KielKontrovers

Gesellschaftliches aus Kiel und Schleswig-Holstein

Archive for the ‘Wohnen’ Category

Bürgerinitiative gg. #FlughafenHoltenau gegründet

Es gab Zeiten in Kiel, da war der Flughafen Holtenau ein echtes Problem für Kiel und das Umland nördlich des Kanals. Es kam auch zur größten Demonstration nach dem Zweiten Weltkrieg, um den weiteren Ausbau zu blockieren. Letztlich wurde Holtenau nicht ausgebaut und es blieb ein bedeutungsloser Regionalflughafen. Und das ist gut so. Davon abgesehen gilt global gesehen Hamburg Fuhlsbüttel ebenso als unbedeutender Regionalflughafen.

Es gäbe heute also theoretisch viel Grund sich gegen Holtenau zu wenden, wenn denn der Flugbetrieb erheblich wäre und mit einer damit einhergehendenden  Lärmbelästigung. Das Gegenteil ist aber der Fall.

Trotzdem oder gerade deshalb hat sich eine Bürgerinitiative zum Abriss der Landebahn gegründet und ein Bürgerbegehren gestartet „WIR MACHEN STADT„.

Ich möchte hier auf deren 10 öffentliche Gründe eingehen:

10. Zu den Organ-Transporten für die Transplantationsmedizin des UKSH gibt es Alternativen

Das mag sein. Aber es ist irgendwie seltsam, wenn man gegen einen Flughafen damit argumentiert, dass es in kleineren Orten ja auch Flughäfen gibt. Hohn hat gerade einmal knapp über 2000 Einwohner. Für die soll dann der Flughafen erhalten werden? Manche Hohner Bürger wollen das ganz und gar nicht, aber wir in Kiel wollen es ihnen zumuten? Auf der anderen Seite ist auch eine Schließung von Hohn nach 2021 in Aussicht. Also auch keine Perspektive. Ähnlich die Alternative Lübeck-Blankensee: Gerade darüber gab es in Lübeck auch viel Streit. Sollen wir also als Kieler den Lübeckern mehr Verkehr aufzwingen, oder kommt hier doch auch noch das Aus nach dem Weggang von Ryanair?

Unter dem Strich: Die Stadt muss selber entscheiden, was ihr wichtig ist. Ein Verweis auf andere Orte und Flughäfen macht wenig Sinn, da an jedem Standort auch Menschen leben und es auch dort gute Gründe geben kann, einen Flughafen zu schließen. Vielleicht oft mehr als bei einer Landeshauptstadt und ohne nötige Organtransporte.

Die Schaffung eines neuen Stadtteils: Die Lehren aus der Vergangenheit zeigen, dass neue Stadtteile aus der Retorte nach planerischen  Idealen selten funktionieren. Es handelt sich hierbei um eine „Neubau-Gentrifizierung“. Siehe auch Beispiele wie Mettenhof oder Kai City.   Mettenhof hat sich ja mittlerweile einiger maßen normalisiert. Aber neue Stadtteile vom Reißbrett können nie die Qualität bekommen, wie gewachsene Stadtteile.

Für Holtenau stellen große Flächen an Neubaugebieten auch eine Bedrohung dar für das bisherige Mietniveau. Denn bereits Neubauflächen am MFG5-Quartier würden viel Grün zerstören. Zusammen mit der Neugestaltung würde wohl noch mehr Grün zerstört.

Plan

Nach bisherigen Plänen wird es z.B, bei SO4 bereits zu Abholzungen für Wohnbebauung kommen.

Manche denken eben, dass eine reine Beendigung des Flugbetriebs von Holtenau schon eine ökologische Maßnahme wäre. Aber neues Gewerbe und Wohnen bedeutet auch Erschließungskosten und entsprechende bauliche Maßnahmen. Ohne einen massiven  Eingriff in die Ökologie und den Wasserhaushalt ist das gar nicht möglich. Eine Umwandlung des Flughafens Holtenau würde somit große Umweltschäden nach sich ziehen. Denn bei einer reinen Schließung des Betriebes und dem Entstehen einer reinen Brachfläche wird es nicht bleiben.

 Weiteres Argument der Schließungs-Befürworter:
Auf dem Verkehrslandeplatz könnten 40 ha Gewerbefläche mit 2.600 neuen Arbeitsplätzen entstehen.
Aber „Könnten“ heisst nicht „Werden“. Und: Auch Gewerbeflächen stellen eine Belastung dar und führen nicht immer zu Mehreinnahmen im kommunalen Haushalt. Zuerst stehen hohe Investitionen. Und die werden wit höher sein, als die von „Wir Machen Stadt“ kritisierten 5,5 Mio. Euro für die anstehenden Sanierungskosten.
„Zwei- bis vierstöckige Häuser mit viel Grün in verkehrsberuhigter Lage könnten
den Landeplatz in ein attraktives Angebot besonders für Familien mit
Kindern, Studierende und alle, die neu nach Kiel kommen, verwandeln.“

„Grün“ bedeutet hierbei nicht der Erhalt von Grün, sondern keine dichte Blockbebauung, wie bei einer klassischen Stadtsttuktur, sondern mehr Flächenverbrauch. Eine ähnliche Denke wie beim Bau von Mettenhof, sprich: „Viel Grün = besseres Wohnen“.

Der ganze Text der neuen Bürgerinitiative atmet auch die Sichtweise der Immobilienwirtschaft. Nimmt man die Tatsache heraus, dass der Flughafen geopfert würde, wären IHK und Haus & Grund sicher generell auch Feuer & Flamme. Bei der Suche nach guten Gründen sollte man aber schon aufpassen in welches Horn man da bläst.

Aus meiner Sicht stellt die Initiative eine große Bedrohung für die soziale Zukunft und die Umwelt in Holtenau dar. Natürlich muss dort etwas passieren und gewisse ökologische Schäden sind nie auszuschließen. Aber es ist schon die Frage, ob man von einer vorsichtigen Entwicklung ausgeht, oder von Großprojekten spricht.

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Written by tlow

9. September 2017 at 06:39

Wie geht nachhaltiges Wohnen?

Immer wieder liest man in letzter Zeit von begeisterten Kommentaren zu  Nullenergiehäusern, Ein-Raum-Häusern oder mal wieder zu Projekten wie „Earthships„.  Zusammengefasst wie z.B. in diesem Absatz:

Die Häuser zeichnen sich durch geschlossene Energie- und Versorgungskreisläufe aus, bieten gute Möglichkeiten zur Lebensmittelproduktion, bereiten Regenwasser auf und generieren Strom- und Heizenergie aus Wind- und Solaranlagen.

Was kann man dagegen haben? Im Wesentlichen, dass hier auch zu wenig systematisch gedacht wird. Insbesondere diese zwei Aspekte:

  1. Warum an einem Ort vorhandene Natur zerstören, wenn der Mensch z,b, in Städten schon Natur für Wohnzwecke zerstört hat.?Egal wie cool die Architektur oder wie gut die Umsetzung: Natur muss weichen , damit Menschen ihren Traum vom nachhaltigen Wohnen leben können?
  2. Davon ausgehend, dass Menschen dennoch arbeiten und einkaufen müssen, oder Freund und Verwandte besuchen wollen, oder zum Art müssen, … – bedeutet ein Leben auf dem flachen Land, dass Wege zurückgelegt werden müssen. Zum Teil auch mehrmals am Tag. Das erhöht den CO2-Ausstoß und auch die Notwendigkeit von Straßen.

Die heutigen Ansätze erinnern an frühere Ansätze der Gartenstädte. Damalige Städte galten als zu eng, schlecht geplant, verwahrlost,… Städte sollten daher lieber neu auf der grünen Wiese entstehen. Weil der moderne Mensch angeblich von Grund auf besser planen konnte, als die Planer des Mittelalters oder besser als das chaotische Wachstum im Stadtinneren.

Hier will ich auch nicht unerwähnt lassen, dass auch die Nazis in ihrer Ideologie eine starke Ablehnung der modernen Stadt hatten, die oft auch von Arbeitslosigkeit geprägt waren und bevölkert von Menschen, die die Nazis ablehnten. Ob nun aufgrund ihrer Freizügigkeit, der gesellschaftlichen Ideen (Kommunisten) oder ihrer „Rasse“. Dagegen wurden Siedlungen von „Germanen“ auf dem Lande propagiert, oder von neuen Städten, die vor allem anders waren als Städte wie Berlin oder Wien, mit engen Gassen, multikulturell und mit offenerem Weltbild als in Kleinstädten oder auf dem Lande.

Die Liebe und Begeisterung für ländliche Projekte in unserer Gesellschaft hat  meines Erachtens viel mit dem Hass auf Städte zu tun. Auch mit einer Verklärung eines ländlichen Idylls als Ideal des Lebens. Zwar gibt es mittlerweile in Deutschland auch wieder eine Gegenbewegung hin zur Rückkehr in die Städte, aber dennoch wollen  insbesondere viele junge Familien gerne ihr Ideal vom Leben auf dem Lande ausprobieren.

Schnell müssen sie feststellen, dass sie oft große Teile des Tages im Auto sitzen um von A nach B zu kommen. Auch genau dann, wenn man nicht nur innerhalb der eigenen Wohngemeinschaften Austausch haben möchte.

Es geht hier gar nicht darum, dass Landleben zu verteufeln. Aber war früher das Auto Symbol für die Stadt ist schon länger klar: Jugendliche auf dem Dorf haben mehr und früher einen Führerschein. Zwar sind Städte immer noch eher vom Auto geprägt. Aber auf dem Lande ist es heute immer noch unverzichtbarer als in der Stadt. Es ist derzeit eher eine bewusste Entscheidung der Städte dem Auto eine Rolle einzuräumen, die es gar nicht mehr verdient hat.

Dörfer kämpfen dagegen mit Infrastruktur-Problemen: Fehlende Einkaufsmöglichkeiten, die zur Zeit durch neue Dorfläden einigermaßen gelöst werden. Und Probleme mit der Anbindung an das Internet. Manche Regionen befürchten, dass sie langfristig abgehängt werden.

Mit dem Wohnen ist es ähnlich wie bei der Mobilität: Natürlich ist nachhaltiges Bauen besser, als Bauen ohne Rücksicht auf die Natur. Aber ebenso wie bei Autos, wo Elektromobilität auch keine Lösung für Parkplatzprobleme und Straßenbau darstellt, so bietet nachhaltiges Bauen keine Lösungen für fundamentale Probleme des Bauens und Wohnens.

Für die große Masse bieten neue, „ökologische“ Siedlungen auf dem Lande eh zu wenig Platz und sind vermutlich auch unbezahlbar, aufgrund ihrer Besonderheit.  Für das Wohnen der Zukunft also eher uninteressant.

Die Stadt mit ihren Fußwegen, den klassischen Häuserblöcken, Geschäften und Durchmischung bietet viele Möglichkeiten, wenn auch die Bausubstanz hier und da in die Jahre gekommen ist. Ökologischer ist das Leben in der Stadt jedenfalls immer, wenn man es neutral und mit Abstand betrachtet. Leider wird Ökologie da häufig verklärt mit romantischen Vorstellung verbunden mit der Ablehnung der Stadt als solche.

Written by tlow

3. April 2017 at 07:57

Warum #Elektromobilität keine Lösung ist

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Zur Zeit wird die Elektromobilität als große Lösung für die Mobilität der Zukunft gehypt. Allerdings hat sie diese Rolle aus verschiedenen Gründen nicht verdient.

  1. Die ersten Autos, die den Markt dominierten waren keine Autos mit Verbrennungsmotoren, sondern Elektromotoren. Eine verdrängte Geschichte Das an sich ist kein Argument. Aber es zeigt: Elektromobilität prägte die Vergangenheit und kann somit nicht Sinnbild der Zukunft sein.
  2. Elektromotoren haben diverse Vorteile wie z.B. die höhere Effizienz und keinen direkten Schadstoffausstoß. Das darf jedoch nicht darüber hinweg täuschen, dass sie dennoch Energie benötigen und Teil des MIV (Motorisierter Individualverkehr) sind. Auch diese Energie muss produziert werden und die Autos werden individuell eingesetzt.
  3. Elektroautos lösen nicht das Problem der Parkplätze
  4. Elektroautos lösen nicht das Problem des nötigen Straßenbaus

Generell also: Elektroautos lösen einige Probleme, aber nicht die Mehrheit der Probleme. Als  Heilsbringer für die verkehrliche Zukunft taugen sie daher herzlich wenig. Mobilität in der Stadt muss daher anders gelöst werden. Dazu braucht es eine Abkehr althergebrachter Denkweisen, insbesondere die, das jeder ein Anrecht darauf haben muss mit seinem individuellen Auto an jeden Ort der Welt zu kommen. Das E-Auto wird sicher zu einem Großteil Benzinautos verdrängen. Man würde aber einen großen Fehler machen heute Elektroautos zu fördern, wie das jetzt umgesetzt werden soll.

Artikel wie der aktuell der von der SPD-Russee stellen somit einen veralteten Stand der Verkehrsplanung dar. Weder funktioniert Park&Ride so, wie sich das Planer vorgestellt haben oder immer noch umsetzen wollen, noch löst eine höhere Reichweite von E-Autos Probleme. Im Gegenteil. Eine höhere Reichweite von Autos wird immer dafür sorgen, das alternative Verkehrsträger wie die Bahn nicht so oft genutzt werden.

E-Autos stellen somit primär nur eine Scheinlösung unserer Verkehrsprobleme dar. Sie ändern nichts an der Notwendigkeit den MIV drastisch reduzieren müssen. Ihre Förderung jetzt könnte sogar ein dringend  nötiges Umschwenken verzögern und dafür sorgen, dass mehr Geld in den Straßenbau investiert werden muss statt in den Ausbau der Städte als Raum zum Leben. Wir dürfen nicht vergessen das jede Straße auch potentieller Raum zum Wohnen, für Gewerbe oder zur Naherholung ist. Und das Straßen den Druck erhöhen neues Bauland auszuweisen und Städte sich am Rand erweitern müssen. Große und breite Trassen könnten anders genutzt werden, wenn sie nicht mehr nötig sind. Straßen durchschneiden Stadtteile und schränken das Leben in der Stadt täglich erheblich ein.

Zum anderen: Die Vorteile der E-Autos als kleine, effiziente Stadtmobile hätten sie bereits vor Jahrzehnten spielen können. Der Druck, dass sie länger fahren können und schneller sind kommt vom Vergleich mit dem „normalen“ Auto. Für den Stadtverkehr wären viele Entwicklungen gar nicht nötig. Wir nehmen vieles heute als selbstverständlich war, die nicht selbstverständlich sein sollten. Wie z.B. die totale motorisierte Mobilität für jeden Einzelnen.Dieser Geist sollte gebrochen werden, um für Städte eine moderne Mobilität anbieten zu können. Dann würde vieles einfacher. Momentan können viele aber diese Alternativen nicht einmal denken und lehnen jede Änderung unseres generellen Mobilitätsverhaltens ab. Zukunftsweisend kann das aber  nicht sein!

Written by tlow

20. Mai 2016 at 04:04

Bericht zu erstem #JanesWalk in #Kiel

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jw_10_logo_smallIn Deutschland ist Jane Jacobs vielen nicht bekannt. Eher schon sozusagen den europäische Counterpart Lucius Burckhardt. Sie war eine großartige Kämpferin für Städte die menschengerecht sind. So half sie, dass Manhattan nicht weitere Stadtteile an weitere Schnellstraßen verlor. Ihr bekanntestestes Buch war auch gleichzeitig ihr erstes: „Tod und Leben großer amerikanischer Städte“

Zu Ehren von Jane Jacobs und ihrem Wirken werden weltweit die sog. Jane’s Walks durchgeführt. In manchen Städten finden sogar mehrere hundert Spaziergänge statt. Diese decken mehrere Orte und Themen ab. Es geht auch um Stadtplanung von unten von den „Experten“ (in dem Sinne die Anwohner*innen!)

Dieses Jahr gab es in Deutschland außer in Kiel lediglich in Leipzig und Bochum einen Spaziergang. Ich hatte mich entschieden dieses Jahr für Kiel-Gaarden  einen Spaziergang zu organisieren, um die Ideen vorzustellen und auch, um es zu nutzen mit einem Nachbarschaftsspaziergang Leute aus dem Viertel anzusprechen, ebenso wie Leute aus anderen Stadtteilen.

Insgesamt 12 Bürger*innen (davon auch aus jeweils einer aus Ellerbek, Brunswik und Südfriedhof). Ich hoffe nicht zu viele waren am falschen Ort, weil ich erst tage vorher feststellte, dass auf Ostufer Kiel war eine falsche Startadresse angegeben, die aber nicht von mir kam. Aber man kann leider nicht gleichzeitig an zwei verschiedenen Orten sein. Vielleicht wären es so auch noch mehr Teilnehmer*innen gewesen.

Wir starteten vor der Werftapotheke, weil hier das Zentrum von Gaarden startet (also Elisabeth- Ecke Augusten- oder Norddeutsche Straße) und weil hier die Bürgersteige besonders breit sind. Was Frau Jacobs als einen wichtigen Faktor für funktionierende Straßen ansah: Man kann sich dort versammeln und dennoch können Passanten aneinander vorbeigehen. Es kann viel dort stattfinden und es macht Spaß dort spazieren zu gehen.

Der weitere Weg führte über den Vinetaplatz und dann via Wikingerstraße durch den Gustav-Schatz-Hof und unter dem Fußgängertunnel im Ostring zu dem derzeit geschlossenen Freibad Katzheide. Letzteres ist ein Skandal für sich, unabhängig von den weiteren Plänen der Stadt Kiel. Der Ortsbeirat wurde so informiert, dass Katzheide gleichzeitig mit der Strandsaison geöffnet wird. Ohne weitere Erklärung. Es schein also keine technischen Gründe zu geben. Und offenbar versteht man nicht, dass der eigentliche Vorteil von Katzheide ist, dass es weit vor den Stränden warmes Wasser haben kann! ein heißes Mai-Wochenende. Überall sind die Freibäder auf, außer in Kiel. Es zeigt wieder wie weit die Stadt von den Bürger*innen, vom Menschen entfernt ist. Ein Datum, was scheinbar beliebig festgelegt wird. Und das ist auch einer der Gründe, warum Besucherzahlen zurückgehen. Während wir davor standen, kamen auch einige Leute, um sich über die Öffnungszeiten zu informieren. Zu finden war aber nur ein Plakat aus dem Jahre 2015. Offenbar findet man es dieses Jahr wieder nicht nötig die potentiellen Besucher*innen ausreichend zu informieren.

Der Fußgängertunnel erlaubt dem Autoverkehr auf dem Ostring ungebremst durchzufahren, schafft aber auch einen Angstraum für Fußgänger und stellt auch ein gewisses Hindernis dar, da man Höhenunterschiede überwinden muss (insbesondere für Rollstuhlfahrer). Es wurde auch erwähnt, dass die Veloroute für Fahrräder hier durchführt, obgleich es ein Fußweg ist. Der Ostring durchschneidet Gaarden nicht nur an dieser Stelle. Ein Bau der Umgehung Südspange-Gaarden wird den Verkehr hier sicher vervielfachen.

Weiter ging es über die Hans-Christian-Andersen-Schule und die Medusastraße in den Medusahof und via Kaiserstraße zum Karlstal.

Abgeschlossen wurde der Spaziergang auf dem Rückweg an der Bushaltestelle vor der großen Fotowand, die inzwischen in Teilen schon stark beschädigt ist. Und wozu es von den Teinehmer*innen unterschiedliche Meinungen gab.

Mit einer verkleinerten Gruppe besuchten wir dann noch die aktuelle Ausstellung im ehemaligen Schlecker-Markt, der von der K34 bespielt wird.

Insgesamt dauerte der Spaziergang, so wie ich es auch eingeschätzt hatte ca. 1 1/2 Stunden. Ich hatte mich darauf insoweit mehr auf die Inhalte von Jane Jacobs vorbereitet und weniger konkret zu den Orten in Gaarden. Auf der Tour vermisste ich, dass es keine Teilnehmer der Generation 70plus gab, so dass z.B. niemand etwas zum ehemaligen Star-Palast sagen konnte. Vermutlich war diese schon zu früh geschlossen für die meisten Anwesenden.

Dies war auch der erste Spaziergang, den ich je geleitet habe und somit auch mein erster Jane’s Walk. In der Nachbetrachtung hätte ich dann dich gerne einiges mehr recherchiert. Da habe ich zu sehr darauf gesetzt, dass die Gaardener*innen sich mehr einbringen. Aber insgesamt war es schon angemessen und natürlich das beste Wetter, was man sich wünschen kann.

Es geht bei den Jane’s Walks ja nicht so sehr um eine fertige Touristenführung als viel mehr darum, dass sich Bewohner*innen eines Viertels begegnen und gleichzeitig Besucher*innen von außerhalb den Stadtteil kennenlernen. Je weniger da vorgegeben ist, desto mehr können Teilnehmer sich einbringen und desto variabler ist der Spaziergang.

Sicher wird das nicht mein letzter Spaziergang sein, den ich anbiete, weil er eine nette Möglichkeit darstellt Gespräche, Beobachtung, Begegnung und Freizeit miteinander zu verbinden.

Als nächste Themen bieten sich an: Radverkehr in Gaarden, die Südspange Gaarden und Kai-City und der Neubau des Zentralbades. Vermutlich dann ab Juni wieder.

Als einzigster Spaziergang in meiner stadt bin ich irgend wie automatisch zum City Organizer für Kiel geworden. Wer also selbst etwas anmelden möchte, auch außerhalb dieser Aktionstage, kann sich gerne registrieren und einen Spaziergang anmelden.

Kruber-Zitate und SRB

with one comment

Heute in einem größeren KN-Interview (S.28) positioniert sich Stefan Kruber. Viel Neues ist von ihm offenbar nicht zu erwarten. Nur ein paar Zitate:

Ich würde für studentisches Wohnen auf dem Ostufer werben und die
Rahmenbedingungen dafür verbessern, würde den Studenten vermitteln wollen, hier
kann man auch gut leben. Ich will das studentische Leben rund um die Fachhochschule
entwickeln. Ich will eine echte Zukunft für das Ostufer.

Bleibt die Frage: Was ist eigentlich das „Ostufer? Aus meiner Perspektive kann man zwar von „dem Westufer“ reden (sagen wir mal alles südlich des NOK), aber nicht von „dem Ostufer“, weil Stadtteile wie Gaarden, Elmschenhagen, Wellsee, Wellingdorf,…. vom Charakter her extrem unterschiedlich sind. Z.B. ist Gaarden der urbanste Stadtteil Kiels, während Wellsee zum einen primär Gewerbegebiet ist und zum Teil spießige Reihenhaussiedlungen. Von welcher Perspektive reden wir also? Insofern ist natürlich der Titel der „Stadtteilzeitung“ „Unser Ostufer“ auch etwas verfehlt. Eine gemeinsame „Ostufer“-Identität gibt es nicht. Und für Gaarden kann ich sagen, dass sich die Identitäten der Straßen teilweise bereits alle 20-50 Meter ändern. Wenn man da alles in einen Topf wirft, wird es schwierig. Und „Studentisches Wohnen“ als Kampfbegriff ist insofern problematisch, als dass Studierende zwar immer auch hier gewohnt haben, aber es klein klassisches Studierendenviertel auf dem Ostufer gibt. Alleine schon wegen der Ferne zu den meisten Instituten. Hier also künstlich eine Klientel einpflanzen zu wollen muss scheitern. Wenn es z.B. mehr Studierende in Gaarden gibt, dann durch den reinen Wohnraum-Druck und weil es überall mehr Studierende gibt.

Kiel ist auch „Gorch Fock“ …  Mit Kiel Sailing City haben wir eine gute Marke, mit  der sich arbeiten lässt.

Kiel ist also auch [Segelschulschiffname] – provinzieller gehts dann auch fast nicht mehr. Die Begeisterung für „Kiel Failing City“ kann  ich auch nicht teilen.

Insgesamt bestätigt sich mein Eindruck, dass Kruber nur ein Proforma-Kandidat ist, der nur durch inhaltliche Blässe glänzt. Natürlich ist man gegen die SRB, wie auch die Kieler Nachrichten als Ganzes. Die tönt im Schleswig-Holstein-Teil der KN heute: „Plan-Stopp für Stadtregionalbahn“. Liest man allerdings den Inhalt des Artikels, so geht es nur darum, dass Verkehrsminister Meyer von den Umlandgemeinden fordert Farbe zu bekennen, bevor er weiteres Geld für Planungen freigibt. Und die KN stellt Faken falsch dar in dem sie behaupten:

  • „Mit Schützenhilfe des Landes kann die SRB kaum rechnen.“ – und:
  • „Bei den zwei Konkurrenzprojekten im Großraum Hamburg, S4 und S21, läuft dagegen alles nach Plan.“

Zum einen gab es keine Distanzierung der Landesregierung von der SRB – ganz im Gegenteil, trotz dem die KN das immer wieder herbeischreiben möchte. Zum anderen sind die S-Bahn-Linien keine Konkurrenzprojekte zur Stadtregionalbahn.

In dem KN-Artikel zu den ersten Untersuchungsergebnissen einer Machbarkeit einer Seilbahn über die Förde wurde bekannt, dass Fahrgast-Zufriedenheitsstudien der KVG immer in den Semesterferien stattgefunden haben. Und das dadurch auch ein falsches Bild von der Belastung des Busnetzes entstanden. Pendler und andere regelmäßige Busnutzer wissen längst, dass das Kieler Bussystem am Limit ist. Es wird da manchmal eingeworfen, dass ein paar mehr Busse das ganze Problem lösen werden. Aber das erzählt man uns in Kiel bereits seit 15 Jahren, verändert hat sich nichts. Ich kenne viele Leute, die das Gedränge in den Bussen nicht abkönnen und niemals Bus fahren würden. Gedränge heisst:

  1. Damit leben, dass der Bus einem an einer Haltestelle im Regen stehen lässt, weil er bereits voll ist.
  2. Das man den Bus nicht verlassen kann am Zielort, weil kein Durchkommen ist
  3. Das man mit allen Fahrgästen auf Tuchfühlung ist, auch was ansteckende Krankheiten, unangenehme Gerüche,… angeht
  4. ab und zu mal durch Taschendiebe etwas Bargeld loswerden

Ich fordere die SRB-Kritiker heraus ernstzunehmende Alternativen zu präsentieren, die eine echte Verbesserung bringen. Ich finde es auch befremdlich, wenn Kieler Politiker nichts lieber tun, als die Hamburger Infrastruktur auszubauen und gleichzeitig von einem Wettbewerb der Regionen zu sprechen. Vielleicht sollten Unternehmen einfach mehr nach Hamburg abwandern. Warum allerdings die S-Bahn dort das tollste von der Welt ist und in Kiel angeblich vollkommen unnütz will mir nicht in den Kopf. Egal wie man es dreht: Entweder Kiel für sich oder auch im Sinne Hamburgs: Kiel als größte Stadt in Schleswig-Holstein mit einem Busnetz aus dem letzten Jahrhundert hilft niemandem.

Written by tlow

14. Dezember 2013 at 07:24

Wieso eigentlich „Studentisches Wohnen“?

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Die Linksfraktion in Kiel kritisierte den Begriff des „Studentischen Wohnens“. Zitat:

„Das Problem ist nicht ein Mangel an Wohnungen für Studierende, sondern generell fehlende Wohnungen die auch ohne großes Einkommen bezahlbar sind. Hier das Studentische Wohnen in den Mittelpunkt zu stellen ist nur der Versuch, davon abzulenken, dass immer mehr Menschen trotz festem Einkommen ihre Wohnung nicht mehr bezahlen können und von Räumungsklagen betroffen sind. Es kann nicht sein, dass EmpfängerInnen von Leistungen nach dem ALG II in Kiel keine Wohnung mehr finden, bei der sie nicht von Zuzahlungen aus den knappen Regelsätzen betroffen sind. Das Grundrecht auf eine Wohnung muss endlich auch in Kiel wieder hergestellt werden!“, so Fraktionsvorsitzender Heinz Wieser abschließend.

Da ist ja einiges dran. So eine Wohnung kennt ja ihre Bewohner*innen gar nicht. Wie kann es da also um „Studentisches Wohnen“ gehen?

Hierbei geht es um den Wirtschafts- und Bildungsstandort Kiel. Alleine der Titel der Aktuellen Stunde vermittelt, dass es in Kiel Menschen erster und zweiter Klasse gibt.

Ein wenig Einblick darin, welche Sau da durchs Dorf getrieben wird lässt der Titel einer Investmentkonferenz aus diesem Jahr erahnen: „Investment-Konferenz Studentenwohnen – Rein in den Markt Kleine Wohneinheiten groß im Trend
am 19.06.2013 in Berlin“ . Aus dem Veranstaltungstext:

Das Thema Studentisches Wohnen hat in den letzten Jahren deutlich an Bedeutung gewonnen. Unterschiedliche Anbieter drängen auf den Markt, um speziellen Wohnraum für Studierende als Renditeobjekt zu schaffen. Die Renditeerwartungen sind mit etwa 6% p.a. im Vergleich zu vielen anderen Immobilieninvestitionen deutlich höher.

Weiterhin:

Studentenwohnheime sind schnell vollvermietet und bieten eine attraktive Ausschüttungsrendite. Aufgrund der vergleichsweise kurzen Mietverträge lassen sich die Mieten in Studentenwohnheimen flexibel an den Markt und potenzielle inflationäre Entwicklungen anpassen

Das macht deutlich: Es geht hier weniger darum einen Schwerpunktproblematik anzugehen. Vielmehr geht es der Politik darum für (Immobilien-)Investoren eine attraktive Anlagemöglichkeit in Kiel zu schaffen und damit Geld/Kapital nach Kiel zu holen. Die Studierenden selbst sind dabei lediglich Objekt/Verschiebemasse. Nebeneffekt für Kiel ist, dass Studierende als kreativ gelten und als zukünftige Akademiker*innen eine umworbene Klientel sind. Nicht umsonst gibt es eine Vielzahl an Angeboten für sie, angefangen von der Billigflatrate bei ver.di (2,50 € pro Monat), über günstige Zeitungsabos (Beispiel FAZ) bis zu günstigen Kontos (Beispiel Sparkassen). Die Rechnung ist dabei, dass eine frühzeitige Entscheidung für ein Produkt oder einen Anbieter diese potentiell kaufkräftigen Kund*innen langfristig bindet. Wie sinnvoll das Ganze wirklich ist, ist fraglich. Ich vermute dabei auch, dass  zum Teil auch das eigene Klientel der Akademiker*innen, die in Entscheidungspositionen gekommen sind auch für ihre eigene Peer-Group mitsorgt und somit auch gewisse gesellschaftliche Vorteile für sich selbst erhält. Man war ja selber auch mal jung, an der Uni und hat von daher auch mehr Verständnis für die Probleme, Bedürfnisse und Sorgen derjenigen, die in die eigenen Fußstapfen treten. Das ist, so denke ich, eine erfolgreiche Strategie des Machterhalts. Genau so wendet es sich auf der anderen Seite gegen andere Gruppen, die eine untergeordneten Klasse angehören. Es gibt zwar auch immer mehr arbeitslose Akademiker*innen, aber die sind per Definition nicht in Entscheidungspositionen. Sind sie ehemals arbeitslos haben sie umso mehr einen Grund sich von dem „Gesindel“ zu distanzieren.

Und deshalb propagieren GRÜNE und SPD auch so unverfroren für „Studentisches Wohnen“. Sie tun es für sich selbst und Ihresgleichen. Natürlich sind Hartz-IV-Empfänger*innen eher das Klientel der LINKSPARTEI. Und wenn man dann noch den Fall Uthoff sieht – und man weiß: Das ist keine Ausnahme, dann wird natürlich deutlich, dass es tatsächlich Ungerechtigkeiten gibt. Oder der Fall des Bauherrn Schneider („Peanuts“).

Es ist aber nicht nur eine Frage der gerechten Verteilung. Letztlich entscheiden alle Menschen nach ihren eigenen Interessen und Möglichkeiten. Bestimmt wird auch die Kieler Kommunalpolitik von den Einflußreichen, von den (anonymen) Fonds, die letztendlich profitiert haben von der Finanzkrise und die auf die nächste Investitionsblase warten. Das ist eben mehr als nur Ungerechtigkeit, sondern die Gesetzmäßigkeit des Marktes. Der Markt braucht Gewinner und Verlierer. Und die Aufgabe der Politik ist es heutzutage offensichtlich, sich hauptsächlich um die Interessen der Gewinner zu kümmern, während die Verlierer einpacken können. Engagement für die „sozial Schwachen“ wird zur Feigenblattfunktion. In der SPD ist das unabdingbarer Teil der Selbstinszenierung. Auch wenn man selbst mehr als 16 Jahre Kohl für einen sozialen Nordwind gesorgt hat, sieht man sich doch immer noch als eigentliche Partei der Arbeiter*innen und als Fürsprecher der Armen. Und damit kommt man nun erstaunlicher weise seit Anbeginn der Partei durch. Man schafft es sogar auf Matrosen schießen zu lassen und sich dann später als Sachwalter des Matrosenaufstandes zu präsentieren. Da hatte Herr Albig vor einigen Jahren sogar rote Fähnchen zum Demonstrieren verteilen lassen, die dann  hinterher hübsch brav wieder eingesammelt wurden. Was für ein Sinnbild! 🙂

 

 

Mieter raus – Eigentümer rein – Neubau in der Moltkestraße

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Mit brutalen Methoden wurden die damaligen Mieter der Moltkestraße entmietet, um Platz zu machen für Eigentumswohnungen. Nun wurde am Mittwoch Richtfest gefeiert. In diesem Stadtbereich wurde seitens der Stadt strategisch entschieden günstigen Wohnraum  zu zerstören um das Viertel aufzuwerten und ausschließlich besser betuchten Menschen Platz zu schaffen. Das dabei viele Menschen zunächst wohnungslos wurden und eine baulich wertvolle Anlage zerstört wurde störte dabei die Planer wenig.

Abriss der Häuser in der Moltkestraße

Written by tlow

5. September 2013 at 06:36

Veröffentlicht in Bauprojekte, Stadtentwicklung, Wohnen

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