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#Wilhelmplatz Autofriedhof oder lebendiger Raum?

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Als ich diesen Vergleich las, hatte es bei mir wieder ein mal Klick gemacht:

 Ein Parkplatz zum Beispiel misst im Schnitt 12,5 Quadratmeter – das ist so groß wie ein Kinderzimmer.

Quelle: TAZ-Interview 8.3.19 „Parken ist kein Grundrecht“

Diesen Vergleich sollte eigentlich jeder im Kopf haben. Mit oder ohne Auto, wenn es in der Diskussion um das Parken geht!

Wir als Gesellschaft entscheiden darüber, welcher Nutzung wir Platz lassen. Z.B. ob die Stadt Kiel dem Zirkus Krone sogar so viel Platz einräumt, dass kein Platz mehr für einen Radweg (Kronshagener Weg) bleibt. Ist der Zirkus weg, kommen die Autos wieder.

Ungefähr 4 von 10 Kieler*innen verfügen über ein Auto. In Gaarden eher 2 von 10. Aber auf unseren Straßen geben wir eher 70% des Raumes dem Auto. Autos brauchen eben viel Platz. Und das sowohl wenn sie stehen, als auch wenn sie fahren.

Die Stadt möchte gerne Geld für das Parken auf dem Wilhelmplatz, bzw. nicht weiter hinnehmen, dass dort das Parken umsonst selbstverständlich ist. In der Debatte gibt es mehrere Fehlannahmen:

  1. „Ohne Auto kann man nicht einkaufen“: Zum einen gibt es viele Menschen, auch mit Familie, die seit Jahrzehnten entweder aus finanziellen Gründen oder aus Überzeugung auf ein eigenes Auto verzichten. Richtig eng wirds eigentlich erst bei Umzügen, Möbelkauf oder Elektrogroßgeräten. Dann aber besteht oft die Option der Lieferung und die Sachen passen oft eh gar nicht in die meisten Autos. Zum anderen bietet StattAuto oder eine Mietwagenagentur oder ein Taxi auch eine Möglichkeit. Dieses Jahr habe ich zum ersten mal jeden Tag auch massenweise Lastenräder mit und ohne Elektromotor auf der Straße gesehen. Es geht also.
  2. „Ohne Parkplätze geht der Einzelhandel zu grunde“: Zum einen hängen viele aktuelle Probleme heute eher mit dem Onlinehandel zusammen. Und zum anderen bauen viele große Discounter im Grunde lediglich Parkplätze mit einer Halle drauf. Wer geht da schon gerne einkaufen? In Einkaufsstraßen wie der Holtenauer kommen vermutlich auch die wenigsten Leute mit dem Auto. Die meisten halten dann illegal in der zweiten Reihe. Insgesamt sorgt der Durchgangs- und Parkverkehr nicht gerade für eine angenehme Atmosphäre. Und ein Wechsel der Straßenseite ist oft nur mit Ampeln zu empfehlen. Potentielle Käufer*innen werden so eher vom bequemen stöbern und Hin- und Herlaufen abgehalten. Und wer illegal parkt wird lieber schnell rausspringen, das kaufen was er auf dem Zettel hat und schnell wieder den Einkaufsbereich verlassen. Erfahrungen mit der Umwandlung von Parkstreifen oder Fahrbahnen zu Radwegen haben vielerorts gezeigt, dass der Umsatz in solchen Straßen sogar um 60% steigt. Weil Radfahrer*innen eben auch mal schnell anhalten ohne lange Parkplatzsuche. Und unterwegs mehr mitnehmen als eine Autofahrer*in. Die durchschnittliche Parkplatzsuche in Städten dauert 20 Minuten. In der Zeit hat man zu Fuß oder mit dem Rad schon bereits seinen Einkauf erledigt und befindet sich auf dem Rückweg.
  3. „Die Stadt ist verpflichtet den Autofahrer*innen Parkplätze anzubieten. Irgend wo müssen sie ja stehen“: Die Stadt hat viele Pflichten und Prioritäten. Aber jede Einzelne muss auch selber schauen, was sie sich anschafft und wo sie das abstellen kann. Radfahrer*innen und Lastenradbesitzer*innen kennen das auch verstärkt: Ein Rad kann man nicht ohne es anzuschließen stehen lassen. Aber den Kieler Bügel findet man nicht überall und die nächste Laterne ist schon besetzt. Bei Lastenrädern ist es so, dass sie oft so schwer sind, dass man sie weder in den Keller tragen kann, noch in den Hof. Auch Kinderwägen und andere Fahrzeuge sind oft ungeliebt im Hausflur.
  4. „Die Autofahrer zahlen schon am meisten“: Es ist eine Frage, welche Kosten ein Verkehrsmittel verursacht und wie viel Platz es beansprucht. Prozentual nehme Autos viel mehr Platz in Anspruch als z.B. der ÖPNV. Vor allem wenn man es mit der Transportleistung ins Verhältnis setzt. Ein Auto ist immer ein Verkehrsmittel Einzelner, nicht Vieler. Daher muss man Investitionen in die Straßeninfrastruktur viel kritischer beurteilen, weil sie nur wenigen nützen. Aber gerade die Infrastruktur wie Autobahnen sind teuer. Inklusive Autobahnauffahrten, Autobahnkreuze und auch Ampeln und Kreuzungen in der Stadt.

Plätze wurden ursprünglich nicht als Parkplätze geschaffen. Nun haben Autos oft seit Jahrzehnten ein Monopol auf ihre „Nutzung“. Dabei stehen die Autos die meiste Zeit dort nur herum und verhindern damit jede andere Nutzung. Das Auto stranguliert unsere Städte und es wird Zeit, dass es den Platz zugewiesen bekommt, den ex maximal verdient. Überall und umsonst parken ist nicht akzeptabel!

Written by tlow

10. August 2019 at 09:52

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