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Politblog aus Kiel

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Eine neue Religion?

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Das Video hier ist vorletzte Woche produziert worden:

Die Stimme kannte ich doch? Der selbe Typ, der gegen Gentrifzierer seinen Hass verbreitete:

 

Gemeinsam ist beiden Videos, dass er wieder offenbar in dem Besitz der alleinigen Wahrheit ist. Im neuesten Video spricht er dann schon von dem Licht, dass von aCAMPAda ausgeht. Erstklassische Verschwörungsrethorik. Da hat jemand hübsch alle Parolen verinnerlicht.

Warum die ganzen Thesen die nicht nur von ihm zu hören sind, sondern typisch sind für die Bewegung zutreffen sollen. Z.B. wo diese Bewegung erfolgreich gewirkt hätte mit ihren Prinzipien, die sehr an Anti-Globalisierung erinnern, bleiben sie schuldig.

Es ist der richtige Weg, weil es der richtige Weg sein muss. Das erinnert mich doch mehr an religiöse Eiferer, als an Politik, die auf Vernunft aufbaut und einen Weg zum Erfolg hat.

Ich habe ähnliche Akteure auch schon in Kiel beobachtet – und auch hier kein Ergebnis im Sinne von echtem Dialog oder Änderung erlebt. Ich frage im Gegenzug dennoch nach Lösungen oder Ansätzen! Warum soll das Ganze funktionieren? Es wird einfach behauptet, dass diese neue Art der Demokratie, wo ein zufälliges Häuflein auf einem Platz offenbar für uns alle spricht, besser ist, als das was wir bisher haben?

Wir sollen uns Empören? Ich begrüße jeden, der anfängt nachzudenken und Dinge öffentlich kritisiert. Aber zu glauben, dass die pure Empörung eine Veränderung bringt ist einfach nur naiv. Weder hat Anti-G8 auch nur ansatzweise etwas verändert, noch wird dass die neue Empörungsbewegung tun. Wo sie erfolgreicher war (wie in Ägypten), kam ihre Kraft nicht von der Straße, sondern von den Arbeitenden und tut es nachwievor. Insbesondere bedenklich ist für mich das wilde Sammelsurium an unbewiesenen Thesen, die einfach als unangreifbar propagiert werden. Die Zukunft der Bewegung ist schon heute klar: Mit abnehmender Außentemperatur nimmt der Fun-Charakter rapide ab. Werden die Plätze wieder leer, wird nichts von dem Ganzen bleiben, als eine nette Erinnerung. Manchmal haben Besserwisser tatsächlich recht.

Written by tlow

10. September 2011 at 23:46

Kommt jetzt die ECHTE Demokratie in unsere Städte?

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In Berlin und in Hamburg gibt es ein Häuflein an Menschen, die sich auf die Massenbewegungen in Spanien, Griechenland und Nordafrika beziehen:

Ist das die Demokratiebewegung, wie wir sie vermissen. Im Hamburger Manifest bezeichnet sich das Häuflein selbst als “Revolutionäre Bewegung”. Hier ein Ausschnitt:

Hier aus Berlin:

Die Bewegung scheitert bereits daran, dass sie nicht definieren WILL, was denn ECHTE Demokratie ist. Von dem, was man in manchen Blogposts lesen und auf vielen Videos sehen kann, scheinen da vor allem ein Haufen Verschwörungstheoretiker dies als Plattform zu benutzen. Und dann gibt es noch eine Menge naiver junger Leute, die das “Empört Euch!” wiederkäuen.

Ich denke es ist gut nachzudenken und auch wütend über Dinge zu sein, die falsch laufen. Das ist der Anfang eines politischen Denkens. Aber das ist zu wenig für eine Bewegung, insbesondere, wenn sie explizt jede Art von Meinung gelten lassen will.

Eine Bewegung ohne Richtung ist keine Bewegung. Auch wenn ich Frustration und einige Kritik nachvollziehen kann, so gibt es hier trotzt aller Probleme eben doch (noch) keine Jugendarbeitslosigkeit von 75%. Und daher wird eine Bewegung jetzt und auf absehbare Zeit keinen großen Zulauf haben. Zum anderen sieht man auch in anderen Ländern, dass nach den Anfangserfolgen oftmals die Orientierung fehlt. Wo sie erfolgreich war, wie in Ägypten haben sie z.B. auch eine starke Basis in den Betrieben. Und dort bezieht man sich oftmals nicht auf Hessels Buch “Empört Euch!”, sondern eher auf direkte Aktionen wie Streiks – und man hat klare Forderungen an Lebens- und Arbeitsbedingungen.

Jede Bewegung, die mit einer gewissen Naivität antritt hat zwar ihren Charme, kann aber auch einfach von Trittbrettfahrern missbraucht werden.

Bisher gibt es solche Bewegungen nicht in Kiel. Vielleicht muss man auch sagen “zum Glück”. Denn was da teilweise aus den Lautsprechern dröhnt ist oft weniger progressiv als vielmehr rechtsradikal/verschwörungstheoretisch.

Ene effektive Kritik muss versuchen die Dinge klar zu sehen, wie sie sind und auch beim Namen nennen. Dazu braucht es keine Verschwörungstheorien oder selbsternannte revolutionäre Bewegungen ohne jegliche Basis. Das Ergebnis sind Gruppen, die als Avantgarde daher kommen und jeglichen Bezug zur Realität oder zu den Menschen verlieren.

In Spanien gab es diesen  Kontakt zur Gesamtbevölkerung, weil die Masse große genug war. Aber auch da blieb die Bewegung bislang eher zahn- und wirkungslos. Die Bewegungen in Nordafrika und Südeuropa enthalten viele interessante Ansätze. Aber man muss schon sehr genau hinschauen. Jedenfalls glaube ich nicht daran, dass es darum gehen kann drei Zelte erfolgreich auf einem städtischen Platz  aufbauen zu dürfen. Das damit irgendetwas gewonnen wäre.

Was in den 60er und 70er Jahren oftmals zu dogmatisch war an Vorstellungen, ist  in den neuen Bewegungen ein Zuviel an Oberflächlichkeit und Beliebigkeit. Abgesehen von einigen kleinen Änderungen, die auf konkrete Forderungen erfolgen können, fordern diese Bewegungen keinen Systemwechsel oder radikale Änderungen. “Echte Demokratie Jetzt!” fordern sie, ohne liefern zu können.

Es fehlen die Zusammenhänge und eine wirklich zwingende Argumentation. Es bleibt aber ein spannendes Phänomen, dass man weiter beobachten sollte.

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