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Nachgelegt: Zentralbadlösung deutlich teurer als Erhalt bestehen der Bäder

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In meinem vorherigen Artikel hatte ich es bereits angeschnitten. Aus aktuellem Anlass ging es noch einmal um die Kosten des Kompromissbads im Vergleich zu den damaligen Planungen zur Sanierung der Lessinghalle und dem Bau eines Kombibades in Katzheide. Kombibad hieße übrigens, dass man draussen wie drinnen schwimme könnte, also ganzjährig.

 

Frau Drexler kommentierte in der KN:

Denn Fakt ist:
Deren Sanierung würde die
Stadt deutlich teurer als der
Neubau kommen.

 

Schauen wir uns aber mal die Fakten an. Nehmen wir ausnahmsweise mal die Zahlen der Befürworter des Zentralbades und der Stillegung von Katzheide und Lessinghalle von 2009:

  1. Umbau der Lessinghalle: 15 Millionen, Bau eines Kombibades in Katzheide: 8 Millionen – Summe: 23 Millionen
  2. Heutiger Kenntnisstand des Neubaus eines Zentralbades: 25,8 Millionen

Selbst wenn wir die Erschließungskosten über 1,6 Millionen abziehen, die für das Zentralbad zwar entstehen aber aus einem anderen Etat bezahlt werden, kommen wir immer noch auf 24,2 Millionen und damit auf Mehrkosten für das neue Zentralbad von 1, 2 Millionen Euro. Die Aussage, dass das Zentralbad billiger würde treffen nur auf den Planungsstand von 2009 zu. Das das Zentralbad aber deutlich teurer wird, als die damals veranschlagte 17 Millionen-Obergrenze, ist nun schon länger bekannt. Wer heute noch behauptet, das Zentralbad wäre auf jeden Fall billiger, lügt also, oder ist noch auf dem Kenntnisstand von 2009. Dann soll man sich aber bitte nicht dazu hinreissen lassen, Kommentare zu schreiben. Sei es als Partei oder Journalistin.

Ich habe damals bereits aber auch die 23 Millionen auseinander genommen. Ich zitiere noch einmal aus meinem Artikel aus 2009 aus der Ausschreibung:

Ziel ist die denkmalgerechte Sanierung sowie die Attraktivierung des Schwimmbades unter funktionalen, technischen und energetischen Gesichtspunkten. Dabei soll das Angebot unter Berücksichtigung des Schul- und Vereinsschwimmens durch Fitness- und Wellnessangebote sowie eine attraktive Gastronomie erweitert werden. Angestrebt ist die Entwicklung eines hochwertigen Gebäudeensembles, das unterschiedliche Zielgruppen anzusprechen vermag und gleichzeitig flexibel und zukunftsoffen orientiert ist. Im Rahmen einer denkmalgerechten, architektonisch und wirtschaftlich ausgereiften Entwurfslösung werden überzeugende Konzepte gesucht, die den Standort in seiner Attraktivität sichern und weiter steigern.

Es ging in der Ausschreibung also nicht darum ausschließlich nötige Sanierungen durchzuführen unter der Maßgabe Kosten zu sparen angesichts der Zuschußgrenze und des klammen Haushalts. Auftrag für die Architekten war sozusagen ein Luxusgebäude zu erstellen. Und als die Entwürfe fertig waren prämierte man (ohne Scherz) den teuersten, nur um den anschließen zu kassieren, weil die „Sanierung des Gebäudes zu teuer wäre“.  Man wollte also eine Luxusgebäudesanierung mit deutlicher Attraktivitätssteigerung, wählt den teuersten Entwurf aus und lässt es dann aus Kostengründen platzen. Das ist und bleibt absolut widersinnig.

Auch die Argumentation Kiel müsse Geld sparen wirkt unglaubwürdig. Man hat eher den Eindruck, dass Geld in Kiel überhaupt keine Rolle spielt. Weder bei den Maßgaben für die Sanierung der Lessinghalle noch beim Bau des Zentralbades.

All diese Fakten müßten den Kieler Kommunalpolitiker*innen bekannt sein. Es scheint aber eher so, dass jedes Großprojekt verwirklicht werden soll, wenn es irgendwie geht. Alles angeblich um Kiels Zukunftsfähigkeit zu erhalten. Apropos Zukunftsfähigkeit. In einem, Sachstandsbericht ( Drucksache – 0335/2005 ) wurde betont „In der Schwimmhalle Lessingplatz wird das beste Ergebnis je Besucher, Betriebstag und Betriebsstunde erreicht„. Warum wurde dann beschlossen „Die Schwimmhalle Schilksee bleibt erhalten.“ ? An ihrer Wirtschaftlichkeit kann es nicht gelegen haben, denn die war im Vergleich zur Lessinghalle eher mager. Lag es daran, dass in Schilksee mehr CDU-Klientel lebt und das man sich eine Schließung der Schwimmhalle nicht leisten wollte? Dann lieber den armen Gaardenern zwei Schwimmbäder klauen?

Viele vertrauen was Katzheide angeht auf Aussagen, dass man dies erhalten wolle. Beschlossen ist aber definitv dessen Schließung, sobald das Zentralbad fertig ist. Wer auf Aussagen im Vertrauen setzt wird oft enttäuscht. So wurde den Freunden der Lessinghalle Tage vor dem Beschluss zu deren Ende wohl auch von Ratsherren versichert, dass es so einen Beschluss nicht geben würde.

Enttäuscht sind jetzt vermutlich auch viele trendenzielle Nichtwähler die vielleicht die Piraten gewählt haben, weil sie sich dort Opposition jenseits des Kieler Klüngels erhofft haben. Die sind allerdings schneller stromlinienförmig geworden, als man es sich vorstellen konnte. Für die Wähler ein ganz klares Signal: Wählen lohnt sich nicht, denn alle sind gleich! Dies gilt bis aufs Beweis des Gegenteils

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