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Vorschlag Kieler #Exer: Bessere #Walkability und #fahrradfreundlich #Wochenmarkt

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Matthias Suessen SH-6944.jpg
Von User:Matthias SüßenEigenes Werk, CC BY-SA 4.0, Link

Der Kieler Exerzierplatz ist wie viele ehemalige Plätze zum (wie der Name schon sagt) Exerzieren heute primär ein Parkplatz. Zwei mal die Woche dann ein Wochenmarkt. Leider gab es in den vergangenen Jahren die Fehlentscheidung, dass auch während der Wochenmärkte an Mittwochen uns Samstagen Teile des Wochenmarktes als Parkplatz genutzt werden können. Nun stehen da, wie heute mal wieder live von mir miterlebt (ist ja eigentlich nicht mein Stadtteil, bin nur hier aufgewachsen) die Autos Schlange um einen Parkplatz ergattern. Das heißt auch, dass insbesondere der westlichen Rand des Wochenmarktes Szene erlebt, bei denen Autos nur wenige Zentimeter von frischem Obst & Gemüse ihre Abgase in die Wochenmarktstände pusten. Und damit alles das, was derzeit in der Diskussion ist, wie u.a. Stickoxide und Feinstäube. Na, Lust auf frisches Obst?

Dauerhaft würde ich für Fahrradfahrer*innen und Fußgänger*innen folgende Lösung vorschlagen:

Zwei Diagonalen quer durch die Parkplätze, die vor dem Autoverkehr geschützt sind.

Welches Problem damit lösen?

Eine mögliche Hauptverbindung für Radfahrer*innen kommend vom Bahnhof ist hinter über den Schülperbaum zum Schrevenpark-Radweg (oder Knooper Weg) und weiter zur Uni zu fahren. Bisher gibt es hier aber überhaupt keine Radverbindung. Eigentlich müssten die östlich des Exers Richtung Rathausstraße und dann links abbiegen Richtung Knooper Weg. Und umgekehrt dann Richtung Ziegelteich. Defakto schlängeln sich aber sowohl Fußgänger*innen wie Radfahrer*innen über den Exer zwischen parkenden Autos. Das ist aber weder barrierefrei noch risikoarm. Hier dominiert das Auto fast alternativlos. Wenngleich beide Alternativen legal und toleriert sind.

Der obige Vorschlag ist erst mal nur eine grobe grafische Idee, die ein vorherrschendes Problem lösen soll. Wie genau man das elegant machen kann, steht auf einem anderen Blatt. Die Grün-Zeit für Fußgänger an der Ecke mit dem Steiskal ist aber auch extrem kurz. Die Straße, die weiter auf die Möllingstraße ist aber vierspurig für Autos ausgebaut. Der Fußgänger sieht eigentlich immer schon Rot, wenn er sich auch schnellen Schrittes mitten auf der Straße befindet. Der ganze Exerzierplatz ist mithin aus Autoperspektive geplant und umgesetzt. Dabei sind Wochenmärkte prädestiniert für Fußgänger und Radfahrer. Hier könnte es auch deutlich mehr und bessere Fahrradabstellmöglichkeiten gebe. Da Wochenmärkte eh in der Krise sind, wäre hier mehr Unterstützung nötig Und wie man aus Untersuchungen weiß, kaufen Fußgänger und Radfahrer sehr viel mehr als Autofahrer an den Straßen ein, an denen sie vorbeifahren/gehen.

Von der Sichtbarkeit her sieht man durch die parkenden Autos und diejenigen, die einen Parkplatz suchen heutzutage von Steiskal aus auch gar nicht mehr, dass ein Wochenmarkt stattfindet. Da bräuchte es vielleicht auch mal große Transparente, die dafür werben?

Die Ecke Exer ist eine derjenigen, die ganz zentral wichtig sind und wo ich es nicht verstehen kann, dass es da seit Jahrzehnten gar keine Lösung für Radfahrer*innen gibt? Natürlich bedarf es auch z.b. beim Schülperbaum und dem Knooper Weg noch annehmbarer Radwege, aber da gehts bisher zumindest ein wenig. Der Exer aber ist bislang eine effektive Sperre für Rad- und Fußverkehr. Weitere Ideen?
Update: Zusätzlich oder alternativ könnte man die Ecken nutzen, um sie als Fahrradwege umzubauen:
exermap-umlauf

Die zweite enorm wichtige Verbindung sie hier auch gleich verraten: Die Strecke Hauptbahnhof bis Holstenbrücke. Wie kann es sich eine Stadt leisten, die sich gerne Fahrradstadt nennen will, vom Hauptbahnhof UND der einzigen Ost/West-Verbindung keinerlei durchgängige Anschlüsse für Radfahrer zu bieten? insbesondere die Holstenbrücke selbst war jahrzehntelang ein Horror für jeden Radfahrer.

Written by tlow

31. März 2018 at 10:07

Schreibt Autoindustrie die Gutachten für Kiel? #VWGutachten #PTVGroup #kwkiel

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Man würde meinen, dass mittlerweile eine hohe Sensibilität beim Thema Verkehr, Luftschadstoffe und Autoindustrie vorherrscht. Wie sich aber herausstellt, ließ sich die Stadt Kiel darauf ein, dass VW eine Studie für die Erstellung des Luftreinhalteplans finanziert und auch noch den Gutachter (PTV Group, Teil von Porsche Automobil Holding SE) aussuchen durfte. Der Oberbürgermeister Kämpfer wusste angeblich nichts über die Besitzverhältnisse. Ein einziger Aufruf von Wikipedia hätte dazu allerdings genügt. Aber auch ohne die Verbindung zu VW sieht man, dass die PTV Group eine Agenda für mehr Verkehr besitzt. Dazu reicht schon ein Blick auf die Pressemitteilung. Zitat:

Vincent Kobesen, CEO der PTV, freut sich, dass die Übernahme der PTV AG durch die Porsche SE jetzt abgeschlossen ist. „Wir haben damit die Eigentümer-Struktur klar geregelt und auf die Zukunft ausgerichtet. Unseren Anspruch und Marktanteil als führender Softwareanbieter zur Planung und Optimierung von Verkehr und Transportlogistik werden wir damit auf der ganzen Welt weiter ausbauen.“

Aus Sicht manches Stadtplaners mag das Ganze neutral klingen. Aber Hier wird ganz deutlich, dass es hier keinen Fokus auf eine lebenswerte Stadt mit menschlichem Maß geht. Mit diesem Ansatz würden Fahrverbote, Tempolimits und jede andere Einschränkung lediglich als Rückschritt des Ziels einer autogerechten Stadt betrachtet.

GRÜNE und CDU haben bereits das Verfahren kritisiert. Allerdings schlägt die CDU wieder ein mal als Lösung das Absaugen und Filtern der Abgase vor. Sowohl abgasreduzierende Asphalte, wie auch Emissionsschutzwände stellen wie auch Ventilatoren und Filter keine Lösungen dar, die sich in der Praxis bewährt hätten. Ich bezeichne solche Methoden als scheinwissenschaftlichen Voodoo. Im Labor werden Wirkungen zwar teilweise nachgewiesen. Aber dieser technologische Ansatz hat nur das Ziel jegliche grundsätzliche Änderung der Verkehrspolitik zu verhindern. Weder bei Parkplätzen noch bei fließenden Verkehr kann man sich Einschränkungen auch nur vorstellen: Natürlich soll alles genau so bleiben, wie es ist. Das mache ich aus der Haltung des OBs, der immer betont, dass er Fahrverbote grundsätzlich ablehnt und sie um jeden Preis verhindern will.

Das ist aber eben nicht genug und es gibt eine Vielzahl an Alternativen und guten Beispiel weltweit.

  • Zürich z.B. macht seit 30 Jahren eine andere Verkehrspolitik
  • Viele Städte haben inzwischen gute Erfahrung mit einer City-Maut. Abgasinitnsive Autos zahlen bei der Einfahrt mehr. Wie Stockholm oder Oslo oder London
  • Graz hatte gute Erfahrungen mit der Reduktion von Schadstoffen mit Tempo 30 stadtweit gemacht. Leider wurde die Regelung 2017 durch ein Gericht kassiert.
  • Paris hat gute Erfahrung damit gemacht wichtige Tangenten am Seine-Ufer für Fußgänger umzuwandeln
  • natürlich auch Kopenhagen

Es geht nicht darum alles aus einer Stadt zu kopieren. Aber die sehr unterschiedlichen Städte auf der ganzen Welt zeigen: Es ist Vieles möglich! In Kiel fehlt es nur vollkommen an dem Mut, irgend etwas auszuprobieren. Einschränkungen für Fußgänger und Radfahrer sind zwar an der Tagesordnung, aber für Autofahrer nahezu undenkbar, abgesehen von älteren Maßnahmen wie Einbahnstraßenregelungen.

Aber das es z.B. immer noch keinen durchgängigen Radweg gibt zwischen dem Ostufer über den Bahnhof, Sophienblatt bis über die Holstenbrücke bis zur Bergstraße ist eigentlich seit Jahrzehnten ein unhaltbarer Zustand. Auch der Anschluss zu Ringstraße oder zum Exerzierplatz fehlt völlig.

Stattdessen hat man aber z.B. mit dem Olof-Palme-Damm eine Schnellstraße etabliert, die viele Kleingärten plattgemacht hatte und dem Auto verschiedene Geschwindigkeitsvorteile gegenüber dem ÖPNV gebracht. Ergebnis ist natürlich mehr Verkehr und ein Umstiegen von ÖPNV auf das Auto. Ähnliches ist von den Planungen für die Spüdspange Gaarden und dem Ostring II als Ergebnis zu erwarten, die nach wie vor unbeirrt verfolgt werden.

Offenbar ist man sich zwar im Rathaus und den dort vertretenen Parteien bewusst, dass es vom Prinzip her nicht so weiter geht. Aber es fehlt nach wie vor an Mut, Ideen und Bereitschaft etwas Grundlegendes zu ändern und die Mobilitätswende anzugehen. Selbst die GRÜNEN sind da noch viel zu zaghaft und werfen lediglich alte Kamellen durch die Gegend.

Durch die im Mai anstehende Kommunalwahl verschärft sich das Thema: Die Kieler Bürger*innen sind sicher gespannt, welche Lösungen die Parteien anbieten für die Themen Umwelt und Verkehr.

Written by tlow

9. März 2018 at 07:05

Zu #Dieselgate und #Automobilindustrie und #Fahrverbote in Städten

Die ungelösten Problem des Verkehrs der Städte oder die Nachteile des Automobils, fallen uns jetzt auf den Fuß. So hatte Frederic Vester 1990 Teile der Ford-Studie in dem Buch „Ausfahrt Zukunft“ veröffentlicht. In dem er sowohl Probleme als auch Lösungen skizzierte. Die Studie verschwand aber, wie so oft, in Schubladen. Und auch seitens der Politik kam es zu keinem Umdenken.

Aktuell sind es die Belastungen von Großstädten wie Stuttgart, die nun zu drohenden Fahrverboten in Städten führen. Auch Kiel hat problematische Ecken, wie z.B. Am Theodor-Heuss-Ring.

Was an der aktuellen Diskussion leider sehr unter den Tisch fällt:

  1. Natürlich sind auch Benziner problematisch
  2. Das Problem der Straßen und Parkplätze existiert auch  bei Elektroautos.

Sich jetzt nur auf den Diesel zu stürzen als Übeltäter, verkennt die weiterreichenden Probleme, die zum Großteil auch unabhängig vom Antrieb sind. Stadt das der Staat viel Geld in die Hand nimmt, um das Dieselproblem zu lösen , sollte er das Geld besser zur Lösung des Autoproblems einsetzen.

Natürlich ist es bedauernswert für Dieseleigner, wenn sie jetzt Einschränkungen in Kauf nehmen müssten. Aber ehrlich gesagt: Wer heute noch Diesel-PKW kauft, hat entweder die letzten 5(?) Jahre keine Nachrichten verfolgt, oder dem ist die Umwelt auch recht egal?

Eine Lösung für Städte ist es, dem Fahrrad mehr Raum einzuräumen. Genauer gesagt einen gerechten Platz, der dem Fahrrad aufgrund seines Anteils am Straßenverkehr zustehen würde. Zudem: Wenn Menschen wirklich mehr Fahrrad statt Auto fahren würden, reicht der Platz bestehender Radwege bald nicht mehr aus.

 

Dunsmuir Separated Bike Lanes 84

Protected / Separated Bikelane auf der Dunsmuir Street, downtown Vancouver, Kanada

Z.B. durch Protected Bikelanes, die bedeuten: Mehr Leute fahren Fahrrad, weniger Unfälle, mehr Umsatz für Geschäfte die an diesen Straßen liegen. Die Attraktivität für einen Umstieg aufs Fahrrad würde enorm gesteigert.

Im Stadtteil Gaarden ist Fahrrad fahren generell problematisch. Die Straßen sind durch die Pflasterstraßen für Fahrräder nicht angenehm zu befahren. Folge: Fahrradfahrer*innen machen einen großen Bogen um den Stadtteil. Für einen Stadtteil, der dringendst darauf angewiesen ist, dass nicht nur die eigenen Bewohner*innen hier einkaufen eine fatale Fehlsteuerung. Im Vergleich dazu erlebten auf dem Westufer manche Straßen in den letzten 30 Jahren schon ihre zweite oder dritte fahrradfreundliche Bearbeitung. Eine Politik, die ganz konkrete Nachteile für diesen Stadtteil hat. In Reden wird für Gaarden zwar viel versprochen und in der Vergangenheit wurde auch viel im Bereich des Hafens in Beton gegossen. Aber für konkrete Umgestaltung hat man  bisher zu wenig investiert. Das wird seitens der Stadt mittlerweile sogar offen zugegeben. Dennoch fehlt für ein Umsteuern noch der entsprechende Bereitschaft und Geschwindigkeit.

 

Written by tlow

30. Juli 2017 at 10:24

Mehrspurige #Lastenräder müssen keine Radwege benutzen!

Aus aktuellem Anlaß für alle Autofahrer*innen mal als Klarstellung, dass mehrspurige Lastenräder (wie z.B. Dreiräder) keine Radwege benutzen müssen.

Mein mg_5984-1_resize_crop_cbabboe-300x169aktuelles Erlebnis war mit einem Babboe von Kieler Tretwerk die Helmholtzstraße bergab Richtung Karlstal. Dort gibt es quasi keinen Radweg mehr. Er ist nicht mehr ausgeschildert und damit eh keine Radwegenbenutzungspflicht. Nur die Pflasterung existiert noch und irritiert ein wenig. Für eine Autofahrer*in war es aber offenbar zu viel Provokation, dass sie ein langsameres Lastendreirad überholen musste und schrie im Vorbeifahren aus dem Autofenster, dass das nicht meine Straße sei. Als Lastenrad fährt man noch mehr in der Mitte, da es gerne mal hin- und herschlenkert. In Gaarden, wie sicher auch in anderen Stadtteilen kann mans aber als Radfahrer eh niemandem recht machen. Auf der Straße stört man die Autofahrer und auf den Gehweg die Fußgänger. Aber da muss es auf jeden Fall noch viel mehr Bewußtseinswandel geben. Und auch mehr Wissen über die Straßenverkehrsordnung. Gilt auch füpr KVG-Busfahrer, wo mir einer an der Stelle auch mal den Weg abgeschnitten und dann gebremst hat, nur um vor mir an der Ampel zu sein. Einen Crash konnte ich nur knapp verhindern.

Written by tlow

11. Juni 2017 at 14:45

#LTWSH: Parteien zur #Verkehrspolitik

Verkehr ist eines der wichtigsten Themen. Insbesondere das hier der Staat viele Steuerungsmöglichkeiten hat. Der Klimawandel erfordert auch hier ein Umdenken. Wieder habe ich die Parteiprogramme gecheckt. Z.B. danach in wie fern auch Fahrrad und Bahn Thema sind, oder die Verkehrsentwicklung kritisch betrachtet wird.

AfD

Der Schienenverkehr wird nur in Aufzählungen erwähnt. Immerhin auch die Förderung des „Zweiradverkehr“. Allerdings ist damit alles mit zwei Rädern gemeint. Konkrete Projekte im Land werden nicht genannt.

Freie Wähler

Weder Schiene noch Fahrrad werden eigens erwähnt. Es werden ebenfalls keine konkreten Projekte benannt.

GRÜNE

Sowohl für Bahn als auch Fahrrad werden verschiedene Projekte konkret benannt. Z.B. Elektrifizierung 25+ (Seite 28), S-Bahnstrecken, Ausbau des Radwegenetz,… alles sehr ausführlich. D.h. man sieht sehr genau, was sie versprechen.

PIRATEN

Sie äußern sich klar pro Schiene und Rad. Es fehlen allerdings konkrete Projekte/Pläne und damit fällt die Beurteilung zukünftiger Politik schwer.

LINKE

Ähnlich wie die Piraten plädieren sie klar für Aufbau von Schiene und Rad. Aber auch hier fehlene konkretere Vorschläge.

SPD

Klares Bekenntnis für Schiene und Fahrrad. Es werden auch einige geplante Projekte konkret, wenn auch nicht ausführlich, genannt.

CDU

Auch die CDU bekennt sich sowohl zum Radverkehr als auch zur Schiene. Bei der Schiene werden auch einige konkreten Projekte genannt. Allerdings ist dies alles bezeichnender weise dem Kapitel Wirtschaft untergeordnet und nicht in einem eigenen Kapitel zu Verkehr.

FDP

Klares Bekenntnis zur Schiene und auch für den Ausbau. Sie nennen sogar mehr konkrete Projekte als die CDU. Beim Radverkehr aber herrscht das große Schweigen. Da fällt die FDP hinter alle anderen überprüften Parteien zurück.

Fazit: Wem Radverkehr wichtig ist, sollte wohl besser nicht die FDP wählen. Selbst für Allgemeinplätze hat  es in derem Parteiprogramm hier nicht gereicht. Das ist so seltsam, dass ich da fast von einem Versehen ausgehe. Zumindest besteht da noch erheblicher Nachholbedarf. Es muss ja nicht jede Partei in gleichem Maße fahrradfreundlich sein, aber was die FDP da in Aussicht stellt, lässt stark an ihrer Kompetenz auf dem Gebiet der Verkehrspolitik zweifeln.

Ansonsten positiv, dass keine Partei die Bahn ablehnt. Allerdings braucht es für die Wahl schon die Nennung ein paar konkreterer Projekte und Vorschläge, damit die Wähler*innen beurteilen können, was sie erwarten können. Da fallen dann v.a. AfD, LINKE, Piraten und Freie Wähler zurück.

Written by tlow

19. April 2017 at 15:28

Schneeräumung der Radwege in Kiel

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Fahrrad im Schnee

Fahrrad im Schnee (Einige Rechte vorbehalten, siehe Link)

Wenngleich man Verständnis für Sondersituationen haben kann aufgrund der großen Schneemengen, so fällt mir als Radfahrer auf, der die letzten Wochen sein Fahrrad gar nicht benutzt hat, dass viele der Hauptverkehrswege für Radfahrer wochenlang gar nicht geräumt werden, wie z.B. die Strecke, die durch die Klappbrücke Ost- und Westteil verbindet.

Ich verstehe, dass nicht alle Radwege geräumt werden können und auch, dass manche Radwege auch länger nicht geräumt werden. Wofür ich aber kein Verständnis habe ist, dass fast alle Autowege in voller Breite geräumt werden und der Schnee dann fast grundsätzlich auf die Radwege geschüttet wird.

Radfahrer, die kein Auto haben sind zum Teil auf die Radwegebenutzung angewiesen. Ich denke es wäre hinnehmbar, wenn Radfahrer Umwege in Kauf nehmen müssen, denn manchmal ist eine zeitnahe Räumung nicht möglich.

Es sollte jedoch nicht wochenlang unmöglich sein Hauptradwegeverbindungen zu benutzen – nicht weil in den Wochen Schnee fallen würde, sondern weil sie ganz einfach nicht geräumt werden, wie z.B bei dem Rad- Fußweg am Wasserplatz am Germaniahafen.

Wenn man will, das Bürgerinnen umsatteln, so kann es nicht sein, dass diese gewzungen werden für zwei Monate ganz auf das Fahrrad als Fortbewegungsmittel verzichten. Nicht bei den Preisen für den ÖPNV in Kiel! Wie sollen sich Menschen, für die das Fahrrad sowohl beruflich als auch privat Hauptverkehrsmittel ist im Winter bewegen?

Unter dem Strich bleibt, dass Autofahrer hier eine deutlich bessere Situation haben. Abgesehen von einigen Seitenstraßen können sie fast jeden Tag imme rund überall fahren. Also kaum ein Argument für einen Umstieg.

Apropos, wie ich herausgefunden haben hat der Bundesgerichtshof bereits 1964 geurteilt (BGH III ZR 200/63), das „verkehrswichtige“ Radwege genau so zu Räumen sind wie anderen Straßen. Oder auch BGH III ZR 8/03:

Einem Radfahrer, der auf einem innerhalb der geschlossenen Ortschaft gelegenen gemeinsamen Fuß- und Radweg (Zeichen 240 der StVO) infolge Glatteises zu Fall kommt, können Amtshaftungsansprüche wegen Verletzung der winterlichen Räum- und Streupflicht gegen die sicherungspflichtige Gemeinde auch dann zustehen, wenn dieser Weg nur deshalb geräumt oder gestreut werden muß, weil es sich auch und gerade um einen Gehweg handelt. Dies gilt ungeachtet des Umstandes, daß sich Inhalt und Umfang der Räum- und Streupflicht, sofern sich – wie hier – der Unfallort nicht an einer verkehrswichtigen und gefährlichen Stelle befindet, nur nach den Belangen der Fußgänger auszurichten hat.

Somit ist festzuhalten, dass sich die Stadt Kiel zur Zeit rechtswidrig verhält.

S.a. Hinweise des ADFC zum Radfahren mit dem Fahrrad im Winter.

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