KielKontrovers

Gesellschaftliches aus Kiel und Schleswig-Holstein

Archive for the ‘Stadtentwicklung’ Category

#KWKiel Parteicheck: Die LINKE

leave a comment »

Das Programm der LINKEN ist übertitelt mit „sozialismus solidarisch, vor Ort, für alle“. Die LINKE hatte sich in vielen kommunalen Streitfragen engagiert, wie Möbel Kraft, Katzheide, Olympiabewerbung. Dabei aber immer irgend wie ein eigenes Süppchen gekocht. Aber vielleicht ist das auch schwierig als Partei: Wie sehr nimmt man Einfluss auf Bewegungen, die schon existieren? Generell aber entstand bei mir der Eindruck, dass man doch immer sehr bemüht war, einen eigenen Weg zu gehen und nicht immer an einem Strang zu ziehen. Das Problem hatten aber auch andere Kieler Parteien und Wählerinitiativen.

Leider findet man bei Ihnen auch nicht wirklich Maßnahmen, die das akute Problem der Luftreinhaltung angeht. Stattdessen hatte man sich entschlossen u.a. mit den GRÜNEN zusammen den Fokus auf die Abschaffung des Flughafen Holtenaus zu legen. Meine Meinung zum Thema habe ich ja schon verschiedentlich in diesem Blog dargestellt, aber zusammenfassend noch mal: Ein neues Stadtviertel ist aufwendig und kann viele Hürden enthalten. Für eine schnelle Beendigung der Wohnungsknappheit ist es nicht geeignet.

Hier haben sie sich mal ein wenig Mühe gemacht mit einem Video.

Eine Haltung gegen die Südspange-Gaarden als Autobahnanbindung habe ich auch nicht gefunden. Sie nennen einige Punkte, an denen sie politisch mitgewirkt haben und somit als ihren Erfolg ansehen:

• Olympia 2024 erfolgreich verhindert (insbesondere mit den emanzipatorischen
politischen Kräften in Hamburg).
• den Erhalt des Freibades Katzheide gesichert.
• einen Ausbau der Bürger*innenbeteiligung angeschoben.
• die Initiative „Plastiktütenfreies Kiel“ mitgestaltet.
• die neue Überarbeitung des Konzepts „Gute Arbeit“ in Kiel vorangetrieben.
• die von den anderen Fraktionen durchgesetzte undemokratische Benachteiligung von kleinen Fraktionen im Hauptausschuss erfolgreich juristisch bekämpft.
• ein Bürger*innenbegehren zur Flughafenschließung initiiert.

Dazu meine Kommentare:

Olympia 2024 wurde tatsächlich einzig in Hamburg entschieden. In Kiel hätten wir verloren. In Kiel gab es auch drei Initiativen Olympia zu verhindern,  die eigentlich gar nicht kooperierten und das war auch ein Grund, warum wir keinen Erfolg hatten und uns Hamburg den A… gerettet hat.

Katzheide wurde nicht politisch im Rathaus gerettet, sondern durch ein vielfältiges Engagement gegen den massiven Widerstand der Stadtverwaltung und trotz der Denunziation der Gegner durch die (nicht-neutrale) Moderatorin Dr. Ute Fischer-Gäde . Auch die LINKE hat ihren Beitrag geleistet, aber der Hinweis auf die Vielzahl an Mitstreitern (u.a. auch die Piratenpartei), fehlt hier.

Im Abschnitt Verkehr steht dieser Satz:

„Hinzu kommen zusätzliche Verschmutzungen durch Feinstaub, die insbesondere durch den Verkehr im Nord-Ostsee-Kanal sowie im Kieler Hafen durch die Kreuzfahrtschiffe und die Fähren nach Göteborg und Oslo entstehen.“

Das ist nachweislich falsch. Die Mehrzahl der Feinstäube in Kiel kommt durch den Autoabgase. Die Feinstäube des Schiffsverkehrs sind ein globales Problem. In Kiel selbst sind diese aber eher vernachlässigbar. Ansonsten wohl noch durch Verbrennungsprozesse wie beim Heizen, Reifenabrieb und dem Schüttgutumschlag.

Ansonsten nicht viel überraschendes. Für eine intensive Studie aller Parteiprogramme habe ich leider nicht die Zeit. Interessant fand ich aber die Idee, nur noch Flächen für Mehrfamilienhäuser auszuweisen. Ich denke das ist wirklich eine gute Idee, denn Einfamilienhäuser verbrauchen viel Fläche und nehmen damit anderen die Möglichkeit zu wohnen. Auch für die Infrastruktur sind solche Strukturen tödlich. Ich weiß, dass Eigenheim ist den Deutschen etwas ganz liebes, aber es ist halt eine sehr romantische Vorstellung, die der Umwelt schadet und Städte kaputt macht.

Written by tlow

1. Mai 2018 at 19:22

Veröffentlicht in Rathaus, Stadtentwicklung, Wahlen

Tagged with , ,

#KWKiel Wahlkampfcheck SPD und OB in #KielGaarden #kwkiel

leave a comment »

Gaarden hoch 10, so hieß das Programm des OB Ulf Kämpfer, dass dann auch die SPD unterstützte. Darunter auch z.B. mehr Sicherheit auf den Straßen Gaardens. Dabei wird suggeriert, dass man sich in Gaarden auf den Straßen nicht sicher fühlen würde. Was dagegen nicht erwähnt wird, sind Einbrüche in Läden oder Fahrraddiebstähle. Ein gutes Beispiel dafür, wie die Wahrnehmung von außen eine andere ist, als die realen Probleme. 2017 habe ich von ca. 15 Fällen von Fahrraddiebstählen gehört. 2015 und 2016 war das eigentlich kein Thema in meinem Umfeld. Diebstähle aus abgeschlossenen Hinterhöfen wohlgemerkt.

In Hamburg hat man ja mal Lockvogel-Räder aufgestellt und hat so eine Menge geklauter Räder bei der Rückverfolgung entdeckt. In Gaarden bekommt man von der Polizei aber beim melden eines Diebstahls auch gerne mal zu hören, dass man ja sowieso nur Versicherungsbetrug begehen will und das Annehmen der Anzeige wird verweigert.

Ich habe auch mal Landtags- und Kommunalkandidaten der SPD gefragt, was sie denn wegen der explosiven Ausbreitung von Wettbüros machen. Zwar hat man sich für die Frage bedankt, aber keine Antworten vor der Kommunalwahl gegeben. Auch ein Problem, was in Gaarden hoch 10 nicht erwähnt wird.

Es sollen auch viele hunderttausende Euro für das Säubern und Graffiti-Entfernung des Prestigeobjekt Gaardener Brücke ausgegeben werden. Dazu eine andere Geschichte von mir: Seit 2016 habe ich u.a. das Fest „Welcome@Gaarden“ und andere Veranstaltungen auf dem Vinetaplatz mitgestaltet. 2017 hieß es dann plötzlich, dass bei der Benutzung der Stromsäulen (für den Wochenmarkt) ein eigener Elektromeister das Reinstecken der Stecker übernehmen müsste. Bei einem Winterfest 2017 haben wir daher entschieden, um die Kosten zu sparen (ca. 200 €), das fest zusammen mit dem Wochenmarkt aufzubauen. Es schien soweit alles geklärt, mit den Marktmeister*innen haben wir alles besprochen gehabt. Bis ich wieder wenige Tage vor dem fest einen wütenden Anruf vom Ordnungsamt bekam, dass das Schreiben eines Elektromeisters noch nicht vorliegen würde. Da gab es dann auch keine Lösung, auch keine Ausnahme für Gaarden.

Ich schrieb dem OB Ulf Kämpfer an in der Angelegenheit. Dieser verwies auf die entstandenen Kosten nur externe Nutzer und empfahl (wie später auch die Verwaltung) doch Sponsoren für die Kosten zu finden, wie z.B. eine Elektrofirma.

Mich machte das neugierig darüber, über welche horrenden Kosten denn externe Nutzer in Gaarden verursacht hätten und stelle dazu eine entsprechende Anfrage an die Stadt nach IZG. Wie sich herausstellte, gab es zwar in 2016 für den Vinetaplatz Kosten über 108 Jahr gab. Auf Nachfrage wurde aber deutlich, dass nicht festgehalten wird, was die Ursachen  der Kosten sind. Es könnte sich also auch um Schäden durch die Marktbeschicker*innen oder normale Wartungskosten handeln.

Unter dem Strich also: Man will das Ehrenamtliche zusätzlich zur Festvorbereitung noch herumtelefonieren um eine Firma zu bitten an einem Sonntag umsonst einen Elektrostecker in eine Stromsäule zu stecken. Auf der anderen Seite gibt man für irgendwelche Maßnahmen ohne mit der Wimper zu zucken Hunderttausende oder Millionen aus. insbesondere wenn Wahlkampf ist.

Und wie oben schon ausgeführt gibt es konkrete Kriminalität, die quasi keinerlei Prioritätensetzung erlebt. Aber wenn ein Kommunalwahljahr ist, sieht man plötzlich Polizei Streife laufen oder Kontrollen durchführen. Alle fünf Jahre zeigt man den Gaardener*innen ein  mal, wie viel man für ihren Stadtteil tun will. Dabei scheint man sich dabei aber kaum an den tatsächlichen Bedürfnissen orientieren. Es muss halt gut aussehen.

Ich sage nicht, dass die Stadt nichts tut, oder nicht bemüht ist, oder die SPD als stärkste Fraktion völlig uninteressiert wäre. Aber sowohl Stadt als auch OB als auch Partei sind dennoch zu weit weg von den Bürger*innen. Zu Gaarden hoch 10 lud der OB dann zu einer Beteiligungsveranstaltung ein, angekündigt damit, dass der OB das Gespräch mit den Bürger*innen suchen würde. An dem Tag selbst war er dann aber angeblich in Lübeck und schickte seine Vertreter*innen.

Kiel hat was Bürgerbeteiligung und Bürgernähe angeht noch einen weiten Weg zu gehen. Da können die anderen Parteien aber auch nicht fröhlich in die Hände klatschen. Die nutzen leider ihre Chance bislang auch nicht und schaffen es die Steilvorlagen der aktuellen Stadtregierung auch nicht zu nutzen. Politik lebt halt in einer Blase. Auch am Beispiel der Luftschadstoffe wird deutlich, dass man nicht bereit ist an einer schnellen Lösung zu arbeiten. Gaarden hat eine sehr schlechte Erreichbarkeit für das Fahrrad. Das macht sich auch in geringeren Attraktivität bemerkbar. Passiert ist da in den letzten Jahrzehnten quasi nichts. und ob Rathaus oder Ortsbeirat – Impulse sind da keine erkennbar.

In Gaarden erwarten wir mehr als Business as Usual. Wenn die Wahlbeteiligung wieder niedrig ist, wundert euch nicht. Welche Partei  verspricht hier den eine Änderung. In Holtenau wollen GRÜNE und SPD ein neues Stadtteil bauen, während die Gaardener*innen jeden Tag auf die Brachflächen  der Kai-City starren und den Kopf schütteln und wissen, dass die Wahrscheinlichkeit, dass sie von neuen Wohnungen in Holtenau profitieren werden extrem gering sind.

Written by tlow

28. April 2018 at 08:33

Vorschlag Kieler #Exer: Bessere #Walkability und #fahrradfreundlich #Wochenmarkt

leave a comment »

Matthias Suessen SH-6944.jpg
Von User:Matthias SüßenEigenes Werk, CC BY-SA 4.0, Link

Der Kieler Exerzierplatz ist wie viele ehemalige Plätze zum (wie der Name schon sagt) Exerzieren heute primär ein Parkplatz. Zwei mal die Woche dann ein Wochenmarkt. Leider gab es in den vergangenen Jahren die Fehlentscheidung, dass auch während der Wochenmärkte an Mittwochen uns Samstagen Teile des Wochenmarktes als Parkplatz genutzt werden können. Nun stehen da, wie heute mal wieder live von mir miterlebt (ist ja eigentlich nicht mein Stadtteil, bin nur hier aufgewachsen) die Autos Schlange um einen Parkplatz ergattern. Das heißt auch, dass insbesondere der westlichen Rand des Wochenmarktes Szene erlebt, bei denen Autos nur wenige Zentimeter von frischem Obst & Gemüse ihre Abgase in die Wochenmarktstände pusten. Und damit alles das, was derzeit in der Diskussion ist, wie u.a. Stickoxide und Feinstäube. Na, Lust auf frisches Obst?

Dauerhaft würde ich für Fahrradfahrer*innen und Fußgänger*innen folgende Lösung vorschlagen:

Zwei Diagonalen quer durch die Parkplätze, die vor dem Autoverkehr geschützt sind.

Welches Problem damit lösen?

Eine mögliche Hauptverbindung für Radfahrer*innen kommend vom Bahnhof ist hinter über den Schülperbaum zum Schrevenpark-Radweg (oder Knooper Weg) und weiter zur Uni zu fahren. Bisher gibt es hier aber überhaupt keine Radverbindung. Eigentlich müssten die östlich des Exers Richtung Rathausstraße und dann links abbiegen Richtung Knooper Weg. Und umgekehrt dann Richtung Ziegelteich. Defakto schlängeln sich aber sowohl Fußgänger*innen wie Radfahrer*innen über den Exer zwischen parkenden Autos. Das ist aber weder barrierefrei noch risikoarm. Hier dominiert das Auto fast alternativlos. Wenngleich beide Alternativen legal und toleriert sind.

Der obige Vorschlag ist erst mal nur eine grobe grafische Idee, die ein vorherrschendes Problem lösen soll. Wie genau man das elegant machen kann, steht auf einem anderen Blatt. Die Grün-Zeit für Fußgänger an der Ecke mit dem Steiskal ist aber auch extrem kurz. Die Straße, die weiter auf die Möllingstraße ist aber vierspurig für Autos ausgebaut. Der Fußgänger sieht eigentlich immer schon Rot, wenn er sich auch schnellen Schrittes mitten auf der Straße befindet. Der ganze Exerzierplatz ist mithin aus Autoperspektive geplant und umgesetzt. Dabei sind Wochenmärkte prädestiniert für Fußgänger und Radfahrer. Hier könnte es auch deutlich mehr und bessere Fahrradabstellmöglichkeiten gebe. Da Wochenmärkte eh in der Krise sind, wäre hier mehr Unterstützung nötig Und wie man aus Untersuchungen weiß, kaufen Fußgänger und Radfahrer sehr viel mehr als Autofahrer an den Straßen ein, an denen sie vorbeifahren/gehen.

Von der Sichtbarkeit her sieht man durch die parkenden Autos und diejenigen, die einen Parkplatz suchen heutzutage von Steiskal aus auch gar nicht mehr, dass ein Wochenmarkt stattfindet. Da bräuchte es vielleicht auch mal große Transparente, die dafür werben?

Die Ecke Exer ist eine derjenigen, die ganz zentral wichtig sind und wo ich es nicht verstehen kann, dass es da seit Jahrzehnten gar keine Lösung für Radfahrer*innen gibt? Natürlich bedarf es auch z.b. beim Schülperbaum und dem Knooper Weg noch annehmbarer Radwege, aber da gehts bisher zumindest ein wenig. Der Exer aber ist bislang eine effektive Sperre für Rad- und Fußverkehr. Weitere Ideen?
Update: Zusätzlich oder alternativ könnte man die Ecken nutzen, um sie als Fahrradwege umzubauen:
exermap-umlauf

Die zweite enorm wichtige Verbindung sie hier auch gleich verraten: Die Strecke Hauptbahnhof bis Holstenbrücke. Wie kann es sich eine Stadt leisten, die sich gerne Fahrradstadt nennen will, vom Hauptbahnhof UND der einzigen Ost/West-Verbindung keinerlei durchgängige Anschlüsse für Radfahrer zu bieten? insbesondere die Holstenbrücke selbst war jahrzehntelang ein Horror für jeden Radfahrer.

Written by tlow

31. März 2018 at 10:07

Realitätsverweigerung beim Thema #Verkehrswende #saubereLuft #Fahrverbote #kwkiel

leave a comment »

Die Kieler SPD hat sich nun zum Thema Fahrverbote positioniert. Wie vielerorten entschied man sich primär zu Kommunzieren:

  1. Wir sind unschuldig
  2. Soll doch die Autoindustrie…
  3. wenn wir was machen soll die Bundesregierung Geld geben…
  4. wir haben ja ganz viel vor / schon gemacht

Grundsätzlich: Ja, es gibt Fahrradwege in Kiel und die SPD hat auch eine zeitlang halbherzig ein Projekt Stadtregionalbahn halbherzig verfolgt. Dinge wie Elektromobilität oder die Umstellung der Busflotte sind sicher auch langfristig interessante Themen. Aber hier scheint etwas sehr Grundsätzliches immer noch nicht angekommen zu sein:

Deutschland und auch Kiel hängen hat beim Thema Verkehr ein echtes Problem. Hier die Pressemitteilung der SPD im vollen Wortlaut:

Wir lehnen Fahrverbote für Dieselfahrzeuge in Kiel weiterhin ab, da sie das Problem nicht lösen, sondern höchstens verlagern. Ein Fahrverbot auf dem Theodor-Heuss-Ring würde zu Ausweichverkehren führen und Schwierigkeiten an anderer Stelle verursachen.

Vielmehr ist die Autoindustrie gefordert, Lösungen zu entwickeln, damit die geltenden Grenzwerte eingehalten werden.

Die Bundesregierung muss dafür sorgen, dass die Fahrzeughersteller Maßnahmen wie eine Umrüstung der Hardware ergreifen, um den Schadstoffausstoß der Autos zu verringern.

Es ist uns wichtig, die Grenzwerte für Luftbelastung einzuhalten. Statt Fahrverboten unterstützen wir aber Maßnahmen, die den öffentlichen Verkehr und den Rad- und Fußverkehr stärken. Der Oberbürgermeister hat gemeinsam mit uns bereits wichtige Schritte eingeleitet, um die Luftqualität zu verbessern. Wir unterstützen ausdrücklich den Kurs des Oberbürgermeisters. Die SPD hat sich immer für das moderne Nahverkehrsmittel der Stadtbahn in Kiel eingesetzt, die die Luftqualität verbessert und eine alternative komfortable und alltagstaugliche Fortbewegungsmöglichkeit schafft.

Dies erklären zum Urteil des Bundesverwaltungsgerichts zu Fahrverboten in Städten der Vorsitzende der SPD-Ratsfraktion Dr. Hans-Friedrich Traulsen und der Vorsitzende des SPD-Kreisverbandes Kiel Jürgen Weber.

Der Satz „Wir lehnen Fahrverbote für Dieselfahrzeuge in Kiel weiterhin ab“ als allererstes macht eins klar: Die SPD will keine Probleme lösen und sie schert sich einen Dreck um die Betroffenen. Es ist Ihnen sch…egal welche Folgen die Luftverschmutzung hat. Wie bereits in den letzten fast 20 Jahren, seitdem die EU-Regeln zur Luftreinhaltung gelten. Und hier gehts um die konkrete Gesundheit tausender Menschen. Aber ebenso wie beim Thema Tempolimit: Bloß nicht die Autoverkehr blockieren oder irgend welche Dieselfahrer aufregen. Schon gar nicht so kurz vor den Kommunalwahlen.

Die Kalkulation ist, dass mehr Wähler*innen gegen Fahrverbote sind, als für saubere Luft. Dabei ist klar: Es ging nie darum, das Fahrverbote alternativlos wären. Die SPD macht daraus ein: Entweder Fahrverbote oder Lösungen der Autoindustrie. Dabei geht es hier jetzt nur um die aktuell hohen Grenzwerte für Stickoxide. Feinstaub und Kohlendioxid als Klimagas wären auch ein Thema. Immer noch ist die Ansicht weit verbreitet, dass der Autoverkehr für die Städte unabdingbar ist.  Dabei ersticken unsere Städte am Autoverkehr.

London hat es geschafft durch eine City-Maut den Autoverkehr in der Innenstadt um 60% zu senken. Auch Tempolimits wären möglich. Aber die SPD will lieber gar nichts machen und weiter wie bisher auf Zeit spielen. Das muss man so beim Namen nennen, wie es ist. Das Urteil in Leipzig, dass Fahrverbote legitim wären besagt folgendes: Ja, selbst Fahrverbote wären erlaubt als Mittel der Kommunen, um die Schadstoffgrenzwerte einzuhalten. Die Kommunen sind in der Pflicht und können sich nicht auf die Verantwortlichkeit der Autoindustrie und Bundesregierung zurückziehen. Die DHU selbst hat nie das Ziel von Fahrverboten verfolgt. Hier wird wohl bewusst missverstanden und auf ohnmächtig gemacht, damit man nicht handeln muss. Tot stellen gilt aber nicht und hilft niemanden.

Letztlich sehe ich jetzt die Zeitschiene bis zur Kommunalwahl, dass Parteien Vorschläge machen, wie man denn mit dem Thema Verkehr umgeht. Bisher steckt die SPD den Kopf in den Sand. Das ist nicht gut genug. Das ist gar nichts. Wer sich so darstellt hat es auch nicht verdient gewählt zu werden. Die Kieler Politik darf nicht weiter warten, sondern konkrete Maßnahmen vorschlagen oder umsetzen. Auch wenn es nur testweise wäre. Tut sie das nicht, handelt sie nicht nur gegen geltende Gesetze, sondern schützt nicht die eigenen Einwohner*innen. 2018 sollte so eine Denke passé sein.

Witzig klingt für mich immer, wenn das Erste was den Politiker*innen einfällt dass die Busse sind. So als ob der ÖPNV Hauptverursacher wäre. Es ist ja ok über neue Antriebe nachzudenken und damit zu experimentieren. Aber man sollte schon wissen wer eigentlich die Suppe versalzen hat, bevor man mit Finger auf den ÖPNV zeigt. Es gibt viele mögliche Lösungen. Kiel will doch immer kreativ sein, dann fangt endlich damit an!

Written by tlow

3. März 2018 at 22:49

#SharedSpace auch in Gaarden #Gaarden10 #Elisabethstraße

with one comment

Nun wurde der große Plan für Gaarden am 21. Februar veröffentlicht. Unter anderem wurde nun für den Bereich Elisabethstraße/Alfons-Jonas-Platz „Shared Space“ als alternatives Modell vorgeschlagen.

Zu „Shared Space“ nur soviel: Es ist ein Konzept, dass in den 70er Jahren entstanden ist, aber nur an einigen wenigen Orten konsequent umgesetzt wurde. Es gibt in den letzten Jahrzehnten keine Untersuchungen, die eine klare Verbesserung der Verkehrssicherheit belegen könnten. Siehe dazu auch von den Unfallforschern der Versicherer den Text: „Untersuchung zu „Shared Space“„. Im Grunde versucht man durch das Entfernen von Bordsteinkanten, Ampeln und Straßenschildern eine Unsicherheit zu erzeugen in der Hoffnung, dass die Verkehrsteilnehmer*innen sich schon irgend wie einigen.

Probleme gibt es dabei oft für Sehbehinderte, die dann klare Grenzen vermissen. Und auch unsichere Verkehrsteilnehmer wie Kinder oder Senioren haben dadurch eher Nachteile, da ihnen die Orientierung nicht erleichtert wird. Man muss sich bei dem Einsatz von Verkehrskonzepten immer die Frage stellen: Welche Ziele will man erreichen und welche Mittel sind dafür geeignet? Im Falle der Elisabethstraße haben wir vor allem ein Problem für die Radfahrer, die quasi überhaupt keinen Platz haben. Die Fußgänger verfügen bisher zwar oft über breite Gehwege, allerdings fällt das Überqueren des Alfons-Jonas-Platzes als fast reinen Parkplatz doch sehr schwer. Parkende Autos und Autos, die einen Parkplatz suchen dominieren nicht nur aber gerade hier das Straßenbild und schränken die Nutzung stark ein. Die Elisabethstraße ist tendenzielle eine klassische Einkaufszone, die sogar ganz auf Autoverkehr verzichten könnte. Ähnlich wie die Holstenstraße. Bisher ist das aber nur ansatzweise am Vinetaplatz umgesetzt.

Meine Kritik am Konzept des „Shared Space“ ist, dass es nur eine Methode zu sein scheint, die den Schilderwald reduziert, aber nicht etwas Fußgängern und/oder Radfahrern einen Vorrang einräumt. Aber genau das sollten m.E. die Zielsetzungen sein. Auch wäre es wünschenswert, wenn Radfahrer Gaarden schnell und bequem durchqueren könnten, wie in der Elisabeth- oder Kaiserstraße. Damit man verschiedene Ziele schnell erreichen kann. Insbesondere muss aber m.E. der Raum für den ruhenden und fließenden Autoverkehr stark eingeschränkt werden, um den Aufenthalt angenehmer zu gestalten. Blumenkübel helfen da leider nicht.

Alte Ideen, die bisher nicht überzeugen können müssen wir nicht in Gaarden testen. Das bringt uns nicht weiter.

 

Update; Habe noch einen Hinweis via Twitter bekommen, das in dem UK Shared Space nicht mehr empfohlen wird:

Written by tlow

22. Februar 2018 at 23:00

#AlterMarkt #Denkmalschutz vs. Neugestaltung

leave a comment »

IMG_20180114_150102-PANO.jpg

Alter Markt, Kiel, gemeinfrei

 

Das Landesamt für Denkmalpflege Schleswig-Holstein soll bestimmt haben, dass die Buden am Alten Markt nun unter Denkmalschutz stehen. Nicht etwa die Lessinghalle oder eine Vielzahl anderer Gebäude die längst abgerissen sind. Nein ausgerechnet Bauten, die man wahrscheinlich nie hätte da so hinbauen sollen.

Da kommt man schnell zu Fragen: Ist Architektur eher Kunst oder eher nicht? Persönlich denke ich, dass Gebäude und vor allem Plätze der Gemeinschaft dienen sollten. Das sind weniger Kunstwerke, die einem Einzelnen gehören. Allerdings sollte man durchaus auch Denkmalschutz betreiben – und nicht nur für alte Gebäude. Manches ist wirklich erhaltenswert. Aber ich bekomme jetzt Angst, dass weitere Betonklötze wie das CAP auch noch unter Denkmalschutz gestellt werden. Man kann dann auch Städten nur raten Plätze immer möglichst schnell wieder kaputt zu machen, bevor etwas zum Denkmal wird.

Ich hätte da z.B. das Woolworth-Haus am Berliner Platz als durchaus erhaltenswerter betrachtet. Mehr aus dem Blickwinkel der Stadtgestaltung. Kiel ist ja architektonisch überwiegend hässlich. Viel zerbombt und den Rest an schöner Architektur immer wieder kaputt gemacht.

Mir liegt es nicht so am Herzen, dass Architekturstudenten die Kieler „Alt“stadt  und den „ALTEN“ Markt bereisen, um sich anschauen zu können, wie bescheuert man eine zeitlang gebaut hat. Es ist ok, wenn der Denkmalschutz ab und zu aktiv wird. Aber an dem Punkt finde ich muss er zurückstehen.

Kiel hat überhaupt keine richtigen  Plätze für Menschen: Entweder sind es quasi Parkplätze (Wilhelmplatz, Exerzierplatz, Blücherplatz), oder sie werden mit kitschiger Möblierung oder Buden vollgeknallt (Europlalatz, Asmus-Bremer-Platz, Alter Markt, Vinetaplatz ). Ich hätte mich sehr gefreut, wenn man es mal geschafft hätte einen der Kieler Plätze neu zu gestalten. So, dass er auch angenommen wird. Ohne viel störende Gebäude und Möblierungen, sonnig, ein Ort, wo man auch gerne mal Pause macht, oder sich gerne trifft. Nur ein Platz in Kiel bitte!

Written by tlow

18. Februar 2018 at 20:00

#Verkehrswende in Kiel – #kwkiel

leave a comment »

Kiel bewegt zur Zeit das Thema Luftschadstoffe. In der Kieler Nachrichten(KN) hat man die letzten dankenswerter Weise endlich auch mal die Betroffenen zu Wort kommen lassen. Ich erinnere mich noch daran, dass vor vielen Jahren einer der Oberbürgermeister (Gansel?) zur Verkehrssituation und Luft am Theodor-Heuß-Ring in der KN sagte, dass er gar nicht nachvollziehen könne, was das Problem sei. Gestank? Viel Verkehr? Wo?

Sowohl das Blog „Kiel aktuell“ als auch „Bielenbergkoppel“ haben vom kleinen Kieler Dieselgipfel berichtet. Kurz zusammengefasst: Es gibt ein gewisses Problembewusstsein vermischt mit Unsicher- und Ratlosigkeit in Kiel.
Smart Fortwo Falschparker
Die Verkehrsentwicklung in den Städten ist insbesondere seit den 50er Jahren das Ziel einer autogerechten Stadt gewesen. Guter Verkehr wurde mit „Autoverkehr“ gleichgesetzt. Und die Straße sollte dem Auto gehören. Das sieht man heute auch in fast jeder Stadt, jedem Stadtteil und in jeder Straße: Sowohl der Ruhende Verkehr (parkende Autos), als auch der fließende Verkehr dominieren unsere Straßen. Der Parkplatzsuchverkehr macht oft alleine 40% des fließenden Verkehrs aus. Und ein Auto steht durchschnittlich zu 95 % der Zeit.

Bis 2020 soll der Autoverkehr nach Prognosen (Quelle: acatech PDF) um weitere 20 Prozent steigen. Der LKW-Verkehr um 34 %. Auch der Fahrzeugbestand soll steigen, wenn sich nichts dramatisch ändert.

Eine entscheidende Frage ist, wie man denn auf den steigenden Autoverkehr reagiert. Die letzten Jahrzehnte war klar:

  • Wir bauen mehr Straßen, um den steigenden Verkehr abzutransportieren/aufzufangen
  • Wir bauen mehr Parkplätze und Parkhäuser.
  • Wir bauen weitere Fahrspuren, um mehr Verkehr aufzunehmen.

Was sagt denn die Wissenschaft? Denn Stadtplanung nach Bauchgefühl sollte nicht ein Ansatzpunkt für Politik sein.  Mittlerweile findet man dazu auch Artikel im Handelsblatt. Kernerkenntnis: „Eine Verdoppelung der Straßen verdoppelt den Verkehr.“

Da kann man sich auf den Kopf stellen, auch wenn man noch so gerne Auto fährt. Oder vielleicht auch: Wenn man meint: Eine wachsende Wirtschaft brauche auch immer ein wachsenden Straßennetz. Das ist eine entscheidende Frage: Was machen wir mit dem steigenden Auto- und LKW-Verkehr?

Wenn wir die Erkenntnis annehmen, dass uns ein Ausbau der Autostraßen nicht retten wird, müssen wir uns die Frage stellen, welche anderen Möglichkeiten wir dann haben?

Und hier kann man ja weitere Probleme des Straßenverkehrs sehen: Flächenverbrauch, Verletzte, Unfalltote, CO2, Luftschadstoffe, … . Eine Abkehr von dem motorisierten Verkehr hätte viele Vorteile. Es fehlt dann bisher noch an den Alternativen, auch in Kiel.

Der Busverkehr mit der Kieler Verkehrsgesellschaft(KVG) ist am Limit. Oft bleiben Fahrgäste an den Bushaltestellen stehen, weil die Busse überfüllt sind. Vor allem die Gegenwehr von CDU und FDP hat bisher in Kiel und Umgebung verhindert, dass es hier nicht schon seit Jahrzehnten ein modernes, schienenbasiertes Nahverkehrsystem gibt.

Es fehlt natürlich auch an Impulsen von der Bundes- oder Landesebene. Man tut ein wenig hier oder da, aber die Klage der DUH gegen die Luftschadstoffe in Kiel ist Ergebnis dessen, dass Kiel selbst auch seit Jahrzehnten zu wenig getan hat. Im Grunde wollte keiner der im Rat vertretenen Parteien eine große Verkehrswende, wenngleich es in der SPD größere Sympathien für eine Stadtregionalbahn gab und etwas mehr Begeisterung bei den GRÜNEN. Letztlich entschieden sich die GRÜNEN aber lieber das Thema Flughafen Holtenau zum Hauptthema zu machen (mit dem zusammen mit der LINKEN gestarteten Bürgerbegehren), als eine neu Stadtbahn oder einer echten Verkehrswende.

Man darf gespannt sein auf die Kommunalwahlprogramme für 2018. Man sagt zwar, Papier sei geduldig, aber dennoch haben die Parteien die Chance, den Bürgern ihre Schwerpunkte für die kommenden Jahre zu nennen. An dem Thema Verkehr und die verschiedenen Entwürfe kommt keine Partei vorbei.

Nach meiner Einschätzung würde eine große Verkehrswende, die auf allen Ebenen der Politik passieren könnte, viele Freiräume schaffen. Nicht zuletzt könnten weniger Straßen auch mehr Platz für Wohnraum in Städten bedeuten und damit in einen anderen Problembereich hineinreichen. Sogar neue Gewerbeflächen könnten entstehen, genau so wie Raum für Naherholung.

Noch aber wird auf allen Ebenen gebremst. Der OB wird immer damit zitiert, dass er gegen Fahrverbote ist. Das alleine ist aber zu wenig. Denn das werden einfach die Gerichte entscheiden. Sie Verwaltung und Selbstverwaltung haben zahlreiche Stellschräubchen abseits von Fahrverboten, die sie ausprobieren könnten. Aber man weigert sich z.B. bisher überhaupt das Thema flächendeckender „Tempo 30“ überhaupt zu diskutieren (Es gibt da Probleme mit der StVO, die man aber in Berlin zum Teil schon gelöst hat) .

Das Bundesland Steiermark (Österreich) macht dagegen klar:

Tempolimits kosten so gut wie nichts, sind schnell umzusetzen und sofort wirksam. Andere Maßnahmen, wie etwa Fahrverbote für ältere LKW, der Ausbau des öffentlichen Verkehrs oder der Radinfrastruktur dauern länger und kosten mehr. Diese Maßnahmen sind zweifellos sinnvoll und werden auch umgesetzt. Sie sind aber nur argumentierbar, wenn zuerst die einfachsten und kostengünstigsten verwirklicht werden.“

Da ist man in Deutschland vielerorts aber doch sehr verbohrt. Wie auch in Kiel. Wissenschaftliche Erkenntnisse und internationale Erfahrungen interessieren nicht. Man macht das, was man auch die letzten Jahrzehnte gemacht hat. Man redet viel über Verkehrswende, aber man will entscheidende Schritte nicht einleiten. Dabei ist auch klar: Natürlich kann Kiel nicht alles alleine stemmen. Aber es gibt etliche Maßnahmen, die schnell umgesetzt werden können. Mehr Experimentierfreude wäre auch hilfreich. Alle finden zwar, das Kopenhagen ein tolles Vorbild ist. Aber irgend wie scheint es eher dazu zu dienen, dass man sagt: „So viel wie Kopenhagen können wir eh NIE machen!“ Und damit ist es dann auch abgehakt. Man klopft sich ab und zu auf die Schulter und ist sich einig, dass man ALLES getan hat, was man tun konnte. Besser geht nicht. Die Klage der DUH hat da vor allem das Selbstbild in Kiel erheblich gestört.

Noch ein Detail was interessant ist: Weniger Fahrspuren und mehr Platz für Fahrrad und Fußgänger bedeutet übrigens nicht, dass die Leistung von Straßen abnimmt. Im Gegenteil. Viele Staus entstehen durch Fahrstreifenwechsel. Je mehr Fahrstreifen daher auch mehr Stauungen.

cihyaiv

Ursachen von Staus

Daher gilt auch, dass zusätzliche Fahrradspuren („protected bike lanes“) eher Staus verhindern und den Durchsatz an Autos erhöhen. Klingt verrückt dachte ich auch zuerst, ist aber so. Lest mal: Cycle lanes don’t cause traffic jams: they’re part of the solution (The Guardian). D.h. im Grunde könnten alle profitieren, wenn man nur weniger nach Bauchgefühl geht („mehr Platz für Autos= alles fließt besser“), sondern nachprüft auf Basis dessen, was man bereits weiß. Und Kiel ist nicht so anders als andere Städte!

Insofern wünsche ich mir mehr Mut in der Verkehrsplanung in Kiel. Nicht weil es riskant wäre, sondern weil man Vorurteile überwinden muss. Und ggf. das eigene Klientel verwirrt.

Written by tlow

12. Februar 2018 at 12:33

%d Bloggern gefällt das: