KielKontrovers

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Archive for August 7th, 2020

Schnelle Entwicklung bei Organisationen?

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Photo by SpaceX on Pexels.com

Das, was man gerade sieht bei SpaceX, das sie große Fortschritte machen, auf verschiedenen Ebenen und das sie hemmungslos testen und ausprobieren hat mich angeregt ein wenig darüber zu philosophieren, in wie weit Organisationen, gerade im Bereich Umweltschutz und soziale Entwicklung nicht auch immer noch zu konservativ sind in ihrem Verhalten. Das Beste was sie tun sind ist ihre Ziele zu definieren und zu entscheiden, welche Aktionen effektiv sind und welche Wirkung sie erzielen. Ich denke GUTE ZIELE sind dabei durchaus unverzichtbar. Eine Firma wie SpaceX hat klare und gute Ziele. Allerdings bedeutet das nicht, das alles was sie tun wohlüberlegt ist. Stichwort Wirkung.

Ich habe das jetzt seit einigen Wochen etwas intensiver verfolgt, was da in den USA passiert, aber für die, die dem nicht so folgen:

SpaceX entwickelt zB ein Gefährt, was zB auf den Mond fliegen soll und/oder auch auf den Mars. Dazu hat man zunächst etwas entwickelt, was sie den „Starhopper“ nannte und es flog

Aber das verwarf man wieder und konzentrierte sich auf das Starship. Und sort gibt es Seriennummer 1,2,3,4,5 . Die Nummer 4 explodierte:

Aber SN5 machte alles richtig diese Woche:

Ich möchte vorschlagen dieses Beispiel mit den Raketen auf andere Bereiche zu übertragen. Bei der Software gab es Vorläufer von Methoden wie u.a.

Die grundsätzliche Idee ist es, Dinge in der Entwicklung auszuprobieren und danach auszuwerten oder zu testen, ob sie sich bewährt haben!

Für SpaceX würde ich sagen, dass sie dadurch durchaus schnell und günstig voran kommen. Ich glaube, dass das durchaus auch für Organisationen möglich ist.

Damit meine ich, dass man zwar als Organisation seine Ziele klar haben sollte. Aber man sollte eventuell nicht immer unbedingt lange überlegen, wie man ein Ziel erreicht, sondern so etwas eine Testrakete oder Testballon starten und versuchen auszuwerten, was die Wirkung war.

In Kiel sehe ich da durchaus Ansätze mit den Popup-Bikelanes 2019. Um es zu erläutern: Die Idee, die umgesetzt wird ist, das auf einer bestehenden Straße eine Autospur gesperrt wird und den Radler:innen zur Verfügung gestellt wird. Man macht das einfach mal und schaut was passiert. Gab es Staus? Gab es andere Probleme? Was sagten die Radler:innen und die Autofahrer:innen und Anwohner:innen? Ausprobieren und Auswerten! Es gibt diverse Aktionsideeen. Gerade bei Ehrenamtlichen gehts auch darum, wie die Aktivist:innen die Idee aufnahmen: Hat es Spaß gemacht? Es geht nicht nur darum, ob es einen tollen Presseartikel gab. Wie war der Aufwand? Gibt es Finanzen und Zeit und Lust es noch ein mal durchzuführen?

Und bei manchen Ideen gibt es auch die Möglichkeit verschiedene Varianten in kurzer Zeit durchzuführen und ggf. schnell aus Fehlern zu lernen. Infostände müssen nicht immer gleich aussehen. Man kann Module zusammensetzen und schauen, wie sie funktionieren. Am Ende auswerten? Wie hat es funktioniert? Was hat gefehlt? Was hat genervt?

Das ist dann also eine Mischung aus klaren Zielen und herumexperimentieren! Bei den Experimenten ist die Wirkung nicht sicher – und evt. auch keine gute Vorbereitung! Dazu muss man sich von Traditionen verabschieden. zB liebgewonnene Verhaltensweisen oder Materialien! Lasst sie mal zu hause! Oder mal andere Formen ausprobieren der Agitation. Etwas weglassen oder hinzufügen und schauen wie es funktioniert!

Mittlerweile mache ich Infostände seit ca. 10 Jahren und habe schon Vieles ausprobiert.Generell ist meine Erfahrung. man kann so vieles tun und es ist auch nicht schwer. Die meisten Leute haben zu viel Respekt vor Aktionen. Und es wird zu wenig und zu schlecht kommuniziert. Manchmal jage ich mehrere Monate oder mehrere Jahre hinter einer simplen Information hinterher. Und das führt natürlich zu Verzögerungen und Fehlentscheidungen. Aus Respekt gebe ich hier keine Beispiele. Aber es ist schon frustrierend. Aus meiner Sicht hätte man schon mit 1-2 Organisation schon längst Berge versetzen können, wenn man sich nicht primär selber im Wege stehen würde und zu viel Angst hätte einfach mal zu handeln. Es ist oft gar nicht der Staat, der etwas verbietet oder blockiert, sondern die Mistreiter die sagen:

  • Das können wir nicht tun
  • Das haben wir noch nie so gemacht
  • Das wird nie genehmigt
  • Da kommt sowieso keiner
  • Das können wir immer noch mal machen
  • Das kann nicht funktionieren
  • Was passiert, wenn wir das machen?
  • Das ist doch nur Arbeit!

Das Progressivste ist dann meist etwas in der eigenen Stadt zu tun, was in zig anderen Städten schon funktioniert hat. Das ist schon ganz gut, aber es wäre doch sehr, sehr viel mehr möglich!

Man muss einfach mal den Mut haben, etwas auszuprobieren! Warum macht man das Ganze sonst? Ich empfinde den Widerstand gegen Neues oft als viel anstrengender als die Aktionen selbst.

Written by Thilo

7. August 2020 at 21:57

„#SüdspangeStoppen!“ Kundgebung 7.8. #KielAutoFrei #Autokorrektur

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Etwas spät dran für das Promoten. Daher versuche ich zwar auch etwas für die Kundgebung zu werben, aber auch etwas Hintergrundmaterial zu liefern. Keine Zahlen, da die zeit dafür 2 Stunden vor Kundgebungsbeginn zu knapp ist.

Ich möchte nur auf die Frage eingehen;

Was ist das Problem an einer Südspange und wäre es nicht besser den Autoverkehr zu „entlasten?“

Zunächst ein mal: Die Südspange ist schon lange in der Diskussion. Als Hintergrund empfehle ich kurz nur Niklas Webseite: bielenbergkoppel.de.

Das genau Datum der ersten Planungen liegt vermutlich verborgen in den Archiven der Stadt. Ich hatte neulich schon mal den Gedanken, dass man sich mal da durch den Staub wühlen müsste. z.B.: Wie hat Kiel nach 1945 geplant? Gab es da schon Pläne, ggf. auch unter anderem Namen aber mit dem gleichen Plan? Ich weiß lediglich, dass Kiel erst 1972 mit der Segelolympiade die A7 bekam und damit glaube ich als letzte Stadt ans Autobahnnetz angeschlossen wurde. Ohne jetzt noch mal recherchiert zu haben glaube ich, dass der Begriff und die Planungen spätestens in den 60er Jahren präsent war.

Aber es atmet eben auch noch den Geist des Wiederaufbaus: Städte und Straßen waren zerstört. Man wollte Wirtschaftswachstum. Ja, es gab auch viele Kleingärten oder Naturschutzgebiete. Aber man hat Städte und Gebiete eher so eingeteilt und geplant, dass alles seinen Ort hat: Wer Natur haben wollte musste explizit zu einem Ort gehen, der dafür gewidmet war.

Oder Wohngebiete: Das Beispiel der Siedlung Mettenhof ist sehr erhellend in dem Kontext, auch weil es in der gleichen Zeit verwirklicht wurde. Oder der Bau des Theodor Heuss Rings (THR) 1964. Was ja schon am Namen des damaligen Bundespräsidenten und Ehrenbürgers deutlich wird.

Es ging beim Wiederaufbau halt auch darum, das Alte abzuwerfen und Raum zu schaffen für Neues. Deutschland war am Ende des Krieges nicht größer, sondern kleiner geworden. Aber man wollte alles tun für das Wirtschafts- und Bevölkerungswachstum. Und was stand im Weg? Es gab zu wenige Wohnungen und zu kleine Straßen. Schließlich sollten die Menschen mit dem „modernen“ Fortbewegungsmittel Auto schnellere und sicherer an ihr Ziel kommen. Die Zukunft bedeutete sich vom Rückwärtsgewandten zu trennen. Alternativen wie Rad und Bahn waren noch recht verbreitet, aber die Fokussierung in den 50ern und 60ern auf das Auto läutete bereits den nächsten Schritt in den 80ern und 90ern ein die Bahn zurückzubauen und zu privatisieren. Der Radweg war primär dafür gedacht, die Räder von der Straße zu bringen, damit das Auto ungestört fahren könnte.

Dazu eben das schon bekannte Stichwort Autogerechte Stadt: Straßen galten als Arterien und Versorgungsadern der Stadt. Und so wie im Körper wollte man verhindern, dass diese Adern verstopfen. Der Verkehr sollte fließen, dann war alles gut. Und da müssen wir sagen ist das denken in der Verwaltung, Wirtschaft und Politik noch nicht viel weiter. In gesetzen ist festgeschrieben, dass die Verkehrsqualität gesichert werden muss als ein Hauptziel von Straßenbau. Aber unter den Prämissen ist auch klar, was passieren muss:

Immer mehr Straßen, immer breitere Straßen mit mehr Fahrspuren. Und auch das Ergebnis ist klar: Jedes Jahr neue Rekorde bei den Zulassungszahlen!

In Kiel hatten wir also zB. in den 60ern den Bau des THR und neue Wohngebiete. Dann holte man die Segelolympiade nach Kiel. Und nebem dem THR „verbesserte“ man dann die B76 Ende der 90er Jahre mit dem Olof-Palme-Damm. Dort auch Geschwindigkeiten bis 100 km/h.

Und als nächster „sinnvoller“ Schritt kämen dann:

  1. Die Südspange als Anschluss der A21 an Kiel
  2. Der Ostring II parallel zum bestehenden Ostring.

Die Südspange, die durch ein Kleingartengebiet führen würde und dabei viel Natur zerstören wäre somit nicht der Anfang einer Katastrophe, sondern lediglich die konsequente Fortführung einer Verkehrspolitik, die seit Jahrzehnten für Verkehrstote, Stickoxide, Feinstäube, Lärm, Flächenversiegelung und Klimawandel führt.

Es war bereits in den 90ern am Barkauer Kreuz unerträglich mit dem Verkehr und dem Gestank. Und ich erinnere mich noch dunkel, dass ein damals amtierender Oberbürgermeister verlauten ließe er wisse nicht, wo es da Lärm oder Verkehrsprobleme gäbe. Aber wer dort mit dem Rad in den garten fuhr erfuhr es direkt, wenn man dort in der Mitte an Ampeln warten musste. Und man schlug die Zeitung auf und wunderte sich in welcher Stadt dieser Oberbürgermeister ohne Verkehrsprobleme leben würde!?

Kiels Verkehrsprobleme sind, wie die von den meisten Städten, selbst gemacht. Man hätte zB gar nicht erst den Theodor-Heuss-Ring derart ausbauen sollen und die B76. Wir wissen inzwischen seit Jahrzehnten, dass mehr Straßen und mehr Spuren zu mehr Verkehr und zu mehr Stau führen. In der öffentlichen Diskussion wird aber immer noch mit Begriff wie Entlastung um sich geworfen.

Um es abzukürzen: Eine Entlastung des Autoverkehrs ist eine Illusion, so lange die Verkehrszahlen stagnieren oder steigen. Eine Entlastung kann nur dadurch erfolgen, dass weniger Autos seltener fahren. Daher muss das Ziel jeder vernünftigen Verkehrsplanung sein, Autoverkehr auszubremsen und für mehr Gerechtigkeit auf unseren Straßen und Städten zu suchen. Das was Katja Diehl so treffend als „#Autokorrektur“ bezeichnete und nun um sich greift:

Also lasst uns losziehen zum korrigieren! Kann jemand bitte einen großen Radiergummi mitbringen? 😉 Bis gleich!

Written by Thilo

7. August 2020 at 10:51

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