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#Olympia In Kiel: Planlosigkeit offenbart! #nolympia #nolympiakiel #kielfuerolympia #feuerundflamme

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Orlen Warsaw Marathon 2014 al. KEN.JPG

„Orlen Warsaw Marathon 2014 al. KEN“ by Adrian Grycuk – Own work. Licensed under CC BY-SA 3.0 pl via Commons.

In bereits vier Wochen sollen die Kieler entscheiden, ob sie 2024/2028 die Segelwettbewerbe ausrichten wollen. Die Landeshauptstadt hat dazu ein sechsköpfiges Olympiabüro eingerichtet. Dazu gibt es noch ein Büro im Innenministerium.

Zum Vergleich: Zur Flüchtlingskrise gibt es keine eigenen Abteilungen. Das macht in Kiel das Sozialdezernat en passant und im Land gibt es auch kein eigenes Büro. Das nenne ich doch mal Prioritätensetzung! Und das sei mal all denen ins Stammbuch geschrieben, die meinen wir seien mit der Flüchtlingskrise überfordert: Wo sind denn in Stadt und Land die eigenen Abteilungen? Wann kommt denn ein sechsköpfiges Flüchtlingsbüro der Stadt Kiel? Stadttessen beglückt man uns jetzt mit Plakaten, Flyern und Aufklebern pro Olympia.

Mittlerweile wird die Kritik an der Olympiabewerbung in Hamburg und Kiel lauter: Der Hamburger Zukunftsrat lehnt die Bewerbung zur Zeit und in der Form grundweg ab. Also nix mit einer nachhaltigen Olympiade?

Statt einen Marathon auszurichten, sollte man sich lieber um die kümmern, die den Marathon Balkanroute hinter sich haben. Statt Segelwettbewerbe lieber Fährtickets für Geflüchtete!

Die ganze Planlosigkeit wird auch deutlich, wenn man sich das Mobilitätskonzept für die Olympiade in Kiel anschaut, dass nach monatelanger Planung auf den Tisch gelegt wurde: Das Wort „Stadtbahn“ tauchte darin überhaupt nicht auf. Kurz darauf betont die Kooperation aber, dass man das Konzept eben durch dieses Feature erweitern wollen.

Leser dieses Blogs wissen ja, dass ich dem Schienenverkehr durchaus positiv gegenüberstehe. Aber wie kann man nach monatelanger Vorbereitung so einen Baustein vergessen – und wie können wir dies als Teil des Gesamtkonzeptes begreifen, wenn dieser Baustein offenbar nicht einmal einberechnet wurde? So kanns nicht gehen!

Olympiawerbung der Förde Spakasse

Olympiawerbung der Förde Spakasse

Man fragt sich auch, warum große Player in Kiel wie die Förde Sparkasse mitten in der Flüchtlingskrise als Goldsponsor der Olympiabewerbung auftreten, während die Flüchtlinge nach Kiel strömen und keine Unterkunft bekommen? Wir leben in einer Luxusgesellschaft und weder Politik noch Wirtschaft scheinen nur im Ansatz begriffen zu haben, um was es gerade geht. Vor allem kann man nicht auf der einen Seite sagen, dass wir unsere Grenzen erreicht haben, wenn man gleichzeitig lediglich für die Chance auf Brot und Spiele in rund 10 Jahren Geld zum Fenster rauswirft!

Zur guten Nachbarschaft, lieber Förde Sparkasse, gehören auch Geflüchtete und die richtigen Prioritäten. Am besten ihr fresst jetzt einen Besen! Das gilt auch für die IHK mit Ihrere JA-Sager-Kampagne, die nicht die wahren Interessen der Mehrheit ihrer Mitgliedsbetriebe vertritt.

© IHK Jörg Orlemann sagt JA! zu Olympia

© IHK
Jörg Orlemann sagt JA! zu Olympia

Written by tlow

1. November 2015 at 20:41

Occupy Kiel: Mehrere Seiten einer Besetzung

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Wenn man die Kommentare bei KN-Online länger verfolgt. Vor allem aber nicht nur beim Occupy Kiel Camp, so wird schnell deutlich, dass:

  1. Einige Kommentatoren besonders eifrig und besonders rechts sind.
  2. Die Staatsgläubigkeit doch sehr verbreitet ist. Zweifeln viele sehr schnell am Staat, wenn er beim zu schnellen Fahren „geblitzt“ wird, so denken in den Kommentarfunktionen doch viele, dass alles was Gesetz ist, nur so sein kann, wie es ist. Wenn man die Rechtsgeschichte in der BRD betrachtet, dann findet man aber auch viele Wendepunkte. Und die Demokratie heute wäre niemals entstanden, wenn immer alles so geblieben wäre, wie es war.

Also ob einige der Kommentatoren von rechten Organisationen dazu angehalten werden, dort ihren Müll abzulassen, wie ich gehört habe, kann man schlecht nachprüfen in der defakto Anonymität. Die strengere Registrierung hat nicht etwa die  Kommentare reduziert, sondern eher die Vielfalt. Ob unter den Umständen die Kommentarfunktion in der KN noch Sinn macht, bleibt fraglich. Einen Querschnitt der Leser stellt sie aber mit Sicherheit nicht dar, auch wenn es natürlich unter Lesern solche Meinungen gibt.

Zu dem, was diskutiert wird:

John Maynard Keynes

John Maynard Keynes

  • Ob nun Herr Todeskino, Herr Albig oder ein später gewählter OB den Räumungsbefehl gibt, ist nebensächlich. Herr Albig hat im Wahlkampf keine Fakten schaffen wollen. Er wollte sich damit nicht seine Chance zur Wahl verschlechtern. Der Bürgermeister Todeskino ist jetzt offiziell zuständig und hat die Möglichkeit dem neuen OB eine lästige Angelegenheit vom Hals zu schaffen, bevor der oder die antritt. Lästig insofern, als das auch nach Meinung vieler Camper es schon erstaunlich ist, wie lange nicht geräumt wurde und dieser Freiraum erhalten werden konnte. Mit der Räumung des Camps ins Amt zu starten wäre sicher kein toller Start für einen OB. Für die Förde Sparkasse ist es aber natürlich seit langer Zeit kein einladendes Bild mehr. Ich bin sicher, dass man hinter den Kullissen darum bittet, dass die Stadt Kiel da mal Fakten schafft, während man öffentlich das Bild einer „guten Bank“ versucht zu erhalten. Den auch Camper sind potentielle Kunden. Das Camp existiert heute wohl auch nur noch, weil es niemals in Fundamentalopposition gegangen ist. Es wurde immer zwischen guten und schlechten Banken unterschieden. Man glaubt, dass ein guter Kapitalismus aus Bedingungslosem Grundeinkommen plus Konsum und Stärkung des Mittelstands möglich und wünschenswert ist. Obgleich die Förde Sparkasse in Kiel, auch in der KiWi (Kieler Wirtschaftsförderung) aktiv ist und Wirtschaftspolitik mit gestaltet, hört man dazu keine Kritik aus dem Camp. Man ist da im Gegenteil schon lange darauf Stolz, dass man dort die Toiletten benutzen kann. Also: Jede andere Aktion oder Besetzung in Kiel in den letzten Jahren wurde schneller erledigt als dieses Camp. Das liegt vor allem daran, dass die Vorstellungen von Stadt Kiel, SPD, LINKEN und dem Camp oft übereinstimmen. Das wird auch aus einer Rede des SPD-Ratsherren Thomas Wehner deutlich. Folgende Punkte erscheinen ihm besonders erwähnenswert:
    • dass man mit Papieren viel Geld verdienen und verlieren kann, hinter denen keine Werte stehen,
    • dass Banken mit dem ihnen anvertrauten Geld Risiken eingegangen sind, die sonst kein ordentlicher Kaufmann eingehen würde. Da waren die Krise und ihre Auswirkungen übrigens ganz nah bei uns in Kiel, wenn wir im Rathaus aus dem Fenster blicken,
    • – dass Spekulation imstande ist, ganze Volkswirtschaften an den Rand des Abgrunds zu bringen und viele Menschen an den Rand ihrer Existenz.

    Im wesentlichen besagt diese Propaganda, dass es nur einigen Stellschrauben liegt, dass es zur Krise kam. Unberücksichtigt bleibt, dass ohne diese Spekulationsblasen, die aktuelle Wirtschaft, auch mit „ordentlichen Kaufmännern“, längst aus Geldmangel zusammengebrochen wäre. Wirtschaft braucht Geld zum Überleben.  Spekulationsblasen sind keine Fehlentwicklungen im Kapitalismus, sondern seine Voraussetzung. Denn sie generieren neues Kapital, mit dem dann wieder investiert wird. Die Antwort, die bei ATTAC, der Linken, der SPD und bei den Occupiern gut ankommt ist nun, dass man das Finanzsystem reformieren muss und dann hat man nur noch die guten, aber keine schlechten Wirkungen mehr. Damit allerdings arbeitet man an dem Grundmythos, dass Kapitalismus per se GUT ist und funktioniert. Mit der Bewegung der Indignados (der „Empörten“) wurde deutlich, dass diese Bewegung nicht unbedingt jede Wirkung des Kapitalismus kritisiert, sondern Empörung löst aus, dass Banken für Milliarden gerettet werden, während z.B. die Altersarmut steigt und es immer hieß, es wäre kein Geld vorhanden. Die Kritik bei Occupy Kiel geht also nicht ZU WEIT, sondern NICHT WEIT genug. Und dadurch stützten sie bestimmte Mythen und arbeiten daran, die Illusion eines funktionstüchtigen Wirtschaftssystem aufrecht zu erhalten. Aber dazu jetzt nicht mehr.

  • Von der Platzbesetzung als solches wird von den Rechten behauptet, sie wäre illegal. Doch hat die Förde Sparkasse wirklich mehr Rechte zur Gestaltung des Platzes? Wir werden alle in diese Welt hineingebohren als Kinder von Eltern, mit bestimmten Vermögen und Bildungsstand. Genau so erbte die Förde Sparkasse seit Jahrhunderten (seit 1796) ihre Bestände. Aber jedem/r Neubürger/in in dieser Welt steht erst einmal ohne Geld da. Es wird ihm/ihr  geliehen. Insofern basiert jedes Eigentum heute auf Leihgaben und dem Erben von Ansprüchen. Wo kein Vermögen ist, kann auch nichts verliehen oder darauf aufgebaut werden. Viele empfinden das als gerecht, aber mit Chancengleichheit hat das nichts zutun.  Die Eigentümer von Firmen beschäftigen Arbeitskräfte und können oft gut von dem ständigen Ertrag leben. Durch Nachfolge haben die Erben einer Firma oft einen besseren Start ins Leben als die Mehrzahl der BürgerInnen. Die Sparkasse und ihr Eigentum, ihr Reichtum, basiert auf den Leihgaben vieler KielerInnen der vergangenen Jahrhunderte. Damit konnten sie sich die Infrastruktur und somit auch diesen Vorplatz erkaufen, der ihr nun gehört – und nicht mehr den Kindern ihrer ehemaligen Kunden. Denn die Sparkassen haben das Geld nie angenommen um Zinsen zu verschenken, sondern weil sie wußten, dass sie es selbst noch viel besser und gewinnbringender verleihen können. Der kritische Punkt sind hier aber nicht die Zinsen, sondern die Vermögen und die Eigentumsrechte. Die zu hinterfragen haben wir verlernt. Worauf basiert der Reichtum des Einen und die Armut des Anderen? Es gibt Abhängigkeiten, die dazu führen, dass die meisten von uns dazu gezwungen sind fast ihr ganzes Leben lang ihre Arbeitskraft anzubieten. Viele streben nach oben, um  selbst in die Lage zu kommen Arbeiten zu lassen. Und so beuten sich die Leute gerne und immer wieder untereinander aus. Profitieren tun am meisten die, die das Spiel am besten beherrschen. Ergo: Der Sparkassen-Vorplatz gehört heute der Förde Sparkasse unter den Bedingungen, die ihr erlaubten entsprechende Vermögen zu vermehren, ermöglicht durch die kleinen Vermögen der kleinen Sparer, die sich allesamt auch kleine Gewinne erhofften.
  • Finanzkrise. Das klingt so singulär. Aber wenn man mal Wikipedia „aufschlägt“ unter „list of banking crises„, versteht man, dass die Finanzkrise weder singulär noch zufällig ist, sondern Bestandteil des kapitalistischen Wirtschaftssystems. Es sind auch, mit kleinen Abweichungen, immer die gleichen Gründe, die zu den Krisen führen.
  • Da nun die Exportwirtschaft einbricht, ist zu erwarten, dass auch in Deutschland sich die Bedingungen massiv verändern werden. Das bisherige Erfolgsmodell beginnt zu trudeln. Das konnte jeder wissen, der sich ein wenig intensiver mit dem Wirtschaftssystem und den derzeitigen Wirkungen befasst hat. Wie schnell die Krise in Deutschland durchschlagen wird ist unklar. Zuletzt gab es ja noch positive Meldungen. Doch der Fall Deutschlands könnter tiefer werden, als der in anderen Staaten. Weil eben in vielen Staaten in der EU nun bereits Löhne massiv gesenkt wurden und weil Deutschland von einem relativ hohen Niveau kommt und die Abhängigkeit von der Exportwirtschaft besonders hoch ist.

Vom grünen Zerstörer zum Rächer der Entgrünten

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Unser lieber Bürgermeister Todeskino wirft sich in die Bresche für die hunderttausenden Kieler, die wöchentlich vergeblich die Wiese vor der Förde Sparkasse aufsuchen wollen und dabei an dem Occupy Kiel Camp scheitern.

Peter Todesgrün schlägt wieder zu

Peter Todesgrün schlägt wieder zu

Er hatte am Dienstag unangemeldet das Camp besucht. Die KN berichtet und zitiert Todeskino:

Fakt sei, dass das Camp kein soziales Sammellager sei und dass es sich rund um den Kleinen Kiel um einen Grüngürtel handle, in dem ein Lager störe: „Gebt uns das Gelände zurück“.

Die Camp-Bewohner waren zu recht über die Überrumpelungs-Aktion verärgert, vergaß der Bürgermeister und zur Zeit amtierende Oberbürgermeister es ja nicht die Presse vorher einzuladen, damit er schöne Bilder bekäme.

Eine Farce ist natürlich, dass Todeskino, den ich gerne auch als „Peter Todesgrün“ bezeichne, sich insbesondere durch seine feindliche Haltung zu städtischem Grün bundesweit einen Namen gemacht hat. Ohne mit der Wimper zu zucken wurde das zweitälteste Kleingartengebiet an de dubiosen Möbel Krieger-Konzern (Marken „Möbel Kraft“ und „Sconto“) verschachert, der sich in einen unerbittlichen Konkurrenzkampf mit IKEA auch in Kiel fortzusetzen.

Kapitalismus heißt Konkurrenzwirtschaft. Und die Expansion von Krieger zielt darauf ab, dass nur einer überleben wird: Krieger oder IKEA. Wird Krieger den kürzeren ziehen, so wir die Fläche leerstehen – und so schnell wird sich auch keine Alternative finden. Dann werden die 17 Hektar Fläche vollkommen umsonst plattgemacht sein, zudem viele Arbeitsplätze vernichtet. Das die Stadt Kiel sich hier bestechen ließ von Versprechungen eines Großkonzerns zeigt die Ausweg- und Alternativlosigkeit der Kieler Stadtpolitik. Im Rathaus wird nur noch nach simplen Kriterien entschieden. Stadtgrün oder Grüngürtel werden dabei nur noch in (un)passenden Momenten hervorgekramt. Die reale Politik sieht doch aber anders aus: Auf Grün wird keine Rücksicht genommen.

Dabei ist das Occupy Kiel Camp vermutlich eher nur einem  „sauberen“ Stadtbild oder dem Entrée der Förde Sparkasse im Weg.

Im übrigen haben die GRÜNEN in Kiel ein Imagevideo gedreht. Dabei setzt man ganz auf „innovativ und kreativ“:

Der Trick bei „innovativ und kreativ“ ist,  dass es als Label bereits ohne Inhalt das ist, was es sein soll.

Ob Todeskinos „Charme-Offensive“ für die Bewerbung als Oberbürgermeister ausreicht?

Written by tlow

1. August 2012 at 08:30

Video: Snower im Occupy Kiel Camp

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Besetzen bis die Banker kommen… Occupy Kiel wird mobil!

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Das letzte Jahr brachte auch Occupy nach Kiel. Neben der öffentlichen Distanzierung gegenüber einem Obdachlosen, der Albig eine Torte schenkte, dem Nutzen der Toiletten der Förde Sparkasse und  dem Anschluss an den Atomstrom wird nun 2012 das nächste Kapitel aufgeschlagen:

Nach dem Fest steht der Umbau für die Immobilia an. Nach langen Verhandlungen mit der Sparkasse haben wir uns darauf geeinigt unsere Hauptzelte 5m richtung Straße zu verschieben und außerdem den Rest des Campes für die Dauer der Immobilia zu verrücken oder ganz abzubauen. Die Spakasse wird im Gegenzug die Kosten für den neuen Boden der Hauptzelte und die Instandsetzung des Platzes übernehmen. Auf der Immobilia stellen vor allem Handwerksbetriebe aus. (Quelle: Facebook Occupy Kiel)

So funktioniert unsere Demokratie – und so lassen sich Bewegungen kaufen: Harmonie statt Opposition. Warum ließ sich die Sparkasse überhaupt auf Verhandlungen ein? Weil sie kein Interesse daran haben, Bilder eines geräumten Camps zu produzieren. Und das Camp? Das eigene Überlebensinteresse ist inzwischen so hoch, das jeden Monat weitere Kompromisse gemacht werden. Inzwischen hat das Camp in Kiel ja jede Glaubwürdigkeit verloren für einen echten Widerstand gegen die herrschenden Bedingungen zu stehen. Wie auch sonst könnte der Pressesprecher der Stadt Kiel das Camp loben, statt des zu verfluchen?

Das Camp hat sich in eine Situation hineinmanövriert, in der es zu Zugeständnissen gezwungen ist, wenn es nicht bereit ist, die eigene Räumung in Kauf zu nehmen. Dabei scheint ein geräumte Camp oft sinnvoller, weil authentischer – als ein Camp das alles tut um den eigenen Bestand zu sichern. Und für was am Ende? Für ein paar Zelte und ein wenige Lagerfeuerromantik?

Die Immobilia der Förde Sparkasse ist eine Messe für HausbesitzerInnen und solche die es werden wollen. Hier mal Eindrücke von einer größeren  Messe aus Düsseldorf:

 

Written by tlow

21. März 2012 at 08:24

Vom Wundern alleine wird die Welt nicht besser

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In einem Artikel „Ein Verhältnis zwischen Solidarität und Hilflosigkeit“ in der LinX wird über Occupy Kiel reflektiert. Ich möchte hier die Gelegenheit nutzen auf einige Thesen zu reagieren:

  1. Während sich im Camp Passenten neugierig informieren und viele Kieler das Camp mit Sach- und Geldspenden tatkräftig unterstützen, verhält sich die organisierte Linke gegenüber den Occupies eher ratlos. Sie scheint nicht zu wissen, was sie mit diesem “bunten Haufen“ anfangen soll.
    • Weniger das „bunte“ macht viele Linke ratlos, sondern die Tatsache, dass die globale  Occupy-Bewegung, die Aufstände in Nordafrika und die Streiks in China zwar definitiv antikapitalistisch sind und unterstützenswert. Dass jedoch in Kiel und in vielen anderen Städten eine krude Mischung aus abgedroschen Phrasen, Antisemitismus, Verschwörungstheorien, Zeitgeistbewegung und Freigeld-Sympathisanten vorherrschen. Bunt ist hier nur die Mischung der Verschwörungstheorien.
  2. Im Verlauf der Proteste gegen die Macht der Finanzmärkte schwappte die Occupy-Bewegung vom Rande der Wall Street über den Atlantik nach Europa – sogar bis Kiel.
    • Die Wiederholung macht es nicht wahrer: Bereits im Juli/August bildeten sich Camps in Berlin und Hamburg und es gab dazu auch eine Infoveranstaltung in der Alten Meierei (bei den ach so blöden Linksradikalen), die damals allerdings wenig Interesse fand. Die ersten Camps (z.B. EDJ in Hamburg) bezogen sich noch primär auf die Assambleas in Spanien, wie übrigens auch die Occupy Wall Street (OWS)-Bewegung in den USA. Die waren aber auch damals mehr von Naivität als von Progressivität geprägt. Zu dem Zeitpunkt hat sich in Kiel aber kein Schwein dafür interessiert. Inzwischen glauben aber viele Camper in Kiel, sie wären von Anfang an dabei gewesen, obwohl sie doch nur auf einen fahrenden Zug aufgesprungen sind.
  3. Bei all diesen Unterschieden steht eine moralische Empörung über die “Gier“ von Konzernmanagern und Bankern sowie die Auflehnung gegen die fortschreitende politische Entmündigung als Gemeinsamkeit im Zentrum der Occupy-Bewegung.
    • Auch das vollkommen falsch: Vielleicht war es die spezielle New Yorker Konnexität zur Wall Street, die aus einer primär selbstermächtigenden Bewegung in den Augen mancher eine Bewegung gegen das Finanzsystem machte. Das Abheben auf die „Gier“ an dieser Stelle ruft bei dem sensiblen Leser natürlich sofort die Assoziationen darauf, dass „Gier“ über Jahrhunderte der primäre Vorwurf gegen Juden war. Natürlich ist Gier als solches keine antisemitische Vokabel. Aber warum treffen viele Occupier und Sympathisanten zielsicher immer die Kerbe, in die auch Antisemiten immer wieder schlugen. Wahrscheinlich weil es so einfach ist – keine Gier – keine Probleme?
  4. Basisdemokratische Zielvorstellungen und Umgangsformen haben dabei einen hohen Stellenwert. 
    • Zur Basisdemokratie gehört z.B., dass wichtige Beschlüsse nur von einer Vollversammlung gefällt werden. Im Falle des Twitter-Fail (Tortenwurf-Distanzierung) duldet das Camp aber bis heute, das ein Einzelner ohne Entscheidung für das Camp Position bezieht. Basisdemokratie ist nicht, wenn sich alle ganz dolle liebhaben, sondern wenn Demokratie von unten nach oben aufgebaut ist und eben nicht Einzelne für alle sprechen  oder Entscheidungen dadurch fallen, das Leute einfach machen. Letzteres ist aber, bestätigt aus eigener Erfahrung und Erzählungen, eher vorherrschend im Camp. Die Basisdemokratie im Camp hat große Ähnlichkeiten mit der naiven Vorstellung von Mitglieder der Piratenpartei. Die glauben auch sie hätten die Basisdemokratie erfunden. Und dann wundern sie sich,wenn ihre Vollversammlungen zum Desaster werden.
  5. Sowohl angesichts der unbekümmerten Auseinandersetzung mit dem Finanzmarktkapitalismus als auch angesichts der Popularität der der Occupy-Bewegung reiben sich so manche Linke, die schon lange an diesem dicken Brett bohren, verwundert die Augen (der Autor eingeschlossen).
    • Popularität sieht anders aus. Verwundert sind viele Linksradikale darüber, das Leute bei der Kälte im Zelt übernachten und das Böse in der HSH Nordbank sehen und gleichzeitig bei der Fördesparkasse aufs Klo gehen. Die meinen sie würden das System herausfordern und gleichzeitig Jubilieren, wenn sie von der Stadt geduldet werden und sich sogar von Seiten des Pressesprechers der Stadt Kiel Lob einsammeln. Und dann fragen sie sich nicht: Warum? Dabei liegt die Antwort auf der Hand: Weil sie harmlos sind! Auf eine bedrohliche Bewegung wird der Staat/ die Stadt auch feindselig reagieren. Das heisst: würde Occupy Kiel viele  Sympathien habe, würden sie schneller von der Räumung bedroht sein. Aber wer die Förde Sparkasse so lieb hat, der hat sich bereits verkauft und bezeugt, dass er nicht versteht, wie das System funktioniert. Occupy Kiel ist wie Halloween: Man kann sich zwar erschrecken, aber dann merkt man, dass alles nur Spaß und Show ist. Nur Süßes, nix Saures!?
  6.  Doch die meisten Menschen bewegt in dieser Krise das Symptom, nämlich die Macht der Finanzmärkte, und nicht die Struktur, der Kapitalismus.
    • Ich glaube eher das Gegenteil: Die meisten KielerInnen schließen sich der Bewegung nicht an und unterstützen sie auch nicht, weil sie nicht ihre Sorgen und Nöte trifft. Für die meisten KielerInnen sind das Arbeitslose, Studierende, Spinner, die zu viel Zeit haben und so verrückt sind, sich freiwillig eine Bronchitis zu holen! Andere KielerInnen haben es nicht so gut: Obdachlose haben nicht die Wahl, wie das primär mittelschichtgeprägte Milieu bei Occupy. Die werfen dann auch mal eine Torte. Von denen distanziert sich das Camp dann aber ganz schnell, genau so offenbar auch von Leuten, die kein Abitur haben (real story!).
  7. Im Rahmen einer Bündnisstrategie führt es aber nicht weiter, auf der Basis dieser nicht ganz neuen Erkenntnis oberlehrerhaft mit einer spontanen sozialen Bewegungen umzugehen, die noch nicht marxistisch “erleuchtet“ ist.
    • Dem Satz kann ich voll zustimmen. Auch ich kritisiere die Arroganz mancher KritikerInnen. Wobei auf mich die Occupy-Leute in Kiel genau so oberlehrerhaft rüber kommen: Das gibt sich nicht viel. In Kiel wissen es alle Leute am besten. So manche Einladung zum unverbindlichen Gespräch wurde ausgeschlagen. Nur auf dem eigenen Boden fühlen sie sich die Occupier offenbar sicher, bei ihresgleichen. Vielleicht ist das einfach nur menschlich. Mir sind nun aber bereits zig Geschichten von Leuten bekannt, die dort aufgekreuzt sind und deren Fazit es ist, dass man dort primär Selbstgefälligkeit und Ignoranz vorfindet. Alles andere als die angebliche Offenheit, die nach außen hin gerne verkauft wird. Die Occupier in Kiel sind offenbar oft Leute, die ihre persönliche Lieblings-Verschwörungstheorie bereits gefunden haben. Und die sich gegenseitig dulden. Viel Spaß dabei!
  8. Denn gerade in einer offenen Debatte zur Einschätzung der bestehenden politischen und ökonomischen Verhältnisse und zur Entwicklung von Protest-Widerstandsformen können sowohl die Occupys als auch die organisierte Linke voneinander lernen. Insgesamt kann die Occupy-Bewegung nicht nur eine wichtige Bereicherung des systemkritischen Potenzials in diesem Land sein, sondern auch eine interessante Herausforderung für eine etwas in die Jahre gekommene marxistische Linke mit zum Teil sehr eingefahrenen Erklärungsmustern und Protestritualen. In diesem Sinne ist zu hoffen, dass die Occupy-Bewegung eine längerfristige Perspektive hat und nicht nur ein Hype ist, über den morgen schon niemand mehr spricht.
    • Es ist fraglich, warum hier primär eine ‚marxistische Linke‘ identifiziert wird. Die mag es ja auch (noch) geben – und Staub ist dort auch kein Fremdwort. Es gibt aber auch einige Bewegungen, bereits funktionierende, basisdemokratische Strukturen haben. Die jeden Tag bereits an einer anderen Welt bauen und die ebenso verwundert hören und sehen, was bei Occupy Kiel gesagt, geschrieben und getan wird.

Ich denke es ist den progressiven Kräften ein großer Gefallen getan, wenn Bewegungen wie Occupy Kiel, die es geschafft haben mehr Leute zu verschrecken als die radikale Linke, die die Occupy-Idee in Kiel kaputt gespielt haben, einfach nur scheitern!

Denn es wäre schlimm, wenn die falschen Ansätze tatsächlich populär würden. Wenn man sich auf einmal mit BGE, Talentsystemen, Zeitgeist-Ideen auseinandersetzen müsste, weil zu viele Leute falschen Ideen anhängen. Insofern ist es ermutigend, dass Kiel diesem Camp eher die kalte Schulter zeigt. Die Spenden die dort ankommen stammen von wenigen zig oder hundert Supportern, die oft noch nicht begriffen haben, wie wenig spannendes dieses Camp zu bieten hat.

Zum Abschluss noch mal als Disclaimer: Ich habe nichts gegen Occupy, ich habe viele globale Bewegungen mit großer Sympathie betrachtet und unterstütze gerne jede emanzipatorischen und progressiven Bewegungen, wie z.B. Leute, die sich gegen Möbel Kraft wehren. Aber das, was in Kiel als Occupy verkauft wird, ist nicht das Original, sondern eine Mogelpackung – und das muss auch laut und deutlich gesagt werden, gerade weil die Grundideen gut sind. Und weil es schade ist, das Occupy Kiel immer mehr Leute davon überzeugt, dass Occupy bzw. die Idee dass BürgerInnen gemeinsam etwas bewegen können, Humbug ist, oder dass diese globale Bewegung antiemanzipatorisch wäre.

Würde es hier nur um ein Spinner gehen, die gerne in der Kälte campen würde ich ja nix sagen… dennoch solls das für die nächste Zeit von mir gewesen sein zu Occupy in Kiel. Es ist nicht mehr spannend.


Written by tlow

2. Dezember 2011 at 22:12

Occupy Kiel auf’m Klo

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Förde Sparkasse Kiel

Ich bin neulich in der KN am Samstag über eine Tatsache gestolpert, die mir doch sehr seltsam vorkam. In einem Absatz heisst es u.a.

Rund 20 „Dauercamper“ und 50 Teilzeitunterstützer treffen sich jeden Abend um 18 Uhr im Plenum, zudem jeder willkommen ist. „Wir bekommen so viel positiven Zuspruch aus der Bevölkerung, das ist überwältigend“, meint Jakob. Äpfel, Brot, sogar Stollen bringen Passanten vorbei, ebenso Decken und ausrangierte Möbel. Auch die Aktivisten bringen mit, was sie entbehren können. „Jeder gibt, was er kann“ lautet ein Leitspruch der „Gesellschaft in der Gesellschaft“. Sie trennen und entsorgen den Abfall und dürfen auch die Toiletten bei der Sparkasse nutzen. „Unser Protest richtet sich hauptsächlich gegen die HSH-Bank und die kopflose Finanzpolitik der Banken“, erklärt Studentin Alena.

Da gibts offenbar tatsächlich die Vorstellung, dass es sowas wie gute Banken gibt.  Wer ist die Förde Sparkasse? Zur Geschäftsausrichtung heisst es im  Leistungsbericht 2010:

Die Förde Sparkasse ist ein selbstständiges Unternehmen in kommunaler Trägerschaft mit der Aufgabe, auf der Grundlage der Markt- und Wettbewerbserfordernisse für ihr Geschäftsgebiet den Wettbewerb zu stärken und die angemessene und ausreichende Versorgung aller Bevölkerungskreise und insbesondere der mittelständischen Wirtschaft mit geld- und kreditwirtschaftlichen Leistungen auch in der Fläche sicherzustellen.Sie unterstützt dadurch auch die Aufgabenerfüllung des kommunalen Trägers im wirtschaftlichen, regionalpolitischen, sozialen und kulturellen Bereich. Die Sparkasse arbeitet eng mit den Unternehmen der Sparkassen-Finanzgruppe zusammen. Sie betreibt ihre Geschäfte nach wirtschaftlichen Grundsätzen.

Die Förde Sparkasse ist u.a. Gesellschafterin der Kieler Wirtschaftsförderung (KiWi), neben der Deutschen Bank, der Commerzbank und der Hypovereinsbank. und fördert mit dieser total intransparenten Institution maßgeblich die Kommerzialisierung von Stadtkultur.

Da gibt es eigentlich keine wesentlichen Unterschiede zur HSH-Nordbank. Außer das die HSH Nordbank von der Politik eine andere Aufgabe zugewiesen bekam.

Die HSH Nordbank hatte mehr Freiheiten und hat sich im Zuge der Finanzkrise einfach verspekuliert. Das Denken ist aber allen Banken  gemein. Zum Global Economic Symposium (GES) in Kiel sagte Konsul Götz Bormann, Vorstandsvorsitzender, Förde Sparkasse:

»Im Rahmen des Global Economic Symposium werden die führenden Köpfe unserer Zeit Lösungen für drängende globale Herausforderungen entwickeln. Für uns bietet sich die einmalige Chance, diese herausragende Veranstaltung dauerhaft in Kiel zu positionieren. Ich bin dabei, um dies möglich zu machen.«

Die Förde Sparkasse war auch offizielle Partnerin des GES.

Und nun kam wohl das Angebot die Toiletten der Förde Sparkasse zu nutzen, von jemanden von der Förde Sparkasse. Bisher wird das Camp ja auch von der Politik geduldet. Und die Förde Sparkasse ist politiknah.

Hat das Camp  keine antikapitalistische Position? Diese einseitige Ausrichtung auf eine Kritik an der HSH Nordbank ist absurd. Insbesondere, wenn man dann (als Camp, nicht als Privatperson) das Klo der Förde Sparkasse benutzt.

Damit ist ja schon klar, dass man eine offene Kritik an der Förde Sparkasse nicht leisten kann oder will. Und  damit, so vermute ich, auch keine Kritik an den herrschenden Verhältnissen im Sinne einer Kapitalismuskritik. Ist die Bewegung (in Kiel) nicht mehr als im wesentlichen die Aufforderung eine Finanztransakationssteuer einzuführen und die HSH Nordbank zu kritisieren?

So ein Camp hat eben Anforderungen und Abhängigkeiten. Abhängig auch vom Standort. Es gibt sicher andere Standorte in Kiel, die mehr Möglichkeiten bieten. Aber aus irgendeinem Grund hat man sich so in die HSH Nordbank verbissen.

Auf jeden Fall wirken die Positionen da doch sehr inkohärent und sind für mich nicht nachvollziehbar. Die Schulden der HSH Nordbank sind doch nur Ergebnis einer Wirtschaftspolitik, die auch die Stadt Kiel und die Förde Sparkasse mitgestaltet haben. Wie kann man da Unterschiede machen? Und wohin führt das? Wo ist die Kritik, für die es sich lohnt auf die Straße zu gehen und wo sind bei Occupy Kiel die Leute mit ECHTEN Problemen?

Written by tlow

8. November 2011 at 12:56

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