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Kieler Haushalt 2014

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Ein Spaßbad (Quelle: WIkipedia)

In der KN (Kieler Nachrichten) kann man heute auf Seite 18 zwei nicht sehr fröhlich dreinblickenden Herren sehen, die sich gemeinsam an einem Stapel Papier festklammern: Dem Haushaltsentwurf 2014. Fazit der Herren und des Artikels: Kiel gehts schlecht, das Ende der Fahnenstange sei erreicht.

Verwunderlich aber: Es gibt für Kiel eine Schuldenbremse von 30 Millionen Euro. Durch die SPD-Freunde im Land fällt das Kompromissbad an der Hörn ausdrücklich nicht darunter. Die Schulden sind daher höher. Die KN bezeichnet es als „wichtige Zukunftsinvestition“ zusammen mit dem neuen Kraftwerk. Wobei diese Verknüpfung äußerst fragwürdig ist. Denn auf der einen Seite kommt Kiel an einem neuen Kraftwerk nicht vorbei, es ist essentiell. Auf der anderen Seite gab es viele Alternativen zum Kompromissbad, die allesamt viel günstiger waren. Und Schwimmbäder gehören zu den freiwilligen Leistungen einer Kommune. Das sieht man schon daran, dass die Stadt Kiel es sich leistet viele der Bäder geschlossen zu halten oder in Zukunft zu schließen. Sie hält also z.B. die Möglichkeit zu Schwimmen in Gaarden für absolut verzichtbar. So essentiell wie ein Kraftwerk kann das Schwimmen also nicht sein.

Und obwohl die SPD-geführte Landesregierung Kiel hilft mehr Schulden zu machen, als ihr gu ttut ist der Chor der Befürworter zweifelhafter Großprojekte quer durch die Opposition und Medien groß. Einzig die Stadtregionalbahn, die laut Umfragen große Zustimmung in der Bevölkerung hätte wird in dem Artikel als „umstritten“ bezeichnet. Das ist auch wahr, was Medien und Opposition angeht, Aber ich würde mal locker behaupten, dass die Unterstützung für die SRB weitaus größer ist, als für das Kompromissbad. Also ist letzteres weit umstrittener und momentan auch teurer und verzichtbarer als eine Stadtregionalbahn. Ich denke auch, dass das Kompromissbad nicht in der Lage sein wird die verschiedenen Bedarfe zu decken. Letztlich bekommt Kiel damit, was die Stadtregierung immer wollte: Mehr als nur Schwimmen, AUFGEWERTETES Schwimmen. Luxus.Schwimmen auf Kosten der Steuerzahler. Es ist für mich unfassbar, wie man mit so einem Klotz am Bein in die Haushaltsberatungen gehen kann, ohne  das daran Kritik laut wird. Und die Erfahrungen vieler anderer Städte (wie Flensburg) zeigen ja auch grundsätzlich, dass solche Bäder sich oftmals nicht rechnen, gerade in Konkurrenz zu anderen Großbädern im Lande. Aber da gilt in Kiel das Prinzip Hoffnung: Uns kann sowas ja nicht passieren. Bescheidenheit sieht anders aus.

Es sieht eher so aus, als wenn man im Rathaus Ideen hätte, sondern nur so mit Projekten um sich rudert, um das rettende Ufer zu erreichen. Aber dabei macht mans damit eher schlimmer als besser. Bei dem ganzen Gespare ist man dem Ziel eines ausgeglicheneren Haushalts ja auch keinen Schritt näher gekommen. Der Sinn von Schuldenbremsen ist dabei ebenso zweifelhaft wie überhaupt die Zusammensetzung und Geldquellen der Kommunalfinanzen.

Zu Neuen Medien und Offenem Kanal

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Da doch recht wenig von dem Interview, dass ich Kiel Aktuell vom Offenen Kanal Kiel gegeben habe in der Sendung am 28.01. verwertet wurde möchte ich einige meiner Thesen hier noch mal ausbreiten:

Zum einen zeigt dieser Artikel Möglichkeiten von Blogs: Ein Fernsehbeitrag muss in kurzer Zeit entstehen und für jeden Beitrag gibt es nur einen gewissen Raum. Redakteure, ob nun im Offenen Kanal als auch beim NDR oder auch in einer Tageszeitung müssen gewichten und entscheiden, was sie hereinnehmen und was nicht.

Ein Blog, insbesondere das eigene, bietet dem Autor alle Freiheiten das zu sagen und zu zeigen, was er will. Es besteht weder eine Zeit- noch eine andere Einschränkung. lediglich das Medium selbst und die Frage wie viel Zeit man für den eigenen Beitrag aufbringen will stehen zur Disposition. Ich verdiene mit meinem Blog kein Geld. Ihr findet rechts immer einen Flattr-Knopf mit dem Leser, die dieses Blog unterstützen können und auch bei Flattr mitmachen ihre Unterstützung ausdrücken können. Allerdings ist das in meinem Falle eher eine Geste, denn eine echte Unterstützung, die es mir erlauben würde, zum Teil auch von der Recherche und dem Schreiben mein Leben zu finanzieren.

Ein wichtiger Aspekt, der in dem Beitrag von mir fehlte war meine Sichtweise zu dem immer wieder aufgemachten Konflikt zwischen klassischen Medien und dem Internet. Zum einen drängen alle klassischen Medien, von Öffentlich-Rechtlichen bis hin zu Privaten immer mehr ins Internet und sind Teil dessen, zum anderen gibt es inzwischen auch viele Journalisten, die nebenbei ein Blog betreiben, wo sie dann auch mal schreiben können, was sie wirklich denken – oder etwas unterbringen, wofür keine Redaktion Geld bezahlen will.

Es gibt Qualitätsjournalismus – und ich gönne es jedem Journalisten, wenn er für gute Arbeit auch gutes Geld verdient. Aber es gibt in der Masse auch viel Journalismus der entweder langweilig ist, weil er sich damit beglückt, Jubiläen beim Kaninchenzüchterverein in aller Form darzustellen, oder wo Journalisten einfach falsch recherchieren – oder nur Pressemitteilungen der Stadt Kiel abdrucken und es verabsäumen für ihr Geld dann auch mal nachzubohren und Zahlen in Frage zu stellen. D.h. die Rechnung bezahlter Journalismus = Qualitätsjournalismus stimmt so nicht. Auf der anderen Seite leisten freie Blogger auch oft wichtige Recherchearbeit – angefangen vom interessierten Bürger bis hin zu Bloggerkollektiven, die es vielleicht sogar schaffen mit der Werbung ihre Arbeit zu finanzieren.

Das ist eher eine Frage des Geschäftsmodells. Was wir heute erleben ist primär das Scheitern alter Geschäftsmodelle. Und das Internet und die dort angeblich vertretene Umsonst-Moral soll schuld daran sein.

Aber wie schon erwähnt streben alle Medienkonzerne spätestens seit den 90er Jahren mit viel Druck ins Internet als zusätzliche Einnahmequelle. Meinung und Nachricht (ich sage bewusst nicht Information!) ist dort ein Massengut. Verschiedenste Websites wetteifern um Leser und Werbeeinnahmen. Den Wettbewerb haben sich die Konzerne selber gemacht durch ihre Gier nach immer mehr. Das ist ähnlich wie bei den CDs: Damals haben die Musikkonzerne ihre Produktionskosten für Alben senken wollen und gleichzeitig die Gewinnspanne erhöhen in dem sie den Preis für Alben au im Schnitt 20 Euro hochtreiben wollten. Mit der CD haben sie ein Medium gewählt, dass nicht nur ihnen selbst es vereinfachte Musik schnell auf viele Träger zu kopieren, sondern auch den Konsumenten. Das Ergebnis, dass viele Konsumenten heute Musik umsonst aus dem Internet beziehen und beliebig oft weiterkopieren ohne Qualitätsverlust haben die Musikkonzerne wissentlich in Kauf genommen. Bzw. war der Reiz des kurzfristigen Gewinns größer, als die möglichen langfristigen Risiken.

Somit sehe ich die auf kurzfristige Gewinne ausgerichtete Strategie eher als das Problem heutiger Medienkonzerne, als das Internet als solches oder die dort vorhandene Umsonst-Moral. Menschen wollen möglichst viel Leistung für möglichst wenig Geld. Das sind grundsätzliche ökonomische Prinzipien jedes Einzelnen. Da das Kopieren im Internet eben so einfach ist, bestimmt dies immer mehr unser Handeln.

Es gab bereits mehrere Fälle, in denen nachgewiesen wurde, dass Journalisten heute oft über ein simples Abschreiben aus der Wikipedia nicht mehr hinausgehen. Bekannt geworden vor allem durch den Fall von unserem Herrn zu Guttenberg und seinem erfundenen zweiten Vornamen „Wilhelm“.

Eine kritische Haltung ist nötig. Weder die Wikipedia, noch ein guter Name eines Journalisten noch einer Zeitung bürgen für Qualität – und wir alle machen Fehler. Worin die klassischen Medien heute aus meiner Sicht vor allem versagen ist, dass sie für ihren Preis nicht die entsprechende unabhängige Qualität liefern. Siehe auch Wikileaks. Auf einmal findet man außerhalb des Journalismus Fakten und interessante Meinungen, die ansonsten in der Medienlandschaft fehlen. Und das oft kostenlos und geschaffen durch ehrenamtliches Engagement.

Es ist auch immer einfach er in der großen Masse mitzuschwimmen. Warum sollte die KN z.B. irgendwem weh tun? Inzwischen arbeiten Zeitungsredaktionen immer mehr nach Wirtschaftlichkeitsprinzipien. Wie im Beispiel der Firma Tabel bei der KN.

Die Kieler Nachrichten ist durch diesen Fall vollkommen unglaubwürdig geworden als moralische Instanz gegen Ausbeutung. Die schreiben etwas zum Fall Emmely? Wieso überhaupt noch? Die KN verkauft den Schein des Informiertwerdens. Es gibt da durchaus gute Journalisten, die sich mühe geben – aber was die Führung der KN angeht inklusive des Co-Management des Betriebsrat, so kriegt man da nur das kalte Grausen.

Noch mal zu meinem Verhältnis zu Organisationen, Parteien, Fraktionen: Klar sind meine Sympathien da unterschiedlich gewichtet. Dennoch bemühe ich mich alle Positionen so darzustellen wie sie sind. Es war mir aber bis zum heutigen Datum nicht einmal möglich eine Antwort zu erhalten, wie Aufsichtsratsposten in Kiel, in denen auch Ratsmitglieder gewählt werden können, entlohnt werden. Da ist jemand wie Herr Müller-Beck zwar ein hohes Tier beim DGB und der SPD,hält es aber nicht nötig auf  meine Nachfragen zu antworten. Die ich an dieser Stelle noch mal gerne in anderer Form wiederholen kann:

  • Trifft es zu, dass kein Aufsichtsratsmitglied bei der KiWI eine Aufwandsentschädigung bekommt?
  • Gilt das für alle Aufsichtsratsposten, die von der Stadt Kiel vergeben werden?
  • Liegt es in der persönlichem Entscheidung eines Aufsichtsratsmitglieds auf jegliche Entschädigung zu verzichten?

Von der KiWI gibt es z.B. keinen öffentlichen Rechenschaftsbericht. Auf Anfrage an die KiWI und städtische Stellen: Keine Antwort. Eine städische GmbH ohne Rechneschaftsbericht und offenbar ohne relevanten Aufsichtrat, denn der wir nicht einmal im Organigramm erwähnt (s.a. Artikel vom letzten Februar).

Der Fakt, dass man auf die meisten Emails keine Antworten bekommt rechtfertigt bereits alleine den Verdacht, dass Dinge vertuscht werden. Man hält es nicht einmal für nötig dies zu versuchen, in dem man antwortet – und wenn man antwortet, dann wird man rech, wie das Büro Stadtpräsidentin, dass mir auf Nachfrage der Quellenlage zur Zusammensetzung der Fraktionskosten lediglich einen KN-Artikel kopierte, der sich wieder auf die Stadtpräsidentin bezog. Damit verstieß sie bewußt und willentlich gegen das Informationsfreiheitsgesetz, auf das ich mich bezog.

Als Blogger sind meine Mittel begrenzt. Ich bin darauf angewiesen, dass man mir Informationen auch zuträgt – oder auch mich nach Unterstützung bei einem Thema fragt. Alleine kann man wenig ausrichten. Die Bereitschaft zur Kooperation ist aber sowohl unter Bloggern als auch im politischen Umfeld gering.

Was fehlt ist eine bessere Kultur eines streitbaren Diskurses. Viele Politiker, aber leider auch Blogger sind mehr damit beschäftigt Diskurse zu kontrollieren und dabei gut auszusehen, als sich in einen freien Wettstreit um Meinungen zu begeben. Ich sehe darin ein fundamentales Defizit im Demokratieverständnis. Alle wollen Mainstream sein und keiner beharrt gerne auf einer Minderheitenmeinung. Das heisst es wird kaum Widerstand geboten. Im Zweifelsfalle antwortet man lieber nicht. Immer schön friedlich bleiben. Oder nach der Strategie „Angriff ist die beste Verteidigung“ lieber den/die Kritiker attackieren und herabwürdigen, ihre Glaubwürdigkeit ankratzen.

Am besten geht dies mit einer Argumentation aus der Mitte heraus. D.h. man selber ist Teil einer ausgewogenen Mainstream-Mitten-Meinung – und der andere stellt ein Extrem dar und seine Kritik kann alleine deswegen nicht stimmen. Argumente oftmals Fehl am Platze. Nicht das ich nicht auch radikale Meinungen brandmarken würde – aber wenn dann aus vorhandenen Argumenten heraus – und nicht weil ich mich als Teil eines Medienmainstreams begreifen würde.

Leider funktionieren die oben genannten Herrschaftsstrategien auch im allgemeinen. Oft aber auch dadurch, dass Menschen mit explizit anderer Meinung sich nicht trauen ihre andere Meinung auch öffentlich zu machen. Die Angst ist bestimmend, man könnte schlecht aussehen – sich verplappern, sich eine Blöße geben. Damit aber unterstreicht man selbst diese Prinzipien und verhält sich ihnen gemäß. Öffentlichkeit ist eine Waffe gegen Korruption, gegen falsche Politik, Seilschaften, unsinnige Projekte, Fehlentscheidungen, gegen Machteliten uvm. . Jeder von uns hat eine andere Meinung. Es geht beim Bloggen aus meiner Sicht nicht darum zu versuchen einen neutralen Journalismus nachzuahmen, sondern sich als ganze Person,mit seiner ganzen Meinung in den Prozess der Meinungsbildung einer Gesellschaft einzubringen. D.h. auch bewusst anzuecken,weil man Projekte in Frage stellt, für die es einen breiten Konsens gibt. Wenn man Fragen stellt, die unangenehm sind, weil sie nicht nur zum Wohlfühlen gut sind.

In dem Sinne würde ich mich über mehr Nachahmer freuen. Menschen die nachdenken und ihre Meinung ins Internet tragen. Und dazu noch eine gewisse Lust am politischen Disput mitbringen um über bestimmte Fragen ÖFFENTLICH zu ringen. Und eben nicht nur hinter verschlossenen Türen.

Written by tlow

28. Januar 2011 at 20:36

Kiel Madsack / KN – Unsoziale Arbeitsbedingungen in Kiel – Teil II

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Mehr zu den Verhältnissen in der KN nach Teil I. Was wird im Kieler Druckzentrum in Moorsee gedruckt?

Der Stundenlohn der Tabel-Arbeiter lag/liegt bei 6,14 € brutto! Zu den Arbeitsbedingungen möchte ich eine Aussage eines Betriebsratsmitglieds zitieren:

„Bevor wir den Betriebsrat hatten, kam es häufiger vor das die Leute Schichten von 16 oder 18 Stunden machen sollten und aber nach 10 Stunden nach Hause wollten. Da hat man diese Stundenzettel einfach weggenommen, verschlossen, und so konnte keiner mehr seinen Zeitnachweis aufschreiben. Wenn er nach Hause gegangen wäre, hätte er für Lau gearbeitet. Das kann sich keiner bei uns leisten.“

Es gab in der Vergangenheit mehrere Versuche einen Betriebsrat zu gründen, dazu wieder ein Zitat. Ein Kollege versuchte es: :

„„Du darfst es nicht weitererzählen, aber ich glaube du kannst da mithelfen, wir haben was in Gange und wir wollen jetzt einen Betriebsrat gründen. Mit ver.di ist alles abgeklärt, wir sind da in der Rechtsberatung“. 14 Tage war diese Person noch da, dann war sie weg. Hatte zwei Diskussionen in der Geschäftsleitung hinter sich und hat gesagt, es wird alles nichts. Auf einmal war sie weg. […] Dann gab es noch zwei Kollegen vorher, die haben es auch versucht. Der eine hat dann auf einmal „eine Zeitung geklaut“, wurde fristlos gekündigt. Der andere wurde ausgehungert (Kalte Kündigung), bis er sagte, okay – ich klage jetzt nochmal, das hat er getan und wurde mit einer miesen Abfindung abgespeist. […] Zwischendurch gibt es da immer mal wieder einen, der den Märtyrer spielen möchte und sagt „ich rette euch alle!“ Der geht dann los, hat auch meistens was im Kopf gehabt, und gesagt er kämpft jetzt für die Leute. Er hat dann gesagt, er schmeißt zur Not auch seinen Job ins Feuer, dafür das wir vielleicht auch was bewegt bekommen. Im Endeffekt hat das dann immer dazu geführt, dass diese Leute dann abgesägt wurden.

Was war passiert, was passierte in der KN? Was passierte bei ver.di? Bei ver.di lief nicht alles sauber. Es gibt und gab einen Betriebsratsvorsitzenden Richard Ernst, der gleichzeitig Vorsitzender des Fachbereichs Medien bei ver.di in Kiel war. Und immer wenn jemand zu ver.di gegangen ist um die Gründung eines Betriebsrates bei Tabel anzuregen wurde das zunächst gutgeheißen. Irgendwann drang es dann zu Richard Ernst durch, und danach erfuhr es die Geschäftsleitung mit den Informationen über die Personen, die dahinter standen. Und dann waren diese Leute immer schnell weg aus dem Betrieb. Zufall? Wie viele Zufälle kann es geben? In den letzten Jahren scheiterte eine ganze Reihe an Betriebsratsgründungen. Bei ver.di wurde daher Richard Ernst nicht mehr in verantwortliche Position beim Medienbereich wiedergewählt (siehe ver.di-Bericht). Im Betriebsrat der KN konnte er sich erstaunlicherweise wieder wählen lassen, weil die Unterstützung für Alternativkandidaten von einem Tag auf den anderen wegbrach und mit dieser zur Unperson gestempelt wurde. Ein Schelm, wer Böses dabei denkt!

Läuft da Bestechung? Ich denke nicht. Es ist eher eine Frage der Klasse. Es ist im Grunde genommen das Strickmuster von Agenda 2010: Es wird noch einmal unterteilt zwischen relativen Profiteuren einer Umgestaltung der Arbeitslandschaft und denen, die manche vor ein paar Jahren als „Die Überflüssigen“ bezeichneten.

Die großen Gewerkschaften kümmern sich um die Inhaber von Arbeitsplätzen, aber immer spezieller um diejenigen, die keine prekären Arbeitsbedingungen haben. Sie sind Interessenvertretung der übriggebliebenen Facharbeiter. Dabei sind sie sowohl bundesweit als auch lokal bis hin zur betrieblichen Ebene allzu oft bereit die Interessen der geringfügig Beschäftigten zu verkaufen. Und da passt dann auch eine gezielte Indiskretion ins Verhandlungskonzept. Eine Hand wäscht die andere. Dazu kommt sicher auch so etwas wie eine Kernkollegialität dazu zwischen alteingesessenen Arbeitern und der Bedrohung durch Billigarbeitskräfte. Ob das langfristig eine gute Strategie ist, sich zu entsolidarisieren und darauf zu hoffen, dass man als „Eigentümer“ eines relativ sicheren oder (noch) relativ gut bezahlten Arbeitsplatzes noch gut bei wegkommt, ist fraglich. Denn die Entsolidarisierung sorgt für eine Senkung des Lohnniveaus und der Arbeitsstandards. Dadurch werden für Unternehmen die Methoden des Lohndrückens, des Oursourcings und der Entlassung von Facharbeitern zugunsten von Ungelernten natürlich immer attraktiver.

Der Kern der Arbeiterbewegung und der gewerkschaftlichen Arbeit war die Solidarität über Grenzen hinweg – über Grenzen des Geschlechts, der Herkunft, der Einkommenskategorie oder des Bildungsniveaus. Seit vielen Jahren bewegen sic die etablierten Gewerkschaften mit Ausnahme der kleinen basisdemokratischen FAU oder der Wobblies auf dem Weg der Entsolidarisierung. Denen fällt ausser dem Schreien nach Mindestlohn nicht mehr viel ein. Und sie lassen damit ihre Leute im Stich. Wenn Gewerkschaften anfangen Betriebsratsbildungen zu sabotieren, so verraten sie ihre Aufgaben und werden so zu unternehmerfreundlichen Gelben Gewerkschaften. Niemand wird von DGB-Gewerkschaften Wunder erwarten können, aber dass sie ein Mindestmaß an Schutz bieten und sich für die Rechte ihrer Mitglieder einsetzen sollten eigentlich selbstverständlich sein.

Bedarf es da wirklich erst der Intervention von Parteien wie der Linken, wie in Kiel, wo Cornelia Möhring sich für die Unterstützung der Betriebsratsgründung stark gemacht hat? Muss eine Politikerin einer Gewerkschaft erzählen, was ihre Aufgabe ist? Das sollte nicht nötig sein. Arbeiterinnen haben eigene Organisationen gegründet, um von der Politik unabhängig ihre Interessen direkt zu vertreten. Man muss an dieser Stelle das Engagement der Linken loben sich hier für die Tabel-Leute einzusetzen, auch wenn der Betriebsrat jetzt nicht zu einer langfristigen Sicherung der Arbeitsplätze führte.

Und was den KN-Betriebsrat angeht, so würde es Zeit, dass sie sich solidarisch erklären. Denn sonst sind ihre Arbeitsplätze schneller umgewandelt als sie denken können. Oder es wird auch mal an den Journalisten gespart. Es hieß einmal die KN bezahlt ihre Journalisten besser als irgendeine Tageszeitung in Deutschland. Ist dem noch so – oder wird an der einen Stelle gespart, wo an der anderen Stelle Geld ausgegeben wird? Meine Erwartung als KN-Leser wäre, dass eine Tageszeitung ethisch verantwortlicher handelt als irgendein Wirtschaftsunternehmen. Doch ich musste im Falle von der KN in Kiel lernen, dass das Gegenteil wohl wahrer ist. Und das geht wohl nur deshalb so durch, weil die KN hier ein defakto Monopol hat.

Man sollte daher als Leser Druck machen bei der KN – drohen das Abonnement zu kündigen (aber es noch nicht tun).

Die Tabel-Leute sollten wieder reguläre KN-Mitarbeiter werden dürfen und einen angemessenen Lohn erhalten! Und der liegt mit Sicherheit über 12 Euro und nicht bei 7 Euro!

Madsack / KN – Unsoziale Arbeitsbedingungen in Kiel – Teil I

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Vor einigen Tagen habe ich zusammen mit ein paar Leuten ein Interview mit Beschäftigten der TB Personaldienste GmbH /Tabel (bei der KN= Kieler Nachrichten). Das Bild, dass sich daraus ergab war erschreckend. Arbeitsbedingungen wie man sie sich eher in Indien oder China vorstellt:

  • Defakto keine Pausen
  • Keine Getränke am Arbeitsplatz
  • Beseitigung aller Sitzmöbel und Stehhilfen
  • uvm.

KN-LogoWeitere Details möchte ich in weiteren Artikel veröffentlichen. Nur soviel schon enmal vorab:

Herr Tabel hat einen Werkdienstleistingsvertrag mit der Kieler Nachrichten geschlossen. Daher sind die Mitarbeiter von TB formal ḱeine Leiharbeiter, eher schlimmer, denn sie können sich nicht auf einige gesetzliche Regulierungen berufen. Die Mitarbeiter sind mehr als bei Leiharbeitsfirmen Eigentum von Herrn Rüdiger Tabel.

Die Firma Mahnsen aus Kiel erledigt dabei schon heute die „Expedition“, d.h. die Logistik – auch hier herrschen unmögliche Arbeitsbedingungen. Es kam in den verschiedenen Bereichen bereits vielfach zu Arbeitsunfällen, da viele Sicherheits- und Arbeitsschutz-Standards nicht eingehalten werden.

Und der große Witz an der Sache ist:

  • Warum wird in der KN nicht drüber berichtet?
  • Dreimal dürft ihr raten – welche Zeitung schwärzt sich schon gerne selbst an – entweder zensieren sich die Journalisten selbst, oder die Chefredaktion sorgt für die Unterdrückung von Meinungen.

Wie zynisch, wenn Zeitungen, die zu den moralischen Instanzen mit Kontrollfunktion zählen sollten, selber zu Tätern werden im  Bereich der Mitarbeiterausbeutung!

Wer sich selber informieren will, trifft die Mitarbeiter der KN (defakto sind sie das, auch wenn die KN das gerne anders sehen will) am nächsten Samstag, de, 22. an ihrem Stand an Europaplatz, oder am selben Tag, 17:30 Uhr um Sub Rosa, Elisabethstraße 25, Kiel – Gaarden. [Einladung vom KrisenTreffen]

Update 27.5.: Ich hatte den Namen der Gruppe „Madsack“ leider falsch geschrieben und soeben korrigiert.

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