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PIRATEN: Die Stadtregionalbahn kommt nur, wenn die Bürger sie wollen #srbkkiel

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Die Kieler Ratsfraktion der Piraten meldet sich mal wieder in Sachen SRB zu Wort, Zitat:

Zu der Forderung von Schleswig-Holsteins Verkehrsminister Reinhard Meyer (SPD), im Herbst eine Entscheidung über die Stadtregionalbahn herbeizuführen, sagt der Vorsitzende der Ratsfraktion PIRATEN, Ratsherr Marcel Schmidt:

„Die Entscheidung kann nach unserer Auffassung nur der Bürger treffen. Es ist also höchste Zeit, dass in Kiel sowie in den Kreisen Plön und Rendsburg-Eckernförde der längst fällige Bürgerentscheid zur Stadtregionalbahn vorbereitet wird. Jetzt rächt es sich, dass sich die Kooperation aus SPD, Grüne und SSW bisher gegen alle Diskussionen abgeschottet hat und stur an den ursprünglichen Planungen festhält. Denn diese ursprünglichen Planungen bedeuten ein Kostenvolumen von etwa 400 Millionen Euro und sind daher nicht mehrheitsfähig. Das wird in den Kreisen genauso gesehen.

Wer die Stadtregionalbahn wirklich will, der sollte sich nun gesprächsbereit zeigen. PIRATEN und FDP haben vor der Sommerpause ein alternatives Modell in der Ratsversammlung vorgelegt. Die Kooperation hat es mit ihrer Stimmenmehrheit abgelehnt, ohne in der Debatte auch nur ein einziges Sachargument vorzutragen. Man hat den Eindruck, dass die Kooperation in ihrer eigenen Welt lebt, in der Vorschläge der Opposition als Majestätsbeleidigung empfunden werden.

Mit dieser Einstellung wird es nicht leicht, die Menschen in den Kreisen zu überzeugen. Dialogbereitschaft ist gefragt, das Konzept der Stadtregionalbahn ist in die Jahre gekommen und seine Planungen haben Millionen verschlungen. Es muss jetzt darum gehen, den Menschen in der Region leistungsfähige Verkehrsmittel zur Verfügung zu stellen, die den heutigen Anforderungen entsprechen. Die Zeit für den Bürgerentscheid zur Stadtregionalbahn ist gekommen und die Bürger in Kiel und in den Kreisen Plön und Rendsburg-Eckernförde werden diesem Projekt nur zustimmen, wenn sie sich darin wiedererkennen können.”

My Take:

Leider zeigt sich mal wieder, wie wenig die Piraten sich thematisch mit dem Thema beschäftigt haben:

  1. Wer Dialogbereitschaft fordert, sollte selbst zum Dialog bereit sein. Ich kann dazu belegen, dass die Kieler Piratenfraktion auf Anfragen nach ihrem Konzept und zu ihrem angestrebten Bürgerbegehren nicht geantwortet haben.
  2. Die FDP und Piraten haben KEIN alternatives Modell vorgestellt, sondern haben lediglich einen der größten Stadtteile (die Wik) aus dem Konzept entfernt. Warum es für die Umlandgemeinden attraktiver werden soll, wenn die Bahn nicht in der Holtenauer Straße hält. Weder würden dann ihre Bewohner die vielleicht wichtigste Einkaufsszone Kiels erreichen, noch die Einwohner der Wik die Umlandgemeinden. Wieso die SRB durch diesen Verzicht attraktiver werden soll haben weder FDP noch Piraten bisher belegt. 
  3. Einerseits fordern sie eine Entscheidung des Bürgers. Zum anderen behaupten sie aber jetzt schon zu wissen, dass ein größeres SRB-Konzept keine Mehrheit finden wird. Auch das ist ein Widerspruch in sich. Zum einen hatten die Bürger gerade erst die Möglichkeit alle Parteien in Kiel und Umland abzustrafen, die für eine SRB sind. Das Gegenteil war aber der Fall. Die FDP und CDU haben z.B. nicht dazugewonnen. Ihre Fundamentalopposition wurde nicht belohnt.
  4. Bisher haben die Piraten ihre Unterschriften für ein Bürgerbegehren trotz Ankündigung nicht vorgelegt. Wenn die Mehrheit der Bürger wirklich gegen die SRB ist, sollte es ein leichtes sein, Unterschriften zu sammeln. Es wird wohl eher so sein, dass die Piraten nicht in der Lage waren, ausreichend Unterschriften zu sammeln. Ihre aktuellen Querschüsse sollen dann wohl auch eher darüber hinwegtäuschen, dass ihre SRB-Gegnerschaft keine große Mehrheiten bekommen wird.

Für Kiel ist die Entwicklung des Nahverkehrs eine Grundfrage. Natürlich erwarten sich da auch viele einen wirtschaftlichen Vorteil. Aber es geht um mehr: Das bisherige Busnetz ist an seine Grenzen gestoßen. Sicher kann man hier und da vieles optimieren. Aber wenn Kiel als Stadt weiter wächst werden die Anforderungen an de ÖPNV weiter wachsen. Dem ist dann bisher nur mit mehr Bussen und weiteren Baumaßnahmen zu begegnen. Interessant dazu auch ein Blick nach Hamburg, wo es eine vedrehte Welt gibt. Hier ein Zitat aus einem Interview zur Bürgerschaftswahl 2015 in Hamburg des CDU-Fraktionschefs Dietrich Wersich:

Hamburger Abendblatt: Die CDU ist für die Stadtbahn, die SPD dagegen. Soll die Wahl eine Abstimmung über die Stadtbahn werden?

Wersich: Bei der Wahl geht es natürlich um mehr, aber Lösungen für den wachsenden Verkehr sind eine zentrale Frage. Das Bussystem ist absolut an seinen Grenzen, alle Experten raten Hamburg dringend zu mehr schienengebundenen Verkehrsmitteln. Wir haben uns nach Lösungen in anderen europäischen Städten umgesehen, dort setzt man immer mehr auf moderne Stadtbahnen.

Ich bin der Überzeugung, dass man zwar ewig über das Thema SRB reden kann. Dadurch wird aber auch nichts gewonnen. Und man kann auch viel Geld ins Bussystem stecken, vielleicht auch eigene Trassen,…  Auf Jahrzehnte gesehen wird man ins Bussystem ein vielfaches dessen ausgeben müssen, als für eine Stadtregionalbahn. Zunächst einmal wird es aber eines größeren Kraftaktes bedürfen, die SRB aufs Gleis zu setzen.

Von den geplanten 382 Mio € würden Bund und Land zusammen laut (Sonderheft Gegenwind 2013: gw296-sonder-srb,PDF) rund 85% übernehmen. Es verblieben für die Kommunen also lediglich rund 60 Mio. Euro. Und nur ein Teil der Summe wäre das, worüber die Kieler eigentlich entscheiden müssten. Der Rest der Last wird dann auf viele Schultern verteilt.

Man muss dazu auch bedenken, dass die in Aussicht gestellten Mittel nicht für JEDEN Zweck zur Verfügung stehen. Also z.B. nicht für einen Ausbau des Bussystems. Ebenfalls laut dem o.g. Sonderheft würde die Gesamtsumme in einem Zeitraum bis 2045 ausgegeben. In dem Zeitraum wird auch viel Geld für alles mögliche ausgegeben, was die Kosten weiterhin relativiert.

Aufgrund der Inflation kann man aber auch sagen, dass jedes Jahr in dem gezögert wird, der Bau teurer wird. Kiel hat im Vergleich zu vielen Großstädten eine bemittleidenswerte ÖPNV-Infrastruktur. Aber das liegt dieses mal nicht an der KVG, auch wenn die sicher auch vieles besser machen könnte. Immer mehr junge Menschen, gerade aus Großstädten mit guter ÖPNV-Infrastruktur haben überhaupt keinen Führerschein mehr. Natürlich bleiben die nach ihrem Studium unwahrscheinlicher in Kiel, wenn neben einem eher mageren Kulturangebot auch die Fortbewegung extrem langsam ist. 

Kiel würde also vermutlich in den nächsten 5 Jahren wohl mehr für den Erhalt und Neubau von Schwimmbädern (alleine für das Zentralbad und Schilksee) ausgeben als bis 2045 für einen schienengebundenen Personennahverkehr.

Es ist auch mit Schuld der Befürworter, dass sie bislang zwar gerne die Gesamtsummen in den Raum geworfen haben. Die dann aber so erschreckend hoch sind im Vergleich zu manch anderen Summen, dass die Relation verloren geht. Man sollte eben für jede Kommune genau aufschlüsseln, was die SRB tatsächlich kostet und auch auf Lange Sicht daneben stellen, welche Kosten auf jeden Fall kommen, wenn man nicht in die Schiene investiert.

Um es noch mal zu verdeutlichen: In der Frage der SRB geht es NICHT darum, dass die Stadt Kiel in den nächsten Jahren 400 Millionen Euro aufbringen müsste. Sondern lediglich einen Teil der verbleibenden 15% der Gesamtsumme!

Und auch zu berücksichtigen: Die Angebote an Kiel und die Gemeinden gelten JETZT vor der nächsten Finanzkrise. In einigen Jahren müsste Kiel und die Umlandgemeinden vielleicht 100%  selbst aufbringen und zwar bei geringeren Gewerbesteuereinnahmen. Was bedeuten könnte, dass ein derartiges Projekt auf Jahrzehnte weiterhin unrealisierbar bleibt. Einen besseren Zeitpunkt als jetzt gibt es wohl tatsächlich nicht. Und so verstehe ich auch die Ansage von Verkehrsminister Meyer.

Ich warte immer noch auf ein echtes Gegenkonzept der SRB-Gegner. D.h. reale Zahlen, ein nachvollziehbares Konzept, was auch darlegt, warum es besser oder günstiger wäre, als eine SRB für ganz Kiel und die Region. Bisher hat es so etwas nicht gegeben trotz gegenteiliger Behauptungen. Und daher ist die Diskussion um Alternativen auch etwas absurd. Solange es keine alternativen Konzepte gibt, gibt es auch keine Alternative zur SRB.

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Written by tlow

21. August 2014 at 07:23

Vorne Einsteigen

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Zum Bericht der KN, dass die „Schwarzfahrer“-Quote durch die Maßnahme gesenkt wurde, dass man seit einigen Monaten nur noch vorne einsteigen darf würde ich sagen:

Unbenannt

  1. Genau so wenig wie in Hamburg wird  auch in Kiel nicht nur vorne eingestiegen
  2. Sicher werden einige Leute jetzt Karten kaufen, die vorher keine gekauft haben
  3. Eine Aussage über die Quote kann aber nur gemacht werden, wenn die Zahl der unabhängigen Kontrollen gleich geblieben wäre. Ich gehe aber eher davon aus, dass diese entweder ganz entfallen sind oder drastisch reduziert wurden.?

Aus meiner Sicht macht sich die KVG da eher etwas vor, wenn sie glaubt irgend etwas geändert zu haben. Ich kann mir sogar vorstellen, dass jetzt mehr Leute schwarz fahren. Denn seit dieser Maßnahme bin ich selbst nicht mehr kontrolliert worden (vorher bestimmt alle 2 Monate ein mal). Der Anreiz keine Karte zu kaufen könnte also deutlich gestiegen sein, weil das Risiko erwischt zu werden sich deutlich verringert hat.

Es soll mir ja egal sein, aber man soll nicht so tun, als wenn hier eine Maßnahme erfolgreich gewesen wäre.

Written by tlow

27. September 2013 at 08:53

Veröffentlicht in Verkehr

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Vergleich: KVG vs StattAuto vs Bahn

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Hier noch mal zwei Beispiele für Fahrten mit und ohne StattAuto Kiel von zwei Personen  aus der Realität:logo_stattauto

  1. Eine Fahrt mit dem KVG-Bus kostet in der Kernzone 2,40 €, bzw. 2,12 € (Mehrfahrtenkarte). Wenn man zu zweit unterwegs ist, fährt man ja von A nach B und wieder zurück von B nach A. Preislich kostet das dann also 9,60 € , bzw. 8,46 €. Bei einer Fahrt von zwei Stunden und bei 13 Kilometer (Hin- und Zurück) bei StattAuto 6,99 €. (2,61 bzw. 1,47 € gespart!)
  2. Eine Fahrt mit der Bahn nach Eckernförde kostet (Kleingruppenkarte) 27,50 €. Die gleiche Fahrt bei 68 Kilometern insgesamt und drei Stunden kostet bei StattAuto 21,64 €. (5,86 € gespart!)

Berechnet wurde das ganze mit dem Kostenrechner von StattAuto. Zu berücksichtigen ist hierbei, dass der aktuelle Kilometerpreis sogar einen Cent billiger ist, als im Kostenrechner.

Interessant hierbei finde ich immer wieder, dass ja an sich Bus und Bahn so oder so die Strecken fahren. Das heißt ich als einzelner Fahrgast koste ja nichts. Im Gegensatz zu StattAuto, wo es einen realen Mehrverbrauch gibt. Wie kann es da sein, dass dennoch eine Fahrt günstiger ist? Noch anders sieht es dann ja auch, wenn man mit mehr als zwei Personen fährt. Zudem kann man die Zeitkosten bei StattAuto auch durch weitere Anteile senken. Bei einem Anteil der Standard ist, senkt sie sich bereits um 5 Prozent.

Bei der Fahrt nach Eckernförde gibt es allerdings auch die Möglichkeit mit dem Bus zu fahren. Das kostet dann lediglich 17,20 €. Die Fahrzeit beträgt dann allerdings auch 50 Minuten statt 26 Minuten. Das habe ich hier also unberücksichtigt gelassen.

Man sieht daran, dass manche Fahrt, die bei StattAuto als Einzelfahrt recht teuer erscheint auf einmal günstiger wird, wenn man nur eine weitere Person dabei hat.

Written by tlow

3. Juni 2013 at 09:54

Kommunalwahl Kiel 2013: Grundsätzliches zur Stadtregionalbahn #kwkiel #kmw13 #SRB

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Da die Stadtregionalbahn ein Wahlkampfthema ist, aber die Debatte recht wenig von Fakten geprägt ist, möchte ich das hier sozusagen stellvertretend für einen Teil der Befürworter*innen tun. Ich gehe dabei primär auf allgemeine Vorteilen schienengebundenen Schienennahverkehrs ein. Das Konzept, was in Kiel „Stadtregionalbahn“ heißt, wird übrigens auch als „Regionalstadtbahn“ oder „Tram-Train“ bezeichnet.

Stadtregionalbahn Kiel, Vision

Stadtregionalbahn Kiel, Vision

Lohnt es sich?

Grundsätzlich ist unstrittig, dass schienengebundene Systeme wie Straßenbahnen oder Regionalbahnen leistungsfähiger sind, als rein busgestützte Systeme. Leistungsfähiger heißt z.B.:

  • Sie können mehr Fahrgäste transportieren, weil jeder Zug mehr Sitzplätze bietet als ein Bus (eine Stadtregionalbahn mehr als Straßenbahnen). Am Ende der Kieler Straßenbahn erledigte die Linie 4 alleine 40% des Kieler ÖPNV!!
  • Sie sind schneller, weil sie eigene Fahrwege haben.

Gäbe es nur Vorteile, wäre die Einführung einer Stadtregionalbahn also gar keine Frage. Nun kommen wir aber zu den Nachteilen:

  • Die Fahrwege sind viel teurer als bei Bussen. D.h. es muss richtig investiert werden, bis eine Stadtregionalbahn fahren kann.

Die Kieler Verkehrsgesellschaft (KVG) befördert jährliche rund 32 Millionen Fahrgäste. Das sind rund 88.000 Fahrgäste pro Tag.

Die Wikipedia sagt zu Straßenbahnen und deren Wirtschaftlichkeit:

Bei circa 30.000 bis 40.000 Fahrgästen je Tag ist die Grenze erreicht, bei der ein Schnellbahnbetrieb betriebswirtschaftlich sinnvoller ist.

Das Problem eines reinen Bussystems, bzw. in Kiel Bus/Schiffsverkehrs ist, wie man im Bereich IT gerne sagt, dass es „nicht skaliert“. D.h. es trifft irgend wann an Grenzen, z.B. weil die Busse nur begrenzte  So ein Gelenkbus hat z.B. 54 Sitzplätze und 108 Stehplätze. Also sagen wir 160-170. Ein Stadtbahnwagen in Karlsruhe hat z.B. 210 Steh-/Sitzplätze (95 Sitzplätze und 118 Stehplätze). Das sind mal eben 40 Plätze mehr. Wer die beengten Verhältnisse zu vielen Zeiten in Kiel kennt, wird verstehen, dass 40 mehr Plätze einen deutlichen Unterschied machen werden. Dazu kommt, dass die Stadtregionalbahn mit entsprechenden Bahnsteigen einen barrierefreien Ein-/Ausstieg möglich macht. Heute ist es so, dass für Rollstühle eine extra Rampe von Fahrgästen oder dem Busfahrer ausgeklappt werden muss. Für Kinderwägen, Fahrräder, Rollatoren, Gepäck, … bedeuten Stadtregionalbahnen eine erhebliche Erleichterung. Zudem wird der Umstieg ganz nebenbei sehr viel schneller laufen können als bisher.

Nicht vergessen sollten wir, dass Kiel an sich auch schon für eine Straßenbahn ausgelegt ist. Die Schienen wurden ja erst zug um zug entfernt. Viele Wege könnten wieder benutzt werden und es bestehen Vorerfahrungen mit Bahnen in Kiel.

Von den nötigen Investitionen werden immer sehr hohe Summen genannt, die aber auf viele Jahre gestreckt würden. Außerdem muss das Konzept nicht so umgesetzt werden, wie es bisher angedacht ist.

Ein Vorteil für Kiel wäre auch, dass Kiel sehr lange Strecken hat wegen der Förde. Busse brauchen sehr lange, um den Teich zu fahren. Dies würde den Verkehr entscheidend  beschleunigen und damit den ÖPNV deutlich attraktiver machen.

Ist eine Stadtregionalbahn  eine parteipolitische Frage?

Wenn man nach Kiel schaut scheinen Gräben parteipolitisch zu Verlaufen: SPD und GRÜNE dafür, CDU und FDP dagegen. Aber wie sieht es in anderen Städten aus?

  • In Heilbronn hört man vom Fraktionsvorsitzende der CDU z.B . „CDU-Fraktionschef Peter Hauk will mehr Stadtbahn„. Dort bilden SPD und CDU eine Mehrheit
  • Allerdings scheint die FDP mit einigen Ausnahmen, wo Straßenbahnen seit Jahren etabliert sind fast überall in der Republik aus Prinzip gegen die Einführung neuer Stadtbahnen zu sein (z.B. in Aachen). Ich vermute da mal eine kompromisslose Haltung pro Auto und kontra öffentlichem Verkehr, vielleicht weil gemeinsame Verkehr ihnen per se zu sozialistisch ist?

Was sind denn die Alternativen?

Die Frage nach dem PRO und CONTRA der Stadtregionalbahn verwischt die eigentliche Frage: Nämlich wie den zukünftige Verkehre abgewickelt werden sollten? Wir haben die letzten Jahrzehnten gesehen, wie wenig das Bussystem in der Lage war die Straßenbahn zu ersetzen. Die Behauptung das Elektrobusse bereits gute Alternativen wären ist Unsinn. Alleine schon deshalb, weil sie über keinen eigenen Fahrweg verfügen und eben auch nicht größer sind als Benzin-Busse.

Parteien, die grundsätzlich gegen schienengebundene Systeme argumentieren, haben meist keine echten Alternativen zu bieten. Man kann sich darüber unterhalten, ob das bisherige Konzept so jetzt umgesetzt wird, oder ob man nicht erst einmal kleiner Schritte unternimmt.

Was im übrigen die Querung des Kanals angeht, so steht eh eine neue Brücke an. Da könnte dann auch eine Trasse für eine Stadtregionalbahn nach Holtenau angelegt werden.

Wichtig wäre m.E., dass die Debatte mehr auf Fakten basiert und es weniger um Ideologie geht. gerade CDU und FDP müssten dazu endlich mal Alternativen vorschlagen, die auch gangbar sind. Offenbar fahren deren Vertreter nie Bus, sonst wüssten sie, dass diese teilweise gar nicht mehr benutzbar ist.

Weblinks

StattAuto #Kiel

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Auto teilen? Macht das Sinn? Angeregt durch die Einführung einer neuen StattAuto-Station in Gaarden, habe ich in meine Gaardener Blog eine Fahrt mit StattAuto beschrieben. Auch bei BioGaarden habe ich als Kollektivmitglied einen Artikel geschrieben.logo_stattauto

Ich will das auch hier bei KielKontrovers nutzen. Motiviert dadurch, dass der Standort Gaarden noch nicht gesichert ist. Ich bin bei meiner eigenen Nutzung in dem Zwiespalt, dass ich einerseits gerne StattAuto nutze und auch den Standort erhalten möchte – und gleichzeitig froh oder auch stolz bin, so oft es geht auf ein Auto verzichten zu können.  Das ist ja gerade auch der Vorteil von Carsharing: Das man Kosten spart, wenn man nicht fährt. Dennoch werde ich in Zukunft auch erst mal mehr leihen, als ich vielleicht brauche, um einen besseren Start zu geben.

"WHEN YOU RIDE ALONE YOU RIDE WITH HITLER...

„WHEN YOU RIDE ALONE YOU RIDE WITH HITLER“. „JOIN A CAR-SHARING CLUB TODAY“. – NARA – 516143 (Photo credit: Wikipedia) – Naja ein wenig übertrieben aber schönes Fundstück…

Ich möchte hier auf bestimmte Aspekte eingehen, die für StattAuto auch wichtig sind, aber oft nicht verstanden werden. Zunächst auch hier noch mal ein kleiner Absatz wie StattAuto funktioniert:

Die Idee ist grundsätztlich das Besitzen eines eigenen Autos zugunsten des Teilens aufzugeben. Gesellschaftlich liegt der Vorteil darin, dass ein Auto die meiste Zeit nicht genutzt wird und derweil einen Parkplatz besetzt. Ein geteiltes Auto ersetzt im Schnitt 7 Autos und reduziert damit den Platz für Parkplätze. Dann ist es so, dass Leute mit StattAuto generell weniger fahren als Menschen mit eigenem Auto. Das reduziert also den Stadtverkehr. Nicht zuletzt hat jedes StattAuto einen zugewiesenen Standplatz und  es entfällt auch ein Großteil des Parkplatzsuchverkehrs.

Ein wenig beachteter Aspekt von geteilten Autos ist die Tatsache, dass man sich um nichts technisches kümmern muss: Also kein TÜV, keine Abgassonderuntersuchung, gerade einmal tanken, wenn der Tank nur noch 1/4 voll ist. Kein Ölwechsel, keine Reparaturen, keine KFZ-Steuer. Das ist eine ganze Menge Arbeit und Sorgen, die einem da abgenommen wird. Dazu kommt, dass Reparaturen eine Menge Geld kosten können. Ein kleiner Blechschaden bereits mal 500 € . Schnell kann man auch mehr los sein. Und wenn die letzte Reparatur gemacht ist, ist das keine Garantie, dass nicht eine Woche später wieder etwas ansteht. Bei StattAuto wird das ganze Kondensiert auf einen monatlichen Fixbetrag. Es gibt eine gewisse Selbstbeteiligung bei Schäden, den man aber mit knapp 50 € pro Jahr minimieren kann auf ein Minimum von 350 € begrenzen kann.

Generell gilt als günstigste Lösung:

  • 8 € pro Monat
  • ab 2 € pro Stunde (bzw. 1 € pro ½ Stunde)
  • z.Zt. 22 Ct. pro Kilometer
  • Einmalig: 100 € Aufnahmegebühr und mindestens 500 € Genossenschaftsanteil.

Man kann auch weniger zahlen bei dem Zeitpreis durch Mitgliedschaft in der Genossenschaft.

Darüber hinaus finde ich interessant, dass StattAuto es ermöglicht, dass

  • Menschen mit wenig Geld, sich ein Auto leisten können. Man steuert selbst, wie viel es einem im Monat kostet
  • Auf der anderen Seite kann StattAuto auch ein kostengünstiges Zweitauto sein. Z.B. für den Fall, dass bei einem Paar einer berufstätig ist und der zweite Partner dennoch nicht ganz ohne Auto und Mobilität tagsüber sein will.
  • Möglich natürlich auch als WG StattAuto zu teilen. Weitere Personen zahlen statt 100 € nur 50 € Aufnahmegebühr

Insgesamt denke ich, dass sich StattAuto für viel mehr Leute lohnt, als es genutzt wird. Oft ist ein eigenes Auto ein echter Luxus. Der aber nicht als solcher wahrgenommen wird.

Psychologisch gibt es da diese Hemmschwellen:

  • Ein geteiltes Auto gehört mir nicht. Wer es gewohnt ist, immer alles im Auto liegen zu lassen, müsste sich umstellen. Denn man räumt immer alles raus und solls ungefähr so zurückgeben, wie man es geliehen hat.
  • Bei StattAuto kann man gut abschätzen, was einem eine Fahrt kosten wird. Und das wird meist teurer sein als eine einzelne Fahrt. Beim eigenen Auto denken Leute nicht mehr darüber nach, was eine Fahrt kostet. Und sie denken deshalb, dass das eigen Auto dennoch immer billiger ist, als verkehrliche Alternativen.

Allgemein ists natürlich so, dass es in unserer Gesellschaft eher so ist, dass man Dinge besitzt und ungerne leiht. Eigentum, etwas das uns gehört und niemand anderem. Aber eine andere Wirtschaft oder Gesellschaft funktioniert nur, wenn man sich davon löst. Daher ist für mich StattAuto ein Modell einer Wirtschaft, die nicht auf Konsum von Gütern basiert. Was fehlt ist noch, dass jeder diese Ressource nutzen kann. Der Eintritt ist die entscheidende Hürde.

Was ich mir für Kiel noch wünsche ist die Möglichkeit, Monatskarte der KVG und StattAuto zu kombinieren. Das ist schade, dass es doch immer nicht gibt. Denn die Kombi aus ÖPNV und Carsharing scheint eine ideale Ergänzung zu sein.

„Werben“ tue ich hier für StattAuto nur, weil es im grunde unkommerziell ist und eine aus meiner Sicht uneingeschränkt förderungswerte Idee.

Written by tlow

10. Mai 2013 at 21:32

Ratsversammlung: CDU will Stadtregionalbahn stoppen

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Deutsch: Straßenbahn Kiel, Wagen 201 auf Linie 3.

Deutsch: Straßenbahn Kiel, Wagen 201 auf Linie 3. (Photo credit: Wikipedia)

Am Donnerstag, den 21.2. wird es in der Ratsversammlung unter anderem auch in der Drucksache 0099/2013 um einen Antrag der CDU mit dem Titel „Pilotprojekt „KielMix – StadtBus & FördeSchiff“ – Kieler ÖPNV-Konzept der Zukunft“ gehen:

1.        Die Verwaltung wird beauftragt, in enger Zusammenarbeit mit der Kieler Verkehrsgesellschaft mbH (KVG) und der Schlepp- und Fährgesellschaft Kiel  (SFK) eininnovatives, innenstadtbezogenes ÖPNV-Konzept der Zukunft zu entwickeln.

2.        Als Basis-Verkehrsmittel für einen attraktiven und stadtverträglichen Personenverkehr kommen im systembewährten, jedoch zu modifizierenden Liniennetz Busse und Schiffe unter Berücksichtigung benutzerfreundlicher Taktverdichtungen zum Einsatz.

Begründung:

Nach jahrzehntelanger Hängepartie ohne sichtbaren Erfolg ist das Projekt einer StadtRegionalBahn Kiel gescheitert. Kiels Zukunft im ÖPNV bildet ein flexibler und stadtverträglicher Personenverkehr durch Stadtbusse und Fördefähren.

Mit der Entwicklung eines intermodalen Verkehrsmittelmixkonzepts, das richtige Antworten auf Forderungen der Bürger Kiels gibt, soll dem innerstädtischen ÖPNV-System eine neue Dynamik verliehen werden. Direkte Linienführungen, kundenfreundliche Haltestellengestaltungen, durchgehende Vertaktungen, einfache Tarife und moderne Fahrzeuge sollen der Attraktivität eines kieltypischen ÖPNV-Konzepts mit Pilotprojektcharakter Vorschub leisten.

gez. Ratsherr Wolfgang Homeyer                                          f.d.R.

Dazu meine Einschätzung als regelmäßiger Fahrgast: Obgleich mir scheint, dass die KVG im letzten Jahr es ein wenig geschafft hat die schlimmsten Zustände abzufangen, ist es für jeden, der mit offenen Geist Bus fährt ersichtlich, dass das Bussystem an ihrem Limit ist. Kiel hat das Problem, dass der ÖPNV zu gut angenommen wird. Das gilt besonders für die Spitzenzeiten. Natürlich gibt es auch Zeiten und Linien, die wenig bis kaum ausgelastet sind.

Bekannt ist auch, dass Straßenbahnen, Stadtbahnen oder Stadtregionalbahnen wie kein anderes Transportmittel in der Lage ist, große Mengen an Fahrgästen aufzunehmen und zu verteilen. So sehr auch eine Skepsis angebracht ist, was die große Lösung der Stadtregionalbahn angeht, so sehr sollte doch seit der Abschaffung der Straßenbahn in Kiel klar sein, dass hier damals ein Fehler begangen wurde, der korrigiert werden muss. Besonders da Kiel weiter wächst und damit das Bussystem weiter belastet werden würde. Belastungen, die einfach nicht mit höheren Taktzahlen gelöst werden können.

In einer Fragerunde in der Halle 400 hatte der Bewerber Meyer bereits Probleme damit klare Alternativen zur Stadtregionalbahn (SRB) zu benennen. Nun soll die Verwaltung einmal ins Blaue hinein Alternativen suchen. Vernünftiger wäre da sicher, wenn man erst einmal kleiner Brötchen backen würde. Kiel braucht in erster Linie eine Lösung für den innerstädtischen Verkehr und den Verkehr von und zur Uni. Auch ist die Geschwindigkeit in Kiel ein großer Faktor. Busse sind immer langsamer als schienengebundene Systeme. Bei einer Stadt, die durch eine Förde getrennt ist, schlägt sich das besonders nieder.  Nicht umsonst sind damals die Schnellbusse als Ersatz der Straßenbahn gescheitert.

Also Fazit: An schienengebundenen Systemen führt kein Weg vorbei. Anstatt hier eine Front aufzumachen, sollte man hier lieber daran arbeiten eine schnellere Lösung herbeizuzführen, die keine Beteiligung aller Umlandgemeinden erfordert. Insofern sind hier natürliuch SPD, GRÜNE und SSW genau so Bremser, da sie bislang von einer großen Lösung keinen Schritt abweichen wollen. Man wird hören,wie da am Donnerstag die Debatte verlaufen wird. Normalerweise wird diese auch im Livestream des Offenen Kanals im Web und im Kabelnetz übertragen.

Der feine Unterschied zwischen West und Ost

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In der heutigen Ausgabe der Kieler Nachrichten kann man wieder einmal Gründe dafür finden, warum es so unterschiedlich in den Stadtteilen läuft und warum das Bild so schräg ist. Es gab zwei Ortsbeiratssitzungen in Gaarden und in Ravensberg. Bei beiden ging es u.a. auch um Parkplätze für StattAuto. Es war sogar der gleiche Referent. Aber während es in Gaarden um die Premiere von StattAuto ging (wobei sich herausstellte, das Gaardens Ortsbeirat nicht wie die anderen Ortsbeiräte über einen eigenen Beamer verfügt, deren PR-Mittel werden immer für Weihnachtsfeste, etc. ausgegeben und daher der Vortrag nicht so bunt wie geplant war), ging es im Ravensberg lediglich um zwei weitere Stellplätze ging.

Die (historische) Premiere von StattAuto auf dem Ostufer wurde im KN-Artikel zum OBR Gaarden jedoch gänzlich unterschlagen, während es im Artikel zum OBR Ravensberg großen Raum einnimmt. Die Gaardener Sitzung war zwar recht prominent auf der ersten Seite von „Kiel lokal“, bestach aber mehr durch Werbung für ein geplantes Senioren-Wohnprojekt der Diakonie.

Nach meiner Beobachtung ist es meistens so, dass man über Gaarden entweder über Sozialprojekte berichtet – also darüber, was Gaarden kostet – und über die Probleme. Aber das positive Entwicklungen totgeschwiegen werden. Umgekehrt auf dem Westufer: Auch dort gibt es z.B. viele Ecken, an denen Leute Alkohol trinken oder sich Drogenabhängige treffen. Diese werden aber wiederum auf dem Westufer totgeschwiegen und hingegen über positives berichtet (wie jetzt gerade wieder ein weiterer Standort von StattAuto). Ähnlich ist es auch bei der Kriminalität. ich persönlich kenne mehr Geschichten über zwei Ecken von Leuten, die auf dem Westufer überfallen wurden, als vom Ostufer. Die letzte Geschichte aus Gaarden, die mir zu Ohren kam ist jetzt ca. 5 Jahre her, wohingegen ich alle zwei Monate neues vom Westufer höre.

So stricken auch die Medien an einem Bild von Gaarden, das nur selten der Wahrheit entspricht. Selten aber kann man es so deutlich am gleichen Tag sehen, wie unterschiedlich die gleichen Nachrichten betrachtet werden. Die Medien bedienen damit etablierte Vorurteile. Für die Stadtregierung und SPD ist Gaarden auch lediglich das bekannte „Fass ohne Boden“. Sie wollen zwar auf der einen Seite gerne eine bessere Durchmischung. Allerdings sieht man ja, was passiert – die 37jährge Midyatli war auch einige Jahre Mitglied im Ortsbeirat Gaarden und nutzte die Karrierechance als Abgeordnete für den Wahlkreis Eckernförde für die SPD bei der letzten Landtagswahl aufgestellt zu werden, verbunden mit einem Wegzug aus Gaarden. Immerhin haben die SPD-Ratsherren Schmalz und Schulz nach wie vor ihren Wohnsitz in Gaarden.

Bevölkerung wird da eher als Verschiebemasse betrachtet. Gaarden hat aber Nachholbedarf in Sachen Infrastruktur. Hier die Karte von StattAuto:

Übersichtskarte Stationen

Übersichtskarte Stationen StattAuto

 

Ähnliche Ergebnisse bekommt man bei Suchanfragen via Google Maps mit einem beliebigen Suchbegriff und Kiel, wie bei „Museum Kiel“ oder „Bioladen Kiel„. Die Ergebnisse bedeuten, dass die Lebensqualität in vielerlei Hinsicht eingeschränkt ist. Längere Wege für Einkäufe. Wer Bus fährt und Kurzstreckenkarten nutzt weiß auch, dass man z.B. mit der 11 nur vom Karlstal 4 Stationen weit bis maximal Karlstal kommt (bei Luftlinie von rd. 1 Kilometer). Ab Bahnhof aber kommt man Richtung Norden gut 1 ½ mal so weit bis zum Dreiecksplatz mit einer Kurzstreckenkarte. Das liegt schlicht an der Hörn, die selbst kurze Wege verlängert, besonders für Busse und Autos. Wer in Gaarden wohnt, muss daher also rund 40 Prozent mehr ausgeben für innenstadtnahe Ziele, während man auf dem Westufer nicht nur oftmals viele Orte zu Fuß erreicht, sondern eben oft auch mal eben mit einer Kurzstreckenkarte. Hier wird Gaarden als Stadtteil von der KVG effektiv benachteiligt. Dort wo die Leute weniger Geld haben müssen sie tiefer in die Tasche greifen. Rechnet man das auf eine ganze Familie hoch, also beispielsweise 2 Erwachsene und 1 Kind zwischen 6 und 14 Jahren so wird eine Busfahrt hin und zurück z.B. zum Dreiecksplatz 12,60 € kosten, während man von der Innenstadt entweder kostenfrei oder für 9,70 € (also rund 30 % günstiger). Wobei gerade bei Familien mit geringen Einkommen jede Fahrt zum Luxus wird. Hier existiert seit Jahren eigentlich dringender Nachholbedarf, da das System Kurzstrecke nur einer Seite Kiels Vorteile bringt.

StattAuto hingegen bietet besonders denen, die selten fahren eine günstige Alternative. Denn so ein Auto kostet ja alleine mit Steuer und Versicherung oft bei rd. 100 € (Quelle). Mal ganz davon abgesehen, dass man sich den Kauf eines Autos erst einmal leisten können muss, zudem von einem, dass nicht zu viel Benzin schluckt. Bisher wird StattAuto aber wohl eher von Besserverdienenden genutzt, nicht zuletzt eben, weil es in Stadtteilen wie Gaarden bis dato  keinen Standort gab. Das soll sich im April 2013 ändern.

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