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#CDU-Plan offenbart Widersprüche #rvkiel #verkehrswende #KielAutofrei

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Pressemitteilung der CDU https://www.cdu-kiel.de/artikel/eine-verdraengung-des-autos-aus-der-stadt-wird-es-mit-der-cdu-nicht-geben

Die CDU Kiel hatte bereits am 11.9. betont:

Die Verkehrswende wird nicht erfolgreich sein, wenn verschiedene Verkehrsträger gegeneinander ausgespielt werden.

In der KN vm 18.9. meint die Kieler CDU zwar, dass sie sich generell zur Verkehrswende bekennen und dem Ziel den Autoverkehr um 40% zu reduzieren. Rainer Kreutz, Tobias von der Heide und Florian Weigel hätten ein Papier entworfen, das Vorschläge zur Verkehrswende auf „Augenhöhe“ der Verkehrsmittel beinhalten soll.

Und hier liegt eines der größten Missverständnisse vor: Warum sehen unsere Landschaften und Städte so aus, wie sie aussehen?

Wenn man schon den Schritt macht, die „Autogerechte Stadt“ nicht mehr als Ziel zu haben, liegt ja bereits die Erkenntnis vor, das etwas falsch gelaufen ist und das die Augenhöhe nicht besteht.

Augenhöhe bedeutet für mich, dass es eine Flächen- und Nutzungsgerechtigkeit gibt. Auf welcher Basis aber ist schon wieder die Frage: Denn ein Auto benötigt sowohl Parkplätze als auch mehr Raum als eine Person.

Eine Gleichbehandlung würde zB bedeuten, dass man sagt: Egal wie viel Raum das Auto oder Rad benötigt, es wird dem Raumbedarf für Fußgänger:innen gleichgesetzt. Wenn jetzt die CDU dann aber meint, keine Parkplätze reduzieren zu wollen, verlässt sie bereits ihren eigenen Anspruch auf Augenhöhe. Gerechtigkeit herzustellen bei einer Torte, bedeutet eben auch, wenn das Aut bisher das größte Stück abbekommen hat, das man ihm in Zukunft ein weniger großes Stück zuweisen muss. Also bedeutet es auch zB über den Raum nachzudenken, den Autos für Parken bekommen. Der Raum sollte dann nicht größer sein, als den Fußgänger:innen zum „Parken“ brauchen.

Mit der Gerechtigkeit kommen wir auch nur bedingt weit, weil da eben auch weitere Aspekte einfließen. Ein Bus zB braucht in der Breite und Länge mehr Platz als ein Auto, aber transportiert viel mehr Menschen, wenn er ausgelastet ist.

Ich finde die aktuelle Diskussion auch interessant, wenn die GRÜNEN die Idee propagieren, dass man Regeln wieder einführt, wie sie vor der Hinwendung zur autogerechten Stadt galten. Das zB nicht automatisch in jeder Straße geparkt werden darf, oder auch die Idee, das nur die ein Auto kaufen dürfen, die einen eigenen Parkplatz vorweisen können. Das sind natürlich bundesweite Regeln, die sich aber auch auf Kiel niederschlagen.

Im Kern sind zwei Grundgedanken, die aufeinander aufbauen wichtig:

  1. Den Raumbedarf und die Anzahl der Autos begrenzen, damit sie nicht mehr werden.
  2. An einer gerechteren Umverteilung zu arbeiten. Also erst ein mal die Augenhöhe herstellen.

Die CDU will „Anreize statt Verbote“. Aber 9500 Innenstadtparkplätze sind eben ein starker Anreiz das Auto zu nehmen, statt den Bus. Im übrigen erscheint die Holtenauer Straße lediglich als „autofreundlich“. In Wirklichkeit schaufeln die Busse ein Vielfaches an Einkaufenden dort hin. Frei Parkplätze gibt es dort weit weniger, als in der Holstenstraße! Das wird gerne übersehen, da man ja die Autos sieht. Aber nicht alle fahren in der Holtenauer um dort einzukaufen. Und es sind ebenfalls viele Fahrradfahrer. Ich empfehle dazu sich ein mal am Anfang der Holtenauer eine Stunde hinzusetzen und grob zu zählen und hinterher zu vergleichen. Ich hatte da vor einem Jahr ein echtes Aha-Erlebnis. Nur kurz zur Erläuterung: Nur wenige Busse pro Stunde, also zB 10 Gelenk-Busse transportieren bis zu 160-170 Fahrgäste und man kommt somit auf ca. 1600 Menschen.

Der durchschnittliche Besetzungsgrad eines Autos ist 1,5. Das würde also rund 18 Autos pro Minute entsprechen.

Die Wirklichkeit in der Holtenauer Straße ist noch krasser. Hier alle Busse, die vom Dreieckplatz Richtung Schauenburger Straße fahren:

Laut nah.sh. Daraus ergibt sich:

  • Theoretische 6.400 Fahrgäste pro Stunde oder 106 pro Minute.
  • Das entspräche bei Autos 4.267 Autos pro Minute!

Das sind jetzt nur meine überschlagenen Zahlen nach Fahrplan plus theoretischer Kapazität. Die Realität liegt sicher darunter. Aber dennoch macht sie deutlich, das wahrscheinlich weniger die Parkplätze als die gute Busanbindung im Vergleich zur Holstenstraße einen Unterschied machen. Oberflächlich betrachtet könnte man das Gegenteil annehmen, aber die Zahlen sprechen doch eine ganz andere Sprache! Selbst wenn die Busse nur zur Hälfte oder weniger besetzt wären, ist der ÖPNV dort die eigentlich tragende Säule und das Auto relativ unbedeutend!

Ich finde das SEHR GUT, das die CDU Kiel ein Konzept vorlegen wird, denn erst dann kann man über verschiedene Fragen diskutieren. Ich bin allerdings skeptisch, wenn sie bereits im Vorfeld gleichzeitig eine Einschränkung des Autos oder des Parkens ablehnen. während sie proklamieren einen Dialog auf Augenhöhe führen zu wollen! So KANN es NICHT gehen!

Ein Dialog auf Augenhöhe (in Kiel und zwischen Verkehrsmitteln) erfordert meines Erachtens, dass es einerseits keine Tabus gibt und andererseits, das man Kriterien findet, anhand derer man entscheiden kann, welche Lösung vorteilhafter ist, oder was eine gerechtere Lösung ist. Vielleicht gibt es da auch vielfältige Zielkonflikte?

Wichtig ist natürlich auch, das wir nicht nur diskutieren, sondern auch weiter handeln müssen. Also zB könnte eine Seilbahn aktuell die Stadtbahn verzögern. Ich halte eine Seilbahn ebenfalls für gangbar, besonders für eine Querung als Alternative zur Fördeschifffahrt. Günstiger und schneller. Aber da gehts dann ja auch drum: Was wurde bereits investiert und wie sind die Pläne mit der SFK der nächsten Jahre?

Eigentlich müssten am Anfang einer Debatte um die Zukunft des Verkehrs eher solche Fragen stellen:

  • Was ist den Kieler:innen wirklich wichtig bei ihrer Mobilität?
  • Welche Anforderungen an eine zukünftige Stadt haben wir?
  • Was sind die Grenzen der Raumnutzung?
  • Was ist eine gerechte Verteilung?
  • Wieviel Raum bekommen Kinder?
  • Welche Priorität geben wir Barrierfreiheit und Teilhabe?

Ich bin gespannt, was die CDU veröffentlichen wird.

Written by Thilo

19. September 2020 at 20:56

Veröffentlicht in Allgemein

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#365Euroticket kommt in Kiel, aber wird keine Verbesserung bringen

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auch Ein-Euro-Ticket genannt. Am Donnerstag wurde es in der Ratsversammlung beschlossen Drucksache 377/2020 . Zahlreiche Untersuchungen belegen aber und das ist auch die Position des Verbandes Deutscher Verkehrsunternehmen, dass es der falsche Weg ist, bevor es wesentliche Verbesserungen im ÖPNV gibt auf eine Senkung der Fahrpreise zu setzen. Zur Zeit ist sowieso die größte Sorge, ob mitten in der Pandemie bei seit gestern wieder steigenden Zahlen der Aktiven Fälle (nach Johns Hopkins Universität, laut RKI schon seit dem 11. Juni siehe Daten) nicht die Betriebe des Öffentlichen Nahverkehrs überhaupt überleben werden. Gerade jetzt ist der falsche Zeitpunkt die Finanzierungsmöglichkeitenzu verringern. Momentan ist eher die größte Sorge, dass die Leute aus Angst vor Ansteckungen nicht mehr in Busse steigen. Der Preis ist da überhaupt kein Faktor.

365-Euro-Ticket oder Ein-Euro-Ticket sind reine Marketingbegriffe. Aber hier hat nun sogar die CDU zugestimmt. Und die Linke nur dagegen, weil es ihr nicht weit genug geht.

Wie so oft in Kiel beschließt man wieder ein mal Maßnahmen, von denen man weiß, dass sie nicht wirken will, weil es gut klingt und auch viele Befürworter:innen haben wird. Es wird allerdings eher die Situation der KVG verschärfen.

Folgende sonstige Maßnahmen sind noch beschlossen worden:

  • Um eine ganzheitliche Attraktivierung des ÖPNV in Kiel zu bewirken, den Nahverkehr im Verbund zu stärken und das Image
  • Senkung des Tarifs für Einzelfahrscheine (Erwachsene innerhalb Kiel) auf 2 Euro
  • Einführung eines Sozialtickets mit 50 Prozent Ermäßigung
  • Erweiterung des Kurzstreckentickets um eine weitere Station
  • Weiterentwicklung des Einzelfahrscheins zu einem 120-Minuten-Ticket, mit dem Hin- und Rückfahrt möglich ist
  • Erhöhung der Frequenz der Buslinien und Einsatz von Minibussen in verkehrsschwachen Zeiten
  • Möglichkeiten für Kombi-Tickets mit Institutionen (Theater, Oper, Konzertveranstaltungen) als Bestandteil des ÖPNV-Tickets bzw. an das Ticket gekoppelt
  • Prüfung von Schnellbuslinien zu Gebieten mit einer hohen Arbeitsplatzdichte zu Verkehrsstoßzeiten (z.B. Wellsee)
  • bessere Abstimmung der Busfahrpläne zu den Bahntakten insbesondere am Hauptbahnhof aber auch an den kleineren Stationen (z.B. Suchsdorf, Hassee, Russee, Elmschenhagen, Ellerbek, Oppendorf)
  • Einführung digitaler Tickets mit intelligentem Abrechnungssystem und innovativen Lösungen auch für ältere Menschen. Der Datenschutz muss hierbei gewährleistet sein.
  • Inkludierte Tickets mit Share-Systems, welche z. B. die Benutzung der Sprottenflotte beim Kauf eines Tickets kostenlos ermöglicht.
  • Nahverkehrspaket für Neubürger*innen einschließlich gratis Monatskarte für den Kieler Nahverkehr
  • Infomonitore zu ÖPNV-Abfahrten in öffentlichen Einrichtungen
  • Erarbeitung von Maßnahmen zur Verbesserung der Pünktlichkeit auch bei schlechten Verkehrsbedingungen (Busspuren in der Innenstadt und auf Hauptachsen)
  • Die Möglichkeiten eines individuellen Ausstiegs entlang der Routen insbesondere in den Abendstunden.

Wichtig: ÖPNV grundsätzlich neu denken

Leider spricht aus dem beschlossenen Paket nicht sehr hohe Verkehrskompetenz. Das sind alles eher Stammtischvorschläge oder Sachen, die einem am ersten einfallen, um etwas zu verbessern. Die Debatte in Deutschland ist da leider noch nicht so weit. Ich habe ja schon in diesem Blog ab und zu auf die Arbeit vom Amerikaner Jarrett Walker aus Portland,Orgeon verwiesen, der als ÖPNV-Berater besonders darauf wert legt, dass man in bestimmten Zeiträumen mit dem ÖPNV möglichst weit kommt. Alles andere ist sekundär. Natürlich ist das ÖPNV-Angebot auch immer ein politischer Kompromiss. Aber die Richtung muss stimmen. In Kiel zB sind die Orte der Bushaltestellen und die Bedienung als Dienstleistung (via KVG) voneinander getrennt. Dabei kann und darf man das niemals getrennt betrachten. Letztendlich geht es ja um die Gesamterfahrung der Menschen bei ihrem Weg mit dem Öffentlichen Verkehr. Und natürlich vergleichen die Menschen den ÖPNV auch immer mit dem konkurrierenden Verkehr.

Was man natürlich NICHT will ist:

  • den ÖPNV als Konkurrenz zu anderen Verkehrsmitteln Umweltverbund/Mobilitätsverbund wie Fuß oder Rad

Was man dagegen vorantreiben muss ist:

  • Der Konkurrenz des Autos begegnen, dass oft in Geschwindigkeit wegen Beschleunigungsmaßnahmen wie Stadtautobahnen Vorteile hat. Oder das Vergünstigungen wie kostenlosem Parken oder Förderprogramme wie in Kiel „Parken Plus“ erhält.

Heute war auch wieder interessant, wie die Kieler Nachrichten berichteten zur Sperrung des Theodor Heiss-Rings wegen Bauarbeiten:

  1. Die Vollsperrung für den Fußverkehr seit Wochen, die einen Umweg für Fußgänger um den ganzen Block an der Hamburger Chaussee bedeutet, wird nicht erwähnt, obwohl es die Wegezeit verdreifacht. Weil es für die KN eben so ist, dass Fußgänger:innen oder Rafahrer:innen absolut keinen Wert besitzen als Menschen. Erst wenn ein Auto im Stau steht, ist es schlimm.
  2. Sie haben mehrere Menschen interviewt, aber dabei den Zweck der Fahrten nicht erfragt und damit auch nicht hinterfragt. Aber der Zweck ist ja der eigentliche Grund für eine Fahrt und damit auch die Rechtfertigung dafür mit dem Auto in die Stadt zu fahren. Und wenn die Leute „für drei Kilometer eine halbe Stunde“ brauchen stellt sich schon die Frage, warum nicht umgestiegen wird auf alternative Verkehrsmittel.

Wir sind also in Kiel noch weit entfernt von der richtigen Diskussion und den richtigen Fragen. Richtige Fragen sind auch weit aus wichtiger als die richtigen Antworten. Denn selbst wenn die fragen gleich bleiben, können sich die richtigen Antworten verändern je nach Stand der Technik und anderen Entwicklungen.

Written by Thilo

13. Juni 2020 at 11:10

… und warum #Schnellbusse keine so tolle Idee sind

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Ein weiterer Vorschlag in Verbindung mit der schon von mir angesprochenen P&R Idee war ein Antrag in der Kieler Ratsversammlung zur Förderung eines Schnellbusses mit eigener Spur:

Die Verwaltung wird aufgefordert zu prüfen, auf welchen Hauptein- und Hauptausfallstraßen kurzfristig eine eigene Busspur für Schnellbusse eingerichtet werden kann.

Dazu muss man einerseits wissen, dass in Kiel viele Busspuren abgeschafft wurden, weil diese doch häufig zugeparkt oder blockiert waren. Z.B. in der Holtenauer Straße.

Zum einen hatte man diese bereits nach Abschaffung der Straßenbahn eingeführt und dann wieder abgeschafft. Zum anderen gibt es diese auch bereits als „S-Linien“.

Das Problem bei Schnellbussen ist, dass eine Abwägung getroffen wird zu lasten eines breiteren Angebots einseitig zur Geschwindigkeit. Dabei gilt meist auch das Auto als Maßstab. Allerdings fehlt diesen Bussen im Vergleich zu einem schienengebunden System Kapazität und auch Geschwindigkeit. Und es geht immer auch einher mit einer Absenkung der Qualität für andere Fahrgäste. Nämlich für diejenigen, an deren Bushaltestelle der Bus in Zukunft vorbei fährt. Das bedeutet: Weniger Menschen fahren mit diesem Bus.

Das Auto taugt nicht wirklich als Maßstab. Solange man außerdem dem Auto immer wieder Vorteile verschafft, durch günstigen Parkraum oder dem Ausbau von Straßen, wird es immer schneller sein als Massentransport. Einfach deshalb, weil diese Form des Transportes immer auf viele Interessen Rücksicht nehmen muss. Nahverkehr stellt immer einen Kompromiss dar. Man kann durchaus auch in einem Gesamtkonzept auch Schnellbusse vorsehen, aber die fehlende Annahme des Nahverkehrs durch Autofahrer*innen ist nicht dadurch lösbar, dass man auf wenigen Verbindungen ein paar Minuten schneller am Ziel ist.

Leider ist die Kompetenz der Ratsversammlung diesbezüglich sehr gering. Und das Problem ist, dass sie das weder wissen noch demgemäß handeln. Bei Bussen hat gefühlt jede/r eine bessere Idee, wie man alles ganz einfach lösen kann. In Kiel gibt es daher bis heute kein gutes und leistungsfähiges Buskonzept. Es müsste dringend ein mal neu durchgerechnet und optimiert werden mit externem Sachverstand. Und damit meine ich explizit NICHT Kommunalpolitiker*innen, die das meinen nebenbei lösen zu können.

Written by Thilo

23. Februar 2020 at 22:47

Veröffentlicht in Rathaus, Verkehr

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Status der #Stadtbahn Kiel 2019

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Kommt die Stadtbahn oder kommt sie nicht? Mittlerweile ist es 34 Jahre her, dass die Straßenbahn in Kiel fuhr. Hier eine kleine Übersicht über den aktuellen Stand und offene Fragen.

Straßenbahn der Linie 4 (Fähre Holtenau) (Kiel 69.929)
Kieler Straßenbahn an der Haltestelle Holstenbrücke 1981

Und was ist mit dem Bussystem?

Viele Bürger*innen sind überwiegend mit dem heutigen System. Mit einigen Ausnahmen: Ja, es ist manchmal eng. Nicht alle Zeitgenossen sind angenehm, es ist manchmal eng und es schaukelt manchmal. Aber kann man darüber nicht hinweg sehen? Immerhin haben wir ja „Flüsterbusse“ und bald auch mehr Elektrische?

Kiel bus
(c) Arne List, Lizenz CC-BY-SA

Kann man das System nicht noch optimieren? Mit Sicherheit! Unabhängig von der Systemwahl: Busse wird es auch in den nächsten Jahrzehnten geben und diese werden immer wichtig bleiben, nicht nur bis zur Einführung eines neuen Systems. und das „Sternsystem“ der KVG erscheint doch sehr konservativ und in die Jahre gekommen. Gerade an Wochenenden und zu später Stunde erhöht sich die Fahrzeit oft auf viele Stunden, weil alle Busse gleichzeitig in eine Richtung fahren. das System ist für das Umsteigen optimiert, nicht für das schnelle Vorankommen in der Stadt. Und man hat da soweit ich es beobachtet habe die letzten 40 Jahre nichts Grundlegendes geändert.  Eine Stadtbahn wird den Druck zur Erneuerung auch nicht wegnehmen. Im Gegenteil.

Aber die Stadtvertreterinnen haben jetzt für die Stadtbahn gestimmt?

Leider Nein. Sie haben zwar nicht ausdrücklich gegen eine Stadtbahn gestimmt. Es gibt aber bis heute noch nicht mal eine Festlegung auf ein System, geschweige denn ein Datum für den Baubeginn oder einen fertigen Entwurf für zukünftige Trassen. Zuletzt wurden ein 371(!) Seiten starkes Gutachten veröffentlicht. Dort wird insbesondere als Alternative noch ein BRT-System („Bus Rapid Transit„) gehandelt und soll auch für ein Konzept, das frühestens 2020 vorgelegt werden soll als Alternative weiter behandelt werden.

Ab dem 7. September werden sich Kielerinnen auf der Kiellinie unter dem Motto „Kiel bewegt sich – Mobilitätswende jetzt!“ an Infoständen auch darüber informieren können, was als Nächstes folgt.

Die Debatte in Kiel ist schon etwas absurd: Fragt man bei den Befürworterinnen, so versichern die einem meistens, dass die Stadtbahn so gut wie beschlossen ist. Eben weil das BRT-System unterlegen sei. Die Gegnerinnen betonen hingegen, dass ja alles offen sei. Jeder legt es sich eben so zurecht, wie es ihm/ihr gefällt.

Bereits vor Jahren wurde über die StadtRegionalbahn (SRB) gestritten. Und die war eigentlich auch über Jahre schon eine feste Größe und Straßen wurden so gebaut, dass sie ihr Kommen bereits schon antizipierten. Aber dann kamen zwei große Knalle: 1.) Der Ausstieg des Kreises Rendsburg-Eckernförde aus dem Projekt und dann 2.) Das Canceln des Gesamtprojektes durch OB Kämpfer. Fragt man die Befürworter so sagen sie einem klar, dass die SRB mit dem Umland „eigentlich“ nach wie vor besser wäre, aber politisch nicht durchzukommen gewesen wäre. Auch dafür gab es bereits einige Gutachten. Dann hat man sich tatsächlich auf die SRB Light oder auch „Stadtbahn“ geeinigt, die relativ viel teurer sein wird als die SRB, da sie zwar auch teuer wird, aber weit weniger leistungsfähig.

Nun will man kein Risiko mehr eingehen und fährt nur noch Schrittgeschwindigkeit. Man will ALLE mitnehmen und setzt auf Konsens.

Dabei fehlte es bereits immer an Tempo und Entschlossenheit. Und das war schon immer der Grund, warum Kiel als einzige Landeshauptstadt kein schienengebundenes ÖPNV-System aufweist. selbst GRÜNE und SPD haben das Projekt zwar am Leben erhalten, aber nie wirklich mit Überzeugung gepusht.

Stadtbahn gegen Stickoxide und CO²?

Oft wird die Stadtbahn auch als wirksames Mittel gegen das aktuelle Stickoxid-Problem (v.a. in der Innenstadt /Ziegelteich) auch von der Stadt als Lösung der Zukunft angepriesen, oder zur Reduzierung der Treibhausgase und zur Erreichung von Klimazielen. Die Sache hat vor allem den Haken, dass man die Stadtbahn nicht bereits vor Jahren auf die Schiene gebracht hat!

Bei der Wankelmütigkeit und Unentschlossenheit der Kieler Politik, ist eine Tram keine feste Größe. Und bei dem aktuellen Tempo kommt die Stadtbahn leider zu spät, um beim Klima und Stickoxiden dieses und nächstes Jahr eine Erleichterung zu bringen. Kiel kommt nicht daran vorbei die gesamte Busflotte vorher für viel Geld zu 100% elektrisch auszustatten. Aber selbst dann wird diese Großinvestition keine Verbesserung des Angebots bringen. Gäbe es 2020 bereits eine Stadtbahn, hätte man sich die Elektrifizierung zum großen Teil sparen können. Nun ist es aber dafür zu spät. Die Verzögerung wird sehr viel Geld kosten. Und die Debatte in Kiel ist kaum voran gekommen. Noch immer wird bei Adam und Eva begonnen und das Zögern verunsichert auch die Bürger*innen und vermittelt den Eindruck, als müsse man noch darüber nachdenken, was der richtige Weg sei. Oder auch: Man weiß nicht wovon man redet und die Tram ist nur etwas, dass man als politischen Ballon aus dem Hut zaubert. Dahinter steht keine Überzeugung oder verkehrspolitischer Plan, sondern ist in der präsentierten Form eher Zeugnis einer Planlosigkeit. Es fehlt auch an manch anderer Stelle an wegweisenden Entscheidungen in der Kieler Verkehrspolitik.

Seit dem 1. September droht eine erneute Klage der DUH gegen Schleswig-Holstein und den Luftreinhalteplan. Und damit die gerichtliche Anordnung von Fahrverboten. Kämpfer hat NICHTS gemacht, um die Stickoxide wirksam zurückzuschrauben. Beweis dafür sind die aktuellen Werte. Es gibt nach wie vor Überschreitungen am Theodor-Heuß-Ring, Bahnhofstraße, Ziegelteich, evt. auch Alte Lübecker.

Wie gehts weiter?

2020 soll es dann erst ein Konzept vorgestellt werden, dass eine Trassenplanung für Tram und BRT enthält. Dieses wird dann der Ratsversammlung vorgestellt und erst dann wird sie vielleicht entscheiden, ob die Tram gebaut wird. Und erst danach wird es eine konkrete Planung und Ausschreibung geben. Und die Vergabe des Bauauftrages wird auch wieder Zeit kosten.

Aber 2023 sind schon wieder Kommunalwahlen. Eine Entscheidung vor 2023 erscheint eher unwahrscheinlich. Denn nach den Konzept wird die Debatte wieder von vorne anfangen. Und bei neuen Mehrheitsverhältnissen kann die Stadtbahn erneut gestoppt werden. Daher plädiere ich auch sehr deutlich dafür in weiteren Planungen in Kiel nicht immer auf die Stadtbahn zu warten. Die Verkehrswende muss sofort anfangen und 2030 lange abgeschlossen sein und nicht erst dann begonnen!

Ich sehe nur dann eine Hoffnung für eine Tram, wenn mehr Geld und eine ganz andere Geschwindigkeit vorhanden ist. Bisher fehlt die Entschlossenheit die für eine Umsetzung nötig wäre.

Written by Thilo

2. September 2019 at 08:27

Veröffentlicht in Stadtentwicklung, Umwelt, Verkehr

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#Wilhelmplatz Autofriedhof oder lebendiger Raum?

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Als ich diesen Vergleich las, hatte es bei mir wieder ein mal Klick gemacht:

 Ein Parkplatz zum Beispiel misst im Schnitt 12,5 Quadratmeter – das ist so groß wie ein Kinderzimmer.

Quelle: TAZ-Interview 8.3.19 „Parken ist kein Grundrecht“

Diesen Vergleich sollte eigentlich jeder im Kopf haben. Mit oder ohne Auto, wenn es in der Diskussion um das Parken geht!

Wir als Gesellschaft entscheiden darüber, welcher Nutzung wir Platz lassen. Z.B. ob die Stadt Kiel dem Zirkus Krone sogar so viel Platz einräumt, dass kein Platz mehr für einen Radweg (Kronshagener Weg) bleibt. Ist der Zirkus weg, kommen die Autos wieder.

Ungefähr 4 von 10 Kieler*innen verfügen über ein Auto. In Gaarden eher 2 von 10. Aber auf unseren Straßen geben wir eher 70% des Raumes dem Auto. Autos brauchen eben viel Platz. Und das sowohl wenn sie stehen, als auch wenn sie fahren.

Die Stadt möchte gerne Geld für das Parken auf dem Wilhelmplatz, bzw. nicht weiter hinnehmen, dass dort das Parken umsonst selbstverständlich ist. In der Debatte gibt es mehrere Fehlannahmen:

  1. „Ohne Auto kann man nicht einkaufen“: Zum einen gibt es viele Menschen, auch mit Familie, die seit Jahrzehnten entweder aus finanziellen Gründen oder aus Überzeugung auf ein eigenes Auto verzichten. Richtig eng wirds eigentlich erst bei Umzügen, Möbelkauf oder Elektrogroßgeräten. Dann aber besteht oft die Option der Lieferung und die Sachen passen oft eh gar nicht in die meisten Autos. Zum anderen bietet StattAuto oder eine Mietwagenagentur oder ein Taxi auch eine Möglichkeit. Dieses Jahr habe ich zum ersten mal jeden Tag auch massenweise Lastenräder mit und ohne Elektromotor auf der Straße gesehen. Es geht also.
  2. „Ohne Parkplätze geht der Einzelhandel zu grunde“: Zum einen hängen viele aktuelle Probleme heute eher mit dem Onlinehandel zusammen. Und zum anderen bauen viele große Discounter im Grunde lediglich Parkplätze mit einer Halle drauf. Wer geht da schon gerne einkaufen? In Einkaufsstraßen wie der Holtenauer kommen vermutlich auch die wenigsten Leute mit dem Auto. Die meisten halten dann illegal in der zweiten Reihe. Insgesamt sorgt der Durchgangs- und Parkverkehr nicht gerade für eine angenehme Atmosphäre. Und ein Wechsel der Straßenseite ist oft nur mit Ampeln zu empfehlen. Potentielle Käufer*innen werden so eher vom bequemen stöbern und Hin- und Herlaufen abgehalten. Und wer illegal parkt wird lieber schnell rausspringen, das kaufen was er auf dem Zettel hat und schnell wieder den Einkaufsbereich verlassen. Erfahrungen mit der Umwandlung von Parkstreifen oder Fahrbahnen zu Radwegen haben vielerorts gezeigt, dass der Umsatz in solchen Straßen sogar um 60% steigt. Weil Radfahrer*innen eben auch mal schnell anhalten ohne lange Parkplatzsuche. Und unterwegs mehr mitnehmen als eine Autofahrer*in. Die durchschnittliche Parkplatzsuche in Städten dauert 20 Minuten. In der Zeit hat man zu Fuß oder mit dem Rad schon bereits seinen Einkauf erledigt und befindet sich auf dem Rückweg.
  3. „Die Stadt ist verpflichtet den Autofahrer*innen Parkplätze anzubieten. Irgend wo müssen sie ja stehen“: Die Stadt hat viele Pflichten und Prioritäten. Aber jede Einzelne muss auch selber schauen, was sie sich anschafft und wo sie das abstellen kann. Radfahrer*innen und Lastenradbesitzer*innen kennen das auch verstärkt: Ein Rad kann man nicht ohne es anzuschließen stehen lassen. Aber den Kieler Bügel findet man nicht überall und die nächste Laterne ist schon besetzt. Bei Lastenrädern ist es so, dass sie oft so schwer sind, dass man sie weder in den Keller tragen kann, noch in den Hof. Auch Kinderwägen und andere Fahrzeuge sind oft ungeliebt im Hausflur.
  4. „Die Autofahrer zahlen schon am meisten“: Es ist eine Frage, welche Kosten ein Verkehrsmittel verursacht und wie viel Platz es beansprucht. Prozentual nehme Autos viel mehr Platz in Anspruch als z.B. der ÖPNV. Vor allem wenn man es mit der Transportleistung ins Verhältnis setzt. Ein Auto ist immer ein Verkehrsmittel Einzelner, nicht Vieler. Daher muss man Investitionen in die Straßeninfrastruktur viel kritischer beurteilen, weil sie nur wenigen nützen. Aber gerade die Infrastruktur wie Autobahnen sind teuer. Inklusive Autobahnauffahrten, Autobahnkreuze und auch Ampeln und Kreuzungen in der Stadt.

Plätze wurden ursprünglich nicht als Parkplätze geschaffen. Nun haben Autos oft seit Jahrzehnten ein Monopol auf ihre „Nutzung“. Dabei stehen die Autos die meiste Zeit dort nur herum und verhindern damit jede andere Nutzung. Das Auto stranguliert unsere Städte und es wird Zeit, dass es den Platz zugewiesen bekommt, den ex maximal verdient. Überall und umsonst parken ist nicht akzeptabel!

Written by Thilo

10. August 2019 at 09:52

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