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Archive for the ‘Stadtentwicklung’ Category

Status der #Stadtbahn Kiel 2019

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Kommt die Stadtbahn oder kommt sie nicht? Mittlerweile ist es 34 Jahre her, dass die Straßenbahn in Kiel fuhr. Hier eine kleine Übersicht über den aktuellen Stand und offene Fragen.

Straßenbahn der Linie 4 (Fähre Holtenau) (Kiel 69.929)
Kieler Straßenbahn an der Haltestelle Holstenbrücke 1981

Und was ist mit dem Bussystem?

Viele Bürger*innen sind überwiegend mit dem heutigen System. Mit einigen Ausnahmen: Ja, es ist manchmal eng. Nicht alle Zeitgenossen sind angenehm, es ist manchmal eng und es schaukelt manchmal. Aber kann man darüber nicht hinweg sehen? Immerhin haben wir ja „Flüsterbusse“ und bald auch mehr Elektrische?

Kiel bus
(c) Arne List, Lizenz CC-BY-SA

Kann man das System nicht noch optimieren? Mit Sicherheit! Unabhängig von der Systemwahl: Busse wird es auch in den nächsten Jahrzehnten geben und diese werden immer wichtig bleiben, nicht nur bis zur Einführung eines neuen Systems. und das „Sternsystem“ der KVG erscheint doch sehr konservativ und in die Jahre gekommen. Gerade an Wochenenden und zu später Stunde erhöht sich die Fahrzeit oft auf viele Stunden, weil alle Busse gleichzeitig in eine Richtung fahren. das System ist für das Umsteigen optimiert, nicht für das schnelle Vorankommen in der Stadt. Und man hat da soweit ich es beobachtet habe die letzten 40 Jahre nichts Grundlegendes geändert.  Eine Stadtbahn wird den Druck zur Erneuerung auch nicht wegnehmen. Im Gegenteil.

Aber die Stadtvertreterinnen haben jetzt für die Stadtbahn gestimmt?

Leider Nein. Sie haben zwar nicht ausdrücklich gegen eine Stadtbahn gestimmt. Es gibt aber bis heute noch nicht mal eine Festlegung auf ein System, geschweige denn ein Datum für den Baubeginn oder einen fertigen Entwurf für zukünftige Trassen. Zuletzt wurden ein 371(!) Seiten starkes Gutachten veröffentlicht. Dort wird insbesondere als Alternative noch ein BRT-System („Bus Rapid Transit„) gehandelt und soll auch für ein Konzept, das frühestens 2020 vorgelegt werden soll als Alternative weiter behandelt werden.

Ab dem 7. September werden sich Kielerinnen auf der Kiellinie unter dem Motto „Kiel bewegt sich – Mobilitätswende jetzt!“ an Infoständen auch darüber informieren können, was als Nächstes folgt.

Die Debatte in Kiel ist schon etwas absurd: Fragt man bei den Befürworterinnen, so versichern die einem meistens, dass die Stadtbahn so gut wie beschlossen ist. Eben weil das BRT-System unterlegen sei. Die Gegnerinnen betonen hingegen, dass ja alles offen sei. Jeder legt es sich eben so zurecht, wie es ihm/ihr gefällt.

Bereits vor Jahren wurde über die StadtRegionalbahn (SRB) gestritten. Und die war eigentlich auch über Jahre schon eine feste Größe und Straßen wurden so gebaut, dass sie ihr Kommen bereits schon antizipierten. Aber dann kamen zwei große Knalle: 1.) Der Ausstieg des Kreises Rendsburg-Eckernförde aus dem Projekt und dann 2.) Das Canceln des Gesamtprojektes durch OB Kämpfer. Fragt man die Befürworter so sagen sie einem klar, dass die SRB mit dem Umland „eigentlich“ nach wie vor besser wäre, aber politisch nicht durchzukommen gewesen wäre. Auch dafür gab es bereits einige Gutachten. Dann hat man sich tatsächlich auf die SRB Light oder auch „Stadtbahn“ geeinigt, die relativ viel teurer sein wird als die SRB, da sie zwar auch teuer wird, aber weit weniger leistungsfähig.

Nun will man kein Risiko mehr eingehen und fährt nur noch Schrittgeschwindigkeit. Man will ALLE mitnehmen und setzt auf Konsens.

Dabei fehlte es bereits immer an Tempo und Entschlossenheit. Und das war schon immer der Grund, warum Kiel als einzige Landeshauptstadt kein schienengebundenes ÖPNV-System aufweist. selbst GRÜNE und SPD haben das Projekt zwar am Leben erhalten, aber nie wirklich mit Überzeugung gepusht.

Stadtbahn gegen Stickoxide und CO²?

Oft wird die Stadtbahn auch als wirksames Mittel gegen das aktuelle Stickoxid-Problem (v.a. in der Innenstadt /Ziegelteich) auch von der Stadt als Lösung der Zukunft angepriesen, oder zur Reduzierung der Treibhausgase und zur Erreichung von Klimazielen. Die Sache hat vor allem den Haken, dass man die Stadtbahn nicht bereits vor Jahren auf die Schiene gebracht hat!

Bei der Wankelmütigkeit und Unentschlossenheit der Kieler Politik, ist eine Tram keine feste Größe. Und bei dem aktuellen Tempo kommt die Stadtbahn leider zu spät, um beim Klima und Stickoxiden dieses und nächstes Jahr eine Erleichterung zu bringen. Kiel kommt nicht daran vorbei die gesamte Busflotte vorher für viel Geld zu 100% elektrisch auszustatten. Aber selbst dann wird diese Großinvestition keine Verbesserung des Angebots bringen. Gäbe es 2020 bereits eine Stadtbahn, hätte man sich die Elektrifizierung zum großen Teil sparen können. Nun ist es aber dafür zu spät. Die Verzögerung wird sehr viel Geld kosten. Und die Debatte in Kiel ist kaum voran gekommen. Noch immer wird bei Adam und Eva begonnen und das Zögern verunsichert auch die Bürger*innen und vermittelt den Eindruck, als müsse man noch darüber nachdenken, was der richtige Weg sei. Oder auch: Man weiß nicht wovon man redet und die Tram ist nur etwas, dass man als politischen Ballon aus dem Hut zaubert. Dahinter steht keine Überzeugung oder verkehrspolitischer Plan, sondern ist in der präsentierten Form eher Zeugnis einer Planlosigkeit. Es fehlt auch an manch anderer Stelle an wegweisenden Entscheidungen in der Kieler Verkehrspolitik.

Seit dem 1. September droht eine erneute Klage der DUH gegen Schleswig-Holstein und den Luftreinhalteplan. Und damit die gerichtliche Anordnung von Fahrverboten. Kämpfer hat NICHTS gemacht, um die Stickoxide wirksam zurückzuschrauben. Beweis dafür sind die aktuellen Werte. Es gibt nach wie vor Überschreitungen am Theodor-Heuß-Ring, Bahnhofstraße, Ziegelteich, evt. auch Alte Lübecker.

Wie gehts weiter?

2020 soll es dann erst ein Konzept vorgestellt werden, dass eine Trassenplanung für Tram und BRT enthält. Dieses wird dann der Ratsversammlung vorgestellt und erst dann wird sie vielleicht entscheiden, ob die Tram gebaut wird. Und erst danach wird es eine konkrete Planung und Ausschreibung geben. Und die Vergabe des Bauauftrages wird auch wieder Zeit kosten.

Aber 2023 sind schon wieder Kommunalwahlen. Eine Entscheidung vor 2023 erscheint eher unwahrscheinlich. Denn nach den Konzept wird die Debatte wieder von vorne anfangen. Und bei neuen Mehrheitsverhältnissen kann die Stadtbahn erneut gestoppt werden. Daher plädiere ich auch sehr deutlich dafür in weiteren Planungen in Kiel nicht immer auf die Stadtbahn zu warten. Die Verkehrswende muss sofort anfangen und 2030 lange abgeschlossen sein und nicht erst dann begonnen!

Ich sehe nur dann eine Hoffnung für eine Tram, wenn mehr Geld und eine ganz andere Geschwindigkeit vorhanden ist. Bisher fehlt die Entschlossenheit die für eine Umsetzung nötig wäre.

Written by tlow

2. September 2019 at 08:27

Veröffentlicht in Stadtentwicklung, Umwelt, Verkehr

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Brauchen wir noch die #Einbahnstraße ?

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Straße in Paris

Erste Einbahnstraße gab es schon im alten Rom als Lösung für schmale Gassen. Heute finden wir sie inzwischen in fast jedem Stadtteil. Aus den USA kommt jetzt ein Trend diese Straßenform öfters in Zweifel zu ziehen und sie sogar durch Gegenrichtungsstraßen zu ersetzen.

Verflüssigung des Verkehrs

Die „Verkehrsqualität“ zu erhöhen und den „Verkehrsfluss“ zu verbessern ist oberstes Ziel heutiger Verkehrsplanung. Die Einbahnstraße

Das Auto braucht Platz

Mit der Zunahme des Autobesitzes gerade ab den 50er Jahren auch in Deutschland wurden Straßenränder zunehmend zu reinen Parkzonen. Bei nur einer Fahrspur können dann meist auf beiden Straßenseiten Autos parken. Für Fußgänger*innen aber insbesondere für Ḱinder, Ältere, Blinde, Rollstuhlfahrer, Gehbehinderte und Kinderwägen machen diese Überquerung unübersichtlich und gefährlich.

Eine Straße zwischen parkenden Autos zu überqueren ist gerade für Kinder gar nicht so leicht

Durchfahrt begrenzen

Der Durchgangsverkehr bahnte sich seinen Weg durch Wohnviertel oft schneller als über Hauptverkehrsstraßen mit vielen Ampeln. Neben Tempo 30 und Spielstraßen war ein Netz aus Einbahnstraßen oft auch ein Mittel, um die Abkürzungen und somit auch die Nutzung der Wohnstraßen unattraktiv zu machen. Linksabbiegen kommt seltener vor. Dies führt zu weniger Konflikten und Unfällen insbesondere mit dem Fußverkehr.

Schattenseiten der Einbahnstraße

Einer der Nachteile von Einbahnstraßen oder einem Netz aus Einbahnstraßen ist, dass es Wege verlängert. Autos fahren in Einbahnstraßen aufgrund es fehlenden Gegenverkehrs im Schnitt schneller als mit Gegenverkehr. Höhere Geschwindigkeit fördert abermals den Lärm. Bei den Schadstoffen soll die Einbahnstraße aber wegen weniger Stop & Go besser abschneiden.

Alternativen zur Einbahnstraße

In einer Studie [1] aus der USA wurde vorgeschlagen, dass man aus Einbahnstraßen wieder Zweirichtungsstraßen machen könnte, bei denen dann aber das links abbiegen verboten ist. Wenn zu wenig Platz ist, werden die Parkstreifen entfernt und/oder geschützte Fahrradwege stattdessen angelegt.

Auch in Cedar Rapids (Iowa) wurden Einbahnstraßen in Gegenrichtungsstraßen umgewandelt

Ohne parkende Autos ist das überqueren von Straßen für alle sicherer. Aber insbesondere für kleine Kinder ist es ein erhöhtes Sicherheitsrisiko, weil vorbeifahrende Autos sie oft gar nicht sehen. Und es kann nicht sein, dass wir Fußgänger*innen dazu zwingen lange Umwege zu gehen, bis sie die Straße überqueren dürfen.

Auf jeden Fall eine spannende Entwicklung, die auch mehr Raum für Fußgänger*innen und Radfahrende zu versprechen scheint. Leider gibt es dazu in der deutschsprachigen Presse soweit ich sehen konnte keinen einzigen Artikel. Alles dreht sich lediglich um die Frage, ob man in Einbahnstraßen Rädern das fahren entgegen der Fahrtrichtung erlauben sollte.

Quellen

  1. Vikash Gayah u.Carlos Daganzo, Analytical Capacity Comparison of One-Way and Two-Way Signalized Street Networks, University of California, Berkeley, 2011

Written by tlow

29. August 2019 at 14:19

#Pressemitteilung #DUH hält Diesel-Fahrverbote in Kiel noch in 2019 für alternativlos

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Pressemitteilung der Deutschen Umwelthilfe vom 15.07.2019

Landesregierung und Oberbürgermeister machen sich lächerlich mit vorgeschlagenen NO2-Staubsaugern und einem Spurwechsel für Diesel-Pkw direkt an der amtlichen Messstation – Trotz Rekordbelastung von 60 µg NO2/m3 Luft ist der Kieler Luftreinhalteplan einer der schlechtesten im Bundesgebiet – DUH vermisst Hardware-Nachrüstungen für Busse und Kommunalfahrzeuge, Nachrüstung von Handwerker- und Lieferfahrzeugen – Selbst Ausbau des ÖPNV und Verbesserung der Fahrradinfrastruktur nur marginal berücksichtigt – Verringerung der NO2-Grenzwerteinhaltung soll ausgerechnet durch Großbaustelle und Umleitungen gewährleistet werden, ohne die Auswirkung zehntausender Fahrzeuge auf den Ausweichstrecken zu betrachten – Bürger haben im gesamten Stadtgebiet von Kiel ein Recht auf „Saubere Luft“ – DUH ist zuversichtlich, dass dieser Schildbürgerstreich für Kiel keinen Bestand vor Gericht haben wird und sieht zonales Diesel-Fahrverbot einschließlich der Abgasstufe Euro 5 zur schnellstmöglichen Einhaltung des NO2-Grenzwerts als unverzichtbar an © elcovalana – Fotolia

Stellungnahme als PDF

Written by tlow

15. Juli 2019 at 14:06

Eine #Seilbahn in Kiel?

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Seilbahn-Grenoble.JPG
Von Jörg Sancho Pernas – Eigenes Werk, CC BY 3.0, Link

Seit einiger Zeit wird die Idee einer Seilbahn immer wieder als Alternative zu einer Stadtbahn ins Spiel gebracht. Zeit für einen vergleich der Systeme. Das derzeitige Bussystem ist an einer Kapazitätsgrenze. sicher braucht es auch eine professionelle und moderne Überarbeitung der Linie und Fahrpläne nach neusten Gesichtspunkten. Dennoch stößt man an Grenzen mit Bussystemen. Ein neues System muss also besser sein als das reine Bussystem:

  • Bus-Kapazität maximum ca. 4.000 Fahrgäste pro Richtung pro Stunde (ein Niederflur-Gelenkbus hat 49 Sitz- und 126 Stehplätze: 126 – gesamt: 175 Fahrgäste)
  • Stadtbahn-Kapazität maximum ca. 40.000 Fahrgäste pro Richtung pro Stunde
  • Seilbahn-Kapazität maximum ca. 4.000 Fahrgäste pro Richtung pro Stunde

Hier ein Artikel, der vor allem die Vorteile hervorhebt. Dort steht unter anderem:

Die geringere Transportkapazität einer Seilbahn wird durch geringere Investitionskosten und Betriebskosten wettgemacht. 

Aber die oben genannten Zahlen belegen bereits, dass eine Seilbahn was die Kapazität angeht keine Alternative zu einer Stadtbahn werden kann.

Ich würde da gerne als Alternativgedanken ins Spiel bringen, ob Seilbahnen nicht eher als Alternative für die Fördefähren dienen können. Vorteil: Seilbahnen brauchen keinen Diesel. Elektroantriebe sind bei Schiffen auch möglich, aber noch nicht so leistungsfähig und marktreif.

Ein neues Schiff kostet alleine 3,9 Millionen Euro. Die neuen Schiffe werden mit GtL betrieben, die besonders viel Methan und ist besonders (klimaschädlich) Die Stadt Kiel feiert sich dafür als Klimahelden:

 „Das ist ein weiterer Mosaikstein für Kiel auf dem Weg zur Luftreinhaltung und mehr Klimaschutz“, so Kämpfer.

Dabei ist die Kapazität einer Seilbahn-Linie deutlich höher als die eines Fährschiffs. Zudem haben Fährschiffe eine Saison, die von Mitte Mai bis Anfang September geht. Danach ist bisher der Verkehr eingeschränkt.

Mein Vorschlag wäre also die Idee Seilbahn eher als Ergänzung durchzurechnen. Gerade für Strecken wie Laboe-Strande wäre es sicher eine attraktive und schnelle Alternative (ca. 5 Minuten Fahrzeit statt 15 Minuten)

Ansonsten sollte man das aber derzeit nicht als Alternative zu einer Stadtbahn diskutieren, denn das kann sie nicht sein. Genau so wenig wie manch‘ andere Konzepte.

Written by tlow

20. Juni 2019 at 15:38

Veröffentlicht in Stadtentwicklung, Umwelt, Verkehr

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Wieviel #Auto brauchen wir? #KielAutofrei

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Wilhelmplatz. Viel Platz um Nichts!?

Um 40 % will die Stadt Kiel den Autoverkehr im Stadtgebiet bis 2035 senken (Masterplan Mobilität 3 Prognosen und Potenziale). Bisher steigt er allerdings noch. Und noch will die Stadt Autostraßen ausbauen, wie auch den Anschluss der A21 via Südspange Gaarden. Und anderswo wird dann auch davon gesprochen, dass man sich auf wachsenden Verkehr einstellen müsse.

In einem Tweet-Thread hatte ich vor einigen Tagen bezüglich des Theodor-Heuß-Ringes den Vergleich gewagt:

Auf dem THR also hätten wir potentiell eine Verfehlung des Zieles statt nur noch 57.042 auf 164.471 an einem Tag!. Man würde damit das Ziel um 288% verfehlen! Von heute aus betrachtet (2019) müssten wir eine knappe Halbierung des Zieles erreichen bis 2035.

Und am THR hängt viel an Kiels innerstädtischen Verkehr. D.h., dass Maßnahmen hier besonders viel Effekt hätten zum stadtweiten Reduktion von Luftschadstoffen und Lärm. Und es wäre nicht zu erwarten, dass von den 100% der heutigen Verkehrs sich einfach eine andere Bahn wählt. Viel Verkehr würde ohne den THR überhaupt nicht existieren. Der THR überlaubt erst bestimmte kleine Einkäufe in einer angemessenen Zeit zu erledigen. So leitet er u.a. auch Einkaufsverkehre aus Kiel schnell nach Schwentinental.

Für die Zukunft überlegen Planer*innen weltweit, wie viel Autos wir überhaupt brauchen. So gehen einige davon aus, dass die Fahrzeugflotte nur 1/3 betragen könnte, ohne das wir etwas davon merken würden.

Andere gehen auch davon aus, dass durch Autonomes Fahren und Carsharing die Autobesitzquote drastisch zurück geht. Vermutlich weniger Autos, aber auch wirklich weniger Fahrten? Leider steigt der Verkehr in Städten mit Uber&Co leider drastisch zu Lasten des ÖPNV. Weil dann das Autofahren billiger und gleichzeitig komfortabler wird. Eigentlich ein Rückschritt.

Wir werden uns aber auf das Autonome Fahren einstellen müssen. Bei der Firma Tesla ist man wohl 2020 schon so weit es freizuschalten. Da sind viele skeptisch, ob das dann wirklich so schnell geht und ob das wirklich so eine gute Idee ist. Ich sehe darin eine große Chance: Die Städte brauchen jetzt neue Regeln und müssen ihren ÖPNV fit machen für diese Herausforderung die kommen wird. Autonome Busse und Stadtbahnen und Schiffe werden wohl zeitgleich möglich sein. Im Kleinen gibt es die sogar bereits. Damit könnten Zubringer-Dienste angeboten werden, die bis heute noch als zu teuer gelten. Insbesondere auf dem Lande.

Für Kiel sehe ich die Chance in den kommenden Jahren angefangen sofort und dieses Jahr bis 2025 an den großen Verbindungsstraßen anzufangen die Kapazitäten einzuschränken. Fußgängerwege verbreitern, Parkplätze abbauen und damit unsere Städte lebenswerter machen. Hier könnten mehrere Entwicklungen die heute schon absehbar sind unterstützt werden und ineinander greifen.

Kiel muss ab sofort wirksam verhindern, dass noch mehr Autos in Kiel zugelassen werden und hinein fahren. Und es braucht eine Trendumkehr. Kiel sollte damit anfangen zu versuchen, die Ziele, die es sich bereits gesetzt hat, tatsächlich zu erreichen oder darüber hinaus gehen. Dies wird aber nur mit großen und radikaleren Schritten gehen.Jedes Jahr treffen Menschen die Entscheidung: Mache ich einen Führerschein oder kaufe ich mir ein neues Auto? Es muss noch dieses Jahr vielen klar werden, dass das eigene Auto unattraktiver wird. Wir brauchen ab sofort mehr als nur kostenpflichtige Parkplätze, sondern viel mehr bis nächstes Jahr einen Plan für den jährlichen Abbau davon. also z.B. jedes Jahr einen bestimmten Prozentsatz oder fixe Anzahl. D.h. ab sofort braucht es auch einen Stop für neue Parkhäuser!

Written by tlow

16. Juni 2019 at 22:34

Erneutes Gerangel um #Katzheide #RVKiel

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Nach dem geklärt war, dass Katzheide doch wieder saniert wird und die Eröffnung des neuen Hörnbads bevor stand sah ich keinen Anlass dazu vorerst weiter das Handeln der Stadt in Zweifel zu ziehen. Allerdings hatten wir als Gaardener oder Aktivist*Innen im Verein Katzheide JA! damals durchaus schlechte Erfahrungen mit dem Wahrheitsgehalt von Aussagen der Stadt gemacht. Insbesondere wenn es um den Zustand des Beckens und der Folie ging wurde das Informationsgefälle ausgenutzt.

Stadtrat Stöcken teilt mit, dass im Schwimmbecken des Sommerbades Katzheide eine Ausbeulung an der Folie festgestellt worden sei. Für die nähere Untersuchung und Behebung des Schadens habe die Verwaltung nun Hilfe beim Meeresforschungszentrum Geomar erbeten.

Stadtrat Stöcken betont, dass die Verwaltung alle möglichen Bemühungen anstellen werde, um den Badebetrieb aufrecht zu erhalten.

14.7.16 Ausschuss für Schule und Sport

Ich empfehle dazu auch einen alten Artikel von mir:

Um es mal etwas voreingenommen aber mit dem Versuch es einigermaßen neutral darzustellen zusammenzufassen:

Die Stadt hatte bestimmte Pläne und Vorstellungen. Man orientierte sich z.B. an einen Bundestrend, dass Wasserflächen von Freibädern immer verkleinert werden. Also nach dem Motto „klein aber fein“. Und statt wie vor der Installation des Sport- und Begegnungsparkes von „Herz des Parks“ von Katzheide zu sprechen, wurde das Freibad zunehmend als Balast betrachtet und schlechter dargestellt, als es war. z.B. konnte man aus dem Bädergutachten ablesen, dass es 2003 den höchsten Kostendeckungsgrad (mit 20,9%) aller hallen- und Sommerbäder hatte. Las man aber die Texte in der Öffentlichkeit musste man vermuten, dass es den schlechtesten Kostendeckungsgrad hatte.

Neues Ziel war eine „Verkleinerung“ und „Integration“ in den Park. Das Stadtplanungsamt sprach im Beteiligungsverfahren dann auch von „Sichtachsen“, die man haben wolle und das man Bäume wegnehmen müsse, damit Spaziergänger*innen von außen hereinschauen können sollten. Am liebsten wollte man es ganz öffnen, also ohne Zaun, sodass endlich auch Hundebesitzer*innen und Drogenabhängige unkontrolliert das Gelände betreten können würden. Das es überall sonst als Problem angesehen wird in Gaarden, dass es überall Hundehaufen gibt oder Drogenverstecke und Drogenhandel an jeder Ecke wurde nicht erwähnt. Man konnte den Eindruck gewinnen „Irgend was mit Wasser“ hätte am Ende bedeutet nur noch eine Art Springbrunnen zum Abkühlen wäre das Ziel: Ohne Schwimmbecken, ohne Umkleiden, ohne Liegewiese. Also den eigentlichen Charakter zu zerstören. Der Charakter ist dadurch geprägt, dass viele Jugendliche und Familien Katzheide in Gaarden, aber nicht nur hier, das Freibad als Naherholung genutzt haben im Sommer um dort den Tag zu verbringen. Dabei gings dann nicht nur einfach ums Schwimmen, sondern auch ums „Socialisen“. Etwas Ruhe vom Alltag und Kontrast zur Stadt.

In den Beteiligungsverfahren, dass durchgeführt wurde kam es dann zum Clash zwischen den Vorgaben der Stadt und denen der Bevölkerung/Nutzer*innen. Wir sollten uns die Gedanken der Stadt machen, WIE Katzheide besser integriert und damit der Charakter beseitigt werden könne. Es ging nicht um Vorschläge oder einen ergebnisoffenen Charakter, wie man es uns vorher hoch und heilig versprochen hat. Beteiligung heißt in Kiel all zu oft: Die Stadt weiß, was sie will, muss aber eine Beteiligung durchführen/abhaken, damit sie Fördergelder bekommt und loslegen kann. Betrachtet man es so, sind Bürger*innen äußerst hinderlich bei einen Beteiligungsverfahren. In Abschlussbericht des Verfahrens drehte man dann dem Katzheide-Verein auch noch einen Strick, in dem man ihm vorwarf den Prozess sabotieren zu wollen, anders als z.B. Jugendliche in einem eigenen Verfahren, die eine Rutsche haben wollten. Das die Rutsche Teil der Vorschläge des Vereins waren und die Mitglieder alles engagierte Kieler*innen, die zum Großteil auch Nutzer*innen repräsentierten. Und das es auch von vielen Nicht-Mitgliedern einhellige Kritik am Verfahren und Äußerungen und Verhalten der Stadt gab wurde geflissentlich übersehen.

Mit einigen Abstrichen konnte aber erreicht werden, dass Katzheide nicht geschlossen wurde und auch nicht so verkleinert, dass der Charakter vollkommen verschwinden würde. Eine Sanierung mit Edelstahlbecken übertraf sogar die Erwartungen der Aktivist*innen.

Um so mehr war ich erstaunt, dass jetzt wieder während der Ratsversammlung auf Twitter mit halbgaren Argumenten aus dem GRÜNEN Umfeld Katzheide in Zweifel gezogen wurde:

CDU, FDP, SPD, GRÜNE gaben sich in vergangenen Debatten auch nicht viel (nur so als Beispiel der damalige Abgesang André Wilkens (SPD)) was ihre feindselige Haltung gegenüber Katzheide betraf. Von der CDU „Da geht keine müde Mark mehr rein!“ bis zu den GRÜNEN. Hier noch mal die Rathausrunde von 2015:

Zusammenfassend kann man sagen, dass fast alles, was die o.g. Parteien dort gesagt haben Bullshit war. Zum Teil natürlich auf falschen Aussagen der Verwaltung. Aber eben auch basierend darauf, dass die Ratsleute oft gar nicht bereit waren selber zu recherchieren oder recherchieren zu lassen. Die haben ja durchaus Mitarbeiter*innen oder Parteimitglieder. Ich weiß da ist viel Papierkram, aber es geht ja darum, die richtigen Entscheidungen zu treffen.

Mit ein wenig Rechercheaufwand würde man z.B. auch erfahren, dass ein normales Freibad durchaus 30.000 Liter pro Tag verliert:

Pro Badegast ersetzen Bäder durchschnittlich 30 Liter Wasser am Tag. Ein Schwimmbecken von 50 mal 20 Metern und 2 Metern Tiefe fasst zwei Millionen Liter Wasser. Wenn an einem warmen Sommertag tausend Badegäste darin schwimmen, muss der Betreiber also 30.000 Liter Wasser neu zufließen lassen – das ist eine vergleichsweise kleine Menge: 1,5 Prozent des Beckenwassers.

Zur Sanierung und dem Ablauf: Wie schon in den vergangenen Jahren hat es die Stadt Kiel wieder ein mal nicht geschafft einen A4-Zettel aufzuhängen mit Infos zu den Gründen der Schließung. Bei der Schwimmhalle Gaarden hing auch eine falsche Wegbeschreibung zum neuen Hörnbad. Das ganze wirkt doch eher lustlos und so, als wenn man nicht bereit oder in der Lage wäre das Mindeste zu tun, was eine Bäder GmbH tun sollte. Da haut aber offenbar auch niemand mal auf den Tisch.

Wie ehrlich kommuniziert die Stadt jetzt mit der Sanierung? Unsere (Katzheide-Befürworter*innen) Erfahrungen sind eher schlecht und wir müssen wieder nachhaken, wie am 13.6. Uli Hühn, um über den Sachstand informiert zu werden. Fakt ist: Viel getan hat sich dieses Jahr nicht. Das Informationsgefälle sorgt dafür, dass wir nicht überprüfen können, wie sehr sich da die Stadt bemüht hat. Mein Gefühl ist. Die Stadt will tatsächlich sanieren, aber an hat sich dieses Jahr nicht beeilt. Denn dadurch sehen die Zahlen des Hörnbades auch besser aus.

Und das ist der weitere Aspekt: 2003 wurde für das Szenario mit einem Kombibad kalkuliert, dass möglich wäre fast 470.000 Gäste in der Bäderlandschaft zu erreichen. Wenn es jetzt 200.000 gab, ist man zu dem Ziel auf einem guten Weg. Auch wenn es viel Kritik am neuen Bad gab von fast allen Seiten/Parteien.

Ja, es muss dieses Jahr saniert werden. Wenn jetzt bald gearbeitet würde, wäre eine Schließung der Saison dieses Jahr hinnehmbar. Ansonsten würde man schon erwarten, dass die Folie repariert wird, wie das in einem Freibad jedes Jahr passieren muss.

Ich denke, dass es Zeit ist da die Grabenkämpfe zu beenden. Was aber nur möglich ist, wenn die Stadt lernt transparent und ehrlich zu sein. Bisher ist es immer noch das Gegenteil. Und das schürt Misstrauen und Politikverdrossenheit.

Written by tlow

14. Juni 2019 at 10:12

Vorschläge der Bürgerinitiative #Klimanotstand

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Ich habe mir die Vorschläge ein mal anlässlich des KN-Artikels genauer angeschaut und bin nicht begeistert. Und leider ist das Thema Klima und Klimanotstand zu wichtig dazu zu schweigen. Es gibt durchaus viele Punkte, denen man zustimmen kann. ich konzentriere mich hier auf die m.E. schwerwiegenden Fehler:

1. Vorschlag der Einrichtung eines Dezernats für Umwelt-, Natur- und Klimaschutz

Was bei so etwas herauskommt hat man mit dem von Albig geründet Wirtschaftsdezernat gesehen. Gaschke löste es 2012 wieder auf. Dezernate sollte man nicht ständig neu gründen und wieder auflösen. Und es ist auch nicht so, dass das Ressort dann immer besser läuft. Es ist sowieso vieles verzahnt. Bei dem Entwurf der BI z.B. fehlt das Themengebiet Verkehr, Stadtentwicklung und Bauen. Dann sind wir aber schon wieder bei dem bisherigen Dezernat II, das Stadtentwicklung Bauen und Umwelt umfasst. Vielleicht wäre es da sinnvoller einen unabhängigen Beauftragten für den Klimanotstand einzusetzen, der schnell anfangen könnte und bestimmte Aufgaben und Kompetenzen erhält? Denn das Umweltschutzamt tut bislang tatsächlich nicht immer alles, was möglich wäre.

2. Vorschlag eines Mischkonzepts aus Seil- und Stadtbahn

Woher jetzt plötzlich die Idee eine so zentrale Bedeutung bekommen soll ist mir vollkommen schleierhaft und wird in dem Maßnahmenpaket auch nicht weiter erläutert. Wenn es einen Klimaeffekt geben soll müssen wir hier aber davon ausgehen, dass es keine kleine Strecke sein soll, sondern, dass es eine Seilbahn geben sollen, die massenverkehrstauglich sein soll. Kiel soll also GLEICHZEITIG eine leistungsfähiges Stadtbahnsystem und Seilbahnsystem (die miteinander nicht kompatibel sind) einführen? Dazu empfehle ich diesen Artikel bei Zukunft Mobilität. Mir fehlt dazu aber eine sehr konkrete Lösungsvorschlag. Grundsätzlich fällt mir dazu ein:

  • Die Anbindung von Holtenau über den Nord-Ostseekanal – da wird es wohl keine Stadtbahn geben.
  • Eine schnelle Querung der Förde. Die Linienführung müsste aber wohlüberlegt sein, damit sie möglichst oft genutzt wird

Wichtig finde ich, dass man beide Verkehrsmittel unabhängig voneinander denkt. Denn es ist sehr wichtig, dass die Stadtbahn-Entscheidung bald kommt. Bisher werden da nur Papiere vorbereitet, die auf eine Entscheidung hinführen sollen. Dabei plant man eigentlich schon seit Jahrzehnten die Einführung. Die Seilbahn erscheint mir da momentan eher als Ablenkung und Verzögerung.

3. Vorschlag für mehr Shared Spaces und verkehrsberuhigte Bereiche

Die Forderung nach Shared Spaces ist unvereinbar mit dem Zurückdrängen des Autos. Es bedeutet, dass Autos, Fußgänger*innen und Radfahrer*innen gleichberechtigt sind. Um den Radverkehr aber zu beschleunigen braucht dieser vor allem eigene Wege und keine Unsicherheit wegen eventuellen Kollisionen mit anderen Verkehrsarten. Da die Maßnahmen auch Protected Bikelanes fordern gibt es hier zudem einen Widerspruch. Und Fußgänger sollten auch ihre Bereiche haben, die nicht von Autos gestört werden. Shared Spaces kollidieren mit der Forderung einer Autofreien Innenstadt. Und Verkehrsberuhigte Bereiche haben nicht funktioniert. Also z.b. Spielstraßen u.ä. haben nicht zu weniger Verkehr geführt und das Auto auch nicht zurückdrängen können.

Fazit

Insgesamt erscheinen mir zu kleinteilig zu sein. Und dann die Zahlen doch nicht genau durchgerechnet, wenn z.B. am Anfang drei mal eine Änderung um 6% gefordert wird. Dann gibt es wiederum große Lücken. Z.B. kein Wort zu Kreuzfahrtschiffen. Zu unausgegoren und zufällig. Aber das hilft uns so nicht weiter, weil es dafür, dass es dann sehr ins Detail geht zu wenig fundiert ist.

Written by tlow

11. Juni 2019 at 11:51

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