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Gastbeitrag: Kieler Mieter beginnen zu rebellieren #Vonovia

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Vonovia Veranstaltung Mettenhof

Nachdem eine Mieterveranstaltung in Gaarden in der Räucherei so erfolgreich war, wurde eine ähnliche Veranstaltung in Mettenhof geplant, einem weiteren Schwerpunkt von Vonovia. Auch dieser Treff war mit knapp 80 Leuten gut besucht.

Interessant war, daß eine ganze Reihe Gaardener, die schon bei der Veranstaltung in der Räucherei waren, auch hier dabei waren. Sie wollen also mehr als die Lösung eines individuellen Problems. Sie wollen eine Vernetzung, sie hoffen auf mehr Erfolg in einem gemeinsamen Vorgehen.

Zuerst gab es die Faktensammlung im Schnelldurchlauf. Hintergründe über den Konzern Vonovia, desen Jahresgewinn gerade die Milliardenmarke geknackt hat. Dann Infos über die Situation in Kiel und speziell in Mettenhof. Es wurde auch von einem Block in Projensdorf berichtet, wo sich die Mieter eigenständig organisiert hatten, ohne daß irgendwelche Anschubhilfen von den bekannten Mieterinitiativen gegeben hätte. Als nächstes kamen die MieterInnen zu Wort. Es war fast wie Kabarett. Die Anekdoten von der Wohnsituation bei Vonovia und den Kommunikationsversuchen mit dem Spekulanten, erschienen wie erfunden. Unfähigkeit des von Vonovia gestellten Hausmeisterservices und Dreistigkeiten des Konzerns. Es wurde gejohlt und man stellte fest, daß sich die Geschichten noch steigern ließen. Es fand sich stets jemand, der noch krasseres erlebt hat.

Es war nicht unwichtig, daß sich bundesweit etwas in dem Bereich bewegt. Es wurden diverse Orte genannt, in denen die Mieter begonnen haben, sich zu organisieren. Und es war wieder Besuch aus Bremen da. Eine Aktivistin berichtete von den Aktivitäten zum Thema bei Solidarisch in Gröpelingen. Es sind nicht nur gemeinsame Aktionen, wie das gemeinsame Duracharbeiten der Nebenkostenaberechnungen, der kollektive Widerspruch und das Faxen aller Widersprüche über eine Faxnummer, der Plan, gemeinsam mit Medien und Forderungen zum Vonovia Büro zu gehen. [Diese Aktion hat gerade stattgefunden und wurde in diesem kleinen TV Beitrag dokumentiert: https://www.butenunbinnen.de/videos/demo-vonovia-100.html]
Der Redebeitrag der Bremerin bekam einen spontanen Applaus.

Am 27.4. soll in Mettenhof eine Mieterdemonstration stattfinden. Ich weiß nicht, ob in dem Stadtteil jemals demonstriert worden ist.

Der Redebeitrag der Bremerin bekam einen spontanen Applaus.

Am 27.4. soll in Mettenhof eine Mieterdemonstration stattfinden. Ich weiß nicht, ob in dem Stadtteil jemals demonstriert worden ist.

Weitere Mieteraktivitäten in Kiel

In Gaarden haben sich die Mieteraktivitäten bereits verfestigt, man trifft sich einmal im Monat in der Galerie Onspace (Iltisstrasse 10/Ecke Medusastr.), das nächste Mal am 7.5. und neuerdings gibt es einen wöchentlichen Beratungstermin (jeden Mittwoch zwischen 16:00 und18:00 Uhr in der Iltistraße 34, Libertärer Laden). Es ist keine Rechtsberatung, aber ein Austausch mit in solchen Dingen kundigen Mietern. Es gab eine ganze Reihe weiterer Flyeraktionen. Von Tür zu Tür der Vonoviagebäude. Und es gab weitere Straßenaktionen. Sich zeigen mit Transparenten und Flugblättern und offen zum Gespräch auf der Straße. Es ist enorm, auf welch fruchtbaren Boden das fällt. Vonovia ist verhaßt. Vonovia in ein Problem im Alltag vieler. Ein aktiver Mieter wollte den Mieterprotest in weitere Stadtteile tragen. Wir trafen uns zu fünft mit einem Karton voller Flyer, einen Kleistereimer und einigen selbstgemachten Mini-Plakaten. Es ging nach Schilksee, wo sich auch Vonovia im großen Stil eingekauft hat. Auf der Straße gab es viele Diskussionen mit Mietern, die von ihren Erfahrungen mit dem Wohnungsspekulanten erzählten, z.B. von einem Hochhaus, in dem 3 Monate der Fahrstuhl nicht funktionierte. Es gibt dort auch bereits erste Ansätze gemeinsamer Gegenwehr. Weiter gings in Friedrichsort. Dort hat sich der Konzern auch einen Großteil der Wohnungen gegriffen, oftmals ehemalige Werkswohnungen. In diesem Stadtteil ist wildes Plakatieren eher selten und so waren unsere Aktionen mit dem Kleistereimer von besonderer Wirkung. In unzählige Briefkästen ging eine Einladung zum nächsten Mietertreffen in Kiel Gaarden.

Bei dem Treffen in Gaarden war dann auch richtig was los. Fast jeder zweite kam aus Friedrichsort. Die Stimmung war gut. Man hat die Faxen dicke von dem, was man sich als Mieter*in inzwischen bieten lassen soll. Die falschen Nebenkostenabrechnungen, horrende Kosten für Hausmeisterarbeiten, die niemals geleistet worden sind und Ansprechpartner in Bochum, die keinerlei Ahnung von der Situation vor Ort haben, sind nicht länger hinnehmbar. Man diskutiert nun eine Infoveranstaltung in Friedrichsort und hofft eine eigene Struktur aktiver Mieter im Stadtteil aufbauen zu wollen.

Der sozialdemokratische Bürgermeister Ulf Kämpfer kündigte viele wohlklingenden Pläne für den sozial abgehängten Stadtteil Gaarden an. „Gaarden Hoch 10“ mag irgendwie lustig klingen, doch stecken handfeste Wirtschaftsinteressen dahinter. Man will eine wenig bauen und aufhübschen, aber am Ende will man Geld verdienen und will dafür eine zahlungskräftigeres Klientel. Man wird die ärmeren Bewohner verdrängen, rausschmeißen. Die können in die Pampa ziehen, wenn die Betuchteren diesen schönen Stadtteil für sich entdecken. Daß die explodierenden Mieten nach Renovierungen für einfache Leute immer weniger erschwinglich sind, interessiert bei einem Gaarden Hoch 10 Konzept scheinbar nicht. Das sehen die Mieter jedoch anders. Bei dem Stadtteilfest Kulturrotation am 11. Mai wollen sie ihre Stimme erheben und klarstellen, daß an den Plänen der Stadt vieles nicht im Sinne der Bewohner des Stadtteils ist.

Doch zuerst stehen die Vorbereitungen zur Demo in Mettenhof an. Am 27.4. um 14°° geht’s vom Famila Parkplatz los.

Gastbeitrag von Karsten Weber

Written by tlow

18. April 2019 at 07:38

Veröffentlicht in Gastbeitrag, Stadtentwicklung, Wohnen

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#Krautreporter zu #Kaufland in Kiel-Mettenhof

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Die neue Website krautreporter.de hat einen Artikel von Peer Schader mit dem Titel „Kaufland kommt“ veröffentlicht in dem es um das Gebahren von Kaufland (Schwarz-Gruppe) nicht (nur) in Kiel-Mettenhof geht.

Teaser: Mit allen Mitteln sichert sich die Discountkette Kaufland neue Standorte für ihre riesigen Märkte. Manche Kommunen wehren sich. Die meisten lassen sich überrumpeln. Für viele Städte werden die Folgen erst nach Jahren sichtbar.

Der Bebauungsplan, der zur Genehmigung des Anbaus von Kaufland nötig war, wurde später vom OVG Schleswig kassiert.

„Krautreporter“ ist eine Website, deren Artikel frei abrufbar und werbefrei sind. Es wird versucht die Seite über Mitgliedschaften zu finanzieren, Ein durchaus interessantes Konzept.

Written by tlow

2. November 2014 at 22:40

Finanzsituation: Was kommt auf Kiel ab 2013 zu?

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Heute läuft die Oberbürgermeisterwahl. Das Ergebnis steht noch nicht fest. Fest steht hingegen, dass die relativ gute Situation, in der Kiel sich zur Zeit befindet sich massiv verschörfen wird im Zuge dessen, was nun auch in Deutschland in Reaktion einer weltweiten Wirtschaftskrise auf uns zukommt.

Die vielfach zu lesende Meinung, dass es schlimm stünde um Kiels Haushalt kann ich nicht teilen. Zum einen ist das Minus weit geringer,  als in früheren Haushalten prognostiziert.

Dieses Jahr prognostiziert die Stadt Kiel bis 2015 eine weitere Verringerung des Fehlbetrages. Dabei standen die Zeichen wirtschaftlich nie so schlecht wie zur Zeit. Bis her hat Deutschland die Wirtschaftskrise ja überhaupt nicht getroffen. Ende November meldete die Agentur für Arbeit ein Rekordtief der Arbeitslosigkeit in Kiel. Am 28. September diesen Jahres dann ein weiteres Absinken. Deutschland hat bisher von der Wirtschaftskrise eher profitiert.

Allerdings lassen verschiedene Indikatoren aufhorchen, die viele Kritiker schon seit langem erwartet haben:

Es ist bekannt, dass die Nachfrage in der EU nach deutschen Produkten schon lämger zurückgegangen ist  angesichts der Folgen der Austeritätspolitik. Bisher wurde das durch ein Mehr an Nachfrage außerhalb Europas, v.a. Chinas aufgefangen.

Die Automobilindustrie ist die bedeutendste Branche in Deutschland, an der weit mehr hängt als nur die Zulieferer. Bisher geht es der Maschinenbau-Branche noch gut, aber wie die WELT schreibt: „Wer wissen will, wie es der deutschen Wirtschaft in den kommenden Monaten gehen wird, sollte daher auf andere Branchen schauen;

Gehen Export zurück, trifft das den Kieler Hafen um so mehr. Dort wurden 2011 6,25 Mio Tonnen umgeschlagen (Quelle: Wikipedia). Der Tourismus könnte ebenso einbrechen, wenn immer weniger Menschen das Geld für Reisen haben.

So könnte Kiel genau das auf den Fuß fallen, was man einseitig die letzten Jahrzehnte betrieben hat: Ausbau von Tourismus und Hafenwirtschaft (z.B. auch millionenteure Sanierung der Innenförde). Gleichzeitig hat man den VerliererInnen der Wirtschaftentwicklung vorgeworfen, dass sie günstigen Wohnraum in Gaarden nutzen. Man versteigt sich sogar so weit, dass man von Gaarden verlangt einen gerechten Anteil an der Kieler Wirtschaftskraft zu leisten. Vergessen wird dabei, dass ohne Gaarden und damit auch ohne die Werften, Kiel wirtschaftlich vollkommen unbedeutend wäre. Gaarden wurde eingemeindet, ihm wurde der Aufbau einer Kriegsindustrie aufgezwungen, ArbeiterInnen in unmittelbarer Nähe angesiedelt – und man hat gut davon profitiert und das Geld benutzt um die Innenstadt, Parks und später auch Mettenhof auszubauen. Gaarden hat man eher vernachlässigt als „Schmutzigen ArbeiterInnenstadtteil“. Jetzt will mans im Nachhinein etwas aufhübschen.

Meine Prognose für 2013/2014 sieht etwas düster aus: Steigende Arbeitslosigkeit, deutlich zurückgehende Einnahmen durch die Gewerbesteuer. Ob dann Projekte wie die Stadtregionalbahn aber auch das Zentralbad, dass dann bis zu 30 Millionen kosten wird noch tragbar sein werden, ist stark zu bezweifeln. Man hat dann verpasst sinnvolle Investitionen im Kleinen zu leisten. Stattdessen hat man im Zuge des Konjunkturpakets II sinnlose Spielgeräte für AlkoholikerInnen auf dem Vinetaplatz (vor dem Öttinger/Paderborner-Laden) aufgestellt, einen versenkbaren Glascontainer und eine überteuerte, barrierefreie Brücke über einen ohnehin barrierefreien durchquerbaren Park gebaut. Klar floß da Geld vom Bund. Aber bei unsinnigen Ausgaben bedeutet das immer, das die Stadt Kiel ihre Ausgaben erhöht.

Für den oder die neue Oberbürgermeisterin sind das alles keine rosigen Aussichten. Was wir bisher gesehen haben ist dagegen GAR NICHTS. Was sich Bundeswirtschaftsminister Rösler da an schuldenfreiem Haushalt 2014 zusamenspinnt ist mir unerklärlich.

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