KielKontrovers

Gesellschaftliches aus Kiel und Schleswig-Holstein

Posts Tagged ‘Altstadt

#AlterMarkt #Denkmalschutz vs. Neugestaltung

leave a comment »

IMG_20180114_150102-PANO.jpg

Alter Markt, Kiel, gemeinfrei

 

Das Landesamt für Denkmalpflege Schleswig-Holstein soll bestimmt haben, dass die Buden am Alten Markt nun unter Denkmalschutz stehen. Nicht etwa die Lessinghalle oder eine Vielzahl anderer Gebäude die längst abgerissen sind. Nein ausgerechnet Bauten, die man wahrscheinlich nie hätte da so hinbauen sollen.

Da kommt man schnell zu Fragen: Ist Architektur eher Kunst oder eher nicht? Persönlich denke ich, dass Gebäude und vor allem Plätze der Gemeinschaft dienen sollten. Das sind weniger Kunstwerke, die einem Einzelnen gehören. Allerdings sollte man durchaus auch Denkmalschutz betreiben – und nicht nur für alte Gebäude. Manches ist wirklich erhaltenswert. Aber ich bekomme jetzt Angst, dass weitere Betonklötze wie das CAP auch noch unter Denkmalschutz gestellt werden. Man kann dann auch Städten nur raten Plätze immer möglichst schnell wieder kaputt zu machen, bevor etwas zum Denkmal wird.

Ich hätte da z.B. das Woolworth-Haus am Berliner Platz als durchaus erhaltenswerter betrachtet. Mehr aus dem Blickwinkel der Stadtgestaltung. Kiel ist ja architektonisch überwiegend hässlich. Viel zerbombt und den Rest an schöner Architektur immer wieder kaputt gemacht.

Mir liegt es nicht so am Herzen, dass Architekturstudenten die Kieler „Alt“stadt  und den „ALTEN“ Markt bereisen, um sich anschauen zu können, wie bescheuert man eine zeitlang gebaut hat. Es ist ok, wenn der Denkmalschutz ab und zu aktiv wird. Aber an dem Punkt finde ich muss er zurückstehen.

Kiel hat überhaupt keine richtigen  Plätze für Menschen: Entweder sind es quasi Parkplätze (Wilhelmplatz, Exerzierplatz, Blücherplatz), oder sie werden mit kitschiger Möblierung oder Buden vollgeknallt (Europlalatz, Asmus-Bremer-Platz, Alter Markt, Vinetaplatz ). Ich hätte mich sehr gefreut, wenn man es mal geschafft hätte einen der Kieler Plätze neu zu gestalten. So, dass er auch angenommen wird. Ohne viel störende Gebäude und Möblierungen, sonnig, ein Ort, wo man auch gerne mal Pause macht, oder sich gerne trifft. Nur ein Platz in Kiel bitte!

Written by tlow

18. Februar 2018 at 20:00

#SRBKiel: CDU Plön beibt Antworten schuldig

leave a comment »

Wie schon oft, blieb auch die CDU Plön auf konkrete Nachfrage von KielKontrovers Antworten zur Stadtregionalbahn Kiel schuldig.

Am 4. Oktober fragte ich in einer öffentlichen Email nach. Jedoch erhielt ich überhaupt keine Antwort. Ich finde es immer wieder faszinierend, welches Verständnis viele Politiker von politischer Diskussion haben. Sie meinen einige Pressemitteilungen oder spitzen Bemerkungen vor der offizielle Presse würden ausreichen. Leider gibt sich auch diese offizielle Presse zu schnell zufrieden und hakt nicht nach.

Wenn man politisch und öffentlich gegen oder für etwas eintritt, dann kann auf interessierte Nachfrage nicht Schweigen die Antwort sein. Es gibt nur eine mögliche Interpretation: Man hat keine Antworten. Ähnlich wie die mittlerweile aufgelöste Kieler Piratenfraktion scheint man bei der CDU Plön Politik nicht auf Fakten zu basieren, sondern auf Bauchgefühl. Und da wird dann die ehemalige politische Gegnerin Gaschke auch mal zur Freundin, weil sie ebenso ohne jeglichen Sachbezug und Argumente gegen die Stadtregionalbahn war (aber in der Amtszeit stets das Gegenteil behauptete). Eine politische Diskussion ist immer hilfreich, erfordert aber ein Mindestmaß an Offenheit und Ehrlichkeit.

Zur Zeit gibt es zur Stadtregionalbahn offenbar nur entweder Gegenrezepte aus der Mottenkiste oder eben nur ein Sammelsurium an Ideen, von denen einige vielleicht auch umsetzbar wären. Was fehlt ist aber ein Gesamtkonzept, das zumindest ein mal grob durchgerechnet wäre. Meines Erachtens kommt man aber nicht weiter in dem man von vorne herein eine Lösung ausschließt und dann nach Alternativen sucht. Wichtig wäre die verkehrlichen Herausforderungen zu analysieren und dann nach der besten Lösung zu suchen. Dabei wäre die beste Lösung selbstverständlich auch erschwinglich für die Kommunen. Zum Nulltarif wird keine Lösung zu haben sein. Eine Wahrheit, die die radikalen SRB-Gegner gerne unterschlagen. Und eben bisher nicht bereit oder in der Lage sind darzulegen, wie genau denn eine Zukunft ohne Schiene in Kiel aussehen soll. Der letzte Anlauf zu einer Alternative endete dann seitens FDP und Piraten denn auch darin, plötzlich für eine „SRB Light“ zu sein. Vielleicht ein Zugeständnis, dass auch diese beiden Fraktionen plötzlich meinten, nicht mehr an der Schiene als zentrale Lösung vorbei zu kommen?

Die Stadt Kiel und auch der neu gewählte Oberbürgermeister lassen bisher jedenfalls seit Jahren an der nötigen Entschlossenheit fehlen, für Kiel eine zukunftssichere Verkehrslösung zu schaffen. Währenddessen gerät im Öffentlichen Verkehr zunehmend an Grenzen. Der ÖPNV ist langsam, umständlich und unbequem. Und das würde sich auch durch mehr und schnellere Busse nicht lösen lassen. Stattdessen will Kämpfer das Projekt „Kleiner Kiel Kanal“ vorantreiben. Als eine Detaillösung mit fraglicher Sinnhaftigkeit und im Grunde für Kiel teurer als die Stadtregionalbahn. Es wird die Stadt vielleicht rd. 20 Millionen Euro kosten (die Kostenschätzungen kann man zwar als Grundlage nehmen, aber immer gut mal verdoppeln). Die Stadtregionalbahn rund 60 Millionen Euro. Bei 1/3 der Kosten ist dies aber rein stadtgestalterische Maßnahme, deren Sinn und Zweck zweifelhaft ist und die auch keine direkte Einnahme generiert. Zudem wären die Investitionen bereits die Finanzierung von 1/3 der Stadtregionalbahn.

Kein radikaler Umbau wird etwas an den Grundprobleme der Kieler Altstadt lösen. Das die Holstenbrücke verhunzt ist, ist schon richtig. Und das sie umgebaut werden müsste auch. Denn bislang stellt sie ein Nadelöhr für den Radverkehr dar.. Fraglich ist allerdings, ob nicht mit viel weniger Aufwand der gleiche Effekt zu erzielen wäre. Weniger Parkhäuser und Betonklötze in der Innenstadt und der Erhalt von Altbauten und Grünbestand wäre ein besseres Rezept. Mit dem Kleinen Kiel, der Förde, dem Bootshafen hat Kiel bereits mehrere öffentliche Wasserflächen in unmittelbarer Nähe der Altstadt. Die müssen lediglich gepflegt oder erschlossen werden. Eine neue Fläche zu schaffen erscheint mir da eher als Schildbürgerstreich. Ebenso wie damals die barrierefreie Querung durch den Park zum Brook für 330.000 €, obwohl es eine 100 Meter weiter bereits gab.  Kiel scheint viel Geld zu haben, um Bestehendes abzureissen und es durch irgendetwas Neues mit viel Geld zu ersetzen.

Daher rührt meines Erachtens auch ein Kernproblem von Kiel: Das es zunehmend an Charakter verliert. Wie z.B. durch Bauten wie den Betonklotz CAP am Hafen/Hauptbahnhof oder der hässliche Klotz gegenüber den Veranstaltungszentrum der Pumpe. Offenbar wird von vielen Planern alles, was kalte Betonfläche ist als schön betrachtet und alles was grün ist, oder alt oder etwas kaputt als hässlich. Mir geht es leider umgekehrt.

Written by tlow

26. Oktober 2014 at 10:31

Kommunalwahl Kiel 2013: Programmcheck SPD II. #kwkiel #kmw13

leave a comment »

Teil II. des SPD Programmchecks (s.a. Teil I.) zur Kommunalwahl in Kiel

Teil „Sozial“

Wichtiger Punkt:

Wir streben den Aufbau einer kommunalen Wohnungsgesellschaft unter Beteili-
gung von Kieler Bürgerinnen und Bürger z.B. als Genossenschaft an. Darüber hin-
aus wollen wir mit anderen Wohnungsbaugenossenschaften kooperieren. Dazu soll
geprüft werden, ob der vorhandene Wohnungsbestand der Stadt Kiel als Grundstock
für eine solche kommunale Wohnungsgesellschaft eingebracht werden kann.

Wie soll das passieren? Zwar an sich ein konkretes Ziel, aber der Weg dorthin ist entscheidend.

wollen Kiel zu einer demenzfreundlichen Stadt entwickeln

(Seite 28)

Das kann man so oder so verstehen 😉

Da wird eine Menge genannt, worauf man eingehen und es überprüfen könnte in diesem Teil, dazu fehlt mir aber die Zeit. Weiter gehts:

Teil „Handeln.“

Dabei sollen Gärten, Spielplätze und Parkplätze (Freiflächen) einerseits und für die Erholung
bedeutsame Naturflächen zu einer mit der Förde als Mittelpunkt verbundenen Stadt-
landschaft verbundenen werden,

Schade nur, dass die Grünverbindung an der Gablenzbrücke gekappt wird und stattdessen ein hässlicher Betonklotz hinkommt:

Entwurf des Zentralbads

Die Kieler SPD will die Innenstadtrahmenplanung auf dem Sanierungsgebiet Alt-
stadtinsel umsetzen. Hier soll ein lebendiges Quartier mit Wohnungen, Geschäften,
Gastronomie und kulturellem Angebot mit öffentlicher Unterstützung entstehen. Die
dafür erforderlichen Untersuchungen sind bereits eingeleitet worden: Wir wollen in
der Altstadt mehr Wohnen ermöglichen und die Altstadt – wie es die Dänische
Straße heute schon ist – zur „guten Stube“ der Innenstadt machen.

Grundsätzlich richtig. Kiel hat ja irgendwie gar keinen Kern. Die Altstadt ist tot. Seniorenheime, Parkhäuser, Parkplätze,… Da findet eigentlich fast nichts statt. Leider meinte man dann aber mit einem kleinen Kettensägenmassaker eine alte Eiche als Opfergabe bringen zu müssen. Ein schlechter Start.

Wir wollen mehr Wasser – und Meerwasser. Wir wollen die historische Wasserver-
bindung zwischen Bootshafen und Kleinem Kiel wiederherstellen, den gut gelun-
genen Bootshafen in Richtung der ohnehin grundsanierungsbedürftigen Holsten-
brücke ausbauen und dafür Fördermittel des Landes nutzen.

Nun ist mal gut mit Zubetonieren und Aufreissen. Der Bootshafen sollte reichen und ist bisher nicht ausreichend genutzt. Weniger Zubauen des Wassers wäre wichtiger als künstliche Kanäle.

Die Entwicklung des Hörngebietes mit einer lebendigen Vielfalt von Nutzungen im
Dienstleistungs- und Wohnbereich muss vorangetrieben werden. Dringendstes Pro-
jekt dabei ist der Brückenschluss zwischen Germaniahafen und Gaarden. Die Fuß-
gängerbrücke muss Gaarden endlich anbinden, statt gleichsam im Nichts zu enden.

Diese Fußgängerbrücke war der größte Witz. Ein Zeichen wurde gesetzt. Symbolpolitik. Große Einweihung. Ein Brückenschlag zwischen Ost- und West. Die Wahrheit ist: Wer Richtung Karlstal wohnt nutzt die Brücke nicht und wer Richtung Kieler Straße wohnt auch nicht. D.h. man braucht diese Verbindung und andere auch nicht. Stattdessen sollte man die bestehenden, barrierefreien Verbindungen verbessern. Brücken sind niemals ganz barrierefrei. Das wusste man aber von Anfang an!

Das was da Kai-City heißt ist weder Hoffnung noch Teil von Gaarden. Durch Straßen und Schienen ist es vom Ostufer abgeschnitten. Kai City wird als Neubaugebiet vermutlich eine seelenlose Hülle bleiben, die man möglichst schnell verlassen möchte. Zu krass der Gegensatz zu den Altbauten in Gaarden. Es mag das Herz manches Architekten höher schlagen, aber es hat allenfalls den Charme einer Gartenstadt-Siedlung. Planer lieben Tabula Rasa. Eine reine Fläche zum Austoben. Sie hassen die alte Stadt mit ihren engen Gassen undEinschränkungen. Wie die Gegensätze in Tatis „Mon Oncle“:


Ich möchte die Betrachtung abschließen mit einem etwas vergessenen Thema, der Wiedergänger Kieler Verkehrspolitik – der „Südspange Gaarden

Wer von oder nach Kiel über größere Entfernungen per Pkw oder Lkw fahren muss,
braucht eine sechsspurig ausgebaute Autobahn A 7 zwischen Bordesholm und
Hamburg und eine zur Autobahn A 21 ausgebaute Bundesstraße B 404, die nicht
anschließend auf dem Kieler Stadtgebiet im Stau vor Barkauer Kreuz endet. Wir for-
dern, die Südspange Gaarden als Abschluss der Autobahn A 21 auf Kieler Stadtge-
biet zu bauen und damit die Verkehre nach Osten bereits vor dem Barkauer Kreuz zu
teilen und die Leistungsfähigkeit der städtischen Straßen zu erhalten. Im zweiten
Schritt ist die Südspange Gaarden zur Entlastung der Menschen am Ostring so zu
verlängern, dass insbesondere die Lkw-Verkehre zum Ostuferhafen und die Pendler-
ströme aus der Probstei verlagert werden, damit die dichtbewohnten Bereiche in
Gaarden und Ellerbek entlang des Ostrings deutlich entlastet werden. Unser Vorbild
dafür ist der Olof-Palme-Damm, der den Westring deutlich entlastet hat. Wir wollen
eine Ostuferentlastungsstraße, um den Verkehr anwohnerfreundlicher lenken zu
können. Voraussetzung für die Realisierung der Ostuferentlastungsstraße ist die Auf-
nahme der Maßnahme in den vordringlichen Bedarf des Bundesverkehrswegeplans,
um den Bau finanzieren zu können.

Seit Jahrzehnten als großartiges Projekt gepriesen, scheint es doch mehr eine Ausgeburt der Zeiten einer autogerechten Stadt zu sein. Wollen wir wirklich in 20 Jahren immer noch auf den Autoverkehr (MIV) setzen? Siehe dazu auch Initiative Erhalt der „Neuen Hamburger Straße„. Ich verhehle dabei nicht, dass diese Umgehung u.a. auch genau durch meinen Garten führen würde. insofern nehme ich solche Pläne durchaus persönlich. 😉 – Fakt ist der Kleingartenverein Kiel-Süd würde damit unzählige Kleingärten verlieren. Ein abermaliger Exodus. Und das, wo man sich doch als SPD so gerne kleingartenfreundlich gibt.

So weit zur SPD. Viel Stoff, sehr detailreich und Material sich daran abzuarbeiten. Eigentlich ideal für jede Opposition etwas aufzugreifen und Alternativen zu bieten. Wenns in Kiel eine Opposition gäbe…

Kieler Innenstadt / Altstadt

with 2 comments

Seit geraumer Zeit ist die Innenstadtentwicklung wieder ein größeres Thema in Kiel. Ich fange erst mal damit an, was ich unabhängig von den Plänen in den letzten Jahren gesehen habe:

  • Wer durch die Kern-Altstadt geht (s.o.), der weiß, dass da große Teile quasi tot sind – insbesondere die Haßstraße. Parkhäuser, Seniorenheim, Rückseiten von Gebäuden. Genau das hat man dort gefördert die letzten Jahrzehnte. Die Altstadt ist alles andere als das Zentrum Kiels. insbesondere mit dem Sophienhof und dem Abriss der historischen Häuser am Sophienblatt hat man zum einen wertvollen Innenstadt-Wohnraum zerstört und gleichzeitig einen weiteren Schwerpunkt der Stadt an den Innenstadtrand zum Bahnhof versetzt.
  • Um 1980 wurde die Holstenbrücke umgebaut. Dabei vergaß man eins: Radwege. Bis heute ist die Holstenbrücke trotz relativ jungen Baudatums ein Nadelöhr für Radfahrer. Eigentlich unverständlich. Ebenso stellt die Holstenbrücke bisher auch eine Blockade für Fußgänger dar, da man sie nur an zwei Stellen mit 2 Abschnitten überqueren kann. Auf Höhe Kehdenstraße muss man meist sogar zwei mal warten.
  • In der Altstadt/Innenstadt gibt es eigentlich nur ein einziges Cafe mit ein wenig Charakter, dass den Namen auch verdient hat: Das Werkstatt-Cafe mit einem Kiesel-Garten in der warmen Jahreszeit und einer Eiche.
  • Gerade der Bereich Schloßstraße/Dänische Straße <–> Schloß ist als Ende dere Fußgängerzone zwar teilweise ganz niedlich restauriert, aber dennoch langweilig.
  • Die ganze Holstenstraße ist zu einer reinen Konsummeile verkommen. Bei der Entwicklung wurde vergessen, dass es beim Spazierengehen in einer Innenstadt um mehr geht als nur seine Einkäufe zu erledigen. Eigentlich soll es auch Spaß machen sich dort zu bewegen, weil es den menschlichen Bedürfnissen nahe kommt.
  • Und daran schließt sich die Erkenntnis an, dass Kiel sämtliche Plätze verbaut hat: Holstenplatz, Europaplatz, Asmus-Bremer-Platz, Alter Markt. Nirgendwo hat man das Gefühl sich auf einem Platz zu bewegen: Neubauten, Buden, Bäume, Straßenmobiliar, Blumenkübel, WürstchenverkäuferInnen,… Es findet keine Entspannung statt. Auf dem Asmus und auf dem Euro sind Wellen in den Boden eingebaut. Wieder mal  das Thema „MARITIM“? Ja wir wissens alle, dass wir eine Stadt am Wasser sind. Muss man uns das bei jedem Bauwerk und Plakat um die Ohren schlagen?
  • Grundsätzlich hat Kiel mit der Förde/Hörn und dem Kleinen Kiel viele Wasserfläche. Die Förde wurde allerdings immer weiter zugebaut. Viele Bürger*innen wünschen sich seit Jahren einen besseren Zugang zum Wasser. Für Besucher*innen Kiels ist es einigermaße frustrierend fast nichts von der Förde zu sehen, wenn sie aus dem Bahnhof kommen.
  • Man versucht Gaarden als Teil der Innenstadt anzubinden. Wer sich das aber mal vor Ort angeschaut hat, wird erkennen, dass das nie passieren kann. „Kai-City“ wird immer isoliert blieben, auch auf ferne Zukunft ein Angstraum und weder Innenstadt sein noch Gaarden. Dazu müsste man schon die Schienen überbauen und nicht einfach nur eine Brücke bauen die mehr abschreckt als anzieht.

Ich komme nun zu einigen geplanten Maßnahmen, die ich heute aber nur anreisse:

  1. Die Rathausgalerie wurde seit Jahren geplant. Nun wurde sie eingestampft. Ein zweiter Sophienhof wäre das geworden mit wahrscheinlich ähnlich fatalen Konsequenzen für kleinere Einzelhändler, angrenzender Stadtteile und zugunsten große Ketten.
  2. Die Stadtregionalbahn ist ein Thema, was vielerorts im Hintergrund Berücksichtigung findet bei Planungen. So wurde die Gablenzbrücke extra breiter angelegt, damit evt. eine Bahn darüber fahren könnte.
  3. Man glaubt durch die Anbindung Gaardens etwas Positives in dem Viertel zu bewegen. Allerdings sind gerade an den Übergängen zum Westufer und während der Kieler Woche, deren Überschwappen aufs Ostufer man massiv betreibt die höchste Zahl an Überfällen zu beobachten. In einem Lichtkonzept wird Gaarden bereits als Teil der Innenstadt inszeniert. Dabei achtet man aber weder auf Lichtverschmutzung. Bei dem Lichtkonzept für den Vinetaplatz hat man auch wiederum das Lichtkonzept für Kiel überhaupt nicht berücksichtigt.
  4. Es wird viel Papier produziert, viele Studien in Auftrag gegeben., Und man erhölt immer neue Antworten. Beschlossene Konzepte dienen zum einen zur Rechtfertigung von Maßnahmen ohne diese konkret zu diskutieren („Wir haben doch schon das Konzept beschloßen“) – oder  wenn es nicht passt ignoriert („So ein Konzept ist doch keine Bibel“). Solche Konzepte kann man also schreiben/lesen oder auch lassen. So richtig ernst nimmt die keiner, außer es passt politisch in den Kram. Für die Stadt werden die vielen Berater*innen und Gutachten aber immer mehr zum Problem. Projekte wie das Science Center sollten einmal 25 Millionen Euro kosten. 1/5 der Bausumme (5 Mio. Euro) wurden mal so eben für die Planung das Klo hinuntergespült. Dabei wird dann so getan, als ob Planungskosten gar keine Kosten wären. Es wird da oft das Geld mit beiden Händen ausgegeben.
  5. Auch bei den Parteien haben Papiere und Pläne oft wenig mit der Realität zu tun. Den Vogel des Jahres 2012 haben dabei mit Sicherheit die GRÜNEN abgeschossen. Gelten sie den politisch interessierten und kritischen KielerInnen mittlerweile als extrem  umweltfeindliche Partei und lösen mit ihrer Wortwahl immer wieder nur Kopfschütteln und Verwunderung aus, so gerieren sie sich immer noch als Erfinder*innen des Umweltschutzes. Dabei könnte man meinen sie hätten die Bürgerinitativen gegründet und wären nicht umgekehrt aus diesen entstanden. Vielleicht haben ihre Aktiven inzwischen alle ihre Einfamilienhäuser die unbehelligt bleiben von Umweltzerstörung? jedenfalls haben die Kieler GRÜNEN ein Papier geschrieben (leider gerade Offline), in dem sie behaupten sie würden sich für die Entsiegelung Kiels einsetzen. Projekte wie die MÖBEl KRAFT Ansiedlung werden dabei nicht einmal erwähnt. Oder die Planung den Garten des Werkstatt-Cafes inklusive Eiche für eine Hausbebauung zu opfern! Mal abgesehen davon wird das auch Einbußen für das Cafe bedeuten. Es gibt dazu auch Unterschriftenlisten. Die liegen aber sicher nicht bei den GRÜNEN aus. Am besten mal BUND fragen?
  6. Der neue Kanal auf der Holstenbrücke (Kleiner Kiel Kanal): Er wird künstlich gereinigtes Wasser brauchen. Natürlich ist da gar nichts mehr natürlich dran! Er wird  auch ein Hindernis für Fußgänger darstellen. Gleichzeitig hat man es verpasst beim Kleinen Kiel die Attraktivität für Fußgänger zu steigern. Außer Grillen in Schlauchbooten (mittlerweile eingestampft) war da nicht viel. Erst als Occupy Kiel da eine Fläche besetzte hat man sich daran erinnert, dass man da ja attraktive Fläche schaffen wollte.

Mein Gefühl bei der Kieler Stadtplanung ist, dass man bewusst schaut wo man wertvolles zerstören kann:

  • Alte Häuser am Sophienhof
  • die alte Straßenbahn
  • Alte Brücke im Park zum Brook (Kiel-Gaarden)
  • Ansiedlung Möbelkraft und Skonto auf dem zweitältesten Gartengebiet Deutschlands
  • Abriss des Hauses in der Rathausstraße, Neubau eines hässlichen grauen Klotzes
  • Einengung des Wochenmarktes am Exer zugunsten des MIV (stinkt unglaublich, macht keinen Spaß mehr dort einzukaufen)
  • Schließung der einzigartigen Lessinghalle
  • geplant: Schließung des Freibades Katzheide
  • geplant: Garten des Werkstatt-Cafes
  • geplant: Zerstörung des einzigen Stücks Grün an der Gablenzbrücke zugunsten eines hässlichen Klotzes Zentralbad
  • … und vieles mehr.  in den letzten Jahrzehnten, was mir gar nicht mehr alles so präsent ist.

Wo bleiben jetzt die Gläsernen Akten und Bürgerbeteiligungen für die ganzen anderen Projekte? Und wieso setzt man nicht dort an, wo die größten Defizite sind (z.B. Kern-Altstadt)? Und wieso setzt man sich nicht mal primär für den Erhalt des Besonderen, der Substanz ein? Hat Kiel so viel Geld? Man könnte meinen wir schwimmen im Geld…

Update am 26.11.12 zu Holstenbrücke und Fahrradwegen teilte mir die Stadt Kiel per Email auf Nachfrage mit:

den Wettbewerbsteilnehmern war in der Wettbewerbsauslobung die Aufgabe gestellt worden, sowohl den Bus-/Stadtbahnverkehr als auch den Fahrradverkehr und die Andienung der Geschäfte mit den Interessen der Fußgänger in der Holstenbrücke in Einklang zu bringen. In allen Wettbewerbsentwürfen werden auf der Südseite des geplanten Kanals Mischverkehrsflächen vorgeschlagen, die so breit dimensioniert sind, dass die o.g. Verkehre abgewickelt werden können.

%d Bloggern gefällt das: