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Max Bahr – ein Vorzeichen für Möbel Kraft?

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Was jetzt bei Max Bahr und Praktiker geschieht könnte auch nach Eröffnung von Möbel Kraft in Kiel passieren. Das Wall Street Journal schreibt zur Baumarktbranche:

Das Ende von Praktiker hat sich schon lange abgezeichnet. Die Baumarktbranche ist gesättigt. Wer schon einmal an großen Gewerbegebieten, die meist nahe an einer Autobahn gelegen sind, vorbeigefahren ist, kennt das Phänomen. Häufig sitzen zwei oder drei verschiedene Baumarktketten nebeneinander. Neben Praktiker und der höher positionierten Tochter Max Bahr buhlen etwa Marktführer OBI, Bauhaus, Hagebau, die ebenfalls börsennotierte Hornbach, die zum Supermarktriesen Rewe gehörende Toom sowie die kleineren Anbieter Hellweg und Globus um die Kunden.

Zur Möbelbranche gibt es ähnliche Aussagen wie von der FAZ (2012):

„Der Markt ist längst gesättigt“

Das Expansionsfieber wird nach Einschätzung von Renz „noch ein paar Jahre“ andauern. Er rechnet mit einer ähnlichen Entwicklung wie bei den Baumärkten, die auch jahrelang wie Pilze aus dem Boden geschossen seien. „Aber irgendwann ist Schluss, und mancher gerät ins Straucheln“, sagt er mit Blick auf Praktiker. Auf Dauer könnten nicht alle der zehn größten Möbelketten überleben. „Der Markt ist längst gesättigt“, analysiert Verbandsgeschäftführer Kunz. „Wir befinden uns in einem Umverteilungsprozess, neue Umsätze sind nicht zu erzielen.“

 

Im Wettbewerb tun diese Märkte vieles für die Kundenbindung. Z,B. durch sog. Customer-Lock-In. max Bahr bietet z.B. oft Systeme an, die nur mit Max Bahr-Produkten funktionieren, so dass man dazu gezwungen ist bei Max Bahr zu bleiben. Andere Märkte wie Hornbach steigen bei Putzen vollständig auf eine Eigenmarke um.

Das Prinzip des Wettbewerbs ist Verdrängung. Kampf um Standorte ist der Kampf um Kunden. An Mitarbeitern wird gespart. Der Konkurrent soll ausgeschaltet werden.

Möbel Kraft wird z.B. Ikea vernichten wollen, nicht nur am Standort Kiel. Wenn ein Konzern oder eine Kette im harten Konkurrenzkampf baden geht, bedeutet das das Aus für die Arbeitsplätze. Es bedeutet aber auch, dass neue Filialbauten in den Sand gesetzt wurden. Wie z.b. der Max Bahr in der Gutenbergstraße.

Auch bei Discountern wie ALDI, LIDL, Penny, Netto können wir diese Überhitzung des Marktes beobachten. Ein Prinzip des Kapitalismus ist auch Wachstum, Wachstum, Wachstum. Denn der Große schluckt den Kleinen. Wer zu langsam wächst verliert. Die Firmen können also gar nicht anders, sofern sie voll auf diese Verwertungslogik setzen. Es geht natürlich auch anders, aber nicht wenn man bei den Großen im Wettbewerb mitspielen will.

 

Written by tlow

28. Juli 2013 at 11:28

Albigs Hallen-Coup

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Es ist Wahlkampf in Schleswig-Holstein. Viel Wind entstand um Albigs spontane Ankündigung, dass die Humboldt-Schule nun doch eine Sporthalle bekommen soll:

Kiel – Kleine Überraschung bei der Verabschiedung von Schulleiter Dr. Hans-Michael Kiefmann: Oberbürgermeister Torsten Albig sagte, dass die Planungen für den Neubau einer Sporthalle auf dem Gelände der Humboldt-Schule im vierten Quartal 2012 beginnen werden.

Die Kooperation im Rathaus bewertet die Ankündigung primär positiv. Wenig Freude dagegen bei der CDU: Hatte die sich doch 2011 besonders für den Sporthallenbau eingesetzt. Allerdings damals (Mai 2011) in Verbindung mit dem Investor LIDL (im Mai) als Antrag.

Die GRÜNEN inittierten dann im September einen Antrag, mit dem sie eine ÖPP-Lösung vorantreiben wollten. ÖPP bedeutet kurz gesagt die kurzfristige Finanzierung öffentlicher Gelder durch teures, privates Geld, dass dann langfristig abgezahlt wird. Oder dass die Stadt nicht Besitzer der Halle würde – aber dafür 30 Jahre Miete zahlen müsste. Rechnen tun sich diese Lösungen allenfalls für die Finanzierer – und in den Haushalten sieht es heute besser aus, da die Kreditaufnahme verringert wird. Dabei sind kommunale Kredite für die Städte weit günstiger als das, was auf dem Markt zu holen ist.

Was mancher OppositionspolitikerIn sauer aufstößt (und auch einigen Ratsmitgliedern der Kooperation) ist, dass weder die Ausschüsse, noch die Ratsversammlung, noch die Ortsbeiräte vorab informiert wurden über Albigs Vorstoß. Leider gilt in Kiel die Süddeutsche Ratsverfassung, die dem Oberbürgermeister eine sehr starke eigene Rolle zuweist (vergleichbar mit der amerikanischen Präsidialsystem).

Da können sich Gremien jahrelang die Köpfe heissreden – und dann kann der OB einfach mit einem Federstrich Fakten schaffen – es folgt dann nur eine Geschäftliche Mitteilung. So passiert bei der Umstellung des kommunalen Datenschutzbeauftragten als unabhängig im Oktober 2010.

Albig braucht Erfolge und Rückenwind für die Landtagswahl. So soll die Sporthalle ein zu einem der vielen Segel werden, die ihm sichern sollen, dass er als erstes über die Ziellinie fährt. Wobei es derzeit eh so aussieht, als wenn Albig sich alles erlauben könnte. Sieht nach einer sicheren Wette aus. Es ist aber auch nicht zu erwarten, dass die SPD wirklich eine andere Politik im Land machen wird – schon gar nicht mit einem Albig, der wohl eher zufällig SPD-Mitglied geworden ist.

Ergänzung: Ich habe den eigentlichen Witz vergessen anzusprechen: Der Witz ist, dass kein Lokalpolitiker sich hinstellen wird/kann und GEGEN den Bau dieser Sporthalle Position beziehen wird, nur aus Prinzip. Legitim wäre es, aber Freund macht sich damit keiner.

 

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