KielKontrovers

Gesellschaftliches aus Kiel und Schleswig-Holstein

Archive for the ‘Gaarden’ Category

Alles ist #Gentrifizierung?

leave a comment »

Seit einigen Jahren gewinnt die Gentrifizierungs-Debatte immer mehr Anhänger. Um es kurz anzureißen: In der Theorie wird kritisiert, dass vor allem in großen Städten gezielt Aufwertungen von Stadtvierteln stattfinden, die mit den Jahren in verschiedenen Wellen die ursprünglichen Bewohner*innen verdrängen. In Deutschland z.B. in Städten wie Berlin und Hamburg.

Mein Problem mit dieser verkürzten Kapitalismuskritik ist unter anderem:

  • Das im Kapitalismus am Mehrwert Geld verdient wird ist keine neue Erkenntnis. Hier nun den Wohnungsmarkt im Kapitalismus herauszugreifen und zu erwarten, dass das Wasser stromaufwärts fließt, ist im besten Falle naiv, wahrscheinlicher aber eher der Versuch Erwartungen zu wecken, die nicht erfüllbar sind – wie z.B. eine Art „Gutes Wohnen“ (ähnlich wie beim DGB der Begriff „Gute Arbeit“)
  • Es werden Gräben aufgemacht zwischen den Alteingesessenen Bewohner*innen und Zugezogenen. Das hat in Berlin u.a. zum Phänomen des „Schwabenhass“ geführt. Inklusive Auswüchsen wie Brandstiftung. Und es hat dann auch Ähnlichkeiten zu Mechanismen des Rassismus oder der Rückbesinnung auf angebliche „Biodeutsche
  • Und es wird immer wieder unterschiedslos alles kritisiert, was irgend wie nach Aufwertung riecht. Dabei kann man natürlich sowohl Wohnkonzerne kritisieren oder die Intentionen in der Politik. Leider wird das aber oft mit einem Rundumschlag auf Alle und Alles angewendet

Und hier komme ich zum Anlass meines kleinen Exkurses: Am 11. Mai fand zum zweiten mal in Gaarden die sogenannte „Kulturrotation 143“ statt, die in Anlehnung an „48h Wilhelmsburg“ entstand. Die Grundidee dabei ist, das an einem Tag in einem Viertel mehrere Konzerte an verschiedenen (auch mal ungewöhnlichen Orten wie einem Waschsalon) stattfinden. Ziel dabei eine Aktivierung des Stadtteils – zum einen das Bewohner*innen zusammenkommen, aber auch, dass es sich für Menschen aus anderen Stadtteilen mal lohnt besonders abgelegene oder gemeinhin als unattraktiv geltende Stadtteile zu besuchen und dabei mehrere Stunden zu verbringen.

In Gaarden entstand die Idee aus den Überresten der Gaardener Kulturtage, die bis 2017 stattfanden und mit denen viele Seiten unzufrieden waren und für die seitens des Büro Soziale Stadt ein Ersatz gefunden werden sollte, der mehr Leute ansprechen würde. Ich selbst war bei dem Konzept skeptisch, ob dies auch in Kiel funktionieren würde. Wer würde überhaupt kommen? Wäre das wirklich irgend wie besser als die Kulturtage oder eher schlechter oder gar ein Reinfall? Wie sich herausstellte war es im Mai 2018 kein Reinfall und viele nutzten die Gelegenheit nicht nur Musik in Gaarden zu konsumieren. Man kann vielleicht sogar zu Recht eher von einem Überraschungserfolg sprechen.

2019 fand dies nun also erst das zweite mal statt mit vermutlich wieder vielen tausenden Gaardener*innen und Besucher*innen aus dem Westen. In erster Linie also Kultur umsonst für Alle.

Im Vorfeld hatte ich bereits gehört, dass das Fest als Anlass dienen sollte für „Gegenveranstaltungen“ (darunter auch kostenlose Musik). Kritik war unter anderem die Beteiligung der Vonovia. Kleiner Schönheitsfehler dabei: Die Vonovia war und ist gar kein Sponsor der Veranstaltung. Auf dem Fest selbst wurde dann ein Flyer verteilt mit dem Titel „Kulturrotation die niemand braucht“:

Flyer aus Mai 2019

Auch hier wird zum einen eine Nähe der Vonovia zur Kulturrotation wider besseren Wissens suggeriert. Und zudem behauptet die Kulturrotation wäre Ergebnis des Konzeptes „Gaarden hoch 10„, dass der Oberbürgermeister im Februar 2018 erstmals vorstellte. Auch hier allerdings der Schönheitsfehler, dass die Vorbereitungen dazu bereits 2017 gestartet wurden und es nie Teil des sehr kritikwürdigen Konzeptes war, dass aus meiner Sicht tatsächlich mit heißer Nadel gestrickt wurde. Das war damals aus meiner Sicht auch Teil des Kommunalwahlkampfes 2018 und mir sind damals viele Sachen eingefallen, die man in Gaarden verbessern könnte, um das Leben angenehmer zu machen, die aber nicht im Konzept auftauchten. Generell ist es auch eher Gaardens Problem, dass die Stadt hier zu wenig tut für ein angenehmeres Leben als zu viel. Während auf dem Westufer mancher Radweg schon seine dritte Verbesserung erfährt, gibt es in Kern-Gaarden z.B. aktuell keinen einzigen benutzungspflichtigen Radweg. Das führt u.a. dazu, dass Radler*innen hier alle auf dem Fußweg fahren und es auch immer mal wieder zu schweren Unfällen kommt. Aber eine Verbesserung hier wäre aus Sicht von Gentrifizierungsgegnern schließlich auch eine Aufwertung.

In Gaarden wird auch zweierlei kritisiert:

  1. eine mangelhafte Durchmischung im Sinne von zu viele Arme und zu wenig Reiche und
  2. aber auch die Versuche eine solche Durchmischung zu ermöglichen

Beides gleichzeitig geht aber nicht: Wir können nicht einen Zustand beklagen und gleichzeitig die Veränderung um jeden Preis verhindern wollen. Dann muss man auch ehrlich sein und sagen: Gaarden soll ein armer, unattraktiver und vernachlässigter Stadtteil bleiben – wir wollen keine Durchmischung! Which one is it? Aber an dieser Stelle wird es dann halt kompliziert und es gibt keine einfachen Rezepte oder Formeln auf die man alles herunterbrechen könnte.

Foto der Band Lenz und Publikum vor dem BioGaarden
Kulturrotation 143 2019 vor BioGaarden

Für mich war die Kulturrotation 143 2019 der letzte Tag, an dem ich meinen Laden geöffnet hatte. Noch ein mal eine Chance etwas Geld zu verdienen, um mit möglichst wenig Verlust aus der Nummer heraus zu kommen. Es gab Getränke zu üblichen Preisen. Und Kaffee für 1 € – und von Legga Essn Arancini und Anderes gegen Spende. Reich geworden ist an diesem Tag niemand. Und mich ärgert der verbreitet Flyer doch sehr, weil er überheblich ist und alle Veranstaltungsorte, Musiker*innen und Besucher*innen zu willenlosen Erfüllungsgehilfen einer gescheiterten Stadtpolitik und Verwertungsinteressen von Wohnkonzernen degradiert. Und es ist in dem eigentlichen Sinne kontraproduktiv: Man kann Wohnkonzerne und Stadtpolitik auch kritisieren ohne Menschen zu beleidigen oder sich selbst als moralisch überlegen zu präsentieren. Ich schreibe etwas dazu, weil ich etwas dazu zu sagen habe. Und weil ich sechs Jahre lang einen Bioladen vor Ort betrieben habe, der unter anderem aus finanzielle Gründen aufgeben musste (und nicht etwas weil ich mir damit in Gaarden eine goldene Nase verdient habe oder weil die Miete erhöht worden wäre!)

Die Kritik passt einfach nicht zur Realität in Kiel oder Gaarden. Natürlich gibt es hier auch Käufe von Spekulanten, insbesondere Hamburger Immobilienbesitzer*innen, die in Hamburg keine Objekte mehr finden, die noch eine Wertsteigerung versprechen (allerdings heißen die auch nicht Vonovia). Und es werden auch Wohnungen und Häuser renoviert und die Mieten steigen. Allerdings ist das kein neues Phänomen und dazu bedürfte es auch keiner Kulturrotation. Insbesondere ist es vollkommen absurd jetzt eine Aufwertung des Stadtteils auf eine Veranstaltung zurückzuführen, die erst im zweiten Jahr stattfindet. Es wird immer dann bedenklich, wenn man anfängt die eigenen Lügen zu glauben. Wahrer wird es dadurch nicht und gegen die realen Probleme hilft es nicht, sich die Welt so zurechtzulegen, wie es einem passt. Man muss im Gegenteil die Wirklichkeit am besten ungefiltert und klar zu erkennen versuchen und die richtigen Schlüsse und Konsequenzen daraus ziehen. Ansonsten schadet man nur seinem eigenen Anliegen. An dem Tag haben mir gegenüber verschiedene Menschen das absolute Unverständnis gegenüber diesem Flyer geäußert und einige fühlten sich auch persönlich angegriffen. Konsequenter wäre es vielleicht gewesen, der Flyer wäre nicht auf der Kulturrotation verteilt worden, wenn man der Meinung gewesen ist, dass diese Veranstaltung nutzlos gewesen ist. Denn dann taugte sie bestimmt auch nicht zum Flyer verteilen ? Es erinnert mich ein wenig daran, wenn die AfD sich im Fernsehen beschweren kann, dass ihre Kritik nicht gesendet wird. Point Proven! Für mich war die Kulturrotation genau das: Ein Anlass um zusammen zu kommen, eine gute Zeit zu haben oder auch Gelegenheit Flyer an viele Menschen zu verteilen.

Was tun gegen #Vonovia? @vonovia_sucks

with one comment


Das Wohnen und die Mieten sind zu einem zentralen Thema geworden, seit Wohnraum zur Profitmaschine großer Investoren geworden ist. Die Stadt Kiel hat diese Entwicklung erst ermöglicht durch den damaligen Verkauf der KWG (Kieler Wohnungsbaugesellschaft) und sonstigem städtischem Wohneigentum. Aber ähnliche Entwicklungen sind bundesweit zu beobachten. Der Markt sollte es richten, doch das gnadenlose Profitstreben auf dem Wohnungsmarkt erzeugt soziale Probleme ungeahnten Ausmaßes. Die BAG Wohnungslosenhilfe berichtet von einem Anstieg der Obdachlosgkeit in Deutschland von 2014-2016 um 150% und bis zum heutigen Zeitpunkt um weitere 40% auf geschätzte 1,2 Millionen Wohnungslose.

Eine besonders üble Rolle spielt hierbei die VONOVIA als das größte Wohnungsunternehmen und der größte private Vermieter Deutschlands mit einem Börsenwert von ca. 24 Mrd. US Dollar. Gegen den größten Vermieter im Land ist es in mehreren Städten bereits zu Protesten gekommen. Nun haben sich auch Mieter in Kiel Gaarden zusammengetan und sich überlegt, was man machen kann gegen steigende Mieten und oftmals fehlerhafte Nebenkostenabrechnungen. Man ging mit einem Transparent auf die Straße, verfaßte Flugblätter und traf sich im kleinen Kreis. Es wurden Informationen in Briefkästen geworfen und an Haustüren gehängt. Als Infoplakate auch verklebt wurden, wurde ein Vonovia Mitarbeiter übergriffig und versuchte den Plakatierer festzuhalten. Er forderte Hilfe von der Polizei an. Das war im völligen Gegensatz zur Vonoviastrategie, ein freundliches Interesse und ein Entgegenkommen zu heucheln und so eventuellen Protesten den Wind aus den Segeln zu nehmen.

In Kiel plant Vonovia für rund 300 Wohnungen auch noch eine Luxussanierung. Das kann sich niemand mit geringem Einkommen oder Sozialgeldbezug leisten. Bei dieser Entwicklung drohen Zwangsumzüge. Es gibt in Kiel auch seit einiger Zeit das Bündnis „Bezahlbar Wohnen“, das sich mit diesen Fragen beschäftigt.

Am Dienstag, den 15.1. findet um 18:30 in der Räucherei eine Veranstaltung von dem Bündnis „Bezahlbar Wohnen“ gemeinsam mit der Initiative der Gaardener Vonovia Mieter unter dem Motto „Was tun gegen Vonovia?“ statt.  

https://bezahlbar-wohnen.org/

von Karsten Weber



Written by tlow

13. Januar 2019 at 12:19

Veröffentlicht in Gaarden, Soziales, Stadtentwicklung, Wohnen

Tagged with ,

Planschen im Meer? #rvkiel

leave a comment »

In der gestrigen Ratsversammlung wurden verschiedene Anträge gestellt, um etwa einen Stadtstrand oder ein Schwimmen auf Pontons zu ermöglichen. Plötzlich viel offenbar vielen Fraktionen ein, dass Kiel am Meer liegt. Hallelujah!

Bei der Bürgerbeteiligung zu Katzheide war es Ausgangspunkt der Vorschläge, dass Katzheide verkleinert und in den Sportpark integriert würde. Alle Bürger*innen und Jugendlichen lehnten dies ab. Niemand wollte eine Verkleinerung. Aber oh wunder, in der Zusammenfassung wurde dieser Vorschlag dann wieder eine Kernforderung. So kann man sich dann Bürgerbeteiligung auch sparen.

Eine zusätzliche Schwimmmöglichkeit in der Förde. Warum nicht? Aber es ist schon seltsam, wie sich die Fraktionen da an Engagement überschlugen, wohingegen bei Katzheide mir noch „Keine müde Mark mehr reinstecken“ im Ohr klingt. Bei dem diesjährigen Sommer, wäre ein geschlossenes Katzheide eine Katastrophe gewesen. Aber man hat wenig getan. Z.B. keine Gastronomie/Kiosk für die Besucher*innen. Und auch wieder eine späte Eröffnung. Man tut das Minimum.

Was die Förde angeht, so sollte man besser strategisch weg davon kommen, immer mehr Kreuzfahrer anzulocken. Meiner Einschätzung nach lassen die sowieso kaum Geld in Kiel. Sie sind zwar formal Gäste in Kiel, aber Kreuzfahrtschiffe erlauben es auch, das Schiff nicht verlassen zu müssen. Und Kiel ist eben nicht Venedig. Die Schiffe sind eine Belastung für das weltweite Klima und nehmen viel Platz ein. Dadurch ist die Entwicklung der Innenförde langfristig behindert. Für Kiel aber im Endeffekt weenig Positives.

Written by tlow

24. August 2018 at 08:05

#Katzheide: Vorschlag 5: Gastronomie verbessern

freibad_restaurant

Außengastronomie im Freibad Schwentinental

Wer viel schwimmt bekommt irgend wann auch Hunger. Dafür wäre eine bessere Gastronomie mit Sitzplätzen geeignet. Auch die nahegelegenen Sportstätten und Kleingärten und Schulen könnten das nutzen. Wichtig wäre dann, dass sie auch von außen nutzbar wäre

<< [Vorschlag 4:Rutsche für Kinder/Jugendliche] –
Fortsetzung: [#Katzheide: Vorschlag 6: Solarkollektoren zum Heizen]

Hinweis: Die Vorschläge basieren auf Vorschlägen, die im Verein Katzheide: JA! erarbeitet wurden, sind aber nicht mit ihnen identisch

 

Written by tlow

11. Juli 2017 at 00:35

#Katzheide: Wie geht es weiter?

Aus sicht der Stadt Kiel würde man immer noch am liebsten das Freibad Katzheide schließen. Da stehen nun aber die eigenen Beschlüsse entgegen. Dagegen schlägt man nun eine Verkleinerung vor (Drucksache 523/2017). Verkleinerung bedeutet aber weniger Badegäste und weniger Einnahmen und damit eine Verschlechterung der Bilanz. Katzheide-auf-der-Kippe_ArtikelQuer

Die meisten Vorschläge aus der Bürgerbeteiligung wurden willkürlich verworfen. Das der Verein Katzheide: JA! genau wie die Jugendlichen eine Wasserrutsche bereits VOR der Bürgerbeteiligung forderte wird verschwiegen und stattdessen behauptet alle Erwachsenen hätten sich nicht konstruktiv eingebracht. Es ist nur zu durchsichtig, dass man versucht Bürger*innen zu diffamieren um die eigenen Vorschläge durchzusetzen.

Die Kommunikation mit den Befürworter*innen von Katzheide war insgesamt mehr als mau. Meistens hat der Verein vieles als Letzte erfahren. Aus meiner Sicht hat sich er Verein leider viel zu lange am Nasenring durch die Manege führen lassen. Das die Bürgerbeteiligung keine Ergebnisse bringen würde, weil bereits vorab die Ergebnisse  festgeschrieben waren, war schon vorher absehbar. Frühestens aber seit der Weigerung den Verein als einzige Gruppe nicht an einer „Brückengruppe“ zu beteiligen.

Vorschlag 1: Erhalt der 50 Meter Bahnen

Nur noch mal zur Betonung: Eine Schrumpfung des Freibades wird nicht zu einer vermehrten Nutzung führen. Eine Verkleinerung auf 25 Meter wird viele abschrecken, weil es enger wird und weil man keine 50 Meter-Bahnen mehr schwimmen kann. Vermutlich kann man dann aufgrund der Fülle gar keine Bahnen mehr schwimmen.

kiel_freibad_300x200_0

Bezeichnender weise geht die Drucksache der Stadt Kiel gar nicht auf die Einnahmensituation aus. Es befördert die Vermutung, dass es nie wirklich ums Geld ging.

Die 50 Meter Bahnen sind eine der Attraktionen und Argumente für das Freibad Katzheide. Auch wenn der Trend bundesweit zur Verkleinerung geht: Eine Verkleinerung ist auch aufwendig und das Freibad unattraktiver für Viele. Daher lieber erhalten,was wir haben!

Fortsetzung: [Vorschlag 2 Renovierung Umkleide-/Sanitärbereich ]

Hinweis: Die Vorschläge basieren auf Vorschlägen, die im Verein Katzheide: JA! erarbeitet wurden, sind aber nicht mit ihnen identisch.

#JanesWalk in Kiel 2017, …

Am Freitag 5. Mai und am Samstag 6. Mai fanden zwei Jane’s Walks in Kiel statt. Mit  ca. 16 und 12 TeilnehmerInnen waren sie einigermaßen gut besucht. Aber was ist überhaupt ein Jane’s Walk.

Die Spaziergänge finden in Erinnerung an „Jane Jacobs statt. Einer einflußreichen Architekturkritikerin, die insbesondere mit ihrem Werk Tod und Leben großer amerikanischer Städte und ihrem Engagement gegen Highwayneubauten im Zentrum von New York einen großen Einfluß auf viele Städteplaner und Architekten hatte. Heute ist ihre Bedeutung und Einfluß sogar eventuell noch größer. Denn ihre Ideen waren ihrer Zeit weit voraus. Auch wenn manche Sichtweisen bei Erscheinen ihres Buches von manchen als rückständig angesehen wurden. Denn sie war kein Fan von Neubauten. Eine Durchmischung von Alt und Neu war aus ihrer Sicht wichtig für eine funktionierende Stadt. Überhaupt: „funktionieren“. Bedeutete für sie mehr als nur, dass Menschen aus ihren Schlafstädten zur Arbeit und zurück kamen. Es ging ihr auch um  das Leben auf der Straße. Straßen auf denen man sich gerne aufhalten und verweilen  möchte. Auf denen man gerne Spazieren geht, sich trifft, spielt und vor allem anderen Leuten zuschaut.

Ich selbst bin vor vielen Jahren ein mal über das Buch Tod und Leben großer amerikanischer Städte in der  Kieler Stadtbücherei gestolpert und stellte fest, dass es wohl seit sehr vielen Jahren kaum ausgeliehen wurde. Überhaupt: Bei dem  Namen Jane Jacobs ist bei vielen Leuten nur ein großes Fragezeichen. Nie gehört. Aber wie kommt das? Mit Sicherheit muss man sie zu den ganz großen Zählen. Oft wurde sie als „Hausfrau“ verspottet, da sie zum Zeitpunkt ihrer Veröffentlichungen keine hohe Position im Kreise der Architekten und keine universitäre Ausbildung hatte.

Jane Jacobs 10 Big Ideas

 Wer kann so einen Spaziergang anbieten?

Eigentlich jede/r. Man sollte sich aber vorher die Ideen von Jane Jacobs angeschaut habt. Es geht aber nicht so sehr darum, dass die Spaziergänge von Experten angeboten werden. Jane Jacobs sagte immer, dass jede/r eine Expertin ist. Es geht darum Sichtweisen zu teilen und Raum zu bieten für Diskussionen. Und das Ganze eben in Form eines Spaziergangs. Dabei können diese sich um ein Thema drehen, müssen es aber auch nicht.

Wer so etwas anbieten will, egal zu welchem Zeitpunkt, kann sich auf der Seite vom Jane’s Walk registrieren. Und ihr könnt mich direkt ansprechen. Wir haben bei den zwei Walks dieses Jahr auch vorher ein Treffen gemacht. Mehr Treffen – vielleicht auch in Form eines Spaziergangs – wären möglich.

Zeitungsartikel Scan

Artikel in der Kieler Nachrichten zum Jane’s Walk 2017 in der Brunswik. Walk-Leader war Jens-Olaf Beismann

Als Korrektur zum Artikel: Der erste Kieler Jane’s Walk wurde 2016 in Kiel-Gaarden durchgeführt.

Aktuell habe ich die Rolle des City Organizers übernommen. Bei Interesse an eigenen Walks einfach Kontakt aufnehmen. Die können und sollen auch das ganze Jahr stattfinden. Email janeswalkkiel AT alterativnet.de

%d Bloggern gefällt das: