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Diese Landtagsabgeordneten wollen den #Gottesbezug

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Hier eine Liste der Landtagsabgeordnetennen, die dem ganzen Land einen monotheistischen Stempel aufdrücken wollen. Da das inzwischen viele Politiker*innen als Eigenwerbung benutzen, steht ja einer Schwarzen Liste nichts im  Wege. Da weiß man dann ja auch gleich, wen man als Atheist auf gar keinen Fall wählen sollte:

  1. Landtagspräsident Klaus Schlie (CDU)
  2. Ministerpräsident Torsten Albig
  3. Ralf Stegner (SPD)
  4. Eka von Kalben (GRÜNE)
  5. Bernd Voß (GRÜNE)
  6. Andreas Tietze (GRÜNE)
  7. Oliver Kumbartzky (FDP)

Beim Scheitern der Initiative sollte klar sein: Diese Poltiker*innen wollten gegen eine Mehrheit der Schleswig-Holsteiner*innen das Land Richtung Gottesstaat rücken im Jahr 2015 (nicht 1415!).

Ich bitte um Nennung weiterer Gottesstaatler

Written by tlow

7. Juni 2015 at 10:42

Contra #Gottesbezug in der SH-Landesverfasung

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Da es nun eine Volksinitiative für einen Gottesbezug in Schleswig-Holstein gibt hier noch mal meine Contra-Sicht.

Zum einen ein mal die Argumente der Befürworter als Stichworte:

  • „Es geht uns nicht allein um den Gottesbezug, sondern darum, was Gott in unserer Gesellschaft bedeutet.“
  • Wir wollen deutlich machen, dass der Gottesbezug in der Verfassung gerade in den Zeiten der Ausgrenzung bestimmter religiöser Gruppen ein wichtiges Zeichen für ALLE Gläubigen ist: Für Toleranz, für Vielfalt und für klare Werte, die nicht vom Zeitgeist bestimmt werden.“

Zunächst einmal meine ganz emotionale Reaktion: Es befremdet mich, wenn man im Jahr 2015 bei einer steigenden Anzahl an Kirchenaustritten plötzlich Gott in die Landesverfassung aufnehmen will. Gilt denn die Landesverfassung nicht bereits jetzt für alle Menschen, egal welcher Religion. Bei dem Gedanken, dass Gott Teil der Landesverfassung wird, möchte ich am liebsten sofort auswandern, als Atheist fühle ich mich dadurch provoziert und attackiert. Die Mitgliedschaft in Religionsgemeinschaften steht jedem frei – das Land und die Verfassung aber kann man nicht immer frei wählen. Alle Atheisten oder Religionsangehörige mit mehr als einem Gott (oder anderen Wesenheiten) werden dann aber explizit ausgeschlossen, weil nicht auch der Atheismus oder nichtmonotheistische Religionen erwähnt werden. Es ist so, als wenn jemand in dem Haus, in dem ich wohnt plötzlich jemand alles mit „Gott ist geil“ vollplakatiert und mich damit mit seiner Meinung vereinnahmt.

Monotheistische Religionen, wofür stehen Sie? Ich denke dabei an Religionskriege, an ISIS, an Gottestaaten, an Staaten in denen die Scharia Gesetzeskraft hat. Wie können wir gegenüber anderen Ländern für Toleranz gegenüber Andersdenkenden eintreten, wenn wir selber den ersten Schritt hin zu einem Gottesstaat machen? Ein Erfolg dieser Initiative hätte unzweifelhaft weitere Folgen. Mit dem Verfassungsrang ließe sich sicher auch eine Unterdrückung anderer Religionen, die gegen diesen Gottesbezug stehen verfassungsrechtlich begründen. Also Religionsverbote oder die Pflicht die Staatsreligion anzunehmen. Es muss dann evt. nur noch „verfeinert“ werden auf Christentum oder Islam. Es wäre das Einfallstor für weitere Forderungen und Gesetzesänderungen.

Es erscheint mir als Reaktion auf Kirchenaustritte. Bei der Gründung Schleswig-Holsteins war das Ganze kein Thema – in einer Zeit, in der das Christentum noch viel präsenter war. Mit dieser Maßnahme will man den weiteren Verfalls des Christentums dadurch stoppen, dass niemand mehr gänzlich austreten kann. Man verbleibt immer zumindest im Verfassungsrahmen.

Das erinnert doch sehr an die Personensuchmaschinen (wie Yasni), bei denen man sich nicht entfernen kann. Man kann höchstens einen Beitrag zahlen und die Art seines Suchergebnisses beeinflussen.. Kein Entkommen.

Ich lehne diese Initiative daher als im höchsten Maße undemokratisch ab. Es würde mich dem Land in dem ich wohne stark entfremden. Eben insbesondere wegen  der Frage: Warum jetzt? Warum 2015?

Das auch auf Youtube gefunden, kann ich auch voll unterschreiben:

Written by tlow

28. April 2015 at 21:43

Veröffentlicht in Land, Religion

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Gottesbezug in die Landesverfassung: Zurück ins Mittelalter?

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Zu einer der wichtigsten Errungenschaften der Neuzeit gehört die Trennung von Kirche und Staat. Dies soll nun in Schleswig-Holstein aufgehoben werden. Der erste Schritt dazu ist ein Gottesbezug in die Landesverfassung. 2014, in einem Jahr in dem immer weniger Menschen An Gott glauben oder Mitglied einer Kirche sind. Derzeit bundesweit 62 Prozent.

Abstrus sind da teilweise die Argumente für einen Gottesbezug, wie z.B. vom Hamburger Erzbischof Thissen:

„Es ist ja nicht etwa so, dass das etwas wäre, wovon die Kirchen etwas haben. Sondern die Menschen haben etwas davon und wer nun partout sagt, dass er Atheist ist und nicht an Gott glaube, der hat auch einen Glauben. Dem tritt man nicht zu nahe, dem kann es dann egal sein, wenn Gott in der Verfassung drin steht. Es wird hier keiner dominiert.“

Eine Landesverfassung soll für ALLE gelten, auch für Atheisten. Wenn ein Gottesbezug drin steht, spricht sie aber nur diejenigen an, die an Gott glauben, ist doch klar! Wieso sollte es Atheisten egal sein, wenn sie gezwungen werden sollen an Gott zu glauben? Leben wir etwa im Mittelalter? Es scheint doch eher ein all zu durchschaubarer Versuch zu sein einem im Schwinden begriffenen Glauben, der für immer weniger Menschen einen Bezug darstellt künstlich durch die Verfassung eben einen Verfassungsrang zu geben.

Es kann nicht sein, dass Christen Atheisten oder andere Religionen nur dulden – es kann nur so sein, dass der Staat mit Religion nichts zu tun hat und diese als Privatsache akzeptiert. Im übrigen ist dieser Versuch so abwegig und lächerlich, dass sich die Diskussion darüber eigentlich schon erübrigen sollte. Es ist erschütternd zu sehen, dass alle Parteien in Schleswig-Holstein darüber ernsthaft nachdenken. So als gäbe es keine Probleme im Land. Aber noch ein Argument: Der Gottesbezug ist der erste Schritt hin zu dem, was wir in Afghanistan gesehen haben, was dort von den Taliban umgesetzt wurde. Wenn wir die Trennung von Staat und Kirche in Frage stellen, so würden wir eine Entwicklung fördern, in der Staaten wieder Religionskriege führen. Religionen haben weltweit zu unzähligen Toten beigetragen  und stehen weder für den Frieden noch für Gerechtigkeit. Diese Initiative ist anmaßend und sollte abgelehnt werden. Ein Affront für jeden Atheisten!

Written by tlow

12. Februar 2014 at 09:25

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