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#MöbelKraft: Kein Möbelmarkt in Kiel

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Offenbar passiert das, was viele politisch denkende Menschen mit Weitsicht schon vor Jahren geahnt haben nun. Ich verwies 2013 bereits auf Parallelen der Möbelbranche zur Baumarktbranche, die schon damals als gesättigt galt.

Nun wird die Stadt etwas nervös, da der Baubeginn seitens Möbel Kraft in Kiel sich schon länger hinzieht. Die Stadtvertreter können die Verzögerungen nicht nachvollziehen. Das liegt aber eher daran, dass da das Prinzip Hoffnung vorherrscht – ein: „Wie kann da schon was schief gehen?“

Jede CHANCE auf Investitionen wird begrüßt und gefördert und sei es auch noch so unwahrscheinlich, dass die Stadt profitiert, wie z.B, durch neue Arbeitsplätze.

Man wollte nicht die Zeichen sehen, die gegen eine Möbel Kraft-Ansiedlung sprachen. Man muss dazu nicht nur die Umweltaspekte betrachten, sondern immer auch die Situation der Branche insgesamt.

Nun werden die Zeichen deutlicher:

Bei den Möbelmärkten gilt das, was in vielen Branchen gilt:

  1. Näher an die Kunden, um einen Wettbewerbsvorteil zu erzielen. IKEA geht deshalb jetzt nach Hamburg auch in anderen Innenstädte mit kleineren Filialen.
  2. In die Nähe des jeweiligen Konkurrenten (wie Möbel Kraft „neben“ IKEA), um diesem das Wasser abzugraben.

Es ist ein zerstörerischer Wettbewerb. Sinkende Preise bedeuten sinkende Margen. mehr Möbelhäuser bedeutet wiederum mehr Investitionen. Der Druck wird dann auf die Möbelhersteller weitergegeben. Das z.B. erhöht dann auch wieder den Druck die Produktion ins Ausland zu verlagern. Zwar profitiert kurzfristig der Kunde durch niedrigere Preise, aber nur solange der Wettbewerb tobt. Wenn dann wie bei Schlecker oder Plus der ganze Konzern pleite geht, ist das Jammern über den Verlust des eigenen Arbeitsplatzes aber doch groß.

Es scheint naheliegend, dass Möbel Kraft aufgrund vielfacher Investitionen auf Zeit spielt. IKEA gibt jetzt Gas. 2011 hatte Krieger IKEA sozusagen den Krieg erklärt im Handeslblatt. Aber 2015 geht dem Krieger-Konzern offenbar bereits die Puste aus, während IKEA Rekordumsätze trotz neuer Märkte schreibt.

So scheint es nur eine Frage der Zeit, bis Möbel Kraft Konkurs anmeldet. Das Kleingartengebiet ist dann allerdings schon platt gemacht. Wieder einmal wird sich zeigen, wie dumm und wenig vorausschauend die Kieler Politik agiert, die jeder hingehaltenen Möhre hinterherläuft, dabei Grundstücke für nen Appel und n‘ Ei verkauft und am Ende leer dasteht. Man hat zuvor sogar auf Garantien verzichtet für zu schaffende Arbeitsplätze.

Hinterher will es ja dann wieder keiner gewusst haben können, genau so wenig wie beim Zentralbad, dass nun schon jetzt weit teurer geworden ist, als der Erhalt der bestehenden Bäder je hätte werden können. Daran will sich nun aber keiner erinnern.

Kieler Politik funktioniert eben nach dem Prinzip „Amnesie“ – oder auch „Was interessiert mich mein Geschwätz von gestern„.

Das Kiel dieses Jahr ein Plus im Haushalt hat, kann man daher nur als Glück bezeichnen. Bei so schlechter Politik hätte das sonst bei anderen Bedingungen ganz schön nach hinten losgehen können. Ebenso wie die aussichtlose Bewerbung um Olympia.

Written by tlow

10. Januar 2016 at 12:49

David gegen Goliath? #Möbelkraft

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In einem SHZ-Artikel wird der Eindruck erweckt (leider unwidersprochen), dass der Kampf gegen die Möbel Kraft-Ansiedlung ein Kampf von drei Leuten David gegen Goliath sei. Ich würde dem Eindruck an dieser Stelle stark widersprechen aus folgenden Gründen:

  1. Hunderte von Menschen sind gegen Möbel Kraft bereits aktiv geworden, verteilen Flyer und Plakate, überzeugen Freunde und Verwandte. Ohne diese Menschen könnten die drei Initiatoren überhaupt nichts bewegen. Zum Zeitpunkt der Unterschriftenkampagne gab es ja bereits monatelanges Engagement gegen diese Ansiedlung. Durch eine Gesetzesänderung schien dann aber die Chance auf einen erfolgreichen Bürgerentscheid möglich.
  2. Es haben bereits zehntausende Kieler*innen ihre Unterstützung durch Unterschrift bekundet. Wieviele Unterschriften hat Möbel Kraft? Ich denke wir sprechen hier eher von einem großen Teil der Kieler Bevölkerung, der gegen diese Ansiedlung ist.

 

David gegen Goliath erweckt den Eindruck, als dass drei Menschen gegen einen ganzen Konzern kämpfen. Dabei sind es zehntausende Kieler, die ihre Meinung repräsentiert sehen wollen. Dies entspricht nicht meiner Intention der Unterstützung und sicher auch nicht die vieler anderer Unterstützer*innen. Deren Rolle kleinzureden trägt eher dazu bei, das Menschen denken, da wären drei Spinner, die als einzige gegen Möbel Kraft sind. Viele Menschen schwimmen mit dem Strom. Mit diesem Bild befördert man daher nur die Interessen des Konzerns und der Stadtverwaltung.

Richtiger ist es  das ganze als Debatte der Kieler Bürger*innen zu betrachten, wo zur Zeit in Familien, unter Freunden und Bekannten um Argumente gerungen wird. Es geht hier um eine Ausrichtung der Kieler Politik: Für oder gegen Stadtgrün? Statt Lippenbekenntnissen zum Ausbau des Stadtgrüns, essbarer Stadt, gegen den Klimawandel, gegen das Bienensterben,… kann hier ganz praktisch etwas zum Erhalt des Stadtgrüns getan werden. Wozu 17 Hektar abholzen und danach für teures Geld Ersatz schaffen, der den gleichen Wert sowieso erst in Jahrzehnten erreicht. Will Kiel nun Klimaschutzziele erreichen oder nicht? Ist Kiel eine moderne Stadt, die Natur und Mensch miteinander vereinen möchte, oder setzt man auf Stadtpolitik der 50er Jahre, eine autogerechte Stadt, mehr Autoverkehr, mehr Fahrspuren, …?

Politik ist immer ganz konkret. Wir können uns die ganzen Konzepte und Rahmenpläne und Lippenbekenntnisse sparen, wenn wir einfach dann wenn es darauf ankommt so handeln, wie es unseren Prioritäten entspricht.

Was den Erfolg des Bürgerentscheids angeht, so bin ich sehr pessimistisch, weil es einerseits keine gute Vernetzungsarbeit gibt und andererseits punktet Möbel Kraft bei vielen Leuten mit dem Arbeitsplatzargument und der Tatsache, dass die meisten Kleingärtner aufgegeben haben.

Zu dem letzten Argument möchte ich darstellen, dass es hier um zwei getrennte Fragen geht: Natürlich hat man hier Fakten geschaffen und bereits Kleingärten zerstört. Hier stellt sich aber bereits die Frage, ob man das gutheissen soll? Bedeutet das denn grundsätzlich, dass wenn irgend jemand Fakten schafft, es keine Betroffenen mehr gibt? Soll man das jedem Konzern durchgehen lassen? Und auch der Stadt, die hier gegen die eigenen Bürger agiert hat? Das andere ist die Tatsache, dass es hier eine wertvolle Grünfläche gibt. Und dem entgegen steht die Absicht diese zuzubauen und damit zu versiegeln. Egal was hinterher mit dem Gelände passiert: Wir können verhindern, dass die Flächenversiegelung und radikale Umweltvernichtung in Kiel weiter fortschreitet.

Ich bin nicht gegen jede Unternehmensansiedlung in Kiel. Aber dieses Projekt im Jahre 2014 ist einfach nur wahnwitzig. 17  Hektar sollen vernichtet werden, darunter wertvolle Bestände von Bäumen und Sträuchern. Kiel kann es sich umweltmäßig einfach nicht leisten dieses Grün preiszugeben. Es ist absehbar, dass die Krieger-Gruppe nicht zu den Gewinnern im Möbelmarkt zählen wird. Im Moment heißt es bei denen: Wachsen um jeden Preis! Denn nur der größte gewinnt. Geht Krieger Konkurs stehen die Grundstücke leer. Die Natur ist dann zerstört, es gibt keine Arbeitsplätze und die Stadt und die Bürger*innen müssen die Kosten für eine Nachnutzung tragen. Das kann jeder bereits heute wissen, der es wissen will. Nur wer nichts wissen will und die Augen verschließt vor wirtschaftlichen Realitäten, der glaubt an das Märchen von unbegrenztem Wachstum des Möbelmarktes.

 

Written by tlow

8. März 2014 at 10:12

Max Bahr – ein Vorzeichen für Möbel Kraft?

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Was jetzt bei Max Bahr und Praktiker geschieht könnte auch nach Eröffnung von Möbel Kraft in Kiel passieren. Das Wall Street Journal schreibt zur Baumarktbranche:

Das Ende von Praktiker hat sich schon lange abgezeichnet. Die Baumarktbranche ist gesättigt. Wer schon einmal an großen Gewerbegebieten, die meist nahe an einer Autobahn gelegen sind, vorbeigefahren ist, kennt das Phänomen. Häufig sitzen zwei oder drei verschiedene Baumarktketten nebeneinander. Neben Praktiker und der höher positionierten Tochter Max Bahr buhlen etwa Marktführer OBI, Bauhaus, Hagebau, die ebenfalls börsennotierte Hornbach, die zum Supermarktriesen Rewe gehörende Toom sowie die kleineren Anbieter Hellweg und Globus um die Kunden.

Zur Möbelbranche gibt es ähnliche Aussagen wie von der FAZ (2012):

„Der Markt ist längst gesättigt“

Das Expansionsfieber wird nach Einschätzung von Renz „noch ein paar Jahre“ andauern. Er rechnet mit einer ähnlichen Entwicklung wie bei den Baumärkten, die auch jahrelang wie Pilze aus dem Boden geschossen seien. „Aber irgendwann ist Schluss, und mancher gerät ins Straucheln“, sagt er mit Blick auf Praktiker. Auf Dauer könnten nicht alle der zehn größten Möbelketten überleben. „Der Markt ist längst gesättigt“, analysiert Verbandsgeschäftführer Kunz. „Wir befinden uns in einem Umverteilungsprozess, neue Umsätze sind nicht zu erzielen.“

 

Im Wettbewerb tun diese Märkte vieles für die Kundenbindung. Z,B. durch sog. Customer-Lock-In. max Bahr bietet z.B. oft Systeme an, die nur mit Max Bahr-Produkten funktionieren, so dass man dazu gezwungen ist bei Max Bahr zu bleiben. Andere Märkte wie Hornbach steigen bei Putzen vollständig auf eine Eigenmarke um.

Das Prinzip des Wettbewerbs ist Verdrängung. Kampf um Standorte ist der Kampf um Kunden. An Mitarbeitern wird gespart. Der Konkurrent soll ausgeschaltet werden.

Möbel Kraft wird z.B. Ikea vernichten wollen, nicht nur am Standort Kiel. Wenn ein Konzern oder eine Kette im harten Konkurrenzkampf baden geht, bedeutet das das Aus für die Arbeitsplätze. Es bedeutet aber auch, dass neue Filialbauten in den Sand gesetzt wurden. Wie z.b. der Max Bahr in der Gutenbergstraße.

Auch bei Discountern wie ALDI, LIDL, Penny, Netto können wir diese Überhitzung des Marktes beobachten. Ein Prinzip des Kapitalismus ist auch Wachstum, Wachstum, Wachstum. Denn der Große schluckt den Kleinen. Wer zu langsam wächst verliert. Die Firmen können also gar nicht anders, sofern sie voll auf diese Verwertungslogik setzen. Es geht natürlich auch anders, aber nicht wenn man bei den Großen im Wettbewerb mitspielen will.

 

Written by tlow

28. Juli 2013 at 11:28

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