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Posts Tagged ‘Luftreinhalteplan

Faktencheck #Stickstoffdioxid-Grenzwerte einhalten mit besseren Bahnverbindungen? #THRing

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Werbung der Ratsfraktion der SPD in Kiel

Auf Facebook trifft die Kieler SPD die folgende Aussage:

„Am Theodor-Heuss-Ring muss gebaut werden, wodurch die Stelle zum Nadelsöhr wird. Ab dem 15. April wird es eng werden. Also umsteigen auf Bus und Bahn?! Auf Anregung der Landeshauptstadt Kiel fahren etwa täglich vier zusätzliche Züge aus Preetz nach Kiel, sodass in der Rush-Hour ein 20-Minuten Takt gewährleistet ist. Und wenn die zusätzlichen Züge angenommen werden, fahren sie hoffentlich auch nach Abschluss der Bauarbeiten.“, so Max Dregelies. (F)

Quelle: Facebook

Dazu: Aus gutem Grund taucht diese Maßnahme im gemeinsamen Luftreinhalteplan von Stadt und Land nicht auf. Bei meiner Kritik dieser Argumentation unterscheiden ich aber zwischen (1) der Argumentationskette, die behauptet den Theodor-Heuss-Ring mit einfachem Bahnregionalverkehr entlasten zu können und (2) ob die Maßnahme als Solches zu begrüßen ist. Auf Twitter ging es zum Thema schon heiß her. Hier meine Kritik auf den Tweet von Max Dregelies als Thread:

(1) Kritik an der Behauptung, dass Bahnverkehr den Theodor-Heuss-Ring entlastet und damit effektiv die Werte für Stickstoffdioxid senkt.

Diese Behauptung basiert zunächst ein mal vor allem auf der Annahme, dass man vor allem Pendler*innenströme aus dem Süden zum Umstieg bewegen kann. Dazu brauchen wir also erst einmal eine Zahl dazu, wie hoch der Anteil des Berufsverkehrs in Kiel ist. Dazu gibt es einen Mobilitätssteckbrief für Kiel von 2018. Allerdings wird hier zwischen Frauen und Männern getrennt. Ich nehmen jetzt mal die Werte für Männer, weil dort der Anteil des Berufsverkehrs höher ist (also zum Vorteil der Befürworter*innen der Maßnahme):

Die Bahn lohnt sich für Viele alleine aus dem Grund nicht, dass die Strecke für Viele viel zu kurz ist. Es geht hier primär um alle, die von Preetz nach Kiel fahren. Auf dem Theodor-Heuss-Ring(THR) wiederum geht es um eine Summe von rund 100.000 Fahrzeugen pro Tag. Jetzt geht es also genau um die Frage, wie viele der Pendler*innen bei einer Ausdehnung eines Taktes zwischen Preetz und Kiel bereit sind umzusteigen und wie viele Fahrzeuge dies betreffen würde.

Dabei muss man wiederum berücksichtigen, dass sich aus den Verkehrsströmen auf dem THR ergibt, dass nur der geringste Teil der Autos überhaupt Pendler*innen sind. Bisher nutzen rund 3000 Pendler*innen die Bahn von Preetz nach Kiel. Der Modal Split des ÖV lag laut Masterplan Mobilität 2015 bei 8%, 40% beim Auto. Demnach könnten es grundsätzlich rund 15.000 Pendler*innen sein, die von Preetz täglich nach Kiel reinfahren. Bzw. sind es wohl genauer etwas über 16.000 (siehe nteraktive Grafik KN-Artikel). Nicht alle davon fahren über den Theodor-Heuss-Ring. Ein Teil fahren auch auf das Ostufer oder direkt in die Innenstadt. Ich kalkuliere jetzt mal mit 50% die tatsächlich dann den Theodor-Heuss-Ring nutzen (und passe die Zahl gerne an, wenn es andere gibt!). Das wären 8.000, also in beide Richtungen dann 16.000 und damit rund 16% des Verkehrs.

Von dem Verkehr müssen wir nun noch die abziehen, für die die Bahn keine Alternative wäre. Dazu muss man bedenken, dass z.B. entlang des Westrings der Busverkehr mit er 81 relativ unattraktiv ist, weil man lange fährt und die Busse heute schon sehr voll sind. Konzentrieren wir uns also auf die Haltestellen.

Das sind in Kiel-Hassee CITTI-Park, Kronshagen und Suchsdorf. Hassee ist ein recht großer Stadtteil. Wobei auch flächenmäßig ist man oft noch lange nicht am Ziel, wenn man bei CITTI aussteigt. Wieviele Pendler*innen würden also tatsächlich diese drei Bahnhöfe nutzen? Vielleicht maximal 1/4?

Dann noch die Sache mit dem Umsteigen: Das es ein verbessertes Angebot bei der Bahn gibt, heißt noch lange nicht, dass auch Menschen umsteigen. Die Baustelle und Einschränkungen beginnen im April 2020 und enden wohl noch in diesem Jahr. Für den Zeitraum wird schon mal keiner sein Auto abschaffen, allenfalls stehen lassen. Vorsichtig geschätzt würde ich von ca. 5 % Umsteiger*innen ausgehen.

Jetzt müssen wir zunächst die Zahl derjenigen ermitteln, die umsteigen könnten: Von den 8.000 Fahrzeugen 1/4 wären 2000 Fahrzeuge. Davon dann 5% wären 100 Fahrzeuge. Für beide Richtungen 200. Damit kämen wir auf einen Effekt von rund 0,2% weniger Fahrzeuge auf dem Theodor-Heuss-Ring in Kiel pro Tag. Es gibt effektivere Maßnahmen!

Wie gesagt, bei jeder Änderung einer Variable könnte das Ergebnis anders sein.

Fazit

Die Maßnahme mehr Takt bei der Bahn von Preetz nach Kiel zu machen haben wir einen kurzfristigen Effekt von vielleicht 0,2% weniger Fharzeugen pro Tag oder 0,0838 µg/h. Im Ergebnis also vermutlich kein messbares Ergebnis. Die Aussage der SPD, dass die Bahn helfen kann die Stickstoffdioxid-Grenzwerte am Theodor-Heuss-Ring einzuhalten ist also grob irreführend! Zudem muss man davon ausgehen, dass wenn der Zeitvorteil durch die Sperrung des THR entfällt auch viel vom Umsteigeverkehr wieder zurückfällt. Insbesondere bei denen, die ihr Auto nicht abgeschafft haben.

(2) Heißt das, die Maßnahme ist überflüssig?

Nein! Man muss das Ganze natürlich im Zusammenhang betrachten. Nahverkehr ist ein vernetztes System. Der Umstieg vom Auto/MIV zur Bahn/SPNV muss ein langfristiges Ziel sein und hat für einzelne Straßen oder wenige Monate überhaupt keine Bedeutung. Dies gilt insbesondere wenn es keine Verbesserung des Busangebotes der Stadt gibt. Und danach sieht es momentan nicht aus.

Um nicht missverstanden zu werden: Für die Klimawende ist der Ausbau und die Taktverdichtung absolut sinnvoll, ebenso wie eine Stadtbahn oder die Reaktivierung, Neubau und Renovierung von Strecken oder das Schließen von Lücken im Netz. Aber man muss ehrlich sein und darf nicht so argumentieren, als wenn die Bahn innerstädtische Probleme lösen könnte. Es geht eigentlich darum auch Pendler dauerhaft zum Umstieg zu bewegen. Und das geht nur dann, wenn sie bereit sind ganz auf ihr Auto zu verzichten. Ein Testballon von wenigen Monaten bringt da gar nichts. Auch geht es dann natürlich auch um mehr: Kommt man z.B. auch weiter nach Schönberg von Preetz? In der Verkehrspolitik wird leider oft sehr oberflächlich argumentiert und nicht nachgerechnet. Dabei sollten gerade Politik und Verwaltung genau dies tun. Und die Journalisten sollten es nachprüfen. Das Beispiel zeigt aber auch, dass mit 73% der restliche Verkehr viel bedeutender ist, als der Berufsverkehr. Der ist nur relativ auffällig weil es sich dann gerne staut. Die Masse an Stickoxiden hängt damit aber nicht zusammen. Beim Freizeitverkehr ist z.B. auch eine Vermeidung von Fahrten gut möglich, die dann ersatzlos wegfallen. Will die Stadt wirklich 40% weniger Autoverkehr muss man so weit denken.

Written by tlow

28. Februar 2020 at 19:37

#Luftreinhalteplan für Kiel #LRPKiel #NOx

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Leider konnte ich bisher keinen tieferen Blick in den Luftreinhalteplan werfen, da die Stadt Kiel und das MELUND diesen scheinbar nur den etablierten Medien zugänglich macht. Da gibts noch Nachholbedarf. Ich beziehe mich jetzt also nur auf das, was bekannt ist. Von „vorgelegt“ kann man beim neuen LRP also noch nicht sprechen.

Interessant dabei: Zwar lehnt man Maßnahmen wie die Sperrung von Fahrspuren ablehnt. Gleichzeitig nennt die Stadt Kiel als „Maßnahme“ eine Baustellen im Jahr 2020, wo vermutlich eine Fahrspur gesperrt wird. Man klopft sich also für eine Maßnahme auf die eigenen Schultern, die man aus Prinzip ablehnt. Verwirrt? Zu recht!

Und dann lesen wir daraus, dass davon ausgegangen wird, dass die Luftfilter, die mit einem Fahrverbot für Fahrräder auf dem Theodor-Heuss-Ring einher gehen, zu 20 % die Stickoxide filtern sollen.

„Ich freue mich, dass die vorgelegten Gutachten der Hersteller eine ausreichende Minderungsleistung von Absauganlagen in Aussicht stellen. Nun muss es darum gehen, diese Maßnahme zügig in die Umsetzung zu bringen, um endlich für saubere Luft für Anwohnerinnen und Anwohner zu sorgen“

Umweltminister Albrecht

Vorher klang das seitens der Stadt Kiel eher so, als hätte man die Wirksamkeit bereits bewiesen. Gutachten von Herstellern? Bei Dieseln wurden offizielle Messwerte für Abgaswerte mit staatlichem Siegel. Und die stimmten nicht. Und stimmen nach wie vor nicht mit der Realität überein. Wieso nehmen wir plötzlich irgendwelche Werbeaussagen eines Herstellers ernst? Warum hat man nicht einfach die Testanlagen eine Stunde laufen lassen und nimmt die Werte des offiziellen Messgerätes? Dort wo sie liefen, gab es keine messbaren Senkungen. Angeblich soll es mit zusätzlichen Messgeräten Senkungen gemessen haben. Aber es tud mir leid: Was irgend wer woanders misst, aber nicht der staatlichen Messstelle entspricht interessiert nicht! Ausschlaggebend sind lediglich die offiziellen Messwerte!

Es könnte absurder nicht sein: Die Stadt weiß, wie sie die Abgase reduziert und nennt diese sogar als Maßnahme, auch wenn man solche Massnahmen ablehnt. Gleichzeitig setzt man auf unbewiesene Zauberkästen, die auf magische Weise die Stickoxide senken sollen. Ich kann daran nicht glauben. Und es ist absehbar, dass dieses Papier der Stadt und dem Land um die Ohren fliegt. Wie lange kann man noch über die Wirklichkeit hinwegtäuschen?

Written by tlow

12. Januar 2020 at 09:57

Veröffentlicht in Umwelt, Verkehr

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Land gibt im Kampf gegen #NOx auf #LRPKiel #THRKiel #Klimanotstand

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Seit gestern ist der neue Luftreinhalteplan (als PDF) für Kiel online. Hier eine kurze Zusammenfassung der wesentlichen Ergebnisse und Vorschläge:

  1. Das Ziel 2019 die Werte unter 40 Mikrogramm NOx am Theodor-Heu-Ring zu erreichen um ab September Fahrverbote zu vermeiden wird aufgegeben.
  2. Stattdessen wird lediglich diskutiert, dass man vielleicht 2021 das Ziel mit Luftreinigungsanlagen erzielen könnte (vorausgesetzt ihre Wirksamkeit wird nachgewiesen).
  3. 2020 setzt man darauf, dass eine Baustelle die Werte ausreichend senkt.

Die Deutsche Umwelthilfe sagte dazu laut NDR-Bericht:

„Die im Plan enthaltenen Maßnahmen, die Sperrung einer Fahrspur für Dieselfahrzeuge oder eben Absauganlagen, sind absolut absurd und nicht wirksam.“

Das Bundesverwaltungsgericht Leipzig sah es als zumutbar an ab September Fahrverbote einzuführen:

Zur Herstellung der Verhältnismäßigkeit dürfen Euro-5-Fahrzeuge jedenfalls nicht vor dem 1. September 2019 (mithin also vier Jahre nach Einführung der Abgasnorm Euro 6) mit Verkehrsverboten belegt werden.

Dort wird auch mit Unwahrheiten operiert. So wird auch behauptet, dass die Südspange Gaarden eine Verkehrsentlastung bringen wird.

Größere Verkehrsinfrastrukturprojekte wie zum Beispiel die Südspange, die zu einer Minderung oder Vermeidung der NOx Belastung am Theodor-Heuss-Ring führen würden, können aufgrund der Planungs-, Genehmigungs- und Bauzeiten in keiner Weise zur kurzfristigen Einhaltung der Grenzwerte beitragen.

Dazu noch mal der Hinweis von @BieBeKoppelKiel:

Seite Quelle ist die Drucksache 0277/2016 im Ratsinformationssystem (Beschlussvorlage des Tiefbauamtes). Ich habe mir die Zahlen der Prgnosen aus 2016 selbst noch ein mal anders angesehen aus diesem PDF:

Da ich die Zahlen (Prognosen für 2025) von Bielenbergkoppel.de so auf die Schnelle nicht nachvollziehen konnte, habe ich meine eigenen Berechnungen vorgenommen und NUR den für den Luftreinhalteplan entscheidenden Bereich am Theodor-Heuß-Ring mit verschiedenen Planfällen, die dort genannt werden verglichen. Ich komme aber (anders) zum Gleichen Ergebnis:

VariantenTHR Kfz/24hSteigerung
Verkehrszahlen 201395070
keine Änderung (Plan 0+)133100140,00 %
B404 + Südspange (Plan 1)132700139,58 %
Mit Südspange (Plan 2)135250142,26 %
A21 o. Südspange (Plan 3)131950138,79 %

Wir können darin erkennen, dass die geringste Steigerung des Verkehrs und somit von Stickoxiden und CO2 im Fall 3 ohne Südspange und lediglich dem Anschluss der A21 erfolgen würde. Die reine Südspangen-Lösungen würde zur höchsten Belastung führen.

Wie kann man da in dem Luftreinhalteplan (LRP) also von einer möglichen Senkung der Schadstoffe sprechen?

Und obwohl es beim LRP primär um Stickoxide geht, müsste man politisch sinnvoller weise immer weitere Faktoren wie eben Kohlendioxide und Feinstaub mitdiskutieren. Und auch, dass die Grenzwerte in einigen Jahren gesenkt werden. So ist heute schon absehbar, dass bei einer Senkung der Feinstaub-Grenzwerte selbst bei 100% Elektromobilität das Problem bleibt, denn dieser entsteht mehrheitlich aus Reifenabrieb.

Unter dem Strich: Der neue LRP-Entwurf ist handwerklich schlecht und enthält Fehler bzw. Falschaussagen. Zudem hat vor wenigen Wochen die Stadt Kiel erst den Klimanotstand ausgerufen. Was bedeutet das denn für die Klima- und Verkehrspolitik? An dieser Stelle wäre mal die Möglichkeit mit einer Klatsche mehrere Fliegen zu erwischen!

Written by tlow

2. Juni 2019 at 09:16

#Luftreinhalteplan für Kiel #FahrverbotLight #rvkiel

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Written by tlow

29. Mai 2018 at 21:40

Veröffentlicht in Rathaus, Umwelt, Verkehr

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#Emissionsschutzwand Und Stickoxide im Auto #Kiel

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[Foto Insassen mit Mundschutz]

obs/AUTO BILD/Bildrechte: AUTO BILD

Vor zwei Jahren erregte diese Meldung in Deutschland einiges aufsehen:

„Die Messungen zeigen, dass Autofahrer in vielen Situationen einer Stickoxid-Konzentration ausgesetzt sind, die deutlich über dem Jahresgrenzwert von 40 Mikrogramm NO2 je Kubikmeter Luft liegt“, so AUTO BILD-Redakteur Matthias Moetsch. „Der Spitzenwert lag mit 534 Mikrogramm NO2 sogar um mehr als das Zehnfache höher.“

So die Aussagen des Heidelberger Institut für Umweltphysik (IUP).

Aktuell wird das Ganze jetzt durch die Diskussion um „Emissionsschutzwände“ in Kiel. Sollten dabei Schadstoffe so zurückgehalten werden, dass sie eher auf der Straße bleiben, als vom Wind fortgeweht zu werden, würde man so eingreifen, dass man die Belastung für Autofahrer*innen und z.B. Kinder als Insassen erhöht zugunsten der Senkung der gemessenen Grenzwerte direkt an der Messstation am Theodor-Heuß-Ring.

Gespannt kann man nun auf den neuen Luftreinhalteplan warten, den Umweltminister Robert Habeck bis spätestens Ende Mai für Kiel vorlegen möchte.

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