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#A7 #Autobahn Ausbau kostet Menschenleben #Tempolimit #Tempo100

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Zunächst ein paar Zahlen über Verkehrstote in Deutschland: (830.000 km insgesamt)

  • Autobahn 13.000 km (1,5%) 2019: 356 (11,7%) – 2,7 Tote pro 100 km (0,0273 pro km)
  • Landstraße km 231.000 (28%) 2019: 1757 (57,7%) – 0,8 Tote pro 100 km (0,0076 pro km)
  • Stadt 229.826 km (28%) 2019: 947 (30,6%) – 0,4 Tote pro 100 km – (0,0041 pro km)

Aber Autobahnen sind doch die sichersten Straßen in Deutschland?

Das ist eine Frage der Gewichtung: Betrachtet man die gebauten Kilometer oder die gefahrenen Kilometer? Auf Autobahnen passieren pro gefahrenen Kilometer weniger Unfälle. aber eben relativ zu der Menge an verbauten Straßenkilometern bilden die Autobahnen schon einen Unfallschwerpunkt in Deutschland. Man muss ja auch mal betrachten, wie unterschiedliche Autobahnen gebaut sind im Vergleich zur Stadt oder dem Land: Hier gibt es zB keine Radfahrer:innen, es gibt keine Ampeln und keine Kreuzungen. Das ist eine Straßenqualität, wie wir sie in der Stadt und auf dem Land gar nicht haben können und wollen. von den Radien und Flächenverbrauch her gedacht!

Autobahnen in Schleswig-Holstein: Kein generelles Tempolimit

Viele wissen nicht, dass Bundesländer für ihre Autobahnen auch ein generelles Tempolimit verhängen können. Bremen tat dies bereits 2010 (120 km/h)! Leider gibt es bisher seitens der schleswig-holsteinischen Umweltverbände diesbezüglich überhaupt keinen Druck oder Aussagen. Es wird zwar ein bundesweites Tempolimit unterstützt, aber eine Lösung für das Bundesland Schleswig-Holstein nach Bremer Vorbild wird bislang von diesen genau so abgelehnt, bzw. einfach nur nicht gefordert, wie auch Verkehrsminister Bernd Buchholz es sogar auch bei der A7 ablehnt. Und so weit ich es sehe, wollen es die GRÜNEN zwar nur für bestimmte Abschnitte der A7, aber nicht generell in ihrem Bundesland!?

Dabei muss man ja einfach festhalten: Es liegt in der gesetzgeberischen Möglichkeit von jedem Bundesland, eigene Regeln einzuführen. Da dies auf dem Bundesgebiet seit Jahrzehnten blockiert und verschlafen wird, ist es für nicht mehr pragmatisch, ständig auf die Bundesebene zu verweisen. Zudem zeigt das Beispiel Bremen, das es geht. Ein Tempolimit auf Autobahnen zu befürworten, es aber nicht auf Bundeslandebene zu fordern, ist absurd und weltfremd.

A7: Forderung nach Tempolimit von unserwarteter Seite

Bereits mehrfach setzte sich die Polizeigewerkschaft für ein Tempolmit auf der A7 ein. Vielleicht auch, weil sie um die Gesundheit und Leben ihrer eigenen Beamten fürchtet. Nun erneut mit einer Forderung nach Schildern, die je nach Verkehrslage ein Tempolimit anordnen.

Was ist von der Forderung zu halten?

Positiv ist, dass da klar ein Handlungsbedarf gesehen wird und auch, das ein Tempolimit als Lösung akzeptiert wird. Problematisch finde ich die technische Lösung, die ein generelles Tempolimit erneut vermeiden würde. Ein Tempolimit, das man immer ab und an schaltet? Wozu?

Es ist hinlänglich bekannt, dass die Zeitvorteile bei hohen Geschwindigkeiten eher gering sind. Die aktuelle Politik die hohen Geschwindigkeiten aus Prinzip gegen jede Vernunft aufrecht zu erhalten muss man als menschenverachtend empfinden. Bei Corona hat man teilweise gesagt: Wir wollen Menschenleben um jeden Preis schützen. Mir fehlt diese Einstellung auch in anderen Bereichen. Menschenopfer nur dafür, dass jemand vielleicht fünf Minuten schneller am Ziel ist atmet eine nahezu mittelalterliche Einstellung zu Menschen. Offenbar zählt für die Landesregierung ein Menschenleben gar nichts? Und vergessen wir nicht: Hinter vielen Unfallopfern, die nicht sterben, stecken schreckliche Schicksale und lebenslanges Leiden!

Welches Tempo?

Es geistern seit Jahrzehnten verschiedene Höhen des Maximaltempos als Vorschläge durch die Politik. Also welche Geschwindigkeit nimmt man? Aus meiner Sicht hat da die Niederlande das Tempo vorgegeben mit den richtigen Argumenten: Es DARF HÖCHSTENS Tempo 100 sein und nicht mehr! Warum nicht 120 oder 130? Ganz klar: Da wir schon so lange an dem Tempolimit herumoperieren und Deutschland jahrzehntelang nicht gehandelt hat, bedarf es eines großen Wurfes. Denn insbesondere für das Klima ist die Wirkung um so höher, je stärker die Geschwindigkeit begrenzt wird. Viel meinen 120 und 130 wären ja auch schon Was! Ja, sicher. Aber nehmen wir an, wir würden jetzt das Tempo 130 bekommen. Und überall würden neue Schilder aufgestellt. Wieviele Schilder müssten da produziert werden? Vermutlich würde NIEMAND es dann in nächster Zeit danach wagen, eine weitere Einschränkung zu fordern!? Bzw. würde es noch ein mal erhebliche Kosten erfordern.

Tempo 100 würde uns einen gewissen Fortschritt bringen. Wir wären damit nicht wieder Schlusslicht. Generell bin ich auch für noch geringere Geschwindigkeiten offen. Wichtig wäre auch auf Landstraßen eine deutliche Senkung der Höchstgeschwindigkeit, wie zB 70 km/h.

Fazit

Es gibt ein paar Argumente für grenzenlose Geschwindigkeit. Im Wesentlichen, dass es natürlich einen gewissen Zeitverlust durch Tempolimits gibt. Aber wenn man sich mal die Vor- und Nachteile gegenüber stellt, sollte die Entscheidung für Tempolimit nicht mehr schwer fallen. Die meisten Gegner eines Tempolimit konzentrieren sich auch eher darauf, die Vorteile klein zu reden. Wie zB die Klimaeffekte wären zu gering, oder es gäbe gar nicht so viel weniger Tote und Verletzte.

Zu den Klimaeffekten: Egal wie man rechnet: Außer dem Ausstieg aus der Kohle würde keine Einzelmaßnahme so viel Einsparung an CO2 bringen. Ja, einzeln betrachtet scheint es nicht viel zu bringen, aber das gilt viel mehr für sämtliche anderen Einzelmaßnahmen. UND Im Grunde wäre es möglich die Einsparungen SOFORT zu bewirken innerhalb weniger Wochen. Es wäre der Einstieg in den konsequenten Ausstieg aus der CO2-Wirtschaft. Es ist eigentlich ein sog. No-Brainer: Es gibt keinen vernünftigen Grund, kein Tempolimit einzuführen, gerade wenn man die Klimaziele einhalten will.

Das Tempolimit alleine bedeutet noch lange nicht, dass man am Ziel ist. Klar, es braucht noch viel mehr Engagement und Maßnahmen, aber es wäre ein erstes Zeichen, dass man die Klimakatasrophe auch in Deutschland vermeiden will.

Written by Thilo

1. September 2020 at 09:41

Veröffentlicht in Land, Umwelt

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Tempolimit auf A20 und die bösen Naturschützer?

with 4 comments

Die nagelneue A60 soll auf einem Bauabschnitt zum Schutze von Fledermäusen ein Tempolimit von 60 Stundenkilometern erhalten (siehe SHZ-Artikel). Das kommentiert Christian Longardt in der KN heute wie folgt:

Die europäische Magistrale aber bleibt immer wieder im schleswig-holsteinischen Klein-Klein stecken. Mal bremsen die Grünen, mal die Naturschützer. Und die nächste Fledermaus-Kolonie wartet schon.

A20

geplanter Verlauf der A 20 durch Schleswig-Holstein und Niedersachsen (By NordNordWest [GFDL (http://www.gnu.org/copyleft/fdl.html) or CC-BY-SA-3.0 (http://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0)%5D, via Wikimedia Commons)

Wo er natürlich recht hat ist, dass man keine neue, vierspurige Autobahn braucht um dann darauf Tempo 60 zu fahren. Allerdings werden hier Argumente verdreht:  Wenn das Landesverwaltungsgericht einen Baustopp verhängt, dann weil der Landtag und Bundestag irgendwann Gesetze beschlossen haben zum Arten- und Naturschutz. Sekundär ist hier wer oder warum geklagt wird. Entscheidender ist, dass die Planung der A 20 mangelhaft war. Entweder hätte sie gar nicht an dieser Stelle gebaut werden dürfen, oder man hätte diesen Faktor frühzeitiger einbeziehen müssen. Wenn jetzt quasi nur noch ein Tempolimit als letzte Option bleibt, so ist es müssig das „Naturschützern“ zur Last zu legen. Das Argument wird oft so verwendet, als wenn Naturschützern sich spontan neue Regeln ausdenken, um „mal wieder“ ein Projekt zu stoppen. Es gibt sicher Menschen, die erst mal schauen was da Neues kommt und dann schauen was da an Umweltbedrohung mit verbunden sein könnte. Das interessiert manche Autofahrer herzlich wenig, die nur interessiert, dass sie keine zwei Minuten verlieren um ihr Ziel zu erreichen.

Es ist viel mehr die Frage welche Standards sich die Gesellschaft setzt und einhalten möchte. Alle Parteien haben an den Umweltgesetzen mitgewirkt und das dürften sich alle, die einen mehr und einigen weniger auch als Verdienst anhängen. In der Praxis wird deren Existenz aber offenbar nur bedauert als ein Hemmschuh. Wenn es tatsächlicher Unsinn ist, so kann man Gesetze auch ändern. Letztlich braucht es keine Umweltgesetze, die keinen Beitrag zum Umweltschutz leisten. Ich gehe allerdings davon aus, dass sie es in diesem Falle tun. Ich finde es eher erstaunlich mit welcher Einstellungen auch in Schleswig-Holstein immer noch Straßen gebaut werden. Insofern ist der Rückschlag des Tempolimits auch eine Folge eines „Koste es, was es wolle“ – für ein mehr an Straße, ein Mehr an schnellen Straßen und ein Mehr an mehrspurigen Straßen. Staus wird man damit wohl nie verhindern.

Written by Thilo

22. Januar 2014 at 09:41

Veröffentlicht in Land, Umwelt, Verkehr

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