KielKontrovers

Ein Projekt vom 1Todo Institute

Archive for August 2020

Kieler Nachrichten befördert #Rassismus durch Berichterstattung über Zum M-Kopf #MWort

leave a comment »

Photo by Vlada Karpovich on Pexels.com

Ein schwarzer Koch , Herr Onuegbu und Kieler Restaurantbesitzer, das „M-Wort wäre gar nicht rassistisch. Dass das nicht stimmt, das sehen sowohl viele Schwarze so, als auch Expert:innen auf dem Gebiet der Rassismusforschung (empfehle als Zusammenfassung zB Artikel der Augsburger Allgemeine. Aber auch in dem Artikel wird der Begriff genannt. Ich vermeide den ganz bewusst. Unter dem Strich: Niemand kann ernsthaft die rassistische Bedeutung des Wortes negieren.

Aber die Kieler Nachrichten macht es als großer Aufmacher, dass es diesen einen Schwarzen in Kiel gibt, der es anders sieht. Das ist so der Mechanismus wie bei Klimaleugner:innen, Evolutionsleugner:innen, Flatearthern oder Coronaleugner:innen: Die Fakten sind eindeutig, aber man berichtet einfach genau so sehr über irgend welche Spinner, die wissenschaftlicher Erkenntnisse nicht anerkennen.

Es ist für Medien nicht akzeptabel diese Vorurteile und diesen Rassismus auf diese Weise zu stärken. Es geht nicht um Einzelmeinungen, Rassismus ist nicht verhandelbar oder eine reine Sache des Gefühls!

Written by Thilo

29. August 2020 at 19:26

Veröffentlicht in Medien, Rassismus

Unsere Welt (Kiel) ist hässlich #StreetArt

leave a comment »

Unsere Welt besteht aus Zeichen und Bedeutungen. Manche sind gesprochen und manche sind bildhaft. Man muss sich nur mal dort umsehen, wo man sich befindet:

Ihr sitzt jetzt vielleicht vor einem Computer oder Smartphone – oder ihr gehört zu denen, die sich Seiten ausdrucken?

Bei einem PC: Der Monitor hat einen Namen, die Bedienknöpfe Symbole und Lampen die unterschiedlich leuchten um einen Zustand zu kommunizieren. Dann die Tastatur und die Maus, die es uns auch erlauben Zeichen und Symbole und Gesten an den Computer zu übermitteln.

Oder das Smartphone: Früher mochten es Leute nicht, wenn man mit dem Finger Flecken auf den Monitor macht und heute muss man das machen, um das Phone zu bedienen. Der Drucker enthält auch Symbole zum Anschalten oder Fehler anzuzeigen.

Und dann, oh Gott: Ein Supermarkt oder ein Baumarkt: Alles Produkte, die mit bunten Bildchen voll sind und dazu noch viele Tags und Kleingedrucktes. Tagein tagaus konsumieren wir Zeichen und müssen diese Lesen und interpretieren können. Oder jemand lächelt uns von einer Plakatwand siegessicher an, weil eine Werbeexpertin sich sicher war: Die Leute kaufen dann die Zigarette. oder es wird nur ein dummes Auto abgebildet mit Felgen im Sonnenlicht auf menschenleeren Straßen (und natürlich kein Stau!?) – klar muss man das Kaufen, wer will schon im Stau stehen?

Dann Verkehrszeichen, Ampeln, Fernsehen, gesprochene Zeichen im Radio, noch mehr Werbung. Und die Regeln sind: Wer Geld hat, hat mehr Platz zu kommunizieren. Wo Geld fließt ist es gut. Was Geld gekostet hat ist Kunst.

Wer entscheidet über die Bedeutung eines Platzes oder Denkmals? Ist nicht eigentlich das Meiste in unserer modernen Welt hässlich?

(Fotos aus: Die verordnete Gemütlichkeit – Abgesang auf Spielstraße, Verkehrsberuhigung und Stadtbildpflege- Der gemordeten Stadt Teil II Angress/Niggemeier)

Früher waren zB industriell gefertigte Stuckelemente populär an Gebäuden. Ein heftiger Gegner davon war u.a. der Namensgeber der Muthesius Kunsthochschule Hermann Muthesius. Zur Zeit des Nationalsozialismus wurden nicht nur Menschen ermordet, sondern fand auch kulturell eine „Bereinigung“ statt, wie zB die „Entstuckung„. Und auch nach dem Krieg ging es weiter bis in die 60er Jahre hinein (vgl. dazu auch SPIEGEL Artikel aus 1964).

Was betrachten wir als schützens- und erhaltenswert und was ist hässlich oder eine „Verschandelung“? Ist das Wort „Verschandelung“ nicht eher im Nationalsozialismus groß geworden.

Heute werden Graffitis oder Tags häufig als Schmierereien bezeichnet, selbst von Linken. Das ist aber auch Nazisprache, dazu zur Entfernung von Wandmalereien von Charles Grodell durch die Nazis:

Es wird alles geschehen, um im Bereiche der Provinzialverwaltung die häßlichen Spuren zu tilgen, die hier und da die jüdisch irre geleitete sogenannte moderne Kunstrichtung hinterlassen hat. Mit Empörung habe ich in dem altehrwürdigen Goethetheater in Lauchstädt feststellen müssen, daß dieser durch unsern großen deutschen Dichter geheiligte Raum in abscheulicher Weise durch Schmierereien verschandelt worden ist, die mit Kunst nichts zu tun haben. Ich habe angeordnet, daß die Kulturschande sofort ausgelöscht wird. Die Arbeiten sind bereits im Gange. Die Bühnenumrahmung des Goethetheaters wird in der Form wiederhergestellt werden, die ihr Goethe gegeben hat. Erblicken Sie in diesem Akt der Wiederherstellung des ursprünglichen Zustandes dieses geheiligten Raumes das Sinnbild dafür, daß der Nationalsozialismus alles Artfremde und Schlechte aus den Kulturstätten des deutschen Volkes restlos austilgt

Hier die Wandmalereien des Malers:

von www.gratis-in-berlin.de

Die Begriffe sind die gleichen und auch die Handlungsweisen sind ähnlich. Zitat aus einer Ausschreibung der Stadt Kiel zu Interventionistischer Kunst:

Die Landeshauptstadt Kiel lädt Kulturschaffende aus dem Stadtteil Kiel-Gaarden zur Teilnahme an einem Wettbewerb zur Projektentwicklung und –umsetzung interventionistischer Kunst im öffentlichen Raum in
Kiel-Gaarden ein.

Es ist schon erstaunlich, dass dieser Begriff noch immer verwendet wird. Im obigen Fall ging es sogar um Arbeiten zum Gedenken von Opfern rechter Gewalt. Auto Matthias Heine dazu in einem Interview der Deutschen Welle:

Wie kommt ein so modern klingender Begriff wie „Kulturschaffende“ auf Ihre Vokabelliste der NS-Sprachverdächtigen?

Er kommt dahin, weil das eindeutig ein Wort ist, das von den Nazis geprägt wurde: 1933, als die Reichskulturkammer gegründet wurde, kam im Zusammenhang mit der Berichterstattung und mit öffentlichen Appellen plötzlich das Wort „Kulturschaffende“ auf. Es wurde von Leuten, die der Schaffung der Reichskulturkammer positiv gegenüberstanden, und von Künstlern und „Kulturschaffenden“, die ihre nationalsozialistische Gesinnung bekunden wollten, geprägt und benutzt – vorher ist es nicht nachweisbar.

Es hat eine ironische Komponente, dass sich das Wort in die DDR gerettet und sich auch lange im linken westdeutschen Wortschatz – wahrscheinlich auf dem Umweg über die DDR – gehalten hat. Und wenn im letzten Jahr Künstler gegen vermeintlich rassistische Bestrebungen von Horst Seehofer protestiert haben und dieser Aufruf dann als Aufruf von so und soviel hundert Kulturschaffenden bezeichnet wurde, dann entbehrt das nicht einer gewissen Ironie, dass man unter einer Bezeichnung, die aus dem NS-Sprachgebrauch stammt, gegen das Aufkommen eines neuen Rassismus protestiert.

Schönheit unterliegt einem großen Wandel der Zeit. Man sollte sich aber auch dessen Bewusstsein, dass darüber mehr transportiert wird als nur eine Ästhetik. Gerade Beispiele in denen kostenlosen Graffitis durch Auftragsarbeiten ersetzt werden merkt man schnell, dass es sogar oft gar nicht um den Stil oder die Formen ankommt, sondern um den Kontext der Entstehung. Alles was einem offiziellen Programm entstammt wird gepflegt und geschützt. Auch wenn es ein Denkmal eines Kriegstreibers wie Bismarck ist. Auch Bismarck hätte die Sprayer verfolgen und einsperren lassen, genau so wie er das mit Sozialdemokraten gemacht hat.

Jemand der heute Stuck von einem Haus abhauen würde, würde man heute vermutlich festnehmen und anzeigen. Vor wenigen Jahrzehnten war das aber offizielle Politik und in Kiel sogar eine Kunsthochschule nach einem Stuck-Gegner benannt.

Etwas zu erschaffen bedeutet auch immer, etwas zu zerstören. Das ist im Grunde sogar in der Natur so. Wir kommen nicht daran vorbei. Allerdings ist es auf der menschlichen Ebene eben auch ein bewusster Prozess. Kein Wunder also, dass in Chikago der Hay Market (1.Mai) alle Spuren des Platzes beseitigt wurden. Dafür wurde ein Denkmal für einen Polizisten aufgestellt, dass auch mehrmals zerstört wurde. In Kiel verdrängte zunächst die Namensgebung der Nazis „Hindenburgufer“ die „Kiellinie„. Nun wurde es rückabgewickelt.

Oder die Vielzahl an Autos, die kostenlos in der Stadt ein Zeichen setzen können. Wir können ihnen nicht ausweichen. Sie dominieren das Straßenbild. Aber wenn jemand anderes etwas auf einem Parkplatz stellen will ist das eine „Sondernutzung“ . Was ist „normal“ und was ist „nicht-normal“? Was ist ohne Genehmigung legal und was ist ohne Antrag oder Anmeldung illegal? „Genehmigt“ ist eben „genehm“ oder von Wenigen „gewollt“. Parken ist oft genehm, aber Bauwägen zum Wohnen auf Parkplätzen ist nicht genehm.

Daraus ergibt: Sich das Unangehme oder Unangepasste gehört zu einer demokratischen und offenen Gesellschaft. Der Müll zB ist die Kehrseite einer Gesellschaft, die ohne Grenzen konsumiert und dabei Müll produziert. Die Obdachlosen sind ein Ergebnis der Verknappung von sozialem Wohnraum. Manches will man sehen, manches nicht. man steht zwar zur Politik, aber nicht zu ihren Folgen.

Graffiti ist auch eine Reaktion auf den allumfassenden Zeichensalat und auf kalte Architektur und auf das Mitteilungsbedürfnis der Menschen. Alles was wir nicht verstehen und uns nicht zu eigen machen können, empfinden wir schnell als hässlich oder störend. Das IDealbild einiger Menschen ist eine Dorfidylle, wie sie im Katalog von „Unser Dorf soll schöner werden“ passt.

Written by Thilo

27. August 2020 at 10:25

Veröffentlicht in Bürgerbeteiligung, Kultur

Tagged with , , , ,

Kiel, Stadt am Wasser? #RVKiel

leave a comment »

Kiel Hafen vom CAP Januar 2012.png

Kiel Hafen vom CAP Januar 2012 Von 36ophiuchi Eigenes Werk, CC BY-SA 3.0, Link

In Fortsetzung meines anderen Artikel zur Kieler Innenstadt von heute:

Was stimm eigentlich mit Kiel nicht? Viele Kieler:innen kennen das: Man bekommt Besuch, den man am Bahnhof abholt und die Leute wollen gleich „ans Wasser“. Sie sehen die Förde und auch große Schiffe und denken dann, am könne an der Förde spazieren gehen. Aber Pustekuchen. Alles verbaut.

Man hat sehr stark auf die Fähren und später auf den Kreuzfahrttourismus gesetzt. Es ist aber nicht davon auszugehen, dass der jemals wieder die vergangenen Höhen erreichen kann. Für Kiel bietet auch diese Krise eine Chance. Man könnte sehr harte Maßnahmen durchführen, wie:

  • Rückbau der Fähr- und Kreuzfahrtterminals, bessere Anbindung des Bahnhofs ans Wasser, zB Fördeschiffe, die in unmittelbarer Nähe auf dem Bahnhofsvorplatz (jetzige Kaistraße) anlegen
  • Das Wasser wieder echt via Bootshafen und Holstenfleet bis zum Kleinen Kiel hereinführen statt künstllicher Gewässer, inklusive möglichem Bootsverkehr
  • Bessere Gestaltung der Hörn zum Flanieren, eine extra Radverbindung und eine Art Park statt Hochhäuser und Beton.
  • Abriss von Sophienhof und Karstadt. Karstadt wird sowieso die nächsten 1-2 Jahren schließen und der Sophienhof wird auch immer mehr Probleme bekommen. Stattdessen dort wieder große Mehrfamilienhäuser mit Mischnutzung und Kleingewebe ansiedeln.
  • Das Sophienblatt wie schon angedacht autofrei, ebenso die Kaistraße
  • eine Promenade angefangen von der Kaistraße bis zum Anfang der Kiellinie (Seeburg)
  • auch einen Stadtstrand sollte man nicht so wie bisher vom Tisch wischen. Innenstädte sind heutzutage weniger industrielle Zentren, sondern vielseitiger. Es wären weitere Gewerbeansiedlungen und Wohnbebauungen möglich
  • Verlagerung des gesamten Hafen und Schiffsverkehrs außer Ausflugsfahrten, Fördeschiffahrt,… nördlich des Kanals zum MFG5 und mit dem Flughafen Holtenau verbinden
  • Abbau des Tirpitz-Hafens und Beendigung der Stationierung der Marine. Auch hier wäre sehr viel mehr möglich also nur Sperrgebiet.

Ok, alles das geht nicht auf ein mal, aber es geht hier um eine Richtung, bzw. Richtungsumkehr. Zwar wirbt Kiel immer mit der Meeresnähe, aber eigentlich sind es nur die Schiffspassagiere, die dem Wasser nahe kommen. Die Langeweile von Kiel hängt viel damit zusammen, das man voll auf diese Karte des Fähr- und Kreuzfahrttourismus gesetzt hat. Und das ist jetzt nur das Westufer. Auf dem Ostufer wäre auch einiges möglich. Die bisherige Hafenwirtschaft wird die kommenden Jahre einen weiteren Niedergang erfahren. Es geht vor allem darum diesem unbegrenzten Wachstum eine Idee einer Stadt entgegenzusetzen ohne Militär und Autos. Eine Stadt für Menschen. Die entstehenden Freiräume könnten viele Energien freisetzen.

Written by Thilo

21. August 2020 at 14:37

#Holstenfleet Der große Wurf? #RVkiel #Fußverkehr

with 3 comments

Die neue Holstenbrücke 2020

Der „Kleine Kiel Kanal“ ist fertig. Manche nennen ihn bereits Holstenfleet, aber der offizielle Name ist es noch nicht. Der NDR berichtet darüber in einem aktuellen Artikel. Unter anderem kritisiert die CDU, das der Kanal zu schattig ist. Die richtige Antwort darauf ist wohl, dass da wohl viel Licht, auch viel Schatten ist.

Die Grundüberlegungen

  • Leerstände und die Veränderung des Einzelhandels vor allem auch durch das Internet haben zu vielen Leerständen geführt. Und auch im Vergleich zu anderen Fußgängerzonen ist die Holstenstraße weiter zurückgefallen bei der Attraktivität.
  • Bürger:innen haben sich in etlichen Bürgerbeteiligungen immer wieder gewünscht, dass Kiel wieder näher ans Wasser rückt. 1982 hatte man die Verbindung zur Förde wegen des neuen Schwedenkais zugeschüttet. In einem ersten Schritt wurde der Bootshafen 2002 erneuert. Seit Jahren investiert Kiel Marketing viel Geld für Events wie den Bootshafensommer, um die Ecke künstlich zu beleben. Der Holstenfleet ist insofern eine Weiterentwicklung dieses Bereiches und wieder mehr Wasser erfahrbar zu machen.
  • Man hatte sich entschieden den Autoverkehr an dieser Stelle heraus zu nehmen, um mehr Platz zu schaffen für Menschen.

Was ist daraus geworden?

Generell: Autos teilweise zu verbannen war eine gute Idee und nützt der Aufenthaltsqualität. Wir haben allerdings noch immer das Problem, dass es eben auch nach wie vor viele Parkhäuser und Parkplätze im Kernbereich gibt. Von der Seite der Stadt Kiel:

Standorte von Parkhäusern in der Altstadt/Innenstadt

In dem Stadtteil „Altstadt“ leben zur Zeit 1131 Menschen. Vor dem Bau der Quartiere „Alte Feuerwache und „Schloßquartier“ waren es lediglich 600. So konnten zwei Bauprojekte, die Einwohner:innenzahl bereits nahezu verdoppeln.

Ich denke die klassische Innenstadt, wie man sich in den 60er Jahren gedacht hat ist als Idee gestorben. Es wird nie wieder so sein, dass Menschen in eine Innenstadt fahren müssen, um zu einem Fachgeschäft zu kommen, oder gar nur dort Mode kaufen können. Vieles liegt am Internet, aber auch an Outlet-Centern oder großen Malls am Stadtrand, wie der CITTI Park (2006). Aber auch bereits an Einkaufszentren wie dem Sophienhof. Innenstädte erleben genau so einen Niedergang wie klassische Kaufhäuser.

Generell stellt der Umbau schon gute Impulse zur Verfügung: Mehr Platz für Fußgänger:innen, leichte Verbesserung für das Rad als Fortbewegungsmittel und mehr Aufenthaltsqualität in der Altstadt. Allerdings hat man bei der Planung und Umsetzung des Hosltenfleetes zu viel Aufmerksamkeit den Wasserbecken und Sitzgelegenheiten gewidmet und zu wenig der Einbindung des Fleets vor allem hin zum Martensdamm und der Andreas-Gayck-Straße.

Die Kurve am Martensdamm, Einmündung zur Holstenbrücke

Da die Bushaltestellen auf der Holstenbrücke ersatzlos wegfallen, ist nun die Haltestelle Martensdamm am nächsten (genau so wie Opernhaus/Rathaus). Man hat aber leider vergessen, dass man auch zu den Haltestellen gelangen muss. Und dazu gibt es über den Martens damm keine Ampel und es ist nicht ausreichend barrierefrei (die Willestraße ist neu gepflastert und stellt eine Barriere für Rollaltoren usw. dar) Es bleibt unklar wie und wo man den Übergang schaffen soll. Ich habe da Eltern mit Kinderwagen hektisch und ängstlich die Straße überqueren sehen. an muss dazu zB. links und rechts rückwärts den Verkehr im Auge behalten. Gerade für ältere Menschen und Kinder ist das unmöglich.

Dann noch der Aspekt des Radverkehrs: Der soll in der Theorie auf der Busspur nebenbei laufen. Allerdings hat der auch Abbiegeproblem. Davor existieren lediglich Schutzstreifen. Die Radfahrenden müssen in der Kurve während der Fahrt rückwärts schaue und gleichzeitig seitlich/rückwärts den entgegengesetzten Verkehr im Auge behalten. Auf den Busspuren: Wir alle erleben täglich die Rücksichtslosigkeit der Busfahrer:innen – es funktioniert nicht! Es war genug Zeit, Geld und Fläche da, um auch Radfahrende zu berücksichtigen. Aktuell würde ich sagen. Fürs Rad würde es reichen, wenn es keine Busse geben würde! Wir haben ja auch sogar neu noch die Elektroroller, die uns die Stadt aufzwingt.

Auf der anderen Seite der Andreas-Gayck-Straße biegen die Busse rechts ab. Es gibt eine große Mittelinsel, die mit zahllosen Fahrradbügeln blockiert wird. Durch die breite Mittelinsel bleibt nur ein relativ schmaler Gehweg über und auch die Radspur wirkt an dieser Stelle nicht überzeugend. Auch hier wird nicht klar, was man sich dabei gedacht hat.

Die Gesamtlösung sieht so aus, als wenn man immer die Wasserlösung im Fokus gehabt hat. Die wurde breit angelegt, so dass kein Platz mehr für Radwege und Haltestellen blieb. Nun hat sich der Weg von den Haltestellen zur Holstenstraße vervielfacht und wurde gefährlicher. Einfach aussteigen und schon ist man in der Fußgängerzone: Das war ein mal.

Vernachlässigt wurden also:

  • Die Barrierefreiheit
  • Kinder, Ältere, Eltern mit Kinderwägen
  • Die Radfahrenden
  • Die Anbindung des Fleets in die Ost/West-Richtung

Am Anfang war also der Grundgedanke mit dem Wasser da und dem wurde alles untergeordnet. Da sind trotz allem auch gute und positive Sachen bei. Daher würde ich sagen: Der Umbau war richtig, aber ich denke es müssen noch weitere Millionen in die Hand genommen werden, um es zu reparieren. Es wirkt doch eher stümperhaft, wenn man den Fußverkehr ganz ausklammert oder bei 19 Mio meint, man könne das Rad mit ein paar Schutzstreifen und der Mitbenutzung des Busspur abspeisen. Fahrradbügel werden primär zur Parkverhinderung genutzt und nicht dort platziert, wo Fahrradfahrer:innen sie brauchen. Die Akzeptanz des Fahrrads und von Fahrradbügel sinken durch diese Verwendung als „Allzweckwaffe“. Das sage ich seit Jahren, aber die Stadt ist da nach wie vor total begeistert.

s.a. am Holstein-Stadion (weitere Fotos)

Ich denke, wenn man was absperrt muss es auf jeden Fall eine andere Form haben, die sich deutlich von Fahrradbügeln abgrenzt. Sonst denken die Leute: „Jaja, so viele Fahrräder gibts ja gar nicht – die ganze Fahrradsache ist Humbug!“ Es wirkt fast so, als wolle die Stadt Kiel den Widerstand der Autofraktion für Fahrradpolitik provozieren. Keine Radfahrer:in fordert diese Bügel. Im Gegenteil: Es fehlt eher an wettergeschützten Anlagen, die nicht lieblos irgend wo aufgestellt werden.

Innenstädte müssen sich verändern

Generell sind also insbesondere die Impulse richtig und wichtig: Zurückdrängen des Autos und Innenstädte wieder bewohnt zu machen. Die Kieler Altstadt könnte vielleicht 10.000 Menschen beherbergen. Menschen die ganz normale Bedürfnisse haben nach Lebensmitteln und Dingen des täglichen Bedarfs. Insofern müssen Innenstädte mehr werden, wie ganz normale Viertel. Ohne viele Anwohner:innen hätte die Holtenauer Straße zB gar nicht so eine Aufwind bekommen. Es sind nicht die Parkplätze. Davon gibt es in der Altstadt mehr als genug. Die Idee, das man in ein Stadtviertel im Zentrum einer Stadt fährt ist als Solches bereits pervers und unzeitgemäß. Die Lösung liegt nicht darin, das die Holstenstraße wieder voll vermietet wird. Die Lösung liegt darin aus Gewerberaum Wohnraum zu machen, Denn Wohnraum fehlt auch in ganz Kiel. Je mehr Wohnraum in der Innenstadt verfügbar ist, desto mehr sinken auch die Mietpreise und desto mehr Leute gehen in der Innenstadt einkaufen. Dort wo sie wohnen. Und zunehmend können dann auch Menschen zentral wohnen, die nicht so finanzkräftig sind. Bisher werden diese in Stadtteile wie Gaarden oder Mettenhof verdrängt und der Unterschied zwischen Arm und Reich verstärkt.

Auch müssen die Verbindungen zwischen Fußgängerzonen und Umfeld weiter verschwimmen. Ob Ziegelteich, Andreas-Gayck-Straße, Schloßstraße, Kaistraße, Sophienblatt – das ist auch alles Innenstadt und darf nicht die Stadt durchschneiden und die Innenstadt damit vom Umfeld separieren. Es muss schön und einfach sein in die Innenstadt reinzugehen und wieder heraus zu kommen. Aber zu Fuß. Je mehr wie das Auto fördern und Infrastruktur vorhalten, desto unattraktiver wird es für alle anderen. Mehr Meter mit dem Bus von der Haltestelle zum Geschäft kostet schon wieder Kundschaft. Und Aufenthaltsqualität. Und so kann die Innenstadt dann auch nicht in benachbarte Viertel ausstrahlen. So hat Kiel zB den Übergang in den Osten bereits seit Jahren überaus unattraktive gestaltet für Rad und Fuß. Und so wie es geplant ist, wird Kai City auch keinen Mehrwert bringen, sondern eher eine relative Einöde bleiben. Eine Strecke, die man schnell überwinden muss und die für Spaziergänger:innen nicht attraktiv ist.

Die klassische Innenstadt ist tot. Und wird auch nicht mehr wiederkommen, es sei denn eine Innenstadt für Anwohner:innen und Fußgänger:innen.

Written by Thilo

21. August 2020 at 11:25

#CoronaKiel Die Kieler Coronaleugner im Netz rechtsradikaler Verschwörungstheorien #COVID19de

leave a comment »

Videobericht aus Kiel zur Kundgebung der Coronaverschwörer

Ich wollte dazu eigentlich nichts schreiben. Bisher waren es ja nur eine handvoll People, die in Kiel gegen die Coronaauflagen demonstriert haben. U.a. organisiert von dem Jongleur Björn Dinklage (Info via Antifa Kiel).

Gestern nun gab es am 16.8 eine größere Demo an mit ca. 600 Teilnehmer:innen. Darunter auch als „Stargast“ der Coronaleugner-Arzt Bodo Schiffmann, der offensichtlich einige Fans nach Kiel holte.

Ich habe mir das obige Video zu großen Teilen angeschaut, um einen Eindruck der Demo zu bekommen. Zum einen fällt auf, dass die Auflagen der Stadt nicht erfüllt wurden: Niemand hat dort einen Abstand von 2,50 Metern eingehalten. Auch die Polizei trug keinen Mundschutz:

Polizei ohne Mundschutz

Die Kundgebung hätte also aufgelöst werden müssen. Die Ansagen von der Bühne bestätigen meinen Eindruck, denn mehrfach wurde von dort aus darum gebeten, mehr Abstand zu halten oder weiter nach hinten zu gehen.

Die Inhalte waren quer durcheinander. Primär sprach aus ihnen eine Feindseligkeit gegen den Mainstream. „Drosten der Vollpfosten“ usw. Aber eigentlich gab es wenig konkrete Kritik gegen Einzelmaßnahmen. Erstaunlich fand ich den Aufruf einer Frau, das Eltern aus Angst um ihre Gesundheit ihre Kinder zuhause lassen sollten und nicht in die Schule schicken. Es klang für mich erst so, als hätte sich die Frau verlaufen, weil sie wegen des Virus Angst um ihre Kinder hätte. Aber nein, es war die Angst, dass die Kinder durch die Maßnahmen physische und psychische Schäden von sich tragen. Die haben tatsächlich vor einem Mundschutz mehr Angst als vor Viren und Bakterien. Man muss mal daran erinnern, dass es auch so etwas wie die Pest gab, die im 14. Jahrhundert zu 25 Millionen Toten führte. Sicher ist COVID19 nicht die Pest und wir haben heute bessere Methoden. Aber hätten damals Menschen Mundschutz getragen, wäre bereits viele Menschenleben zu retten gewesen.

Fakt ist ja, dass COVID19 sich nach wie vor und immer schneller weltweit ausbreitet. Sicher gibt es auch andere Möglichkeiten zu Tode zu kommen, aber es ist ein neuer Virus, der bereits zu 800.000 Toten geführt hat. Länder wie USA und Brasilien, die Maßnahmen stark zurückgeführt haben, haben auch eine höhere Erkrankungsdichte. Und natürlich muss man auch immer abwägen zwischen Folgen des Virus und Folgen der Maßnahmen. Wir könnten zwar die Wirtschaft komplett schließen, aber dann würden wir wohl auch alle verhungern. Aber all dies sind Gedanken, die man haben kann und muss, aber niemals zur totalen Negation der Gefahren führen dürfen, wie das bei diesen Coronaverschwörern der Fall zu sein scheint. Dort wird bar jeder Vernunft argumentiert. Anything goes. Und sie sind weit offen für sämtliche Verschwörungsmythen wie 5G, Chemtrails, Antisemitismus,…

Wie weit das gehen kann sieht man dem Video eines rechtsradikalen Videobloggers:

Es lohnt sich nicht auf „Argumente“ der Verschwörer einzugehen. Sicher ist die Forschung zu Corona noch nicht fertig. Wichtig ist aber, diesen Virus ernst zu nehmen und nicht ein Netz aus Mythen zu spannen. Damit wird dann der Virus und der Widerstand gegen die Maßnahmen nur noch Teil einer Weltverschwörungsideologie, wo angeblich alles zusammen passt. Man kann sicher über Sinnhaftigkeit einzelner Maßnahmen diskutieren, aber darum geht es den Anhängern dieser Ideologien gar nicht. Eigentlich ist Corona auch nur ein weiterer Aufhänger, eine weitere Geschichte oder Alternative Realität, die dazu dient ein krankes Weltbild zu stützen.

Wie sinnvoll sind Masken? Ja, kann man diskutieren, sicher kein 100% Schutz. Aber gleiches gilt für andere Maßnahmen. Wichtiger finde ich, dass das eigene Handeln Auswirkungen auf die Gesundheit anderer hat. Und das man daher sein eigenes Verhalten sogar dann anpassen sollte, wenn man selber nicht an die Wirksamkeit der Maßnahmen glaubt. Es ist mittlerweile gar keine Eingriff Grundrechte mehr. Sogar diese Kundgebung, die eindeutig illegal war, weil sich niemand an Regeln hielt, durfte abgehalten werden. Die Maskenpflicht ist begrenzt und bedeutet nicht, dass man seine Grundrechte nicht mehr wahrnehmen könnte.

Also gibt es keinen Grund für Widerstand und Protest, allenfalls zur Diskussion um den besten Weg. Aber bitte ohne alle mit einer anderen Meinung zu gefährden!

Written by Thilo

17. August 2020 at 16:40

%d Bloggern gefällt das: