KielKontrovers

Gesellschaftliches aus Kiel und Schleswig-Holstein

Archive for the ‘Kultur’ Category

#JanesWalk in Kiel 2017, …

Am Freitag 5. Mai und am Samstag 6. Mai fanden zwei Jane’s Walks in Kiel statt. Mit  ca. 16 und 12 TeilnehmerInnen waren sie einigermaßen gut besucht. Aber was ist überhaupt ein Jane’s Walk.

Die Spaziergänge finden in Erinnerung an „Jane Jacobs statt. Einer einflußreichen Architekturkritikerin, die insbesondere mit ihrem Werk Tod und Leben großer amerikanischer Städte und ihrem Engagement gegen Highwayneubauten im Zentrum von New York einen großen Einfluß auf viele Städteplaner und Architekten hatte. Heute ist ihre Bedeutung und Einfluß sogar eventuell noch größer. Denn ihre Ideen waren ihrer Zeit weit voraus. Auch wenn manche Sichtweisen bei Erscheinen ihres Buches von manchen als rückständig angesehen wurden. Denn sie war kein Fan von Neubauten. Eine Durchmischung von Alt und Neu war aus ihrer Sicht wichtig für eine funktionierende Stadt. Überhaupt: „funktionieren“. Bedeutete für sie mehr als nur, dass Menschen aus ihren Schlafstädten zur Arbeit und zurück kamen. Es ging ihr auch um  das Leben auf der Straße. Straßen auf denen man sich gerne aufhalten und verweilen  möchte. Auf denen man gerne Spazieren geht, sich trifft, spielt und vor allem anderen Leuten zuschaut.

Ich selbst bin vor vielen Jahren ein mal über das Buch Tod und Leben großer amerikanischer Städte in der  Kieler Stadtbücherei gestolpert und stellte fest, dass es wohl seit sehr vielen Jahren kaum ausgeliehen wurde. Überhaupt: Bei dem  Namen Jane Jacobs ist bei vielen Leuten nur ein großes Fragezeichen. Nie gehört. Aber wie kommt das? Mit Sicherheit muss man sie zu den ganz großen Zählen. Oft wurde sie als „Hausfrau“ verspottet, da sie zum Zeitpunkt ihrer Veröffentlichungen keine hohe Position im Kreise der Architekten und keine universitäre Ausbildung hatte.

Jane Jacobs 10 Big Ideas

 Wer kann so einen Spaziergang anbieten?

Eigentlich jede/r. Man sollte sich aber vorher die Ideen von Jane Jacobs angeschaut habt. Es geht aber nicht so sehr darum, dass die Spaziergänge von Experten angeboten werden. Jane Jacobs sagte immer, dass jede/r eine Expertin ist. Es geht darum Sichtweisen zu teilen und Raum zu bieten für Diskussionen. Und das Ganze eben in Form eines Spaziergangs. Dabei können diese sich um ein Thema drehen, müssen es aber auch nicht.

Wer so etwas anbieten will, egal zu welchem Zeitpunkt, kann sich auf der Seite vom Jane’s Walk registrieren. Und ihr könnt mich direkt ansprechen. Wir haben bei den zwei Walks dieses Jahr auch vorher ein Treffen gemacht. Mehr Treffen – vielleicht auch in Form eines Spaziergangs – wären möglich.

Zeitungsartikel Scan

Artikel in der Kieler Nachrichten zum Jane’s Walk 2017 in der Brunswik. Walk-Leader war Jens-Olaf Beismann

Als Korrektur zum Artikel: Der erste Kieler Jane’s Walk wurde 2016 in Kiel-Gaarden durchgeführt.

Aktuell habe ich die Rolle des City Organizers übernommen. Bei Interesse an eigenen Walks einfach Kontakt aufnehmen. Die können und sollen auch das ganze Jahr stattfinden. Email janeswalkkiel AT alterativnet.de

Bericht zu erstem #JanesWalk in #Kiel

with one comment

jw_10_logo_smallIn Deutschland ist Jane Jacobs vielen nicht bekannt. Eher schon sozusagen den europäische Counterpart Lucius Burckhardt. Sie war eine großartige Kämpferin für Städte die menschengerecht sind. So half sie, dass Manhattan nicht weitere Stadtteile an weitere Schnellstraßen verlor. Ihr bekanntestestes Buch war auch gleichzeitig ihr erstes: „Tod und Leben großer amerikanischer Städte“

Zu Ehren von Jane Jacobs und ihrem Wirken werden weltweit die sog. Jane’s Walks durchgeführt. In manchen Städten finden sogar mehrere hundert Spaziergänge statt. Diese decken mehrere Orte und Themen ab. Es geht auch um Stadtplanung von unten von den „Experten“ (in dem Sinne die Anwohner*innen!)

Dieses Jahr gab es in Deutschland außer in Kiel lediglich in Leipzig und Bochum einen Spaziergang. Ich hatte mich entschieden dieses Jahr für Kiel-Gaarden  einen Spaziergang zu organisieren, um die Ideen vorzustellen und auch, um es zu nutzen mit einem Nachbarschaftsspaziergang Leute aus dem Viertel anzusprechen, ebenso wie Leute aus anderen Stadtteilen.

Insgesamt 12 Bürger*innen (davon auch aus jeweils einer aus Ellerbek, Brunswik und Südfriedhof). Ich hoffe nicht zu viele waren am falschen Ort, weil ich erst tage vorher feststellte, dass auf Ostufer Kiel war eine falsche Startadresse angegeben, die aber nicht von mir kam. Aber man kann leider nicht gleichzeitig an zwei verschiedenen Orten sein. Vielleicht wären es so auch noch mehr Teilnehmer*innen gewesen.

Wir starteten vor der Werftapotheke, weil hier das Zentrum von Gaarden startet (also Elisabeth- Ecke Augusten- oder Norddeutsche Straße) und weil hier die Bürgersteige besonders breit sind. Was Frau Jacobs als einen wichtigen Faktor für funktionierende Straßen ansah: Man kann sich dort versammeln und dennoch können Passanten aneinander vorbeigehen. Es kann viel dort stattfinden und es macht Spaß dort spazieren zu gehen.

Der weitere Weg führte über den Vinetaplatz und dann via Wikingerstraße durch den Gustav-Schatz-Hof und unter dem Fußgängertunnel im Ostring zu dem derzeit geschlossenen Freibad Katzheide. Letzteres ist ein Skandal für sich, unabhängig von den weiteren Plänen der Stadt Kiel. Der Ortsbeirat wurde so informiert, dass Katzheide gleichzeitig mit der Strandsaison geöffnet wird. Ohne weitere Erklärung. Es schein also keine technischen Gründe zu geben. Und offenbar versteht man nicht, dass der eigentliche Vorteil von Katzheide ist, dass es weit vor den Stränden warmes Wasser haben kann! ein heißes Mai-Wochenende. Überall sind die Freibäder auf, außer in Kiel. Es zeigt wieder wie weit die Stadt von den Bürger*innen, vom Menschen entfernt ist. Ein Datum, was scheinbar beliebig festgelegt wird. Und das ist auch einer der Gründe, warum Besucherzahlen zurückgehen. Während wir davor standen, kamen auch einige Leute, um sich über die Öffnungszeiten zu informieren. Zu finden war aber nur ein Plakat aus dem Jahre 2015. Offenbar findet man es dieses Jahr wieder nicht nötig die potentiellen Besucher*innen ausreichend zu informieren.

Der Fußgängertunnel erlaubt dem Autoverkehr auf dem Ostring ungebremst durchzufahren, schafft aber auch einen Angstraum für Fußgänger und stellt auch ein gewisses Hindernis dar, da man Höhenunterschiede überwinden muss (insbesondere für Rollstuhlfahrer). Es wurde auch erwähnt, dass die Veloroute für Fahrräder hier durchführt, obgleich es ein Fußweg ist. Der Ostring durchschneidet Gaarden nicht nur an dieser Stelle. Ein Bau der Umgehung Südspange-Gaarden wird den Verkehr hier sicher vervielfachen.

Weiter ging es über die Hans-Christian-Andersen-Schule und die Medusastraße in den Medusahof und via Kaiserstraße zum Karlstal.

Abgeschlossen wurde der Spaziergang auf dem Rückweg an der Bushaltestelle vor der großen Fotowand, die inzwischen in Teilen schon stark beschädigt ist. Und wozu es von den Teinehmer*innen unterschiedliche Meinungen gab.

Mit einer verkleinerten Gruppe besuchten wir dann noch die aktuelle Ausstellung im ehemaligen Schlecker-Markt, der von der K34 bespielt wird.

Insgesamt dauerte der Spaziergang, so wie ich es auch eingeschätzt hatte ca. 1 1/2 Stunden. Ich hatte mich darauf insoweit mehr auf die Inhalte von Jane Jacobs vorbereitet und weniger konkret zu den Orten in Gaarden. Auf der Tour vermisste ich, dass es keine Teilnehmer der Generation 70plus gab, so dass z.B. niemand etwas zum ehemaligen Star-Palast sagen konnte. Vermutlich war diese schon zu früh geschlossen für die meisten Anwesenden.

Dies war auch der erste Spaziergang, den ich je geleitet habe und somit auch mein erster Jane’s Walk. In der Nachbetrachtung hätte ich dann dich gerne einiges mehr recherchiert. Da habe ich zu sehr darauf gesetzt, dass die Gaardener*innen sich mehr einbringen. Aber insgesamt war es schon angemessen und natürlich das beste Wetter, was man sich wünschen kann.

Es geht bei den Jane’s Walks ja nicht so sehr um eine fertige Touristenführung als viel mehr darum, dass sich Bewohner*innen eines Viertels begegnen und gleichzeitig Besucher*innen von außerhalb den Stadtteil kennenlernen. Je weniger da vorgegeben ist, desto mehr können Teilnehmer sich einbringen und desto variabler ist der Spaziergang.

Sicher wird das nicht mein letzter Spaziergang sein, den ich anbiete, weil er eine nette Möglichkeit darstellt Gespräche, Beobachtung, Begegnung und Freizeit miteinander zu verbinden.

Als nächste Themen bieten sich an: Radverkehr in Gaarden, die Südspange Gaarden und Kai-City und der Neubau des Zentralbades. Vermutlich dann ab Juni wieder.

Als einzigster Spaziergang in meiner stadt bin ich irgend wie automatisch zum City Organizer für Kiel geworden. Wer also selbst etwas anmelden möchte, auch außerhalb dieser Aktionstage, kann sich gerne registrieren und einen Spaziergang anmelden.

Das Kreuz mit der #Kreativität #kulturwirtschaft

with 3 comments

Früher nannte man es „Kultur“, heute wird „Kreativitär“ als universeller Konkurrenzfaktor zwischen Städten und Regionen betrachtet. Ein Licht wirft darauf der aktuelle Artikel in der SHZ „Attraktive Stadt: Werbung für den kreativen Archipel„. Der ideologische Hintergrund ist die Ideologie, dass der Einzelne der Motor für die Gesellschaft ist. Im Kern die Ideologie des „Objektivismus“ von  Ayn Rand.

Alles was mit bestehenden realen Ressourcen zum Anfassen arbeitet, ist stärker im Wachstum begrenzt. So war z.B. zu Präsident Clintons Zeiten die New Economy besonders beliebt und gefördert. Das Internet versprach als eigene Welt, als New World ein unbegrenztes Wachstum. Man war der Meinung, dass das Wachstum hier keine weitere Wirtschaftsblase sein könne. In den 2000er Jahren stellte sich dann doch heraus, dass auch hier die Bäume nicht in den Himmel wachsen.

Genau so stellt auch die Kulturwirtschaft, die im Blairschen Großbritannien als Begriff an Populariät gewann eine Projektionsfläche für Politikerphantasien dar.

In dem SHZ-Artikel spricht bezeichnender weise der Geschäftsführer der Kieler Wirtschaftsförderung:

Von Musik bis zu Literatur, von Architektur über Werbung zur Darstellenden Kunst – Kiel kann vom „Output“ seiner drei Universitäten zehren. Insbesondere von Design und Software-Entwicklung verspricht sich Kässens starke Impulse für die Marke Kiel.

„Marke“ – darauf wird alles reduziert. Das ist kein Begriff aus der Kultur. Es ist eine Verengung auf die wirtschaftlich Ausbeutbarkeit kreativer Tätigkeiten. Bezeichnender weise hat Kiel vor einiger Zeit den letzten  Platz der 30 größten Städte Deutschlands bei der Kultur eingenommen.

Bei der Kulturwirtschaft wird gerne der Begriff der „Künstlerischen Intervention“ genannt. Hier wird versucht Probleme mit einem künstlerischen Ansatz „von außen“ zu lösen. Bei Social Entrepreneurship wird wiederum versucht soziale Probleme mit marktwirtschaftlichen Ansätzen zu lösen.

Und wenn wir mal konkret werden, so gab es zwei Projekte, in der Sie Stadt ein wenig Freiraum gegeben hat für „Kreative“. Das eine war die Lessinghalle und das andere war/ist die Alte Muthesiusschule („Alte Mu“).

Man hat sogar einige hübsche Werbevideos gemacht:

Aus Kiel:

Aus der Region:

Dabei erscheint diese Bewegung im hohen Maße selbstreferenziell. Man erdenkt einen neuen Begriff wie Kultur- und Kreaktivwirtschaft, macht Veranstaltungen dazu und stellt selber die Videos her, um den Prozess zu dokumentieren und zu bewerben. Nutzt dabei aber die Möglichkeiten der Werbung, um in den Videos stilistisch eine investigative Note einzubringen, die in ihrer Stupidität aber eher offenbarend ist.

Gemein ist diesen Ansätzen, dass sie nicht etwa die Kassen öffnen für Kultur und Kunst. Es geht mehr darum Künstler und Kunst zu benutzen für Firmen oder für Marken wie „Kiel“, „FH“, „Uni Kiel“. Die Aktiven und Propagandisten haben dabei auch brav ihre Lektion gelernt. Der Witz dabei ist: Nichts könnte tödlicher sein für so etwas wie Kreativität als eine Verengung auf dern Nutzen, ihren Marktwert. Aber es geht im Grunde um nichts anderes. Man schafft Freiräume und Möglichkeiten, aber nur um dann auch den Ertrag abzuschöpfen. Daher sind Projekte wie die „Alte Mu“ oder die Lessinghalle auch immer nur auf Zeit als Zwischennutzung angelegt. Zumeist junge Leute werden aus meiner Sicht benutzt, um neue Projekte zu starten, dass sich eine Szene bildet. Dann werden die Schwachen und unkommerziellen Projekte aussortiert, z.B. auch dadurch, dass man diese Freiräume wieder schließt und abreisst – und wer überlebt kommt eine Runde weiter. Eine enge Beziehung zwischen Stadt, Wirtschaftsförderung und Wirtschaft auf der einen Seite und den dominierenden Kräften der „Kreativen Klasse“ auf der anderen Seite ist dabei wichtig. Vor allem als Rechtfertigung für den Staat, diese Politik so zu machen, wie er es eben tut. Wichtig also auch dabei die „Kreativen“ zu spalten, was am besten dadurch geht, dass man Einzelpersonen heraushebt oder Strukturen schafft, die dann Ansprechpartner werden. Demokratie ist dabei oft nur im Weg – da könnte dann ja jeder mitreden.

Wenn wir uns noch mal die Substanz des SHZ-Artikel anschauen. Was kommt dabei für die Kultur rüber? Nichts mehr als eine weitere Broschüre für die Papiertonne! Und dieses Zitat ist auch göttlich:

Volle Kraft voraus für den „kreativen Archipel“. Wie es heißt, heimsen in Kiel viele kluge Köpfe renommierte Preise ein, nur weiß es kaum jemand. Dieses Understatement aber, diese Bescheidenheit, empfinden alle Beteiligten als „geschäftsschädigend“.

So viele Worte. Offenbar ist „Kreativer Archipel“ jetzt auch so ein Modewort geworden. Ich muss da ja eher an den „Der Archipel Gulag“ denken. Eine wirklich wunderbare Assoziation, die man da unbeabsichtigt mit eingeschleust hat. Wenn also die Gesellschaft die Preise, die man sich selbst verleiht, nicht mit Applaus und Begeisterung würdigt, so handelt die Gesellschaft also „geschäftsschädigend“. Eine Wahrnehmung wie die eines Kindes, das einen Sandkuchen „gebacken“ hat und enttäuscht ist, dass die Eltern nicht jedes mal in Begeisterung ausbrechen.

Eine eine Ideologie, die aus Sand gebaut ist. Eine weitere Blase, eine weitere Illusion, die als einziges Ziel hat für den existierenden Kapitalismus lebensverlängernd zu wirken. Kreativität nutzen, um die eigene Ideenlosigkeit zu kaschieren. Schon alleine die Idee der Kreativitätsförderung ist absurd. Deren Ausbeutung als wirtschaftlicher Rohstoff aber ist pervers!

In Kiel tut sich einiges bei Kaffee

with 3 comments

Vor ein paar Jahren gabs, was Kaffee angeht eigentlich nur eine Größe: Das Kaffee- und Teegeschäft von Heyck mit eigener Rösterei in der Faulstraße. Ein innen und außen altmodisches Geschäft, bei dem man auf eher klassische Art bedient wurde. D.h. vom Tresen zum Kunden. Abgesehen mal von diversen Schokoladen und Tässchen und Kännchen, die da herumstehen. Den Geruch habe ich schon als Kind „mit der Muttermilch“ aufgenommen und wurde so früh zum Kaffeefan.

Dann gab es plötzlich auch Kaffee auf den Wochenmärkten. Allerdings musste ich ein wenig den Kopf schütteln wenn ich auf dem Exer bei Minustemperaturen die Schlangen vor Loppokaffeeexpress sah. Nicht weil ich mir nicht vorstellen konnte, dass der Kaffee schmeckt, sondern wegen der Ausdauer der Leute für einen oft kleinen Schluck Kaffee. Für mich hatte Kaffee immer eher etwas mit Sitzen und Gemütlichkeit zutun.

Wobei es in Italien z.B, durchaus üblich ist in einer Bar reinzuspazieren und den Espresso schnell wegzukippen und wieder zu verschwinden. Angeblich kommt die Gewohnheit noch aus der Zeit, da die Espressomaschinen auch gerne mal explodierten (wie ja auch zu der Zeit gerne mal die Dampfmaschinen).

Mittlerweile hat Loppokaffeeexpress eine eigene Rösterei mit Cafe im Grasweg. Da wurde und wird dann auch als i-Tüpfelchen die Kaffeekunst zelebriert.

Dann gabs auch irgendwann neu das Resonanz in der Mittelstraße auch mit etwas exotischerer Kaffeezubereitung. Die Macher haben nun auch in der Möllingstraße das Bakeliet gegründet.

Nicht unerwähnt möchte ich auch meinen Laden BioGaarden lassen, in dem es meine ich als einzigen Bioladen in Kiel frisch gemahlenen Kaffee gibt z.Zt. von Aroma Zapatista, Loppokaffeeexpress und Maya Kaffee.

Und es gibt im Jungfernstieg neu das Cafe Liebling, die auch Kaffee von anbieten Loppokaffeeexpress .

Ich lasse jetzt mal die Kaffeeketten und größeren Läden wie Starbucks, Campus Suite, Charmissimo weg. Dort wurde zwar auch viel Cafe serviert, aber eher im Rahmen einer bundesweiten Bewegung. Und das ganze oft auch eher lustlos und zu professionell.

Vielleicht kann mans auch übertreiben mit dem Kaffee-Kult. Aber es hat ja auch was von „Leben genießen“ anstatt nur konsumieren. Auf das richtige Maß kommt es eben an.

Written by tlow

10. August 2015 at 20:04

#UrbanGardening Veranstaltung in der #AlteMu 14. Juni

with 3 comments

Etwas gewöhnungsbedürftig war die Veranstaltung „Rund Beet Kiel“ am 14 Juni in der „Alten Mu“ (=ehem. Räume der Muthesius Kunsthochschule). Angefangen mit dem Auftritt des großen Zampano Peter Todeskino die kaum bis gar keinen Sinn ergab. Man wusste nicht, ob er nun provozieren wollte oder nur unglücklich formulierte, wenn er die Kieler Urban Gardening Projekte als „nette Stolpersteine“ in Kiel bezeichnete.

Todeskino_Rundbeet

Peter Todeskino (rechts) eröffnete das Event

Aber so geht einem das häufig, wenn man Politikern mal richtig zuhört. oft eine Aneinanderkettung von Worten ohne viel Sinn. Das toppte dann auch die folgende Rednerin Dr. Karen Meyer-Rebentisch, die in ihrem Vortrag mehrfach zwischen „Urban Gardening“ sei etwas „ganz Neues“ und „nichts Neues“ hin und herwechselte, das einem ganz schwindlig wurde.

Wie man auf dem Foto sieht, beschäftigten sich die Leute dann lieber mit ihren Handies, weil der Vortrag doch sehr lange dauerte und auch keinen Kiel-Bezug hatte.

Wie man auf dem Foto sieht, beschäftigten sich die Leute dann lieber mit ihren Handies, weil der Vortrag doch sehr lange dauerte und auch keinen Kiel-Bezug hatte.

Ich assozierte dazu die Paris-Erzählung von Helge Schneider:

Was ist eigentlich Urban Gardening und wann hat es nun wirklich angefangen?

Da kann man verschiedene Punkte nehmen. Manche sagen bereits im antiken Ägypten habe man in den ersten Städten bereits Prinzipien des Anbaus von Obst, Gemüse und Kräutern genutzt. Dann natürlich die neulich hier schon beschrieben Gartenstadt-Bewegung (20er Jahre), oder auch eher mit dem Schwerpunkt Guerilla Gardening Anfang der 70er Jahre aus den USA kommend. Auch Elemente der Permakultur spielen eine Rolle, wo es meist um höheren Ertrag auf geringer Fläche geht und die Nutzung der vorhandenen Elemente (ob nun innerhalb oder außerhalb von Städten). Oder mit dem Satz „Alles Gärtnert“ könnte man auch sagen, dass wesentliche Elemente auch schon vor und ohne den Menschen stattgefunden haben. Kurz gesagt: Urban Gardening ist weder neu, noch etwas besonderes. Am ehesten würde ich die heutige Definition eher an den Begriff des „Guerilla Gardenings“ anknüpfen wollen, wenn es darum geht zu erklären, was heute neu und anders geht. Und dazu kann man den Kontrast bilden zu der Autogerechten Stadt, zu regulierten und betonierten Flächen, Zum Verschwinden von Gartenflächen aus dem Stadtbild durch Überbauung mit Möbelhäusern, etc. In vielen Megastädten ist dieses moderne Urban Gardening denn auch eine Art Notwehr gegen eine unerbittliche Flächenversiegelung. Letztlich kann sich jeder die Definition nehmen, die ihm passt. Aus Sicht von Städten und offizieller Seite wird sicher das illegale Gärtnern, das Bepflanzen öffentlicher Flächen weniger gern gesehen, wenngleich es manchmal toleriert wird. All zu oft aber aus Prinzip bekämpft. Ein wichtiges gesellschaftliches Element sind die Gemeinschaftsgärten oder Community Gardens, der Aspekt, dass man gemeinsam gärtnert. Das ist für viele Leute in der heutigen Zeit eh bereits bedeutend, weil auch die Freizeit immer stärker segmentiert wird und dadurch die kontinuierliche Pflege von Gärten gar nicht mehr so einfach ist. Gemeinsam anbauen und gemeinsam ernten ist da eine gute Möglichkeit, wenngleich es dabei dann sehr darauf ankommt,sich gut abzustimmen. Wer tut wie viel und wer darf was ernten? Anders als z.B. nach dem Krieg besteht in Deutschland heute oft gar keine Notwendigkeit des Gärtnerns um zu überleben. Man gibt da lieber mehr Geld für Fertigprodukte aus, als selbst Monate an Zeit in Boden und Pflanzen zu investieren. Aber das eigene Gärtnern kommt wieder als Rückbesinnung und gerade weil Fertigprodukte  heute so omnipräsent sind, macht vielen das selber machen, selber kochen wieder mehr Spaß. Es ist allerdings in Deutschland keine Bewegung von Unten, es sind keine Armengärten und sie dienen meist nicht der Reduzierung von Armut.

Weiter zur Veranstaltung

Man hatte sich wirklich viel Mühe gegeben. Aber es war doch sehr durcheinander und weitläufig. Die ganzen Gartenprojekte kann man positiv betrachten. Das macht Spaß zu schauen, was sich da tut. Aber das Meiste ist eher selbstorganisiert und hat wenig mit der Kieler Stadtpolitik zutun. Hier noch eine kleine Auswahl weniger bekannter Beispiele:

Atelier Mümelade
Wenn ich es richtig verstanden habe bietet das Atelier (Kunst)-Workshops für Kinder. Am Sonntag waren das dann meine geliebten Samenbomben/Seedbombs. Ich habe mich da als Nicht-Kind aber mal nicht beteiligt.

Atelier Mümelade

Samenbomben bei Atelier Mümelade

Samenbomben bei Atelier Mümelade

Und Pilzzucht als SoLawi in Kronshagen („Genuss aus Kronshagen„):

Pilzzzucht aus Kronshagen

Bedarf an Austausch und Vernetzung besteht definitv. Bei manchen habe ich mich aber gefragt, wie die da reingeraten sind. Wie z.B. bei den netten Leuten von Jardinyo.de. Kann man ja alles machen, aber irgendwie passte so ein Startup nicht zu den sonstigen, eher unkommerzielle Aktivitäten.

Mein Eindruck war ein wenig, dass die Organisatoren mit der Aufgabe etwas überfordert waren und es daher nicht so ein rundes Event war, auch wenn es vielerorts nett war und gute Stimmung. Das lag aber nur daran, dass die Projekte und Leute selbst nett waren und einfach gemacht haben, wie auch z.B, der Jägersberg14 mit Waffeln von den eigenen Bäumen  und Flora Power Mate. 😉

Written by tlow

14. Juni 2015 at 20:33

Infoveranstaltung zu Freiem Radio für Rendsburg, Schleswig und Eckernförde am 13.06 / 13 Uhr / T-Stube Rendsburg #FreiesRadio

leave a comment »

Freies Radio in Schleswig-Holstein wird noch dieses Jahr möglich – wenn
wir es machen!

Die Förderanträge für Freie Radios an 3 Standorten in Schleswig-Holstein
müssen an die Medienstiftung geschickt werden, stimmt diese zu, gehen
nichtkommerzielle Lokalradios an den Start. Einer dieser Standorte ist
die Region Rendsburg/Schleswig/Eckernförde. Es gibt in der Region
zahlreiche Initiativen und Einzelpersonen, die ein Freies Radio sinnvoll
nutzen können. Bands, Konzertgruppen, Minderheiten und Mehrheiten,
Initiativen, WissenschaftlerInnen und Museen: Freies Radio sendet für
gesellschaftliche Inklusion und Partizipation. Wer sich diesen
Grundsätzen verpflichtet fühlt, dessen und deren Medium soll Freies
Radio sein!

Damit diese Menschen und Gruppen sich untereinander kennenlernen und
organisieren können, veranstaltet der Verein für ein Freies Radio in
Rendsburg und Umland eine Informationsveranstaltung in der Rendsburger
T-Stube.

Die Veranstaltung wird folgende Blöcke haben:

1. Was ist Freies Radio eigentlich? Warum brauchen wir das?
2. Programmplanung – was können und wollen wir senden?
3. Organisation und Technik eines Radiosenders – wie bringen wir das
zum Laufen und sorgen dafür, dass es auch so bleibt?

Die Veranstaltung beginnt um 13 Uhr und für jeden Block planen wir etwa
eine Dreiviertelstunde ein. Im ersten Block wird es einen Input geben,
aber auch Raum für Diskussionen. In den anderen Blöcken setzen wir noch
stärker auf Mitarbeit, Kreativität und Selbstorganisierung der
potentiellen RadiomacherInnen. Nach Bedarf der Teilnehmenden können auch
Pausen eingelegt werden.

Rückfragen und Kontakt: rendsburg [ätt] freie-radios-sh.org
http://www.freie-radios-sh.org/infoveranstaltung-zu-freiem-radio-fuer-rendsburg-schleswig-und-eckernfoerde-am-13-06-13-uhr-t-stube-rendsburg/

Written by tlow

8. Juni 2015 at 22:21

#Katzheide: Breite Unterstützung für das Bürgerbegehren

with 4 comments

Die drei Vertrauensleute (v.l.n.r) Regner, Hagge, Jöhnk vor Katzheide. Im Hintergrund mit dem Katzheide-Banner links Jens Müller (stellv. Vors.) und rechts Ulrich Hühn (1.Vors.)

Die drei Vertrauensleute (v.l.n.r) Regner, Hagge, Jöhnk vor Katzheide. Im Hintergrund mit dem Katzheide-Banner links Jens Müller (stellv. Vors.) und rechts Ulrich Hühn (1.Vors.)

Das Freibad verschlossen, keine Geräusche von vergnüglich planschenden Kindern, keine Familien, die in das Bad strömen. So war es, als nach einem Pressegespräch mit den drei Vertrauensleute für das Bürgerbegehren, die Journalisten noch die Chance auf ein Foto bekamen. Die Stimmung der Vertrauensleute war gut, wie auch die der anwesenden Vertreter des Vereins Katzheide: JA! . Man fühlt sich im Recht und man hat zumeist nur Kopfschütteln über, für das Verhalten der Verwaltung und die Argumente der gewählten Vertreter*innen der Stadt.

Es gibt unzählige Argumente für den Erhalt des Freibad Katzheide. Sicher auch einige dagegen. Doch die meisten Argumente gegen Katzheide liegen eher darin begründet, dass man in den letzten Jahren und Jahrzehnten eher zu wenig für dessen Erhalt getan haben.

Es kam mir zu Ohren, dass auch kritisiert wird, dass Katzheide elektrisch beheizt wird [siehe dazu Kommentare unter diesem Artikel!]. Ich finde das eine wertvolle Kritik, Solarkollektoren als Teil einer Aufwertung oder Sanierungsmaßnahmen wäre wirklich eine gute Sache. Viele hundert Freibäder in Deutschland werden bereits so beheizt. Warum nicht auch Katzheide in Kiel-Gaarden?

In der SHZ wird Sozialdezernen Gerwin Stöcken wie folgt zitiert:

„Den Zusammenhang zwischen sozialer Integration und einem Schwimmbad finde ich weit hergeholt.“

Integration findet z.B. durch die Teilhabe am gesellschaftlichen Leben statt. In einem Stadtteil das stark migrantisch und durch Menschen mit geringerem Einkommen geprägt ist, ist es für Viele eine finanzielle Anstrengung, Schwimmen zu gehen. Gerade wenn, wie im neuen Zentralbad, die Eintrittspreise sich teilweise verdoppeln werden.

Kiel ist so stolz auf ihre Marke KIEL. SAILING CITY – und fördert das Segelnlernen. Aber was ist mit dem Schwimmenlernen. Genau so wie die größte Wasserstraße der Welt und ein großer Kreuzfahr- und Fährhafen ein Feuerschiff braucht. Wer A sagt muss auch B sagen. Kiel will hoch hinaus, Schneller Höher Weiter, Olympiade – aber Stadtteile, die weit weg sind von Schilksee werden dabei abgehängt. Der Versuch der Integration und Inklusion ist beine Kampfansage an eine Zweiklassengesellschaft.

Muss man in Zukunft ein Auto besitzen, um Schwimmen gehen zu dürfen? Das ein Sozialdezernent nicht weiß, wie man Integration buchstabiert ist schon erschreckend. In Kiel wird gerade im sozialen Bereich teilweise mit der Axt angesetzt. Ob nun Skatepark, ASD oder Jugendzentren. Es soll überall gekürzt werden, aber ohne Konzept. Dabei dreht sich die Stadt im Kreis. Sparen ohne Konzept ist brandgefährlich – und warum schmeißt man zuerst die Feuerlöscher weg, wenn man mit dem Feuer spielt?

Written by tlow

5. Juni 2015 at 23:22

%d Bloggern gefällt das: