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Heute doch keine Revolution in Kiel

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Der 15. Oktober war ein weltweiter Aktionstag. In Kiel … not much. Erst stand gar nicht fest, ob etwas passieren würden. Dann fand sich ein kleines Grüppchen im Internet – und dann rief auch ATTAC auf. Die Forderungen waren dann schon fertig gedruckt:

  • Wir fordern: Sofortige Stilllegung des Finanzsektors.
    Verstaatlichung aller Großbanken. Verkleinerung der Banken bis
    zur Insolvenzfähigkeit. Finanztransaktionssteuer. Die Schulden sollen die bezahlen, die für sie verantwortlich sind.
  • Wir fordern ein Ende der Kürzungspolitik im Land und eine vernünftige Finanzierung der öffentlichen Haushalte!!! Besteuert die Reichen!!!
Heute versammelten sich ca. 40 Interessierte, um einige Parolen in Flüstertüten zur proklamieren. Es gab auch Plakate. Immerhin kamen Leute, waren interessiert. Allerdings war die Veranstaltung alles andere als revolutionär. Sondern leider nur eine Gelegenheit die erprobten Forderungen ein weiteres mal zu wiederholen. Ich denke nicht, dass das der richtige Weg ist. Auch wenn ich selbst manchmal die fehlenden klaren Forderungen der Bewegungen in Spanien und USA kritisiere. So war es doch denke ich ein Fehler von ATTAC, da nicht den Raum zu bieten ganz andere Forderungen aufzustellen und sich erst einmal zu finden. Am Rande der Kundgebung wurde ein Stand aufgebaut. Aber wie sich herausstellte, wurde das nur von Medizin-Erstis genutzt um unabhängig von der anderen Veranstaltung „Germanys New Top Model“ zu spielen. Und das, was da an Reden geschwungen wurde, interessierte wirklich kaum jemanden. Es war insofern etwas frustrierend. Etwas Neues kann sicher nicht durch das Replizieren der bisherigen Forderungen entstehen. Und es ist auch die Frage, wer den Protest trägt. In Deutschland, in Kiel, sind es keine Betroffenen, die der Gesamtgesellschaft ihre Probleme vortragen, sondern langjährige Aktivisten, die ihre Forderungen runterspulen. Glauben die, dass das attraktiv ist? Die ATTACies bedauern ja selbst, dass sie so wenig junge Leute anziehen. Woran liegt es wohl? Es liegt denke ich zum einen an der relativen Erfolglosigkeit aktueller sozialer Proteste – abgesehen mal von der Anti-Atom-Bewegung, die zwar keine direkten Erfolge erzielt hat, aber immerhin es geschafft hat, dass es fast gesellschaftlicher Konsens geworden ist, dass Atomkraft keine Zukunft in Deutschland hat.
So sah es am 4. November in Kiel aus:
Zentralbild Die Revolution in Deutschland 1918 Am 4. November 1918 kam es zu Befehlsverweigerungen innerhalb der deutschen Flotte. Kundgebungen zur Beseitigung des Krieges schlossen sich an. In dieser, für die Regierung kritischen Situation, waren der Rechtssozialist Noske nach Kiel geschickt um die Revolution im Keime zu ersticken. UBz.: Blick auf eine Friedenskundgebung der Matrosen in Kiel.

Zentralbild Die Revolution in Deutschland 1918 Am 4. November 1918 kam es zu Befehlsverweigerungen innerhalb der deutschen Flotte. Kundgebungen zur Beseitigung des Krieges schlossen sich an. In dieser, für die Regierung kritischen Situation, waren der Rechtssozialist Noske nach Kiel geschickt um die Revolution im Keime zu ersticken. UBz.: Blick auf eine Friedenskundgebung der Matrosen in Kiel.

Es liegt sicher am Monat. Traditionell machen wir in Kiel Revolutionen ja eher im November.

Kein Platz für Geschichte: Kieler CDU möchte Bahnhofsplatz nicht umbenannt wissen

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Am 19. November wird es keine feierliche Umbenennung des Bahnhofsplatzes geben, berichtet die KN. vorgeschlagen war der Name „Platz der Kieler Matrosen“. Doch das war der Kieler CDU offenbar wieder einmal zu links. Sie haben ein gespaltenes Verhältnis zur Novemberrevolution. Genau so wie sie den Gaardener Wasserplatz lieber in Friedrich-Ebert-Platz umbenannt hätten. Friedrich Ebert, Namensgeber der gleichnamigen SPD-Stiftung gehörte damals zu denen, die mit am Abzug drückten als tausende von Menschen von Freicorps ermordet wurden und gehörte innerhalb der SPD zu den Kriegstreibern, die die Burgfriedenpolitik befürworteten und damit erst den Eintritt Deutschlands in den 1. Weltkrieg ermöglichten.

Der Erste Weltkrieg mündete und endete mit der Novemberrevolution. Die SPD und die konservativen Kräfte zerschlugen diesen Aufstand blutig. Das Kriegsende konnten beide nicht verhindern. Aber sie konnten verhindern, dass es in Deutschland weitergehende politische Veränderungen gab. Die SPD setzte sich an die Spitze der Revolution, nur um sie einzudämmen und politisches Kapital daraus zu schlagen.

Aufgrund verschiedener Geburtsfehler der Weimarer Republik, des ungebrochenen Militarismus und dem fehlenden Zurückdrängen der konservativen Kräfte konnten dann die Nazis aus den Ruinen der Weimarer Republik aufsteigen und Deutschland in einen Zweiten Weltkrieg führen.

Die CDU sieht sich nun in der Tradition eben jener Kräfte, die Deutschland mindestens seit dem 19. Jahrhundert von einem Krieg in den anderen Trieben. und sie sehen die Feinde Deutschlands in denen, die Widerstand leisteten. In den Matrosen, die sich nicht weiter abschlachten wollten, in denen die im Kommunismus eine Alternative sahen. Diese bedenkliche  Nähe zu den konservativen Kräften des 19. Jahrhunderts gilt es hervorzuheben und als offene Frage an die Kieler CDU zu stellen! Auf welcher Seite stehe sie? Auf die der demokratischen Kräfte oder auf der der Gewehre und Kriegstreiber? Wenn sie nicht auf der Seite der Demokraten stehen, so haben sie sicher auf einem Wahlzettel nichts zu suchen und unterscheiden sich nur  oberflächlich von rechtsradikalen Parteien.

Written by tlow

6. November 2010 at 17:22

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