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Gesellschaftliches aus Kiel und Schleswig-Holstein

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Heute doch keine Revolution in Kiel

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Der 15. Oktober war ein weltweiter Aktionstag. In Kiel … not much. Erst stand gar nicht fest, ob etwas passieren würden. Dann fand sich ein kleines Grüppchen im Internet – und dann rief auch ATTAC auf. Die Forderungen waren dann schon fertig gedruckt:

  • Wir fordern: Sofortige Stilllegung des Finanzsektors.
    Verstaatlichung aller Großbanken. Verkleinerung der Banken bis
    zur Insolvenzfähigkeit. Finanztransaktionssteuer. Die Schulden sollen die bezahlen, die für sie verantwortlich sind.
  • Wir fordern ein Ende der Kürzungspolitik im Land und eine vernünftige Finanzierung der öffentlichen Haushalte!!! Besteuert die Reichen!!!
Heute versammelten sich ca. 40 Interessierte, um einige Parolen in Flüstertüten zur proklamieren. Es gab auch Plakate. Immerhin kamen Leute, waren interessiert. Allerdings war die Veranstaltung alles andere als revolutionär. Sondern leider nur eine Gelegenheit die erprobten Forderungen ein weiteres mal zu wiederholen. Ich denke nicht, dass das der richtige Weg ist. Auch wenn ich selbst manchmal die fehlenden klaren Forderungen der Bewegungen in Spanien und USA kritisiere. So war es doch denke ich ein Fehler von ATTAC, da nicht den Raum zu bieten ganz andere Forderungen aufzustellen und sich erst einmal zu finden. Am Rande der Kundgebung wurde ein Stand aufgebaut. Aber wie sich herausstellte, wurde das nur von Medizin-Erstis genutzt um unabhängig von der anderen Veranstaltung „Germanys New Top Model“ zu spielen. Und das, was da an Reden geschwungen wurde, interessierte wirklich kaum jemanden. Es war insofern etwas frustrierend. Etwas Neues kann sicher nicht durch das Replizieren der bisherigen Forderungen entstehen. Und es ist auch die Frage, wer den Protest trägt. In Deutschland, in Kiel, sind es keine Betroffenen, die der Gesamtgesellschaft ihre Probleme vortragen, sondern langjährige Aktivisten, die ihre Forderungen runterspulen. Glauben die, dass das attraktiv ist? Die ATTACies bedauern ja selbst, dass sie so wenig junge Leute anziehen. Woran liegt es wohl? Es liegt denke ich zum einen an der relativen Erfolglosigkeit aktueller sozialer Proteste – abgesehen mal von der Anti-Atom-Bewegung, die zwar keine direkten Erfolge erzielt hat, aber immerhin es geschafft hat, dass es fast gesellschaftlicher Konsens geworden ist, dass Atomkraft keine Zukunft in Deutschland hat.
So sah es am 4. November in Kiel aus:
Zentralbild Die Revolution in Deutschland 1918 Am 4. November 1918 kam es zu Befehlsverweigerungen innerhalb der deutschen Flotte. Kundgebungen zur Beseitigung des Krieges schlossen sich an. In dieser, für die Regierung kritischen Situation, waren der Rechtssozialist Noske nach Kiel geschickt um die Revolution im Keime zu ersticken. UBz.: Blick auf eine Friedenskundgebung der Matrosen in Kiel.

Zentralbild Die Revolution in Deutschland 1918 Am 4. November 1918 kam es zu Befehlsverweigerungen innerhalb der deutschen Flotte. Kundgebungen zur Beseitigung des Krieges schlossen sich an. In dieser, für die Regierung kritischen Situation, waren der Rechtssozialist Noske nach Kiel geschickt um die Revolution im Keime zu ersticken. UBz.: Blick auf eine Friedenskundgebung der Matrosen in Kiel.

Es liegt sicher am Monat. Traditionell machen wir in Kiel Revolutionen ja eher im November.

Dear Kiel GES 2011 guests

with one comment

Dear GES 2011 guests,

you may notice, that some inhabitants of Kiel are not welcoming the Global Economic Forum and their guests. And you may ask yourself: Why is that?

There are a lot of reasons. Just one example is, that GES uses pupils to advertise its agenda and to promote companies that are known to have a very negative social an ecological impact:

  • Example of a public school (german)
The Veolia case
The ManPower case
Or ManPower Inc.  as a temporary work company.
The „new normal“ the „new reality“ , „the human age“ means that people around the world earn less and less.
The case against all of them
All of the guests and sponsors work together to exploit the world more than ever before. The GES is a symposium to organize exploitation. The sponsors are a clear sign about the real agenda. Sure no company wants to deplete their own ressources. this is the reason why environmental questions do have a place at the GES. Nonetheless  facts like only bloggers who have studied ecomic science are allowed to participate in a blogger challenge indicate that only economic thinking is a real value for the GES. Its all about value. Anybody who is participating in this symposium, if he or she knows it or not, is willing to help getting of more value of the land and from the people. Which always means that someone will have to pay. Because this is not about politics. It’s not about value for everybody. Its about more value for big companies and to preserve THEIR interests.
This is why many citizens of Kiel do not like the GES. Its not a personal thing, its about what you do here. Have fun.

Written by tlow

4. Oktober 2011 at 08:03

Kurzbericht Podiumsdiskussion „Brauchen wir Wirtschaftswachstum?“ (30.9.2011)

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Am ersten Tag des Alternativkongresses „Eine andere Welt ist nötig“ fand eine Podiumsdiskussion in der PUMPE, Kiel statt. Auf dem Podium

Auffällig war natürlich, dass das Podium nicht gleichermaßen mit Frauen wie Männern besetzt war, sondern außer der Moderatorin nur eine Frau und drei Männer auf dem Podium saßen. Das sollte eigentlich besser gehen (passiert aber oft).
In den Vorträgen und der Diskussion ging es dann tatsächlich um Wirtschaftswachstum. Es gab leider keinen Raum für eine Diskussion oder direkte Zwischenfragen aus dem Publikum. Lediglich Fragen auf Karten waren möglich, die dann ausgwählt und ans Podium gestellt wurden.
Aufgefallen war mir auch, dass das ‚Global Economic Symposium‘ (GES) als Anlass der Konferenz nur einmal kurz erwähnt wurde. Der Raum war gut gefüllt mit Publikum und eingerahmt von verschiedenen Tischen mit Informaterial verschiedener Organisationen.
Die ganze Diskussion wiederzugeben ist kaum möglich. Herausgreifen möchte ich zwei Punkte:
  1. Die Moderatorin Andrea Vetter zerlegt die einzelnen Worte der Frage „Brauchen wir Wirtschaftswachstum“ also „Wir, Wirtschaftswachstum, Brauchen“. Interessant fand ich, dass „Wirtschaft“ als Begrifflichkeit nicht hinterfragt wurde. Der Konsens schien zu sein, dass Wirtschaft so konstituiert sein muss, wie sie ist – und das es lediglich darum gehen können für die Wirtschaft neue Regeln aufzustellen – und das die Politik gefordert ist, diese Regeln zu implementieren und unsere Aufgabe es ist Anforderungen an die Politik wie wir sie kennen zu stellen. Für „Eine andere Welt“ fand ich das etwas mau und vielleicht auch bezeichnend für den Stand der politischen Diskussion in Deutschland.
  2. Der Herr Reuter entwarf das Bild eines Flusses (Kapitalismus), der sich ja zu einem See entwickeln könne. Und meinte dazu, dass man den Kapitalismus „ausschleichen“ könne. Das führte bei den einen zu Gelächter und Kopfschütteln – bei anderen, wie bei Herrn Schachtschneider auf Zustimmung. Mir selbst scheint das eine eher naive Vorstellung darüber zu sein, wie man zu einer anderen Welt gelangen könnte. Sie setzt voraus, dass diejenigen, die bisher profitieren ohne jegliche Gegenwehr aus alle ihre Vorteile und Besitztümer verzichten würden. Wie kann man das glauben, nach der Geschichte der Menschheit, wie wir sie bisher erlebt haben?

Bauernopfer im Möbel Kraft-Streit – Chance zum Bürgerbegehren!

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Es gab zwei Bauernopfer beim Beschluss der Ratsversammlung, Möbelkraft und Sconto auf bestehenden Kleingärten anzusiedeln:

  1. Der umweltpolitiche Sprecher der GRÜNEN Björn Sander trat aus Protest gegen die Entscheidung zurück
  2. und natürlich die KleingärtnerInnen
Welche Möglichkeiten gibt es nun? Am besten wäre jetzt sofort ein Bürgerbegehren einzuleiten, mit dem Ziel die Entscheidung zurückzunehmen:

Die Gemeindeordnung und die Kreisordnung geben den Wahlberechtigten das Recht, unter bestimmten Voraussetzungen über wichtige Selbstverwaltungsaufgaben selbst zu entscheiden. Wollen die Bürger zum Beispiel einen zusätzlichen Kindergarten, eine Sportanlage oder zentrale Abwasserentsorgung, so können sie mit einem Bürgerbegehren einen Bürgerentscheid beantragen. Das Bürgerbegehren muss von mindestens zehn Prozent aller Wahlberechtigten in der jeweiligen Kommune unterzeichnet sein. Richtet sich das Bürgerbegehren gegen einen Beschluss der Gemeinde- oder Stadtvertretung beziehungsweise des Kreistages oder eines Ausschusses, muss es innerhalb von sechs Wochen nach der Bekanntgabe des Beschlusses eingereicht sein. Das Bürgerbegehren muss schriftlich in Form einer Frage eingereicht werden, die mit „Ja“ oder „Nein“ beantwortet werden kann. Es muss auch zeigen, wie die Kosten der angestrebten Maßnahme gedeckt werden sollen.

Zu einem Bürgerentscheid kommt es entweder auf Antrag der Bürger (Bürgerbegehren) oder durch Beschluss der Gemeinde- oder Stadtvertretung beziehungsweise des Kreistages. Ein Bürgerentscheid ist erfolgreich, wenn eine Mehrheit der stimmberechtigten Bürger die gestellte Frage mit „Ja“ beantwortet und diese Mehrheit mindestens 20 Prozent der Stimmberechtigten beträgt. Durch Bürgerentscheid können nur Angelegenheiten der Gemeinde beziehungsweise des Kreises beschlossen werden. Angelegenheiten, die in die Zuständigkeit des Landes oder des Bundes fallen, sind ausgeschlossen. Dies gilt ebenfalls für Entscheidungen über Haushalt und Gebühren. Auch die Aufstellung oder Änderung eines Bauleitplanes kann nicht mittels Bürgerentscheid entschieden werden, da das Planaufstellungsverfahren bereits eine intensive, gesetzlich vorgeschriebene Bürgerbeteiligung enthält.

Diese Rechte haben die Kieler BürgerInnen – und der Kreisverband der Kleingärtner hätte die Kraft dazu, ihre Mitglieder bzw. „Gartenfreunde“ zu mobilisieren. Zusätzlich zu vielen Kieler BürgerInnen. Die Zeit ist knapp!

GES in Kiel vom 4.-6. Oktober 2011

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Das Global Economic Symposium (abgekürzt GES) ist eine jährliche Konferenz, die vom Institut für Weltwirtschaft (IfW) und der Bertelsmann Stiftung in Kooperation mit der Deutschen Zentralbibliothek für Wirtschaftswissenschaften (ZBW) – Leibniz Informationszentrum Wirtschaft – organisiert wird. Das Symposium befasst sich mit den globalen Problemen unserer Zeit und versucht sozial wünschenswerte Lösungen zu entwickeln. Im Wesentlichen wird sich auf Probleme konzentriert, die einzelne Staaten oder Organisationen nicht allein lösen können. Deswegen ist eine globale Kooperation zwischen den politischen Entscheidungsträgern, der Wirtschaft, der Wissenschaft und den Repräsentanten der Zivilgesellschaft notwendig. José Manuel Barroso, der Präsident der Europäischen Kommission, ist der Schirmherr des GES. Die Konferenz wird jedes Jahr von mehr als 400 Personen aus der ganzen Welt besucht. Unter diesen sind Nobelpreis-Träger, Minister, EU-Kommissare, Vorstandsvorsitzende aus der Wirtschaft und Wissenschaftler. (Quelle: Wikipedia)

Soviel oder so wenig also die Wikipedia.  Ein Snower-Zitat von der aktuellen Homepage (die in englisch gehalten ist):

„The GES is about creating a neutral open space in which we can understand that we are a global community; in which we are prepared to take on global responsibilities and understand that as the world has become interconnected and globalized, we have become interconnected in various important ways. (…) The GES grew out of the realization that we must come together as a global community – that we are increasingly a global economy, but not a global society.“

Zu diesem Jahr findet man außerdem in der Introduction:

The overarching theme of the GES 2011 is “New Forces of Global Governance”. The current global
problems—ranging from sovereign debt crises to climate change to energy insecurity to food and water
shortages to poverty to education deficits to global security threats—show clearly that national politics and national economic policy are not suficient for dealing with problems that flow freely across national boundaries. What is required, according to a growing number of commentators, is a new force in global governance that gives people intrinsic motivation to work across national, cultural, social and religious
divides. The GES will consider new approaches in global problem solving and examine strategies of achieving sustainable economic policies, sustainable business models, sustainable institutions of transnational governance, and sustainable civic initiatives.

Gegen das GES haben sich zwei Initiativen gebildet:

  1. Der Kongress „Eine andere Welt ist nötig“ am 30.9. und 1.10 mit 13 Kooperationspartnern (von attac über avanti bsi ver.di)
  2. und das Anti-GES-Bündnis, das mehrere Veranstaltungen im Vorfeld organisierte ebenso wie eine Demonstration am 4. Oktober am Bahnhofsvorpatz
1. Der Kongress leitet wie folgt ein:

Vom 4. bis 6. Oktober 2011 findet zum dritten Mal in Schleswig-Holstein das Global Economic Symposium des Kieler Instituts für Weltwirtschaft statt, dieses Jahr in Kiel. Dabei tagen „Top-Entscheider“ aus der internationalen Wirtschaft, Wissenschaft und Politik hinter verschlossenen Türen, um Lösungen für „Herausforderungen der globalisierten Welt“ zu suchen. Es wird um weltweite ökologische, soziale und wirtschaftliche Krisen gehen. Dabei spielt Wirtschaftswachstum eine wichtige Rolle, sieht doch eine Mehrheit von Politikerinnen und Politikern ein ständig wachsendes Bruttoinlandsprodukt als Voraussetzung für Wohlstand und daher geeignet, Krisen abzuwenden.  Daran zweifeln inzwischen immer mehr Menschen. So auch Attac-Kiel und andere Organisationen. Diese laden unmittelbar vor dem Global Economic Symposium zu einem Kongress „Eine andere Welt ist nötig! – Wie wollen wir leben?“ ein. Im Mittelpunkt steht dabei die Suche nach Alternativen zu einer Globalisierung, die von Profitstreben getrieben wird, und die in der herrschenden Politik und Wirtschaftswissenschaft als alternativlos gilt.

2. Das Anti-GES-Bündnis schreibt in ihrem Kurzaufruf:

Beim GES han­delt es sich um ein seit vier Jah­ren auf In­itia­ti­ve des in Kiel sess­haf­ten Think Tanks ka­pi­ta­lis­ti­scher Ideo­lo­gie „In­sti­tut für Welt­wirt­schaft“ (IfW) und der Ber­tels­mann-​Stif­tung jähr­lich statt­fin­den­des Tref­fen von Wis­sen­schaft­ler_in­nen, Po­li­ti­ker_in­nen und Ver­tre­ter_in­nen von Wirt­schafts­un­ter­neh­men, NGOs und Me­di­en. Es ver­steht sich selbst als „hoch­ran­gi­ges Lö­sungs­fo­rum“, auf dem sich „welt­weit füh­ren­de Köpfe aus Wirt­schaft, Po­li­tik, Wis­sen­schaft und Ge­sell­schaft“ tref­fen. Diese haben den selbst for­mu­lier­ten An­spruch, kon­kre­te Lö­sungs­vor­schlä­ge für man­nig­fal­ti­ge glo­ba­le Pro­ble­me der Sphä­ren „Glo­ba­le Wirt­schaft“, „Glo­ba­le Ge­sell­schaft“, „Glo­ba­le Po­li­tik“ und „Glo­ba­le Um­welt“ er­ar­bei­ten zu wol­len, die Ein­gang und Ein­fluss fin­den sol­len in po­li­ti­sche Ent­schei­dungs­pro­zes­se, z.B. beim In­ter­na­tio­na­len Wäh­rungs­fonds (IWF), den trans­na­tio­na­len Po­li­zei­be­hör­den Eu­ro­pol und In­ter­pol oder der Welt­bank.

Doch das GES ist Teil des Pro­blems, nicht Teil der Lö­sung. Es gibt kei­ner­lei Grün­de, ir­gend­wel­che Hoff­nun­gen auf vom GES aus­ge­hen­den Im­pul­se für men­schen­wür­di­ge­re Ver­än­de­run­gen der Ver­hält­nis­se auf die­sem Pla­ne­ten zu ver­schwen­den. Denn ob sich des­sen Teil­neh­mer_in­nen nun tat­säch­lich für Welt­ver­bes­se­rer hal­ten, sich nur so in­sze­nie­ren oder kon­se­quen­ter­wei­se gleich auf sol­cher­lei An­sprü­che ver­zich­ten: Sie blei­ben bei ihrer an­geb­li­chen Suche nach Lö­sun­gen für die Pro­ble­me die­ser Welt in den Denk- und Han­dels­schran­ken ka­pi­ta­lis­ti­scher Ideo­lo­gie und Sach­zwän­ge ge­fan­gen. Es geht ihnen näm­lich nicht um eine Ana­ly­se und Kri­tik des Ka­pi­ta­lis­mus und sei­ner Un­ge­rech­tig­kei­ten und Men­schen­feind­lich­keit, son­dern im Ge­gen­teil um seine Auf­recht­er­hal­tung.

Es gibt eine Organisation, die auf zwei Hochzeiten tanzt: Die Heinrich-Böllstiftung ist sowohl auf dem Gegenkongress als Kooperationspartner als auch auf dem GES selbst vertreten. Kann man gleichzeitig für und gegen das GES sein?
Im wesentlichen haben wir bei den drei Gruppen drei verschiedene Ansätze:
  1. Das GES selbst hinterfragt weder den Kapitalismus als solches noch meint es grundsätzliche Strategien ändern zu wollen. Aber angesichts von Krise und Umweltzerstörung möchte man Ideen sammeln, um dem Kapitalismus das langfristige Überleben zu sichern. Dazu ist man offen für alle Vorschläge – und geht dazu selbst an Kieler Schulen. Auch ist das GES nicht zuletzt auch eine Werbeveranstaltung für ‚business as usual‘.
  2. Der Kongress „Eine andere Welt ist nötig“ hat eine Vielzahl an Kritiken an den Auswüchsen des aktuellen Kapitalismus und möchte über Alternativen auf verschiedenen Gebieten suchen. Über eine allgemeine Systemkritik möchte man dabei nicht hinausgehen.
  3. Das Anti-GES-Bündnis lehnt Kapitalismus als Systemform gänzlich ab und verweigert sich daher auch dem Dialog mit dem GES selbst, hat allerdings thematische  Überschneidungen mit dem Alternativkongress.
Letztlich hängt sich sowohl an dem GES selbst als auch an den Themen viele grundsätzliche Fragen auf. Oder auch wer bietet Lösungen? Handelt es sich  bei den aktuellen Problemen auf der Welt um Probleme, die mit Korrekturen am System einfach zu lösen sind oder sind die Probleme selbst Funktionen des Systems?
Wenn wir den Kapitalismus selbst als eine Art Maschine begreifen und wenn wir sehen, dass sie zerstörerisch arbeitet, so kann man m.E. zu keinem anderen Schluss kommen, dass die Funktionalität der Maschine das Problem ist und sie eben nicht einfach nur fehlerhaft arbeitet.
Dies wiederum ist natürlich eine sehr mechanistische Deutungsweise. Systeme und Gesellschaften sind keine Maschinen und funktionieren nur in begrenztem Maße berechenbar. Aber genau darum geht es ja auch beim GES: Um den Glauben und Vertrauen an die Steuerbarkeit des Systems Kapitalismus – oder an den Glauben des Guten im System.
Um einen unpassenden Vergleich zu wählen: Man kann irgendwie auch mit einem Panzer sein Feld umpflügen. Doch im Endeffekt muss man sich dann nicht wundern, wenn man hinterher nur noch verbrannte Erde hat. Auf dem Werkzeug trotz seiner Untauglichkeit zu bestehen ist naiv. Das bedeutet nicht, dass „Verbesserungen“ im System nicht auch kurzfristige Erleichterungen bringen, wie bessere Umweltstandards, Schuldenerlasse,… . Es gibt selten ein Ding auf der Welt was nur gute oder nur schlechte Wirkungen hat. Auch ist es unerheblich welche Intention verfolgt wird. Selbst wenn es Leute am GES mit einem ehrlichen Willen teilnehmen sollten, Dinge zum Guten zu wenden, so kann ihre Aktivität dann doch im weitesten, systemerhaltenden Sinne das Gegenteil bewirken.
Von Atomenergie bis Zentralbad (Kiel) lassen sich unzählige Beispiele finde, bei denen die falsche Ökonomie zu falschen Ergebnissen geführt hat.
Es wird spannend bleiben, welche Bilanzen die verschiedenen Gruppen nach Abschluss aller Veranstaltungen ziehen werden.

BarCamp in Kiel 2011

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Nach drei Jahren kam es im letzten Jahr erstmalig zu einem Barcamp in Kiel. Letztes Jahr hatte ich die Idee zwar mit angeschoben, mich aber frühzeitig aus der Organisation verabschiedet wegen Unstimmigkeiten mit den MitorganisatorInnen. Dieses Jahr soll es am 19. und 20. August wieder so weit sein. Inzwischen sind BarCamps nicht mehr so spannend, sondern im Mainstream angekommen, wie nicht zu Anfang. Es wird zunehmend schwer gegen eine Konsummentalität anzukämpfen. Ein guter Vortrag ist z.B. nicht Sinn eines BarCamps. Es sollte da eher darum gehen sich  auf verschiedenen Ebenen auszutauschen. Kompetenzen zusammenwerfen. Und eben gerade Monologe und die Frontal-Situation klassischer Vorträge aufzulösen. Die Rollentrennung zwischen ZuhörerInnen und Vortragende sollten sich auflösen. Alle an einem BarCamp Beteiligten sollten eine Kompetenz mitbringen, die sie auch in den Ring werfen. Was nicht ausschließt, dass da vorne nicht jemand mal 20 Minuten am Stück redet. Aber eigentlich wird das eher immer langweilig sein und vertane Zeit – jedenfalls im Sinne eines BarCamps, wie es mal gedacht war.

Ich würde daher sagen, dass jedeR zu einem Barcamp etwas mitbringen sollte. Ob nun materiell oder imateriell. Also entweder eine Bereitschaft zu helfen, ein Wissen das man auch in Diskussionen einbringt, eine Tüte Chips oder was auch immer.

Was leider bei vielen BarCamps eingesetzt hat ist eine starke Kommerzialisierung. BarCamps auch als Werbeplattform. Ebenso wie bei Webmontagen. Da muss man sich dann irgendwelche Werbebotschaften anhören zu irgendwelche Produkten. ich selbst habe mich seit einigen Jahren vermehrt von dem Kommerziellen entfernt, insbesondere nach der Aufgabe meines Gewerbescheins.

Dennoch werde ich mich auf diesem BarCamp mal tummeln um mal so zu hören was sich in Kiel so tut. Und auch um zu schauen, ob sich die Möglichkeit ergibt Erfahrungen auszutauschen. Via Internet findet leider wenig spannendes an Debatten statt. Aber das ist nicht ein reines Onlineproblem. Jede Art von Treff unterliegt bestimmten Zeitbeschränkungen und Regeln. Durch Microblogging und Facebook verändern sich derzeit auch die Regeln im Internet. Wobei es da zum einen zu einer Trennung nach Alter und nach Einstellung zu Datenschutz und Privatsphäre gibt. Einigem so wie ich, lehnen Facebook aus Prinzip ab und sehen bei Google+ erstmals einen Dienst eines der Großen im Internet der viel Kritik berücksichtigt und benutzbar zu versprechen scheint.

Aber dennoch tummeln sich bei Facebook Millionen Menschen aktiv. Wobei ich die 600 Millionen mal ganz frech in Frage stelle. Ich selbst habe auch mehrere Twitter-Accounts für verschiedene Zwecke. Wenn man dann noch bedenkt, dass es für manche Leute Sinn macht viele „Freunde“ bei Facebook zu haben und sich Accounts mit ausgedachten Namen auch prima zum Spammen lohnen würde ich die Zahl mal um 10 teilen – wären 60 Millionen User weltweit und rund 2 Millionen in Deutschland. Muss man noch die abziehen, die Facebook nicht wirklich nutzen.

Mir macht so ein Monster wirklich Angst. nicht nur der Datendiebstahl, sondern auch der Fakt, dass es ein Unternehmen gibt, dass alle Beziehungen von so vielen Menschen in einer Datenbank hat und bekanntlich nicht sonderlich gut ist beim Schützen der Daten. Die größte Gefahr liegt im Weiterverkauf der Daten zu Werbe- und anderen Zwecken.

Ich glaube mittlerweile bilden sich verschiedene Klassen von Usern heraus. Stell den Leuten 20 Fragen zu ihrer Nutzung und Einschätzung des Internets und Du kannst Gruppen bilden. Da gibt es dann verschiedene Schnittpunkte. Da habe ich dann Gemeinsamkeiten mit Rentnern in meiner Skepsis zu Facebook. Wobei ich selbst seit Ende der 80iger Jahre Onlinebanking benutze.  Das einzige mal, wo mir mal etwas zugestoßen ist, war letztes Jahr als ich am Arndtplatz bei der Commerzbank Opfer einer Skimming-Attacke wurde. Und das war somit nicht im Internet, sondern im realen Leben!

Andere aber stehen mit beiden Beinen mitten in Facebook und haben da oft jeden Versuch aufgegeben dort ihre Privatsphäre zu schützen. Ich denke die Realität bestimmt uns auch selbst. Wer in Facebook aktiv ist, könnte nicht ruhig schlafen, wenn er jeden Tag  darüber nachdenken würde, was für Gefahren drohen.

Genau wie ich, der ich ja auch unter realem Namen blogge mit Impressum und Adresse. Damit sind auch Missbrauchsmöglichkeiten verbunden. Aber die gibt es halt immer. Dagegen wäre ich mich aktiv und aggressiv gegen jegliche Brief-Werbung und lasse den Eintrag meiner Adresse in Werbedatenbanken nach Datenschutzrecht entfernen, wenn ich davon erfahre. Auch habe ich natürlich bei der Stadt Kiel festgelegt, dass meine Adresse für alle möglichen Zwecke, wie Wahlwerbung, nicht herausgegeben werden darf.

Andere wiederum würden nie unter eigener Adresse etwas veröffentlichen, wehren sich aber nicht gegen den Handel mit ihrer Adresse.

Ich denke es gibt da kein richtig oder falsch. Jeder schätzt Risiken verschieden ein. Das hat auch viel damit zu tun, wie man aufgewachsen ist und erzogen wurde. und mit dem Lebensgefühl. Genau so gibt es auch verschiedene Nutzungen von sozialen Medien wie Twitter und Blogs. Ich selbst nutze meine Blogs interaktiver als Twitter. mit geht es nicht wirklich darum ein weiteres soziales Netzwerk online aufzubauen oder virtuelle Freunde zu gewinnen. Mir gehts meist im Internet um Information oder um einen virtuellen Dialog. Das Internet frisst schon eh zu viel Zeit von mir – Twitter ausreichend zu pflegen wäre mir viel zu zeitaufwendig und zu unergiebig.

Kriminalitätsschwerpunkt Kieler Woche

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Wieder stellt die Kieler Woche dieses Jahr den Kriminalitätshöhepunkt des Jahres dar. Fast drei Millionen Besucher, eine Woche lange Dauerbeschallung von früh bis spät, Fressbuden an jeder Ecke, immer mehr Kommerz. Kieler Woche, Nein Danke!

Written by tlow

26. Juni 2011 at 20:33

Veröffentlicht in Allgemein, Kultur, Soziales

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