KielKontrovers

Gesellschaftliches aus Kiel & Schleswig-Holstein seit 2009

Posts Tagged ‘kielsailingcity

Kiels Maritime Provinzialität

with one comment

… wird gerade dann deutlich, wenn man sich bemüht sich als Großstadt zu geben. Insbesondere bei dem ganzen Marketingquatsch. Die Krönung der Provinzialität dieses Jahr scheint mir dieser Text zu sein:

Neue maritime Weihnachts- und Winterbeleuchtung erstrahlt die Innenstadt

Kiel steht für entspanntes Großstadtfeeling mit maritimer Lebensqualität. Um das maritime Lebensgefühl von KIEL.SAILING CITY auch in der dunklen Jahreszeit erlebbar zu machen, wurde im Auftrag von Kiel-Marketing ein exklusives Lichtkonzept entwickelt, das die Innenstadt in einem maritim-winterlichen Glanz erstrahlen lässt.
Ich hab dann mal „maritim“ unterstrichen, weil mans ja sonst nicht merkt. Ich weiß nicht, was ein „enstpanntes Großstadtfeeling“ ist oder ein „maritimes Lebensgefühl“ und noch viel weniger kann ich nachvollziehen, was eine „maritime Weihnachts- und Winterbleuchtung“ ist. Die Zweifel an dem „Kiel Sailing City“ (muss man eigentlich groß schreiben!)-Marketing warne schon berechtigt. Denn was sagt uns „maritim“ überhaupt? Großstädte sind vor allem eines: vielfältig. Die Reduzierung Kiels auf seine Maritimität signalisiert aber vor allem eines: Kiel ist nichts anderes als ein groß gewordenes Fischerdorf, dessen ganzer Stolz der Zugang zum Meer ist. Und wenn man das dann in einem Absatz mit Überschrift vier mal erwähnt, damit auch der letzte Kieler merkt, dass er am Meer wohnt, ist es einfach nur noch peinlich.

Written by tlow

7. Dezember 2013 at 06:35

Veröffentlicht in Freizeit, Humor

Tagged with , ,

Imagefilm Kiel #kielfailingcity

leave a comment »

Es gibt einige Schubladen, in die man Dinge, Begriffe oder auch Städte stecken kann. Eines der Probleme von Kiel ist, dass man es gerne auf das Segeln reduziert. Und die Kieler Korruptionswochen.

Aus der Not eine Tugend machen. Das war wohl der Kerngedanke der Image-Kampagne der Stadt Kiel. Man könnte auch ein weiteres mal betonen, dass Kiel „maritime“ Qualitäten hat. Dafür gibts jetzt sogar auch ein eigenes Viertel.

Diese Kampagne ist ungefähr so intelligent, als wenn sich Paris Eifelturm-City oder Lübeck Marzipan-Town nennen würde. Man muss nichts, worauf man eh schon reduziert wird weiter betonen. Außer man hat das mit dem Marketing und dem USP (Universal Selling Proposition, Alleinstellungsmerkmal) total verinnerlicht, aber auch nicht wirklich begriffen.

Es gibt da immerhin in der Politik hier und da inzwischen Widerstände gegen diese platte Vermarktung. Die Position der FDP ist aber dagegen klar.

Hier nun also der Imagefilm zur Kamapagne auf Vimeo: http://vimeo.com/56909260 . Die tolle Kamapgne hats leider nicht hinbekommen ihren eigenen Imagefilm in ihren eigenen Youtube-Kanal hochzuladen. Daher hier nix zum einbetten und abspielen. Auch das spricht Bände. Kurz zum Imagefilm-Inhalt. Außer Wassersport gibt es in Kiel offenbar nur noch Radfahren,Fisch und Kieler Woche. Also kein Grund nach Kiel zu kommen. Davon abgesehen werden Touristen lange suchen müssen nach eine Fisch-Restaurant. Sowas gibts hier nämlich fast gar nicht, außer Fischers Fritz (Hotel Birke). Hier gibts mehr Sushi-Bars.

Sowas wie Gaarden fehlt natürlich vollkommen, obwohl es hier noch ein wenig Urbanität gibt:

Elisabethstraße in Kiel Gaarden

Elisabethstraße in Kiel Gaarden (Photo credit: Witz und Verstand)

Das Problem ist auch nicht so sehr eine bessere Vermarktung, sondern die Vermarktung als Gedanke selbst. Es bedeutet immer Reduzierung – die Stadt wird zum Produkt, die Bürger*innen zur Staffage – und alles was stört und nicht zum Marketing passt wird ignoriert, ausgeblendet, abgerissen, vernichtet. Wie z.B. alte Eichen, die im Weg stehen.

So werden dann Ecken und Nischen zerstört, die nicht monetarisierbar scheinen. Die einfach nur sind und oftmals von Bürger*innen und sogar Besucher*innen einfach nur genutzt werden, ohne das Geldscheine die Besitzer*in wechselt.

Tja, wenn man im Prüner Schlag hätte segeln können, wäre es sicher vor Bebauung gewesen. Leider passt das mit dem Wasser und dem Bauen immer so schlecht zusammen. Jedenfalls scheint die ganze Kampagne ebenfalls auf Sand gebaut und eher dazu geeignet Kiel unattraktiver für das Wohnen und Leben zu machen. Ohne die Kampagne würde ja niemandem das Segeln verboten. Was solls also?

Kiel FAILING CIty

%d Bloggern gefällt das: