KielKontrovers

Gesellschaftliches aus Kiel und Schleswig-Holstein

Posts Tagged ‘Digitalisierung

Aspekte der #Digitalisierung von Kommunen

Digitalisierung wird in Kommunen ja aktuell sehr hoch bewertet. In Kiel hat man sich sogar eine „Digitale Kieler Woche“ ausgedacht. Es gab viele Veranstaltungen in 2017. Aber wie siehts mit Kiel als Kommune selbst aus?

Kiel hat 2017 einen Relaunch ihrer Website auf www.kiel.de hinter sich gebracht. Das ganze mit sog. „Responsive Design„.  Viele Mitarbeiter verdrehen die Augen, wenn man sie darauf anspricht. Der Relaunch war vollkommen misslungen. Was man seit bestimmt 12 Jahren als Standard erwarten kann ist, dass alte Webadressen auf neue weitergeleitet werden, zumindest auf eine automatisierte Suchseite (die Teile der URL in eine Suche umformt). Mittlerweile wurde immerhin eine Suchseite eingerichtet, aber noch nicht automatisiert.

Bildschirmfoto zu 2017-12-23 10-07-01

Die Seiten der Stadt Kiel haben aber eher inhaltliche Defizite. Z.B. als konkretes Beispiel die fehlenden Protokolle der Verkehrsschauen. 

Eine Digitalisierung in Kommunen bedeutet meiner Erachtens vor allem, dass Inhalte proaktiv und grundsätzlich online gestellt werden. Auch anders als „Open Data“ bekannt, aber offenbar selten verstanden. Es kann nicht Aufgabe der Bürger*innen oder Journalist*innen sein, ständig nach einzelnen Informationen oder Protokollen nachzufragen. Open Data bedeutet, dass das Veröffentlichen von Daten selbstverständlich wird und nicht Ausnahme bleibt.

Neben Veröffentlichungen auf Webseiten bedeutet Digitalisierung aber auch, dass die Kommunikation mit der Verwaltung oder Selbstverwaltung funktioniert. Funktionieren bedeutet:

  1. Anfragen über Website oder Email kommen am Ziel an, ggf. werden sie weitergeleitet.
  2. Die Bürgerin bekommt ein Feedback darüber, dass die Anfrage angekommen ist, ggf. auch eine Statusmeldung darüber. Auch eine Aussicht darüber, wann eine Antwort zu erwarten ist.
  3. Irgend wann dann eine angemessene Antwort mit der Möglichkeit noch ein mal nachzufragen.

Vielleicht ist es auch heute schon möglich Messenger-Dienste mit einzubeziehen oder auch offene Anfragen, die für alle lesbar sind so wie bei fragdenstaat.de.

Meine persönliche Erfahrung der letzten zwei Jahre in Kiel ist leider gefühlt eine Verschlechterung. Emails an die Verwaltung bleiben meistens unbeantwortet. Das Signal an die Bürger*innen ist damit: Frag erst gar nicht, schreib uns nicht, Du wirst eh keine Antwort bekommen.

Mein Eindruck ist, dass man in Kommunen gerne die Digitalisierung als Buzzword zwar gerne in den Mund nimmt. Aber man ist nicht in der Lage, dass in Verwaltungshandeln zu integrieren. Auch die Parteien müssen sich fragen, ob sie überhaupt bereit sind, mit den Bürger*innen in einen Dialog zu treten?

Die Themensetzung in Kiel lässt daran eher zweifeln. Man hat da eher immer noch das Gefühl, dass gewählte Vertreter*innen eine Avantgarde darstellen, die kein Feedback aus der Bevölkerung benötigt. Bürgerbeteiligungen sind da eher notwendiges Übel, als dass man sich über die Beteiligung freuen würde und sie als Chance begreifen würde.

Auf dem Papier begrüßt man zwar Digitalisierung und Bürgerbeteiligung. Aber in Wirklichkeit kann man in Kiel, wie in vielen andere Kommunen damit nicht viel anfangen. Es wird eine seltsame Wohlfühl-Politikblase gepflegt. Was das für die Kommunalwahl 2018 in Kiel bedeutet, wird man sehen…

Advertisements

Written by tlow

23. Dezember 2017 at 17:24

Veröffentlicht in Rathaus

Tagged with

%d Bloggern gefällt das: