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Archive for the ‘Grundrechte’ Category

PM: Bündnisaufruf Innenministerkonferenz @IMK2019 am 12.6.2019 in Kiel #NOIMK2019

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Pressemitteilung des Bündnisses #NOIMK2019

Bündnis ruft unter dem Motto „Gegen Repression, Rechtsruck und autoritäre Formierung!“ zu Demonstration gegen die Innenministerkonferenz am 12.6.2019 in Kiel auf

Vom 12. bis 14. Juni findet in Kiel und Rendsburg die 210. Innenministerkonferenz (IMK) statt. Das Kieler NoIMK-Bündnis, dem antifaschistische, antirassistische und internationalistische Initiativen, linke Antirepressionsstrukturen sowie Gruppen aus der Kieler Fußballfanszene angehören, ruft dagegen norddeutschlandweit zu einer Demonstration unter dem Motto „Gegen Repression, Rechtsruck und autoritäre Formierung!“ auf. Diese beginnt im Anschluss an die Geflüchteten-solidarische „Hiergeblieben!“-Demonstration um 19 Uhr am Dreiecksplatz.

Das NoIMK-Bündnis bewertet die Konferenz als einen grundlegenden Bestandteil des repressiv-autoritären politischen Tagesgeschäftes der Bundesrepublik. Julia Schmidt von der Autonomen Antifa-Koordination Kiel erklärt dazu: „Die IMK steht stellvertretend für die Koordination einer sich verschärfenden gesellschaftlichen Situation – stellvertretend für einen autoritären Rechtsruck, stellvertretend für den tödlichen Stacheldraht an den EU-Außengrenzen, für die Duldung und Instrumentalisierung mordender Nazi-Banden und für die militärische Aufrüstung der Polizei. Die permanent krisenhafte bürgerlich-kapitalistische Barbarei kann nur durch die auf der IMK organisierte Repression, Überwachung und Einschüchterung aufrechterhalten werden.“

Auch die rassistische Asyl- und Abschiebepolitik, die die Bundesregierung erst am vergangenen Freitag abermals in Form des Hau-ab-Gesetzes verschärft hat, wird vom NoIMK-Bündnis mit der Innenministerkonferenz in Verbindung gebracht. Tina Maus vom netzwerk antirassistische aktion kiel dazu: „Die Verschärfung des Asylrechts ist seit jeher Thema der IMKs. Dazu zählt die Beschleunigung von Abschiebeverfahren, die Ausweitung von vermeintlich sicheren Herkunftsländern, genauso wie der Bau von Abschiebeknästen. Ein solcher entsteht derzeit auf Beschluss der Landesregierung in Glückstadt und soll spätestens 2020 in Betrieb genommen werden. Dann soll die entwürdigende und entrechtende Abschiebehaft auch in Schleswig-Holstein wieder zum Grundrepertoire der Durchsetzung der Festung Europa vor Ort gehören.“

Darüber hinaus sind die seit dem G20-Gipfel in Hamburg entgrenzte Repression gegen linke Aktivist*innen und Projekte, die seit Jahren andauernde Kriminalisierung von Strukturen der Kurdischen Befreiungsbewegung in der BRD sowie die alltägliche Entrechtung und Drangsalierung von organisierten Fußballfans zentrale Themen der Demonstration. Die gemeinsame inhaltliche Klammer stellt dabei der Kampf für eine solidarische Gesellschaft ohne Ausbeutung und Unterdrückung dar. „Die Vision einer Gesellschaft ohne Rassismus, ohne staatliche Überwachung und ohne Repression ist gegenwärtig wichtiger denn je. Wir nehmen die Angriffe des Staates auf das freie Leben nicht unwidersprochen hin! Wir rufen deshalb dazu auf, gegen diese Konferenz der kapitalistischen Elendsverwaltung und -verschärfung auf die Straße zu gehen!“ fasst Luca Moretti vom NoIMK-Bündnis diesen Standpunkt zusammen.

Quelle: https://noimk2019.blackblogs.org/2019/06/11/pressemitteilung-des-noimk2019-buendnis-kiel/

Written by tlow

12. Juni 2019 at 09:30

#Schleierverbot an der CAU

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Eine Studentin der Ernährungswissenschaften an der CAU trug in einer Botanik-Vorlesung im Dezember 2018 einen Gesichtsschleier (Nikab/Niquab). Die Uni beschloss darauf hin ein generelles Verbot von Gesichtsschleiern (Wortlaut habe ich von Uni Kiel angefragt und warte auf Antwort).

Argumentiert wurde hierbei laut KN vom 13.02. seitens der Uni so:

„dass die Kommunikation in Forschung, Lehre und Verwaltung nicht nur auf dem gesprochenen Wort beruhe, sondern auch auf

Mimik und Gestik. Ein Gesichtsschleier dürfe daher in Lehrveranstaltungen, Prüfungen und Gesprächen, die sich auf Studium, Lehre und Beratung im weitesten Sinne beziehen, nicht getragen werden“.

Die Begründung ist im höchsten Maße problematisch, weil sie sich nicht an rechtlich nachvollziehbaren Maßstäben, sondern eher an sehr subjektiven Betrachtungsweisen orientiert. Ganz interessant zum Thema fand ich ein Gespräch aus dem Jahr 2016 im Schweizer Fernsehen, wo einige Aspekte zu Schleierverboten länger diskutiert werden:

Auch muss man das sog. „Kopftuchurteil“ des Bundesverfassungsgericht aus dem Jahr 2015 berücksichtigen bei dem geurteilt wurde, dass es selbst Lehrer*innen nicht generell verboten sein darf im Unterricht ein Kopftuch zu tragen. Hier der entscheidende Textausschnitt:

„Das Tragen eines Kopftuchs macht im hier zu beurteilenden Zusammenhang die Zugehörigkeit der Beschwerdeführerin zur islamischen Religionsgemeinschaft und ihre persönliche Identifikation als Muslima deutlich. Die Qualifizierung eines solchen Verhaltens als Eignungsmangel für das Amt einer Lehrerin an Grund- und Hauptschulen greift in das Recht der Beschwerdeführerin auf gleichen Zugang zu jedem öffentlichen Amt aus Art. 33 Abs. 2 und 3 GG in Verbindung mit dem ihr durch Art. 4 Abs. 1 und 2 GG gewährleisteten Grundrecht der Glaubensfreiheit ein, ohne dass dafür gegenwärtig die erforderliche, hinreichend bestimmte gesetzliche Grundlage besteht. Damit ist der Beschwerdeführerin der Zugang zu einem öffentlichen Amt in verfassungsrechtlich nicht tragfähiger Weise verwehrt worden.“

Man könnte in dem Sinne auch davon ausgehen, dass nun unabhängig von der Art des Schleiers auch die Grundrechte der Studentin gebrochen werden in dem ihr der Zugang zu Vorlesungen verweigert werden.

Vorsichtig ausgedrückt bewegt sich die CAU hier rechtlich auf sehr dünnem Eis. Und es ist zu erwarten, dass sofern es zu einem Rechtsstreit kommt, sie den kürzeren zieht. Und damit einher gehend sie ausgerechnet denen, die eine radikalere Auslegung des Islams propagieren in die Hände spielt. Dabei hat die Uni ja eine eigene juristische Fakultät, die sie ja vielleicht auch bemühen könnte, bevor man Verbote ausspricht.

Ich finde so eine Art Vollverschleierung persönlich zwar auch nicht vorteilhaft oder gut. Aber es geht hier nicht um persönliche Überzeugungen, sondern eben Grundrechte und Religionsfreiheit. Und ab welchem Punkt der Staat das Recht haben sollte, Verbote auszusprechen. In diesem Falle geht der Staat (bzw. die Uni Kiel) und die Bildungsministerin Prien, die dazu ein passendes Gesetz plant, weit über die gesetzlichen Grenzen hinweg aus einem Bauchgefühl heraus. Dabei gibt es viele Studierende mit üblen Überzeugungen, die Vorlesungen beiwohnen und eigentlich ausgeschlossen gehören, die Uni aber untätig bleibt.

Written by tlow

16. Februar 2019 at 14:32

#KielerHauptbahnhof Vorschläge 2018

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Bekanntlich gibt es eigentlich keine nennenswerten Probleme am Bahnhofsvorplatz (und Platz der Kieler Matrosen) in Kiel. Das hat Ulf Kämpfer vor einiger Zeit auch bestätigt. Es gibt keine erhöhte Kriminalität – lediglich ortsübliche Probleme. Bahnhöfe sind Gegenden mit vielen Menschen, die nur kurze Zeit den Raum nutzen. Viel Anonymität und von daher fühlt niemand sich da wirklich zuhause. In letzter Zeit will die Stadt aber unbedingt (seit der Kommunalwahl) Aktionismus beweisen.

Der neueste Witz sind Vorschläge einer Firma NIT (Institut für Tourismus- und Bäderforschung), die ein „Konzept“ für die Stadt vorgelegt hat.

Nur mal ein paar der größten Kracher:

  • Kameraüberwachung
  • Glasflaschenverbot
  • „An der Nordseite des Hauptbahnhofs, also zum Platz der Kieler Matrosen hin, solle regelmäßig klassische Musik gespielt werden.“
  • „Charme-Schulungen für Taxifahrer“
  • „Das Institut schlägt einen „shared space“ (geteilten Raum) auf dem Sophienblatt vor, auf dem alle Verkehrsteilnehmer gleichberechtigt sind. „
  • „Der Aufenthaltsqualität dienen die Vorschläge, Imbissbuden und Stehtische auf den Platz der Kieler Matrosen zu stellen, Sitzmöglichkeiten zu errichten, Segeldächer aufzuspannen und den Platz farbig zu beleuchten.“

Zur Kameraüberwachung so viel: Nur in Bereichen wo die Kriminalität dauerhaft erhöht ist, dürfen diese im Außenbereich montiert werden. Da das in Kiel nicht der Fall ist, wird dieser Vorschlag absehbar nicht umgesetzt. Das hat auch die KN bereits kommentiert.

Dauerbeschallung mit Klassischer Musik? Oh bitte. Was für eine Zumutung! Glasflaschenverbot? Auf einem öffentlichen Platz? Shared Space? Dieses Konzept ist durchweg gescheitert. wo auch immer es eingesetzt wurde. Vielleicht passt es für ein Dorf, aber nicht für eine Stadt. Können wir das bitte mal sein lassen? Und nicht immer dann hervorzaubern, wenn Planer mal wieder planlos sind? Imbissbuden? Für bessere Aufenthaltsqualität? WTF?

Man merkt schon, dass das NIT keine Stadtplaner sind, sondern wohl eher ein Haufen Dilettanten. Da wird mit zufälligen Vorschlägen wild durcheinander gewürfelt.

Written by tlow

13. November 2018 at 11:55

Flucht und Integration in Zeiten der Globalisierung

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In Deutschland tut man sich immer noch schwer im Umgang mit Einwander*innen und Geflüchteten. Es wirft aber auch ein Schlaglicht auf  die Integration der Arbeitsmigrant*innen in den 50er Jahren. Rechtsradikalismus und die Morde der NSU. Die jahrzehntelange Weigerung sich selbst als Einwanderungsland zu begreifen.

Die aktuelle Umweltpolitik wird den Klimawandel befördern und damit für weitere Migration in die EU sorgen. Die will man aber eigentlich gar nicht haben, sieht aber nicht den Zusammenhang bzw. handelt nicht danach. In Zeiten intoleranter Bevölkerungspolitik entstanden auch z.B. nach dem Ersten Weltkrieg globale Verwerfungen, die zu weiteren Konflikten und Kriegen führten. Wie z.B. auch die Behandlung von Japaner*innen in den USA in den 30er Jahren.

Alle Maßnahmen dürfen nicht alleine aus eine egoistischen, nationalistischen Perspektive betrachtet werden, sondern auch auf ihre weiteren Wirkungen. Weder vor noch nach der Bundestagswahl war das Thema Geflüchtete für deutsche Wähler*innen Thema Nr. 1. Trotzdem bekommt man es täglich aufs Brot geschmiert, als gäbe es nichts Anderes. Und dann darf die AfD auch immer als Oppositionsführungspartei immer als erstes vor die Kamera nach der Regierung. Oder die Wochen, in denen man jeden Tag den Seehofer ertragen musste, wie er Allgemeinplätze bringt oder mit einem Verbalradikalismus oder ausgrenzenden Vorschlägen das gesellschaftliche Klima vergiftet.

Nun die ganzen Pseudoskandale rund ums BAMF, hektische Abschiebungen und Fehlentscheidungen. Oder die Geschichten rund um Anis Amri. Es gibt keine entspannte Debatte darum, welche Bevölkerungspolitik sinnvoll ist. Wie viel Kapazität es in Deutschland wirklich gibt. Da reist ein Steinmeier in den Jordanien, lobt deren Aufnahmebereitschaft. Dabei nehmen solche Länder im Vergleich zu ihrem Bruttosozialprodukt und Größe viel mehr Menschen auf, als ein reiches Land wie Deutschland. Wir müssten es eigentlich eher begrüßen, wenn Jordanien oder auch die Türkei sich stärker abgrenzen und die gleiche Politik machen, wie die Bundesregierung sie für die richtige hält?

Aber es gilt eben: Alle Länder sollen so viele Geflüchtete wie möglich aufnehmen, außer wir selbst. Italien sagt jetzt auch mal konsequent Nein unter einer rechtsradikalen Regierung. Das ist natürlich nach internationalem Recht ein schweres Menschenrechtsverbrechen, das auch bereits 2012 schon ein mal geahndet wurde. Aber es zeigt auch wieder sehr gut, dass es keine Lösungen geben kann auf Basis nationaler Egoismen. Und auch die nordafrikanischen Staaten haben keine Lust für die Europäer Auffangzentren zu etablieren.

Legale Wege und eine Willkommenskultur spielen dabei kaum eine Rolle in der Politik. Eher schon zunehmend auf der Straße, weil die Leute es satt haben, dass die Politik sich nicht um die eigentlichen Probleme kümmert und uns stattdessem Laientheater vorspielt. Die Geflüchteten selbst sind nur Statisten und Verschiebemasse, die an einem Tag hinter Herrn Lindern beim Bäcker stehen müssen oder Schlimmeres….

Die Parteien in Deutschland tun sich da untereinander auch nicht viel. Auch GRÜNE und LINKE mögen sich nicht klar auf eine andere Politik einlassen. Und von der neuen „Sammlungsbewegung“ ist aufgrund der Protagonistin Wagenknecht auch nichts anderes zu erwarten.

Written by tlow

10. August 2018 at 04:55

Realitätsverweigerung beim Thema #Verkehrswende #saubereLuft #Fahrverbote #kwkiel

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Die Kieler SPD hat sich nun zum Thema Fahrverbote positioniert. Wie vielerorten entschied man sich primär zu Kommunzieren:

  1. Wir sind unschuldig
  2. Soll doch die Autoindustrie…
  3. wenn wir was machen soll die Bundesregierung Geld geben…
  4. wir haben ja ganz viel vor / schon gemacht

Grundsätzlich: Ja, es gibt Fahrradwege in Kiel und die SPD hat auch eine zeitlang halbherzig ein Projekt Stadtregionalbahn halbherzig verfolgt. Dinge wie Elektromobilität oder die Umstellung der Busflotte sind sicher auch langfristig interessante Themen. Aber hier scheint etwas sehr Grundsätzliches immer noch nicht angekommen zu sein:

Deutschland und auch Kiel hängen hat beim Thema Verkehr ein echtes Problem. Hier die Pressemitteilung der SPD im vollen Wortlaut:

Wir lehnen Fahrverbote für Dieselfahrzeuge in Kiel weiterhin ab, da sie das Problem nicht lösen, sondern höchstens verlagern. Ein Fahrverbot auf dem Theodor-Heuss-Ring würde zu Ausweichverkehren führen und Schwierigkeiten an anderer Stelle verursachen.

Vielmehr ist die Autoindustrie gefordert, Lösungen zu entwickeln, damit die geltenden Grenzwerte eingehalten werden.

Die Bundesregierung muss dafür sorgen, dass die Fahrzeughersteller Maßnahmen wie eine Umrüstung der Hardware ergreifen, um den Schadstoffausstoß der Autos zu verringern.

Es ist uns wichtig, die Grenzwerte für Luftbelastung einzuhalten. Statt Fahrverboten unterstützen wir aber Maßnahmen, die den öffentlichen Verkehr und den Rad- und Fußverkehr stärken. Der Oberbürgermeister hat gemeinsam mit uns bereits wichtige Schritte eingeleitet, um die Luftqualität zu verbessern. Wir unterstützen ausdrücklich den Kurs des Oberbürgermeisters. Die SPD hat sich immer für das moderne Nahverkehrsmittel der Stadtbahn in Kiel eingesetzt, die die Luftqualität verbessert und eine alternative komfortable und alltagstaugliche Fortbewegungsmöglichkeit schafft.

Dies erklären zum Urteil des Bundesverwaltungsgerichts zu Fahrverboten in Städten der Vorsitzende der SPD-Ratsfraktion Dr. Hans-Friedrich Traulsen und der Vorsitzende des SPD-Kreisverbandes Kiel Jürgen Weber.

Der Satz „Wir lehnen Fahrverbote für Dieselfahrzeuge in Kiel weiterhin ab“ als allererstes macht eins klar: Die SPD will keine Probleme lösen und sie schert sich einen Dreck um die Betroffenen. Es ist Ihnen sch…egal welche Folgen die Luftverschmutzung hat. Wie bereits in den letzten fast 20 Jahren, seitdem die EU-Regeln zur Luftreinhaltung gelten. Und hier gehts um die konkrete Gesundheit tausender Menschen. Aber ebenso wie beim Thema Tempolimit: Bloß nicht die Autoverkehr blockieren oder irgend welche Dieselfahrer aufregen. Schon gar nicht so kurz vor den Kommunalwahlen.

Die Kalkulation ist, dass mehr Wähler*innen gegen Fahrverbote sind, als für saubere Luft. Dabei ist klar: Es ging nie darum, das Fahrverbote alternativlos wären. Die SPD macht daraus ein: Entweder Fahrverbote oder Lösungen der Autoindustrie. Dabei geht es hier jetzt nur um die aktuell hohen Grenzwerte für Stickoxide. Feinstaub und Kohlendioxid als Klimagas wären auch ein Thema. Immer noch ist die Ansicht weit verbreitet, dass der Autoverkehr für die Städte unabdingbar ist.  Dabei ersticken unsere Städte am Autoverkehr.

London hat es geschafft durch eine City-Maut den Autoverkehr in der Innenstadt um 60% zu senken. Auch Tempolimits wären möglich. Aber die SPD will lieber gar nichts machen und weiter wie bisher auf Zeit spielen. Das muss man so beim Namen nennen, wie es ist. Das Urteil in Leipzig, dass Fahrverbote legitim wären besagt folgendes: Ja, selbst Fahrverbote wären erlaubt als Mittel der Kommunen, um die Schadstoffgrenzwerte einzuhalten. Die Kommunen sind in der Pflicht und können sich nicht auf die Verantwortlichkeit der Autoindustrie und Bundesregierung zurückziehen. Die DHU selbst hat nie das Ziel von Fahrverboten verfolgt. Hier wird wohl bewusst missverstanden und auf ohnmächtig gemacht, damit man nicht handeln muss. Tot stellen gilt aber nicht und hilft niemanden.

Letztlich sehe ich jetzt die Zeitschiene bis zur Kommunalwahl, dass Parteien Vorschläge machen, wie man denn mit dem Thema Verkehr umgeht. Bisher steckt die SPD den Kopf in den Sand. Das ist nicht gut genug. Das ist gar nichts. Wer sich so darstellt hat es auch nicht verdient gewählt zu werden. Die Kieler Politik darf nicht weiter warten, sondern konkrete Maßnahmen vorschlagen oder umsetzen. Auch wenn es nur testweise wäre. Tut sie das nicht, handelt sie nicht nur gegen geltende Gesetze, sondern schützt nicht die eigenen Einwohner*innen. 2018 sollte so eine Denke passé sein.

Witzig klingt für mich immer, wenn das Erste was den Politiker*innen einfällt dass die Busse sind. So als ob der ÖPNV Hauptverursacher wäre. Es ist ja ok über neue Antriebe nachzudenken und damit zu experimentieren. Aber man sollte schon wissen wer eigentlich die Suppe versalzen hat, bevor man mit Finger auf den ÖPNV zeigt. Es gibt viele mögliche Lösungen. Kiel will doch immer kreativ sein, dann fangt endlich damit an!

Written by tlow

3. März 2018 at 22:49

Kiel neidisch auf Hamburg? #G20 Antrag von SPD und SSW

Über Twitter wurde ich auf einen Antrag der Kieler Kooperation aufmerksam:

Der Antrag heißt „Gewalt während des G20-Gipfels 2017: Solidarität mit Polizei und Rettungskräften und den friedlichen Einwohnerinnen und Einwohnern Hamburgs“ (Drucksache – 0717/2017)

Man wundert sich: Sind wir etwa in  Hamburg? Sind wir noch während der Olympia-Phase, bei der sich Kiel zusammen mit Hamburg beworben hatte? Der erste Satz des Antrages lautet:

Die Ratsversammlung der Landeshauptstadt Kiel verurteilt mit aller Schärfe die Gewalttätigkeiten und Plündereien während des G20-Gipfels 2017 in der Freien und Hansestadt Hamburg, die mit der Landeshauptstadt Kiel nachbarlich und durch konkrete Zusammenarbeit partnerschaftlich verbunden ist.

Gegen gute Nachbarschaft ist ja nun erst mal nichts einzuwenden . Aber was kommt als nächstes? Anträge zu besserem Nahverkehr in Hamburg? Lob für die Elbphilharmonie? Also mal ganz unabhängig vom Inhalt ist es doch sehr fragwürdig, warum man sich überhaupt auf der Ebene der Selbstverwaltung mit hamburger Themen auseinandersetzt. Das kann nicht mit der bundespolitischen Bedeutung erklärt  werden. Da käme man sonst aus den Statements machen gar nicht mehr heraus.

Offenbar entworfen vom gescheiterten Ratsherrn Falk Stadelmann (SPD) ist dieser Text vor allem eines: Ein Zeugnis des Wegschauens. Denn neben der Gewalt, die Sachen  und Polizisten erlebt haben, gab es auch ein hohes Maß an gezielter Gewalt gegen Journalist*innen und Demonstrant*innen. Das ist alles vielfach dokumentiert und nachgewiesen. Wer bei der Gesamtkritik an dem, was zum G20 passiert ist, diese Vielzahl an Grundrechtsverletzungen negiert: Darunter auch der Bericht eine Reisegruppe der Falken aus NRW – einer immehin SPD-nahen Jugenorganisation,

der steht dem Gedanken einer offenen und lebendigen Demokratie nicht so nahe, wie der Vorstellung eines Law & Order-Staates nach dem Muster von Putin oder Erdogan. Wer den Missbrauch an Jugendlichen beklatscht, muss als pervers  bezeichnet werden.

Wie im übrigen auch in Hamburg und bundesweit gibt es vielfach seitens der Politik wenig Interesse an einer echten  Aufklärung der Ursachen und dessen, was wirklich passiert ist. Da wird z.B. gerne der Linksextremismus und dem Schwarzen Block verwiesen. Hinweise darauf, dass viele Aktionen durchaus von Anwohner*innen oder frustrierten Jugendlichen ausgingen, ignoriert man dann lieber.

Man will ganz offenbar die Stimmung seitens der SPD gegen über der radikalen Linken in Kiel verschärfen. Offenbar vermisst die SPD es, das es in Kiel bisher keine Aktionen wie in Hamburg zum G20 gegeben hat. Da muss sich doch was  machen lassen? Der Antrag ist dazu las Provokation gedacht, ähnliche Aktionen in Kiel hervorzurufen. Das fasst man sich an den Kopf und fragt sich, warum man sowas unbedingt haben will, wenn man doch in dem Antrag genau das bedauert, was man versucht nach Kiel zu holen?

Vielleicht ist es der Frust eines gescheiterten SPD-Karrieristen, der sich versucht zur kommenden Kommunalwahl 2018 in  Stellung zu bringen. Denn substanziell enthält dieses Bekenntnis wenig Substanz. Es wird die Ratsversammlung beschäftigen. Erst vor kurzem hat Kanzlerkandidat Schulz die Linkspartei bei der „Ehe für alle“ dazu benutzt Mehrheiten abseits der Großen Koalition zu schaffen. Und damit die Vermutung genährt, die SPD wolle in der nächsten  Legislatur statt als Juniorpartner der CDU lieber einmal Rot-Rot-Grün ausprobieren. Dieser Antrag in Kiel scheint dazu der Gegenentwurf zu sein . Ohne die Linkspartei konkret zu benennen, versucht er doch die alte Angst vor den Sozialisten und dem Linksextremismus zu schüren und sich damit dagegen abzugrenzen.

Vielleicht ist das Ganze daher auch mehr als parteiinterner Kampf zwischen Rechten und Linken in der SPD zu sehen, die im Bundestaǵswahlkampf doch auch mit Schulz merkeliche Schwierigkeiten hat, an Boden zu gewinnen?

Ich kann mir eigentlich  nicht vorstellen, dass sich andere Parteien im Kieler Rat diesem gequirlten Quark anschließen werden, nur um Herrn Stadelmann seinen Ruf zu retten, oder irgend einem der SPD-Parteiflügel auf die Sprünge zu helfen.

 

Written by tlow

19. Juli 2017 at 06:50

#G20 Aftermath 2

Im Nachgang zum Gipfel gab es verschiedene Sichtweisen und Kritiken. Nach meinem ersten Artikel noch einige weitere Einsichten:

  • Olaf Schulz hat sich in einer Regierungserklärung bei den Hamburger Bürger*innen entschuldigt. Allerdings vermied er es eigene Fehler zuzugeben. Er bemühte sich doch recht schnell sämtliche Probleme auf eine relativ kleine Gruppe an Randalierern festzumachen. Ansonsten wäre ja eigentlich alles cool. Er sprach nicht die vielfältigen offene Fragen zum Einsatz der Polizei an. Für die gab es nichts als Lob.

  • Es gab Schwarze Liste von Journalisten, die vom offiziellen Pressezentrum durch Entzug ihrer Akkreditierung ausgeschlossen wurden. Der Vorwurf steht im Raum, dass dies aufgrund des Wunsches der türkischen Regierung passierte.  Was sagt das über den Status unserer Pressefreiheit aus? Was passiert da hinter den Kulissen und welchen Stellenwert hat Pressefreiheit noch für die Bundesregierung?

  • Ein Problem für die Gruppe der Autonomen ist, dass die Handlungen, die passieren von Menschen, die sich schwarz verkleiden von jedem begangen werden können. Es sind keine Uniformen. Jeder kann schwarz tragen. Aber alles, was von jemand, der sich deutlich sichtbar auf eine bestimmte Art kleidet wird immer der difusen Gruppe der Autonomen angelastet werden. Das Problem haben sie sich selber zuzuschreiben aufgrund selbst gewählter Aktionsformen. Aber fakt ist, das solange niemand auf frischer Tat ertappt ist, auch niemand weiß, was im Kopf von jemandem vorgeht, bzw. wer er ist und was sein  Background ist. Die „Beweisvideos“ im Internet für das Umkleiden zeigen im Grunde auch nur sehr wenig (zudem geschnitten) .  Wer jetzt was leugnet oder sich zu was bekennen mag oder auch nicht, ist ein weites Feld. Möglich auch, dass sich ganz andere Gruppen von rechts oder staatlicher Seits („false flag„, „Agent provocateur„) untermischen mit ihrer eigenen Agenda. Hat es alles schon gegeben, z.B in Heilgendamm.

  • Auch wieder wird das Argument ins Feld geführt, dass solche Großevents in Städten durchgeführt werden müssen, bzw. das man die Argumente dagegen nicht ernst nehmen dürfe. Letztendlich heißt das, dass sich alles im Leben der Menschen den Erfordernissen der Mächtigen unterordenen muss. Genau wie bei Stuttgart 21 oder anderen Großprojeḱten. Ob jemand S21 oder G20 braucht wird gar nicht diskutiert. Man muss es durchführen, weil die Durchführung möglich sein muss. Eine Argumentation aus sich selbst heraus und im luftleeren Raum.

Zusammenfassend:

Was in Hamburg von wem gemacht wurde ist bis heute unklar. Die Forderungen aber  werden schon erhoben, bevor das klar ist. Wie so oft, stören Fakten in den Augen mancher einfach das schöne Bild. Hamburg bräuchte wirklich eine umfassende Aufklärung der Ereignisse von der Entscheidung den Gipfel durchzuführen bis zum Abschluss. Es ust zu viel passiert.

Written by tlow

13. Juli 2017 at 05:47

Veröffentlicht in Allgemein, Deutschland, Grundrechte

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