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#KiWo & #Klimanotstand & #Umweltschutz @KiWoOnline

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Das ist die erste Kieler Woche nach dem der #Klimanotstand beschlossen wurde. CDU und OB Kämpfer versuchen zu relativieren: So ernst hätte man das ja nicht gemeint, es gäbe keinen Notstand. Das wäre ein Übersetzungsfehler. Und Ähnliches. Now what?

Als Leseempfehlung der Artikel in der KN zum Thema Kieler-Woche-Feuerwerke wo verschiedene Parteien zu Wort kommen. Es ist fast wie ein kleiner Kosmos als Kopie größerer Debatten.

Weitere Leseempfehlung die bisherigen Maßnahmen seit 2018 und was ab 2020 geplant ist.

Hier mal einige meiner Gedanken zum Thema einer Grünen Kieler Woche:

Verkehr

Das Problem fängt mit der Anreise an. Auf den Seiten der Kieler Woche wird das Thema nicht sehr hervorgehoben. Das es ein Kieler Woche-Ticket der KVG (kostet 21 €) gibt auch nicht. Zur Bahn gibt lediglich einen Link zu bahn.de

Immerhin findet man ein paar Worte zum Verkehrskonzept:

„Grundsätzlich empfiehlt es sich, die Kieler Woche mit Bus, Bahn und Fahrrad anzusteuern. Das Konzept der Fahrradparkplätze aus dem vergangenen Jahr wird dafür ausgebaut.“

– warum es dann immer noch keine ausreichende Möglichkeit gibt mit dem Fahrrad vom Ost- aufs Westufer zu fahren bleibt sehr fraglich. Die Klappbrücke ist ja defakto für den Fahrradverkehr ǵesperrt. Aber auch der Umweg um die Hörn.

Während der Kieler Woche ist das Radfahren verboten im Fußgängerbereich Kiellinie, am Germaniahafen, am Willy-Brandt-Ufer, am Bahnhofskai und auf der Hörnbrücke sowie auf dem Rathausplatz.

Es bleibt quasi nur die Gablenzbrücke. Es ist einfacher vom Ostufer mit dem Auto nach Westen zu fahren. Denn um Parkplätze macht man sich viele Gedanken und bewirbt diese auch:

Los, parkt in der Innenstadt!

Da kommt man zu dieser Seite. Von einer Stadt, die in der Klimakreise ein Programm „Parken Plus“ aufbaut hat das Wesentlich noch nicht verstanden. Auch die Seite Kiel Sailing City beschreibt genau, wie man mit dem Auto rein kommt, aber nicht mit der Bahn. Eine „Anreise mit dem Fahrrad“ gibt es gar nicht als Kategorie und der eine Satz zu Fuß sagt auch alles über Prioritäten! Zum Fahrrad könnte man z.B. gerne fürs Umland und Nachbarstädte einen Flyer aufsetzen, der dazu ermutigt von Plön mit dem Fahrrad zur Kieler Woche zu fahren. Ist das nicht auch gerade im Sommer eher naheliegend?

Ich habe aber gefunden, dass die Bahn eine eigene Seite zur Kieler Woche hat, die aber nicht von der Kieler Woche oder der Stadt Kiel verlinkt wird. Warum eigentlich nicht? Dabei auch so wichtige Infos wie zum Schleswig-Holstein-Ticket verlinkt, was für viele Tagesausflügler wohl ein gutes Angebot ist.

Eine Idee wäre auch zur Kieler Woche das Kieler Woche Ticket mit einem City-Ticket oder Innenstadt-Maut zu kombinieren. D.h. wer während der Kieler Woche reinkommen will, MUSS ein Kieler-Woche Ticket für 21 € kaufen. Rund um das Rathaus habe ich so viele Autos gesehen die rumgefahren sind und geparkt haben… das muss nicht sein. Von mir aus soll man für die Altstadt auch kostenlose Tickets ausgeben. In der Altstadt wohnen eh nur 654 Leute (Quelle: Wikipedia). Die Kieler Woche leidet nicht an einem Besucher*innenmangel. Und die Kieler Woche kann die Chance nutzen, um während der Woche neue Verkehrskonzepte auszuprobieren. Es ist vielleicht eh sicherer wenn keine Autos einfahren dürfen bei so Großevents.

Pfandbecher

Sehr gut finde ich, dass die Stadt dieses Jahr den Kraftakt mit der Einführung eines Pfandbechers wagt. An fast allen Ständen sieht man das Symbol und kleine Plakate, die alles erklären. 2 Euro soll er kosten. den muss man nicht behalten, aber man kann am irgend wo ein Getränk kaufen und dann weiterziehen und wo anders abgeben. Und das immer wieder! Ich persönlich würde mir auch ein Plastik- und Pappbecher-Verbot wünschen. Also entweder Glas oder der Kieler Woche-Becher (evt. in mehreren Größen). Keine Kaffee-Stände mehr die Espresso mit Wegwerfbechern rausgeben. Wozu? Es wird nichts fehlen! Aber wie gesagt: Da will ich nicht meckern, denn der Weg ist richtig.

Feuerwerk(e)

Wie schon oben beschrieben. Wie waren jetzt die Haltungen diese abzuschaffen:

  • Linke OB-Kandidat Thoroe möchte nur eins zum Abschluss
  • „Die Partei“ will 2
  • GRÜNE wollens kritisch hinterfragen aber nicht sofort verbieten
  • SPD meint es werden weniger werden
  • CDU will den Menschen nicht die Freude nehmen
  • FDP findet Feuerwerke eine gute Tradition und hat den Climate Emergency Plan nachgelesen. Da wird deren Abschaffung nicht gefordert
  • Der SSW findet das Thema unwichtig

Vielleicht kann man dazu mal Zahlen rausgeben? Ich weiß nur, dass der Feinstaub zu Sylvester gewaltig ist. Ich fände jetzt auch ein Abschlussfeuerwerk nicht so schlimm. Aber wenns nicht pyrotechnisch wäre, sondern eine Lightshow?

Schiffsverkehr

Was kommt alles zusätzlich extra zur Kieler Woche an Schiffen? Zusatzfahrten passen auf absehbare Zeit nicht zum Klimanotstand. Wie sieht Kiels Plan für einen nachhaltigen Tourismus aus? Fracking-Öl LNG aus den USA passt da ebenso wenig wie GtL. Dabei ist man ja mit dem Segeln ja schon mal als Segelwettbewerb traditionell ganz gut von der Ausrichtung.

Random Stuff

Sachen, die man auch überlegen könnte:

  • Schwenkgrills u.ä. verbrennen massenhaft Kohle, auch wenn gar nicht so viel gegessen wird. Feinstaub und CO2. Verbieten?
  • Zigarrenstand an der Hörn? Verzichtbar
  • Wie siehts denn mit der Ökobilanz von Getränken und Essen aus? Industriebier an jeder Ecke.
  • Wieso gar kein Goldeimer-System auf der Kieler Woche. Kieler Startup in Kiel beim Kiels größtem Fest? Vielleicht wären sie mit der ganzen Kieler Woche überfordert. Aber irgend wo wäre schon gut!

Wer will kann ja mal weitere Sachen auflisten, die euch einfallen als Kommentar hier oder auf Twitter:

Wie findet ihr die Marke Kiel.SAILING City?

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Written by tlow

31. März 2013 at 11:23

Veröffentlicht in Allgemein, Umfrage

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Ist die Stadt unsere Fabrik?

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Die „Recht auf Stadt“-Bewegung bezieht sich oft auf Negri/Hardt. Da gibt es wieder einen Artikel von einem der „Für-SprecherInnen“ der Bewegung Andrej Holm.

Kiel-Gaarden - Blick vom Werftpark auf die kaiserliche Werft

Kiel-Gaarden – Blick vom Werftpark auf die kaiserliche Werft

Ich muss dazu mal wieder einiges schreiben, aber zuerst ein paar Zitate aus dem Text in der Passage, die mich am meisten aufregt:

Die Stadt ist unsere Fabrik

Die Stadt war im 20. Jahrhundert der Ort und Gegenstand staatlicher Regulation – hier wurden die Rahmenbedingungen der industriellen Produktion gelegt.

[…]

Die Analyse des Städtischen verweist auf dessen fundamentalen Bedeutungswechsel für die Produktionsverhältnisse. „Die Metropole“, schreiben Michael Hardt und Toni Negri, sei „der Ort biopolitischer Produktion, weil sie der Raum des Gemeinsamen ist, der Raum von Menschen, die zusammen leben, Ressourcen teilen, kommunizieren und Waren und Ideen tauschen“. Stadt ist dabei nicht länger der reproduktive Rahmen und Container einer industriellen Produktion, sondern wird selbst zur Produktivkraft: „Was die Fabrik für die industrielle Arbeiterklasse war, ist die Metropole für die Multitude“, nämlich der Ort der Produktion, Begegnung und Organisation sowie des Widerspruchs und der Rebellion. Die Qualitäten des Städtischen werden nicht mehr als etwas den Produktionsverhältnissen Äußerliches angesehen, sondern als Quelle der Produktivität.

[…]

Mehr will ich erst einmal gar nicht aufgreifen. Aber hier handelt es sich um eine der Kernthesen. Hier tauchen zwei Wörter auf, die man erklären muss:

  • Biopolitik – ist ursprünglich ein von Michel Foucault verwendetes Erklärungsmodell. Bio-Macht als Machttechniken, die „nicht auf den Einzelnen, sondern auf die gesamte Bevölkerung zielen“
  • Multitude – ein m.E. eher unklarer Begriff aus dem Postoperaismus. Jedenfalls erschloss sich mir der Begriff nie wirklich.
Aber zurück zur Kritik: Die wesentliche Aussage ist die Überschrift: „Die Stadt ist unsere Fabrik. Es gibt halt diese Interpretation der jüngeren Geschichte, dass es gar keine Arbeiterklasse mehr gäbe und das diese „Multitude“ eine neue Avantgarde, einen neuen Bezugspunkt für soziale Kämpfe darstellen würde. Was sind „Soziale Kämpfe“? Das Deutsche ist eine recht aggressive Sprache. Kampf ist daher nicht unbedingt mit Gewalt gleichzusetzen. Im Englischen wird oft eher  „Struggle“ verwendet, dass auch die Konnotation „Anstrengung/Bemühen“ hat. Bei Sozialen Kämpfen geht es also darum, dass gesellschaftliche Gruppen widerstrebende Interessen haben – und diese in Form von „Kämpfen“ austragen.
Eine gesellschaftliche Frage, die man sich stellen kann ist, welche Änderungen es in den letzten Jahrhunderten gegeben hat und wie sich das auf unsere heutige Gesellschaft niederschlägt. Dabei wird klar, dass sich natürlich Arbeitsbedingungen geändert haben. Und auch, dass manche Berufe verschwanden und neue entstanden – und auch sich die Berufsbilder änderten aufgrund von neuen Technologien, wie z.B. im Druckbereich.

Haben sich dadurch aber wirklich die wesentlichen Bedingungen verändert unter denen Lohnarbeit entstanden ist dazu s.a. die Artikel „Sie wollen uns zu Maschinen machen!„(DA 207).

In der Frage der aktuellen Stadtforschung spielt daher auch die Frage eine Rolle, was unsere Städte heute prägt. Zu der Sichtweise, dass die Städte heute die entscheidenden Produktionsorte gehört bei den auf Gentrifizierung fokussierten Forschern auch die Annahme dazu, dass trotz dieser angenommen Bedeutung für die Erzeugung von Mehrwert die Stadt mit dem Wandel in erster Linie Arbeit im ursprünglichen Sinne abgebaut hat. Dass die Städte quasi deindustrialisiert wurden. Die Stadt als Fabrik meint daher nicht in erster Linie die vielseitigen Arbeiten, die Leute in einer Stadt verrichten, sondern das durch Mechanismen wie der Aufwertung von Stadtvierteln aus etwas relativ Wertlosem etwas Wertvolles gemacht und weiterverkauft wird. Vielen eher als Häuser-Spekulation bekannt (trifft es nicht ganz, widerspricht dem aber auch nicht und macht es deutlicher).

Darüber hinaus ist damit auch die Vermarktung von Städten gemeint. Sowas also wie „Kiel Sailing City“ – die exponentielle Zunahme von Straßen-, Stadtteil und Stadtfesten. Die stete Bemühung von Städten in Konkurrenz zu anderen Nachbarstädten oder bei Metropolen zu anderen Metropolen, besser da zu stehen. Nicht nur Konkurrenz, sondern auch Kooperation gibt es dann in Metropolregionen, in denen Umlandgemeinden oder kleiner Städte am Erfolg einer Metropole partizipieren wollen und Metropolen  das aus Eigennutz zulassen.

Kritisiert wird auch die Marginalisierung von Gruppen oder Bevölkerungsschichten, die die Angebote der neuen Städte nicht mehr wahrnehmen können. Sozialtickets sind eher selten, so dass Transport ein Privileg geworden wird. Die Möglichkeit von Menschen mit kleinerem Geldbeutel Stadt zu nutzen wurde in den letzten Jahrzehnten wieder geringer.

Soweit kann ich den Argumenten auch gut folgen und hier und da auch voll zustimmen. Allerdings folgt daraus eben die Wendung einer strategischen Ausrichtung von Protest und Widerstand. Und dieser hat sich bei den Postoperaisten gewandelt. In den 70ern haben die Operaisten die Fabrik und die ArbeiterInnen selbst als Avantgarde für einen Wandel der Industriegesellschaft begriffen. Sie haben sich bemüht zu verstehen, was in Industrien passierte und ihre Interpretation war, dass hier der Ansatzpunkt war die Verhältnisse grundsätzlich zu verändern.

Allerdings wandte man sich schon damals von den Methoden des klassischen Arbeiterwiderstands ab und als Postoperaisten ließen sie ihre Lieblings-Avantgarde dann ganz hinter sich. In der „Multitude“ fand man die neue Avantgarde und in DER STADT als solches ein neues Spielzeug  als Ersatz für DIE FABRIK. Im Wesentlichen verwarfen viele der Operaisten ihre damaligen Positionen, prägen aber die heutige Anti-Globalisierungsbewegung oder die „Recht auf  Stadt“-Proteste entscheidend mit „neuen“ Theorien und Denkansätzen.

Im Wesentlichen wird hier die   „Lösungsstrategie für die Verwertungskrisen der kapitalistischen Produktion“ kritisiert. Was dann Marx pur ist (s.a. Überproduktionskrise).

Der im Raum stehende Vorschlag ist der, sich also den Kapitalinteressen in den Städten in den Weg zu stellen. Als positives Beispiel wird dabei das Gängeviertel in Hamburg genannt. Doch ist dies nicht gerade Beispiel dafür, wie ein an sich erfolgreicher Protest von Gentrifizierungsgegnern selbst zur Gentrifizierung beitrug? Als kurze Geschichte: Das Gängeviertel sollte abgerissen werden und Raum für neue Investitionen bieten. Dies haben Initiativen aus KünstlerInnen und das „Recht auf Stadt“-Bündnbis erfolgreich verhindert und so Raum für KünstlerInnen geschaffen.

Nun haben sie einen Vertrag mit der Stadt abgeschlossen:

So wird das Gängeviertel saniert und in den nächsten Jahren, wenn alles so läuft die die Gängeviertler wollen selbst ein Baustein der Kulturmetropole Hamburg. Ein Pyrrhussieg in meinen Augen. Und zwar deshalb, weil es auf dem Gebiet keinen erfolgreichen Kampf geben kann. Es kann nur zum Teil erfolgreiche Kämpfe geben. Und zwar ausgesprochen dort, wo sich die Interessen von AnwohnerInnen/KünstlerInnen auf der einen – und der Stadt oder den Finanzinteressen auf der anderen Seite vereinen lassen. Und so erkämpft man sich mit viel Mühe ein Eigentor. Die Stadt gewinnt dabei immer. Ob jetzt Abriss und Neubau – oder kulturelles Kleinod. In Kiel bietet natürlich auch die Hansastraße 48 oder die Alte Meierei Kultur für alle an. Die Hansastraße war ehemalig besetzt und wurde gekauft – die Alte Meierei wird geduldet.  Diese Freiräume haben ihren Wert, aber sie stellen keinen Stolperstein für Kapitalinteressen dar.

Und was unsere Städte anbelangt, so gibt es da eine Vielzahl an Arbeitsplätzen, inklusive Freiwis, informeller Beschäftigung, … in denen wir uns tagtäglich ausbeuten lassen. Dies wegzuwischen als unbedeutend, hier nicht anzusetzen und sich nicht für die Rechte von Illegalisierten, Flüchtlingen auf gerechten Lohn für Arbeit einzusetzen und stattdessen darauf zu setzen, dem Kapital an der Hörn oder in Gaarden ein Bein zu stellen, halte ich für abwegig. Was nicht heisst, dass man nicht hier und da Widerstand gegen bestimmte Pläne leisten kann und soll. Insbesondere dann wenn es authentischen Widerstand der AnwohnerInnen gibt. Es geht hier m.E. um den Schwerpunkt von Organisierung. Nicht darum etwas ganz zu bleiben zu lassen. Die Stadt ist aus meiner Sicht keine Fabrik. Produktion findet an vielen Orten statt. Auch auf dem Lande. Eine strategische Ausrichtung auf bestimmte Orte führt nicht zu effektiverem Widerstand, sondern dazu, dass Menschen sich weniger dort organisieren, wo sie ihre ureigensten Interessen haben müssten und könnten. An die Stelle einer Bewusstmachung erfolgt eine Indoktrination mit Erklärungsmustern.

Ein erfolgreicher Widerstand gegen bestimmte Ansiedlungen oder Abrisse kann passieren, wenn die Leute ihre eigenen Interessen ernst nehmen und selber vertreten. Sie passiert nicht dadurch, dass eine politische Avantgarde  ihre Interessen für sie formuliert und sich dann darüberhinaus noch sich selbst als Vertretung oder Bewegung präsentiert. So ein Handeln führt lediglich zu einem weiteren Auseinanderdriften von Realitäten und dazu, dass Dinge gefordert werden, die nicht im Interesse der Betroffenen ist. Damit aber folgen solche Initiativen einem ähnlichen Muster wie die bisherige Fremdbestimmung durch Stadtregierungen. Da werden Freibäder dicht gemacht, weil die Stadt besser zu wissen meint, was für das Stadtteil gut ist. Die Formulierung einer übergeordneten Ideologie als Erklärungsmuster für das, was in einer Stadt passiert ist da nicht viel besser. Transparenz fängt von unten an und muss auch alle Bereiche einer Organisierung betreffen. Transparenz heisst dabei nicht einfach, dass alles aufgeschrieben und veröffentlicht wird. Sondern dass Argumente nachvollziehbar sind und sich auch von unten nach oben entwickeln.

Das witzige ist, dass die große Politik, die großen Unternehmen trotz vielfacher Hinterzimmerpolitik in ihrem Handeln und Argumentation unter dem Strich dennoch oft nachvollziehbarer für Außenstehenden und BürgerInnen sind, als manche Bewegung oder Organisati0n. Für die ist Transparenz ein Luxus, den sie sich bei Bedarf gerne leisten. Wie z.B. bei der Gläsernen Akte der Stadt Kiel zum Fall Möbel Kraft. Sie setzen Transparenz und Bürgerbeteiligung als Waffe gegen Kritik ein. Und nehmen damit KritikerInnen fast jeglichen Wind aus den Segeln. Zurück bleibt immer wieder Ohnmachtsgefühle der Betroffenen, die meistens von niemanden wirklich gefragt, aber oft benutzt werden. Geht es nun aber darum ernst gemeinter und ehrlicher Kritik Gehör zu verschaffen und effektiven Widerstand, z.B. gegen eine Möbel Kraft-Ansiedlung zu organisieren. Oder geht es darum, welche Seite das meiste Kapital aus einem auftretenden Konflikt zieht? Am Ende, so scheint es mir, gewinnt all zu oft die Seite der Großkonzerne. Und wie Holm selbst schreibt:

Denn ohne den klaren Bezug auf die soziale Frage droht das „Recht auf die Stadt“ als Lifestyle-Revolte von Mittelschichtsangehörigen zu versanden.

Ergänzung zur Einwohnerversammlung zum Förderahmenplan

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Noch eine Ergänzung zu meinem Artikel vom 3.1.:

  • Die Kieler Nachrichten berichteten am 3.1., dass nur ein Antrag einstimmig abgelehnt worden sei – nämlich meiner zum Verwerfen des Rahmenplans. Dazu folgendes: Eine einstimmige Ablehnung würde erfordern, dass niemand dafür ist und alle dagegen. Wahr ist aber, dass es 2 JA-Stimmen gab und auch 6 Enthaltungen. Ist ja auch logisch – kaum ein Antrag würde einstimmig abgelehnt, denn das würde ja bedeuten, dass auch der Antragsteller gegen seinen eigenen Antrag stimmt. Dem war nicht der Fall.
  • Auch erweckt die  Kieler Nachrichten den Eindruck, dass ansonsten alle  Anträge durchgingen. Nach nochmaligem Anschauen der Einwohnversammlung (EV) im Offenen Kanal heute, habe ich mir noch mal alle Anträge notiert: Insgesamt gab es 23 Anträge, die abgestimmt wurden (einige wurden aus formalen Gründen nicht abgestimmt). Davon wurden 16 angenommen und 7 abgelehnt. Das bedeutet, dass nicht ganz 70% angenommen und ca. 30% abgelehnt wurden, also etwas weniger als jeder Dritte Antrag.

Abgelehnt wurden z.B. folgenden Anträge:

  1. Die Durchführung von Workshops für Nachhaltiges Wohnen
  2. Das Zurückführen des Seebades Düsternbrooks in den Urzustand
  3. Den Amphibienbus über die Marine anzusiedeln
  4. Die Flaggenparade am Rundwanderweg
  5. Nullemission für Kreuzfahrtschiffe Klimaschutz als Ziel in Rahmenplan (durch 6 Enthaltungen gekippt)
  6. Das Verwerfen des Rahmenplans
  7. Verbot von „Kunstbauten“ und Schwimmhäuser

Die stärkste Zustimmung erhielten Anträge zum Erhalt des Hindenburgufers, bzw. Anträge weiteres Zubauen der Förde zu verhindern. Allerdings erhielt auch ein Antrag für mehr Wohnbauten für Senioren an der Förde ausreichend Stimmen.

Wohnen an der Förde ist dabei für mich das heiss umkämpfte Thema in dem Zusammenhang. In der Projektbeschreibung finden wir unter Lebensqualität den Punkt:

  • Schaffung neuer Wohnqualitäten z.B. durch Entwicklung zeitgemäßer bzw. innovativer Beispiele für Wohnen am Wasser vor dem Hintergrund des demographischen Wandels und unter Einbeziehung städtebaulicher Gestaltungsziele

Dies steht dem Wunsch vieler EinwohnerInnen entgegen, die eher weniger als mehr Bebauung am Wasser möchten. Ein Anwesender wollte auch gerne mehr Zugänge zum Wasser, um mit dem Paddelboot ins Wasser zu kommen, was oft nicht ginge wegen Privatbesitz und Betreten verboten.

Wir sehen hier auch einen Konflikt zwischen öffentlicher und privater Fläche. An der Hörn z.B. ist geplant, dass 50% der Bebauung Privatgrundstücke werden. Auch zu berücksichtigen ist, dass die Stadt Kiel im INSEKK (Integriertes Stadtentwicklungskonzept, PDF) auf Seite 73 formuliert:

Dringend erforderlich ist jedoch die Aktivierung vorhandener Wohnbauflächen im innerstädtischen bzw. innenstadtnahen Bereich (z.B. Alte Feuerwache, Krim, Hörn usw.). Besonders gefragt sind Standorte an der Förde. Ein Mangel an Wohnbauland besteht nördlich des Kanals. Hier gilt es,  Nachverdichtungspotenziale und Brachen wie das Marinefliegergeschwader 5 (MFG 5) – Areal aktiv zu entwickeln.

Also soll in Kernbereichen des Zugriffs der Stadt Kiel, nämlich beim MFG5 und an der Hörn massiv nachverdichtet werden. Aus INSEKK und dem Förderahmenplan ergibt sich also, dass den auf der EV geäußerten Wünschen nach weniger Verdichtung wohl kaum Raum eingeräumt werden wird. Man will Platz schaffen für Zuzüge. Denn Kiel wird nach allen Prognosen von dem demografischen Wandel insofern „profitieren“, dass es mehr Einwohner bekommen soll.

Die andere Seite ist die Entwicklung der Wirtschaft. Die Entwicklung des Hafens – und der maritime Schwerpunkt wurde ja auch im Förderahmenplan noch einmal betont ist für die Stadt Kiel ein Zitat „Pfund mit dem man wuchern kann“. Kreuzfahrtschiffe steuern vermehrt Kiel an, insbesondere nachdem Lübeck in der Konkurrenz mit Kiel die Stena-Line verloren hatte. Es sollen laut INSEKK (S.55) mehr Unterkünfte entstehen. Das neue Hotel ATLANTIC zeigt schon, wo bevorzugt Hotels entstehen werden (in Wassernähe!)

Dann ist ja kiel.sailing city eines der sog. Alleinstellungsmerkmale (USP). Also das Segeln. So schreibt man denn auch im INSEKK Seite 57:

  • Entwicklung eines innenstadtnahen Veranstaltungsbereiches für hochklassige Segelveranstaltungen
  • Weiterentwicklung des Olympiazentrums Schilksee zu einem allen internationalen Standards entsprechenden Veranstaltungsort
  • Entwicklung eines maritimen Dienstleistungszentrums
  • Entwicklung der Sportboothäfen an der Kieler Förde zu einer „5-Sterne-Sporthafen-Region“
  • Entwicklung der Sportboothäfen an der Kieler Förde zu attraktiven, öffentlich zu gänglichen Bestandteilen des allgemeinen Freizeit- und Erholungsangebots
  • Entwicklung des Bahnhofskais als Hafen für Traditionsschiffe

All das klingt nicht nach Rückbau oder nach vorsichtigem Ausbau. Auch auf Seite 87 finden wir weitere „Schlüsselprojekte“:

  • Planung eines gemischtgenutzten Marinequartiers Wik mit Gewerbeflächen (maritimes Cluster) in Fördelage (Scheerhafen)
  • Fortsetzung der Aufwertung der Schwentinemündung
  • Gemeinsame Bewerbung und Ausrichtung einer Gartenschau oder eines vergleichbaren Großprojektes mit Wasserbezug in der Förderegion mit zusätzlicher internationaler Ausrichtung entlang der skandinavischen Fährlinien (z. B. Kopenhagen, Göteborg, Oslo, Malmö)

Eine Gartenschau z.B. läuft üblicherweise so ab, dass Bagger anrücken und alles plattmachen, was im Weg steht. Da bleibt kein Auge trocken (siehe Kritik1, Kritik2). Am Ende sind die Gartenschauen oft ein Minusgeschäft für die Städte – und der Schaden ist oft unwiderbringlich angerichtet.

Grundsätzlich kann man auch was den Seehafen Kiel davon ausgehen, dass man dessen Wachstum nichts entgegenstellen möchte. Sei es nun die Ansiedlung neuer, maritimer Unternehmen oder weiterer Fährterminals.

Ach ja auch der Megajachthafen ist denke ich auch nie ganz vom Tisch. Da haben ja nun einige Einwohner ihre Unterschriften abgeliefert zum Erhalt des Hindenburgufers. Weder im INSEKK noch im Förderahmenplan taucht der Megajachthafen bisher auf. Es scheint eher so, als wenn man sich was Jachten betrifft eher auf Schilksee konzentrieren möchte. Was nicht bedeutet, dass man das Hindenburgufer in Frieden lässt. Irgendeine Dummheit hat die Verwaltung immer auf Lager.

Daher wäre es so wichtig, dass Pläne die Prioritäten der Bürgerinnen und Bürger aufnehmen. Aber wie soll das gehen in einer kapitalistischen Wirtschaftsordnung? Nun ja, Kiel ist in vieler Hinsicht auch auffällig fleißig beim Überbordwerfen anderer, nachhaltigerer Prinzipien. Zur Zeit werden Konzepte schneller geschrieben als man gucken kann. Und alle die Konzepte sind ein weiteres Korsett für eine Stadtpolitik, die eh bereits durch die Finanznot eingeschränkt ist. Bald wird man sich das Stadtparlament ganz sparen können, denn es wird immer weniger geben, was eine Stadt noch frei entscheiden kann. Bzw. wird die Angst vor dem Bürger immer größer, dass dieser wirklich mitbestimmen will. Dafür ist nämlich dann eigentlich gar kein Platz mehr. Die Bagger stehen schon bereit, die Gelder sind bewilligt. Und der Bürger steht da allzu oft nur im Weg. Daher muss man ihn Einlullen und ihm das Gefühl geben, dass er mitbestimmen kann. Das kann er auch – aber eben nur innerhalb des Rahmens, den die Verwaltung vorgibt. Ja Herr Zahn, es ist unsere Stadt – aber darum sollten auch wir Kieler selber festlegen, welche Maßstäbe wir haben.

Kiel FAILING City: Alles auf Marketing gesetzt und doch verloren!

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Da waren sie traurig und wollten es nicht wahrhaben, als die FH Westküste ihre Studie vorstellte. Dies wird aus einem Artikel vom 15.07. der Kieler Nachrichten mit dem Titel „Kiel muss sich besser verkaufen“ deutlich.

Nun hat man seit Jahren alles auf „KIEL.SAILING CITY“ gesetzt. Den Kielern und Gästen wurden die Segel ständig um die Ohren gehauen. Wir sind maritim, wir sind maritim, wir sind maritim.  Und am Ende dieser grandiosen Werbekampagne kommt heraus, dass das alles nun doch nix genützt hat. Wir haben uns nicht genug angestrengt: Die Bundes-Rentner haben uns nicht lieb. Oh weih, gerade die finanzstarken Kaffeefahrer wollen nicht nach Kiel kommen. Brauchen wir Rentnersegeln? Mehr Seniorenbespaßung auch zur Kieler Woche?

Kiel muss sich einfach noch MEHR  (aus) verkaufen/prostituieren. Das Defizit wird zwar immer größer und die Ausgaben steigen – aber irgendwann werden wir schon belohnt, von Rentnern und Wirtschaft. Man muss nur feste dran glauben. Es lebe die Gentrifizierung!?

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