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#JanesWalk in Kiel 2017, …

Am Freitag 5. Mai und am Samstag 6. Mai fanden zwei Jane’s Walks in Kiel statt. Mit  ca. 16 und 12 TeilnehmerInnen waren sie einigermaßen gut besucht. Aber was ist überhaupt ein Jane’s Walk.

Die Spaziergänge finden in Erinnerung an „Jane Jacobs statt. Einer einflußreichen Architekturkritikerin, die insbesondere mit ihrem Werk Tod und Leben großer amerikanischer Städte und ihrem Engagement gegen Highwayneubauten im Zentrum von New York einen großen Einfluß auf viele Städteplaner und Architekten hatte. Heute ist ihre Bedeutung und Einfluß sogar eventuell noch größer. Denn ihre Ideen waren ihrer Zeit weit voraus. Auch wenn manche Sichtweisen bei Erscheinen ihres Buches von manchen als rückständig angesehen wurden. Denn sie war kein Fan von Neubauten. Eine Durchmischung von Alt und Neu war aus ihrer Sicht wichtig für eine funktionierende Stadt. Überhaupt: „funktionieren“. Bedeutete für sie mehr als nur, dass Menschen aus ihren Schlafstädten zur Arbeit und zurück kamen. Es ging ihr auch um  das Leben auf der Straße. Straßen auf denen man sich gerne aufhalten und verweilen  möchte. Auf denen man gerne Spazieren geht, sich trifft, spielt und vor allem anderen Leuten zuschaut.

Ich selbst bin vor vielen Jahren ein mal über das Buch Tod und Leben großer amerikanischer Städte in der  Kieler Stadtbücherei gestolpert und stellte fest, dass es wohl seit sehr vielen Jahren kaum ausgeliehen wurde. Überhaupt: Bei dem  Namen Jane Jacobs ist bei vielen Leuten nur ein großes Fragezeichen. Nie gehört. Aber wie kommt das? Mit Sicherheit muss man sie zu den ganz großen Zählen. Oft wurde sie als „Hausfrau“ verspottet, da sie zum Zeitpunkt ihrer Veröffentlichungen keine hohe Position im Kreise der Architekten und keine universitäre Ausbildung hatte.

Jane Jacobs 10 Big Ideas

 Wer kann so einen Spaziergang anbieten?

Eigentlich jede/r. Man sollte sich aber vorher die Ideen von Jane Jacobs angeschaut habt. Es geht aber nicht so sehr darum, dass die Spaziergänge von Experten angeboten werden. Jane Jacobs sagte immer, dass jede/r eine Expertin ist. Es geht darum Sichtweisen zu teilen und Raum zu bieten für Diskussionen. Und das Ganze eben in Form eines Spaziergangs. Dabei können diese sich um ein Thema drehen, müssen es aber auch nicht.

Wer so etwas anbieten will, egal zu welchem Zeitpunkt, kann sich auf der Seite vom Jane’s Walk registrieren. Und ihr könnt mich direkt ansprechen. Wir haben bei den zwei Walks dieses Jahr auch vorher ein Treffen gemacht. Mehr Treffen – vielleicht auch in Form eines Spaziergangs – wären möglich.

Zeitungsartikel Scan

Artikel in der Kieler Nachrichten zum Jane’s Walk 2017 in der Brunswik. Walk-Leader war Jens-Olaf Beismann

Als Korrektur zum Artikel: Der erste Kieler Jane’s Walk wurde 2016 in Kiel-Gaarden durchgeführt.

Aktuell habe ich die Rolle des City Organizers übernommen. Bei Interesse an eigenen Walks einfach Kontakt aufnehmen. Die können und sollen auch das ganze Jahr stattfinden. Email janeswalkkiel AT alterativnet.de

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Beschwerde beim #Presserat wg. #KN_WLAN Berichterstattung von @kn_online #Freifunk #TNG #WLAN

KN_WLAN Logo

Das Logo von #KN_WLAN

Seit Monaten berichtet die Kieler Nachrichten intensiv über den angeblichen Einstieg Kiels ins WLAN-Zeitalter. Das es bereits seit vielen Jahren weitere freie WLANs gibt, wie von Freifunk und von der Firma TNG verschweigt sie dabei vollkommen. Auch am vergangenen Samstag wurde wieder auf der Titelseite der Eindruck erweckt, dasss es nur ein freies WLAN in Kiel gäbe. Berichte zu Alternativen in Kiel fehlen vollkommen.

Ich habe daher heute Beschwerde beim Presserat nach verschiedenen Ziffern des Pressekodex eingereicht, zu denen ich hier einiges Erläutern möchte:

  • Gegen Ziffer 1: Wahrhaftigkeit – Die KN bewirbt hier ein eigenes Produkt bzw. eine Kooperation, aber nicht gegenüber dem Leser transparent, dass sie Pressemeldungen bzw Werbung veröffentlicht.
  • Gegen  Ziffer 2: Sorgfaltspflicht – Die KN verzichtete vollkommen darauf andere Netze ebenfalls in Relation darzustellen.
  • Gegen Ziffer 6: Trennung von Tätigkeiten  – Die KN ist hier Berichterstatter und Internetprovider in einem.
  • Gegen Ziffer 7: Trennung von Werbung und Reaktion – Die KN wirbt unverblümt, ohne dies klar als Werbung zu kennzeichnen.
  • Gegen Ziffer 15: Vergünstigungen – Die KN lässt sich für die Werbung u.a. von der Förde Sparkasse bezahlen. Eine Win-Win-Situation für alle Beteiligten (KN, Addix, Förde Sparkasse)

Wie weit welche Punkte zutreffen sollen die Experten für Journalismus beurteilen. Für mich steht nur fest, dass diese Art der Berichterstattung bzw. Werbung weit von dem entfernt ist, was zulässig sein sollte. Es geht dabei weniger um das #KN_WLAN als Solches, sondern darum, dass es nicht in der Berichterstattung einen Platz unter Vielen einnimmt, sondern es hier eine ungute Vermischung von Rollen kommt, die für Presse nicht akzeptabel ist.

Aus Transparenzgründen gebe ich hier auch an, dass ich selber ehrenamtlich beim dem Projekt Freifunk Kiel mitwirke als Privatperson. Dies ist aber ein unkommerzielles Projekt. Im Idealfall könnten sich verschiedene Netze ergänzen. Eine Tageszeitung,gerade wenn es die einzige im Ort ist, darf aber ihre Marktmacht nicht nutzen, andere Netze in der Berichterstattung auszuschließen!

Written by tlow

16. Oktober 2016 at 09:29

Trübe Aussichten für #Katzheide

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Da das Wetter ein sehr unberechenbarer Faktor ist, wäre es auch möglich, dass sich das Wetter genau dann verschlcehtert, wenn Katzheide eröffnet. Damit hätte man dann bereits einen Großteil der Saison verschlafen.

Ich höre und lese zwar Worte, die darauf hindeuten könnten, dass die Stadt umdenkt, allein: es fehlen die Belege und der Glaube an einen Sinneswandel. Warum so skeptisch? Weil die Geschichte seit 2009 und eigentlich schon davor gezeigt hat, dass die Stadt trotz deutlicher Stimmungslage pro Katzheide ihren Weg weitergegangen war die Schließung voranzutreiben.

 

Wieviel wäre euch die KN online wert?

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Die Kieler Nachrichten (KN) ist ein viel geschmähtes Blatt. In manchen Generationen und Bereichen der Bevölkerung ist sie vollkommen unbekannt und ungenutzt.  Das KN ePaper Vollabo kostet derzeit 19,50. bei 2 Ausgaben wie im August käme man damit auf 72 ¢ pro Ausgabe. Das Papierabo kostet 32,10 €.

Zum Vergleich: Die TAZ kostet pro Ausgabe im Abo im August rund 48 ¢. Oder rund 13 € im Monat. Mal Zeit im Zeitalter des Onlinejournalismus mal nachzufragen, was Leser dieses Blogs eigentlich bereit wären, für die KN abzudrücken.

 

Ich persönlich durchblicke ja den Dschungel der Angebote gar nicht. Z.B.: Gibt es einen inhaltlichen Unterschied zwischen ePaper und Onlineausgabe. Ich lese da z.B.:“Aktuelles aus Kiel und dem Umland aus erster Hand erfahren! Mit dem Online-Abonnement der Kieler Nachrichten oder Segeberger Zeitung haben Sie vollen Zugriff auf News, Bilder und Hintergründe zu Themen, die die Region bewegen. “ D.h. da steht nichts drin, was nicht direkt die eigene Region betrifft?

Ich hatte mal ein Digitalzusatzabo über Verwandtschaft, was mir aber ohne Begründung gekündigt wurde. Seitdem habe ichs nicht mehr versucht. Ohne Zweifel spielt die KN in Kiel nach wie vor eine wichtige Rolle. Sie stellt aber auch einen Flaschenhals zur Öffentlichkeit dar. Dies liegt sicher auch daran, dass selbst die, die darunter leiden, dass ihre Pressemitteilung nur im Papierkorb der KN landen keine eigene Internet-Öffentlichkeitspolitik betreiben. Online erfährt man ja quasi auch nichts, was nicht bereits in der KN steht. Auch die Möglichkeiten Hintergrundinformationen zu liefern, werden weder von der Stadt, den Parteien oder Vereinen auch nur ansatzweise genutzt. Insofern ist die Monopolstellung der KN auch kein Wunder und deren inhaltlichen Schwächen auch darin begründet, dass es keine Alternativen gibt, die innerhalb der KN wirklich eine Bewegung provozieren würde.
Also was es sie euch wert oder was haltet ihr von der KN?

Written by tlow

24. August 2014 at 19:40

Veröffentlicht in Großraum Kiel, Medien, Umfrage

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KN-Preis: Madsack ehrt sich selbst.

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Die Kieler Nachrichten berichtet stolz  KN-Redakteurin gewinnt Medienpreis, Der Madsack-Medienpreis, in dem mehrere Chefredakteure von Zeitungen der Madsack-Gruppe sitzen sollen habe diesen Preis verliehen. Was der Artikel aber nicht transparent macht ist, dass die Kieler Nachrichten selbst Teil der Madsack-Gruppe ist.

Dieser Medienpreis, der offenbar nicht einmal eine eigene Webseite hat, wurde also hausintern vergeben. Das ist also in etwa so, als wenn Coca-Cola der Marke Sprite einen Preis fürs beste Getränk vergibt. Sicher hat Martina Drexler einiges an Arbeit geleistet in den Wochen in denen der Fall aufgeklärt werden sollte. Aber wenn die KN nicht erwähnt, dass der Preis quasi sich selbst vergeben wurde, so ist das schon eine grobe journalistische Verfehlung. Zudem hat die KN bis heute nicht wirklich zu den Hintergründen beigetragen. Die meisten Fragen sind nach wie vor offen geblieben. Wir wissen eigentlich nicht mehr, als wie am ersten Tag. Auf welcher Grundlage hatte Gaschke gehandelt? War ihr überhaupt ein Versagen vorzuwerfen oder war ihre Entscheidung auf der Basis der ihr vorgelegten Materials aus ihrer Sicht gar nicht anders möglich? Man hat sich doch schnell abgewendet, als das politische Opfer dargebracht wurde. Das gilt im übrigen auch für die politischen Gegner, die auch das Interesse verloren zu haben scheinen?

Written by tlow

14. März 2014 at 20:08

Ehrenkodex: No Chance

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Laut KN von heute (Seite 20) ist gestern ein Antrag der FDP zum Ehrenkodex gescheitert. Ich zitiere, weil der Artikel so klein ist:

Keine Chance für Ehrenkodex

Kiel. Die FDP ist gestern mit der Einführung eines Ehrenkodexes für die Ratsmitglieder gescheitert. CDU, SPD und Grüne lehnten im Ausschuss für Angelegenheiten der Gemeindeverfassung den Antrag der FDP-Fraktion auf Selbstbindung ab. Im Ehrenkodex sollten unter anderem der Verzicht von Aufsichtsratsmitgliedern auf Regattabegleitfahrten der Unternehmen, für die sie im Aufsichtsrat sitzen, und eine Wertgrenze für Freikarten und Ähnliches festgelegt werden

Hier der Ehrenkodex Antrag FDP 2014 (PDF). Ich zitiere ebenfalls aus der Einleitung:

Das Vertrauen in die Integrität der politischen Entscheidungsträger der Landeshauptstadt Kiel ist von deren rechtmäßigen und unabhängigen Handeln abhängig. Deshalb ist Transparenz über die persönlichen und wirtschaftlichen Umstände der Entscheidungsträger, die Einfluss auf Entscheidungen haben könnten, erforderlich. Transparenz ermöglicht es allen Einwohnerinnen und Einwohnern, sich davon zu überzeugen, dass die kommunalen Entscheidungsträger zum Wohle der Landeshauptstadt handeln.

Es ehrt die FDP-Ratsfraktion, dass sie diesen Versuch unternommen haben. Es ist schade, dass die Kieler Nachrichten so wenig zum Verlauf berichtet. Mich würde ja mal interessieren, wie da denn die Diskussion ablief. Mit welchen Argumenten meinte die Mehrheit als einzige Stadt der Welt immun gegen Korruption zu sein?  Und wieso sind solche Themen immer so unter den Tisch gekehrt.

Meine Prognose ist, dass sich in Kiel mittlerweile ein  riesiger Korruptions-Sumpf gebildet hat. Die Signale der Politik sind klar: Weiter so wie bisher – und auch seitens der KN, die oft Teil des Systems ist grünes Licht für alles.  Der Skandal um Frau Gaschke war auch mangelnder Transparenz geschuldet gepaart mit Unwissenheit und Selbstüberschätzung.

Gerade die Haltung, das nur der Versuch der Absicherung gegen den Anschein von Korruption allgemein als Majestätsbeleidigung verstanden wird, stimmt bedenklich. Es schürt der Verdacht, dass es in Kiel ein unendlich großes Geflecht an Korruption geben müsse. Bisher sind alle möglichen Skandale zum Teil auch mit Schützenhilfe von der Judikative glimpflich abgelaufen. Ein Freibrief für die Annahme fast aller Einladungen zu politischen Veranstaltung sendet europaweit ein Signal an die Mafia, dass sie in Kiel willige Empfänger finden werden. Vielleicht ist es auch bereits zu spät an dem Kieler System etwas zu ändern. Da hilft nur noch striktes Nicht-Wählen und der Politik den Rücken zu kehren. Der nächste Skandal kommt bestimmt. Und man kann nur hoffen, dass das nächste mal nicht wieder schützende Hände und eine Presse die wegschaut unterstützen, dass sich in Kiel nichts ändern wird.

Written by tlow

21. Januar 2014 at 10:38

Veröffentlicht in Korruption, Rathaus, Transparenz

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Unerträglichkeiten

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Für die Rote Flora ginge am Samstag zehntausende auf die Straße. Es kam zu Konflikten zwischen Polizei und Demonstranten. Am Ende stehen ca. 500 verletzte DemonstrantInnen und 120 PolizistInnen. Was nun Auslöser der Eskalation war, bzw. der genaue Verlauf ist wohl zu 100% gar nicht nötig.

Rote Flora

Rote Flora, Für dieses Foto sind bestimmte Rechte vorbehalten.http://creativecommons.org/licenses/by-nc-nd/2.0/deed.en

Was man aber vorher wissen konnte: Alternativer Lebensraum ist knapp und wird knapper. Wie z.B. beim Abriss des Ungdomshuset. Wichtig dabei ist zu verstehen, wie Gesellschaft funktioniert oder Eigentum entsteht. Bestehendes Eigentum in Europa ist entweder gekauft oder wurde vor Jahrhunderten erobert. Familien, die ihr Eigentum durch Verbrechen in der fernen Vergangenheit erlangten nennt man Adlige – die kriegen in Kiel sogar ein Denkmal. Wer kein Geld hat, um sich Eigentum, insbesondere Immobilieneigentum zu erwerben hat frei Möglichkeiten – entweder darauf zu verzichten, oder zu versuchen (Nicht genutzte) Immobilien zu besetzen, oder durch Verhandlungen die Nutzung (Duldung) zu erwirken.

In Hamburg ist die Situation nun so, dass die Rote Flora als Autonomes Zentrum vom derzeitigen Eigentümer (2001 von der Stadt für ein Appel und ein Ei, sprich für umgerechnet 186.000 € verkauft) gerne für ein Vielfaches verkauft werden soll. Eigentlich eine typische Situation. Um die 200oer Jahre haben die Städte vieles ohne Ansehen verkauft, nur um irgendwie an Geld zu kommen. Ob nun leerstehende Gebäude, Stadtwerke, … . Heute ist das Gejammer teilweise groß, weil man mehr für Miete ausgeben muss bzw. die eigenen Spielräume eingeengt sind. So eben auch bei der Roten Flora. Das die Stadt das Autonome Zentrum Rote Flora lieber heute als morgen weghaben möchte ist unzweifelhaft. Ob sie ausgerechnet jetzt tätig werden würde ist aber eher unwahrscheinlich. Die Demonstration am Samstag war ja nur anlässlich der aktuellen Situation, dass der Investor seinen Kauf nun zu einem erhöhten Preis nun zu Geld machen möchte.  Die Stadt Hamburg hat diesem Investor einen spekulativen Gewinn geschenkt. Genauer gesagt fast 20 Millionen Euro, falls denn dieser Verkaufspreis für das Gelände realistisch ist.

Besonders engagiert in der Kommentierung hat sich heute Michael Kluth von den Kieler Nachrichten. Der meint:

Solche Tage hat Hamburg lange nicht mehr erlebt. Tage der nackten Gewalt. Massenhafte, enthemmte, lebensbedrohliche Angriffe auf Polizisten. Zuletzt gab es so etwas Ende der 80er-Jahre im Zusammenhang mit der Besetzung der Häuser an der Hafenstraße. Damals ein rechtsfreier Raum. Unerträglich.

und

Gegen Rechtsextremismus gibt es zu Recht einen geschlossenen Widerstand in Staat und Gesellschaft – oder geschlossenes Entsetzen, wenn wie im Falle NSU der Staat nicht wehrhaft ist. Linksextremisten hingegen nennen wir Alternative, Aktivisten, Autonome, und der Staat reagiert mit Gesprächsbereitschaft und Deeskalation. In Wahrheit sind beide, was sie sind: Verbrecher. Sie müssen konsequent verfolgt, bekämpft und bestraft werden. Überall, auch im Schanzenviertel. Es darf keine rechtsfreien Räume geben. Sie sind unerträglich.

Schlimm genug, dass Herr Kluth es vermeidet die Polizeigewalt auch nur zu erwähnen, er setzt in seinem Kommentar das Eintreten für alternativen Lebensraum mit dem Mord an Ausländern gleich. Wenn 500 verletzte Demonstranten für “ Gesprächsbereitschaft und Deeskalation“ stehen, dann möchte ich nicht wissen, was Herr Kluth sich unter einer „konsequenten Verfolgung“ vorstellt? 500 tote Demonstranten. Sitzt er dann freudestrahlend auf seinem Sofa und klatscht in die Hände. Dieser KN-Kommentar grenzt an Volksverhetzung und gehört zu dem ekelhaftesten, was ich in den Kieler Nachrichten jemals gelesen habe. Vielleicht hätte sich Herr Kluth damals bei den „Kieler Neuesten Nachrichten“ in den 30er Jahren auch wohl gefühlt und hätte mit seinen Kommentaren ganz zeitgemäß den Punkt getroffen.

Um kein Mißverständnis aufkommen zu lassen: Ich bin gegen die meisten Formen von Gewalt. Eben darum sind 500 verletzte DemonstrantInnen 500 zu viel. Und es gibt darunter einige IdiotInnen, die rücksichtlos Gewalt ausagieren und denen es dabei auch ganz egal ist, was ihre Gewalt zur Folge hat oder wen sie trifft. Ob darunter auch Polizeiprovokateure (wie bewiesener maßen damals in Heiligendamm) zu finden sind ist dabei sekundär – manch ein Demonstrant verhält sich aus eigener „Überlegung“ genau so und trägt damit zur Eskalation und teilweise auch zu schweren Verletzungen vollkommen Unbeteiligter bei. Letztlich aber ist die Gewalt der Gesamtsituation geschuldet: Einer Stadt, die ohne Not ein genutztes Gebäude verscheuerte, eine gewaltbereite Hamburger Polizei  die schwer bewaffnet eine Demonstration für ein bedrohtes Autonomes Zentrum begleiten soll und zehntausende DemonstrantInnen, die den Verkauf und die Räumung um fast jeden Preis verhindern wollen. Eine explosive Mischung also. Das es bei der geringsten Provokation zu einer Eskalation kommen könnte war allen vorher klar. Die Hamburger SPD hat die Situation von Anfang an genau so geschaffen und ist somit hauptverantwortlich dafür, was gestern passierte. Denn an dem Tag selbst haben vermutlich alle nur noch entlang der vorgegebenen Muster reagiert. Einen klaren Kopf konnte dabei wohl keiner mehr behalten.

Was draus zu lernen ist? Das bestimmte gesellschaftliche Konflikte zwar auf der Straße ausgetragen aber nicht gelöst werden können. Die Situation der Roten Flora hat sich am Samstag jedenfalls nicht grundsätzlich geändert, außer das viele Medien neue Bilder bekommen haben und mancher Journalist seine faschistischen Phantasien entdeckt hat.

Written by tlow

23. Dezember 2013 at 09:59

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