wie viel Aufmerksamkeit die Reproduktionszahl „R“ nach wie vor bekommt.

Zum einen sagt das Robert Koch-Institut (RKI) mittlerweile selber, dass dieser Wert alleine betrachtet „nicht hilfreich„.

Dutzende Artikel sind von verschiedensten Journalisten erschienen um uns endlich ein für alle mal zu erklären, was R ist und warum sie so wichtig ist. Doch alle die ich gelesen habe sind an der selbst gesteckten Aufgabe gescheitert. Peinlich für den Journalismus!

Es hilft bereits ein Blick in den Artikel zur Basisreproduktionszahl in der Wikipedia, um es zu überblicken:

Quelle: Wikipedia

Nun kann man vermutlich verschiedenste Methoden anwenden, um diese drei Variablen: K, q, D zu errechnen.

Die sicherste scheint mir dabei D, die mittlere Dauer der Infektiosität zu sein, da man dies ja direkt an allen Patient:innen feststellen kann und einen Durchschnitt bilden.

K, die Anzahl der Kontakte ist aus meiner Einschätzung zur Zeit sehr schwierig festzuhalten. Es stellt sich da auch die Frage: Was ist ein Kontakt? Ist es bereits eine Begegnung auf der Straße im Vorübergehen? Oder ist es mindestens fünf Minuten im Abstand unter 1,50 Meter im Freien?

q, die Wahrscheinlichkeit der Infektion bei Kontakt. Das hängt auch von vielen Faktoren ab: Welchen Beruf hat jemand, Pflegeberuf oder Homeoffice? Wie lange dauern die Kontakte im Schnitt an? Ändert sich die Länge abhängig von Maßnahmen?

Ich gehe davon aus, dass wir wissen wie viele Kontakte der Durchschnittsdeutsche unter normalen Umständen pro Tag hat. Und über Umfragen kann man sicher auch untersuchen wie sich das Verhalten während der Krise verändert, auch abhängig von Maßnahmen. Die Wahrscheinlichkeit der Infektion basiert sicher einerseits auf dem neuesten Forschungsstand der Infektiosität und andererseits eine Einschätzung darüber wie sich das Verhalten der Menschen ändert.

Da besonders die Kombination aus K und q schwer abzuschätzen ist, ist die Wahrscheinlichkeit groß, dass diese Werte tatsächlich eher abgeleitet werden und daher nicht direkt die Variablen sind, die in die Berechnung einfließen. Abgeleitet zB aus den gemeldeten Zahlen der Neuinfektionen. Allerdings taucht für mich dann das Problem auf, dass R nicht wirklich ein von den aktuell gemeldeten Zahlen unabhängiger errechneter Wert ist. Die Frage ist dann, welchen Mehrwert er uns jeweils bringt? Wie aktuell ist R?

Zudem ist es so, dass wenn wir statt auf R auf die Unterschiede bei den Neuinfektionen schauen wir eine Abnahme um 0,96 pro Tag seit dem 11. April bis heute haben. Dadurch gibt es heute statt 65.181 nur noch 18.710 Fälle also mehr als 46.000 weniger Infizierte in nur vier Wochen! Das würde bedeuten, dass es bereits in zwei Wochen keine Infizierten mehr in Deutschland geben könnte. Ehrlich gesagt ist mir dann egal, welchen aktuellen R-Wert wir dann haben, wenn es danach kein Corona mehr gibt.

Aber natürlich wird es so nicht sein, denn es gibt viele Heime und Unterbringungen, wo sich das Virus weiter vermehren kann. Und die Besuchsbedingungen wurden in vielen Bundesländern jüngst erst gelockert. Und ob Amazon oder Fleischindustrie oder andere Ausbeuter: irgendwo gibt es immer Bedingungen oder Umgehungen von Hygienestandards, die Ansteckungen begünstigen.

Und natürlich gibt es da noch die Dunkelziffern. Aber für mich gilt es vor allem den Satz im Kopf zu behalten „Der Virus kennt kein R“. Es ist vollkommen egal was wir uns ausrechnen, wenn es sich dann hinterher nicht in realen Zahlen niederschlägt!

Kanzleramtsminister Helge Braun warnte am 4. April: „„Die Zeit mit den höchsten Infektionszahlen liegt noch vor uns“ – Ich weiß nicht, wie er das meinte und es wurde auch seitens der Medien nie hinterfragt. Wir haben seitdem keine Rekordneuinfektionen, aber natürlich sind bisher insgesamt mehr Leute infiziert worden. Weniger können es aber ja eh nicht werden. Seine Aussage muss sich daher auf Neuinfektionen bezogen haben. Boy, was he wrong!

Im übrigen warten wir immer noch auf die versprochenen Medikamente: Edne Februar stellte Herr Wieler in Aussicht, dass es bereits in wenigen Wochen Medikamente auf dem Markt geben würde. „Wenige Wochen“ habe ich mal als unter 10 Wochen gewertet. Die zehnte Woche ist mit dem heutigen Montag angebrochen. Und damit auch das „Versprechen“. Es wird vermutlich bald „Remdesivir“ auf dem Markt geben, aber das scheint lediglich die Krankenhausaufenthalte von Betroffenen zu reduzieren und wie viel es wirklich an Leben rettet bleibt abzuwarten.

Written by tlow

11. Mai 2020 at 09:32

Veröffentlicht in Allgemein

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