#CDU-Plan offenbart Widersprüche #rvkiel #verkehrswende #KielAutofrei

Pressemitteilung der CDU https://www.cdu-kiel.de/artikel/eine-verdraengung-des-autos-aus-der-stadt-wird-es-mit-der-cdu-nicht-geben

Die CDU Kiel hatte bereits am 11.9. betont:

Die Verkehrswende wird nicht erfolgreich sein, wenn verschiedene Verkehrsträger gegeneinander ausgespielt werden.

In der KN vm 18.9. meint die Kieler CDU zwar, dass sie sich generell zur Verkehrswende bekennen und dem Ziel den Autoverkehr um 40% zu reduzieren. Rainer Kreutz, Tobias von der Heide und Florian Weigel hätten ein Papier entworfen, das Vorschläge zur Verkehrswende auf „Augenhöhe“ der Verkehrsmittel beinhalten soll.

Und hier liegt eines der größten Missverständnisse vor: Warum sehen unsere Landschaften und Städte so aus, wie sie aussehen?

Wenn man schon den Schritt macht, die „Autogerechte Stadt“ nicht mehr als Ziel zu haben, liegt ja bereits die Erkenntnis vor, das etwas falsch gelaufen ist und das die Augenhöhe nicht besteht.

Augenhöhe bedeutet für mich, dass es eine Flächen- und Nutzungsgerechtigkeit gibt. Auf welcher Basis aber ist schon wieder die Frage: Denn ein Auto benötigt sowohl Parkplätze als auch mehr Raum als eine Person.

Eine Gleichbehandlung würde zB bedeuten, dass man sagt: Egal wie viel Raum das Auto oder Rad benötigt, es wird dem Raumbedarf für Fußgänger:innen gleichgesetzt. Wenn jetzt die CDU dann aber meint, keine Parkplätze reduzieren zu wollen, verlässt sie bereits ihren eigenen Anspruch auf Augenhöhe. Gerechtigkeit herzustellen bei einer Torte, bedeutet eben auch, wenn das Aut bisher das größte Stück abbekommen hat, das man ihm in Zukunft ein weniger großes Stück zuweisen muss. Also bedeutet es auch zB über den Raum nachzudenken, den Autos für Parken bekommen. Der Raum sollte dann nicht größer sein, als den Fußgänger:innen zum „Parken“ brauchen.

Mit der Gerechtigkeit kommen wir auch nur bedingt weit, weil da eben auch weitere Aspekte einfließen. Ein Bus zB braucht in der Breite und Länge mehr Platz als ein Auto, aber transportiert viel mehr Menschen, wenn er ausgelastet ist.

Ich finde die aktuelle Diskussion auch interessant, wenn die GRÜNEN die Idee propagieren, dass man Regeln wieder einführt, wie sie vor der Hinwendung zur autogerechten Stadt galten. Das zB nicht automatisch in jeder Straße geparkt werden darf, oder auch die Idee, das nur die ein Auto kaufen dürfen, die einen eigenen Parkplatz vorweisen können. Das sind natürlich bundesweite Regeln, die sich aber auch auf Kiel niederschlagen.

Im Kern sind zwei Grundgedanken, die aufeinander aufbauen wichtig:

  1. Den Raumbedarf und die Anzahl der Autos begrenzen, damit sie nicht mehr werden.
  2. An einer gerechteren Umverteilung zu arbeiten. Also erst ein mal die Augenhöhe herstellen.

Die CDU will „Anreize statt Verbote“. Aber 9500 Innenstadtparkplätze sind eben ein starker Anreiz das Auto zu nehmen, statt den Bus. Im übrigen erscheint die Holtenauer Straße lediglich als „autofreundlich“. In Wirklichkeit schaufeln die Busse ein Vielfaches an Einkaufenden dort hin. Frei Parkplätze gibt es dort weit weniger, als in der Holstenstraße! Das wird gerne übersehen, da man ja die Autos sieht. Aber nicht alle fahren in der Holtenauer um dort einzukaufen. Und es sind ebenfalls viele Fahrradfahrer. Ich empfehle dazu sich ein mal am Anfang der Holtenauer eine Stunde hinzusetzen und grob zu zählen und hinterher zu vergleichen. Ich hatte da vor einem Jahr ein echtes Aha-Erlebnis. Nur kurz zur Erläuterung: Nur wenige Busse pro Stunde, also zB 10 Gelenk-Busse transportieren bis zu 160-170 Fahrgäste und man kommt somit auf ca. 1600 Menschen.

Der durchschnittliche Besetzungsgrad eines Autos ist 1,5. Das würde also rund 18 Autos pro Minute entsprechen.

Die Wirklichkeit in der Holtenauer Straße ist noch krasser. Hier alle Busse, die vom Dreieckplatz Richtung Schauenburger Straße fahren:

Laut nah.sh. Daraus ergibt sich:

  • Theoretische 6.400 Fahrgäste pro Stunde oder 106 pro Minute.
  • Das entspräche bei Autos 4.267 Autos pro Minute!

Das sind jetzt nur meine überschlagenen Zahlen nach Fahrplan plus theoretischer Kapazität. Die Realität liegt sicher darunter. Aber dennoch macht sie deutlich, das wahrscheinlich weniger die Parkplätze als die gute Busanbindung im Vergleich zur Holstenstraße einen Unterschied machen. Oberflächlich betrachtet könnte man das Gegenteil annehmen, aber die Zahlen sprechen doch eine ganz andere Sprache! Selbst wenn die Busse nur zur Hälfte oder weniger besetzt wären, ist der ÖPNV dort die eigentlich tragende Säule und das Auto relativ unbedeutend!

Ich finde das SEHR GUT, das die CDU Kiel ein Konzept vorlegen wird, denn erst dann kann man über verschiedene Fragen diskutieren. Ich bin allerdings skeptisch, wenn sie bereits im Vorfeld gleichzeitig eine Einschränkung des Autos oder des Parkens ablehnen. während sie proklamieren einen Dialog auf Augenhöhe führen zu wollen! So KANN es NICHT gehen!

Ein Dialog auf Augenhöhe (in Kiel und zwischen Verkehrsmitteln) erfordert meines Erachtens, dass es einerseits keine Tabus gibt und andererseits, das man Kriterien findet, anhand derer man entscheiden kann, welche Lösung vorteilhafter ist, oder was eine gerechtere Lösung ist. Vielleicht gibt es da auch vielfältige Zielkonflikte?

Wichtig ist natürlich auch, das wir nicht nur diskutieren, sondern auch weiter handeln müssen. Also zB könnte eine Seilbahn aktuell die Stadtbahn verzögern. Ich halte eine Seilbahn ebenfalls für gangbar, besonders für eine Querung als Alternative zur Fördeschifffahrt. Günstiger und schneller. Aber da gehts dann ja auch drum: Was wurde bereits investiert und wie sind die Pläne mit der SFK der nächsten Jahre?

Eigentlich müssten am Anfang einer Debatte um die Zukunft des Verkehrs eher solche Fragen stellen:

  • Was ist den Kieler:innen wirklich wichtig bei ihrer Mobilität?
  • Welche Anforderungen an eine zukünftige Stadt haben wir?
  • Was sind die Grenzen der Raumnutzung?
  • Was ist eine gerechte Verteilung?
  • Wieviel Raum bekommen Kinder?
  • Welche Priorität geben wir Barrierfreiheit und Teilhabe?

Ich bin gespannt, was die CDU veröffentlichen wird.

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