KielKontrovers

Ein Projekt vom 1Todo Institute

Archive for the ‘Gesundheit’ Category

Interview mit Leonid Kharlamov #Quarantäne und Kunst in Zeiten von #COVID19de

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Thilo von KielKontrovers: Hallo Leo, Du bist Teil des Künstlerkollektivs Quarantäne (Blog, Facebook),dass es glaube ich seit 2012 gibt? Kannst Du sagen, was ihr die letzten Jahre so gemacht habt und was habt ihr euch bei dem Namen gedacht habt?

Leo: Ja, Quarantäne gibt es schon seit acht Jahren. Zu Anfang war das ein Ausstellungsprojekt , welches sich dann in ein Künstlerkollektiv transformiert hat. Die Mitglieder sind Elena Kaludova, Detlef Schlagheck, Marc Pospich und ich. Der Grundprinzip von „Quarantäne“ ist eine gemeinsame Handlung. In unserem Fall sind das die Vorbereitungen von Ausstellungen. Wir glauben daran, dass es notwendig ist, kollektiv zu arbeiten. Ohne Vorgaben treffen wir uns mit anderen von uns eingeladenen Künstlern und setzen ein gemeinsamen Ziel, zu einem festgelegten Datum eine Ausstellung fertigzustellen. Das haben wir die ganze Zeit gemacht. Jährlich stellen wir eine Gruppe von Künstlern zusammen und begeben uns in eine freiwillige Quarantäne. Wir kooperieren auch mit kulturellen Institutionen, solchen wie HBK Saar, NCCA Jekaterinburg, NKI Marzahn und Dupini art group aus Bulgarien. Die Erfahrungen, die wir gesammelt haben, prägen uns künstlerisch sehr. Wichtig für unsere Entwicklung ist die Kommunikation mit den anderen Gleichgesinnten. Dafür machen wir die „Quarantäne“. Der Name widerspiegelt einen Zustand der gemeinsamen Selbstisolation. Sie ist enorm wichtig für ein kreativen Prozess in einer Gemeinschaft, denn sie ermöglicht uns eine vollständige Konzentration.

KielKontrovers: Du wohnst in Hamburg? Was hast Du VOR der Coronakrise gemacht?


Leo: Vor der Krise habe ich meine Kunst gemacht und gearbeitet. Ich arbeite als Betreuer in einem Atelier von Künstlern mit geistigen und psychischen Behinderungen und bin Dozent an der „Lichtwarkschule“, einer Institution in Hamburg, die Kunstkurse an der Grundschulen organisiert.
Kunst kann ich auch jetzt weiter machen. Ich hoffe, dass ich nach der Coronakrise zu allen meinen Tätigkeiten zurückkehren kann.

KielKontrovers: Was sind Deine Eindrücke der Coronakrise? Wie hast Du es erlebt?

Leo: Ich bin erschrocken. Wir erleben momentan eine sehr schwierige Phase wo alles, was wir für wertvoll halten, auf eine Prüfung gestellt wird. Davon welche Entscheidungen jetzt fallen, hängt die Zukunft ab. Ich persönlich finde die Politik heute zu unvorsichtig und nicht weitsichtig genug. Es gibt in der Gesellschaft keine Diskussionskultur. Es gibt eine bestimmte Einstellung, welche jede Abweichung nicht akzeptieren möchte. Und das ist ein sehr schlechtes Zeichen.

KielKontrovers: Im Internet verbreitest Du Videos zu Deiner eigenen Quarantäne. Corona?

Leo: Wir sind jetzt gerade alle in Quarantäne. Ich denke es gibt Niemanden in Deutschland, der von der Maßnahmen nicht betroffen ist. Viele Menschen sitzen zu Hause. Meine Kunst ist sehr oft kontextbezogen. Meine Videos sind meine Reaktion auf die Situation. Ich mache sie sehr minimalistisch, mit den Mitteln die ich zur Zeit zur Verfügung habe.
Meine Videos entstehen gerade außerhalb der Gruppe Quarantäne. Es ist mein persönliches künstlerisches Tagebuch. Jeden Tag drehe ich ein kleines Musikvideo. Es ist sehr interessant zu beobachten, was alles ungeplant passieren kann in einem begrenzten Raum. Heute filmte ich aus dem Fenster: Zuerst joggte ein Mann vorbei, dann fuhr ein Polizeiauto ihm hinterher. Man könnte denken, der Mann war auf der Flucht. Der Film war fertig. Ein glücklicher Zufall! Die Quarantäne Gruppe bereitet gerade auch ein Projekt vor. Bald wird es im Netz zu sehen sein. Es ist immer eine interessante Frage, was man alles braucht um Kunst zu machen? Ich stelle immer wieder fest, dass man eigentlich nicht viel braucht. Man kann es fast immer tun. Diese Erkenntnis ist echt gut! Die Gruppe muss in diesen Zeiten die gewohnten Strategien umdenken. Damit sind wir gerade beschäftigt.

KielKontrovers: Was denkst Du über die Simulationshypothese ?

Leo: Es ist eine Hypothese, also noch nicht bewiesen, wie ich es verstehe. Ich finde solche Überlegungen sehr interessant und inspirativ. Viele Künstler stellen sich immer wieder die philosophische Frage, ob die Welt, die wir kennen, real ist. Es liegt wahrscheinlich daran, dass sie tagtäglich mit selbst erstellten Welten zu tun haben. Irgendwann denkt man: Wenn ich einr Welt kreieren kann, könnte es sein, dass ich auch ein Teil von einem künstlichen Universum bin? In Twin Peaks wird gesagt: Wir leben in einem Traum, nur wer sieht ihn sich an? Es gibt so viele Theorien und ich finde es wahnsinnig interessant! Ich sehe die Simulationshypothese als eine Vermutung, dass es Zivilisationen gibt, welche ihre Vergangenheit simulieren, verstanden. Also könnte es sein, dass wir nur eine Simulation sind von der Vergangenheit eines höheren Intellekts. Was ich nicht herausfinden könnte, ob wir nach diese Hypothese selbständig sind. Gibt es für uns einen freien Willen, oder werden unsere Handlungen vorbestimmt?

KielKontrovers:“Simulation“ ist ja auch mehrdeutig. Es wird ja auch in der Wissenschaft verwendet. Wenn ich über Quarantäne nachdenke, so geht es dabei ja auch oft um den Schutz vor etwas Unsichtbaren. Und es ist ein Unterschied zwischen freiwillig und erzwungen. Wenn Künstler eine freiwillige Quarantäne eingehen, ist es doch eine andere Qualität, als wenn man nicht rausgehen „darf“? Die Zeiten ändern sich. Als ihr „Quarantäne“ gegründet hat, war der Begriff auch nicht so aufgeladen wie heute.

Leo: In der Wissenschaft wird ja ständig simuliert, um notwendige Umstände für ein Experiment zu kreieren.Ausgangssperre ist etwas anderes als Quarantäne. Ausgangssperre ist eine politische Entscheidung. Es ist die Einschränkung auf eines Grundrechts. Jede politische Entscheidung darf und muss hinterfragt werden. Es ist zu beobachten, dass Angst momentan die Lebensweise der Menschen bestimmt und sie stumm macht. Es wird kaum dagegen protestiert. Mit Angst wird argumentiert und aus Angst werden Entscheidungen getroffen. Das haben wir, nach meinem Verständnis dem Christentum zu verdanken. Obwohl wir im 21. Jahrhundert leben, handeln wir ähnlich wie im Mittelalter. Wenn eine Plage kommt, versuchen wir es durch Askese zu überwältigen, denn eine Plage gleicht einer Strafe. Diese Auffassung wird als alternativlos gesehen. Ob das die richtige politische Strategie ist, bezweifle ich. Den Begriff Quarantäne verwenden wir als Künstlergruppe in einem anderen Zusammenhang. Natürlich ist es eine freiwillige Isolation. Im Endeffekt erstellen wir auch eine Simulation, um ein künstlerisches Experiment durchführen zu können.

KielKontrovers: Apropos Simulation: Welche Rolle spielt bei Deiner Kunst die eigene Vorstellungskraft oder auch Träume?

Leo: Eine sehr wichtige. Ohne Vorstellungskraft kommt man nicht weit. Es ist ein notwendige Instrument. Träume sind aber etwas Anderes. Die passieren einfach. Es ist ein unbewusster Prozess. Eine perfekte Angelegenheit in die Tiefen des menschlichen Natur zu forschen.


KielKontrovers: Willst Du schon irgend was erzählen oder neugierig machen auf das, was ihr als Künstlerkollektiv als nächstes macht?

Leo: Ich kann noch nichts wirklich Konkretes sagen. Nicht, weil es ein Geheimnis ist, sondern weil wir noch selbst nicht alle Entscheidungen getroffen haben. Wir beeilen uns aber. Momentan kann ich erzählen, das es ein Projekt ist, das in einem virtuellen Raum stattfindet und die Kooperation vieler internationale Künstler beinhaltet.

Written by tlow

30. März 2020 at 13:56

#CoronaKiel Grafik und Zahlen zu Kiel

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Ich habe bisher kein Verläufe der Zahlen in Kiel gefunden. Die meisten Seiten sind auch sehr unübersichtlich. Mag sein, dass die Stadt Kiel irgend wo eine Grafik hat.

Als Textbeschreibung: Ich fange mit dem 13. März an mit 11 bekannten Fällen. Eine Woche später am 22.03. sind es 39 und heute 113.

Jeden Tag, außer am Wochenende verschickt die Staatskanzlei dazu ein PDF mit einer Übersicht, wie auch heute an die Presse:

Wachstum #COVID19 in Kiel

Man sieht neben der blauen Linie der Fälle insgesamt auch eine rote Linie mit den Fällen pro 100.000 (Inzidenz) Die ebenfalls noch steigt, aber nicht so stark wie die Fallrate. Die Fallrate beinhaltet allerdings auch alle abgeschlossenen Fälle, also auch die, die wieder gesund und zu Hause sind. Eine Übersicht oder Quelle der aktiven Fälle habe ich nicht gefunden. Das wäre aber eigentlich die eher interessante. Es kann z.B. sein, dass diese in Kiel bereits gesunken sind. Wenn jemand da eine Quelle hat, bitte ich um Weiterleitung!

Über die Zeit gemittelt stiegen die Fälle pro Tag um rd. 15 Prozent.

DatumFälleFaktor
13.03.2011
14.03.20121,09
15.03.20131,08
16.03.20131,00
17.03.20181,38
18.03.20201,11
19.03.20251,25
20.03.20341,36
21.03.20391,15
22.03.20391,00
23.03.20511,31
24.03.20511,00
25.03.20631,24
26.03.20631,00
27.03.20741,17
28.03.20741,00
29.03.201001,35
30.03.201131,13
Die Entwicklung der Fallzahlen in Kiel

Written by tlow

30. März 2020 at 10:43

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#OffenerBrief von Kultusministerin Karin Prien an alle Schülerinnen und Schüler im Land Schleswig-Holstein #CoronaKiel

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Written by tlow

27. März 2020 at 18:48

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#CoronaKiel Exitstrategie? #COVID19DE

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Zahlen weisen darauf hin, dass sich das Wachstum schon bei Neuinfizierten etwas abgeschwächt hat:

Reichen tut das noch nicht. Wenn man sich anschaut, wie ein Wachstum sich im Jahresverlauf niederschlagen würde merkt man, dass es dauerhaft niedrig bleiben müsste:

Allerdings ist höchst fraglich, ob die aktuelle Strategie überhaupt hilft. Z.B. gibt es auf der einen Seite sehr strenge Regeln: Wer zu Dritt auf der Straße steht, den erwarten teilweise hohe Strafen, allerdings: Es gibt so viele Ausnahmen, einerseits kann man natürlich vollkommen legal nacheinander tausende Menschen treffen, oder: Wenn man verwandt ist, können auch Großfamilien in großen Gruppen draußen sein. Oder: Baumärkte sind offen, Bahnhöfe, Gedränge in Bussen, Flughäfen nicht richtig kontrolliert und nach wie vor im Betrieb, Neuankömmlinge werden werden gesundheitlich kontrolliert noch verfolgt, wo sie herkommen oder hingehen. Bei Amazon und anderen Unternehmen massenweise Beschäftigte unter Bedingungen, in de ihre Gesundheit nicht gesichert ist.

Dafür dann:

  • massive Einschränkungen der Bewegungsfreiheit
  • Viele Unternehmen und Läden zwangsweise geschlossen
  • Die wirtschaftliche Situation insbesondere von Soloselbständigen aber auch allen massiv bedroht. Die Hilfe des Staates werden da kaum helfen können, da es jeden Tag Totalausfälle gibt, die können nicht durch Finanzspritzen aufgefangen werden. Und das muss man so brutal auch langsam mal ehrlich sagen.
  • Verbot von Umzügen in Kiel ist nicht akzeptabel.

Auf der anderen Seite wird deutlich: Weder die Ausgangssperren/Kontaktsperren noch die Ladenschließungen sind effektiv oder notwendig, wie das Beispiel Südkorea zeigt.

Wir müssen akzeptieren, dass unsere Welt sich geändert hat. Viele denke es ginge darum jetzt wenige Woche eine Ausnahmesituation auszuhalten und dann zur Normalität

Der Exit

  • Es bräuchte eine genauere Definition, welche Läden oder Gastronomien aus welchen Gründen aufmachen dürfen und welche Regeln gelten
  • Arbeitsplätze müssen langfristig umgebaut werden, damit diese abgesichert werden. In Zukunft neue Standards für Arbeitssicherheit.
  • Touristenattraktionen und Museen müssen auch überlegen, wie es geht. Alles zu ist keine Lösung und auch nicht nötig!
  • Der öffentliche Verkehr muss überlegen, wie er den Gesundheitsschutz irgend wie erhöhen kann. In Rom sind z.B. in Bussen weniger Sitz eingebaut. D.h. mehr Leute müssen stehen, aber es gibt mehr Platz. Dadurch sitzen nur die Leute, die es müssen.
  • Apps für das Handy , die im Umgang helfen können wären hilfreich. Vereinzelt sind in manchen Orten weitere Sperren vielleicht besser, wo es immer noch viele Fälle und Neuinfizierte gibt. Wir brauchen aber viel mehr Flexibilität.
  • Die Kontaktsperre wie bisher macht keinen Sinn: Keine Coronapartys ist klar, auch größere Ansammlungen könnte man begrenzen. Aber das man Menschen kriminalisiert, die zu Dritt zusammenstehen ist absurd und die Kontrolle belastet das System.
  • Mehr Testen wie geplant macht sicher viel Sinn
  • Vielleicht auch teilweise Anreize geben, Masken zu tragen (wie in öffentlichen Verkehrsmitteln

Man kann viel tun, es gibt auch viele Wege. Es darf aber nicht so bleiben wie bisher, sonst enden Millionen Menschen in einer ausweglosen Armut für viele Jahre. Das Virus ist eine Gefahr, der begegnet werden muss. Bisher war der Umgang relativ unsicher und chaotisch. Viele Menschen wurden nicht getestet, trotz Symptome. Damit öffnet man natürlich Tür und Tor für weitere Verbreitung. Es wäre schon lang wichtiger sich um diese Verdachtsfälle zu kümmern und auch den Leuten zu helfen mit einer Quarantäne klar zu kommen.

Die Politik hat sich vergaloppiert: Erst hat man monatelang nichts gemacht und ist dann über das Ziel hinausgeschossen. Das muss nun korrigiert werden.

Written by tlow

27. März 2020 at 18:12

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#Kontaktsperre Aber was dann? #COVID19de #Ausgangssperre

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Die Beschlüsse zur Durchsetzung einer Kontaktsperre sind die Spitze des Eisbergs beschlossener Maßnahmen. Doch wie kommen wir wieder zurück zur Normalität?

Im Grunde ist es relativ einfach, Maßnahmen zu beschließen, wie in den letzten Wochen zur Eindämmung der globalen Pandemie auch in Deutschland. Und es macht durchaus Sinn! „Einfach“ deshalb, weil man nur zur Papier bringt, was gesetzlich möglich ist. Es finden zwar im Vorwege Abwägungen statt, aber solange niemand klagt, gibt es kein Hindernis bei der Umsetzung. Die Regeln sind dann in Kraft, wie z.B Schulschließungen. Die Probleme fangen dann allerdings schon an, wenn die Beschlüsse reifen: Wenn man Schulen schließt, gibt es dann auch Elearning für Zuhause? Wie lange wird geschlossen?

Quelle: Worldometer / Johns Hopkins University

Als am vergangenen Sonntag den 22. März die Kontaktsperre bundesweit verhängt wurde, deutete sich bereits an, dass es eine entscheidende Wende bei den Neuinfizierten geben könnte: Bereits am Samstag waren weniger Neuzugänge zu verzeichnen (13% statt 30%). Zu früh, um von einer sicheren Trendumkehr zu sprechen, aber doch Grund genug genauer hin zu schauen. Doch die Kontaktsperre kam. Nicht mehr als zwei Personen dürfen draußen zusammen stehen oder gehen. Den Vogel schoss die Stadt Kiel ab, die das sogar für Umzüge ernsthaft empfahl:

Was blieb ungeregelt und legal?

  • Man kann sich mit beliebig vielen Leuten nacheinander treffen. Theoretisch also 1000 Kontakte/Tag.
  • Arbeitsbedingungen in Firmen vollkommen ungeregelt Da wird nur auf die Vernunft der Arbeitgeber vertraut. Dabei ist hier das Ansteckungsrisiko bei Kollegen und zu Kunden besonders hoch
  • Ich nehme an in Autos darf man auch nur noch zu zweit fahren. Ab der dritten Person dann ein zweites Auto.
  • Große Hubs wie der Hamburger Hauptbahnhof, Flugzeuge, Busse, Züge,… bleiben unberührt

Was wurde illegal? (bis zu 25.000 € Strafe!)

  • Ein älteres Ehepaar kauft zusammen mit einer Dritten, nicht verwandten Person ein.
  • Ein Paar trifft Bekannte und sie sprechen miteinander.
  • Drei Bekannte, die zusammen von A nach B wollen. Eine davon wohnt in einer Nachbar-WG im selben Haus, aber sie wohnen auf dem Papier nicht in der gleichen Wohnung. –> Eine Person muss dann hinter oder vor den beiden anderen gehen. Im Grunde wahrscheinlich jeder für sich, da man auf Gehwegen selten so viel Platz hat, dass man 1,50 Meter Platz zu zweit hat!

Was passiert mit uns?

Die Beispiele zeigen, dass die beschlossenen Maßnahmen nicht geeignet sind, die Ansteckungsgefahr zu minimieren und sie treiben seltsame Blüten. Freunde und Nachbarn verpetzen einander und beschimpfen sich gegenseitig. Eine Atmosphäre des Misstrauens und der Missgunst verbreitet sich in Deutschland, geschürt durch Medien und Politik. Die Medien forderten immer noch mehr Maßnahmen und die Politik wirkt wie getrieben. Dabei wird die Pandemie längt zur Nebensache. Natürlich sollte man Kontakte verringern und vor allem bestimmte Hygieneregeln beachten. Aber wo leben wir eigentlich mittlerweile? Ich habe die letzten Wochen immer stark dafür plädiert die Pandemie ernst zu nehmen und auc darauf verwiesen, wie nachlässig das Robert Koch-Institut bei der Verschärfung der Bewertung war. Wir haben einen globalen Gesundheits-Notstand. Das ist kein Scherz!

Aber auch das ist wahr:

  • Das Virus wird nicht von heute auf morgen verschwinden, sondern bleiben und sich verändern, wie bisher jeder Virus. Es kommt auch nicht aus dem Nichts, sondern seine Ahnen sind wahrscheinlich mindestens genau so alt wie das Leben auf der Erde. Als auch älter als wir Menschen!
  • Menschen werden weiter infiziert werden und auch sterben, wie bei vielen Krankheiten und auch Unfallgeschehen.
  • Wir können die Maßnahmen nicht in alle Ewigkeit ausdehnen. Irgend wann müssen wir wieder zu irgend einer Normalität kommen, die Schüler in Schulen, Arbeit muss getan werden usw.

Bei der Pandemie geht es nur darum, sie einzudämmen, Neuinfektionen hocheffizient zu vermeiden, neue Ansteckungscluster früh zu erkennen, die Krankenhauskapazitäten bereit zu halten, damit möglichst alle Patient:innen eine optimale Versorgung erhalten können. Damit möglichst viele Menschen überleben wenn sie angesteckt werden. Dies gilt auch nicht nur für #COVID19!

Die Maßgabe möglichst viele Menschenleben zu retten finde ich gut. Aber können wir das vielleicht zu einer allgemeinen Regel machen, z.B:

Diese Pandemie bleibt aber etwas Besonderes, weil wir jetzt akut handeln mussten. Aber nicht jede Maßnahme war angemessen.

Wie geht es weiter?

Hauptaufgabe ist nun, eine Exitstrategie der Politik. Die ist mit dem vergangenen Sonntag in die falsche Richtung tiefer in die Krise marschiert. Erst heute wirkt die Kontaktsperre richtig und macht keine rechten Sinn, wenn man sie dann nicht auch mindestens zwei Wochen durchzieht. Aufwand und Ergebnis stünden in keiner vernünftigen Relation.

Dabei sind die Folgen der Krise heute schon verheerend. Komischer weise machen sich angeblich nur wenige Deutsche Sorgen um ihre finanzielle Situation, aber große Sorgen darum, angesteckt zu werden.

Aber eigentlich ist es umgekehrt: Jeder wird von der Krise betroffen sein. Der Staat kann das nicht auffangen, insbesondere, da er derzeit nichts dafür tut die Krise abzuwehren. Angesichts der Schwere der Krise sind jegliche Beträge, die genannt werden lächerlich. Es geht nicht um die Rettung einer Industrie, sondern der kompletten deutschen Gesellschaft! Dagegen ist das PERSÖNLICHE Ansteckungsrisiko eher gering. Wenn es lediglich 30.000 Infizierte gibt bei 80 Millionen Menschen.

Offenbar ist man da aber zusammen mit den Medien mit vollem Elan in eine Sackgasse gelaufen, ohne sich Gedanken über die Folgen zu machen. Alles tun um Tote zu verhindern? Ja, dann bitte ab sofort konsequente Klimapolitik, denn die kommenden Naturkatastrophen werden auch zu vermehrten Todesopfern führen!

DIESE Krise ernst nehmen, JA! Aber auch dieses denken auf andere Probleme übertragen und auch dafür sorgen, dass das Leben weiter gehen kann!

Written by tlow

24. März 2020 at 09:53

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#Covid19 Erste Lehren aus der #CoronaKrise

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Was haben wir bisher über unsere Gesellschaft gelernt, durch das Coronavirus?

  • Sozialisierung ist auf ein mal ein Thema. Die bayerische Staatsregierung organisiert die Produktion von Mundschutz und Desinfektionsmittel. Genau das sind Aktionen, die man wohl eher von der Linkspartei erwarten würde. Purer Sozialismus
  • Die ansonsten privatisierten Gewinne nimmt man gerne mit. Aber wenn das System zusammenbricht rufen alle nach dem Staat. Es zeigt wieder ein mal, dass der reine Kapitalismus ohne Solidarität nur bei schönem Wetter funktioniert. Viele Selbständige stürzen derzeit finanziell ins Bodenlose. Es gibt Bemühungen das staatlicherseits aufzufangen. Wird aber wohl nicht 100% gelingen. Es ist ein Hinweis, das zum Erhalt des Angebots an Dienstleistungen und Produkten auch eine Absicherung vorhanden sein muss. Unser System basiert darauf, dass zunächst jeder sich nur um sich selbst kümmert. Dies gefährdet aber in letzter Konsequenz das Gesamtsystem und kann nur durch das Eingreifen des Staates gerettet werden. Sonst gäbe es nach der Krise keine Läden mehr.
  • Die Individualmedizin kann Epidemien nicht richtig auffangen. Wenn nur dann Geld rein kommt, wenn Fallpauschalen berechnet werden können, fehlt wichtiges Geld für die Vorbereitung. Das Kaputtsparen des Gesundheitssystems in vielen Ländern hat dazu geführt, dass wir nicht adäquat auf Krisen reagieren können. (Dazu auch dieser Artikel auf englisch)
  • Die Arbeitswelt: Wir haben gelernt, dass wir zahlreiche Werkzeuge wie Clouds oder Videokonferenzen und Homeoffice haben, die uns ermöglichen auch ohne Büros zu arbeiten. Aber wir haben auch festgestellt, dass wir die bisher nicht ausreichen geprüft und genutzt haben. Viele merkten aber auch, dass sie damit auch mit wenig Aufwand anfangen können.
  • Neue Gefahren brauchen ihre Zeit, um anerkannt zu werden. Man konnte grundsätzlich erkennen, das der Föderalismus aber funktioniert.
  • Die Deutschen haben Freiheitsentzug schon bedenklich wenig kritisiert. Gleichzeitig haben viele vor allem am Anfang das Virus nicht ernst genommen.
  • Offenbar brauchte es keine Ausgangssperren, um die Neuinfektionen jetzt zu fahren mit Stand vom 22.3.?
  • … Der Rest wird sich zeigen!

Written by tlow

22. März 2020 at 14:19

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Risikoeinschätzung des #RKI #COVID19de #ECDC #WHO

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Das Robert Koch Institut begleitete die Coronakrise von Anfang an.

Robert Koch

Fraglich erschien mir allerdings von Anfang an deren Risikoeinschätzung. Um meine eigene Wahrnehmung noch ein mal zu überprüfen zu vergleichen

  • Die WHO bewertete das Risiko des SARS-COV-2 Virus und der damit verbundenen COVID19-Erkrankung seit dem 28. Februar 2020 als „sehr hoch“.
    • Am selben Tag schätzte das RKI, das Risiko als „gering bis mäßig“ ein. Das Risiko in der EU allerdings als gering, wenn Fälle frühzeitig erkannt würden.
  • Erst am 13. Februar 2020 macht das RKI in ihrem 7. Epidemiologischen Bulletin zu dem Hauptthema. Nun gibt es 14 bekannte Fälle in Deutschland
  • Am 23. Februar 2020 stufte das ECDC das Risiko zu „moderat“ hoch.
  • Am 28. Februar 2020 macht es die WHO ganz klar: Es gilt die höchste Warnstufe!
  • Am 11. März 2020 erklärte die WHO die Epidemie zur Pandemie.
  • Am 12. März 2020 schätzt das ECDC die Entwicklung als bedenklich und vielfach das Risiko als „hoch“ ein.
  • Am 17. März 2020 änderte das RKI die „Risikobewertung zu COVID-19“ für Deutschland zu „hoch

Wie erfolgt die Risikobewertung des RKI?

Dazu gibt es ein eigenes Dokument auf deren Seite, dass ich hier wiedergebe:

COVID-19: Grundlagen für die Risikoeinschätzung des RKI

Das Robert Koch-Institut erfasst kontinuierlich die aktuelle Lage, bewertet alle Informationen und schätzt das Risiko für die Bevölkerung in Deutschland ein. Die Risikobewertung wird durch den RKI-Krisenstab formuliert und situativ adaptiert. Die aktuelle Risikoeinschätzung ist abrufbar unter: www.rki.de/covid-19-risikobewertung.

Die Risikoeinschätzung ist die Beschreibung und Einschätzung der Situation für die Bevölkerung in Deutschland. Sie bezieht sich nicht auf die Gesundheit einzelner Individuen oder spezieller Gruppen in der Population und nimmt auch keine Vorhersagen für die Zukunft vor.

In die Risikobewertung gehen ein:

  • der jeweils verfügbare aktuellen Kenntnisstand zur internationalen Situation,
  • der IST-Zustand der epidemiologischen Lage in Deutschland,
  • die Verfügbarkeit von Schutz- und Behandlungsmaßnahmen

Bei der Risikobewertung handelt es sich um eine deskriptive, qualitative Beschreibung. Den für die verwendeten Begriffe “gering“, „mäßig“, „hoch“ oder „sehr hoch“ liegen keine quantitativen Werte für Eintrittswahrscheinlichkeit oder Schadensausmaß zugrunde. Allerdings werden für die Schwerebeurteilung ( = Schadensausmaß) genutzten drei Kriterien bzw. Indikatoren (Übertragbarkeit, Schwereprofil und Ressourcenbelastung) mit jeweils quantifizierbaren Parametern beurteilt. Entwickelt und erprobt wurde dieser Ansatz zur Beurteilung der Schwere von saisonalen Grippewellen in Deutschland. Dies erlaubt, das COVID-19 Geschehen in Relation zu der Erfahrung mit anderen epidemisch bedeutsamen Lagen setzen zu können (Ref. 1, 2).

Zu beachten ist, dass die Risikowahrnehmung in der Bevölkerung nicht in die Risikobewertung des RKI einfließt.

Die besondere Herausforderung besteht darin, dass in einer frühen Phase einer Epidemie die erforderlichen Informationen größtenteils nicht oder noch nicht verlässlich vorhanden sind. Insbesondere in den ersten Wochen sind Daten relevant, die außerhalb Deutschlands erhoben wurden. Zusätzlich werden mehr und mehr Informationen zu bestätigten Fällen in Deutschland in die Risikoeinschätzung einbezogen.

Aktuell werden u.a. folgende verfügbare Informationen für die Risikoeinschätzung genutzt:

  • Übertragbarkeit: Fallzahlen und Trends zu gemeldeten Fällen gemäß Infektionsschutzgesetz in Deutschland und in anderen Ländern (siehe Fallzahlen sowie tägliche Situationsberichte des RKI, Ref. 3, 4)
  • Schwereprofil: Anteil schwerer, klinisch kritischer und tödlicher Krankheitsverläufe in Deutschland und in anderen Ländern (siehe Steckbrief zu COVID-19, Ref. 5).
  • Ressourcenbelastung des Gesundheitsversorgungssystems in Deutschland und in anderen Ländern unter Berücksichtigung der jeweils getroffenen Maßnahmen sowie aller prinzipiellen Möglichkeiten der Prävention und Kontrolle (siehe z.B. Ref. 6, 7)

Bei einer anhaltenden Übertragung in der Bevölkerung in Deutschland werden für die Bewertung zusätzlich zu den Meldedaten gemäß Infektionsschutzgesetz Informationen aus weiteren Surveillancesystemen (Bevölkerungsbasierte Surveillance mit GrippeWeb; syndromische und virologische Surveillance der Arbeitsgemeinschaft Influenza, Krankenhaussurveillance (z.B. ICD10-Code basierte KH-Surveillance ICOSARI), laborgestützte Surveillance von Erregernachweisen, z.B. mit ARS und zeitnahe Mortalitätssurveillancesysteme) genutzt. Die Systeme beruhen auf den Daten, die für Deutschland zur Verfügung stehen, sodass Bewertungen im Verlauf differenzierter möglich sind.

Ergänzende Informationen zur Gefährdung bestimmter Gruppen in der Bevölkerung finden sich im SARS-CoV-2 Steckbrief zur Coronavirus-Krankheit (unter Punkt 2.:Krankheitsverlauf und demografische Einflüsse).

Überlegungen zu dem möglichen weiteren Verlauf und Schutzzielen finden sich in der Ergänzung zum Nationalen Pandemieplan – COVID-19 – neuartige Coronaviruserkrankung (4.3.2020) und den Informationen des Robert Koch-Instituts zu empfohlenen Infektionsschutzmaßnahmen und Zielen. Diese dienen vorrangig dazu, dass von den Entscheidungsträgern geeignete Maßnahmen zur Bekämpfung des COVID-19-Geschehens vorbereitet und rechtzeitig aktiviert werden können.

    Referenzen:

    Stand: 13.03.2020


    Es gab außerdem auch Kritik daran, dass das RKI bei den Zahlen immer etwas hinterher hinkt.

    Zusammenfassung und Ausblick

    Das das RKI wissenshaftlich prinzipiell kompetent ist, steht außer Zweifel. Allerdings sind Einschätzungen auf zeitkritisch bei Epidemien/Pandemien. Und auch das ECDC und die WHO besteht aus Experten. Wahr ist auch, dass nicht jedes Virus bis nach Europa oder Deutschland kommt.

    Disclaimer: Ich bin weder Virologe noch Epidemiologe, aber nutze  journalistische Methoden, um mir ein Bild der Lage zu machen und abzuwägen.

    Für mich wird aus der Historie, die ich oben aufgezeichnet habe, dass spätestens am 28. Februar die Alarmglocken in Deutschland und dem RKI hätten schrillen müssen. Allerdings brauchte man 18 weitere Tage, oder mehr als zwei Wochen, um die Risikoeinschätzung zu ändern. Und damit auch eine Woche nach dem ECDC.

    Aus meiner Sicht wirkt das RKI viel zu verträumt und hat wertvolle Zeit verschenkt und vor allem mit seiner lange Zeit geltenden (bis zum 16. März!) geltenden Einschätzung als mäßige Gefahr dazu beigetragen, dass die Pandemie in Deutschland verharmlost war Und damit auch seinen Anteil an steigenden Zahlen der Infizierten und Toten!

    Das Problem ist, dass hier zu viele Menschen immer nur auf das RKI schauen, aber zu wenige auf die WHO oder das ECDC. Ich finde es insbesondere problematisch, dass wir damit auch mindestens drei Organisationen haben, die unterschiedliche Einschätzungen vornehmen. Ich gehe selbstverständlich davon aus, dass wenn das Risiko weltweit als sehr hoch von der WHO angesehen wird, es natürlich auch mindestens auch als hoch in Europa oder Deutschland zu gelten hat. Es ist vollkommen unmöglich sinnvoll zu kommunizieren, dass Deutschland als Transitland und Touristenziel bei einem sehr hohen Risiko gleichzeitig nur ein mäßiges Risiko aufweist. Das sind Mixed Messages. Das geht nicht!

    Da baucht es dringend Reformen. Da kann nicht jedes Land in Europa einfach irgend ein Institut benennen, wo die Expertenrunde eine ganze eigene, von der WHO unabhängige Meinung hat. Nein, die Basis muss immer die WHO-Einschätzung sein. Dann gerne auch mit regionalen Hinweisen wie: „Wir haben in Deutschland noch keinen Fall von X“. Die Risikoeinschätzung hat nichts mit dem Fortschritt einer Epidemie im eigenen land zutun. Heute reist sowieso jeder überall hin. Viele haben Freunde, die z.B. nach China, Neuseeland, Japan, Brasilien, Kenia, Südafrika gereist sind oder reisen werden. Entweder weil sie dort Verwandte haben, oder dort Urlaub machen. Es ist doch in Zeiten der Globalisierung völlig wahnwitzig davon auszugeben, dass was Hubei entsteht auch in Hubei bleibt! Und umgekehrt!

    Die Empfehlungen die das RKI ab dem 17. März gibt, hätten sie bereits am 31. Januar ansatzweise geben können, denn da gab die WHO den globalen Notstand wegen #COVID19 bekannt. Das einzige was sich geändert hat ist, dass es jetzt mehr Fälle in Europa gibt und man vor allem in Italien und Spanien die Folgen sieht.

    Bei einer Epidemie zählt manchmal jede Stunde oder jeder Tag, um mit frühzeitigen Maßnahmen eine Eindämmung zu bewirken. das RKI hat eben eine spezielle Bedeutung und damit einhergehend eine besondere Verantwortung. Ein Verhalten wie in diesem Jahr ist daher nicht tolerierbar. Entweder die Rolle des RKI wird verändert oder da müssen knallharte Reformen durchgeführt werden. Ich persönlich fände es am sinnvollsten, wenn das ECDC für alle EU-Länder die Einschätzung auf Basis der WHO-Empfehlungen gibt. D.h. jede WHO-Warnung wird durchgereicht und mit eigenen Kommentaren ergänzt. Es sollte kein EU-Land geben, dass sich anmaßt globale Pandemie als harmlos abzutun. Das kostet Menschenleben und macht keinen Sinn!

    Written by tlow

    21. März 2020 at 13:19

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