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Veranstaltungsreihe und Ausstellung zur #Novemberrevolution in Kiel #Matrosenaufstand

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Von Juni bis September findet in Kiel unter dem Titel „Call Me Räterepublik“ eine Veranstaltungsreihe und eine Ausstellung rund um die Themengebiete Matrosenaufstand, Räterepublik und Revolution statt. Anlass ist, wie auch bei anderen Veranstaltungen in Kiel, das 100-jährige Jubiläum der Revolution von 1918. 

Den Anfang macht am 7. Juni um 19 Uhr die Ausstellungseröffnung in der Galerie ONspace
:
Vier Künstler*innen: Johannes Litty, Wiebke Wolkenhauer, Torben Laib und Johannes Flechtenmacher, präsentieren ortsspezifische Arbeiten zum Thema Revolution Zwischen Sound, Film und Installation. Bis zum 05. Juli. Öffnungszeiten jeweils Dienstags, Mittwochs, Donnerstags und Sonntags zwischen 15 und 18 Uhr.

Am 9. Juni stellen die Referenten Klaus Kuhl und Helge Döhring ihre Erkenntnisse über die Zeit der Revolution in Deutschland und der Räterepublik vor. Um 17 Uhr wird der Historiker Klaus Kuhl beschreiben, warum und wie sich die Aufständischen in Kiel in Räten organisierten.
Im Anschluss behandelt Helge Döhring folgende Fragen: Ein Staatssystem bricht zusammen, und ein anderes System übernimmt das alte. Ist das eine soziale Revolution? Wie beurteilte die syndikalistische Arbeiterbewegung die Situation? Was verband und was trennte sie theoretisch und praktisch von den revolutionären Ereignissen?

Am 15. Juni um 17 Uhr findet eine Dialogische Lesung zu Ernst Tollers „Eine Jugend in Deutschland“ vorgetragen von Horst Stenzel und Corbin Broders statt.

   
„Drumming the Monument“,
so nennt sich eine Soundaktion am Denkmal zum Matrosenaufstand im Ratsdienergarten von Detlef Schlagheck, Momen Shaweesh und Drummer der Kieler Musikszene. Am 14. Juli um 22.15 Uhr.

Fire and Flames Music and Clothing veranstaltet dann im September zwei weitere Veranstaltungen:

Bernd Langer stellt am 21. September um 20 Uhr sein  Buch  Revolution 1918 im Subrosa vor. Das Fire and Flames Festival findet am 22. September in der Alten Meierei statt. Unter dem Titel „Rockin‘ like it’s 1918“, ab 17 Uhr.

Organisiert wird diese Veranstaltungsreihe von: Galerie ONspace (K34 e.V.), 1ToDo Institute, Fire and Flames Music and Clothing in Kooperation mit der LAG Soziokultur

Written by tlow

2. Juni 2018 at 08:49

Wieso eigentlich „Studentisches Wohnen“?

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Die Linksfraktion in Kiel kritisierte den Begriff des „Studentischen Wohnens“. Zitat:

„Das Problem ist nicht ein Mangel an Wohnungen für Studierende, sondern generell fehlende Wohnungen die auch ohne großes Einkommen bezahlbar sind. Hier das Studentische Wohnen in den Mittelpunkt zu stellen ist nur der Versuch, davon abzulenken, dass immer mehr Menschen trotz festem Einkommen ihre Wohnung nicht mehr bezahlen können und von Räumungsklagen betroffen sind. Es kann nicht sein, dass EmpfängerInnen von Leistungen nach dem ALG II in Kiel keine Wohnung mehr finden, bei der sie nicht von Zuzahlungen aus den knappen Regelsätzen betroffen sind. Das Grundrecht auf eine Wohnung muss endlich auch in Kiel wieder hergestellt werden!“, so Fraktionsvorsitzender Heinz Wieser abschließend.

Da ist ja einiges dran. So eine Wohnung kennt ja ihre Bewohner*innen gar nicht. Wie kann es da also um „Studentisches Wohnen“ gehen?

Hierbei geht es um den Wirtschafts- und Bildungsstandort Kiel. Alleine der Titel der Aktuellen Stunde vermittelt, dass es in Kiel Menschen erster und zweiter Klasse gibt.

Ein wenig Einblick darin, welche Sau da durchs Dorf getrieben wird lässt der Titel einer Investmentkonferenz aus diesem Jahr erahnen: „Investment-Konferenz Studentenwohnen – Rein in den Markt Kleine Wohneinheiten groß im Trend
am 19.06.2013 in Berlin“ . Aus dem Veranstaltungstext:

Das Thema Studentisches Wohnen hat in den letzten Jahren deutlich an Bedeutung gewonnen. Unterschiedliche Anbieter drängen auf den Markt, um speziellen Wohnraum für Studierende als Renditeobjekt zu schaffen. Die Renditeerwartungen sind mit etwa 6% p.a. im Vergleich zu vielen anderen Immobilieninvestitionen deutlich höher.

Weiterhin:

Studentenwohnheime sind schnell vollvermietet und bieten eine attraktive Ausschüttungsrendite. Aufgrund der vergleichsweise kurzen Mietverträge lassen sich die Mieten in Studentenwohnheimen flexibel an den Markt und potenzielle inflationäre Entwicklungen anpassen

Das macht deutlich: Es geht hier weniger darum einen Schwerpunktproblematik anzugehen. Vielmehr geht es der Politik darum für (Immobilien-)Investoren eine attraktive Anlagemöglichkeit in Kiel zu schaffen und damit Geld/Kapital nach Kiel zu holen. Die Studierenden selbst sind dabei lediglich Objekt/Verschiebemasse. Nebeneffekt für Kiel ist, dass Studierende als kreativ gelten und als zukünftige Akademiker*innen eine umworbene Klientel sind. Nicht umsonst gibt es eine Vielzahl an Angeboten für sie, angefangen von der Billigflatrate bei ver.di (2,50 € pro Monat), über günstige Zeitungsabos (Beispiel FAZ) bis zu günstigen Kontos (Beispiel Sparkassen). Die Rechnung ist dabei, dass eine frühzeitige Entscheidung für ein Produkt oder einen Anbieter diese potentiell kaufkräftigen Kund*innen langfristig bindet. Wie sinnvoll das Ganze wirklich ist, ist fraglich. Ich vermute dabei auch, dass  zum Teil auch das eigene Klientel der Akademiker*innen, die in Entscheidungspositionen gekommen sind auch für ihre eigene Peer-Group mitsorgt und somit auch gewisse gesellschaftliche Vorteile für sich selbst erhält. Man war ja selber auch mal jung, an der Uni und hat von daher auch mehr Verständnis für die Probleme, Bedürfnisse und Sorgen derjenigen, die in die eigenen Fußstapfen treten. Das ist, so denke ich, eine erfolgreiche Strategie des Machterhalts. Genau so wendet es sich auf der anderen Seite gegen andere Gruppen, die eine untergeordneten Klasse angehören. Es gibt zwar auch immer mehr arbeitslose Akademiker*innen, aber die sind per Definition nicht in Entscheidungspositionen. Sind sie ehemals arbeitslos haben sie umso mehr einen Grund sich von dem „Gesindel“ zu distanzieren.

Und deshalb propagieren GRÜNE und SPD auch so unverfroren für „Studentisches Wohnen“. Sie tun es für sich selbst und Ihresgleichen. Natürlich sind Hartz-IV-Empfänger*innen eher das Klientel der LINKSPARTEI. Und wenn man dann noch den Fall Uthoff sieht – und man weiß: Das ist keine Ausnahme, dann wird natürlich deutlich, dass es tatsächlich Ungerechtigkeiten gibt. Oder der Fall des Bauherrn Schneider („Peanuts“).

Es ist aber nicht nur eine Frage der gerechten Verteilung. Letztlich entscheiden alle Menschen nach ihren eigenen Interessen und Möglichkeiten. Bestimmt wird auch die Kieler Kommunalpolitik von den Einflußreichen, von den (anonymen) Fonds, die letztendlich profitiert haben von der Finanzkrise und die auf die nächste Investitionsblase warten. Das ist eben mehr als nur Ungerechtigkeit, sondern die Gesetzmäßigkeit des Marktes. Der Markt braucht Gewinner und Verlierer. Und die Aufgabe der Politik ist es heutzutage offensichtlich, sich hauptsächlich um die Interessen der Gewinner zu kümmern, während die Verlierer einpacken können. Engagement für die „sozial Schwachen“ wird zur Feigenblattfunktion. In der SPD ist das unabdingbarer Teil der Selbstinszenierung. Auch wenn man selbst mehr als 16 Jahre Kohl für einen sozialen Nordwind gesorgt hat, sieht man sich doch immer noch als eigentliche Partei der Arbeiter*innen und als Fürsprecher der Armen. Und damit kommt man nun erstaunlicher weise seit Anbeginn der Partei durch. Man schafft es sogar auf Matrosen schießen zu lassen und sich dann später als Sachwalter des Matrosenaufstandes zu präsentieren. Da hatte Herr Albig vor einigen Jahren sogar rote Fähnchen zum Demonstrieren verteilen lassen, die dann  hinterher hübsch brav wieder eingesammelt wurden. Was für ein Sinnbild! 🙂

 

 

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