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Kieler Woche & HSH Nordbank

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Was ich bis heute nicht verstehe so rein finanziell ist:

Bei der HSH steht:

Die Kieler Woche ist die weltgrößte Regattaveranstaltung und zieht jährlich Hunderttausende von Segelbegeisterten nach Kiel. Bereits seit 2003 sind wir Sponsor der Kieler Woche und unterstützen hiermit eines der wichtigsten Sportereignisse als „Partner der Region“.

Gemeinsam mit der Kieler Woche haben wir 2011 die Charity-Aktion „Gut für Kids“ ins Leben gerufen. Bereits im ersten Jahr der Aktion konnten weit über 20.000 Euro gespendet werden, um Kindern die Teilnahme am Vereinssport zu ermöglichen.

Unser Engagement bedeutet darüber hinaus auch für die Segler ganz pragmatische Hilfe im Wettbewerb: Mit dem HSH Nordbank blue repair service bieten wir einen einzigartigen Reparaturservice auf dem Wasser an. Zwei motorisierte Tender helfen den Regattateilnehmern bei plötzlich auftretendem Reparaturbedarf und sorgen so dafür, dass sich die Segler ganz auf den sportlichen Wettbewerb konzentrieren können.

Nur um das richtig zu verstehen: Wir als Steuerzahler (Land, Bund, EU) retten immer wieder die HSH Nordbank, nur damit sie dann noch ohne das die eigene Krise überwunden wurde als freigebiger Sponsor auftreten kann?

Aber umgekehrt wird ein Schuh draus: Wohl ist das Engagement der Politik für die HSH deshalb so groß, WEIL sie als gesellschaftlicher Sponsor auftritt. Dennoch ist es ja nicht so, als wenn die Landesregierung nicht Großereignisse wie die Kieler Woche zu unterstützen.

Vielleicht kann mir auch mal jemand erklären, woraus im Jahresabschluss 2011 der Kieler Woche Marketing GmbH (PDF) ersichtlich ist, wie viel Sponsorengelder eingeworben wurden?

Der direkte Gewinn war 2011 gering mit einem Überschuss von unter 2.500 Euro. Wobei die Stadt Kiel so sicher nicht rechnet. Sie rechnet damit, dass durch Touristen und  den Umsatz in der Stadt verschiedene Einnahmen auch für die Stadt Kiel entstehen. Die Kieler Woche Marketing GmbH bemüht sich sicher nicht um einen direkten Gewinn? Wobei alles andere auch wiederum nicht nur Einnahmen beschert. Der ABK und andere städtische Eigenbetriebe (auch das Städtische Krankenhaus) haben sicher auch Mehrausgaben die erst einmal nicht direkt gedeckt zu sein scheinen? Lässt sich denn der Gewinn für die Stadtkasse genau beziffern, ebenso wie die Mehrausgaben?

Interessant übrigens nebenbei, dass laut Kieler Woche Seiten Die „Point of Sailing Marketing GmbH“ u.a. zuständig ist für Stände in Schilksee. Diese wiederum ist 100-prozentige Tochter des Kieler Yacht Clubs (KYC). Also in dem Falle kein Eigenbetrieb der Stadt Kiel.

Occupy Kiel auf’m Klo

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Förde Sparkasse Kiel

Ich bin neulich in der KN am Samstag über eine Tatsache gestolpert, die mir doch sehr seltsam vorkam. In einem Absatz heisst es u.a.

Rund 20 „Dauercamper“ und 50 Teilzeitunterstützer treffen sich jeden Abend um 18 Uhr im Plenum, zudem jeder willkommen ist. „Wir bekommen so viel positiven Zuspruch aus der Bevölkerung, das ist überwältigend“, meint Jakob. Äpfel, Brot, sogar Stollen bringen Passanten vorbei, ebenso Decken und ausrangierte Möbel. Auch die Aktivisten bringen mit, was sie entbehren können. „Jeder gibt, was er kann“ lautet ein Leitspruch der „Gesellschaft in der Gesellschaft“. Sie trennen und entsorgen den Abfall und dürfen auch die Toiletten bei der Sparkasse nutzen. „Unser Protest richtet sich hauptsächlich gegen die HSH-Bank und die kopflose Finanzpolitik der Banken“, erklärt Studentin Alena.

Da gibts offenbar tatsächlich die Vorstellung, dass es sowas wie gute Banken gibt.  Wer ist die Förde Sparkasse? Zur Geschäftsausrichtung heisst es im  Leistungsbericht 2010:

Die Förde Sparkasse ist ein selbstständiges Unternehmen in kommunaler Trägerschaft mit der Aufgabe, auf der Grundlage der Markt- und Wettbewerbserfordernisse für ihr Geschäftsgebiet den Wettbewerb zu stärken und die angemessene und ausreichende Versorgung aller Bevölkerungskreise und insbesondere der mittelständischen Wirtschaft mit geld- und kreditwirtschaftlichen Leistungen auch in der Fläche sicherzustellen.Sie unterstützt dadurch auch die Aufgabenerfüllung des kommunalen Trägers im wirtschaftlichen, regionalpolitischen, sozialen und kulturellen Bereich. Die Sparkasse arbeitet eng mit den Unternehmen der Sparkassen-Finanzgruppe zusammen. Sie betreibt ihre Geschäfte nach wirtschaftlichen Grundsätzen.

Die Förde Sparkasse ist u.a. Gesellschafterin der Kieler Wirtschaftsförderung (KiWi), neben der Deutschen Bank, der Commerzbank und der Hypovereinsbank. und fördert mit dieser total intransparenten Institution maßgeblich die Kommerzialisierung von Stadtkultur.

Da gibt es eigentlich keine wesentlichen Unterschiede zur HSH-Nordbank. Außer das die HSH Nordbank von der Politik eine andere Aufgabe zugewiesen bekam.

Die HSH Nordbank hatte mehr Freiheiten und hat sich im Zuge der Finanzkrise einfach verspekuliert. Das Denken ist aber allen Banken  gemein. Zum Global Economic Symposium (GES) in Kiel sagte Konsul Götz Bormann, Vorstandsvorsitzender, Förde Sparkasse:

»Im Rahmen des Global Economic Symposium werden die führenden Köpfe unserer Zeit Lösungen für drängende globale Herausforderungen entwickeln. Für uns bietet sich die einmalige Chance, diese herausragende Veranstaltung dauerhaft in Kiel zu positionieren. Ich bin dabei, um dies möglich zu machen.«

Die Förde Sparkasse war auch offizielle Partnerin des GES.

Und nun kam wohl das Angebot die Toiletten der Förde Sparkasse zu nutzen, von jemanden von der Förde Sparkasse. Bisher wird das Camp ja auch von der Politik geduldet. Und die Förde Sparkasse ist politiknah.

Hat das Camp  keine antikapitalistische Position? Diese einseitige Ausrichtung auf eine Kritik an der HSH Nordbank ist absurd. Insbesondere, wenn man dann (als Camp, nicht als Privatperson) das Klo der Förde Sparkasse benutzt.

Damit ist ja schon klar, dass man eine offene Kritik an der Förde Sparkasse nicht leisten kann oder will. Und  damit, so vermute ich, auch keine Kritik an den herrschenden Verhältnissen im Sinne einer Kapitalismuskritik. Ist die Bewegung (in Kiel) nicht mehr als im wesentlichen die Aufforderung eine Finanztransakationssteuer einzuführen und die HSH Nordbank zu kritisieren?

So ein Camp hat eben Anforderungen und Abhängigkeiten. Abhängig auch vom Standort. Es gibt sicher andere Standorte in Kiel, die mehr Möglichkeiten bieten. Aber aus irgendeinem Grund hat man sich so in die HSH Nordbank verbissen.

Auf jeden Fall wirken die Positionen da doch sehr inkohärent und sind für mich nicht nachvollziehbar. Die Schulden der HSH Nordbank sind doch nur Ergebnis einer Wirtschaftspolitik, die auch die Stadt Kiel und die Förde Sparkasse mitgestaltet haben. Wie kann man da Unterschiede machen? Und wohin führt das? Wo ist die Kritik, für die es sich lohnt auf die Straße zu gehen und wo sind bei Occupy Kiel die Leute mit ECHTEN Problemen?

Written by tlow

8. November 2011 at 12:56

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