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Fahrt mit #HeinSchönberg und Museumsbahn Schönberger Strand an der Kieler Woche 2015 #kiwo

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Diesen Sonntag habe ichs dann doch mal geschafft während der Kieler Woche mal mit dem Hein Schönberg zu fahren. (s.a. Pro Bahn Probstei Initiative auf Facebook)

Streckenverlauf
Kiel-Schoeneberger“ von I, Begw. Lizenziert unter CC BY-SA 3.0 über Wikimedia Commons.

Seit einigen Jahren kann man ja vom Kieler Hauptbahnhof einige male am Tag direkt nach Schönberg fahren und von dort aus mit der Museumsbahn zum Schönberger Strand. Mittlerweile ist die Reaktivierung der Linie auch ein offizielles Projekt, das 2016 zur Wiederinbetriebnahme führen soll. Ich empfehle zum Einstieg das FAQ bei nah.sh.

Vielleicht ist es hauptsächlich der Museumsbahn Schönberger Strand VVM zu verdanken, die in Schönberger Strand ein Eisenbahnmuseum betreibt, dass das Thema der Eisenbahnanbindung der Probstei nie so ganz als Idee verschwunden ist?

Nach dem Aus für die Stadt-Regionalbahn stellt sich die Planung für Schienenverkehr in der Landeshauptstadt aus meiner Sicht als Trümmerfeld dar, auch wenn hinter den Kulissen neu geplant wird ist fraglich, ob alter Wein in neuen Schläuchen sich noch ein mal verkaufen lässt.

Momentan werden Schienen und Gleisbett und Bahnübergänge an vielen Punkten erneuert, damit auf der Strecke auch schneller gefahren werden kann. Im Vergleich zu der heutigen Busanbindung sollen sich die Fahrzeiten nach Schönberg halbieren. Allerdings hat das Projekt auch Gegner auf den Plan gerufen, die sich in der BI „Bürger für den Bus gegen die Bahn“ zusammengeschlossen haben. Allerdings scheint was die Website angeht seit 2013 nicht viel Aktivität gewesen zu sein. Aber immerhin findet sich in Probsteierhagen, wo es am Samstag einen unnvorhergesehenen Umstieg gab sehr prägnant ein Plakat an der Strecke zu sehen:

Bahn frei für den Bus

Plakat „Bahn frei für den Bus!“

Ich muss sagen, ob habe so meine Probleme, wenn zwei Träger des ÖPNV gegeneinander in Stellung gebracht werden sollen. Die BI rechnet da mit Gewinn und Verlust pro Linie. Aber man kann m.E. öffentlichen Verkehr so kaum rechnen, sondern er muss immer in der Gesamtheit betrachtet werden. Die damalige Bundesbahn hat einige Zeit lang sehr viele kleine Bahnhofe geschlossen. Diese wurden dann teilweise entweder von Museumsbahnen oder der privaten Konkurrenz wieder genutzt, zum Teil auch sehr erfolgreich. Und so weit ich informiert bin gibt es diese Art der Politik der massenhaften Stillegung bei der DB nicht mehr in dieser Form. Ein Argument für kleine Strecken ist z.B., dass man nicht immer nur auf die großen ICE-Verbindungen schielen darf. Denn je weniger die Leute Zubringer-Verbindungen haben (z.B. von Schönberg nach Kiel), desto eher werden sie einen anderen Verkehrsträger wählen und am Ende auch nicht den ICE benutzen. Sprich: Es ist für die Bahn insgesamt wichtig, dass die Fläche erschlossen wird..

Heute waren es auf der ersten Fahrt des Tages etwa 50-60 Fahrgäste, die sich auf den teilweise etwas holprigen Weg von Kiel nach Schönberg Strand über Schönberg (bzw. Probsteierhagen) machten:

In der Museumsbahn von Probsteierhagen nach Schönberg Strand

In der Museumsbahn von Probsteierhagen nach Schönberg Strand

„Bahnhof“ Probsteierhagen

Umstieg in die Museumsbahn in Probsteierhagen

Umstieg in die Museumsbahn in Probsteierhagen

Und viel mehr konnten es dann für die Größe der Waggons auch nicht sein. Angeblich hätte Probsteierhagen nicht viel vom Verkehr außer Kosten, sagen die Gegner. Aber ehrlich gesagt: Wer eiert schon gerne mal eben nach Probsteierhagen mit einem Bus? Heute mit dem Bus wohl etwas über 30 Minuten. Zeitmäßig geht das ja noch, aber sollte sich die Verbindung auch etwas halbieren und man dann einfach vom Hauptbahnhof bequem nach Probsteierhagen kommen, so wird das doch als Ausflugsziel oder Wohnort schon sehr viel attraktiver. So wie bei mir heute: Die einfach Erreichbarkeit über die Strecke erweckt ja überhaupt erst den Gedanken solche Ort zu besuchen oder wahrzunehmen. Mal ganz davon abgesehen, was es für Schönberg und Schönberger Strand bedeuten würde.

Es wäre aber tatsächlich wünschenswert, wenn viele kleine Orte, die nicht an der Strecke liegen nicht zu viele Nachteile hätten. Aber nehme wir mal „Prasdorf“ als Beispiel. Dort geht man laut Google Maps ca. 1/2 Stunde zu fuß nach Probsteierhagen oder Passade. Bisher ist Prasdorf mit dem Bus in etwas über 40 Minuten zu erreichen.  Wenn sich die Fahrzeit nach Kiel auf 20 Minuten verkürzen würde, wäre man insgesamt also 50 Minuten unterwegs und damit 10 Minuten länger. Allerdings wenn man z.B. ein Fahrrad nutzt, um nach Probsteierhagen zu kommen, wäre die Fahrzeit auch von Prasdorf aus mit 28 Minuten (20+8 Minuten Rad) kürzer als heute. Ganz davon abgesehen, dass es dann mit dem Zug eine Fahrradmitnahmemöglichkeit gibt, die heutzutage sicher eher selten nutzbar ist. D.h. man wäre dann auch in Kiel mobil.

Sicher: Nicht jeder kann Fahrrad fahren – aber vielleicht gibt es dann auch mal neue Sammelbusse oder ähnliche Systeme für die Region. Nicht zu verachten auch für Menschen, die von dem dortigen Umlandgemeinden noch weiter als bis Kiel wollen vereinfachen sich im Bahnhof die Umsteigezeiten. Nicht zu Vergessen der derzeitige Hinweis, dass in Bussen die Mitnahme von Elektromobilen ausgeschlossen ist. Das sollte mit Zügen eher handhabbar sein, habe ich im Hbf Kiel auch schon selbst gesehen.

Hein Schönberg

Zum Abschluß noch mal ein Info-Video der Museumsbahn:

Leider kommt man normalerweise ja nicht mit der Bahn bis Schönberg. Da muss man dann schon viel Zeit einplanen. Aber für Bahnfans lohnt sich das sicher immer. Ich war heute nur kurz da, werde aber auch sicher bei Gelegenheit mehr Zeit in dem Museum verbringen. Die nehmen auch Spenden „in beliebiger Höhe“ entgegen. 😉

VVM

VVM Schönberger Strand

Written by tlow

29. Juni 2015 at 00:48

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