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Denkmäler für Kriegstreiber?

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Da am Kleinen Kiel, gegenüber des Opernhauses immer noch ein Bismarck-Denkmal steht, kann man sich die Frage stellen, welche Werte denn heute in der aktuellen, deutschen  Demokratie  gelten? Man könnte Bismarck als zentralen Kriegstreiber der Deutschen Geschichte bezeichnen, der ursächlich für den Deutsch-Deutschen Krieg von 1866, den Deutsch-Französischen Krieg von 1870/71 und als Folgen und Vorbereitung daraus auch den Ersten und Zweiten Weltkrieg mit verursacht hat. Er hat das Großmachtstreben Deutschlands unter dem Untertitel „Vereinigung Deutschlands“ maßgeblich befeuert. Zudem hat Bismarck das Sozialistengesetz entworfen und initiiert. Wenn man solche Denkmäler nach wie vor öffentlich ausstellt an prädestinierter Stelle, dann bedeutet das eine Abwertung von Frieden und Demokratie .

Es ist auch zweifelhaft wie der Herr Knopp im ZDF oftmals die deutsche Geschichte aufarbeitet – und da das Fallen von Soldaten zum  reinen Umfallen von Statisten verkommt. Dies hier als Beispiel:


Im Deutschen Fernsehen hört man auch immer wieder Analysen von Aufständen während des Arabischen Frühlings und anderen Orten, wo empfohlen wird, dass den Bewegungen ein Führer fehle, hinter dem sich dann alle versammeln. So gehört z.B. im Falle Ägyptens. Man könnte meinen, es hätte kein Drittes Reich gegeben, wenn statt Demokratie nur ein Führerkult als Ausweg aus andere Diktaturen genannt wird. Und das finanziert durch Einnahmen demokratisch finanzierter Institutionen.

Auch der Kult um den Bundespräsidenten zeigt uns, dass unter der demokratischen Oberfläche doch oftmals ein Denken verborgen ist, dass ein tiefes Misstrauen gegenüber echter Demokratie und den BürgerInnen zeigt. Man fokussiert sich immer noch auf eine Figur, die uns Bürger repräsentieren soll. Dies repräsentiert aber auf keinste Weise, die Komplexität der heutigen Welt. Hier wird unnötiger weise einzelnen Macht in die Hand gegeben, die zum Missbrauch einlädt. Es wäre Zeit diesen tief verwurzelten Führerkult in unserer Gesellschaft abzulegen, denn er hatte nichts Gutes. Und dann können wir auch die unsägliche Denkmäler der Kriegstreiber beseitigen, die so viel Leid in Europa zu verantworten haben.

Written by tlow

25. März 2012 at 10:18

Veröffentlicht in Geschichte

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Führerkult auf der Gorch Fock

with 4 comments

Über das Landesblog habe ich erst von dem Foto der Besatzung erfahren, in dem Sie ihre Solidarität mit ihrem Kommandaten ausdrücken wollten:

Was auffällt ist der Dreiklang an Orten „Ein Kommandant, eine Besatzung, ein Schiff“, wie ich auch in einem Kommentar im Landesblog schon schrieb:

  1. Ein Ort (Schiff, Reich)
  2. Eine Gruppe (Volk, Besatzung) und
  3. Die Führungsfigur (Führer, Kommandant)

Für alle, die sich mal mit deutscher Geschichte beschäftigt haben, kommt relativ schnell die Assoziation auf „Ein Volk, ein Reich, ein Führer“ .

Man kann das jetzt natürlich verschieden deuten. Zum einen wäre eine harte Deutung, dass die Besatzung der Gorch Fock einen bewußten Bezug zum Dritten Reich herstellen wollte und deutlich machen will, dass Demokratie und Grundrechte auf dem Schiff keinen Platz haben.

In einer toleranteren Deutung muss man kritisieren, dass hier eine Assoziation geweckt wurde, die nicht von der Hand zu weisen ist. Entweder haben die Soldaten keinen richtigen Geschichtsunterricht oder das was sich da ausdrückt ist eben Teil der Bundeswehrkultur – im Wesentlichen eine Negation der Demokratie. Denn Demokratie taucht in diesem Spruch nicht auf. Mehr ein „Führer befiehl, wir folgen Dir„. Denn diese Solidarität ist pirmär eine Kritik an der demokratischen Bundesregierung,die in Person von Guttenberg den Kommandanten entlassen hatte.

Das Bundeswehr auf Befehlsfolge aufbaut, ist uns ja bekannt. Das hat natürlich Konsequenzen für die Denke. Aber was hier deutlich wird erinnert eben doch an längst vergangen geglaubte Zeiten. Aufgrund dieser Solidaritätserklärung/Provokation kann man eigentlich nichts anderes tun, als dieses Schiff und diese Besatzung mit samt ihren Führerkult abzuschaffen. Wenn es nach mir ginge, sollte man gleich die ganze Bundeswehr auflösen!

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