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Zu den Werbeplakaten für #Möbelkraft der Stadt Kiel

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Werbeplakate der Stadt Kiel, die für ein NEIN zum Bürgerentscheid werben.

Werbeplakate der Stadt Kiel, die für ein NEIN zum Bürgerentscheid werben.

Wie schon von Medien wie der SHZ oder dem NDR berichtet, war die Kommunalaufsichtsbeschwerde der Linken gegen die Plakataktion für die Möbel Kraft-Ansiedlung nicht erfolgreich: Die Stadt darf für die Ansiedlung werben.

Das war tatsächlich so zu erwarten. Denn die Ratsversammlung hat zu der Ansiedlung auch einen Beschluss verfasst. Es gibt kein Neutralitätsgebot bei einem Bürgerentscheid. Hier steht die Stadt und der Konzern auf der einen Seite und eine Gruppe von Bürger*innen auf der anderen. Beide Seiten behaupten die Mehrheit zu vertreten.

Fraglich ist in nicht so sehr die Rechtmäßigkeit gewesen, sondern eher, ob es sich eine klamme Stadt wie Kiel leisten kann, 30.000 € in die Hand zu nehmen, um für ein Anliegen „mal eben so“ zu werben. Es wird damit wieder einmal demonstriert, dass an manchen Stellen das Geld dann doch sehr locker sitzt. Aber die 150.000 zur Rettung der Lessinghalle – dazu war zu wenig Geld da. Und das liegt darin, dass die Politik sich ein wenig wie beim Pferderennen verhält: Es wird dann und dort Geld ausgegeben, wo man glaubt, dass sich Ausgaben lohnen werden. Sprich im Falle von Möbel Kraft, dass das Opfer „Prüner Schlag“ nicht nur von Möbel Kraft, sondern auch von anderen Investoren belohnt würde.

Wenn das NEIN erfolgreich sein würde, würde die Rechnung zumindest so weit aufgehen, dass die Plakate der Stadt Kiel gehiolfen haben dem Beschluss der Ratsversammlung zu entsprechen.

Bei einem JA der Bürger, also der Zustimmung der Bürger*innen zum Bürgerentscheid wird diese Plakataktion als Aktion aussehen, die gegen die Interessen der Bürger*innen durchgeführt wurde. Und auch der Beschluss für die Ansiedlung würde damit die zustimmenden Parteien in der Ratsversammlung sehr alt aussehen lassen. Man hätte ihnen damit bewiesen, dass sie entgegen der Mehrheit der Kieler*innen agieren. Weitere politische Folgen wären damit verbunden.

Was den Ausgang angeht, so finde ich das sehr offen. Ich habe bisher persönlich noch keinen einzigen Befürworter getroffen. Aber das kann mit meinem eigenen Umfeld zusammenhängen. Die meisten Leute, die ich treffe (und das sind nicht wenige), empfinden die Ansiedlung ebenso wie ich als Wahnsinn und etwas , wo man einfach JA zum Bürgerentscheid gegen die Ansiedlung sagen muss. Über zwei Ecken oder über das Internet/Blog habe ich durchaus von Leuten gehört, die für die Ansiedlung plädieren. meist mit den Argumenten: „Die Arbeitsplätze, es ist doch eh alles gelaufen, die Kleingärten sind jetzt eh weg,…“ Zweifelhaft wird aber sein, wie viele der Leute, die meinen es wäre eh alles gelaufen dann wirklich motiviert sind zur Wahlurne zu gehen. Denn mit Sicherheit sind die Gegner der Ansiedlung motivierter.

Ich würde jetzt aber mal davon ausgehen, dass die Entscheidung sehr knapp sein könnte. D.h. es könnte sein, dass am Ende eine einzelne Stimme entscheiden wird. Das Anliegen hat das politische Kiel gespalten und Fronten verhärtet. So dass es jetzt tatsächlich auf ein einfaches JA oder NEIN reduziert wurde. Schuld daran sind die Protagonisten des Bürgermeisters Todeskino und die Ratsmehrheit. Denn man wollte diese Ansiedlung an allen mögliche Widerständen vorbeimanövrieren. Und damit konnte es aus Sicht der Gegner nur noch um eine Vollbremsung gehen. Sollte also diese Ansiedlung scheitern, so sind dafür die Politiker*innen selbst schuld. Es wäre auch ein wichtiges Signal für einen anderen Politikstil mit weniger Hintertürpolitik und mehr Transparenz.

Gaschke nur ein „Bauernopfer“?

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„Bauernopfer“ passt vielleicht weniger. Im Schach wäre es ja eher die „Königin“ – wobei ja in Kiel wie in vielen anderen Kommunen die Verwaltung oft mehr Macht besitzt als die gewählten Amtsträger und die Selbstverwaltung.

Heute kam (via NDR) heraus, dass wahrscheinlich der „Amtsleiter des Stabes der Oberbürgermeisterin“ (Knud Andresen?) ein wichtiges Dokument nicht an die OB weitergegeben hat, sondern selber als zur Kenntnis genommen unterzeichnete. In dem Dokument aus dem Februar 2013 findet man u.a. laut NDR näheres dazu, dass ein Steuerdeal illegal wäre. Wenn diese Information tatsächlich nicht die OB erreicht hätte, würde sie tatsächlich weniger Schuld treffen als bisher angenommen.

Die Kommunalaufsicht hat dabei auch gepatzt, denn sie hatte die Unterschrift unter dem Dokument fälschlicher weise als die von Frau Gaschke gewertet. Hier wird vielleicht auch negativ eine scheinbar gängige Haltung im Rathaus deutlich. Wie ich damals bereits kritisierte wurde am 23. Oktober in der KN ein FDP-Vertreter mit den Worten zitiert: „Wir fordern politische Verantwortung ein, wollen aber nicht, dass sich das Ermittlungsverfahren auf weitere Mitarbeiter erweitert“. Vielleicht hat man bei der Kommunalaufsicht auch ähnlich gedacht: Lieber den Spatz in der Hand als die Taube auf dem Dach. Was interessiert politisch schon der eventuelle Fehler eines Amtsleiters, wenn man sich die Oberbürgermeisterin schießen kann?
whistleblower
Das Ganze wird immer undurchsichtiger. Gar nicht diskutiert wird in den Medien wer hier so fleißig interne Dokumente kopiert und was dessen Interessen sind? Das bewusste leaken von Informationen über den Steuerdeal fand von Anfang an statt und war auch eine der ersten Dinge, über die sich Frau Gaschke damals aufregte. Interessant wäre z.B. zu wissen, ob die gleiche Person, die den Steuerfall Uthoff bekannt machte nun auch die Details der Kommunalaufsicht herausgibt?

Wer benutzt hier wen und wer profitiert am Ende? Momentan gibt es mehr offene Fragen als Antworten. Am Ende wird nicht herauskommen, dass Frau Gaschke alles richtig gemacht hat. So weit sind wir schon. Aber interessant wäre nun doch, was eigentlich hinter den Kulissen gespielt wurde und wer hier wirklich welche Fehler gemacht hat.  Der Fall scheint uns wohl weit länger zu beschäftigen, als wir geahnt haben.

 

Gaschke

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Man muss ja nicht viel dazu sagen. Nur kurz: Ob Gaschke hat zur Kieler Woche in einer Eilentscheidung einem Kieler Steuerzahler (Uthoff) einen Deal vorgeschlagen, um sich zumindest einige Steuern zu sichern. D.h. die Stadt Kiel verzichtet auf einen Teil der Steuern. Hintergrund dazu in der SHZ.

Susanne Gaschke

Susanne Gaschke (Photo credit: SPD-Schleswig-Holstein)

Frau Gaschke und die CDU hatten jeweils die Kommunalaufsicht SH angesprochen in dem Fall zu entscheiden. Das hat diese nun getan und Frau Gaschke nahm dazu heute Stellung ohne zurückzutreten.

Meine Sicht auf die Sache:

  1. Die ersten Fehler sind sicher nicht von Frau Gaschke passiert. Das ist das berühmte „Den letzten beißen die Hunde“-Spiel: Niemand will der oder diejenige sein, die falsche Entscheidung zu treffen. Mitverantwortlich sind die OBs Volquartz und Albig, da der Steuerbescheid 2008 rechtskräftig wurde.
  2. In ihrem Statement gelang es Frau Gaschke nicht plausibel zu machen, warum sie eine Eilentscheidung treffen musste. Wieso z.b. war es nicht möglich Fragen im nichtöffentlichen Teil des Finanzausschusses zu klären? Sie hat sich dazu entscheiden schnell und alleine zu entscheiden. Niemand hat sie dazu gezwungen.  D.h. also auch, dass sie die Verantwortung dafür alleine tragen muss.
  3. In der SMS von Albig an Gaschke meinte sie rauszulesen, dass Albig Kenntnis über den Ausgang der Prüfung der Kommunalaufsicht hatte. Daraus schloß sie, dass Albig Einfluß genommen hat. Das ist aber sehr frei interpretiert. so schrieb ALbig lediglich „es sieht so aus, als ob Deine Entscheidung rechtlich angreifbar wäre. Sowohl, was Grundentscheidung als auch was Eilbedürftigkeit anbelangt. Spätestens Prüfung der KA [Kommunalaufsicht] wird das wohl leider bestätigen. (Beihilfeproblem kommt dazu)“ Ich lese daraus, dass Albig aufgrund seines Verwaltungswissens oder durch Gespräche, die er geführt hat zu einer eigenen Erkenntnis gekommen ist. Ich sehe da keine Vorwegnahme einer Entscheidung, sondern eine Spekulation.
  4. Meine freie Interpretation des Konfliktes ist eher, dass Gaschke erwartet hat, dass Albig in ihrem Sinne Einfluss nehmen würde, da er selber mit im Boot sitzt, sollten insgesamt Fehler passiert sein. Denn Albig war ja der unmittelbare Vorgänger.
  5. Es schein Gaschkes Art zu sein nur so mit Vorwürfen um sich zu werfen und dabei keine Verwandten zu kennen. Nach dem Motto: Hauptsache ich überlebe!?
  6. In ihrer Argumentation meint sie zunächst das Geheimhaltung in Steuerfragen alles sei. Danach freut sie sich, wenn alle Fakten öffentlich werden. Eins von beiden kann ja nur ihre wahre Überzeugung sein. Wer sich Sorgen um Steuergeheimnisse macht, kann einem öffentlichen Verfahren nicht applaudieren. Und wer voll und ganz auf Transparenz setzt, der macht sich sicher keine Gedanken darum, ob vielleicht noch jemand aus dem Finanzausschuss etwas zu viel mitbekommt.

Grundsätzlich stellt sich mir die Frage wozu man eine Selbstverwaltung, einen Finanzausschuss und zu dem einen nichtöffentlichen Teil hat, wenn dann doch an allem vorbei entschieden wird.

Aber das ist auch wieder die Crux mit der Bürgermeisterverfassung, die der OB an sich sehr viele Rechte gibt. Sie provoziert damit genau solche undemokratischen Entscheidungen. Ich habe das in diesem Blog schon oft kritisiert. Insofern wurde Gaschke vielleicht

auch Opfer der Machtfülle des Amtes, das oft nahelegt, dass solche einsamen Entscheidungen möglich wären. So kann der OB Beschlüsse fassen, die die Selbstverwaltung in Form des Rates bereits abgelehnt hat.

Für die SPD-Genoss*innen in Kiel ein Dilemma: Sie müssten jetzt Position beziehen, entweder gegen den eigenen Ministerpräsidenten oder die eigene Oberbürgermeisterin. Für den harmonieerprobten Verein gar keine leichte Aufgabe.

Unter dem Strich scheint Frau Gaschke etwas die notwendige Gelassenheit für das Amt zu fehlen, weswegen sie sich noch tiefer in die Sch… reiten wird. Ich würde drauf wetten, dass sie bis Jahresende zurücktreten wird. Dann dürfen wir Kieler endlich wieder mal nen OB wählen. Das können wir ja inzwischen. Der/die nächste bitte!

Written by tlow

30. September 2013 at 19:39

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