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Gastbeitrag zum #Frauenkampftag 2020

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Der Frauenkampftag, der am 19. März 1911 zum ersten mal stattfand. Das war vor 109 Jahren, wie hat er sich verändert, im Laufe der Zeit.

Der erste Frauenstreik der mit bekannt ist, fand 1897 in Neu-Isenburg statt. Wäscherinnen, die damals oft 17 Stunden arbeiten mussten, waschen, stärken, bügeln, ausliefern, streikten 7 Wochen lang für besseres Arbeitsbedingungen und mehr Lohn. Die Wäscherei war ein Lehrberuf und trotz der schlechten Arbeitsbedingungen war es eine der wenigen Chancen für Frauen, überhaupt selbst für ihren Unterhalt zu sorgen. In der Entlohnung gab es Unterschiede, Männer verdienten oft gut, Frauen nur wenig und am billigsten waren Kinder, die nur ein Bruchteil dessen verdienten, was ein Mann bekam. Die Kinderarbeit war entsprechend hoch. Erst 1904 trat das Kinderschutzgesetz in Kraft , das Kinderarbeit von Kindern unter zwölf Jahren in gewerblichen Unternehmen verbot.

Clara Zetkin übernahm die Leitung der Zeitung „Die Gleichheit“ und forderte für Frauen gleiche Rechte, das Wahlrecht zum Beispiel. Sie reiste durch Mitteldeutschland und hielt Vorträge, sie ist die Initiatorin des Frauenkampftages in Deutschland. Ausgerufen wurde er übrigens in Kopenhagen.

In den USA traten am 11.01.1912 Textilarbeiter*innen in den Streik, mehr Frauen, als Männer gegen Hungerlöhne und Kinderarbeit. Sie erreichten tatsächlich eine Lohnerhöhung von 25 %. eine gerechte Bezahlung der Überstunden und dass Frauen nicht mehr diskriminiert werden sollten. Bekannt wurde dieser Streik als Bread-and-Roses-Strike.

Das Frauenwahlrecht wurde in der Weimarer Republik am 19.01.1919 eingeführt. In diese Zeit fällt auch die Gründung des syndikalistischen Frauenbundes, der 1921 den ersten Reichskongress in Düsseldorf abhielt. Die Frauen des syndikalistischen Frauenbundes hatten zu ersten mal das gesamte Leben der Frauen im Augenschein, d.h. Freie Liebe, Empfängnisverhütung, Abtreibung, Ernährung und Gesundheit. Die Zeitschrift „Der Syndikalist“ hatte eine Beilage „Der Frauenbund“ in der Artikel für Frauen erschienen, aber auch so banale Dinge, wie Schnittmuster.

Ab 1933 wurden die Bestrebungen der Frauen nach Unabhängigkeit jäh unterbrochen, durch das Frauenbild der Nazis, dem Bestreben nach Kindern und der Einführung des Mutterkreuzes und auch in den Nachkriegsjahren änderte sich nichts. Die Werbung in den 50iger Jahren spricht Bände.

Bis Ende der 60iger konnte eine Frau kein Konto ohne Einwilligung des Mannes eröffnen. Dieser konnte auch die Anstellung der Ehefrau kündigen.

Erst mit der neuen Frauenbewegung der 68iger kam es in der Frauenbewegung zu einem neuen Schwung. Die Themen hatten sic seit 1920 kaum geändert, der § 218, freie Liebe, aber auch Ernährung und Mode.

Nun sind seit Einführung des Frauenwahlrechts über 100 Jahre vergangen. Was ist heute Feminismus.

Feminismus hat sich gewandelt, wendet sich gegen Diskriminierung, kämpft Intersektional, zusammen mit allen Menschen, die sich als Feminist*in fühlen. Die Themen aber sind die gleichen geblieben, noch immer gibt es keine Gleichbehandlung von Menschen, egal ob Frauen, LGBT-Personen, Menschen mit Migrationhintergrund, anderer Hautfarbe oder Religion. Auch den § 218 gibt es noch und er ist heute fester verankert, als noch vor 30 Jahren. Es gibt einen Frauenkampftag jährlich. Wir brauchen aber 365 Frauenkampftage!

Marlies Wanka

8. März in Kiel: https://feministischerkampftagkiel.tumblr.com/

Written by tlow

6. März 2020 at 17:29

Flucht und Integration in Zeiten der Globalisierung

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In Deutschland tut man sich immer noch schwer im Umgang mit Einwander*innen und Geflüchteten. Es wirft aber auch ein Schlaglicht auf  die Integration der Arbeitsmigrant*innen in den 50er Jahren. Rechtsradikalismus und die Morde der NSU. Die jahrzehntelange Weigerung sich selbst als Einwanderungsland zu begreifen.

Die aktuelle Umweltpolitik wird den Klimawandel befördern und damit für weitere Migration in die EU sorgen. Die will man aber eigentlich gar nicht haben, sieht aber nicht den Zusammenhang bzw. handelt nicht danach. In Zeiten intoleranter Bevölkerungspolitik entstanden auch z.B. nach dem Ersten Weltkrieg globale Verwerfungen, die zu weiteren Konflikten und Kriegen führten. Wie z.B. auch die Behandlung von Japaner*innen in den USA in den 30er Jahren.

Alle Maßnahmen dürfen nicht alleine aus eine egoistischen, nationalistischen Perspektive betrachtet werden, sondern auch auf ihre weiteren Wirkungen. Weder vor noch nach der Bundestagswahl war das Thema Geflüchtete für deutsche Wähler*innen Thema Nr. 1. Trotzdem bekommt man es täglich aufs Brot geschmiert, als gäbe es nichts Anderes. Und dann darf die AfD auch immer als Oppositionsführungspartei immer als erstes vor die Kamera nach der Regierung. Oder die Wochen, in denen man jeden Tag den Seehofer ertragen musste, wie er Allgemeinplätze bringt oder mit einem Verbalradikalismus oder ausgrenzenden Vorschlägen das gesellschaftliche Klima vergiftet.

Nun die ganzen Pseudoskandale rund ums BAMF, hektische Abschiebungen und Fehlentscheidungen. Oder die Geschichten rund um Anis Amri. Es gibt keine entspannte Debatte darum, welche Bevölkerungspolitik sinnvoll ist. Wie viel Kapazität es in Deutschland wirklich gibt. Da reist ein Steinmeier in den Jordanien, lobt deren Aufnahmebereitschaft. Dabei nehmen solche Länder im Vergleich zu ihrem Bruttosozialprodukt und Größe viel mehr Menschen auf, als ein reiches Land wie Deutschland. Wir müssten es eigentlich eher begrüßen, wenn Jordanien oder auch die Türkei sich stärker abgrenzen und die gleiche Politik machen, wie die Bundesregierung sie für die richtige hält?

Aber es gilt eben: Alle Länder sollen so viele Geflüchtete wie möglich aufnehmen, außer wir selbst. Italien sagt jetzt auch mal konsequent Nein unter einer rechtsradikalen Regierung. Das ist natürlich nach internationalem Recht ein schweres Menschenrechtsverbrechen, das auch bereits 2012 schon ein mal geahndet wurde. Aber es zeigt auch wieder sehr gut, dass es keine Lösungen geben kann auf Basis nationaler Egoismen. Und auch die nordafrikanischen Staaten haben keine Lust für die Europäer Auffangzentren zu etablieren.

Legale Wege und eine Willkommenskultur spielen dabei kaum eine Rolle in der Politik. Eher schon zunehmend auf der Straße, weil die Leute es satt haben, dass die Politik sich nicht um die eigentlichen Probleme kümmert und uns stattdessem Laientheater vorspielt. Die Geflüchteten selbst sind nur Statisten und Verschiebemasse, die an einem Tag hinter Herrn Lindern beim Bäcker stehen müssen oder Schlimmeres….

Die Parteien in Deutschland tun sich da untereinander auch nicht viel. Auch GRÜNE und LINKE mögen sich nicht klar auf eine andere Politik einlassen. Und von der neuen „Sammlungsbewegung“ ist aufgrund der Protagonistin Wagenknecht auch nichts anderes zu erwarten.

Written by tlow

10. August 2018 at 04:55

Was ist Provinzialität? #MakeKielGreatAgain ?

Ulf Kämpfer in der City Hall von San Francisco

Ulf Kämpfer in der City Hall von San Francisco

Die Stadt Kiel möchte auch gerne einen Platz an der Sonne bei den großen Städten der Welt. Es lässt sich aber nicht verbergen, das Kiel keine echte Großstadt ist. Die Partnerschaft mit San Francisco, und der Ausbau der “Außenpolitik”, die Olympiabewerbung gemeinsam mit Hamburg 2016:

Die Träume Kiels sind groß, die Bereitschaft vor Ort effektiv etwas zu verbessern aber um so geringer. Trotz Weltstadtanspruch meint man zum Beispiel den öffentlichen Verkehr auch in Zukunft  nur mit Bussen und Fördeschiffen abwickeln zu können. Man will zwar das Fahrrad fördern, aber abgesichterte Radwege “Protected Bike Lanes” sind nicht drin. Man will zwar mehr Kultur, aber ist nicht bereit dafür adäquate Gelder bereit zu stellen .

Anstatt die Probleme zu finden die Stadt und der Zeit hat ist man auf der Suche nach einer neuen Stellung in der Welt.

Provinzialität wird vielleicht hier um so deutlicher, wenn sich Oberbürgermeister in San Francisco bewegen, um auch ein wenig Sonne und Ruhm abzubekommen:

Und was gibt es Bittereres, wenn man tatsächlich Begriffe wie „Silicon Förde“ ernst meint? Vielleicht ist eben dieses Nachholbedürfnis typisch deutsch. Sei es nun, dass man meinte bei den Kolonien zu kurz gekommen zu sein, oder Mit Schiffen und U-Booten der Seemacht England etwas entgegensetzen zu müssen. Oder seien es nach dem Zweiten Weltkrieg Italienurlaube und dann darüber hinaus.

Ungefähr gleich teuer wie die vergangene Olympiabewerbung war es ja, ein kleines Raumfahrzeug auf den Mond zu bringen. Wenn es nur um Aufmerksamkeit, respektive Beachtung ginge, so wäre damit wahrscheinlich mehr gewonnen.

Vielleicht geht es eher um ein: „Make Kiel Great Again„? Diese Großmannssucht wird nicht das Ergebnis haben, groß zu sein. Große Städte sind nicht deswegen so groß oder so bedeutend, weil sie immer danach gestrebt haben, groß zu wirken. Neben dem puren  Zufall waren es besondere Bedingungen oder auch besonders schlaue Entwicklungen, die dazu führten. Z.B. eine mutige Politik. Nicht eine Politik der großen Konzertsäle oder der tollen, teuren Science Center. Sondern z.B. das Städte besonders lebenswert sind. Das KünstlerInnen und Kreativität nicht nur auf dem Papier hoch gelobt werden, sondern das sich die Wertschätzung auch in realen Ausgaben niederschlägt.

Kiel will alles, aber dafür umsonst. Das ist ja fast schon wieder charmant und erinnert an den Ausruf „Alles für alle und zwar umsonst“. Nur das in dem Falle eher die Reichen reicher werden und von Großprojekten profitieren, die aus verschiedenen Töpfen finanziert wurden.  Alle profitieren dann, wenn Politik aus vielen Kleinigkeiten insgesamt in eine Richtung geht, die das Gemeinwohl in den Vordergrund steht und nicht die Selbstüberhöhung. Kiel braucht keine potemkinschen Dörfer und keinen Schein, in dem sich nur Wenige sonnen können werden!

 

 

 

 

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Written by tlow

11. Dezember 2016 at 18:57

Und was passiert(e) in #Syrien? Teil I

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Als Auslöser des Bürgerkrieges in Syrien gelten die friedliche Proteste im Jahr 2011 im Rahmen des „Arabischen Frühlings„. Bis März 2015 sollen 220.000 Menschen umgekommen sein (Quelle: AP).

2011 wurde die Arbeitsloserate bei den 30-50jährigen auf 30-50% geschätzt. 1/3 der Wirtschaftsleistung wird dabei von der Landwirtschaft erbracht. Als Exportgüter gelten Erdöl, Textilien und Nahrungsmittel.

Bereits 1986 gab es Sanktionen westlicher Staaten gegen Syrien, da Syrien die Unterstützung von Terrorismus in Großbritannien vorgeworfen wurde.

Ein entscheidendes Dokument der EU ist der BESCHLUSS 2011/273/GASP DES RATES vom 9. Mai 2011 über restriktive Maßnahmen gegen Syrien. Diese entstanden im April 2011 auf gewalttätige Niederschlagung von Protesten im März 2011, deren Fokuspunkt die al-Omari-Moschee  waren.

Die Wirtschaftssanktionen (insbesondere das Öl-Embargo) der EU haben genau wie der Bürgerkrieg (mit Waffen, Kämpfern und Geld aus der ganzen Welt) die Hauptverantwortung für den Exodus von rund 11 Millionen Syrern. Dabei leistete und leistet Deutschland durch steigende Waffenexporte ein erheblichen Anteil an der Waffenproblematik. 1978 wurde das deutsch-französische MILAN-Panzerabwehrsystem an Syrien geliefert. Der SPIEGEL berichtete darüber 1997. Die „Aktion Aufschrei“ berichtet über aktuellere deutsche Waffenlieferungen.

Die EU hat auch erheblich zur Verschärfung des Konflikts beigetragen, nicht zuletzt durch ihre Forderung des Rücktritts oder Absetzung Assads. In einem Bürgerkrieg mit vielen verschiedenen Parteien ist es auch zweifelhaft, ob Sanktionen, die sich hauptsächlich gegen die Regierung richten, Frieden schaffen können. Die EU hat, wie in der Ukraine, den bewaffneten Widerstand gegen die Regierung ermutigt. Wohlwissend, dass das ein Weg ist mit vielen zivilen Opfern und auch der Möglichkeit, dass hinterher Kräfte an die Macht kommen, die schlimmer agieren als selbst Assad.

Zudem ist nicht außer acht zu lassen, dass große Teile der „Freunde Syriens“ in der Vergangenheit nicht weniger brutal gegen das eigene Volk vorgegangen. Und nicht zu letzt gehen auf das Konto der USA in der Golfregion viele hunderttausende Todesopfer.

Ähnlich wie im Fall Libyens fokussierte man sich darauf den Bösewicht an der Spitze abzusetzen – in der Hoffnung das dann alles gut werden würde. Aktuelle Berichte zeigen aber, dass ein einfacher Machtwechsel oft mehr Probleme schafft als löst. Alleine deswegen weil ein Machtvakuum entsteht,  dass dann von verschiedenen Gruppe gefüllt werden will.

Es scheint fast so, als wenn überall, wo der Westen vorgibt Demokratie schaffen zu wollen, Despotie und Bürgerkrieg das Ergebnis sind. Wenn wir über Ursachenbekämpfung von Flucht reden wollen, müssen wir auch über die deutsche und EU-Außenpolitik reden. Wenn Menschen erst einmal auf der Flucht sind ist es wenig sinnvoll sie stoppen zu wollen. Insbesondere wenn das Stoppen bedeutet, sie im Winter zu Hunderttausenden an den Grenzen ohne Versorgung festzuhalten. Nur damit man das Elend im Inland nicht mehr sehen muss?

 

 

Written by tlow

25. Oktober 2015 at 08:30

Zum Zarendenkmal

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Kiel hat 2014 ein Zarendenkmal für Peter III. bekommen.  Aufgestellt vor dem Kieler „Schloß“. Der Kielbezug ist, dass er in Kiel geboren wurde. Zweifelhaft ist dieses Denkmal aus verschiedener Sicht:

 

  1. Warum setzen wir dem Zarentum in Deutschland 2014 ein Denkmal? Wir lehnen heute Alleinherrscher und Absolutismus ab, oder nicht? Was sagt es über unsere Demokratie und die demokratische Kultur aus, wenn wir 2014 einem absolutistischen Herrscher ein Denkmal setzen?
  2. Ein Denkmal für einen Herrscher, der ganze 6 Monate im Amt war? K.T. zu Guttenberg war immerhin fast zwei Jahre im Amt.  Er war zwar kein Zar, aber der Kult um ihn erinnerte manchmal daran.
  3. In der Vergangenheit gab es Herrscher, die mehr oder weniger schlau waren oder mehr oder weniger brutal. Vielleicht gehört Peter III. tatsächlich zu den Schlaueren und weniger Brutalen? Wichtiger ist, welchen Stellenwert wir den Herrschern der Vergangenheit im öffentlichen Raum einräumen wollen. Wenn man sieht, wie heute so manch progressiver Politiker von der Gegenseite attackiert wird, wirkt es schon seltsam, wenn auf der anderen Seite Monarchen des 18. Jahrhunderts  verehrt werden.

Von mir aus sollen sich Leute Gartenzwerge aufstellen oder auch Denkmäler für einen Zaren. Nicht im öffentlichen Raum. Diese Zeiten sollten wir eigentlich überwunden haben.

Written by tlow

17. Juni 2014 at 08:57

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