KielKontrovers

Gesellschaftliches aus Kiel und Schleswig-Holstein

Archive for the ‘Wirtschaft’ Category

Das Landtagswahl-Alphabet der Parteien: #FDP #LTWSH

Am 17. März werden weitere Parteien feststehen, die zur Wahl zugelassen werden. Ich werde zunächst nach der CDU im November diese weiteren Parteien thematisieren: FDP, GRÜNE, LINKE, SPD, SSW. Heute also die FDP.

Aktuelle Umfragewerte zusammengefasst findet man bei wahlrecht.de.

Die FDP im Land wird sehr stark mit Wolfgang Kubicki identifiziert. Ich erinnere mich noch sehr deutlich an das Plakat 2012 (siehe rechts), dass die Arroganz der Partei sehr deutlich machte.

Hat es der Partei damals geschadet? Immerhin verloren sie damals im Vergleich zu 2009 6,7 Prozent an Stimmen (Quelle: Wikipedia).

Momentan liegt die Partei in Umfragen bei 9 Prozent. Das wären immerhin 0,8 % mehr als 2012 (8,2%). Und das obwohl die Piratenpartei dieses Jahr wohl deutlich schwächer ist und teilweise vergleichbare Positionen vertritt.
Im Dezember verkündete der Landesvorsitzende Garg:

„Wir haben für die anstehende Landtagswahl das Ziel ausgegeben, mit unserem Spitzenkandidaten Wolfgang Kubicki ein zweistelliges Ergebnis für die FDP Schleswig-Holstein einzufahren. „

Möglich ist das sicher, aber doch aus heutiger Sicht eher unwahrscheinlich. Unter anderem möchte die FDP das Verbandsklagerecht bei Infrastrukturprojekten abschaffen. Damit wäre Widerstand gegen Projekte wieder beschränkt auf das Klagerecht von betroffenen Einzelpersonen.

Bei Verbandsklagen waren Verbände im Zeitraum 2007-2010 zu 42,5 Prozent erfolgreich gewesen. Das heißt, dass bei Vorhaben zu Recht Kritik formuliert und Klage erhoben wurde. Vorhaben mussten dann korrigiert werden bzw. enthielten Verfahrensfehler. Es wäre ja noch verständlich, wenn Klagen lediglich Verfahren verzögern aber zu großen Teilen unbegründet wären.

Der NABU klagte im Durchschnitt ein mal pro Jahr in den letzten 10 Jahren. Von einer Flut von Klagen kann man da wohl nicht sprechen. Das Problem für die FDP scheint wohl eher darin zu liegen, dass ein großer Prozentsatz der Klagen  erfolgreich ist, weil Fehler passiert sind. Der FDP wären also fehlerhafte Infrastrukturmaßnahmen lieber, die geltendes Recht mißachten, als dass es Verzögerungen aufgrund notwendiger Korrekturen gibt.
Das wäre dann das Prinzip „Unrecht“ vor „Recht“.

Insgesamt wirkt das Parteiprogramm der FDP wie eine Mischung aus dem, was man von ihr erwartet: Radikal pro etablierter Wirtschaft,  gegen Umweltschutz, europafreundlich, generell für Bürgerrechte aber insgesamt unter dem Strich sehr konservativ und angestaubt. Umweltschutz wird nicht negiert, aber als prinzipiell nachrangig betrachtet. Wie z.B. un ter Verkehrspolitik in Zeile 829 am Ende des Absatzes:

Hierbei darf der für uns  unbestritten notwendige Umweltschutznicht vernachlässigt werden. Dieser darf aberauch nicht zu einer Verhinderung von notwendiger und politisch gewollter Verkehrsinfrastruktur führen.

Also ein großes: „JA, ABER…“

Generell denke ich dazu, dass es wenig Sinn macht Umweltschutz anzupacken, wenn man es nicht konsequent machen will. Also z.B. Verbandsklagen reduzieren. oder was den Klimawandel angeht, so kann man dann nicht den Ausbau von Fernstraßen propagieren. Es braucht dann eine echte Verkehrswende. Wie es so schön heißt: „Wasch mir den Pelz, aber mach mich nicht naß!“ Geht nicht… Es braucht dann größere Schritte, die konsequent umgesetzt werden, z.B. damit Menschen wirklich vom Auto auf Bahnen umsteigen. Es reicht dabei nicht lediglich hier und da das Bahnfahren zu erleichtern.

Die Passage zur Attraktivierung der Bahn enthält 34 Zeilen von insgesamt 476 des Bereiches Verkehrspolitik und auch nicht bei den ersten Punkten zu finden.

Soweit erst mal zum Thema FDP an dieser Stelle.

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Written by tlow

5. März 2017 at 12:35

Bericht zu Arbeitsbedingungen bei “#DHL” in Kiel #HFL #KEP

Der Originalbeitrag erschien im Januar 2017 auf betriebsgruppepostdienstenord.blogsport.eu . Video  von DerKilometerfresser

Der Druck auf die Arbeitsbedingungen von dem börsennotierten Konzern ist allgegenwärtig. Die Blüten, die es treibt, sind skandalös. In Kiel gab es mehrere Fälle, in denen man Paketzusteller unbezahlt arbeiten ließ, um den Job „kennenzulernen“.

Man nutzte die Unsicherheit von Migranten aus, die sich mit dem deutschen Arbeitsrecht nicht auskennen.

Ein Interview:

DHL kann sich die Hände in Unschuld waschen und allein den Subunternehmer als Verantwortlichen hinstellen. Schuld ist jedoch das System des Outsourcings, das abgeschafft gehört. Kein Outsorcing! Keine Fremdvergaben. Alle Arbeit in einem Unternehmen zu einheitlichen Bedingungen!

Es ist auch verwunderlich, daß Verdi von solchen Machenschaften bei der Post nichts mit mitbekommen hat. Interessiert sich die Gewerkschaft nur noch für ihre zahlenden Mitglieder?

Links zum Video:

Written by tlow

2. März 2017 at 07:18

Veröffentlicht in Arbeit, Grundrechte, Wirtschaft

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#Katzheide Warum eine Verkleinerung keine Lösung ist

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Es ist eigentlich ganz schnell erklärt: Katzheide hat seine Kapazität mit der Liegewiese und den drei Schwimmbecken. Die 50-Meter-Bahn lockt bestimmte Besucher, genau so wie das Baby- und das Nichtschwimmerbecken. Der Betrieb des Bades führt zu bestimmten Kosten. Als Argument gegen Katzheide wurden immer wieder sinkende Besucherzahlen genannt.

Nun muss man dazu natürlich auch wissen, dass die Öffnungszeiten nicht immer regelmäßig waren.2011 z.B. meist von 8-20 Uhr (aber wetterabhängig), an Mittwochen sogar 6.30-21 Uhr, 2012: erst ab 13 Uhr (wetterabhängig) [Informationen von der Seite http://www.kinder-kiel.de (Webarchiv), Danke für den Hinweis!]

Aber von der Vergangenheit abgesehen: Durch eien Reduzierung von Becken oder Beckengrößen und durch eine Reduzierung der Liegewiese, würde die Kapazität vom Freibad Katzheide weiter sinken. Es geht jetzt nicht darum, ob man am Rand mal 1-2 Meter wegnimmt. Das hat sicher nur geringe Auswirkungen. Aber alle größeren Maßnahmen würden sich massiv auf die Besucherzahlen auswirken. Und war Katzheide bisher (abgesehen vom Eiderbad und den Stränden) das Bad mit dem geringsten Zuschussbedarf (trotz Beheizung!), wird dies in Zukunft sicher anders sein.

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Mit Sicherheit wird das neue Kompromissbad einen viel höheren Zuschussbedarf haben.

Es wäre doch absurd, wenn man nun mit den vorgeschlagenen Maßnahmen genau das erreicht, was man am meisten an Katzheide kritisiert: Zu wenig Besucher und ein gewisser Zuschussbedarf. Die einzigen Maßnahmen, die sinnvoll wären, müssten eigentlich lediglich die Besucherzahlen erhöhen. Dadurch würde der Wert von Katzheide stark steigen. Es ist schon bezeichnend, das keine der vorgeschlagenen Maßnahmen bei dem Bürgerbeteiligungsverfahren zum Ziel hat mehr Besucher anzuziehen.

In einer „Information zum Bädermarkt“ zur laufenden Bürgerbeteiligung steht u.a.

„Freibäder sind ein Zuschussgeschäft, das nur schwer positiver gestaltet werden kann.“

Damit wird impliziert, dass Hallenbäder gemeinhin kein Zuschussgeschäft sind. Das könnte aber falscher nicht sein. In Kiel haben Hallenbäder mehr Zuschuss von der Stadt bekommen als die Freibäder (Hammer und Katzheide)!

Dann wird auch gesagt:

„Es wird mehr Erlebnis, bspw. Trendsport und Wellness, in Freibädern gefordert. Das klassische Schwimmen ist dagegen deutlich in der Beliebtheitsskala zurückgefallen.“

Im Bädergutachten 2005 wurde in eine ähnliche Kerbe gehauen und im Vergleich das Meerwasserhallenbad in Laboe als bessere Mitbewerber gesehen. Allerdings ist gerade dieses Bad in Laboe von der Schließung bedroht. Die Annahme, dass eine Umsetzung dieser Maßnahmen zwingend zu einem Erfolg führt ist also auch abwegig.

Generell beisst sich hier die Katze in den Schwanz: Wie die süddeutsche Zeitung  berichtet, können immer weniger Kinder und auch Erwachsene schwimmen. Diese sind dann natürlich auch keine potentiellen Besucher. Allerdings wird als Hauptursache die Verringerung der Wasserflächen durch die Schließung von Frei- und Hallenbädern gesehen. Immer weniger Schwimmkurse können angeboten werden. Da hat gerade auch die Stadt Kiel in den letzten Jahren den Vogel abgeschossen.

Man nimmt also die geringeren Schwimmerzahlen als Argument für eine Reduzierung der Wasserfläche, die dann aber gleichzeitig Grund für eine Abnahme der Schwimmer ist. Na bravo!

Kiel bezeichnet sich selbst als wachsende Stadt. Und warum braucht eine wachsende Stadt weniger Schwimmfläche? Und wieso braucht eine Landeshauptstadt kein einziges Freibad?

Zur Zeit ist Katzheide geschlossen. Angeblich, weil die Öffnungszeit an die der Strände angepasst ist. Die Kieler Nachrichten veröffentlichte vor kurzem eine Karte mit Freibädern in der Region. Zum einen noch mal interessant zu sehen, wie viele weit kleinere Orte selbstverständlich ein Freibad haben und zum anderen haben viele bereits geöffnet oder eine Öffnung steht in den nächsten Tagen bevor. Keines der Bäder aber soll erst im Juni eröffnen.

Am nächsten liegt das Freibad Schwentinental, das ebenfalls beheizt ist, aber bereits am 1. Mai eröffnet hat! Um Katzheide attraktiv zu machen kann man vieles tun, z.B. es einfach mal eröffnen. Natürlich werden Schwimmer, die erst einmal anfangen nach Schwentinental zu fahren das dann auch eher weiter nutzen im Jahresverlauf. Dazu brauchen wir keine Bädergutachten, sondern nur gesunden Menschenverstand!

ULD: Verantwortlichkeit von Fanpage-Betreibern vom Bundesverwaltungsgerichts noch nicht entschieden – der EuGH soll’s richten

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PRESSEMITTEILUNG des ULD

Heute fand in Leipzig die Verhandlung vor dem Bundesverwaltungsgericht
statt, der den Verwaltungsrechtsstreit zwischen der Wirtschaftsakademie
Schleswig-Holstein GmbH (WAK) und dem Unabhängigen Landeszentrum für
Datenschutz Schleswig-Holstein (ULD) zum Gegenstand hatte. Anlass war
eine Anordnung des ULD gegenüber der WAK vom 3. November 2011, eine von
dieser betriebene Facebook-Fanpage zu deaktivieren. Nach Auffassung des
ULD verletzt der Betrieb der Facebook-Fanpage europäisches und
nationales Datenschutzrecht. Nachdem die WAK gegen die Anordnung Klage
eingereicht hatte, beschäftigte der folgende Rechtsstreit bereits das
Schleswig-Holsteinische Verwaltungsgericht (09.10.2013) und das
Schleswig-Holsteinische Oberverwaltungsgericht (04.09.2014).

Das Bundesverwaltungsgericht hat in seinem Beschluss keine Entscheidung
über die maßgeblichen Rechtsfragen getroffen. Insbesondere die
Verantwortlichkeit von Unternehmen für die Datenverarbeitung auf von
ihnen betriebenen Facebook-Fanpages blieb ungeklärt. Stattdessen hat das
Bundesverwaltungsgericht insgesamt sechs Rechtsfragen dem Gerichtshof
der Europäischen Union (EuGH) zur Beantwortung vorgelegt. Diese Fragen
betreffen Kernpunkte des hier zu entscheidenden Sachverhalts. Unter
anderem legt das Bundesverwaltungsgericht die Frage vor, ob es neben den
deutschen Regelungen zur Verantwortlichkeit weitere Umstände gibt, die
für eine Verantwortlichkeit bei mehrstufigen
Informationsanbieterverhältnissen Raum lassen. Speziell geht es hier um
den Punkt, inwieweit es neben der Auftragsdatenverarbeitung eine
Sorgfaltspflicht für die Auswahl von Dienstleistern im Internet gibt.
Schließlich soll der EuGH klären, ob das Tätigwerden einer
Datenschutzaufsichtsbehörde davon abhängig ist, dass vorher die für den
Diensteanbieter zuständige Aufsichtsbehörde in einem europäischen
Mitgliedstaat um eigenständiges Tätigwerden ersucht wird.

Bis zur Beantwortung der Fragen wird das Revisionsverfahren ausgesetzt.

Marit Hansen, die Leiterin des ULD, kommentiert: „Nach mehr als fünf
Jahren und drei Instanzen hatte ich auf klare Aussagen und einen
Abschluss des Rechtsstreits gehofft. Vor dem Hintergrund, dass wir in
zwei Jahren mit der Europäischen Datenschutz-Grundverordnung arbeiten
werden, steht zu befürchten, dass der ursprüngliche Sachverhalt in der
rechtlichen und technischen Umsetzung überholt sein wird. Mit Blick auf
die jüngsten Urteile des EuGH mit Datenschutzbezug ist aber hier mit
deutlichen Impulsen für den Schutz der Betroffenenrechte zu rechnen.
Außerdem freue ich mich darüber, dass das Bundesverwaltungsgericht in
der Verhandlung die Wirksamkeit der Grundrechte auch in komplexen
Verarbeitungszusammenhängen im Internet betont hat.“

Original der PM

Weitere Informationen zum Hintergrund:
https://www.datenschutzzentrum.de/artikel/983-.html

Written by tlow

25. Februar 2016 at 18:27

Hin und Her beim Windpark #Windvernunft

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Zunächst hatten die GRÜNEN auf einer Kreismitgliederversammlung ihr JA zu dem Windpark in Meimersdorf bestätigt Und plötzlich steigt der Seniorkooperationspartner SPD aus.

SPD-Kreischef bekräftigt: „Wir wollen den Ausstieg aus dem Windpark“
Einen Tag nach der Entscheidung der grünen Kreismitgliederversammlung, an den Windpark-Plänen für Meimersdorf festzuhalten, hat Kiels SPD-Kreischef Jürgen Weber seine ablehnende Haltung präzisiert.

Sicher ist da was dran, dass man so etwas wie Windparks nicht gegen den Willen der Bürger durchsetzen kann. Aber der Schritt der SPD scheint doch recht überraschend und unabgestimmt. Schließlich lässt er jetzt die GRÜNEN alt aussehen, weil die gerade ihr Bekenntnis erneuert haben.

Der Eindruck der SPD in Kiel ist aber insgesamt so, dass sie nicht so recht weiß, was sie will. Oft scheint sie vor dem Bürgerwillen in letzter Sekunde zurückzuzucken, ohne wirklich ihre Überzeugung oder Absichten zu ändern. So wirkt die Politik doch sehr beliebig. Man fragt sich dann doch: Haben sie nicht vorher geschaut, wie die Stimmungslage ist oder haben sie sich nicht vorher überlegt, ob man den Windpark braucht oder nicht?

Für eine vorwärtsgewandte Energiewende würde ich erwarten, dass man die nicht einfach als Schuß ins Blaue hinein angeht, sondern sicher stellt, dass es das Richtige ist.

 

Written by tlow

24. Februar 2016 at 10:12

Das Kreuz mit der #Kreativität #kulturwirtschaft

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Früher nannte man es „Kultur“, heute wird „Kreativitär“ als universeller Konkurrenzfaktor zwischen Städten und Regionen betrachtet. Ein Licht wirft darauf der aktuelle Artikel in der SHZ „Attraktive Stadt: Werbung für den kreativen Archipel„. Der ideologische Hintergrund ist die Ideologie, dass der Einzelne der Motor für die Gesellschaft ist. Im Kern die Ideologie des „Objektivismus“ von  Ayn Rand.

Alles was mit bestehenden realen Ressourcen zum Anfassen arbeitet, ist stärker im Wachstum begrenzt. So war z.B. zu Präsident Clintons Zeiten die New Economy besonders beliebt und gefördert. Das Internet versprach als eigene Welt, als New World ein unbegrenztes Wachstum. Man war der Meinung, dass das Wachstum hier keine weitere Wirtschaftsblase sein könne. In den 2000er Jahren stellte sich dann doch heraus, dass auch hier die Bäume nicht in den Himmel wachsen.

Genau so stellt auch die Kulturwirtschaft, die im Blairschen Großbritannien als Begriff an Populariät gewann eine Projektionsfläche für Politikerphantasien dar.

In dem SHZ-Artikel spricht bezeichnender weise der Geschäftsführer der Kieler Wirtschaftsförderung:

Von Musik bis zu Literatur, von Architektur über Werbung zur Darstellenden Kunst – Kiel kann vom „Output“ seiner drei Universitäten zehren. Insbesondere von Design und Software-Entwicklung verspricht sich Kässens starke Impulse für die Marke Kiel.

„Marke“ – darauf wird alles reduziert. Das ist kein Begriff aus der Kultur. Es ist eine Verengung auf die wirtschaftlich Ausbeutbarkeit kreativer Tätigkeiten. Bezeichnender weise hat Kiel vor einiger Zeit den letzten  Platz der 30 größten Städte Deutschlands bei der Kultur eingenommen.

Bei der Kulturwirtschaft wird gerne der Begriff der „Künstlerischen Intervention“ genannt. Hier wird versucht Probleme mit einem künstlerischen Ansatz „von außen“ zu lösen. Bei Social Entrepreneurship wird wiederum versucht soziale Probleme mit marktwirtschaftlichen Ansätzen zu lösen.

Und wenn wir mal konkret werden, so gab es zwei Projekte, in der Sie Stadt ein wenig Freiraum gegeben hat für „Kreative“. Das eine war die Lessinghalle und das andere war/ist die Alte Muthesiusschule („Alte Mu“).

Man hat sogar einige hübsche Werbevideos gemacht:

Aus Kiel:

Aus der Region:

Dabei erscheint diese Bewegung im hohen Maße selbstreferenziell. Man erdenkt einen neuen Begriff wie Kultur- und Kreaktivwirtschaft, macht Veranstaltungen dazu und stellt selber die Videos her, um den Prozess zu dokumentieren und zu bewerben. Nutzt dabei aber die Möglichkeiten der Werbung, um in den Videos stilistisch eine investigative Note einzubringen, die in ihrer Stupidität aber eher offenbarend ist.

Gemein ist diesen Ansätzen, dass sie nicht etwa die Kassen öffnen für Kultur und Kunst. Es geht mehr darum Künstler und Kunst zu benutzen für Firmen oder für Marken wie „Kiel“, „FH“, „Uni Kiel“. Die Aktiven und Propagandisten haben dabei auch brav ihre Lektion gelernt. Der Witz dabei ist: Nichts könnte tödlicher sein für so etwas wie Kreativität als eine Verengung auf dern Nutzen, ihren Marktwert. Aber es geht im Grunde um nichts anderes. Man schafft Freiräume und Möglichkeiten, aber nur um dann auch den Ertrag abzuschöpfen. Daher sind Projekte wie die „Alte Mu“ oder die Lessinghalle auch immer nur auf Zeit als Zwischennutzung angelegt. Zumeist junge Leute werden aus meiner Sicht benutzt, um neue Projekte zu starten, dass sich eine Szene bildet. Dann werden die Schwachen und unkommerziellen Projekte aussortiert, z.B. auch dadurch, dass man diese Freiräume wieder schließt und abreisst – und wer überlebt kommt eine Runde weiter. Eine enge Beziehung zwischen Stadt, Wirtschaftsförderung und Wirtschaft auf der einen Seite und den dominierenden Kräften der „Kreativen Klasse“ auf der anderen Seite ist dabei wichtig. Vor allem als Rechtfertigung für den Staat, diese Politik so zu machen, wie er es eben tut. Wichtig also auch dabei die „Kreativen“ zu spalten, was am besten dadurch geht, dass man Einzelpersonen heraushebt oder Strukturen schafft, die dann Ansprechpartner werden. Demokratie ist dabei oft nur im Weg – da könnte dann ja jeder mitreden.

Wenn wir uns noch mal die Substanz des SHZ-Artikel anschauen. Was kommt dabei für die Kultur rüber? Nichts mehr als eine weitere Broschüre für die Papiertonne! Und dieses Zitat ist auch göttlich:

Volle Kraft voraus für den „kreativen Archipel“. Wie es heißt, heimsen in Kiel viele kluge Köpfe renommierte Preise ein, nur weiß es kaum jemand. Dieses Understatement aber, diese Bescheidenheit, empfinden alle Beteiligten als „geschäftsschädigend“.

So viele Worte. Offenbar ist „Kreativer Archipel“ jetzt auch so ein Modewort geworden. Ich muss da ja eher an den „Der Archipel Gulag“ denken. Eine wirklich wunderbare Assoziation, die man da unbeabsichtigt mit eingeschleust hat. Wenn also die Gesellschaft die Preise, die man sich selbst verleiht, nicht mit Applaus und Begeisterung würdigt, so handelt die Gesellschaft also „geschäftsschädigend“. Eine Wahrnehmung wie die eines Kindes, das einen Sandkuchen „gebacken“ hat und enttäuscht ist, dass die Eltern nicht jedes mal in Begeisterung ausbrechen.

Eine eine Ideologie, die aus Sand gebaut ist. Eine weitere Blase, eine weitere Illusion, die als einziges Ziel hat für den existierenden Kapitalismus lebensverlängernd zu wirken. Kreativität nutzen, um die eigene Ideenlosigkeit zu kaschieren. Schon alleine die Idee der Kreativitätsförderung ist absurd. Deren Ausbeutung als wirtschaftlicher Rohstoff aber ist pervers!

In Kiel tut sich einiges bei Kaffee

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Vor ein paar Jahren gabs, was Kaffee angeht eigentlich nur eine Größe: Das Kaffee- und Teegeschäft von Heyck mit eigener Rösterei in der Faulstraße. Ein innen und außen altmodisches Geschäft, bei dem man auf eher klassische Art bedient wurde. D.h. vom Tresen zum Kunden. Abgesehen mal von diversen Schokoladen und Tässchen und Kännchen, die da herumstehen. Den Geruch habe ich schon als Kind „mit der Muttermilch“ aufgenommen und wurde so früh zum Kaffeefan.

Dann gab es plötzlich auch Kaffee auf den Wochenmärkten. Allerdings musste ich ein wenig den Kopf schütteln wenn ich auf dem Exer bei Minustemperaturen die Schlangen vor Loppokaffeeexpress sah. Nicht weil ich mir nicht vorstellen konnte, dass der Kaffee schmeckt, sondern wegen der Ausdauer der Leute für einen oft kleinen Schluck Kaffee. Für mich hatte Kaffee immer eher etwas mit Sitzen und Gemütlichkeit zutun.

Wobei es in Italien z.B, durchaus üblich ist in einer Bar reinzuspazieren und den Espresso schnell wegzukippen und wieder zu verschwinden. Angeblich kommt die Gewohnheit noch aus der Zeit, da die Espressomaschinen auch gerne mal explodierten (wie ja auch zu der Zeit gerne mal die Dampfmaschinen).

Mittlerweile hat Loppokaffeeexpress eine eigene Rösterei mit Cafe im Grasweg. Da wurde und wird dann auch als i-Tüpfelchen die Kaffeekunst zelebriert.

Dann gabs auch irgendwann neu das Resonanz in der Mittelstraße auch mit etwas exotischerer Kaffeezubereitung. Die Macher haben nun auch in der Möllingstraße das Bakeliet gegründet.

Nicht unerwähnt möchte ich auch meinen Laden BioGaarden lassen, in dem es meine ich als einzigen Bioladen in Kiel frisch gemahlenen Kaffee gibt z.Zt. von Aroma Zapatista, Loppokaffeeexpress und Maya Kaffee.

Und es gibt im Jungfernstieg neu das Cafe Liebling, die auch Kaffee von anbieten Loppokaffeeexpress .

Ich lasse jetzt mal die Kaffeeketten und größeren Läden wie Starbucks, Campus Suite, Charmissimo weg. Dort wurde zwar auch viel Cafe serviert, aber eher im Rahmen einer bundesweiten Bewegung. Und das ganze oft auch eher lustlos und zu professionell.

Vielleicht kann mans auch übertreiben mit dem Kaffee-Kult. Aber es hat ja auch was von „Leben genießen“ anstatt nur konsumieren. Auf das richtige Maß kommt es eben an.

Written by tlow

10. August 2015 at 20:04

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