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Status der #Stadtbahn Kiel 2019

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Kommt die Stadtbahn oder kommt sie nicht? Mittlerweile ist es 34 Jahre her, dass die Straßenbahn in Kiel fuhr. Hier eine kleine Übersicht über den aktuellen Stand und offene Fragen.

Straßenbahn der Linie 4 (Fähre Holtenau) (Kiel 69.929)
Kieler Straßenbahn an der Haltestelle Holstenbrücke 1981

Und was ist mit dem Bussystem?

Viele Bürger*innen sind überwiegend mit dem heutigen System. Mit einigen Ausnahmen: Ja, es ist manchmal eng. Nicht alle Zeitgenossen sind angenehm, es ist manchmal eng und es schaukelt manchmal. Aber kann man darüber nicht hinweg sehen? Immerhin haben wir ja „Flüsterbusse“ und bald auch mehr Elektrische?

Kiel bus
(c) Arne List, Lizenz CC-BY-SA

Kann man das System nicht noch optimieren? Mit Sicherheit! Unabhängig von der Systemwahl: Busse wird es auch in den nächsten Jahrzehnten geben und diese werden immer wichtig bleiben, nicht nur bis zur Einführung eines neuen Systems. und das „Sternsystem“ der KVG erscheint doch sehr konservativ und in die Jahre gekommen. Gerade an Wochenenden und zu später Stunde erhöht sich die Fahrzeit oft auf viele Stunden, weil alle Busse gleichzeitig in eine Richtung fahren. das System ist für das Umsteigen optimiert, nicht für das schnelle Vorankommen in der Stadt. Und man hat da soweit ich es beobachtet habe die letzten 40 Jahre nichts Grundlegendes geändert.  Eine Stadtbahn wird den Druck zur Erneuerung auch nicht wegnehmen. Im Gegenteil.

Aber die Stadtvertreterinnen haben jetzt für die Stadtbahn gestimmt?

Leider Nein. Sie haben zwar nicht ausdrücklich gegen eine Stadtbahn gestimmt. Es gibt aber bis heute noch nicht mal eine Festlegung auf ein System, geschweige denn ein Datum für den Baubeginn oder einen fertigen Entwurf für zukünftige Trassen. Zuletzt wurden ein 371(!) Seiten starkes Gutachten veröffentlicht. Dort wird insbesondere als Alternative noch ein BRT-System („Bus Rapid Transit„) gehandelt und soll auch für ein Konzept, das frühestens 2020 vorgelegt werden soll als Alternative weiter behandelt werden.

Ab dem 7. September werden sich Kielerinnen auf der Kiellinie unter dem Motto „Kiel bewegt sich – Mobilitätswende jetzt!“ an Infoständen auch darüber informieren können, was als Nächstes folgt.

Die Debatte in Kiel ist schon etwas absurd: Fragt man bei den Befürworterinnen, so versichern die einem meistens, dass die Stadtbahn so gut wie beschlossen ist. Eben weil das BRT-System unterlegen sei. Die Gegnerinnen betonen hingegen, dass ja alles offen sei. Jeder legt es sich eben so zurecht, wie es ihm/ihr gefällt.

Bereits vor Jahren wurde über die StadtRegionalbahn (SRB) gestritten. Und die war eigentlich auch über Jahre schon eine feste Größe und Straßen wurden so gebaut, dass sie ihr Kommen bereits schon antizipierten. Aber dann kamen zwei große Knalle: 1.) Der Ausstieg des Kreises Rendsburg-Eckernförde aus dem Projekt und dann 2.) Das Canceln des Gesamtprojektes durch OB Kämpfer. Fragt man die Befürworter so sagen sie einem klar, dass die SRB mit dem Umland „eigentlich“ nach wie vor besser wäre, aber politisch nicht durchzukommen gewesen wäre. Auch dafür gab es bereits einige Gutachten. Dann hat man sich tatsächlich auf die SRB Light oder auch „Stadtbahn“ geeinigt, die relativ viel teurer sein wird als die SRB, da sie zwar auch teuer wird, aber weit weniger leistungsfähig.

Nun will man kein Risiko mehr eingehen und fährt nur noch Schrittgeschwindigkeit. Man will ALLE mitnehmen und setzt auf Konsens.

Dabei fehlte es bereits immer an Tempo und Entschlossenheit. Und das war schon immer der Grund, warum Kiel als einzige Landeshauptstadt kein schienengebundenes ÖPNV-System aufweist. selbst GRÜNE und SPD haben das Projekt zwar am Leben erhalten, aber nie wirklich mit Überzeugung gepusht.

Stadtbahn gegen Stickoxide und CO²?

Oft wird die Stadtbahn auch als wirksames Mittel gegen das aktuelle Stickoxid-Problem (v.a. in der Innenstadt /Ziegelteich) auch von der Stadt als Lösung der Zukunft angepriesen, oder zur Reduzierung der Treibhausgase und zur Erreichung von Klimazielen. Die Sache hat vor allem den Haken, dass man die Stadtbahn nicht bereits vor Jahren auf die Schiene gebracht hat!

Bei der Wankelmütigkeit und Unentschlossenheit der Kieler Politik, ist eine Tram keine feste Größe. Und bei dem aktuellen Tempo kommt die Stadtbahn leider zu spät, um beim Klima und Stickoxiden dieses und nächstes Jahr eine Erleichterung zu bringen. Kiel kommt nicht daran vorbei die gesamte Busflotte vorher für viel Geld zu 100% elektrisch auszustatten. Aber selbst dann wird diese Großinvestition keine Verbesserung des Angebots bringen. Gäbe es 2020 bereits eine Stadtbahn, hätte man sich die Elektrifizierung zum großen Teil sparen können. Nun ist es aber dafür zu spät. Die Verzögerung wird sehr viel Geld kosten. Und die Debatte in Kiel ist kaum voran gekommen. Noch immer wird bei Adam und Eva begonnen und das Zögern verunsichert auch die Bürger*innen und vermittelt den Eindruck, als müsse man noch darüber nachdenken, was der richtige Weg sei. Oder auch: Man weiß nicht wovon man redet und die Tram ist nur etwas, dass man als politischen Ballon aus dem Hut zaubert. Dahinter steht keine Überzeugung oder verkehrspolitischer Plan, sondern ist in der präsentierten Form eher Zeugnis einer Planlosigkeit. Es fehlt auch an manch anderer Stelle an wegweisenden Entscheidungen in der Kieler Verkehrspolitik.

Seit dem 1. September droht eine erneute Klage der DUH gegen Schleswig-Holstein und den Luftreinhalteplan. Und damit die gerichtliche Anordnung von Fahrverboten. Kämpfer hat NICHTS gemacht, um die Stickoxide wirksam zurückzuschrauben. Beweis dafür sind die aktuellen Werte. Es gibt nach wie vor Überschreitungen am Theodor-Heuß-Ring, Bahnhofstraße, Ziegelteich, evt. auch Alte Lübecker.

Wie gehts weiter?

2020 soll es dann erst ein Konzept vorgestellt werden, dass eine Trassenplanung für Tram und BRT enthält. Dieses wird dann der Ratsversammlung vorgestellt und erst dann wird sie vielleicht entscheiden, ob die Tram gebaut wird. Und erst danach wird es eine konkrete Planung und Ausschreibung geben. Und die Vergabe des Bauauftrages wird auch wieder Zeit kosten.

Aber 2023 sind schon wieder Kommunalwahlen. Eine Entscheidung vor 2023 erscheint eher unwahrscheinlich. Denn nach den Konzept wird die Debatte wieder von vorne anfangen. Und bei neuen Mehrheitsverhältnissen kann die Stadtbahn erneut gestoppt werden. Daher plädiere ich auch sehr deutlich dafür in weiteren Planungen in Kiel nicht immer auf die Stadtbahn zu warten. Die Verkehrswende muss sofort anfangen und 2030 lange abgeschlossen sein und nicht erst dann begonnen!

Ich sehe nur dann eine Hoffnung für eine Tram, wenn mehr Geld und eine ganz andere Geschwindigkeit vorhanden ist. Bisher fehlt die Entschlossenheit die für eine Umsetzung nötig wäre.

Written by tlow

2. September 2019 at 08:27

Veröffentlicht in Stadtentwicklung, Umwelt, Verkehr

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#Wilhelmplatz Autofriedhof oder lebendiger Raum?

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Als ich diesen Vergleich las, hatte es bei mir wieder ein mal Klick gemacht:

 Ein Parkplatz zum Beispiel misst im Schnitt 12,5 Quadratmeter – das ist so groß wie ein Kinderzimmer.

Quelle: TAZ-Interview 8.3.19 „Parken ist kein Grundrecht“

Diesen Vergleich sollte eigentlich jeder im Kopf haben. Mit oder ohne Auto, wenn es in der Diskussion um das Parken geht!

Wir als Gesellschaft entscheiden darüber, welcher Nutzung wir Platz lassen. Z.B. ob die Stadt Kiel dem Zirkus Krone sogar so viel Platz einräumt, dass kein Platz mehr für einen Radweg (Kronshagener Weg) bleibt. Ist der Zirkus weg, kommen die Autos wieder.

Ungefähr 4 von 10 Kieler*innen verfügen über ein Auto. In Gaarden eher 2 von 10. Aber auf unseren Straßen geben wir eher 70% des Raumes dem Auto. Autos brauchen eben viel Platz. Und das sowohl wenn sie stehen, als auch wenn sie fahren.

Die Stadt möchte gerne Geld für das Parken auf dem Wilhelmplatz, bzw. nicht weiter hinnehmen, dass dort das Parken umsonst selbstverständlich ist. In der Debatte gibt es mehrere Fehlannahmen:

  1. „Ohne Auto kann man nicht einkaufen“: Zum einen gibt es viele Menschen, auch mit Familie, die seit Jahrzehnten entweder aus finanziellen Gründen oder aus Überzeugung auf ein eigenes Auto verzichten. Richtig eng wirds eigentlich erst bei Umzügen, Möbelkauf oder Elektrogroßgeräten. Dann aber besteht oft die Option der Lieferung und die Sachen passen oft eh gar nicht in die meisten Autos. Zum anderen bietet StattAuto oder eine Mietwagenagentur oder ein Taxi auch eine Möglichkeit. Dieses Jahr habe ich zum ersten mal jeden Tag auch massenweise Lastenräder mit und ohne Elektromotor auf der Straße gesehen. Es geht also.
  2. „Ohne Parkplätze geht der Einzelhandel zu grunde“: Zum einen hängen viele aktuelle Probleme heute eher mit dem Onlinehandel zusammen. Und zum anderen bauen viele große Discounter im Grunde lediglich Parkplätze mit einer Halle drauf. Wer geht da schon gerne einkaufen? In Einkaufsstraßen wie der Holtenauer kommen vermutlich auch die wenigsten Leute mit dem Auto. Die meisten halten dann illegal in der zweiten Reihe. Insgesamt sorgt der Durchgangs- und Parkverkehr nicht gerade für eine angenehme Atmosphäre. Und ein Wechsel der Straßenseite ist oft nur mit Ampeln zu empfehlen. Potentielle Käufer*innen werden so eher vom bequemen stöbern und Hin- und Herlaufen abgehalten. Und wer illegal parkt wird lieber schnell rausspringen, das kaufen was er auf dem Zettel hat und schnell wieder den Einkaufsbereich verlassen. Erfahrungen mit der Umwandlung von Parkstreifen oder Fahrbahnen zu Radwegen haben vielerorts gezeigt, dass der Umsatz in solchen Straßen sogar um 60% steigt. Weil Radfahrer*innen eben auch mal schnell anhalten ohne lange Parkplatzsuche. Und unterwegs mehr mitnehmen als eine Autofahrer*in. Die durchschnittliche Parkplatzsuche in Städten dauert 20 Minuten. In der Zeit hat man zu Fuß oder mit dem Rad schon bereits seinen Einkauf erledigt und befindet sich auf dem Rückweg.
  3. „Die Stadt ist verpflichtet den Autofahrer*innen Parkplätze anzubieten. Irgend wo müssen sie ja stehen“: Die Stadt hat viele Pflichten und Prioritäten. Aber jede Einzelne muss auch selber schauen, was sie sich anschafft und wo sie das abstellen kann. Radfahrer*innen und Lastenradbesitzer*innen kennen das auch verstärkt: Ein Rad kann man nicht ohne es anzuschließen stehen lassen. Aber den Kieler Bügel findet man nicht überall und die nächste Laterne ist schon besetzt. Bei Lastenrädern ist es so, dass sie oft so schwer sind, dass man sie weder in den Keller tragen kann, noch in den Hof. Auch Kinderwägen und andere Fahrzeuge sind oft ungeliebt im Hausflur.
  4. „Die Autofahrer zahlen schon am meisten“: Es ist eine Frage, welche Kosten ein Verkehrsmittel verursacht und wie viel Platz es beansprucht. Prozentual nehme Autos viel mehr Platz in Anspruch als z.B. der ÖPNV. Vor allem wenn man es mit der Transportleistung ins Verhältnis setzt. Ein Auto ist immer ein Verkehrsmittel Einzelner, nicht Vieler. Daher muss man Investitionen in die Straßeninfrastruktur viel kritischer beurteilen, weil sie nur wenigen nützen. Aber gerade die Infrastruktur wie Autobahnen sind teuer. Inklusive Autobahnauffahrten, Autobahnkreuze und auch Ampeln und Kreuzungen in der Stadt.

Plätze wurden ursprünglich nicht als Parkplätze geschaffen. Nun haben Autos oft seit Jahrzehnten ein Monopol auf ihre „Nutzung“. Dabei stehen die Autos die meiste Zeit dort nur herum und verhindern damit jede andere Nutzung. Das Auto stranguliert unsere Städte und es wird Zeit, dass es den Platz zugewiesen bekommt, den ex maximal verdient. Überall und umsonst parken ist nicht akzeptabel!

Written by tlow

10. August 2019 at 09:52

PM des VCD Kiel: Weihnachtsmarktgäste wünschen sich besseren ÖPNV

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Weihnachtsmarktgäste wünschen sich besseren ÖPNV

Stadtbahn, freies WLAN, bessere Anbindung an das Umland und wettergeschützte Haltestellen. Zur Weihnachtszeit wünschen sich Kielerinnen und Kieler nicht nur Geschenke unter dem Weihnachtsbaum, sondern auch Verbesserungen des öffentlichen Personennahverkehrs. Bei der Aktion „ÖPNV-Wunschzettel“ der Kieler Ortsgruppe des Verkehrsclubs Deutschland (VCD) am 18. Dezember schrieben die Kielerinnen und Kieler ihre Wünsche zum ÖPNV der Landeshauptstadt an Oberbürgermeister Kämpfer und die Ratsfraktionen nieder. Alle waren sich einig:
Der Kieler ÖPNV muss besser werden. „ÖPNV-Nutzerinnen und Nutzer wollen endlich ernst genommen werden! Angesichts der drängenden Herausforderungen im Bereich Klimaschutz und Luftreinhaltung
kann es nicht sein, dass es im Kieler Innenstadtbereich nach wie vor Haltestellen ohne Wetterschutz und Beleuchtung gibt“, sagte Frederik Meißner, Leiter des Kieler VCD Büros. In den Gesprächen mit den VCD-Aktiven stellten die befragten Kielerinnen und Kieler klar, dass der ÖPNV verlässlich bereitgestellt werden muss, um eine Alternative zur Fahrt mit dem PKW zu sein. Wichtig waren vielen Menschen auch wettergeschützte Haltestellen und bessere Anbindungen in den Tagesrandzeiten sowie in das Kieler Umland. „Gerade Fahrgäste aus dem Kieler Umland wünschten sich auch in den Abendstunden eine Fahrplantaktung, die keine umständliche Zeitplanung für die Fahrt mit dem ÖPNV erfordert. Die Busse müssen öfter fahren und durch eine Stadtbahn ergänzt werden“, stellte Meißner fest.
Der Verkehrsclub Deutschland lässt die Wunschzettel dem Oberbürgermeister und den Ratsversammlung noch rechtzeitig vor Weihnachten zukommen. Im Sinne der Kielerinnen und Kieler wünscht sich der VCD im Jahr 2019 von Politik und Verwaltung verstärkte Bemühungen zur deutlichen Verbesserung des Kieler ÖPNV.

Pressemitteilung der Aktivengruppe des VCD Kiel

Written by tlow

21. Dezember 2018 at 23:08

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Landeshauptstädte und schienengebundener Verkehr #SRBKiel #Straßenbahn

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Anlässlich der heute vollmundigen und peinlichen Absage des OB an die Stadtregionalbahn hier alle Landeshauptstädte Deutschlands und ihre vorhandenen oder nichtvorhandenen Schienensysteme. Landeshauptstädte mit schienengebundenem ÖPNV sind grün gekennzeichnet und die ohne mit rot :

(dabei nur nach Straßenbahn gesucht und nur wenn es die nicht gab nach existierenden Alternativen)

Zugegeben: In Wiesbaden sind auch Pläne für eine Stadtbahn gescheitert. Allerdings wird sie dennoch von der S-Bahn Reinh-Main bedient.

In der Absage des OB wird versucht das nicht als Scheitern des Schienenverkehrs in Kiel darzustellen, aber letztlich ist es das dann: Eine Absage an eine moderne Stadt, die ihren letzten Platz bei dem schienengebundenen Verkehr in Konkurrenz zu anderen Landeshauptstädten erfolgreich verteidigt. Zwar will Kiel irgendwie modern sein, aber dann doch lieber nur mit Bussen. Trotz des Festhaltens von GRÜNEN und SPD an den Plänen der SRB kann man ihnen zu Recht auch mehr als nur Halbherzigkeit vorwerfen. Ohne ein gewisses Tempo kommt jedes Projekt zum Erliegen. Wo man bei einem Strohfeuer-Projekt wie der Olympiade Feuer und Flamme ist und mal so eben 780.000 € zum Fenster hinaus wirft, so hat man stattdessen bei der Stadtregionalbahn darauf gesetzt das Projekt über Jahrzehnte bei kleiner Flamme langsam gar zu kochen. Insofern ist natürlich der Todesstoß von Kämpfer zwar irgendwie der Todesstoß für das Projekt, aber es war nicht der Anfang vom Ende.

Was ist nun aber mit dem immer wieder angekündigten Bürgerentscheid zur Stadtregionalbahn? Gilt das Angebot nur, um ein Projekt zu stoppen? Viele Fans der SRB waren ja nicht dafür einen Bürgerentscheid durchzuführen, weil sie befürchteten, dass die Bürger die Komplexität der Verkehrsplanung nicht durchschauen würden. Aber nun da das Kind in den Brunnen gefallen ist, sollten die Befürworter meines Erachtens eben auf diesen Entscheid beharren, der ja von vielen Fraktionen aus anderen Motivationen gefordert wurde. Let’s do this!

Written by tlow

12. Mai 2015 at 16:52

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SRB Light: Für zu leicht befunden

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Zunächst ein Zitat der Pressemitteilung der Kieler Piratenfraktion zu der heutigen Ratsdebatte zum Thema:

Zu der Ratsdebatte um den Antrag von FDP und PIRATEN zur Seilbahn und zur SRB Light erklärt Marcel Schmidt, Vorsitzender und verkehrspolitischer Sprecher der Piratenfraktion:

“Wir haben unser Konzept der SRB-Light, das heute als Teil eines Antrages zur Optimierung des Kieler ÖPNV in der Ratsversammlung beraten wurde, aus einer bestehenden Notwendigkeit heraus erarbeitet. Die Piraten in Kiel standen der Stadtregionalbahn nie grundsätzlich ablehnend gegenüber. Es liegt jedoch auf der Hand, dass die SRB in ihrer von der Kooperation gewünschten Form so nicht zustimmungsfähig ist.

Der auch immer wieder von den Befürwortern gewagte Blick auf unsere Partnerstadt Brest, die sich an die Realisierung einer ähnlichen Stadtbahn wagte, zeigt: Das Geld, was in Kiel für die Umsetzung eines ganzen Netzes neuer Strecken veranschlagt wird, reichte in Brest für den Bau gerade mal einer einzigen Strecke. Vor diesem Hintergrund ist die bisherige Aufstellung der Kosten stark zu bezweifeln. Das hat in der jüngsten Vergangenheit auch die Landesregierung verstanden, die dem Projekt SRB wegen jahrelangen Stillstands einen nachrangigen Platz auf der Prioritätenliste der Schleswig-Holsteinischen Verkehrsprojekte zuwies.

Aus diesem Grund hat die Piratenfraktion zusammen mit der FDP-Fraktion einen Antrag gestellt, der den bestehenden Stillstand beheben soll: Die Stadtregionalbahn Light verzichtet auf den äußerst kostspieligen Neubau der Strecke über die Holtenauer Straße. Damit ist sie die einzige Möglichkeit, eine Stadtregionalbahn in Kiel noch umzusetzen. Wir haben der Ratsversammlung ein Konzept vorgelegt, dass die Kritik der Bürger aufgreift und die Menschen mitnimmt. Die Kooperation will dieses Konzept nicht einmal prüfen. Rot, Grün und SSW rühren Beton an, klatschen ein paar unverdauliche Wackersteine hinein und nennen das Politik. Wenn die SRB endgültig scheitert, liegt die Verantwortung ab heute bei der Kooperation.”

Zunächst einmal wäre zu erörtern, was bedeutet „Wir haben unser Konzept der SRB-Light, … aus einer bestehenden Notwendigkeit heraus erarbeitet“.Wo ist dieses erarbeitete Konzept. dass auch diesen Namen verdient? Ich möchte gerne eine Kopie davon. Oder was meinen Piraten, wenn sie von Konzept sprechen? Mir scheint im Wesentlichen ist das Konzept dieser Satz „Die Stadtregionalbahn Light verzichtet auf den äußerst kostspieligen Neubau der Strecke über die Holtenauer Straße.

Da frage ich mich, wie lange man wohl an dieser Maßnahme gesessen hat. Im Antrag selbst steht auch „Zu prüfen ist ferner der Bau einer Strecke nach Mettenhof.“ Komisch aber auch, denn auf allen Streckennetzplänen, die ich kenne ist eine Strecke nach Melsdorf über Mettenhof bereits eingezeichnet. S.a. hier:

Streckennetz SRB

Streckennetz SRB

Es stimmt natürlich, dass bisher wenig voranging in Kiel. Dies liegt aber auch an politischen Widerständen und der irrationalen Gegenargumentation. Aber das, was es bisher an Konzepten gibt, ist das beste was vorliegt. Wie auch schon in der Debatte deutlich wurde, wird es nicht dadurch besser, dass man eines der Kernstreckenstücke herausschneidet. Und schon gar nicht dadurch, dass man im gleichen Atemzug eine Seilbahn über die Förde propagiert. Weder von der FDP noch von den Piraten konnte nur annähern erläutert werden, die Verkehre statt über die SRB dann über die Seilbahn abgewickelt werden, noch scheint es überhaupt Überlegungen zu geben, wie der Gesamtverkehr des ÖPNV in Kiel abgewickelt werden soll. Eine ähnliche Nebelkerze wie die Begeisterung der CDU für Elektrobusse. Keiner kann von einer Fraktion ein vollständiges Konzept erwarten, aber es ist schon mehr als peinlich, wenn Fraktionen bestehende Konzepte, die in die Jahre gekommen sind zu zerpflücken versuchen und deutlich wird, dass sie sie wahrscheinlich nicht einmal gelesen, geschweige denn verstanden haben. Insofern harren die Kieler*innen einer ernsthaften Auseinandersetzung mit den Themen, SRB, ÖPNV und Gesamtverkehr. Man kann da sicher viel Fehler und Defizite in den bestehenden Konzepten finden, aber mit Sicherheit ist es kein Fehler, dass der Stadtteil Wik bislang nicht ausgeklammert wurde.

Das das Ausklammern der Wik keinen Einfluß auf die Regionalverbindungen haben würde, wie von den Piraten behauptet wird, ist lächerlich. In der Wik wohnen 18.000 Menschen. Ein Kerngedanke eine SRB ist es auch, dass Menschen eben von einer Haltestelle, wie z.B. der Universität direkt nach Eckernförde fahren kann, eben ohne zuvor mit dem Bus zum Bahnhof zu fahren. Ohne die Wik würden die Fahrgastzahlen natürlich massiv schrumpfen und die Sinnhaftigkeit des Unterfangens wäre in frage gestellt.
Es geht mir hier nicht darum einzelne Fraktionen zu bashen. Aber es ärgert mich, wenn gewählte Vertreter sich hinstellen, sich nicht informieren und versuchen eine Idee zu zerreden, ohne sich ernsthaft jemals mit dem Thema befasst zu haben. Alleine der Titel „Ratsherr“ und die Möglichkeit über ein Thema abzustimmen verleiht noch keine inhaltliche Kompetenz. Als gewählte Vertreter genießen die Ratsleute einen Vorschuss an Vertrauen und sie haben die Chance zu beweisen, dass sie das Vertrauen wert sind. Leider zu oft zeigt sich, dass das Vertrauen missbraucht wird und Politik zu bequem betrieben wird.

FDP und Piraten wollen am Bürgerentscheid zur SRB festhalten. Heißt das auch, dass sie einen Bürgerentscheid für eine Seilbahn wollen?

Und wie stellen sich diese Fraktionen die Zukunft des Verkehrs in Kiel vor?
Fragen über Fragen, aber keine Antworten…

Written by tlow

10. Juli 2014 at 23:14

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Öffentlicher Verkehr, immer noch gespalten

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Meine Erfahrung meiner letzten Zugreise von Kiel nach Hamburg und zurück war interessant: Mit einem Regionalticket (rd. 16 Euro) kann man sowohl den Nahverkehr in Hamburg als auch in Kiel nutzen Bei der Rückfahrt buchte ich eine Fahrt von einem Stadtteil Hamburgs mit ICE bis zu einer Haltestelle in Kiel (für 29 Euro) . Ich war dann erstaunt, als der Busfahrer meinte mit dem Ticke könne ich nicht vom Hauptbahnhof zu der Haltestelle fahren.

Also ums mal zusammenzufassen: Wenn man 13 € mehr ausgibt, muss man zusätzliche Nahverkehrsticket lösen, wenn man das günstigere Verbundticket löst, spart man sich diese Karten. Den Zeitvorteil von 10 Minuten kann man dabei eher vernachlässigen.

Der Busfahrer sagte zu mir: „Das ist DB, damit haben wir nix zutun“. Die DB antwortete auf Nachfrage in Twitter:

ICE ist eine höherwertiger Zug mit mehr Komfort. Im Nahverkehr bestimmt der Verbund die Preise.

Für mich spricht aus beiden Aussagen eine ähnliche Denke: es ist für mich als Kunde ja inzwischen nötig zwei Portale zu bedienen, um verschiedene Tickets zu buchen: nah.sh und bahn.de. Ich muss dafür also parallel zwei Suchen durchführen – und das für den gleichen Zweck. Das Problem ist, dass die Firmen die Nöte der Kunden nicht mit deren Augen betrachten: Mir ists ja ganz egal, was hinter den Kulissen läuft. Ich will von A nach B und will ein Ticket buchen. Wenn ihr euch da nicht einigen könnt, wer welche Kosten übernimmt, dann ist das euer Bier. Das aber auf den Kunden abzuwälzen oder bei ihm um Verständnis zu bitten ist abwegig. Ich fahre sehr gerne Bahn, Bus weniger gern wegen der ständigen Überfüllung und den mangelnden Komfort. Aber eins ist klar: Um Menschen zum Verzicht aufs Auto zu bewegen braucht es attraktive Angebote. Und wer mit dem ICE von Hamburg nach Kiel fährt, will sicher nicht noch zusätzlich ein Ticket lösen. Insbesondere dann nicht, wenn sein Ticket bereits die Endhaltestelle enthält. Ich habe da jedenfalls nicht darauf geachtet, weil ich nie im Leben mir vorstellen konnte, dass ICE bedeutet, dass man weniger Leistung bekommt.

Ich würde auch vorschlagen, dass es nur noch ein Portal gibt um Verbindungen zu suchen und Tickets zu kaufen. Wozu an zwei Portalen anmelden. Autofahrer müssen auch nicht verschiedene Autos kaufen, um in verschiedenen Städten zu fahren. Die Hürden um ein Ticket zu kaufen und zuerst auch die Kosten zu wissen, müssen gering sein. Fakt ist aber, dass man immer häufiger KEINE Preisauskunft bekommt oder auch ein Ticket nicht buchen kann. Wir haben das Jahr 2013. Integrierte Systeme wären mit Sicherheit kein Problem, wenn man es denn lösen wollte Ich sehe da gar keine andere Lösung. Nicht, wenn man zur Konkurrenz des Auto bestehen will.

 

Written by tlow

29. Dezember 2013 at 17:16

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Vergleich: KVG vs StattAuto vs Bahn

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Hier noch mal zwei Beispiele für Fahrten mit und ohne StattAuto Kiel von zwei Personen  aus der Realität:logo_stattauto

  1. Eine Fahrt mit dem KVG-Bus kostet in der Kernzone 2,40 €, bzw. 2,12 € (Mehrfahrtenkarte). Wenn man zu zweit unterwegs ist, fährt man ja von A nach B und wieder zurück von B nach A. Preislich kostet das dann also 9,60 € , bzw. 8,46 €. Bei einer Fahrt von zwei Stunden und bei 13 Kilometer (Hin- und Zurück) bei StattAuto 6,99 €. (2,61 bzw. 1,47 € gespart!)
  2. Eine Fahrt mit der Bahn nach Eckernförde kostet (Kleingruppenkarte) 27,50 €. Die gleiche Fahrt bei 68 Kilometern insgesamt und drei Stunden kostet bei StattAuto 21,64 €. (5,86 € gespart!)

Berechnet wurde das ganze mit dem Kostenrechner von StattAuto. Zu berücksichtigen ist hierbei, dass der aktuelle Kilometerpreis sogar einen Cent billiger ist, als im Kostenrechner.

Interessant hierbei finde ich immer wieder, dass ja an sich Bus und Bahn so oder so die Strecken fahren. Das heißt ich als einzelner Fahrgast koste ja nichts. Im Gegensatz zu StattAuto, wo es einen realen Mehrverbrauch gibt. Wie kann es da sein, dass dennoch eine Fahrt günstiger ist? Noch anders sieht es dann ja auch, wenn man mit mehr als zwei Personen fährt. Zudem kann man die Zeitkosten bei StattAuto auch durch weitere Anteile senken. Bei einem Anteil der Standard ist, senkt sie sich bereits um 5 Prozent.

Bei der Fahrt nach Eckernförde gibt es allerdings auch die Möglichkeit mit dem Bus zu fahren. Das kostet dann lediglich 17,20 €. Die Fahrzeit beträgt dann allerdings auch 50 Minuten statt 26 Minuten. Das habe ich hier also unberücksichtigt gelassen.

Man sieht daran, dass manche Fahrt, die bei StattAuto als Einzelfahrt recht teuer erscheint auf einmal günstiger wird, wenn man nur eine weitere Person dabei hat.

Written by tlow

3. Juni 2013 at 09:54

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