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Archive for the ‘Gesundheit’ Category

#CoronaKiel Die Kieler Coronaleugner im Netz rechtsradikaler Verschwörungstheorien #COVID19de

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Videobericht aus Kiel zur Kundgebung der Coronaverschwörer

Ich wollte dazu eigentlich nichts schreiben. Bisher waren es ja nur eine handvoll People, die in Kiel gegen die Coronaauflagen demonstriert haben. U.a. organisiert von dem Jongleur Björn Dinklage (Info via Antifa Kiel).

Gestern nun gab es am 16.8 eine größere Demo an mit ca. 600 Teilnehmer:innen. Darunter auch als „Stargast“ der Coronaleugner-Arzt Bodo Schiffmann, der offensichtlich einige Fans nach Kiel holte.

Ich habe mir das obige Video zu großen Teilen angeschaut, um einen Eindruck der Demo zu bekommen. Zum einen fällt auf, dass die Auflagen der Stadt nicht erfüllt wurden: Niemand hat dort einen Abstand von 2,50 Metern eingehalten. Auch die Polizei trug keinen Mundschutz:

Polizei ohne Mundschutz

Die Kundgebung hätte also aufgelöst werden müssen. Die Ansagen von der Bühne bestätigen meinen Eindruck, denn mehrfach wurde von dort aus darum gebeten, mehr Abstand zu halten oder weiter nach hinten zu gehen.

Die Inhalte waren quer durcheinander. Primär sprach aus ihnen eine Feindseligkeit gegen den Mainstream. „Drosten der Vollpfosten“ usw. Aber eigentlich gab es wenig konkrete Kritik gegen Einzelmaßnahmen. Erstaunlich fand ich den Aufruf einer Frau, das Eltern aus Angst um ihre Gesundheit ihre Kinder zuhause lassen sollten und nicht in die Schule schicken. Es klang für mich erst so, als hätte sich die Frau verlaufen, weil sie wegen des Virus Angst um ihre Kinder hätte. Aber nein, es war die Angst, dass die Kinder durch die Maßnahmen physische und psychische Schäden von sich tragen. Die haben tatsächlich vor einem Mundschutz mehr Angst als vor Viren und Bakterien. Man muss mal daran erinnern, dass es auch so etwas wie die Pest gab, die im 14. Jahrhundert zu 25 Millionen Toten führte. Sicher ist COVID19 nicht die Pest und wir haben heute bessere Methoden. Aber hätten damals Menschen Mundschutz getragen, wäre bereits viele Menschenleben zu retten gewesen.

Fakt ist ja, dass COVID19 sich nach wie vor und immer schneller weltweit ausbreitet. Sicher gibt es auch andere Möglichkeiten zu Tode zu kommen, aber es ist ein neuer Virus, der bereits zu 800.000 Toten geführt hat. Länder wie USA und Brasilien, die Maßnahmen stark zurückgeführt haben, haben auch eine höhere Erkrankungsdichte. Und natürlich muss man auch immer abwägen zwischen Folgen des Virus und Folgen der Maßnahmen. Wir könnten zwar die Wirtschaft komplett schließen, aber dann würden wir wohl auch alle verhungern. Aber all dies sind Gedanken, die man haben kann und muss, aber niemals zur totalen Negation der Gefahren führen dürfen, wie das bei diesen Coronaverschwörern der Fall zu sein scheint. Dort wird bar jeder Vernunft argumentiert. Anything goes. Und sie sind weit offen für sämtliche Verschwörungsmythen wie 5G, Chemtrails, Antisemitismus,…

Wie weit das gehen kann sieht man dem Video eines rechtsradikalen Videobloggers:

Es lohnt sich nicht auf „Argumente“ der Verschwörer einzugehen. Sicher ist die Forschung zu Corona noch nicht fertig. Wichtig ist aber, diesen Virus ernst zu nehmen und nicht ein Netz aus Mythen zu spannen. Damit wird dann der Virus und der Widerstand gegen die Maßnahmen nur noch Teil einer Weltverschwörungsideologie, wo angeblich alles zusammen passt. Man kann sicher über Sinnhaftigkeit einzelner Maßnahmen diskutieren, aber darum geht es den Anhängern dieser Ideologien gar nicht. Eigentlich ist Corona auch nur ein weiterer Aufhänger, eine weitere Geschichte oder Alternative Realität, die dazu dient ein krankes Weltbild zu stützen.

Wie sinnvoll sind Masken? Ja, kann man diskutieren, sicher kein 100% Schutz. Aber gleiches gilt für andere Maßnahmen. Wichtiger finde ich, dass das eigene Handeln Auswirkungen auf die Gesundheit anderer hat. Und das man daher sein eigenes Verhalten sogar dann anpassen sollte, wenn man selber nicht an die Wirksamkeit der Maßnahmen glaubt. Es ist mittlerweile gar keine Eingriff Grundrechte mehr. Sogar diese Kundgebung, die eindeutig illegal war, weil sich niemand an Regeln hielt, durfte abgehalten werden. Die Maskenpflicht ist begrenzt und bedeutet nicht, dass man seine Grundrechte nicht mehr wahrnehmen könnte.

Also gibt es keinen Grund für Widerstand und Protest, allenfalls zur Diskussion um den besten Weg. Aber bitte ohne alle mit einer anderen Meinung zu gefährden!

Written by Thilo

17. August 2020 at 16:40

#CoronaKiel Rules of Engagement Stand 1. Juni 2020 #WirBleibenZuhause

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Die Regeln für Zusammenkünfte ändern sich wöchentlich. Hier mal ein Versuch das ganze etwas zuzuspitzen:

  1. Generell gilt: Kontakte vermeiden (nicht mehr als 2 Personen), zuhause Bleiben, Hygiene wichtig nehmen, ABER:
  2. der Virus greift Verwandte, Menschen in Beziehungen und Menschen aus dem gleichen Haushalt nicht an. Daher sind hier größere Zusammenkünfte bis zu 10 Personen möglich. ABER:
  3. Sobald aber jemand aus einer abgeschlossenen eigenen Wohnung zu einer Gruppe dazustößt, der nicht verwandt ist oder mit euch in einer Beziehung steht, wird der Virus wieder sofort aktiv. Der merkt alles. AUSSERDEM:
  4. Und der Virus kann auch zählen, ab der 11. Person wird der ebenfalls aktiv und steckt an. den 11. Gast lasst ihr einfach mit Abstand vor der Tür stehen. Wichtig aber, dass nicht noch viel mehr Leute sich ansammeln. Aber eine Gruppe von Ausgeschossenen bis zu 10 ist voll OK, sofern sie auch zueinander den ausreichenden Abstand halten.
  5. Wir sollen alle ZUHAUSE BLEIBEN, AUSSER:
  6. Ja klar, Sport muss sein, je öfter desto besser. UND:
  7. Du bist Tourist? Dann komm nach Schleswig-Holstein. Auch wenn wir mancherorts überbelegt sind. Den Touristen beißt der Virus nicht, er will ja nur spielen!
  8. Am besten mit MUND-NASEN-SCHUTZ überall, außer in den geschlossenen Räumen der Gastronomie! Aber natürlich unbedingt im Imbiss, wo man sich nur kurz ein Essen abholt Denn je länger man sich dem Virus aussetzt, desto geringer die Chance der Ansteckung. Täuschung durch Langeweile! Damit rechnet der nicht! UND:
  9. Wenn ihr Teil einer Religionsgemeinschaft seid, dann trefft euch ruhig und singt was das Zeug hält. #MNS nicht nötig. Denn der Virus achtet die Religionsfreiheit (außer in Korea).
  10. Gleiches gilt für Schüler:innen. Auch für Bildung hat ein Virus großes Verständnis und steckt Schüler:innen aus Prinzip nicht an. Bildung ist ja wichtig.
  11. MINDESTABSTAND 1, 50 Meter gaanz wichtig, außer ihr seid hochbezahlte Fussballprofis, dann gebt alles in intensiven Zweikämpfen (oder mehr). Der Virus wird durch die Zahl 11 und 22 verwirrt und denkt er wäre nur ein Ball. Aber Vorsicht: Sobald ihr gemeinsam das Stadium wieder verlasst, endet die Täuschung und ihr müsst natürlich wieder die normalen Abstandsregeln einhalten. Grillparties oder längere Gespräche, daher am besten während des Spiels auf dem Spielfeld!

Written by Thilo

1. Juni 2020 at 07:27

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Erstmals seit Wochen steigende Fallzahlen in Deutschland #COVID19de

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Seit Wochen sanken die Fallzahlen in Deutschland. In den meisten Medien wurde das nicht hervorgehoben, weil man sich auf die Gesamtfallzahlen bezog, die niemals sinken können. Dafür verpasst man die heutige Richtungsänderung: Denn gestern stiegen die Aktiven Fälle nach Angaben der Johns Hopkins University (JHP) zum ersten mal seit dem 7. April wieder an!

Gestern stiegen die Aktiven Fälle von 10.562 (am 27. Mai) auf 10.682 (am 28. Mai). Die Steigerung folgt Wochen bei denen verschiedene Ausbrüche aufgrund mangelhafter Vorschriften in Unterkünften oder für Gottesdienste zu neuen Ausbruchsherden führten. Und es folgt nur wenige Wochen auf eine weitgehende Maskenpflicht für Läden und ÖPNV.

Vielleicht lässt sich der gestrige Tag noch als Meldeverzögerung abtun. Denn einen Tag vorher gab es besonders wenige neue Fälle. Es wäre aber spätestens jetzt nötig, in verschiedenen Bereichen die Notbremse zu ziehen und statt immer mehr Lockerungen zu beschließen, lieber mehr Auflagen zu erteilen, wie zB Maskenpflicht an Schulen und in Kirchen.

Erst nehmen es die Deutschen zu locker, dann kann es gar nicht streng genug sein und kurze Zeit später lässt man wieder jede Vorsicht fahren. Die Gefahr ist heute genau so groß wie damals im März. Das ist hinlänglich bekannt. Es gibt zwar keinen Grund zur Panik oder übertriebenen Reaktionen, aber es gibt genug Grund, vorsichtig zu sein!

Written by Thilo

29. Mai 2020 at 16:56

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Weiter Vergleich von Staaten. Wie gut ist Deutschland? #COVID19de

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In den Medien in Deutschland wird immer darauf abgehoben wie gut es in Deutschland mit COVID19 gelaufen ist. Ich will nun einen zweiten internationalen Vergleich wagen, nach meinem ersten, der sich mehr um den Vergleich der Methoden drehte. Als Basis nehme ich die größten Flächen-/Großstaaten (also Staaten mit mehr als 15 Mio Einwohner:innen). Ich beziehe mich dabei auf die Liste aus dem Wikipedia-Artikel, aber nehme dieses mal lediglich vier Staaten pro Kontinent. Am Ende vergleiche ich die Länder zur Hälfte nach Infektionsdichte pro Mio und Toten pro Mio. Und als Quelle nehme ich das Worldometer.

Diese Länder also:

  • Afrika: Algerien, Demokratische Republik Kongo, Sudan, Libyen
  • Amerika: Kanada, Vereinigte Staaten, Brasilien, Argentinien
  • Asien: Russland, Volksrepublik China, Australien, Indien
  • Europa: Frankreich, Spanien, Schweden, Deutschland

Bei der Betrachtung lasse ich die Testkapazitäten außer acht oder auch politische Einflüsse. Sicher repräsentieren die Zahlen nicht die ganze Wahrheit. Aber ich denke die Zahlen geben schon einen repräsentativen Querschnitt aus verschiedenen Kontinenten. Es sind die einzigen Zahlen, die wir haben.

Dieses mal vergleiche ich auch keine Maßnahmen. Das Schweden als einer der größten Staaten Europas bei der Wikipedia reingerutscht ist sicher ein Versehen de Wikipedia, aber in diesem Fall ist es eh ganz interessant wegen der aktuellen Debatte um deren COVID19-Debatte.

Ausgangspunkt war meine Beobachtung, dass wir in Deutschland in der Debatte immer behaupten, Deutschland hätte sehr gut abgeschnitten, aber oberflächliche Vergleiche zeigen oft ein anderes Bild gegenwärtig (am 27. Mai). Dieser Artikel als Snapshot ist mein Versuch, das noch mal neutral zu verifizieren. Wenn man auf bessere Länder verweist, gibt es meist irgend ein ABER (die testen weniger, das Virus war da später,…). Das mag ja auch alles sein. Aber zunächst gehts mir einfach um die offiziellen Zahlen und welches Bild sich daraus ergibt aus einer nicht-rassististischen oder eurozentristischen Brille:

Ich bewerte jetzt so. Und habe dazu versucht sinnvolle Größengruppe der Zahlen zusammenzufassen, um Punkte verteilen zu können:

Fälle:

  • Unter 200 Fälle/1M = 10 Punkte
  • Unter 2000 Fälle/1M = 5 Punkte
  • Unter 5000/Fälle/1M = 1 Punkt
  • > 5000 Fälle/1M = 0 Punkte

Tote:

  • Unter 10 Tote/1M 10 Punkte
  • Unter 100 Tote/1M = 5 Punkte
  • Unter 200 Tote/1M = 1 Punkt
  • >200 Tote/1M = 0 Punkte

Afrika

AlgerienKongoSudanLibyen
Fälle/1M (Punkte)199 (10)88 (10)91 (10)11 (10)
Tote/1M (Punkte)14 (5)3 (10)4 (10)0,4 (10)
Ergebnis 15202020

Amerika

KanadaUSABrasilienArgentinien
Fälle/1M (Punkte)2298 (1)5215 (0)1857 (5)293 (5)
Tote/1M (Punkte)176 (1)304 (0)115 (1)11 (5)
Ergebnis20610

Asien

RusslandChinaAustralienIndien
Fälle/1M (Punkte)2843 (1)1663 (5)280 (5)110 (10)
Tote/1M (Punkte)26 (5)90 (5)4 (10)3 (10)
Ergebnis6101520

Europa

FrankreichSpanienSchwedenDeutschland
Fälle/1M (Punkte)2800 (1)6060 (0)3412 (1)2164 (1)
Tote/1M (Punkte)437 (0)580 (0)409 (0)101 (1)
Ergebnis1012

Daraus bilden wir mal ein paar Gruppen:

  1. Länder mit allen 20 Punkten:
    1. Kongo
    2. Sudan
    3. Libyen
    4. Indien
  2. Länder mit 15 Punkten:
    1. Algerien
    2. Australien
  3. Länder mit 6 Punkten:
    1. Brasilien
    2. Russland
  4. Länder mit 1-2 Punkten:
    1. Kanada
    2. Frankreich
    3. Schweden
    4. Deutschland
  5. Länder mit Null Punkten:
    1. USA
    2. Spanien

Das bestätigt meinen Eindruck. Auch wenn man einige Länder skeptisch betrachteten würde, was die Zahlenqualität angeht: Deutschland gehört auf jeden Fall nicht zu den Top 10 der Flächenländer auf der Welt, sondern ist bestenfalls unteres Mittelfeld global betrachtet. Aber es lief hier besser als in Ländern wie in den USA oder Spanien.

Es hat in Deutschland inzwischen schon absurde Züge, wie man das eigene Land verteidigt und auch die Wirksamkeit der Maßnahmen. Hier noch mal meine drei Thesen zu Deutschland:

  1. Deutschland hat zu spät und zu zögerlich auf die Epidemie reagiert. Man hat zB erst Ende April angefangen Flugzeugpassagiere zu kontrollieren.
  2. Deutschland hat zu einem relativ späten Zeitpunkt einen Lockdown beschlossen und dabei zu viele harte Maßnahmen ergriffen, die auch gesundheitlich erhebliche Nebenwirkungen gehabt haben und haben werden.
  3. In Summe: Es traf Deutschland unvorbereitet und man hat mit einigen Maßnahmen das schlimmste verhindert. Aber das war alles voraussehbar. Die Bundesregierung hatte entsprechende Szenarien vorliegen und hat es an entsprechender Vorbereitung vermissen lassen. Später sind v.a. die Ministerpräsidenten über das Ziel hinausgeschossen und haben gleichzeitig Lücken gelassen, wie zB. keine Masken- oder Registrierungspflicht während des Gottesdienstes.

Man kann solche Listen beliebig erweitern und auch beliebig viele Länder ausklammern aus welchen Gründen auch immer. Ich wage es aber zu behaupten, dass man bei realistischer Betrachtung niemals dazu kommen wird, dass es in Deutschland gut gelaufen ist oder gar vorbildlich. Ihr könnt ja auch eigenen Listen erstellen. Die Daten liegen ja offen.

Written by Thilo

27. Mai 2020 at 09:40

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#CoronaKiel #Lockerungen Warum steigen die Zahlen nicht?

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Photo by Helena Lopes on Pexels.com

So locker war Deutschland schon seit Jahren nicht mehr. Es wird Fußball gespielt mit intensiven Zweikämpfen: Aber Vorsicht: Nach dem Tor nicht freuen oder gar die Kamerad:innen umarmen – man könnte sich ja anstecken. Und im Bus bitte 1,50 Abstand. Aber auf dem Feld: Gib Alles!

Und hatte man und am 20. März noch erklärt, dass es keine Alternative zum Lockdown gibt, vor allem bei Gastronomie und Einzelhandel, denn: 15.000 Infizierte waren einfach zu viel, da MUSS man einen Lockdown machen, sonst gerät es vollkommen außer Kontrolle, so gilt jetzt: Die Maßnahmen waren ein voller Erfolg, wir haben ja NUR NOCH 15.000 Infizierte. Also vollkommen andere Zahlen und damit wäre so was wie ein Lockdown nicht mehr vermittelbar. Wir müssen ALLES lockern, let’s Party!?

Wer darauf verweist wird nun zB ermahnt, dass wer kritisiert, dass bereits ab dem 20. März die Zahl der Neuinfizierten sank vergessen würde, das es doch vorher schon Maßnahmen wie Schulschließungen und das Verbot von Großveranstaltungen gab. Und das sich das Verhalten ja auch geändert hätte.

Aber genau das waren ja vor dem 20. März die Argumente von gemäßigten Komentator:innen wie mir: Viele Maßnahmen bis zum 15. März waren richtig, aber der totale Lockdown war unverhältnismäßig. Und an vielen neuralgischen Punkten wie Flughäfen oder Heimen/Unterbringungen wurden zu wenig Regeln durchgesetzt. Und das genau zeigt sich jetzt noch deutlicher:

Das Ausbruchsgeschehen in Pflegeheimen oder in der Landwirtschaft oder der Fleischindustrie oder in Asylbewerber:innenheimen ist nach wie vor nicht unter Kontrolle, weil man Hygienestandards dort viel zu lax handhabt und es im Interesse von Bewohner- oder Arbeiter:innen zu wenig auf gute Arbeits- und Unterbringungsbedingungen achtet.

Aber nun zu der Frage aus dem Titel, die sich seitens der Logik automatisch stellt: Müssten die Zahlen der Neuinfizierten nicht schon länger steigen, wenn der Lockdown dringend nötig war? Mit dem Lockdown meine ich also: Kontaktsperren, Ladenschließungen, Gastroschließungen. Ich meine damit NICHT Schulschließungen oder das Verbot von Großveranstaltungen. Letztere Punkte waren absolut richtig, v.a. die Großveranstaltungen scheinen das Ausbruchsgeschehen extrem beschleunigt zu haben. Ich war gespannt darauf, wie die Politik auf der Sackgasse wieder herauskommt, weil sie sagte man werde das ganze als dynamisches Geschehen beobachten und reagieren, wenn die Zahlen sich verändern.

Was hat sich denn bisher verändert? Die Zahl der Neuinfizierten ging seit dem 20. März stetig zurück. Es konnte kein Einbruch beobachtet werden, der die Wirksamkeit des Lockdowns ( ab 23.3.) bewirkt hätte. Auch der MNS (Munds-Nasen Schutz) war unauffällig in den Kurven. Seitdem gab es nicht weniger Ansteckungen. Die Lockerungen für Geschäfte ab dem 6. Mai sollte sich ab dem 20. Mai niederschlagen. Hier wird man weiter beobachten müssen, was passiert. Ich halte es eigentlich für unausweichlich, dass die Infektionszahlen zumindest lokal wieder ein mal ansteigen. Wir haben jetzt den MNS für Einzelhandel und ÖPNV. Sicher wird der auch die eine oder andere Infektion verhindert haben, viel mehr aber vielleicht psychologisch eine Wirkung haben.

Und heute die Wiedereröffnung der Gastronomien mit Auflagen. Deren Ergebnis dann ab ca. 1. Juni.

Ein Argument besagt, dass es ohne Maßnahmen einfach immer weiter angestiegen wäre und dass ja niemand es besser wusste. Weder die Gefahr am Anfang, dass es überhaupt in Deutschland Thema sein würde. Und dann natürlich, wie es mit den Infektionen weiter gegangen wäre ohne Maßnahmen. Stimmt alles irgend wie. Aber die Diskussion, was denn geholfen hat und was nicht ist essentiell, ja vielleicht das Wichtigste überhaupt. Denn anderweitig bliebe uns jedes mal bei jeder neuen Pandemie oder zweiten Welle sämtliche Maßnahmen zu wiederholen, mit allen Kollateralschäden wie Massenarbeitslosigkeit, Insolvenzen, verschobene Therapien. Wir können nicht wollen immer wieder bei Null anzufangen. Daher ist die Diskussion was wann passiert ist und was uns geholfen hat und was nutzlos war ganz essentiell. Auch der Vergleich mit anderen Ländern kann da helfen.

Ich hatte diesbezüglich ja schon einen Artikel mit dem RKI als Fokus. Was passiert ist, ist glaube ich, dass man sehr wohl über die Gefahren von Pandemien bescheid wusste und sogar Szenarien erarbeitete. Aber man hat nicht wirklich daran geglaubt, dass es uns treffen könnte, auch wenn viele Expert:innen seit Jahrzehnten davor warnten. Und man hat dannin der Frühphase gepokert, dass es weniger Schaden anrichten würde, wenn man gar keine Veranstaltungen absagen würde. Man hätte dann alle Einnahmen und Steuern. Die Leute würden nicht in Panik verfallen oder sauer sein, weil der Karneval ausfiel. Ich habe ausgerechnet, dass wenn wir ähnlich gehandelt hätten wie Taiwan, dass wir dann lediglich rund 70 Tote hätten und nicht 8.000 mit steigender Tendedenz.

Es ist der Politik also beides vorzuwerfen: Sie hat sowohl zu spät und zu lax gehandelt, als auch später zu streng und ungerichtet. Es war vor allem die Politik, die in Panik verfiel. Am Anfang war man noch über den Gedanken empört, Großveranstaltungen wie die Kieler Woche abzusagen:

Auf die Antwort vom Ordnungsamtschef gab es viele Likes aus der Politik. Diese Bürger:innen wieder mal, wissen immer alles besser….

Wenig später wurden in Kiel dann Umzüge verboten, weil man da ja nebeneinander steht:

Wir mussten ja alle schnell lernen und uns umstellen. Zuvor hatte ich auch bereits festgestellt, dass Kiel, anders als propagiert, nicht gut vorbereitet schien. Keine Institution in Deutschland war gut vorbereitet. Ich denke das einzige, was als gute Vorbereitung durchgehen kann, ist das Deutschland anscheinend wenige neoliberale Krankenhausreformen bekommen hat, als es durch die eigene Brille erschien: Ja, die Zustände in Krankenhäuser sind und waren vor Corona unhaltbar. Aber nicht so unhaltbar oder schlimm wie in Italien, Frankreich oder UK! Weil sich zum Glück Gesundheitspolitiker wie Lauterbach nicht durchsetzen konnten mit ihren Plänen von Klinikschließungen. Was uns weniger Tote trotz extrem hoher Infektionszahlen (auf Worldometer Platz 8 von 215, oder umgedreht Platz 208, hinter uns kommen nur noch sieben weitere Staaten!) beschert hat, war eine gewisse Resilienz gegen Reformen, waren linke Spinner in ganz Deutschland, die die Logik der Politik und der Neoliberalen nicht mitmachen wollten. Ein breit aufgestelltes Gesundheitssystem, das jederzeit einsatzbereit ist, rettet in der Pandemie tausende Leben. Aber billiger und effektiver wäre es natürlich gewesen schneller zu reagieren.

Ergo:

  • schnelle und wirksame Maßnahmen auch zulasten einzelner Veranstaltungen und Orte, sowie
  • gut finanziertes Gesundheitssystem, dass bei Pandemien schnell reagieren kann mit höheren Kapazitäten

tragen sowohl dazu bei , dass A) die Zahl der Infizierten extrem gering bleibt und B) Die Zahl der Toten sich enorm verkleinert.

Deutschland war bei B) vergleichweise ganz gut und bei A) eine der schlechtesten Nationen der Welt.

Und im Gegensatz zum Mainstream bewies m.E. gerade Herr Söder da kein gutes Händchen, ebenso wenig wie Herr Spahn. Bayern ist ich nur das Bundesland mit den meisten Infizierten, sondern durch seine schleppende Politik am Anfang auch hauptverantwortlich für die Ausbreitung von Corona in ganz Deutschland. Später hat Söder das mit gespielter Entschlossenheit versucht auszugleichen und es bisher vergessen gemacht, dass er der Hauptschuldige in Deutschland ist mit den schlechtesten Zahlen.

Es bedarf einer weitreichenden Aufklärung und Debatte, wie sich die Pandemie so in Deutschland ausbreiten konnte. Das ist viel wichtiger, als was in China passierte. Das sollen die Chines:innen selber klären oder von mir aus die WHO. Vor der eigenen Tür kehren. Warum haben unsere Expert:innen so versagt? Warum gab es so viele Tote? Was ist aber auch gut gelaufen und was schlecht? Nur durch Fehleranalyse lernt man. Einer offenen und ehrlichen Debatte. Bisher ist die noch nicht in Sicht. Aber immerhin titelte die Tagesschau neulich schon über „Die verlorenen Wochen„.

Written by Thilo

18. Mai 2020 at 10:18

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