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Posts Tagged ‘Kleiner Kiel Kanal

Zu Früh gefreut! #holstenbrücke #kleinerkielkanal

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Neulich noch war der Zaun plötzlich weg auf der Holstenbrücke. Da habe ich noch gedacht: Endlich kehrt die Vernunft ein. Vor vielen Jahren schlug ich eine ähnliche Maßnahme dem damaligen Stadtbaurat Flagge am Hauptbahnhof. Dieser lehnte in einem ausführlichen Brief ab. Allerdings wurde mein Vorschlag dann (ob nun wissentlich oder unwissentlich) umgesetzt. Leider gibts an der Holstenbrücke jetzt doch wieder einen Zaun. Statt bei geringem Verkehr den Bus doch noch erreichen zu können, heisst es dehalb wieder eventuell 1-2 Stunden länger auf den Anschluss warten. Die Holstenbrücke ist ja neben dem Hauptbahnhof, der Hummelwiese und dem Betriebshof Werftstraße eine zentrale Umsteige-Haltestelle. Da muss dann erst ein teures Projekt wie der Kleine Kiel Kanal her, bevor man da also einsichtig wird?

2015-03-22 10.14.44

Written by tlow

22. März 2015 at 15:56

#KleinerKielKanal Really?

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Offenbar meint man es nun ernst mit dem „Kleinen Kiel Kanal“, der ja eigentlich kein Kanal ist. Da fängt es also schon mit der Wortwahl an. Und da es da kämpferischen Einsatz gibt schlage ich auch die Benennung als „Ulf Kämpfer Kanal“ vor. Damit wäre der denkmalförmige Charakter auch ganz deutlich.

Wer einmal an Bürgerbeteiligungen teilgenommen weiß, was das Problem ist: Zwar dürfen Bürger*innen Ideen äußern, aber was daraus gemacht wird, ist nicht mehr in ihrer Hand. Das ist ähnlich wie bei manchen Gesetzen. So manche gute Idee wird dann durch Lobbies ins Gegenteil verkehrt.

Grundsätzlich verdient die Holstenbrücke eine Aufwertung oder Umbau. Für den Durchgangsverkehr ist sie nicht wirklich geeignet. Sie ist zentrales Bindeglied zwischen zwei Seiten der Innenstadt, aber sie wird auch durch den Verkehr durchschnitten. Dennoch kann ich keine Dringlichkeit erkennen, das Ganze JETZT zu planen und umzusetzen. Viel hängt z.B. davon ab, ob denn nun eine Stadtregionalbahn gebaut wird oder nicht. Man kann die Holstenbrücke nicht preiswert umbauen und für beide Optionen offen halten, es sei denn man plant später einen weiteren teuren Umbau. Die Holstenbrücke war schon bei dem letzten Umbau (80er Jahre?) nichts ehr gelungen, insbesondere deswegen, weil der Fahrradverkehr total ignoriert wurde, obgleich ansonsten in Kiel durchaus teilweise fahrradgerecht umgebaut wurde.

Ich finde aber die Argumente pro Umbau der Holstenbrücke nicht wirklich überzeugend. Meines Erachtens wäre es wichtiger einerseits dringende Entscheidungen zur Verkehrsinfrastruktur zu klären und nicht weiter aufzuschieben und dann auch eine Trendumkehr bei dem Zubauen der Förde zu erreichen. In den vergangenen Jahrzehnten wurde diese immer weiter zugebaut. Viele Kieler kennen die Enttäuschung ihrer Gäste, wenn sie sie am Bahnhof abholen und ihnen erklären müssen, warum Kiel zwar irgendwie am Meer liegt, es aber in der weiteren Innenstadt fast überhaupt keinen Zugang gibt. Dabei ist die Hörn zwar ansatzweise ein richtiger Ansatz. Allerdings auch leider schon verbaut und auch in Zukunft eher geprägt von hässlichen Hochhäusern, statt von einer Parklandschaft. Kiel müsste Entscheidungen treffen wie das Zurückdrängen von Kreuzfahrtschiffen, um wieder interessanten Platz zu haben. Daran führt kein vernünftiger Weg vorbei. Ein künstliches Gewässer mitten in der Stadt ist doch nichts weiter als eine historisierende Spielerei, die nichts mit der Vergangenheit zutun hat. Genau so wirkt ja auch der Bootshafen meist nur kalt. Das Stadtteilmarketing bemüht sich ja stark dem Ort Leben einzuhauchen, aber so richtig wird das nichts. Und das liegt wohl primär daran, dass die Städtebauer in Kiel gar kein Gefühl für Raum oder Stadtentwicklung haben. Sie glauben ernsthaft, man könne Stadt wie aus Legosteinen zusammenbauen und es funktioniert hinterher. Dabei wird dann gerne mal das wenige was funktioniert oder Qualität bietet weggeräumt, weil es die großen Pläne stört. Unter Kieler*innen ist es Allgemeingut, dass viel Zerstörung nicht nur im Zweiten Weltkrieg passierte, sondern auch besonders viel danach. Es gab hin und wieder Stadtbauräte mit einem gewissen Gespür, aber im Wesentlichen ist Kiel die letzten Jahre immer nur hässlicher geworden und viele Bauprojeke wie die Dreifeldzugklappbrücke eher zur Lachnummer (oft außer Betrieb und zur Kieler Woche teilgesperrt). Das CAP, der Bahnhofsvorplatz, das Atlantic-Hotel, der Schmid-Bau, die Hörn-Bebauung, das neue Zentralbad. Alles Architektur die nicht funktioniert und wo man am liebsten weglaufen und nicht Verweilen möchte. Insbesondere was Plätze angeht, hat man es in Kiel einfach nicht drauf. Da seien auch noch genannt: Der Asmus-Bremer-Platz, der Europaplatz und der „Alte Markt“. Plätze sind natürlich auch nicht einfach, ähnlich wie Treppen. Einen funktionierenden Platz hinzubekommen ist sehr schwer. Funktionieren meine ich, dass er genutzt wird, dass Menschen sich dort gerne aufhalten und das er nicht einseitig missbraucht wird. Ich würde mal behaupten, gute Plätze können auch nur Menschen gestalten, die selbst ein Gespür für Raum und Menschen haben. Wer da rein wirtschaftlich denkt, wird zu falschen Erkenntnissen kommen und das Ergebnis enttäuschen.

Written by tlow

31. Oktober 2014 at 10:55

#SRBKiel: CDU Plön beibt Antworten schuldig

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Wie schon oft, blieb auch die CDU Plön auf konkrete Nachfrage von KielKontrovers Antworten zur Stadtregionalbahn Kiel schuldig.

Am 4. Oktober fragte ich in einer öffentlichen Email nach. Jedoch erhielt ich überhaupt keine Antwort. Ich finde es immer wieder faszinierend, welches Verständnis viele Politiker von politischer Diskussion haben. Sie meinen einige Pressemitteilungen oder spitzen Bemerkungen vor der offizielle Presse würden ausreichen. Leider gibt sich auch diese offizielle Presse zu schnell zufrieden und hakt nicht nach.

Wenn man politisch und öffentlich gegen oder für etwas eintritt, dann kann auf interessierte Nachfrage nicht Schweigen die Antwort sein. Es gibt nur eine mögliche Interpretation: Man hat keine Antworten. Ähnlich wie die mittlerweile aufgelöste Kieler Piratenfraktion scheint man bei der CDU Plön Politik nicht auf Fakten zu basieren, sondern auf Bauchgefühl. Und da wird dann die ehemalige politische Gegnerin Gaschke auch mal zur Freundin, weil sie ebenso ohne jeglichen Sachbezug und Argumente gegen die Stadtregionalbahn war (aber in der Amtszeit stets das Gegenteil behauptete). Eine politische Diskussion ist immer hilfreich, erfordert aber ein Mindestmaß an Offenheit und Ehrlichkeit.

Zur Zeit gibt es zur Stadtregionalbahn offenbar nur entweder Gegenrezepte aus der Mottenkiste oder eben nur ein Sammelsurium an Ideen, von denen einige vielleicht auch umsetzbar wären. Was fehlt ist aber ein Gesamtkonzept, das zumindest ein mal grob durchgerechnet wäre. Meines Erachtens kommt man aber nicht weiter in dem man von vorne herein eine Lösung ausschließt und dann nach Alternativen sucht. Wichtig wäre die verkehrlichen Herausforderungen zu analysieren und dann nach der besten Lösung zu suchen. Dabei wäre die beste Lösung selbstverständlich auch erschwinglich für die Kommunen. Zum Nulltarif wird keine Lösung zu haben sein. Eine Wahrheit, die die radikalen SRB-Gegner gerne unterschlagen. Und eben bisher nicht bereit oder in der Lage sind darzulegen, wie genau denn eine Zukunft ohne Schiene in Kiel aussehen soll. Der letzte Anlauf zu einer Alternative endete dann seitens FDP und Piraten denn auch darin, plötzlich für eine „SRB Light“ zu sein. Vielleicht ein Zugeständnis, dass auch diese beiden Fraktionen plötzlich meinten, nicht mehr an der Schiene als zentrale Lösung vorbei zu kommen?

Die Stadt Kiel und auch der neu gewählte Oberbürgermeister lassen bisher jedenfalls seit Jahren an der nötigen Entschlossenheit fehlen, für Kiel eine zukunftssichere Verkehrslösung zu schaffen. Währenddessen gerät im Öffentlichen Verkehr zunehmend an Grenzen. Der ÖPNV ist langsam, umständlich und unbequem. Und das würde sich auch durch mehr und schnellere Busse nicht lösen lassen. Stattdessen will Kämpfer das Projekt „Kleiner Kiel Kanal“ vorantreiben. Als eine Detaillösung mit fraglicher Sinnhaftigkeit und im Grunde für Kiel teurer als die Stadtregionalbahn. Es wird die Stadt vielleicht rd. 20 Millionen Euro kosten (die Kostenschätzungen kann man zwar als Grundlage nehmen, aber immer gut mal verdoppeln). Die Stadtregionalbahn rund 60 Millionen Euro. Bei 1/3 der Kosten ist dies aber rein stadtgestalterische Maßnahme, deren Sinn und Zweck zweifelhaft ist und die auch keine direkte Einnahme generiert. Zudem wären die Investitionen bereits die Finanzierung von 1/3 der Stadtregionalbahn.

Kein radikaler Umbau wird etwas an den Grundprobleme der Kieler Altstadt lösen. Das die Holstenbrücke verhunzt ist, ist schon richtig. Und das sie umgebaut werden müsste auch. Denn bislang stellt sie ein Nadelöhr für den Radverkehr dar.. Fraglich ist allerdings, ob nicht mit viel weniger Aufwand der gleiche Effekt zu erzielen wäre. Weniger Parkhäuser und Betonklötze in der Innenstadt und der Erhalt von Altbauten und Grünbestand wäre ein besseres Rezept. Mit dem Kleinen Kiel, der Förde, dem Bootshafen hat Kiel bereits mehrere öffentliche Wasserflächen in unmittelbarer Nähe der Altstadt. Die müssen lediglich gepflegt oder erschlossen werden. Eine neue Fläche zu schaffen erscheint mir da eher als Schildbürgerstreich. Ebenso wie damals die barrierefreie Querung durch den Park zum Brook für 330.000 €, obwohl es eine 100 Meter weiter bereits gab.  Kiel scheint viel Geld zu haben, um Bestehendes abzureissen und es durch irgendetwas Neues mit viel Geld zu ersetzen.

Daher rührt meines Erachtens auch ein Kernproblem von Kiel: Das es zunehmend an Charakter verliert. Wie z.B. durch Bauten wie den Betonklotz CAP am Hafen/Hauptbahnhof oder der hässliche Klotz gegenüber den Veranstaltungszentrum der Pumpe. Offenbar wird von vielen Planern alles, was kalte Betonfläche ist als schön betrachtet und alles was grün ist, oder alt oder etwas kaputt als hässlich. Mir geht es leider umgekehrt.

Written by tlow

26. Oktober 2014 at 10:31

#ZOBKIEL tritt auf der Stelle

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ZOB Kiel

ZOB Kiel

Bei der Planung des ZOB (Zentraler Omnibus Bahnhof) in Kiel geht schief, was nur schiefgehen kann. Stadtplanerisch absurd erschien bereits, dass das Hotel ATLANTIC direkt neben dem Bahnhof gebaut werden konnte, während damals noch gar keine fertigen Pläne für einen neuen ZOB existierten. Das ganze Chaos ist wohl in erster Linie Bürgermeister und Stadtbaurat Todeskino anzulasten. An so zentraler Stelle hätte man bereits seit Jahrzehnten irgendein Verkehrskonzept gebraucht. Bereits der Umbau des Hauptbahnhofs dauerte viele Jahre, daneben entstand das CAP als hässlicher, grauer Betonkasten 1995. Für Reisebusse hat man nun oberhalb vom CAP eine Lösung gefunden. Die Wege für Reisende vom Bahnhof zu Reisebusse, zum ZOB oder auch zu den Fähren sind recht lang und es gibt dafür bislang auch keine komfortablen Lösungen. Aber ohne ein Verkehrs- und Wegekonzept bleibt die Entwicklung auch dem Zufall oder der Initiative von Investoren überlassen. Ergebnis ist, dass in den letzten Jahrzehnten Kiels Zentrum immer hässlicher wurde, angefangen von der Zumutung eines Sophienhofs und der Abriss der wunderbaren Altbauten zuvor und ein immer weiteres Zubauen des Wassers. Zwar wurde in Beteiligungsverfahren und auch von der Stadt Kiel selbst das Ziel das Wasser wieder zugänglicher zu machen immer wieder formuliert. Doch die Politik selbst geht in die entgegengesetzte Richtung.

Das Element Wasser wieder Kiel näher zu bringen findet dann eher in aufwendigen Ideen Ausdruck wie versenkbare Zäune (Drucksache 987/2013) oder der Kleine Kiel Kanal. Vielleicht kann auch die Seilbahn über die Förde als Projekt betrachtet werden, das Wasser wieder erfahrbarer zu machen.

Will man eine sinnvolle Stadtenwicklung, braucht man aber intelligente Konzepte. Wenn man sich aber wie in Kiel seit Jahrzehnten üblich oft von Investoren dazu verleiten lässt, zentraler Stellen zuzubauen, dann wird es zunehmend schwierig, Orte miteinander zu vernetzen. Für schnelle Umstiege, auch ggf. ohne bei Regen nass zu werden sind kurze und intelligente Wege sehr wichtig. Dies kann auch einen besonderen Vorteil gegenüber dem Autoverkehr sein. Auch was Fahrräder angeht, so ist die Situation zum Parken für Fahrräder nicht vorteilhaft. Es gibt zwar den Umsteiger, der auch zu begrüßen ist. Aber dort ist nur ein gebührenpflichtiges Parken möglich. Das Fahrrad nur kurz am Bahnhof abzuschließen ist kaum möglich (außer in der Nähe vom „Blauen Engel“ auf der anderen Straßenseite). Oder habe ich da was übersehen?

Es ist für Kiel peinlich, dass es seit den 70er Jahren mit dem ZOB immer nur ein Provisorium gab. Stattdessen stürzt man sich bei Neubauprojekten wie dem Zentralbad in Unkosten. Das Muster gleicht sich: Die existierenden Infrastrukturen verkommen lassen oder nicht erneuern.  Stattdessen Investoren suchen und auf Neubauten setzen. Herauskommt nur Murks. Wie kann es sein, dass heute noch nicht die Finanzierung steht?

[Hier Pläne zum ZOB]

Fraglich auch, wie man in Zukunft mit Parkplätzen in der City umgehen will. Wenn man nicht will, das mehr Menschen in der Stadt Autos benutzen, bringt jeder Parkhaus-Neubau auf Dauer neue Problem/Verkehr. Trägt irgend jemand die politische Verantwortung für all die Fehlplanungen und -umsetzungen der letzen Jahre und dann auch die entsprechenden Konsequenzen?

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