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Warum passieren #Unfälle und sind sie vermeidbar? #AutoKorrektur

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In letzter Zeit begegne ich auf Twitter immer wieder der Überzeugung, das es bei Unfällen wichtig sei einen Täter oder Täterin zu benennen. Das ist eine eher philosophische Frage, zu der der Platz auf Twitter nicht so recht ausreicht, um es zu würdigen.

Soweit ich die Position verstehe, geht des da oft um Kritik an Polizeimeldungen oder Presseartikeln, die zum Beispiel schreiben, dass ein LKW beim Abbiegen eine Radfahrer:in übersehen hat. Das wird als unpersönlich kritisiert. Es solle darum gehen klar zu sagen, dass ein Mensch, ein LKW-Fahrer zB schuld hat. Im Gegenzug wird kritisiert, dass bei Fußgänger:innen und Radfahrer:innen oft deren persönliche Schuld benannt wird und nicht etwa „das Fahrrad“ oder „der Schuh“ …

Was die Ungleichbehandlung angeht kann ich das vom Prinzip her nachvollziehen. Allerdings führt es auf einen aus meiner Sicht vollkommen falschen Pfad, nämlich zu diesen Annahmen:

  1. Ursächlich war ein persönliches Versagen eines Fahrers
  2. Hätte der Fahrer anders gehandelt, wäre der Unfall nicht passiert
  3. Wäre jemand anderes gefahren, wäre der Unfall nicht passiert
  4. Wenn wir alle keine Fehler machen würden, gäbe es KEINE Unfälle mehr
  5. Es sei realistisch, dass alle Unfälle abgeschafft werden, einfach dadurch, dass nur noch Menschen fahren, die keine Fehler machen.
  6. Der LKW oder das Auto sind nicht entscheidend für den Unfall, die Verletzung oder den Tod
  7. Der Fahrer hätte auch als Fußgänger jemanden getötet?

An dieser Kette ist so vieles falsch! Es ist ein wenig vergleichbar mit dem Waffenbesitz – in den USA wird auch argumentiert: „Nicht Waffen töten, sondern Menschen töten!“ Und daraus folgt dann die NRA-Maxime, dass nur der Good Guy with a Gun einen Mord eines Bad Guy verhindern kann. Solche Einstellungen führen zu allen möglichen Fehlschlüssen.

Unter anderem nutzen auch Tempolimit-Gegner:innen diese Logik, in dem sie sagen: Nicht das Tempo ist das Problem, sondern die Fahrer:innen, die es nicht im Griff haben!

Aber so tickt unsere Welt nicht. Da wo es Lebenwesen gibt, passieren „Unfälle“ – also sogar bei Tieren. Der Dinosaurier rannte eine Ebene längs und stürzt in einen Abgrund – und starb. Jetzt können wir sagen: Der Dinosaurier ist selber schuld! Ein intelligenterer Dino hätte den Abgrund sehen können! Evolution ist eine Abfolge von Erfolgen und Fehlschlägen!

Der Faktor Mensch ist aber derjenige, den wir fast gar nicht beeinflussen können. ja wir können strengere Führerscheinprüfungen machen, wir könnten Autos bauen, die nur starten, wenn man vorher eine Promilleprüfung machen würde, aber bei all den Maßnahmen werden wir höchstens die Häufigkeit an Fehlern reduzieren können, sie aber nicht verhindern. Und selbst wenn wir das zu Ende denken: Wo liegt denn der Fehler? Im Fahrer selbst? Im Führerscheinprüfer? Im Fahrschullehrer? Im Polizist, der das Auto nicht herausgewunken hat? Beim Chef, der den Fahrer nervös gemacht hat? Der audringliche Fahrer hinter ihm? Da Unfälle nur ein Punkt in einer Abfolge von Geschehnissen sind, lässt sich auch aufgrund des Faktors Zufall nie vorher sagen, wann ein Unfall passieren, oder welche Folgen er haben wird. Wenn es um die konkrete Frage geht: Wie hätte man den Unfall verhindern können, kann man der Einfachheit halber natürlich alles am Fahrer fest machen.

Aber das ist so, als wenn man einer Radfahrer:in die Schwere ihrer Verletzungen nach dem Unfall alleine dem Fehlen eines Helmes und damit ihr selbst zuschreibt! War es nicht das Fehlen eines adäquaten Radweges? War es nicht Tempo 50 auf der Strecke? War es nicht die verfehlte Verkehrspolitik?

Wenn wir politisch denken und argumentieren, macht es nur Sinn das zu kritisieren, was auch änderbar ist. Wenn ich bei einem Unfall einen Fahrer kritisiere, dann hätte ich nur dann den Unfall verhindern können, wenn ich in der Lage bin den Fahrer vorher ausfindig zu machen, der einen Unfall begehen wird. Was die Fähigkeit voraussetzt Unfälle vorher sehen zu können. Nur dann macht es Sinn den Fahrer zu kritisieren. Das wohlgemerkt primär für den Fall, das der Fahrer nicht bewusst Regeln übertreten hat, wie zB Tempo 80 fahren in der Stadt oder nicht auf die Vorfahrt zu achten.

Aber die Fehlerhaftigkeit des Faktors Fahrer suggeriert eben die Möglichkeit einer Welt ohne Unfälle einfach dadurch, dass wir auf den Straßen nur noch perfekte Fahrer hätten. Und es suggeriert, dass weder die Verkehrspolitik, noch die Infrastruktur, noch fehlende Tempolimits einen großen Einfluß auf das Unfallgeschehen hätten. Und auch irgend wie, dass wir daran gar nicht so viel ändern können.

Ich sehe es aber genau anders herum: Kritik und Maßnahmen sind vor allem dort angebracht, wo es um vermeidbare Faktoren geht. Das heißt: Mehr Tempolimits, sicherere Straßen für Fußgänger:innen und Radfahrer:innen, eine grundsätzlich andere Verkehrspolitik, das Zurückdrängen von Autos würde massiv Leben retten und unsere Gesundheit schützen!

Ja, formal sind solche Pressemeldungen nicht gerecht und geben ein verzerrtes Bild wieder. Aber wenn wir in unserer Kritik von den Faktoren ablenken, die Auslöser waren und wir zudem beeinflussen können und stattdessen zufrieden damit sind immer nur EINEN Schuldigen zu finden, dann suchen wir damit doch nur ein Bauernopfer: Es ist nicht der 400 PS SUV, der Menschen verletzt hat, Schuld hat der Autofahrer in dem Moment – wäre doch nur jemand anderes gefahren. wäre nichts passiert. Und damit sagen wir quasi: Es ist NICHTS passiert, es gibts nichts zu sehen, fahren sie weiter. Wir sagen damit auch: DAS AUTO IST NICHT DAS PROBLEM! Wir wollen doch nur, das ALLE AUTOFAHRER keinen einzigen FEHLER mehr machen und schon haben wir unser Ziel erreicht.

Es gibt ähnlich strukturierte Problemstellungen, wo ein ähnliches Denken zu ähnlichen Resultaten führt:

  • „Schleichwege“ durch Rasen. Kritik ist: Die Leute sollen ordentliche Wege nehmen und nicht abkürzen, der Fußgänger macht den Fehler! Oder wir sagen: Die Stadtplaner:in oder die Architekt:in hat einen Fehler gemacht, weil sie den Fußgänger:innen zu lange Wege zumutet – es sollte korrigiert werden!
  • Oder in einer Rehaklinik habe ich damals als Zivildienstleistender folgendes Phänomen erlebt: Die Patient:innen haben für ihre Anwendungen Termine ausgedruckt bekommen und darunter stand irgend wo: „Bitte erscheinen sie 10 Minuten vor dem Termin!“ Das tat natürlich fast niemand und daher herrschte immer Stress bei den physikalischen Therapien! Ich machte dann den Vorschlag einfach als Uhrzeit die anzugeben, wann die Leute da sein sollten. Das wurde mit der Begründung abgelehnt: „Aber wenn alle rechtszeitig kommen würden, hätten wir das Problem nicht!“

Ja klar, Captain Obvious, so wäre das. In einer perfekten Welt wäre alles perfekt. Aber ich komme auch nicht mit einem Fingerschnippen in den Urlaub. Krasses Beispiel aber: Es gibt Bedingungen der Realität und dazu gehören nicht nur Regeln und Gesetze, sondern auch Fehlverhalten und Dummheiten. Davon auszugehen das alle Menschen Straßen exakt so benutzen, wie sie gedacht sind ist dumm.

An der Kreuzung an der ich wohne hat die Stadt Kiel neulich Pflasterzwischenräume verfüllt. Allerdings immer nur dort, wo es eine Verbindung gibt zwischen zwei gegenüberliegenden Seiten. Damit trifft man die Annahme, das wirklich niemand diagonal eine Kreuzung überquert oder zumindest vom vorgesehenen Pfad abweicht. Dabei ist gerade der Vorteil des Zufußgehens, das man in jeder Sekunde seine Richtung ändern kann, keine Parkplatzsuche und kein Fahrradabstellen!

Die Stadt denkt aber ganz nach dem Schema der Straßenverkehrsordnung: Wie hat man eine Kreuzung oder Straße zu überqueren? Hier könnte man auch sagen: Ein kleines Kind, das unachtsam an einer unübersichtlichen Stelle die Straße überquert ist Schuld, denn es hat einen Fehler gemacht. Ja, verdammt, Kinder mache Fehler. Kind und Fehler sind Synonyme! 🙂 Ich möchte Straßen, an denen wir alle Fehler machen können, ohne das immer sofort einer stirbt, insbesondere keine kleinen Kinder! Und daher trete ich ein für geringere Geschwindigkeiten und drastisch weniger Autos und viel bessere Radwege und weniger Konfliktpotential zwischen den Modi. Ich denke das beste Ziel ist die kindergerechte Straße, die ist dann auch immer barrierefrei, altengerecht und vieles mehr! Unfälle wir es dann, leider leider, immer noch geben. Aber hoffentlich sehr sehr viel weniger als heute!

Written by Thilo

3. August 2020 at 18:58

Kommunalwahl Kiel 2013: Wahlkampf, muss das sein? #kwkiel #kmw13

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Im Endspurt des Wahlkampfs noch mal eine theoretische Überlegungen zu „Wahlkampf“ anhand pratkischer Beispiele. Der letzte Tropfen zu diesem Artikel kam durch diesen Tweet:

Mit diesem Bild und drunterstehenden Kommentar:

Foto KIDS SPD

Benjamin Raschke
Gestern, heut und morgen sind wir mit einem SPD-Stand am KIDS-Festival beteiligt … mit einem Glücksrad, Schminken, Häuserbauen und einer Hüpfburg. Und die anderen Stände lohnen sich natürlich auch

Keine fünf Minuten vorher laß ich diesen Tweet:

Kinder und Wahlkampf

Aus den USA ein Beispiel wie toll Kinder Wahlkampf finden:

Es ist ja ein bekanntes Bild – Politiker, die sich mit Kindern fotografieren lassen. Und Kinder lieben Windmühlen und Fähnchen. Ist das eigentlich fair und moralisch? Ist es besser als Werbung von Süßigkeiten, die auf kindliche Wahrnehmung abzielt? Es ist so normal, aber irgendwie doch auch schräg, oder?

Wir alle wissen, dass es hierbei nicht um eine Argumentation mit Fakten geht. Hier werden Eltern über die Kinder angesprochen und zum anderen die Kinder vor ihrer Entscheidungsfähigkeit und weit bevor sie wählen dürfen durch bunte Farben und Spielsachen.

Plakate, Plakate, Plakate

Die andere Sache sind Wahlplakate. Eine verdammt teure Angelegenheit. Überall grinsen sie uns von Masten und Mittelinseln entgegen. man weiß schon gar nicht mehr wo man hinschauen soll. Sogar in meinem eigenen Haus wurde ich davon sogar belästigt. Da wird wahnsinnig viel Geld verschwendet für Inhalte wie „Butter bei die Fische“ oder „Entschlossen. Vernünftig. Klar.“ oder „Gemeinsam,. Sozial. Handeln“ oder „Mobil sein“.

 

uvm…

 

 

 

Written by Thilo

19. Mai 2013 at 18:22

Kiel: Kreiselternvertretung bemängelt Kieler Kita-Politik

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In einer Pressemitteilung der Kreiselternvertretung der KiTas Kiel vom 12.05.11 schreiben diese:

Torsten Albig, SPD-Spitzenkandidat und amtierender Oberbürgermeister der Landeshauptstadt Kiel läutet den Wahlkampf ein. Bürgerbeteiligung wird großgeschrieben, es soll „ein Sommer der Demokratie“ werden. Was darunter zu verstehen ist, können vor allem Eltern von Kita- und Grundschulkindern zurzeit in Kiel erleben. Den Rest des Beitrags lesen »

Planungswerkstatt zum Spiel- und Bolzplatz Streitkamp

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Planungswerkstatt zum Spiel- und Bolzplatz Streitkamp.

Der Kinderspiel- und Bolzplatz am Streitkamp in Hassee soll schöner werden. Beim ersten Treffen mit Kindern und Jugendlichen auf dem Platz wurden Ideen und Wünsche gesammelt und aufgeschrieben. Jetzt lädt das städtische Kinder- und Jugendbüro ein zur zweiten Phase der Beteiligung: In der Planungswerkstatt mit Modellbau am Freitag, 8. April, von 16 bis 18.30 Uhr im Jugendtreff Hassee, Altenrade 2, nimmt der „neue“ Platz schon Gestalt an. Daran können Kinder und Jugendliche aus Hassee wieder tatkräftig mitwirken.

15.6. BILDUNGSKRISE – Rückschau und Perspektiven der Kämpfe an Schulen, Unis und Kitas

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Das Kieler Krisentreffen lädt ein:
Dienstag, 15. Juni 2010
Gruppenraum 2, Pumpe (Haßstraße 22)
Beginn: 19 Uhr

In den vergangenen Jahren hat es einige Kämpfe gegen die Zustände in Bildungseinrichtungen gegeben. Da wären die SchülerInnen, die ihren Unmut mit Streiks und Demonstrationen gegen zunehmenden Lernstress und eine verkürzte Gymnasialzeit kund taten. An der Universität haben Studierende nach einer Demonstration die Alte Mensa besetzt. Hunderte tauschten sich darüber aus, wie sie langfristig Widerstand gegen die Bildungspolitik organisieren können. Aber auch in den Kindertagesstätten rumorte es. ErzieherInnen und Sozialpädagogische AssistentInnen bestreikten 2009 tagelang die meisten Einrichtungen in Kiel und forderten bessere Arbeitsbedingungen. Gegen ein von der Stadt Kiel
gerichtlich verfügtes Streikverbot gingen sie lautstark auf die Straße.
Wir wollen an dem Abend eine gemeinsame Diskussion über diese Bewegungen führen. Was lief gut, was waren die Probleme? Dabei interessiert uns neben einer kritischen Rückschau auch, ob und wie man sich zusammentun kann um gemeinsam mehr zu erreichen.
Dazu laden wir alle Interessierten ein.

Streik!

Uniärzte Heidelberg streiken - Schriftzug 'Streik' aus Menschen

Written by Thilo

8. Juni 2010 at 12:42

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