KielKontrovers

Gesellschaftliches aus Kiel & Schleswig-Holstein seit 2009

Posts Tagged ‘NOLympia

Was ist Provinzialität? #MakeKielGreatAgain ?

Ulf Kämpfer in der City Hall von San Francisco

Ulf Kämpfer in der City Hall von San Francisco

Die Stadt Kiel möchte auch gerne einen Platz an der Sonne bei den großen Städten der Welt. Es lässt sich aber nicht verbergen, das Kiel keine echte Großstadt ist. Die Partnerschaft mit San Francisco, und der Ausbau der “Außenpolitik”, die Olympiabewerbung gemeinsam mit Hamburg 2016:

Die Träume Kiels sind groß, die Bereitschaft vor Ort effektiv etwas zu verbessern aber um so geringer. Trotz Weltstadtanspruch meint man zum Beispiel den öffentlichen Verkehr auch in Zukunft  nur mit Bussen und Fördeschiffen abwickeln zu können. Man will zwar das Fahrrad fördern, aber abgesichterte Radwege “Protected Bike Lanes” sind nicht drin. Man will zwar mehr Kultur, aber ist nicht bereit dafür adäquate Gelder bereit zu stellen .

Anstatt die Probleme zu finden die Stadt und der Zeit hat ist man auf der Suche nach einer neuen Stellung in der Welt.

Provinzialität wird vielleicht hier um so deutlicher, wenn sich Oberbürgermeister in San Francisco bewegen, um auch ein wenig Sonne und Ruhm abzubekommen:

Und was gibt es Bittereres, wenn man tatsächlich Begriffe wie „Silicon Förde“ ernst meint? Vielleicht ist eben dieses Nachholbedürfnis typisch deutsch. Sei es nun, dass man meinte bei den Kolonien zu kurz gekommen zu sein, oder Mit Schiffen und U-Booten der Seemacht England etwas entgegensetzen zu müssen. Oder seien es nach dem Zweiten Weltkrieg Italienurlaube und dann darüber hinaus.

Ungefähr gleich teuer wie die vergangene Olympiabewerbung war es ja, ein kleines Raumfahrzeug auf den Mond zu bringen. Wenn es nur um Aufmerksamkeit, respektive Beachtung ginge, so wäre damit wahrscheinlich mehr gewonnen.

Vielleicht geht es eher um ein: „Make Kiel Great Again„? Diese Großmannssucht wird nicht das Ergebnis haben, groß zu sein. Große Städte sind nicht deswegen so groß oder so bedeutend, weil sie immer danach gestrebt haben, groß zu wirken. Neben dem puren  Zufall waren es besondere Bedingungen oder auch besonders schlaue Entwicklungen, die dazu führten. Z.B. eine mutige Politik. Nicht eine Politik der großen Konzertsäle oder der tollen, teuren Science Center. Sondern z.B. das Städte besonders lebenswert sind. Das KünstlerInnen und Kreativität nicht nur auf dem Papier hoch gelobt werden, sondern das sich die Wertschätzung auch in realen Ausgaben niederschlägt.

Kiel will alles, aber dafür umsonst. Das ist ja fast schon wieder charmant und erinnert an den Ausruf „Alles für alle und zwar umsonst“. Nur das in dem Falle eher die Reichen reicher werden und von Großprojekten profitieren, die aus verschiedenen Töpfen finanziert wurden.  Alle profitieren dann, wenn Politik aus vielen Kleinigkeiten insgesamt in eine Richtung geht, die das Gemeinwohl in den Vordergrund steht und nicht die Selbstüberhöhung. Kiel braucht keine potemkinschen Dörfer und keinen Schein, in dem sich nur Wenige sonnen können werden!

 

 

 

 

.

Written by tlow

11. Dezember 2016 at 18:57

Analyse der Olympiaabstimmung in Kiel #nolympiakiel #kielfürolympia

leave a comment »

Das Ergebnis in Kiel war nicht eindeutig. Einerseits hatten von den abgegeben Stimmen die deutliche Mehrheit für Olympia gestimmt, auf der anderen Seite war die Wahlbeteiligung mit 31,7 % sehr gering. Und dadurch gab es in Hamburg, wo Olympia verloren hatte mehr JA-Stimmen als in Kiel. In Kiel wurde die Abstimmung also mit der fehlenden Mobilisierung der Ablehnung für Olympia entschieden. Das war auch im Vorfeld zu merken. „NOLympia Kiel“ kam im Kern über drei Personen nicht hinaus. Den Stimmberechtigten war es größtenteils egal. Im Vorfeld hatte die Stadt Kiel als geschickten Schachzug bereits das Bürgerbegehren für Katzheide angenommen. Man setzte eben darauf, dass man mit dem eigenen Geld und dem von der Förde Sparkasse, der IHK, Ströer & Co. vor allem die JA-Stimmen mobilisieren könnte. Dazu wurde jedes Event genutzt, dass verfügbar war im die Message in die Köpfe der KielerInnen zu bringen. Auf der anderen Seite war NOlympia Kiel nicht in der Lage einen einzuigen Infostand zu organisieren aus Personalmangel.

Die Olympiade war kein Aufreger-Thema. Und es hätte seitens der NEIN-Sager eben viel mehr Infostände und Präsenz im öffentlichen Raum gebraucht. Feuer und Flamme war Olympia in Kiel aber bis zuletzt nicht und es stellen sich viel Fragen im Nachgang.

Bundesfinanzminister Schäuble lies danach durchblicken, dass der Bund niemals die eingeplanten Zuschüsse gezahlt hat und in Schleswig-Holstein wurde unmittelbar nach der Abstimmung der Finanznotstand erklärt. Damit wird deutlich: OB JA oder NEIN: Die Spiele hätten, so wie geplant, so oder so nicht stattfinden können. Davon abgesehen ist fraglich, wie es mit dem Ziel der Nachhaltigkeit vereinbar ist, wenn Hamburg die teuerste Bewerbung auf den Tisch gelegt hat. Alle Akteure auf der Seite der Befürworter müssen sich jetzt unangenehme Fragen stellen. lassen: Wusste man von Anfang an, dass es nichts wird und hat die BürgerInnen getäuscht. Hat man wirklich Millionen heruntergespült ohne jemals an die Verwirklichung der Pläne zu glauben? Oder hat man nur hoch gepokert und schlecht geplant? Werden also die am besten durchgeplanten Spiele „ever“ jetzt zum Klassiker für die am schlechtesten geplante Bewerbung „ever“?

Es ist vieles schräg gelaufen bei der Bewerbung, insbesondere bei den Sponsoren IHK, Förde Sparkasse und Ströer. Deren Verhalten wirft wiederum Fragen auf, da hier rechtliche Rahmenbedingungen gedehnt oder sogar überschritten wurden.

Vom Widerstand gegenüber Olympia hat sich gezeigt wie zersplittert dieser war und ist. Viele Gegner von der Möbel Kraft-Ansiedlung, die natürliche Verbündete gewesen waren, haben sich dieses mal zurückgehalten. Wenn aber nur jeder sich um seine Lieblingsthemen kümmert, so wird man nichts bewegen können. Das Votum gegen Möbel Kraft war nur deshalb so knapp, weil viele AktivistInnen solidarisch waren und mitgezogen haben. Das es damals nicht gereicht hat liegt u.a. auch weil es damals schon zu viele gab, die es nicht für nötig hielten sich dort zu engagieren. Und dieses mal war das Verhältnis noch schlechter. Ich bin der festen Überzeugung, dass man nur dann der Stadt kontra geben kann, wenn verschiedene Einzelpersonen und Organisationen an einem Strang ziehen. Die Hamburger haben uns gezeigt, wie es gehen kann. Auch wenn es dort auch verschiedene Bündnisse gab. Man braucht eine kritische Masse an Aktivisten und einen intensiven Austausch, um überhaupt etwas zu bewegen. Da das während der Kampagne absehbar, erstaunt mich das Ergebnis auch kaum. Die höhere Wahlbeteiligung in Hamburg liegt vermutlich nur daran, dass dort die Skeptiker mehr mobilisierbar waren mitzumachen und dann auch ihre Stimme abzugeben. Sicher war in Hamburg auch das Mitsenden der Briefwahlunterlagen ein Faktor.

Dies wird nicht die letzte politische Auseinandersetzung um die richtigen Entscheidungen in Kiel sein. Entweder sind in Zukunft noch weniger Aktive unterwegs, um etwas zu bewegen, oder es tut sich mal etwas.

 

Written by tlow

4. Dezember 2015 at 10:55

#Olympia In Kiel: Planlosigkeit offenbart! #nolympia #nolympiakiel #kielfuerolympia #feuerundflamme

leave a comment »

Orlen Warsaw Marathon 2014 al. KEN.JPG

„Orlen Warsaw Marathon 2014 al. KEN“ by Adrian Grycuk – Own work. Licensed under CC BY-SA 3.0 pl via Commons.

In bereits vier Wochen sollen die Kieler entscheiden, ob sie 2024/2028 die Segelwettbewerbe ausrichten wollen. Die Landeshauptstadt hat dazu ein sechsköpfiges Olympiabüro eingerichtet. Dazu gibt es noch ein Büro im Innenministerium.

Zum Vergleich: Zur Flüchtlingskrise gibt es keine eigenen Abteilungen. Das macht in Kiel das Sozialdezernat en passant und im Land gibt es auch kein eigenes Büro. Das nenne ich doch mal Prioritätensetzung! Und das sei mal all denen ins Stammbuch geschrieben, die meinen wir seien mit der Flüchtlingskrise überfordert: Wo sind denn in Stadt und Land die eigenen Abteilungen? Wann kommt denn ein sechsköpfiges Flüchtlingsbüro der Stadt Kiel? Stadttessen beglückt man uns jetzt mit Plakaten, Flyern und Aufklebern pro Olympia.

Mittlerweile wird die Kritik an der Olympiabewerbung in Hamburg und Kiel lauter: Der Hamburger Zukunftsrat lehnt die Bewerbung zur Zeit und in der Form grundweg ab. Also nix mit einer nachhaltigen Olympiade?

Statt einen Marathon auszurichten, sollte man sich lieber um die kümmern, die den Marathon Balkanroute hinter sich haben. Statt Segelwettbewerbe lieber Fährtickets für Geflüchtete!

Die ganze Planlosigkeit wird auch deutlich, wenn man sich das Mobilitätskonzept für die Olympiade in Kiel anschaut, dass nach monatelanger Planung auf den Tisch gelegt wurde: Das Wort „Stadtbahn“ tauchte darin überhaupt nicht auf. Kurz darauf betont die Kooperation aber, dass man das Konzept eben durch dieses Feature erweitern wollen.

Leser dieses Blogs wissen ja, dass ich dem Schienenverkehr durchaus positiv gegenüberstehe. Aber wie kann man nach monatelanger Vorbereitung so einen Baustein vergessen – und wie können wir dies als Teil des Gesamtkonzeptes begreifen, wenn dieser Baustein offenbar nicht einmal einberechnet wurde? So kanns nicht gehen!

Olympiawerbung der Förde Spakasse

Olympiawerbung der Förde Spakasse

Man fragt sich auch, warum große Player in Kiel wie die Förde Sparkasse mitten in der Flüchtlingskrise als Goldsponsor der Olympiabewerbung auftreten, während die Flüchtlinge nach Kiel strömen und keine Unterkunft bekommen? Wir leben in einer Luxusgesellschaft und weder Politik noch Wirtschaft scheinen nur im Ansatz begriffen zu haben, um was es gerade geht. Vor allem kann man nicht auf der einen Seite sagen, dass wir unsere Grenzen erreicht haben, wenn man gleichzeitig lediglich für die Chance auf Brot und Spiele in rund 10 Jahren Geld zum Fenster rauswirft!

Zur guten Nachbarschaft, lieber Förde Sparkasse, gehören auch Geflüchtete und die richtigen Prioritäten. Am besten ihr fresst jetzt einen Besen! Das gilt auch für die IHK mit Ihrere JA-Sager-Kampagne, die nicht die wahren Interessen der Mehrheit ihrer Mitgliedsbetriebe vertritt.

© IHK Jörg Orlemann sagt JA! zu Olympia

© IHK
Jörg Orlemann sagt JA! zu Olympia

Written by tlow

1. November 2015 at 20:41

#Olympia: Wahrscheinlich 73 Mio Kosten für Kiel #nolympia #feuerundflamme #kielfuerolympia #rvkiel

leave a comment »

Veröffentlicht wurde seitens der Hansestadt Hamburg in Zusammenarbeit mit der Landeshauptstadt Kiel die Zahl „maximal 41 Millionen“ s.a. KN-Artikel) für die Durchführung der Segelwettbewerbe in Kiel. Meine Rechnung ist nun ganz simpel: Ich multipliziere diesen Wert mit der durchschnittlichen Erhöhung von Olympiakosten (worauf ich bereits im Januar hinwies); 179% und man kommt auf dem Wert im Titel: 73 Mio.

Da steckt jetzt nicht viel Rechnerei und Überlegung drin – aber es basiert auf den Zahlen der letzten 50 Jahre, laut Studie der Universität Oxford. Das kommt der Realität wahrscheinlich näher als irgend eine Zahl, die die Stadt Kiel herausgeben wird.

Schauen wir mal auf die Planungen für das Zentralbad so hatte man da ebenfalls einen Maximalwert genannt von 17 Mio. Euro. Dieser Maximalwert war in der Debatte um die Bäderlandschaft (viel debattiert wurde da eigentlich nicht mehr) das Totschlagargument gegen den Erhalt aller anderen Bäder. Man kam da nämlich im Vergleich auf 23 Millionen Euro – und das wäre ja viel teurer als ein neues Bad jemals kosten würde. Man wollte ja Geld sparen. Nun wird das neue Bad bislang 26 Mio. Euro kosten und das Kernargument gegen deren Erhalt gilt an sich nicht mehr. Nur das jetzt bereits der Bau läuft und es zu spät ist, umzukehren. Ganz nebenbei wurde die Ratsversammlung auch von einer Amnesie befallen und man behauptet, obgleich es in den Unterlagen der Stadt Kiel fettgedruckt steht, das niemals irgend jemand behauptet hätte, das wäre ein Maximalwert.

Wir wissen also schon, was wir von Aussagen wie MAXIMAL halten können. Es sind mittlerweile nur Füllwörter, die dazu dienen sollen jegliche Spekulationen über Mehrkosten zu entkräften, ohne dass sie irgend eine Bewandnis haben.

Das Ulf Kämpfer trotz dieser immensen Summe offenbar noch an den Plänen festhalten will, lässt die Frage aufkommen, ob Kiel eigentlich noch ganz dicht ist? Ich kann nur hoffen, dass es neben LINKEN und WIR in Kiel auch in anderen Parteien schnell genug ein Nachdenken einsetzt.

Erst an diesem Donnerstag sollen Details veröffentlicht werden und nächste Woche soll das Ganze in der Ratsversammlung bereits durchgewunken werden. Viel zu früh eigentlich, um Ratsmitgliedern die Zeit zu geben, die Zahlen zu prüfen und Details kritisch zu hinterfragen. Alleine einzelne Anfragen dürften länger als eine Antwort Beantwortungszeit brauchen.  Eine umfangreichere, oberflächlichere Prüfung für Menschen, die nicht bereits eingelesen sind braucht minimal doch 3-4 Monate. Dann aber soll der Bürgerentscheid bereits stattgefunden haben.

Von einer rechtzeitigen Veröffentlichung vor dem Bürgerentscheid (wie versprochen) kann man also nur insofern sprechen, dass irgendwelche Zahlen vorliegen, bevor wir am 29.11. abstimmen sollen.

Die Frage ist, wie viele der Bürger*innen und der Ratsleute wirklich jetzt die Zeit finden sich vor dem 29.11. (Bürger*innen), bzw. vor dem 15.10. (Ratsleute) so weit ein einigermaßen realistisches Urteil zu bilden?

Wenn die Zahlen so kurzfristig veröffentlicht werden, so liegt das entweder daran, dass man den Zeitpunkt bewusst so weit nach hinten verlegt hat, oder das man bis zur letzten Minute versucht hat schnell fertig zu werden. Beide Varianten lassen Zweifel wach werden: Bei 1.) Warum hat man uns die Zahlen so lange vorenthalten? Oder bei 2.) Kann bei einer hektischen Zusammenstellung davon ausgegangen werden, dass viele Kostenfaktoren nicht umfangreich geprüft wurden, was das Risiko einer Fehleinschätzung erhöht.

Am 15 Oktober ist die Ratsversammlung mit ihrer Zustimmung zu den Konzepten zu einer Vorentscheidung für Olympia in Kiel aufgerufen. Die Frage ist, ob das wirklich alles so durchgeht. Die Erfahrung zeigt, dass es eigentlich gar keine Opposition in Kiel gibt, die im Zweifelsfall wirklich Großprojekte stoppt. Alle größeren Fraktionen wollen eigentlich regieren und sich demgemäß verhalten. Eine CDU hat viel zu viel Angst bei Großprojekten NEIN zu sagen, weil sie sonst als diejenigen eingehen, die gegen Olympia und gegen Kiel sind. Obwohl wir gewählte Vertreter*innen haben, scheinen diese nicht in der Lage zu sein, die Meinung der Bevölkerung wiederzuspiegeln.

Daher muss man  sämtliche Hoffnung in den Bürgerentscheid stecken. und auf die Vernunft der Kieler*innen hoffen. Denn klar ist auch: Alles, was Kiel Schulden macht, bedeutet das anderswo gespart wird. und zwar dort. wo wir es vermutlich mehr merken werden, als bei einer fehlenden Olympiade.

Nicht zuletzt die aktuelle Flüchtlingskrise sollte uns deutlich machen, dass es in Kiel genug Herausforderungen gibt, von denen wir uns nicht abwenden können. Es gibt heute Menschen ohne Obdach, die mangelernährt sind. Es ist unklar wie viel Wohnungen bis 2024 neu gebaut werden müssen. Da hat Kiel schlicht nicht das Geld, Schilksee aufzuhübschen, damit es glänzt, wenn die „Welt zu Gast in Kiel“ ist.

Wir wissen nicht, wie viel Geld es Kiel kosten wird, zahlreiche neue Mitbürger*innen einzugliedern. Insofern kann Kiel gar nicht sagen, wie die Finanzen 2024 stehen. Wer jetzt noch an Olympia festhält muss wahnsinnig sein und die letzten zwei Monate hinter dem Mond gelebt haben. Schon gar mit den Zahlen, die hier veröffentlicht wurden, sollten die Pläne schnellstmöglich beendet werden!

LV_Nolympia_halb_A6

Written by tlow

8. Oktober 2015 at 08:29

@KielFuerOlympia missbraucht Ortsbeiräte #Ortsbeirat #rvkiel #nolympia #nolympiakiel

with 4 comments

(1) Die Ortsbeiräte wirken in Angelegenheiten mit, die den örtlichen Bereich der Ortsteile
betreffen. Im übrigen nehmen sie die ihnen durch Gesetz und Beschluss der Ratsver-
sammlung übertragenen Aufgaben wahr.
(2) Die Ortsbeiräte sind Einrichtungen der Selbstverwaltung der Stadt und dem Wohl der
Stadt insgesamt verpflichtet. Sie sollen das Interesse der Bürgerinnen/Bürger für die ortsteil-
bezogenen Aufgaben wecken, Anregungen aufgreifen und selber Anregungen geben. Sie
sollen aber auch die Verbindung der Bürgerinnen/Bürger zu ihrer Stadt stärken. Ihre Stellung
gleicht einer Schaltstelle zwischen Bürgerinnen/Bürger und Stadt. Die Ortsbeiräte wecken
und organisieren die Initiative der Bürgerinnen/Bürger und bringen die örtlichen Probleme in
Ausschüssen, Ratsversammlung und Verwaltung zur Sprache.

Dies war ein Zitat aus der Geschäftsordnung für Ortsbeiräte der Stadt Kiel.

Nun hat „Kiel für Olympia“ auf einer Aktionsseite Fotos von Mitgliedern einzelner Ortsbeiräte geschossen, um damit die Unterstützung der Ortsbeiräte noch vor dem Votum der Kieler BürgerInnen zu suggerieren.

Foto

Der Ortsbeirat Holtenau

EIne bedenkliche Manipulation der Stadt Kiel. Meine Kritik im Einzelnen:

Die Ortsbeiräte sollen nicht Instrument von Werbemaßnahmen sein, sondern sollen primär Themen zu den Bürgern tragen und deren Anregungen z.B. in Anträge aufnehmen. Im Falle von Olympia geht es derzeit nicht darum, dass die Bürger Olympia wollen, sondern darum, dass am 29. November eine Abstimmung und damit Befragung der Kielerinnen und Kieler stattfinden soll. Sich vor den Karren spannen zu lassen für eine Idee, deren Zustimmung der Mehrheit noch aussteht ist  in meinen Augen ein Mißbrauch der Institution der Ortsbeiräte. Die sollen nicht für die Bürger sprechen, bevor diese gesprochen haben!

Nur um das Thema Olympia nach vorne zu bringen ist man seitens der Stadt bereit, diese Institutionen  Beim Ortsbeirat Holtenau habe ich z.B. in den Niederschriften noch gar keinen Tagesordnungspunkt in den Niederschriften gefunden, dass man sich inhaltlich mit dem Thema Olympia befasst hätte. Es liegt also kein Beschluss des Ortsbeirates Holtenau vor, die Olympiade zu unterstützen. Und das ist auch gut so. Denn am 29.11. sollen die Bürger entscheiden und nicht die Personen, die von den Parteien in die Ortsbeiräte der Stadtteile eingesetzt wurden! Die Fotos auf der Aktionsseite der Stadt suggerieren, dass der ganze Stadtteil hinter Olympia steht.

Es ist skandalös, wie die Stadt ihre eigenen demokratischen Institutionen auf billigste Art vorführt und wie sich viele Ortsbeiräte wissentlich haben benutzen lassen.

Das Mindeste was man hätte erwarten können wäre das Votum der Bürger und der BürgerInnen im Stadtteil abzuwarten und auch, dass ordentlich abgestimmt wird, ob man diese Bewerbung unterstützt.

Dieses Bild ergibt sich aber vielseitig: Man will zwar eine Abstimmung proforma durchführen, aber es wird ganz klar vermittelt, dass nur ein JA in Frage kommt. Es gibt kein Zögern oder Abwarten zu dem Ergebnis. Sowohl fließt das Geld bereits jetzt in Strömen in die PR-Maschine Olympia-Bewerbung und auch sonst wird Widerspruch ausgegrenzt. Im Internet und auf Facebook findet quasi kein kritischer Dialog statt. Dabei ist es interessanter weise so, dass nichts mehr die eigene Bewerbung gefährdet als eine unreflektierte und einseitige Bewerbung. Denn bei aller Kritik am IOC – deren Erwartungen an Städte sind hoch – nicht diskriminierend und auch Abstimmungen durchzuführen, die die tatsächliche Unterstützung der Bevölkerung wiederspiegeln.

Die Abstimmung am 29.11. ist aus Sicht des IOC keine Option, sondern Voraussetzung für eine Bewerbung. Nach der Ablehnung Münchens gegenüber der Olympiade 2022 sagte Sportsoziologe Helmut Digel der Deutsche Welle:

„Es reicht nicht aus, sich damit zufrieden zu geben zu sagen: Wir wollen olympische Spiele haben. Sondern man muss die Menschen überzeugen, dass solche Spiele eine lohnenswerte Sache sind.“

Offenbar hat man in Deutschland aus dem Denkzettel München rein gar nichts gelernt. Und das Vorgeben einer überwältigenden Unterstützung der Bevölkerung durch das instrumentalisieren von Ortsbeiräten trägt nicht zur Vertrauensbildung bei.

Man sollte also erwarten, dass diese bedenkliche Kampagne umgehend gestoppt wird!

Written by tlow

16. September 2015 at 19:06

#NOlympiaKiel #Olympia Es wird Zeit gegenzusteuern!

with 4 comments

Für 2024 und 2028 gibt es Bewerbungen von Berlin und Hamburg für die olympischen Sommerspiele. In Kiel möchte man dafür die Segelwettkämpfe austragen (siehe dazu NDR-Bericht und KN-Bericht)
Schon wieder dagegen?

Wieso jetzt schon wieder gegen so etwas wie die Olympiade mögen manche meckern. Aber es gibt dazu ganz konkrete Gründe. Auf der Seite www.nolympia.de findet man diese. Ich zitiere von dort dazu auszugsweise aus dem Fazit einer Studie der Universität Oxford vom Juni 2012:

“In der Vergangenheit haben die Olympischen Spiele hohe Defizite eingefahren… Gemäss einer neuen Studie der britischen Universität Oxford ist den Olympischen Spielen eines gemeinsam: die Budgetüberschreitung. Gemäss der Studie konnten in den letzten 50 Jahren keine Sommer- und keine Winterspiele ihr ursprüngliches Budget einhalten. Im Durchschnitt sind die Endkosten 179 Prozent höher als ursprünglich angenommen. ‘Eine Olympiade ist für eine Stadt oder ein Land eines der finanziell riskantesten Projekte überhaupt

Weitere Zitate von der Seite:

  • Seit den Sommerspielen in Atlanta 1996 vergibt das IOC die Olympischen Spiele nur noch an Städte, welche die Verluste selbst tragen. (Hoffmann, Frank, Salt Lake City lässt die Muskeln spielen, in weltonline 2.1.1999)

Und aus dem Fazit:

Eigentlich ist es nach den Erfahrungen der bisherigen Austragungsorte überhaupt nicht mehr verständlich, dass sich noch ein Bürgermeister oder Politiker findet, der seinen Finger hebt und das IOC um die Vergabe der Olympischen Winterspiele ersucht. Eigentlich müsste es der Amtseid verbieten, diesen Prozess der Selbst-Ruinierung einzuleiten. Eigentlich dürfte kein politisch Verantwortlicher auf die immer gleichen normierten und falschen Versprechungen des IOC und der nationalen Sportverbände mehr hereinfallen. Eigentlich müssten die Bürger dagegen Sturm laufen

Zu Kiel im Besonderen scheint es so zu sein, dass die seit Jahren laufenden Bürgerbeteiligung zum Förderahmenplan mal so eben auf den Kopf gestellt würde. Man gab viel Geld aus, u.a. auch für eine Bürgerversammlung im Rathaus, bei der Bürger über Anträge abstimmen konnten (die verschwanden dann allesamt in der Schublade). Und am Ende, nach dem sich tausende KielerInnen (und aus dem Umland) ernstlich bemüht haben für die Kieler Förde eine Vision zu finden und konkrete Vorschläge zu machen, will man mal eben z.B. das MFG5-Gelände für die Olympiade nutzen. Etwas, dass nie als Frage oder als Möglichkeit im Förderahmenplan enthalten war (siehe auch Durchsuchen der Website nach dem Schlagwort „Olympiade“ mit Google)

Oder um es mal anders zu sagen: Die Stadt Kiel hat leider eine Scheiß-Idee nach der anderen, da kann man schwer FÜR etwas sein. Lustig, wie die CDU die Olympiade beklatscht, wo sie doch gegen eine Stadtregionalbahn ist. Ich möchte Kiel mal 2024 sehen, wie es mit diesem provinziellen Busverkehr den internationalen Besucherstrom zu den Sportwettstätten absolvieren möchte. Die Olympiade wird sehr viel teurer werden als jedes aktuelle Kieler Projekt.

Nichts gegen das Segeln. Das ist ja an sich eine harmlose Sportart, die auch viel Spaß bringen kann. Aber Olympiade ist kein Witz, sondern harte Realität. Und wenn man sich ansieht, wie es IMMER für Städte endet bei Olympia, fasst sich nur an den Kopf bei der bekloppten Idee Kieler Politiker da jetzt unbedingt den Hut in den Ring werfen zu wollen.

#NOLYMPIA #NOLYMPIAKiel

Written by tlow

13. Januar 2015 at 01:03

Veröffentlicht in Veranstaltung

Tagged with , , , , , ,

%d Bloggern gefällt das: