KielKontrovers

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Archive for the ‘Deutschland’ Category

Risikoeinschätzung des #RKI #COVID19de #ECDC #WHO

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Das Robert Koch Institut begleitete die Coronakrise von Anfang an.

Robert Koch

Fraglich erschien mir allerdings von Anfang an deren Risikoeinschätzung. Um meine eigene Wahrnehmung noch ein mal zu überprüfen zu vergleichen

  • Die WHO bewertete das Risiko des SARS-COV-2 Virus und der damit verbundenen COVID19-Erkrankung seit dem 28. Februar 2020 als „sehr hoch“.
    • Am selben Tag schätzte das RKI, das Risiko als „gering bis mäßig“ ein. Das Risiko in der EU allerdings als gering, wenn Fälle frühzeitig erkannt würden.
  • Erst am 13. Februar 2020 macht das RKI in ihrem 7. Epidemiologischen Bulletin zu dem Hauptthema. Nun gibt es 14 bekannte Fälle in Deutschland
  • Am 23. Februar 2020 stufte das ECDC das Risiko zu „moderat“ hoch.
  • Am 28. Februar 2020 macht es die WHO ganz klar: Es gilt die höchste Warnstufe!
  • Am 11. März 2020 erklärte die WHO die Epidemie zur Pandemie.
  • Am 12. März 2020 schätzt das ECDC die Entwicklung als bedenklich und vielfach das Risiko als „hoch“ ein.
  • Am 17. März 2020 änderte das RKI die „Risikobewertung zu COVID-19“ für Deutschland zu „hoch

Wie erfolgt die Risikobewertung des RKI?

Dazu gibt es ein eigenes Dokument auf deren Seite, dass ich hier wiedergebe:

COVID-19: Grundlagen für die Risikoeinschätzung des RKI

Das Robert Koch-Institut erfasst kontinuierlich die aktuelle Lage, bewertet alle Informationen und schätzt das Risiko für die Bevölkerung in Deutschland ein. Die Risikobewertung wird durch den RKI-Krisenstab formuliert und situativ adaptiert. Die aktuelle Risikoeinschätzung ist abrufbar unter: www.rki.de/covid-19-risikobewertung.

Die Risikoeinschätzung ist die Beschreibung und Einschätzung der Situation für die Bevölkerung in Deutschland. Sie bezieht sich nicht auf die Gesundheit einzelner Individuen oder spezieller Gruppen in der Population und nimmt auch keine Vorhersagen für die Zukunft vor.

In die Risikobewertung gehen ein:

  • der jeweils verfügbare aktuellen Kenntnisstand zur internationalen Situation,
  • der IST-Zustand der epidemiologischen Lage in Deutschland,
  • die Verfügbarkeit von Schutz- und Behandlungsmaßnahmen

Bei der Risikobewertung handelt es sich um eine deskriptive, qualitative Beschreibung. Den für die verwendeten Begriffe “gering“, „mäßig“, „hoch“ oder „sehr hoch“ liegen keine quantitativen Werte für Eintrittswahrscheinlichkeit oder Schadensausmaß zugrunde. Allerdings werden für die Schwerebeurteilung ( = Schadensausmaß) genutzten drei Kriterien bzw. Indikatoren (Übertragbarkeit, Schwereprofil und Ressourcenbelastung) mit jeweils quantifizierbaren Parametern beurteilt. Entwickelt und erprobt wurde dieser Ansatz zur Beurteilung der Schwere von saisonalen Grippewellen in Deutschland. Dies erlaubt, das COVID-19 Geschehen in Relation zu der Erfahrung mit anderen epidemisch bedeutsamen Lagen setzen zu können (Ref. 1, 2).

Zu beachten ist, dass die Risikowahrnehmung in der Bevölkerung nicht in die Risikobewertung des RKI einfließt.

Die besondere Herausforderung besteht darin, dass in einer frühen Phase einer Epidemie die erforderlichen Informationen größtenteils nicht oder noch nicht verlässlich vorhanden sind. Insbesondere in den ersten Wochen sind Daten relevant, die außerhalb Deutschlands erhoben wurden. Zusätzlich werden mehr und mehr Informationen zu bestätigten Fällen in Deutschland in die Risikoeinschätzung einbezogen.

Aktuell werden u.a. folgende verfügbare Informationen für die Risikoeinschätzung genutzt:

  • Übertragbarkeit: Fallzahlen und Trends zu gemeldeten Fällen gemäß Infektionsschutzgesetz in Deutschland und in anderen Ländern (siehe Fallzahlen sowie tägliche Situationsberichte des RKI, Ref. 3, 4)
  • Schwereprofil: Anteil schwerer, klinisch kritischer und tödlicher Krankheitsverläufe in Deutschland und in anderen Ländern (siehe Steckbrief zu COVID-19, Ref. 5).
  • Ressourcenbelastung des Gesundheitsversorgungssystems in Deutschland und in anderen Ländern unter Berücksichtigung der jeweils getroffenen Maßnahmen sowie aller prinzipiellen Möglichkeiten der Prävention und Kontrolle (siehe z.B. Ref. 6, 7)

Bei einer anhaltenden Übertragung in der Bevölkerung in Deutschland werden für die Bewertung zusätzlich zu den Meldedaten gemäß Infektionsschutzgesetz Informationen aus weiteren Surveillancesystemen (Bevölkerungsbasierte Surveillance mit GrippeWeb; syndromische und virologische Surveillance der Arbeitsgemeinschaft Influenza, Krankenhaussurveillance (z.B. ICD10-Code basierte KH-Surveillance ICOSARI), laborgestützte Surveillance von Erregernachweisen, z.B. mit ARS und zeitnahe Mortalitätssurveillancesysteme) genutzt. Die Systeme beruhen auf den Daten, die für Deutschland zur Verfügung stehen, sodass Bewertungen im Verlauf differenzierter möglich sind.

Ergänzende Informationen zur Gefährdung bestimmter Gruppen in der Bevölkerung finden sich im SARS-CoV-2 Steckbrief zur Coronavirus-Krankheit (unter Punkt 2.:Krankheitsverlauf und demografische Einflüsse).

Überlegungen zu dem möglichen weiteren Verlauf und Schutzzielen finden sich in der Ergänzung zum Nationalen Pandemieplan – COVID-19 – neuartige Coronaviruserkrankung (4.3.2020) und den Informationen des Robert Koch-Instituts zu empfohlenen Infektionsschutzmaßnahmen und Zielen. Diese dienen vorrangig dazu, dass von den Entscheidungsträgern geeignete Maßnahmen zur Bekämpfung des COVID-19-Geschehens vorbereitet und rechtzeitig aktiviert werden können.

Referenzen:

Stand: 13.03.2020


Es gab außerdem auch Kritik daran, dass das RKI bei den Zahlen immer etwas hinterher hinkt.

Zusammenfassung und Ausblick

Das das RKI wissenshaftlich prinzipiell kompetent ist, steht außer Zweifel. Allerdings sind Einschätzungen auf zeitkritisch bei Epidemien/Pandemien. Und auch das ECDC und die WHO besteht aus Experten. Wahr ist auch, dass nicht jedes Virus bis nach Europa oder Deutschland kommt.

Disclaimer: Ich bin weder Virologe noch Epidemiologe, aber nutze  journalistische Methoden, um mir ein Bild der Lage zu machen und abzuwägen.

Für mich wird aus der Historie, die ich oben aufgezeichnet habe, dass spätestens am 28. Februar die Alarmglocken in Deutschland und dem RKI hätten schrillen müssen. Allerdings brauchte man 18 weitere Tage, oder mehr als zwei Wochen, um die Risikoeinschätzung zu ändern. Und damit auch eine Woche nach dem ECDC.

Aus meiner Sicht wirkt das RKI viel zu verträumt und hat wertvolle Zeit verschenkt und vor allem mit seiner lange Zeit geltenden (bis zum 16. März!) geltenden Einschätzung als mäßige Gefahr dazu beigetragen, dass die Pandemie in Deutschland verharmlost war Und damit auch seinen Anteil an steigenden Zahlen der Infizierten und Toten!

Das Problem ist, dass hier zu viele Menschen immer nur auf das RKI schauen, aber zu wenige auf die WHO oder das ECDC. Ich finde es insbesondere problematisch, dass wir damit auch mindestens drei Organisationen haben, die unterschiedliche Einschätzungen vornehmen. Ich gehe selbstverständlich davon aus, dass wenn das Risiko weltweit als sehr hoch von der WHO angesehen wird, es natürlich auch mindestens auch als hoch in Europa oder Deutschland zu gelten hat. Es ist vollkommen unmöglich sinnvoll zu kommunizieren, dass Deutschland als Transitland und Touristenziel bei einem sehr hohen Risiko gleichzeitig nur ein mäßiges Risiko aufweist. Das sind Mixed Messages. Das geht nicht!

Da baucht es dringend Reformen. Da kann nicht jedes Land in Europa einfach irgend ein Institut benennen, wo die Expertenrunde eine ganze eigene, von der WHO unabhängige Meinung hat. Nein, die Basis muss immer die WHO-Einschätzung sein. Dann gerne auch mit regionalen Hinweisen wie: „Wir haben in Deutschland noch keinen Fall von X“. Die Risikoeinschätzung hat nichts mit dem Fortschritt einer Epidemie im eigenen land zutun. Heute reist sowieso jeder überall hin. Viele haben Freunde, die z.B. nach China, Neuseeland, Japan, Brasilien, Kenia, Südafrika gereist sind oder reisen werden. Entweder weil sie dort Verwandte haben, oder dort Urlaub machen. Es ist doch in Zeiten der Globalisierung völlig wahnwitzig davon auszugeben, dass was Hubei entsteht auch in Hubei bleibt! Und umgekehrt!

Die Empfehlungen die das RKI ab dem 17. März gibt, hätten sie bereits am 31. Januar ansatzweise geben können, denn da gab die WHO den globalen Notstand wegen #COVID19 bekannt. Das einzige was sich geändert hat ist, dass es jetzt mehr Fälle in Europa gibt und man vor allem in Italien und Spanien die Folgen sieht.

Bei einer Epidemie zählt manchmal jede Stunde oder jeder Tag, um mit frühzeitigen Maßnahmen eine Eindämmung zu bewirken. das RKI hat eben eine spezielle Bedeutung und damit einhergehend eine besondere Verantwortung. Ein Verhalten wie in diesem Jahr ist daher nicht tolerierbar. Entweder die Rolle des RKI wird verändert oder da müssen knallharte Reformen durchgeführt werden. Ich persönlich fände es am sinnvollsten, wenn das ECDC für alle EU-Länder die Einschätzung auf Basis der WHO-Empfehlungen gibt. D.h. jede WHO-Warnung wird durchgereicht und mit eigenen Kommentaren ergänzt. Es sollte kein EU-Land geben, dass sich anmaßt globale Pandemie als harmlos abzutun. Das kostet Menschenleben und macht keinen Sinn!

Written by tlow

21. März 2020 at 13:19

#CoronaKiel #Ausgangssperre?

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Nein, ich bin gegen Ausgangssperren. Vor allem gegen bundesweite und langwöchige. In den Tagesthemen vom 19. März sah ich eine Gruppe junger Leute, die draußen zusammen Sport machten aber im Interview eine Frau für Ausgangssperren plädierte. Viel schizophrener geht es wohl kaum: Wenn Leute ihre Freiheit nutzen und sogar bis zu einem Punkt, der nicht mehr empfohlen wird aus bekannten Gründen, dann aber der Meinung sind, dass man Leute wie sie betrafen sollte, dann komme ich nicht mehr mit.

Eigentlich sollte es doch so sein:

  1. Man denkt nach als erwachsener Mensch und entscheidet dann, was gut für einen selbst und andere Zeitgenossen ist. Und setzt das dann um.
  2. Und wenn man sehr überzeugt ist, plädiert man vielleicht dafür, das andere sich ähnlich verhalten oder gar ein neues Gebot/Verbot daraus folgt.

Es ist beim Corona-Virus im Grunde nicht anders wie beim Tempolimit. Auch hier gibt es ja Leute, die hohe Geschwindigkeiten fahren und entweder dafür plädieren, dass das jeder weiterhin selber entscheiden soll. Oder sie sagen, dass sie so lange schneller fahren, wie es nicht verboten ist.

Ich fände es weitaus begrüßenswerter, wenn die Leute sich selber beschränken und entscheiden, was akzeptabel ist und was nicht. Eine Ausgangssperre bedeutet, dass nach einem groben Muster gehandelt wird. Das heißt, dass vieles was absolut vertretbar ist an Bewegungen nicht mehr möglich sein wird, weil es nicht zu den offiziellen Ausnahmen zählt.

Ich bereite mich derzeit auf kommende Ausgangssperren vor. Nicht, weil ich sie begrüßen würde, sondern weil es zwei Gruppen sind, die dafür sorgen könnten, dass sie kommen:

  1. Die Leute, die unfähig sind sich selber wie Erwachsene Regeln zu setzen, um sich selbst oder andere zu schützen
  2. Die Leute, die lieber strenge Ausgangssperren sehen, als es ihren Mitmenschen zu überlassen. Diese machen derzeit unter dem Hastag #AusgangsSperreJetzt Werbung für ihre Forderungen

Beide Positionen sind unerträglich. Und beide Positionen machen Ausgangssperren wahrscheinlicher. In Südkorea hat man alles auch ohne Ausgangssperren hinbekommen. Die Wirksamkeit und Notwendigkeit der Maßnahme ist auch umstritten. Aber wir müssen uns darauf einstellen, dass wir in diese Situation gebracht werden durch diese beiden Gruppen!

Written by tlow

20. März 2020 at 08:05

Veröffentlicht in Deutschland, Freizeit, Gesundheit

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#COVID19 Die Situation #CoronavirusUpdate #KiWo

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Der letzte Post von mir zu „Corona“ ist ja schon eine Weile her. Aktuell sind es schon 74 Fälle in Schleswig-Holstein.

[Aktueller NDR-Artikel zum Status am 15.3.]

Vieles ist geschlossene und für Restaurant gilt, dass man sich registrieren lassen muss, wenn man eins besucht:

Vorgaben für Restaurants: Besucherregistrierung der Kontaktdaten (zum Beispiel über die Girokartenabrechnung), damit im Falle einer festgestellten Infektion Kontaktpersonen ermittelt und geschützt werden können. Außerdem gilt die Vorgabe für Mindestabstände zwischen Tischen von zwei Metern.

Ich möchte dazu auch zwei Artikel aus der Washington Post und der New York Times empfehlen:

  1. Why outbreaks like coronavirus spread…
  2. Opinion | Please Don’t Go Out…

Verfügung der Stadt Kiel:

Fakt ist in Kiel, dass sich Leute kaum zurückhalten, was den Besuch von Locations anbelangt. Und es werden auch private Parties organisiert, um das Veranstaltungsverbot zu umgehen. Die Dummheit der Menschen kennt offenbar leider keine Grenzen! An dieser Stelle ist es glaube ich vergebens an die Vernunft der Menschen zu appellieren. Man kann auf die Gefahren hinweisen und auch Argumente liefern. Aber die Leute glauben eher daran, im Lotto gewinnen zu können, als das ihr Verhalten die Ausbreitung des Viruses verhindern könnte.

Ich bin ein sehr freiheitsliebender Mensch und gerade daher schmerzt es mich intelligente Menschen in meinem Umkreis zu sehen, die alle Vorkehrungen in den Wind schreiben und einfach tun, worauf sie Lust haben.

Das Ergebnis wird dazu nicht mehr Freiheit sein, wie man es sich wünschen würde, sondern leider mehr Repression, weil die Leute zu dumm sind sich selbst und andere zu schützen. Wir kennen das ja bereits beim Autoverkehr oder dem Klima.

Es braucht jetzt leider Entscheidungen mit Signalwirkung. Seit gestern bin ich aufgrund meiner Erfahrungen in Kiel extrem pessimistisch, dass sich das Verhalten der Menschen so ändert, dass die Ausbreitung dadurch gebremst werden könnte. Nein, eher hamstert man Klopapier als NICHT in den Urlaub zu fahren. Eher klaut man Desinfektionsmittel als sich die Hände richtig zu waschen. Das alles irgend wie eben auch Ergebnis eines Systems, das primär auf den Egoismus des Individuums setzt. Jeder hat alt seine Krankenkasse, die dann auch entscheidet, wie gut die eigene Gesundheitsversorgung ist. Krankenkassen und das Gesundheitssystem wurden kaputt gespart, so dass uns jetzt Personal und Laborkapazitäten fehlen. Bravo!

Und obwohl ich das Verhalten der Menschen verurteile, so wundert es mich doch nicht: Jeder denkt an SEINE Karriere und seinen Vorteil, an SEINEN Spaß, an SEINEN Lottogewinn und SEINEN Urlaub, SEIN Gehalt, SEINE Arbeitslosigkeit. Denkaufgaben, die die gemeinsame Gesundheit betreffen überfordern diese egoistische Geisteshaltung.

Kieler Woche Plakat 2020

Ein wichtiges Signal wäre z.B., heute die Kieler Woche abzusagen. Bisher wird das seitens der Verwaltung und Selbstverwaltung heruntergespielt und man spekuliert darauf, dass alles gut wird. Aber genau DIESE Sichtweise haben alle Menschen in Kiel: Es wird schon alles gut, es gibt keinen Grund anders zu handeln! Warum sollte denn jemand zu Hause bleiben, wenn die Stadt Kiel signalisiert, dass man vorausschauend nicht bereit auf Vorteile durch Steuereinnahmen zu verzichten? Weil die Stadt Kiel eben genau so egoistisch denkt wie das Individuum. Genau wie beim Theodor-Heuss-Ring: Jahrzehnte nicht handeln, die Luftschadstoffe werden schon von selber weniger!?

Der Politik fehlt hier immer noch der Mut für unpopuläre Entscheidungen. Wie in jedem schlechten Katastrophenfilm: Nein, der Damm wird nicht brechen, es wird alles gut, der Vulkanausbruch wird nicht kommen, das Flugzeug wird nicht abstürzen, es wird schon nicht Ebola sein, Glyphosat ist harmlos, Asbest ist harmlos, Dioxin ist nicht schlimm, Atomkraft ist sicher, …

Ja, leider geht es nicht immer gut aus. Im Kino weiß man das natürlich schon beim Betreten. Aber Kinos sind jetzt geschlossen und wir befinden uns mal wieder in der Realität, mit der wir umgehen müssen.

Fast jede/r in meinem Umfeld hat die Situation bislang unterschätzt und kleingeredet. Der Witz ist, dass genau diese Haltung die Ausbreitung ermöglicht hat. Klar, Panik bringt auch nichts. Aber gesunde Vorsicht wäre wichtig gewesen. Dafür ist es jetzt leider zu spät. Und Häme bringt uns auch nicht weiter. Wir müssen da durch. Ich will da aber auch keine Hoffnungen machen, dass es „vielleicht“ gut geht. Dann fängt noch wieder irgend jemand an das ganze locker zu nehmen: Nein, jetzt gerade NICHT LOCKER NEHMEN!

Sollte es in ein paar Wochen besser aussehen könnt ihr gerne sagen ihr habts ja gewusst, dass es nicht so schlimm wird. Und ich lasse mich dann auch gerne auslachen. Und beim nächsten mal machen wir es dann genau so schlecht wie dieses mal?

  • no smiley

Update: Heute, Sonntag (15.3.) in der Gastronomie rund um den Europaplatz noch normaler Betrieb. Familien sitzen an Tischen im Wirtshaus usw. Ist das der krampfhafte Versuch Normalität zu leben?

Written by tlow

15. März 2020 at 12:27

Landwirte, Proteste und #Gülleverordnung

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Im ganzen Land Proteste der Bauern und Bäuerinnen. Sie lehnen die neue Gülleverordnung ab und protestieren durch Sternfahrten in Landeshauptstädte oder nach Berlin dagegen.

Ausgangspunkt des Streites an diesem Punkt sind erhöhte Nitratwerte im Wasser, aufgrund dessen es seitens der EU zu einem Verfahren gegen die Bundesrepublik gekommen ist (Artikel von 2019). Seitens der Wissenschaft wird die neue Düngemittelverordnung noch als unzureichend für den Gewässer- und Trinkwasserschutz gesehen (PDF: Expertise zur Bewertung des neuen Düngerechts (DüG, DüV, StoffBilV) von 2017 in Deutschland im Hinblick auf den Gewässerschutz)

Es gilt als gesichert, dass die Massentierhaltung hier das Hauptproblem darstellt. Wie so oft wird dann als Beispiel der kleine Betrieb genommen, der besonders darunter leiden würde. Es fehlen die Lagerkapazitäten für überschüssige Gülle, wenn diese nicht rechtzeitig aufs Feld ausgetragen werden kann.

Dabei sieht die Wissenschaft auch diese neue Verordnung noch als zu großzügig und ausreichend zum Gewässerschutz an. Das Problem ist, dass die Politik, die bestehenden Verfahren in der Landschaft geschützt hat und das seit Jahrzehnten die Grenzwerte in Deutschland nicht eingehalten werden. In anderen Ländern geht das aber durchaus!

Die Politik wollte aber weder den Landwirtschaftsbetrieben Druck machen, noch sie bei der Umstrukturierung unterstützen. Nun leidet also nicht nur das Wasser, sondern auch viele Betriebe, weil nichts unternommen wurde in dem Vertrauen, das man ja alles so belassen könne, wie man es „immer“ gemacht hat.

Es ist in dem Sinne ähnlich wie mit den Grenzwerten für Stickstoffdioxid. Auch hier hat die Politik so lange nicht gehandelt, bis geklagt wurde. Nicht-Handeln ist keine weitere Option. Es kann also nur darum gehen besondere Härten abzufedern für die Landwirte, die sich auf den Weg machen. Weitere Ausnahmeregelungen sind aber nicht akzeptabel.

Und die Drohkulisse der Bäuerinnen mit ihren tausenden Trecken in den Landeshauptstädten empfinde ich auch nicht als hinnehmbar oder lustig an. Sie haben das Problem mit verursacht. Die Gesellschaft und Politik haben zugesehen und nicht eingegriffen, auch um Lebensmittel billig zu lassen mit Preisvorteilen gegenüber dem EU-Ausland, das früher gehandelt hat.

Die Proteste hätten früher kommen müssen und auch mit der Bitte um Unterstützung bei einer Einhaltung der Grenzwerte. Nach 25 Jahren schimpfen und zu sagen: So schnell können wir nicht, ist nicht akzeptabel. Ja, wer zu langsam handelt kommt in wirtschaftliche Schwierigkeiten. Ich musste deswegen auch einen Laden schließen. Aber ich hatte keinen Trecker und keine Lobby.

Written by tlow

7. März 2020 at 17:34

Gastbeitrag zum #Frauenkampftag 2020

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Der Frauenkampftag, der am 19. März 1911 zum ersten mal stattfand. Das war vor 109 Jahren, wie hat er sich verändert, im Laufe der Zeit.

Der erste Frauenstreik der mit bekannt ist, fand 1897 in Neu-Isenburg statt. Wäscherinnen, die damals oft 17 Stunden arbeiten mussten, waschen, stärken, bügeln, ausliefern, streikten 7 Wochen lang für besseres Arbeitsbedingungen und mehr Lohn. Die Wäscherei war ein Lehrberuf und trotz der schlechten Arbeitsbedingungen war es eine der wenigen Chancen für Frauen, überhaupt selbst für ihren Unterhalt zu sorgen. In der Entlohnung gab es Unterschiede, Männer verdienten oft gut, Frauen nur wenig und am billigsten waren Kinder, die nur ein Bruchteil dessen verdienten, was ein Mann bekam. Die Kinderarbeit war entsprechend hoch. Erst 1904 trat das Kinderschutzgesetz in Kraft , das Kinderarbeit von Kindern unter zwölf Jahren in gewerblichen Unternehmen verbot.

Clara Zetkin übernahm die Leitung der Zeitung „Die Gleichheit“ und forderte für Frauen gleiche Rechte, das Wahlrecht zum Beispiel. Sie reiste durch Mitteldeutschland und hielt Vorträge, sie ist die Initiatorin des Frauenkampftages in Deutschland. Ausgerufen wurde er übrigens in Kopenhagen.

In den USA traten am 11.01.1912 Textilarbeiter*innen in den Streik, mehr Frauen, als Männer gegen Hungerlöhne und Kinderarbeit. Sie erreichten tatsächlich eine Lohnerhöhung von 25 %. eine gerechte Bezahlung der Überstunden und dass Frauen nicht mehr diskriminiert werden sollten. Bekannt wurde dieser Streik als Bread-and-Roses-Strike.

Das Frauenwahlrecht wurde in der Weimarer Republik am 19.01.1919 eingeführt. In diese Zeit fällt auch die Gründung des syndikalistischen Frauenbundes, der 1921 den ersten Reichskongress in Düsseldorf abhielt. Die Frauen des syndikalistischen Frauenbundes hatten zu ersten mal das gesamte Leben der Frauen im Augenschein, d.h. Freie Liebe, Empfängnisverhütung, Abtreibung, Ernährung und Gesundheit. Die Zeitschrift „Der Syndikalist“ hatte eine Beilage „Der Frauenbund“ in der Artikel für Frauen erschienen, aber auch so banale Dinge, wie Schnittmuster.

Ab 1933 wurden die Bestrebungen der Frauen nach Unabhängigkeit jäh unterbrochen, durch das Frauenbild der Nazis, dem Bestreben nach Kindern und der Einführung des Mutterkreuzes und auch in den Nachkriegsjahren änderte sich nichts. Die Werbung in den 50iger Jahren spricht Bände.

Bis Ende der 60iger konnte eine Frau kein Konto ohne Einwilligung des Mannes eröffnen. Dieser konnte auch die Anstellung der Ehefrau kündigen.

Erst mit der neuen Frauenbewegung der 68iger kam es in der Frauenbewegung zu einem neuen Schwung. Die Themen hatten sic seit 1920 kaum geändert, der § 218, freie Liebe, aber auch Ernährung und Mode.

Nun sind seit Einführung des Frauenwahlrechts über 100 Jahre vergangen. Was ist heute Feminismus.

Feminismus hat sich gewandelt, wendet sich gegen Diskriminierung, kämpft Intersektional, zusammen mit allen Menschen, die sich als Feminist*in fühlen. Die Themen aber sind die gleichen geblieben, noch immer gibt es keine Gleichbehandlung von Menschen, egal ob Frauen, LGBT-Personen, Menschen mit Migrationhintergrund, anderer Hautfarbe oder Religion. Auch den § 218 gibt es noch und er ist heute fester verankert, als noch vor 30 Jahren. Es gibt einen Frauenkampftag jährlich. Wir brauchen aber 365 Frauenkampftage!

Marlies Wanka

8. März in Kiel: https://feministischerkampftagkiel.tumblr.com/

Written by tlow

6. März 2020 at 17:29

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