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Pressemitteilung BUND SH: Handlungsprogramm der Umweltverbände zur Eindämmung der Klimakrise

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BUND positioniert sich für starken Klimaschutz in Schleswig-Holstein


Angelehnt an das Handlungsprogramm für effektiven Klimaschutz diverser Umweltverbände verlangt der BUND Schleswig-Holstein konsequente Maßnahmen zur Eindämmung der Klimakrise in Schleswig-Holstein


Kiel: Der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland e.V. in Schleswig-Holstein (BUND) fordert von der schleswig-holsteinischen Landesregierung sofortige und ambitionierte Gesetzesentwürfe für konsequenten Klimaschutz im nördlichsten Bundesland. Anlass ist das „Handlungsprogramm der Umweltverbände für effektiven Klimaschutz“, das von der Bundesregierung die Umsetzung von Sofortmaßnahmen im Rahmen der anstehenden Klimaschutzgesetzgebung einfordert.


„Die Landesregierung erklärt, ehrgeizige Ziele der Energiewende- und Klimaschutzpolitik zu verfolgen. Die Realität sieht aber anders aus. Der geplante Bau des Flüssigerdgasterminals Brunsbüttel, der rasant fortschreitende Flächenverbrauch durch die vorgezogene Fortschreibung des Landesentwicklungsplans, der schonende Umgang mit Landwirten, die Gift- und Düngemittel einsetzen sowie der weiterhin starke Fokus auf Straßenbau und motorisiertem Individualverkehr sprechen eine gegensätzliche Sprache.“, sagt Ole Eggers, Landesgeschäftsführer im BUND Schleswig-Holstein. „Im Land zwischen den Meeren muss jetzt das Ruder herumgerissen und echter Klimaschutz gemacht werden.“


Der BUND Schleswig-Holstein fordert von der Landesregierung ein übergeordnetes Klimaschutzministerium, dem die Abteilung „Verkehr und Straßenbau“ des Verkehrsministeriums, das Ministerium für Energiewende, Landwirtschaft, Umwelt und Natur sowie die Abteilung „Bauen und Wohnen“ und „Landesplanung und ländliche Räume“ des Innenministeriums unterstehen. Außerdem muss das Land Schleswig-Holstein seinen erklärten Zielen gerecht werden und die Klimaneutralität bis 2030 erreichen. Hierzu braucht es ein echtes Klimaschutzgesetz, das stärker auf die großen Treibhausgas-Verursacher wie Flächenverbrauch, Landwirtschaft, Energie und Verkehr einwirkt.


„Der Norden kann Klimaschutz. Aber nur, wenn das Land die Forderungen zeitnah und verbindlich umsetzt.“ so Ole Eggers weiter. „Das Handlungsprogramm für effektiven Klimaschutz legt gute Maßnahmen für die Bundesrepublik vor. Schleswig-Holstein muss jetzt als Vorreiter im Klimaschutz mit eigenen starken Zielen vorangehen.“ Das Handlungsprogramm fordert mit einem Maßnahmenkatalog von der Bundesregierung ambitionierte Änderungen in den Bereichen Energie, Mobilität, Land- und Forstwirtschaft, Wärme, Industrie, Verringerung des CO2 –Ausstoßes, Wiedervernässung von Grünland und Forstbereichen sowie Klimaschutz.


Forderungen:www.bund-sh.de/klima

Zusammengefasst forder der BUND SH:

  • Klimanotstand für Schleswig-Holstein ausrufen
  • Ein echtes Klimaschutzgesetz
  • Klimaschutzministerium jetzt
  • Schleswig-Holstein klimaneutral bis 2030
  • Schleswig-Holstein wird Klimaschutzland

Pressemitteilung Aktion Autofrei #blockVW

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Pressemitteilung der „Aktion Autofrei“

Die Aktion Autofrei, die am Dienstag alle Gleiszufahrten zum VW-Werk Wolfsburg und eine Skultpur besetzte, um den Autokonzern VW zu blockieren, endet am Mittwoch Mittag. Es waren Technische Einheiten der Polizei mit einer Lore, SEK, Zwei Boote der Wasserschutzpolizei, Wasser- und Schifffahrtsverwaltung, die Feuerwehr mit Boot, Notarzt und Rettungsdienst, ein Räumfahrzeug, und Polizistis aus Lüneburg, Salzwedel, Braunschweig und Hannover im Einsatz.

Trotzdem hatte die Polizei nach 12 Stunden immer noch nicht alle Lock-Ons der Aktivistis entfernt, mit denen sie sich an den Schienen festgekettet hatten. Der Autozug gab schon früher auf und fuhr gegen kurz vor 21:00 wieder zurück ins Werk. Erst kurz vor Mitternacht waren die Schienen wieder frei.

Flexen macht noch viel mehr Spaß, wenn es zu dunkel ist, um zu sehen, wohin man schneidet.

In der Eingangshalle der Autostadt, eines VW-Vergnügungsparks, hängt eine Metallkonstruktion in Form eines Globus von der Decke; dort übernachten heute sechs Kletteraktivistis. Der Globus wird am Mitwoch nach 24 Stunden Besetzung wieder verlassen. Zu diesem Anlass wird zu einer Pressekonferenz um 12:00 unter dem Globus eingeladen, mit der Möglichkeit mit Kletteraktivistis des Globus und anderen Beteiligten der Aktion zu sprechen. Im Anschluss daran werden sich die Kletteraktivistis aus dem Globus abseilen.

„Die Geschäftsführung der Autostadt machte gute Miene zum bösen Spiel: Sie versorgten uns rührend und waren sehr um unsere Sicherheit bedacht. Wir werten diese „Großzügigkeit“ als strategisches Handeln im Sinne der Imagepflege und als Versuch, das Ganze klein zu halten. Denn ab 23:00 ging plötzlich der Feueralarm an, um uns Mürbe zu machen. Die Putzkräfte mussten währenddessen weiterarbeiten. Wir solidarisieren uns mit den Putzkräften, den bisher festgenommenen Aktivistis aus der Zugblockade und allen anderen Teilen der Aktion!“, so die Aktivistis.

Zwei Aktivistis im Globus halten sich die Ohren zu, um den ohrenbetäubenden Feueralarm zu ertragen.

In der Gefangenensammelstelle wird es unterdessen eng; die Polizei sperrt die Aktivistis je zu zweit in Einzelzellen mit schmalen Betten. „Die Antwort des Autokonzerns und seiner staatlichen Unterstützung beginnt bei Schlafentzug – wahrscheinlich wird es mit Nötigung, Widerstand oder ähnlichen juristischen Konstruktionen weitergehen.“, sagen die Aktivistis.

„Mit unserer Aktion wollen wir das Betteln um mehr Klimaschutz im Verkehrsbereich beenden. Die Seilschaften von Politik und Konzernen sind weder willens noch in der Lage, die nötigen Schritte zu einer Wende einzuleiten. Petitionen, Appelle und rein symbolische Aktionen reichen nicht!“

Die Aktion wendet sich auch gegen Elektroautos. Deren Einführung würde nur der Ausstoß von Luftschadstoffen verändern. Alle anderen Nachteile wie Flächenverbrauch und Unfalltote würden bleiben. Elektro-Autos seien sogar deutlich schwerer und in der Produktion noch rohstoffintensiver als bisherige Autos.

Symbolbild.

Die Umrüstung oder der Umstieg auf Elektromobilität würde riesige Mengen Rohstoffe, Arbeitskraft und Geld verzehren, die dringend für den Ausbau des ÖPNV gebraucht werden.

„Es ist absurd, den Auf- und Ausbau von Straßen- und Seilbahnen mit dem Argument abzulehnen, das sei zu aufwändig – und gleichzeitig mit viel größerem Aufwand die vielen Millionen PKWs austauschen zu wollen.“ Zudem sei Lithium als heute dominanter Akku-Rohstoff sehr selten. Kriege um das Metall seien zu befürchten.“

Durch diese Aktion konnte gezeigt werden, wie bereits wenige Menschen ein Echo erzeugen können, das die dringend zu führende gesellschaftliche Debatte zum Umgang mit Klimakrise und der notwendigen Verkehrswende ankurbelt. Wir werten die Aktion als vollen Erfolg und freuen uns auf neuen Wind für mehr Aktionen.

Zwei Aktivistis stehen auf dem Autozug. Auf ihrer Fahne steht "Gegen Volk und gegen Wagen".

Fakten zum Hintergrund

  • Im Jahr 2018 starben in Deutschland 3265 Menschen bei Unfällen im Straßenverkehr. 85 mehr als im Jahr zuvor.
  • Der Stromverbrauch durch Elektromobilität schluckt ungefähr die Menge, die im Moment durch Windenergie produziert wird.
  • Ca. 30 Prozent einer Innenstadt sind Verkehrsflächen. Eine Berechnung für die (relativ radfreundliche) Stadt Freiburg ergab: Autos beanspruchen 23mal mehr Fläche als Radfahrer*innen.
  • In Berlin ist die durchschnittliche Spielfläche je Einwohner seit dem Jahr 2000 von 0,8 auf 0,6 Quadratmeter gesunken. Im Vergleich dazu braucht ein PKW eine durchschnittliche Parkfläche von 10 Quadratmeter.
  • 2000 betrug der Anteil an pendelnden Arbeitnehmer*innen 53%, im Jahr 2015 schon 60%.
  • Seit 1990 sind in Deutschland 6467 Kilometer Bahnstrecken stillgelegt worden.
  • CO2-Ausstoß durch Verkehr in BRD. 1990: 163 Mio. Tonnen. Ziel 2030: -40%. Ausstoß 2017: 166 Mio. Tonnen.

Original PM

Written by tlow

14. August 2019 at 10:16

Veröffentlicht in Kundgebung/Demo, Verkehr

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#Wilhelmplatz Autofriedhof oder lebendiger Raum?

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Als ich diesen Vergleich las, hatte es bei mir wieder ein mal Klick gemacht:

 Ein Parkplatz zum Beispiel misst im Schnitt 12,5 Quadratmeter – das ist so groß wie ein Kinderzimmer.

Quelle: TAZ-Interview 8.3.19 „Parken ist kein Grundrecht“

Diesen Vergleich sollte eigentlich jeder im Kopf haben. Mit oder ohne Auto, wenn es in der Diskussion um das Parken geht!

Wir als Gesellschaft entscheiden darüber, welcher Nutzung wir Platz lassen. Z.B. ob die Stadt Kiel dem Zirkus Krone sogar so viel Platz einräumt, dass kein Platz mehr für einen Radweg (Kronshagener Weg) bleibt. Ist der Zirkus weg, kommen die Autos wieder.

Ungefähr 4 von 10 Kieler*innen verfügen über ein Auto. In Gaarden eher 2 von 10. Aber auf unseren Straßen geben wir eher 70% des Raumes dem Auto. Autos brauchen eben viel Platz. Und das sowohl wenn sie stehen, als auch wenn sie fahren.

Die Stadt möchte gerne Geld für das Parken auf dem Wilhelmplatz, bzw. nicht weiter hinnehmen, dass dort das Parken umsonst selbstverständlich ist. In der Debatte gibt es mehrere Fehlannahmen:

  1. „Ohne Auto kann man nicht einkaufen“: Zum einen gibt es viele Menschen, auch mit Familie, die seit Jahrzehnten entweder aus finanziellen Gründen oder aus Überzeugung auf ein eigenes Auto verzichten. Richtig eng wirds eigentlich erst bei Umzügen, Möbelkauf oder Elektrogroßgeräten. Dann aber besteht oft die Option der Lieferung und die Sachen passen oft eh gar nicht in die meisten Autos. Zum anderen bietet StattAuto oder eine Mietwagenagentur oder ein Taxi auch eine Möglichkeit. Dieses Jahr habe ich zum ersten mal jeden Tag auch massenweise Lastenräder mit und ohne Elektromotor auf der Straße gesehen. Es geht also.
  2. „Ohne Parkplätze geht der Einzelhandel zu grunde“: Zum einen hängen viele aktuelle Probleme heute eher mit dem Onlinehandel zusammen. Und zum anderen bauen viele große Discounter im Grunde lediglich Parkplätze mit einer Halle drauf. Wer geht da schon gerne einkaufen? In Einkaufsstraßen wie der Holtenauer kommen vermutlich auch die wenigsten Leute mit dem Auto. Die meisten halten dann illegal in der zweiten Reihe. Insgesamt sorgt der Durchgangs- und Parkverkehr nicht gerade für eine angenehme Atmosphäre. Und ein Wechsel der Straßenseite ist oft nur mit Ampeln zu empfehlen. Potentielle Käufer*innen werden so eher vom bequemen stöbern und Hin- und Herlaufen abgehalten. Und wer illegal parkt wird lieber schnell rausspringen, das kaufen was er auf dem Zettel hat und schnell wieder den Einkaufsbereich verlassen. Erfahrungen mit der Umwandlung von Parkstreifen oder Fahrbahnen zu Radwegen haben vielerorts gezeigt, dass der Umsatz in solchen Straßen sogar um 60% steigt. Weil Radfahrer*innen eben auch mal schnell anhalten ohne lange Parkplatzsuche. Und unterwegs mehr mitnehmen als eine Autofahrer*in. Die durchschnittliche Parkplatzsuche in Städten dauert 20 Minuten. In der Zeit hat man zu Fuß oder mit dem Rad schon bereits seinen Einkauf erledigt und befindet sich auf dem Rückweg.
  3. „Die Stadt ist verpflichtet den Autofahrer*innen Parkplätze anzubieten. Irgend wo müssen sie ja stehen“: Die Stadt hat viele Pflichten und Prioritäten. Aber jede Einzelne muss auch selber schauen, was sie sich anschafft und wo sie das abstellen kann. Radfahrer*innen und Lastenradbesitzer*innen kennen das auch verstärkt: Ein Rad kann man nicht ohne es anzuschließen stehen lassen. Aber den Kieler Bügel findet man nicht überall und die nächste Laterne ist schon besetzt. Bei Lastenrädern ist es so, dass sie oft so schwer sind, dass man sie weder in den Keller tragen kann, noch in den Hof. Auch Kinderwägen und andere Fahrzeuge sind oft ungeliebt im Hausflur.
  4. „Die Autofahrer zahlen schon am meisten“: Es ist eine Frage, welche Kosten ein Verkehrsmittel verursacht und wie viel Platz es beansprucht. Prozentual nehme Autos viel mehr Platz in Anspruch als z.B. der ÖPNV. Vor allem wenn man es mit der Transportleistung ins Verhältnis setzt. Ein Auto ist immer ein Verkehrsmittel Einzelner, nicht Vieler. Daher muss man Investitionen in die Straßeninfrastruktur viel kritischer beurteilen, weil sie nur wenigen nützen. Aber gerade die Infrastruktur wie Autobahnen sind teuer. Inklusive Autobahnauffahrten, Autobahnkreuze und auch Ampeln und Kreuzungen in der Stadt.

Plätze wurden ursprünglich nicht als Parkplätze geschaffen. Nun haben Autos oft seit Jahrzehnten ein Monopol auf ihre „Nutzung“. Dabei stehen die Autos die meiste Zeit dort nur herum und verhindern damit jede andere Nutzung. Das Auto stranguliert unsere Städte und es wird Zeit, dass es den Platz zugewiesen bekommt, den ex maximal verdient. Überall und umsonst parken ist nicht akzeptabel!

Written by tlow

10. August 2019 at 09:52

Monatskarten in Kiel #KVG #rvkiel

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Wer im Monat lieber pauschal unterwegs sein will, zahlt in Kiel nicht wenig. Anlässlich einer erneuten Preiserhöhung heute zum 1.8.19 möchte ich die Preise ein mal analysieren. Quelle ist die Seite der KVG.

Hier die Preistabelle für die Zonen:

PreisstufeBeispielMonatspreis
2ki3110 Molfsee61,00 €
2rd3130 Schiksee65,80 €
3ki3230 Laboe78,40 €

„Beispiel“ heißt in diesem Fall, dass eine Preisstufe nicht heißt, dass man in ALLE Fahrziele fahren darf. So sind Laboe und Strande zwar in der gleichen Preisstufe. Aber wer von Laboe nach Strande fahren will, braucht dazu zwei Monatstickets der gleichen Preisstufe! Und wer auch mal nach Raisdorf/Schwentinental will, braucht eine dritte Monatskarte der Preisstufe 2rd. Einzige Alternative zu drei Monatskarten wäre dann Einzeltickets zu erwerben. Aber wo bleibt dabei der Spaß einer pauschalen Monatskarte. Also kommen wir für diesen Fall auf Kosten von 217,80 €.

Ab wann lohnt sich eine Monatskarte der Preisstufe 3ki?

Zur Berechnung lege ich den teureren Preis einer Einzelfahrt zugrunde. Die kostet nach 3rd 3,20 €. Und als eine Fahrt nehme ich immer Hin- und zurück an. Somit wäre eine Fahrt bei 6,40 €. Dann kommen wir auf 12 Fahrten im Monat, ab der sich ein Monatsticket günstiger ist als eine Einzelfahrt.

Aber wie siehts jetzt aus, wenn wir die 12 Fahrten auf die drei o.g. Ziele verteilen? Dann würden wir sechs Fahrten in die Preisstufe 3ki haben und drei in die Preisstufe 2ki: 38,40 € plus 15,60 €. Würde uns 54 € mit Einzelfahrten kosten, aber dann eben 217,80 € mit einem Monatsticket. Wir würden also bei verschiedenen Zielen 163,80 € mehr ausgeben, als wenn wir den ganzen Monat nur zu einem Fahrtziel der Preisstufe 3rd fahren würden.

Eine Einzelfahrkarte bei unserem Mix würde uns 3 € kosten. Das heißt man müsste 73 Fahrten/Monat erledigen, damit es sich lohnt. Also sechs mal so viel, wie bei nur EINEM Fahrtziel. Da ein Monat ja nur rd. 30 Tage hat, müsste man dann drei mal am Tag fahren.

Ich bitte darum das gerne zu überprüfen. Vielleicht habe ich da irgend etwas missverstanden. Dann werde ich Korrekturen im Artikel anbringen? Ansonsten brauchen wir hier dringend eine Verbesserung. Es kann nicht sein, dass Leute zusätzlich Einzelfahrkarten lösen müssen. Sollte ich etwas missverstanden haben, passiert das sicher auch anderen?

Written by tlow

1. August 2019 at 09:03

Veröffentlicht in Städtische Betriebe, Verkehr

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Das Land & das Auto #verkehrswende #mobilitätswende #Dorf #Land

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In letzter Zeit gab es einige Artikel zum Thema: Ohne Auto ginge es nicht auf dem Lande, z.B. am 31.1. Auf DLF Kultur von Don Dahlmann Vergesst die ländlichen Regionen nicht! Und „Das Auto muss weg“ funktioniert auf dem Land nicht von Jana Kugoth.

Aus meiner Sicht machen beide Autor*innen dabei einen großen Fehler: Sie sehen das Auto als gegebene Größe. Und sie betrachten nur seine Vorteile. Ihr Schluß: In der Stadt kann man auf das Auto verzichten, auf dem Lande nicht.

Aber genau so wie mehr Straßen eben zu mehr Verkehr führen, so führen insbesondere die Autos dazu, dass längere Distanzen kostengünstig mit zurückgelegt werden konnten.

Das Auto war für das Land, für die Dörfer weniger ein Segen, sondern der Hauptgrund für das Sterben der Dorfläden, für das Wegfallen von Arbeitsplätzen. Auf dem Land wohnen und 50km weiter weg arbeiten und einkaufen ist schon länger kein Problem mehr.

WDR: Landflucht: Das Ende des Dorfladens?

Sicher gab und gibt es auch Profiteure des Verkehrs. Nicht nur durch Tankstellen und Autobedarf. So mancher nutzte Läden im Dorf bei der Durchfahrt zum Einkaufen. Was dann oft folgte war der Streit darum: Wollen wir eine Ortsumgehung oder nicht. Was des einen Leid war, war des anderen Freude.

Generell kann man sagen, dass das Auto die ländliche Struktur massiv verändert hat. Bundesstraßen und Autobahnen zerschnitten Landschaften und trennten Dörfer und Menschen. Aber Menschen waren nicht mehr so abgehängt wie früher. Viele Menschen, die auf dem Lande leben kennen das Auto als Selbstverständlichkeit: Natürlich macht man einen Führerschein, so bald das möglich ist. Und das eigene Auto bedeutet Freiheit, von den Eltern und der Enge des Dorflebens. Und ohen Auto wird es schwer weiterbildende Schulen zu besuchen oder den Job zu erreichen.

Aber alles, was das Auto ermöglicht, zerstört es auch gleichzeitig. Die Gesetze sind insofern generell die gleichen wie in der Stadt: Läden in Straßen fürchten, dass das Aussperren des Verkehrs oder auch nur ein Fahrradstreifen oder das Wegfallen von Parkplätzen ihre Kund*innen vertreiben würde. Erfahrungen zeigen aber, dass bei Änderungen in Städten die Läden oft 60% mehr Umsatz machen als vorher. Weil eben Fahrradfahrer*innen eher anhalten und was kaufen, als Autos, die erst einen Parkplatz suchen müssen.

Es ist sicher nicht einfach, auf das Auto zu verzichten auf dem Land. Aber wer die Dörfer kennt, durch jeden Tag eine große Straße tausende PKWs schleust, der weiß auch, wie sehr es die Dörfer zerschneidet und die Atmosphäre so prägt, dass da oftmals auch niemand gerne anhält und draußen im Café gemütlich etwas konsumiert. Die meisten fahren nur durch. Vielleich hält man mal kurz an um rauszuspringen um dann umgehend die Flucht zu ergreifen. Viele Läden werden sich an diesen Straßen auch nicht ansiedeln. Und auch die Dorfbevölkerung wird eher die Straßen aufsuchen, die etwas ruhiger sind.

Hier muss der Staat in Vorleistung treten und Angebote machen, die den Verzicht auf das Auto ermöglichen. Am besten wäre es, wenn ein Dorf mehrheitlich beschließt, die Autos zu verbannen oder zu reduzieren. Aber eins muss klar sein: Man darf nicht erwarten, dass man auf dem Dorf genau so mobil ist, wie in der Stadt. Und diese Illusion hat das Auto den Leuten verkauft. Wer ein städtisches Leben führen will, muss in der Stadt leben. Und wer im Dorf lebt, darf ein dörflicheres Leben genießen. Wer mehrmals täglich weite Strecken zurücklegen muss oder will, der sollte näher an großen Siedlungen wohnen. Dörfer sollten auf jeden Fall einen langsameren Takt haben. Nicht so langsam wie heute, wenn man ohne Auto ist. Denn viel Dörfer haben nicht einmal eine Bushaltestelle, oder der Bus fährt nur 1-2 mal am Tag. Das ist nicht hinnehmbar. Aber dafür gibt es auch Lösungen wie Rufbusse usw.

Ich plädiere dafür, dass man auf dem Land genau so wie in der Stadt in einzelnen Dörfern oder Regionen einen bewussten Prozess einleitet. Nicht gegen die Bevölkerung, sondern mit deren Unterstützung. Die Landkreise könnten Dörfern Unterstützung anbieten, wenn sie bestimmte Bedingungen erfüllen. D.h. gewisse Mobilität gewährleisten und finanzielle und organisatorische Hilfe bei einer Umgestaltung.

Aber es braucht auch den Mut zu sagen, dass diese Entwicklung nicht für jedes Geschäft oder Einwohner*in wünschenswert sein wird. Aber wie schon oben bei den Umghehungsstraßen thematisiert: Keine Änderung und keine Lösung wird immer jedem Gefallen. Aber dafür haben wir ja die Demokratie, wo man miteinander diskutieren kann und dann auch mal mehrheitlich die (hoffentlich richtigen) Entscheidungen treffen kann.

Ich denke es führt kein Weg daran vorbei, auch auf dem Lande dem Auto seine Rolle streitig zu machen. Und ich denke sogar, dass der Onlinehandel hier eher hilft als im Weg zu stehen. Schon heute können viele Menschen Einkäufe erledigen, ohne selber ein Auto zu besitzen. Das generelle Problem der Paketdienste und deren Expansion muss dabei auch angegangen werden. In der Stadt überschlagen sie sich teilweise neben- und hintereinander im Zweitereihe-Parken. Aber das Nicht-Antreffen des Empfängers wird ein zunehmendes Problem. In Dörfern wäre es z.B. möglich, dass in Dorfzentren das Annehmen von Paketen als Dienstleistung angeboten wird. Das jeder Pakethändler seine eigenen Accesspoints betreibt sehe ich dabei nicht als zukunftsweisend.

Die Dörfer müssen langsam ihre Strukturen verändern und verbessern.

Was nicht geht und was viele Autor*innen leider tun ist zu sagen: „Auf dem Lande zu leben bedeutet einfach, dass man längere Strecken zurücklegen muss und die Gesellschaft muss das ermöglichen, Wenns nicht anders geht dann eben mit dem Auto“

Nein, das geht heute nicht mehr in Zeiten des Klimanotstands. Es reichen eben nicht die Elektromobilität, oder neues Sharing-Angebote. Wir müssen verändern, WIE wir uns bewegen, wie woft, wie lang und wohin. Nur dann kann es sowohl eine Mobilitäts als auch Klimaschutzwende geben.

Das alles geht nicht von heute auf Morgen. Aber es führt kein Weg daran vorbei. Und das Auto muss sowohl in der Stadt als auch auf dem Land zurückgedrängt werden. Mit sehr unterschiedlichen Voraussetzungen. Auch und nicht zuletzt, weil es nicht sein kann, dass Menschen wegen der guten Luft aufs Land ziehen, nur um dann täglich in die Stadt zu pendeln und dort die Straßen mit Stickoxid und Feinstaub zu belasten. Und damit die Luft anderer Menschen. Und auch damit insgesamt die Belastung zu erhöhen, nur für sich selbst eine nette Lösung zu haben.

Written by tlow

31. Juli 2019 at 08:28

Wie sauber ist die #KVG wirklich? #DUH #NOx #LRP

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Der Oberbürgermeister sprang der KVG bei: Angeblich hätte die DUH die KVG angegriffen.

Die Kieler Nachrichten zitiert so:

Wütend widerspricht die Kieler Verkehrsgesellschaft (KVG) der Behauptung der Deutschen Umwelthilfe (DUH), Kiel habe „besonders schmutzige ÖPNV-Busse“.

KVG widerspricht der Umwelthilfe

Nur: Das Wort „schmutzig“ wird von der Umwelthilfe mit keinem Wort in Bezug zur KVG genannt und auch nicht zu Bussen.

Richtig ist, dass die DUH folgendes schreibt:

6. Nachrüstung aller im ÖPNV verkehrenden Busse auf Euro VI Standard
Um die Stickoxidemissionen der Busflotte deutlich zu reduzieren, sind keine kurzfristig nicht umsetzbaren Neuanaschaffungen von E-Bussen ausreichend. Es gilt vielmehr, alle im ÖPNV und in den Regionalverkehren operierenden Busse (Verkehrsverbund, DB-Regio, beauftragte Busse von Privatunternehmen, die z.B. für den Schülertransport genutzt werden) noch im Jahr 2019 mit einer Hardware-Nachrüstung auf den Abgasstand von Euro VI zu bringen. Der überwiegende Teil der in Kiel im ÖPNV eingesetzten Busse betrifft Euro III bis Euro V/EEV Fahrzeuge mit teilweise extremen NOx-Emissionen im realen Busfahrbetrieb (bis zu 16.000 mg NOx/km)… Eine Nachrüstung aller Bestandsbusse auf den Euro VI Abgasstandard ist dank der Fördermittel des Bundes ohne Finanzierungsvorbehalt im Jahr 2019 möglich.

Die KVG verkündete im März 2019:

Die KVG Kieler Verkehrsgesellschaft kann dank einer Förderung des Bundes, 37 ihrer Dieselbusse von der Abgasnorm Euro-V auf Euro-VI umrüsten. … Mit diesem Schritt erfüllt die Flotte der KVG zu 75 Prozent der Fahrzeuganzahl die Abgasnorm gemäß Euro-VI.

Die DUH fordert hier also noch 2019 die restlichen 25% umzustellen.

Zumindest ergibt sich das aus der Eigendarstellung der KVG. Die DUH schreibt damit fälschlicher weise, dass die Mehrzahl der Kieler Busse Euro III-V sind. Aber an der Forderung 100% auf Euro VI umzustellen ist dennoch nichts verwerfliches. Entweder stimmt die Eigendarstellung der KVG nicht, oder die DUH hat was überlesen.

Hier geht es um einen Punkt von 10. Und es bis nicht der Wichtigste. Ohnehin fahren kaum Busse der KVG über den Theodor-Heuß-Ring.

Written by tlow

17. Juli 2019 at 15:41

Veröffentlicht in Umwelt, Verkehr

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#Pressemitteilung #DUH hält Diesel-Fahrverbote in Kiel noch in 2019 für alternativlos

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Pressemitteilung der Deutschen Umwelthilfe vom 15.07.2019

Landesregierung und Oberbürgermeister machen sich lächerlich mit vorgeschlagenen NO2-Staubsaugern und einem Spurwechsel für Diesel-Pkw direkt an der amtlichen Messstation – Trotz Rekordbelastung von 60 µg NO2/m3 Luft ist der Kieler Luftreinhalteplan einer der schlechtesten im Bundesgebiet – DUH vermisst Hardware-Nachrüstungen für Busse und Kommunalfahrzeuge, Nachrüstung von Handwerker- und Lieferfahrzeugen – Selbst Ausbau des ÖPNV und Verbesserung der Fahrradinfrastruktur nur marginal berücksichtigt – Verringerung der NO2-Grenzwerteinhaltung soll ausgerechnet durch Großbaustelle und Umleitungen gewährleistet werden, ohne die Auswirkung zehntausender Fahrzeuge auf den Ausweichstrecken zu betrachten – Bürger haben im gesamten Stadtgebiet von Kiel ein Recht auf „Saubere Luft“ – DUH ist zuversichtlich, dass dieser Schildbürgerstreich für Kiel keinen Bestand vor Gericht haben wird und sieht zonales Diesel-Fahrverbot einschließlich der Abgasstufe Euro 5 zur schnellstmöglichen Einhaltung des NO2-Grenzwerts als unverzichtbar an © elcovalana – Fotolia

Stellungnahme als PDF

Written by tlow

15. Juli 2019 at 14:06

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